So geht Bank gar nicht

Seit etwa einer Woche wird sehr hitzig über die neuen Werdertrikots
diskutiert, die am Donnerstag "im Rahmen eines spektakulären
Launchevents" präsentiert wurden. Mal ganz davon abgesehen, dass das
Wort "Launchevent" wohl eine der perfidesten Vergewaltigungen der
englischen wie deutschen Sprache darstellt, die jemals von findigen
Marketingleuten erdacht wurden, und auch davon abgesehen, dass
Trikotdesignern bei der Beschreibung ihrer Kreationen schon mal die Lichter durchbrennen,
so muss man doch sagen, dass Werders Spielbekleidung für die neue
Saison jede Menge Staub aufgewirbelt und vorerst sogar die sonst
allgegenwärtigen Transferspekulationen in den Hintergrund gedrängt hat.

Im
Mittelpunkt der Kritik steht dabei der neue Aufdruck auf den Trikots:
"So geht Bank heute". Ein Satz, der beim Lesen wehtut, jedoch dem
Zeitgeist der "Ich kann Kanzler"-Medienwelt durchaus entspricht. Vielen
Fans stößt allerdings vor allem die Botschaft sauer auf. Kann man es
akzeptieren, dass Werder in Zeiten der weltweiten Bankenkrise einen
zumindest missverständlichen Slogan für einen der Mitverursacher auf
der Brust trägt? Aus moralischer Sicht ist dieser Zweifel sicherlich
berechtigt. Allerdings kann ich mich in den letzten zwei Jahren nicht
an sonderlich viel Widerstand gegen den bisherigen Trikotsponsor Citibank erinnern. Nun, da der deutsche Ableger der Citibank von Credit Mutuel
übernommen wurde und den Markennamen ab April 2010 nicht mehr benutzen
darf, wird der Slogan als Platzhalter bis Jahresende die Werderbrust
zieren. Heißt das nun: Bank als Sponsor ok, Slogan für Bank nicht?

Die
Kritik wirkt wie so oft etwas beliebig. Man muss eben erst mit der Nase
darauf gestoßen werden, um zu merken, dass etwas stinkt. Vielleicht
hätte man statt dem Nike-Logo einen Slogan "So geht
Kinderarbeit in Dritte-Welt-Ländern heute" auf die Trikots sticken
sollen, dann hätte es mit Sicherheit auch Proteste gegen den neuen
Ausrüster gegeben. Doch auch dann hätte man fragen müssen, wo genau der
Unterschied zum Vorgänger Kappa liegt. Das Problem an der
Diskussion um Ethik bei der Sponsorenwahl ist die Frage, wo man
anfangen und wo man aufhören soll. Wie groß ist die Auswahl an
Unternehmen, die keinen Dreck am Stecken haben und dazu noch bereit
sind Geld für Sponsoring auszugeben? Welcher Fan würde zugunsten einer
moralisch einwandfreien Sponsorenauswahl schon gerne auf ein paar
Millionen und folglich ein, zwei gute Spieler pro Saison verzichten?
Wir diskutieren doch eigentlich viel lieber über das Flugverhalten der
neuen Fußbälle, als über die Kinder, von denen diese in Pakistan
zusammengeklebt wurden. Und solange es noch den FC Gazprom Schalke
gibt, kann man im Zweifel immer noch mit dem Finger auf andere zeigen,
die noch böser sind.

Deshalb werden diese Dinge auch bald wieder
in Vergessenheit geraten. Sprechen wir also lieber über die
Hässlichkeit der neuen Leibchen, den Kartoffelsack-ähnlichen Schnitt,
die am VfL Wolfsburg orientierten Heimtrikots, die orangefarbenen
Querstreifen auf den Auswärtstrikots und die gänzlich hollandesken
Ausweichtrikots. Hier gilt das gleiche Motto, wie unterm
Weihnachtsbaum: Hauptsache der Inhalt stimmt, dann interessiert die
Verpackung niemanden mehr. Hoffen wir also ab August auf viel schönen
Inhalt, dann klappt's auch mit den Trikotverkäufen. Den Kinderarbeitern
wird's Wurscht sein.

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