Stahlbad

Bundesliga, 13. Spieltag: Schalke 04 – Werder Bremen 4:0

Ich bin Jahrgang 1981. Einige Monate vor meiner Geburt stieg Werder wieder in die Fußballbundesliga auf. Seitdem stand Werder in 29 Spielzeiten am Ende der Saison 27 mal in der oberen Tabellenhälfte. Als Werder das erste Mal in der unteren Tabellenhälfte stand, war ich 17 Jahre alt. Beim zweiten Mal 27. In beiden Jahren gewann Werder den DFB-Pokal. Selbst die schlechteste Saison, die ich als Fan jemals durchlitten habe, wäre für (mindestens) die Hälfte der Bundesliga ein Erfolg.

Mit dem Erfolg wachsen die Ansprüche. Sie müssen wachsen, weil es im Fußball keinen Stillstand gibt. Immer weiter, sonst wird man von den anderen abgehängt. Meister kann man in Bremen nicht jedes Jahr werden (wenn man sich die Statistik entsprechend hinbiegt, ist Werder in den letzten 16 Jahren nur einmal Meister geworden), aber die Champions League Qualifikation kann man schon erwarten. Erfolg begünstigt Erfolg. Der Kader wird teurer und hochwertiger, die Spieler talentierter und anspruchsvoller.

Zwar war allen Beteiligten bewusst, dass es auch mal eine schlechte (sprich: erfolglose) Saison geben würde. Dass es einmal nicht reichen würde, kurz vor Schluss noch auf Platz 3 zu springen. Dass man dies einmal nicht mit Erfolgen im Pokal überdecken könnte. Das macht das Jahr X nicht unbedingt schöner, aber zumindest ein wenig erträglicher, da man sich schon vorher damit auseinandergesetzt hat. Man hat sich das Mantra immer wieder ins Gehirn eingeprägt: “Irgendwann wird es auch uns treffen.”

Es trifft jeden einmal. Selbst die Bayern traf es 1992. Leverkusen rutschte 2002 direkt vom Champions League Finale in den Abstiegskampf. Den HSV hat es 2007 erwischt, die Hertha 2004 und dann schließlich 2010. Borussia Dortmund ging 2003 mit lautem Knall und war drei Jahre zuvor lange im Abstiegskampf. Auch Schalke hat es schon oft genug erwischt, genau wie die Traditionsmannschaften aus Kaiserslautern, Köln, Mönchengladbach und Nürnberg. Vielleicht sind wir einfach mal fällig.

Und trotzdem erwischt es einen immer auf dem falschen Fuß. Es sind nicht die Jahre, in denen man wirklich damit rechnet. 2003 schien es aussichtslos, 2006 – nach Micouds Abschied – war zumindest eine gewisse Verunsicherung da. Es erwischte uns erst 2008/09, als mit Pizarro die Qualität in den Angriff zurückkehrte. Doch da gab es ja den Pokal und den UEFA-Cup. In diesem Jahr sah es nicht unbedingt rosig aus, aber insgesamt konnte man bei Werder wieder einen starken Kader erkennen, mit dem man erfolgreich um die vorderen Plätze mitspielen sollte.

Nun steht Werder nach dem 13. Spieltag mit 15 Punkten auf Platz 12. So klingt Mittelmaß. Die 31 Gegentore klingen schon eher nach Abstiegskampf. Rein tabellarisch ist mit 6 Punkten Rückstand auf die internationalen Plätze noch vieles möglich, doch darauf gibt es nach den zuletzt dargebotenen Leistungen keinen Grund zur Hoffnung. Auch die Pokalwettbewerbe werden keine Linderung mehr verschaffen.  Es läuft alles schief, möchte man meinen, zumindest aber sehr vieles. 0:10 Tore in den letzten drei Spielen, dabei einen Punkt geholt (angesichts des Torverhältnisses fast schon ein Erfolg) und den Eindruck einer ausgelaugten, zerbrechlichen und in vielen Teilen unstimmigen Mannschaft hinterlassen. Was steht uns noch alles bevor?

Die Liste für die Fehleranalyse ist lang und wird immer länger. Was ist Ursache, was Wirkung? Wo sind die positiven Ansatzpunkte? Welche Störfaktoren müssen beseitigt werden? Auch für die Verantwortlichen wird es immer schwieriger diese Fragen zu beantworten. Ist die viel beschworene “Werderfamilie” Teil des Problems geworden? Braucht es größere Umwälzungen im Verein? Sollen wir alles in Frage stellen, weil wir ein paar Fußballspiele verloren haben? “In Frage stellen” ist gut. In erfolgreichen wie erfolglosen Zeiten sollte man sich von Zeit zu Zeit fragen, ob man wirklich auf dem richtigen Weg ist. Grundsätzlich und losgelöst von aktuellen Trends oder Ergebnissen.

Es sind aber nicht wir Fans, die sie beantworten müssen, obwohl jeder von uns seine Meinung dazu hat und umso lauter kundtut, je länger die sportliche Krise des Vereins andauert. Zunächst müssen die Spieler sie beantworten, dann der Trainer, der Vorstand und schließlich der Aufsichtsrat. Letztlich geht es darum zu unterscheiden, ob es für uns einfach one of those years ist, oder ob das Schiff in eine falsche Richtung gesteuert wird.

Einige Vereine erholten sich von ihren Seuchenjahren nie wieder. Kaiserslautern, Nürnberg, Gladbach und Köln waren schon lange nicht mehr Gast in den vorderen Tabellenregionen. Andere kamen schon im Jahr drauf zurück: Leverkusen 2004 oder Hertha 2005. Wiederum andere mussten erst durch ein Stahlbad gehen, um langsam wieder den Anschluss zu finden. So ging es uns in den Jahren zwischen 1995 und 1999. So ging es Borussia Dortmund seit 2004. Nun ist die Zeit des BVB gekommen. Irgendwann wird auch unsere Zeit wieder kommen. Das neue Mantra.

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    18 Gedanken zu „Stahlbad

    1. Ich war am Samstag im Stadion und war erschrocken über den Zustand der Bremer Mannschaft. Da stimmte fast gar nix.
      Mehr dazu in meinem Blogbeitrag zum Spiel:
      http://blogundweiss.de/2010/11/21/auf-dem-weg-der-besserung/

      Zum Trost: So düstere Worte habe ich in den letzten Wochen auch über den FC Schalke geschrieben. Und noch stehen wir auch schlechter da. Trotzdem geht bei uns der Trend nach oben. Mehr haben wir aber bisher auch nicht geschafft.

      Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. In drei Wochen KÖNNTE die Welt bei euch schon wieder ganz anders aussehen…

    2. Das dumme an der ganzen Sache ist, dass der Blick hinsichtlich der Frage, ob es sich nur um one of those years handelt, getrübt ist. Durch 11 Jahre Schaaf inklusive aller Erfolge, durch den mehrmals erbrachten Beweis, dass man sich wieder berappeln kann und Rückschläge wegstecken kann, sportlich und personell.
      Ich befürchte wirklich langsam, dass dieser getrübte Blick die Sache erst so richtig schlimm macht, weil man nicht rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkennt. Nicht, dass man unbedingt den Trainer austauschen müsste, aber bitte – die Leistungen der Mannschaft erzwingen eine massives Handeln und wie immer kann man nicht einfach die halbe Mannschaft suspendieren.
      Und die Mannschaft zeigt gerade einen Charakter und ein Aufbäumen, so dass allerschlimmstes zu befürchten ist. Wenn dann Allofs auch noch von 15 Punkten bis zur Winterpause spricht scheint mir wirklich ein Stück weit der Realitätsverlust eingetreten, fast müsste man sich einen noch kräftigeren Schuss vor den Bug wünschen, damit wenigstens alle erkennen, woran man ist.
      Klar hätte man gegen Frankfurt gewinnen können, aber auch in diesem Spiel und insgesamt seit mehreren Wochen habe ich
      keinen Plan mehr erkannt, wie man ein Tor schießen will. Frankfurt hat imho seine Chance auf einen leicht zu erringenden Auswärtssieg nicht erkannt und sich viel zu vorsichtig und defensiv aufgestellt. Davon ab: klar hat man mal Ballbesitz und gelingt mal ein Steilpass, der dann eventuell eine Chance kreiert, aber das scheint in dieser Phase eher noch das individuell doch vorhandene Potenzial zu bestätigen, als dass man es auf einen game plan zurückführen könnte. Die Bewegung der Offensivabteilung ist erschreckend, insbesondere Hunt und Marin, hinzu kommen die alltäglichen Auflösungserscheinungen in der Defensive nach Gegentoren.
      Es braucht schon einen guten Teil fröhliche Naivität und einen guten Teil Masochismus um freiwillig am Mittwoch einzuschalten. Jetzt wo Wesley ausfällt wird wohl auch die Unterstützung aus dem Mittelfeld für die Außenverteidiger wegbrechen, da kann man das over/under für Scorerpunkte von Bale und Lennon ja fast schon bei 4.5 oder so ansetzen.
      So, genug gejammert und geklagt. Nee, eins noch, mir wäre wirklich arg daran gelegen, den miesen kleinen Bild-Maulwurf rauszuschmeißen, hab heute schon wieder lesen müssen, dass jemand angeblich die Bild unterrichtet hat, das Schaaf der Mannschaft seinen Rücktritt angeboten haben soll…

    3. Was mir in den Spielen gegen Stuttgart und Schalke gegen den Strich geht, ist die geballte individuelle Inkompetenz da auf dem Feld. Und das ist jetzt aus meiner persönlichen Sicht nix, was man Schaaf ankreiden kann. Wenn selbst vermeintliche Leistungsträger wie Merte absolut nichts zur Beruhigung der Situation beitragen und der Abwehr keine Stabilität verleihen, was will man da machen? Schaaf wird Hunt vor dem 0:2 nicht gesagt haben, blöde zuzuschauen, wie Raùl sich den Abpraller holt. Ebenso wenig wird er Merte gesagt haben, er möge das 0:3 bitte auflegen.

      Mag sein, dass nur noch ein Trainerwechsel hilft, denn ganz offensichtlich verweigert die Mannschaft ja die Gefolgschaft. Und es ist schade, dass einerseits bei Schaafs Vertrauensfrage alle die Klappe halten und Hunt sagt, der Trainer erreiche die Spieler noch, aber auf dem Platz nix davon zu sehen ist.

      @Andre: Was heißt freiwillig einschalten. Wird ja niemand dazu gezwungen, sich das Spiel anzugucken, wenn er nicht will. Ich werde es mir anschauen, ich werde hoffen, dass es irgendwie gut ausgeht und dann schauen wir weiter. Mag diese allgemeine “Oooh, in Tottenham kriegen wir aber richtig”-Stimmung nicht. Natürlich gibt es keinen rationalen Grund für Optimismus, doch als Fan hofft man doch eigentlich immer das Beste, oder?

      BTW: Allofs hat folgendes gesagt (laut werder.de): “Wir legen uns nicht die Messlatte 15 Punkte aus fünf Spielen auf. Aber, um uns alle Chancen für die Rückrunde zu ermöglichen, müssen wir uns in Position bringen, besser spielen und einen besseren Punkteschnitt liefern.”. Daraus machen viele (auch ich irrtümlicherweise), dass er 15 Punkte gefordert habe. Kann ich da so nicht rauslesen.

    4. Natürlich wird niemand gezwungen, und ja, auch ich werds mir anschauen. Nur ist es wie gegen Schalke und Stuttgart halt auch durchaus mal quälend, da zuzugucken. Und wie du hoffe auch ich auf einen Erfolg (was auch immer das in dieser Situation schon wäre), nur bedarf es mMn eines guten Maßes an (auch bei mir vorhandener) Naivität, um daran zu glauben, denn die Vorzeichen stehen nicht gut, zumal Tottenham gerade gegen Arsenal ein 0:2 gedreht und noch gewonnen hat, also eher mit gehobenem Selbstbewusstsein ins Spiel gehen wird.
      Das Allofs-Zitat war mir so in der Tat nicht bekannt (oder ich habs vergessen), allerdings ändert es mMn nichts an der Tendenz, dass man schon wieder das Positive aus dem Frankfurtspiel überbewertet und da einen Schalter umgelegt sieht und nun Pläne für eine Aufholjagd schmiedet. Das scheint mir der falsche Gedankengang, nicht nur in Anbetracht des nun hinter uns liegenden Schalke-Spiels. Erstmal gucken, dass wieder mehr Leben und Idee in die Mannschaft zurückkehrt, dann kann man gucken, was man noch erreichen kann. Erstmal hinten sicher stehen, dann gucken, was nach vorne geht (wie in Stuttgart haben wir in Schalke wieder wie bei einem Heimspiel angefangen). Erstmal die elementaren Dinge richtig machen, dann anfangen, die ausgefeilteren einzuflechten.

    5. @Andre: Naja, aber was soll Allofs denn sagen? Soll er sich hinstellen und sagen, dass er schwarz sieht. Das, was er gesagt hat, ist doch eine ganz normale Floskel: Versuchen, so viele Punkte wie möglich zu holen ohne ein konkretes Ziel (Anzahl der Punkte, Platzierung oder Anzahl der Siege).

      Natürlich hast Du recht, dass da was passieren muss und dies das einzig entscheidende ist. Aber auf der anderen Seite ist es so, dass man sich ja auch der Presse stellen muss und die wollen Futter. Und am Ende der Tage erhält man dann solche Floskeln, die dann noch falsch zitiert oder gedruckt werden und alle sind beschäftigt. :)

    6. Enschede, Nürnberg, Bayern, Frankfurt, Stuttgart, Schalke…
      Mir stinkt es gewaltig. In den Massenmedien heisst es banal, die Mannschaft bricht auseinander, spielt grottenschlecht etc…. Das ist auf den ersten Blick richtig, auf den zweiten grober Unfug.
      Die Mannschaft hat in den genannten sechs Spielen immer ordentlich, gut und teilweise sehr gut anfangen. Aus dem Rahmen fällt nur das Bayern-Spiel, in dem die Mannschaft nach dem Ausgleich die Bayern lange dominiert hat – mit phasenweise gutem Fußball nach vorne.

      Ich bin mir nicht so sicher, ob wir jedem Trend folgen müssen (flache Hierarchien? Umgekehrt geht es auch) oder den Drang zur Verjüngung mitmachen müssen? Klar ist aber, dass diese Mannschaft aus guten Einzelspielern besteht und stets zusammenbricht, wenn der Gegner trifft. Gegen Nürnberg hätten wir viel höher führen müssen zur Halbzeit, gegen bayern klar siegen. In Enschede wurden etliche Chancen vergeben, selbst gegen Stuttgart gab es genug Chancen und Schalke fing mit zwei gelegenheiten und einer Überlegenheit im Mittelfeld auch gut an…

      Insofern erscheint es mir logisch, wenn Schaaf/Allofs sagen, dass sie ans Team und die Einzelfähigkeiten glauben. Sie wissen nur nicht, warum die Moral nicht mehr stimmt, die Vorgaben nicht mehr umgesetzt werden, kein Aufbäumen mehr da ist. Es scheint also ein rein psychologisches Problem zu sein.

      Insofern stellt sich vor dem Ende der Saison die Trainerfrage nicht, solange es nicht zu anhaltend katastrophalen Ergebnissen kommt wie zuletzt. Glaube aber, dass man sich im Winter verstärken muss, um das Mannschaftsgefüge durcheinander zu bringen und so den Knoten zu lösen.

      @andre: Der Bild-Heini muss fliegen, keine Frage. Fragt sich nur, wer das ist???

      Ich bin Werder-Fan seit 25 Jahren, seit ich 7 bin. Ich habe mich schon damit abgefunden, dass diese Saison nichts bringen wird. Aber wir müssen zurück in die Spur, denn der Wettbewerb wird dank der vielen Mäzene/Konzerne (VFL, Hoffe etc.) noch härter. Vor ein paar Jahren habe ich zu einem Freund gesagt: Wenn wir alle zehn Jahre einmal Meister werden und alle paar Jahre den Cup holen, ist alles gut. Mehr ist für uns nicht drin, Damit müssen wir uns abfinden, solange keiner von uns Milliardär ist… aber Abstiegskampf muss wirklich nicht sein.

    7. @Stephen: Naja, man kann z.B. sagen, dass man angesichts der Situation nicht von langfristigen Zielen sprechen möchte, sondern sich erstmal auf den kommenden Gegner konzentriert und versuchen muss, im Hier und Heute das beste abzurufen blablabla. Hat man ja so auch schon früher mal gehört, weswegen ich denke, dass das Frankfurtspiel ein Stück weit den Blick verstellt hat darauf, dass es so schlecht um die Mannschaft steht. Frankfurt war der Ausrutscher, nicht Stuttgart oder Schalke.
      @Hans: Widerspruch. Bremen hat in all den von dir genannten Beispielen (außer mit Abstrichen gegen FCB) nicht wirklich gut gespielt. Ja, gegen Stuttgart und Schalke und Nürnberg und Enschede hat man okay angefangen, aber insgesamt doch eher planlos, auf Zufälle vertrauend agiert, so zumindest mein Eindruck. Hier ist auch wieder die Aussage Allofs problematisch, denn man tritt sowohl in Stuttgart als auch nun wieder in Schalke an, als würde man zuhause spielen und spielt damit beiden eigentlich selbst genug verunsicherten Mannschaften in die Karten. Eigentlich müssten die doch viel eher mal aufmachen als wir, denn die stehen noch hinter uns und spielen vor langsam unriuhig werdendem Publikum. So kommt irgendwann der Konter und aus wars.
      Erstmal absichern, dann selbst kontern. Das hat man etwa gegen die Bayern teils so gemacht und ist damit gut gefahren. Und dies entspricht auch am ehesten dem Ernst der Lage, bzw. der jeweiligen Favoritenstellung der Spiele. Wir fahren momentan nicht zu einem angeschlagenen Stuttgart und drücken dort gewinnbringend unser Spiel durch, wir sind selbst zu angeschlagen.

    8. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich eher Hans oder eher Andre zustimme. Sicher waren auch die Anfangsminuten gegen Schalke, Stuttgart etc. nicht das Gelbe vom Ei und spielerisch nicht das, was man z.B. vor einem Jahr geboten hat. Allerdings kann man das in der momentanen Situation auch nicht erwarten. Es war erkennbar, dass die Mannschaft will und so sieht es nun mal aus, wenn sich eine verunsicherte Mannschaft ins Spiel kämpfen will. Ich würde mir gerade in den Auswärtsspielen eine abwartende Herangehensweise wünschen, aber das ist in meinen Augen nicht das Hauptproblem. Viel schlimmer finde ich das Kollabieren der Mannschaft nach Rückschlägen. Das war auch vor zwei Jahren schon ein Problem, doch da hatten wir mehr spielerische Qualität in der Mannschaft und hatten (fitte) Spieler in der Mannschaft, an denen sich das Team zumindest etwas hochziehen konnte. In der letzten Saison war es dann das genaue Gegenteil. Werder war ein Musterbeispiel an mentaler Stärke, vielleicht hat man da auch noch vom Selbstvertrauen aus den Derbywochen gegen den HSV profitiert. Wie kann das in so kurzer Zeit so dermaßen kippen? Und viel wichtiger: Was kann man dagegen tun?

      Ich sehe momentan nicht den Weg zurück. Mit dieser Defensive wird man nicht schadlos durch die Spiele kommen (und Gegentore nach Standards kann man nie ganz verhindern). Wenn man dann jedes Mal einbricht, wird man auf keinen grünen Zweig kommen und das Selbstbewusstsein wird noch geringer. Es kann eigentlich nur noch über Kampf gehen, über destruktiven Fußball, aber dafür ist Schaaf nicht der richtige Trainer. Deshalb muss er entweder seine Mannschaft (wie auch immer das gehen soll) wieder so hinbekommen, dass sie seine Vorgaben umsetzen kann oder in der Winterpause die Mannschaft umkrempeln, was auch nicht einfach wird.

    9. Vorgestern habe ich zum allerersten Mal den Stream vorzeitig ausgemacht, nachdem Raul das 3:0 geschossen hatte.
      Ich hatte mir vor der Partie nicht die Hoffnung auf ein gutes Spiel gemacht, aber zumindest am Anfang war der Einsatz bei Werder da, und in Teilen auch nach dem (ziemlich unglücklichen) 1:0. Aber das zweite Tor kurz vor dem Pausenpfiff hat dann die ohnehin schon verunsicherte Mannschaft wieder komplett einbrechen lassen.
      Auch ich werde mir die verbleibenden CL-Gruppenspiele anschauen, auch wenn meine Erwartungen mehr als niedrig sind. Aber wenn diese Entwicklung anhält, wer weiß, wann Werder das nächste mal in der Champions League spielen wird…

    10. Ich glaube, dass es im Moment wirklich ein großes mentales Problem ist. Nicht in dem Sinne, dass die alle keinen Bock haben, sondern, dass sie zutiefst verunsichert sind. Das Spiel gegen Frankfurt wirkte wie ein kurzfristiges Antidepressiva, welches nach dem Freistoß-Nachschuss-Tor aufgebraucht war. Ich glaube, die Spieler haben im Moment zu viel Angst, Fehler zu machen, so dass sie dann als self fullfilling prophecy tatsächlich gemacht werden. Anders kann ich mir Szenen, wie die von Fritz an der Mittellinie nicht erklären. Ich meine, die werden nicht Profi-Fußballer geworden sein, ohne dass sie ein relativ einfachen Ball stoppen können. Ich weiß nicht genau, wie das intern behandelt wird, aber ein “Wir brauchen Eier” Machtwort von Frings wird da im Moment nicht mehr viel helfen, eher im Gegenteil. Vielleicht ist das Spiel in der CL jetzt gar nicht schlecht. Eigentlich hat man da schon nichts mehr verloren, also können sie vom Kopf her befreiter aufspielen. Das nun reihenweise Leute fehlen ist natürlich nicht gut, allerdings könnten die Neuen durch ihre Unbekümmertheit sogar was gutes bewirken. Das wäre mein Beitrag zur Küchentisch-Psychologie.

    11. … ärgerlich wäre es nur, wenn wir die wenigen Talente aus der Zweiten jetzt so verheizen, wie es mit Abdennour passiert ist. Hat Balgoun eigentlich wieder gespielt? ich war am WE komplett off…

    12. Diese Saison ist wieder eine sehr qualvolle, aber es wäre falsch den Trainer abzusägen. Ein paar Arschtritte und vielleicht auch mal ein Hinweis an die Abwehr, dass das Abseits durchaus aufgehoben wird, wenn man sich an der Eckpfanne die Schuhe zubindet.

      Ich verstehe, wenn man dort den Schwung und motivation verliert, aber dieses Jahr ist es wirklich garantiert so, dass man nach einem guten Spiel eine garantierte Wette auf Sieg für den Gegner absetzen kann.

      Ich bin 77er Jahrgang und habe auch schon einiges erleiden müssen, dennoch bleibt der Werder Klingelton eingestellt, das Wallpaper auf dem Rechner und das Shirt übergezogen, auch wenn man stöhnend 6:0 abgeledert wird.

      Ist trotzdem ein geiler Verein, wie heißt es noch so schön? Hier werden Stars gemacht und nicht gekauft.

      Chris

    13. @deadcantdance: So ist es, auch wenn ich meine grün-weiße Leidenschaft erst vor Kurzem entdeckt habe. Aber du musst schon zugeben: Mehr Spaß macht es, wenn die Gegner 6:0 abgeledert werden ;)

    14. Balogun hat nicht mehr gespielt und ist auch im Gegensatz zu den vielen anderen Amateuren nicht im Kader heute.
      Das ist auch so meine Befürchtung, dass das Werfen in eine derart defekte Mannschaft da einen unerfahrenen Spieler über die Maßen schlecht aussehen lässt, dass er damit ein Stück weit verbrannt ist. Balogun und der verursachte 11m, das ist sicher kein guter Einstieg.

      Aber noch ne Frage: man muss doch vor der CL-Gruppenphase einen nicht allzu großen Kader benennen (23 oder 25 Spieler oder so), der dann dort auflaufen kann. Da wundert es mich, dass darin soviele Amateure Platz gefunden haben. Wie kann das sein, dass 7 Amateure auf dieser Liste gelandet sind? Haben wir nur 18 Profis, die da drauf stehen? Könnte unter Abzug der Langzeitverletzten vielleicht grade so hinkommnen, aber irgendwie seltsam. Oder reisen die mit, obwohl sie gar nicht eingesetzt werden können?

      Dies könnte im Übrigen aber ein Grund sein, warum Balogun nicht dabei ist. Vielleicht hatte man ihn damals (müsste ja noch vor dem ersten Gruppenspiel gewesen sein) noch nicht auf dem Schirm / nicht damit gerechnet, dass auf seiner Position Bedarf sen könnte.

    15. Balogun ist nicht auf der A-Liste für den Kader, genauso wenig wie Ayik, Testroet, Thy und Schoppenhauer. Allerdings dürfen Vereine unbegrenzt Spieler für die B-Liste nachnominieren, wenn sie nach dem 1.1.1989 geboren sind. Balogun ist im Gegensatz zu den anderen Jahrgang 1988, ist also nicht spielberechtigt.

      Ich glaube nicht, dass man momentan die jungen Spieler verheizen kann, schon gar nicht in der Champions League. Die Erwartungshaltung ist doch schon so niedrig, dass jeder junge Spieler, der halbwegs geradeaus laufen kann, positiv bewertet wird. Ich glaube auch nicht, dass Balogun durch seinen Einsatz wirklich beschädigt wurde. Es ist doch allen bewusst, dass man in der Mannschaft momentan nicht glänzen kann. Bei Abdennour war es ja letzte Saison so, dass er als Vertretung für den verletzten Boenisch geholt wurde und für die Startelf vorgesehen war.

      @Sebastian: So in etwa sehe ich das auch.

    16. Was den “Maulwurf” angeht: Ich habe eine starke Vermutung, wer der Springerpresse die Insider-Infos steckt. Ich werde hie keine Namen nennen, weil es trotz allem nur eine Vermutung ist und ich hier keine wilden Spekulationen lostreten will, aber wenn die Dinge stimmen, die ich in letzter Zeit so gehört habe, dann steht es ums Mannschaftsklima bei Werder verdammt schlecht.

    17. Danke übrigens für die Erklärung mit den A- und B-Listen. Das wusste ich so nicht, kannte das nur aus dem EASports FM, da musste man immer 25 Spieler nominieren ;)
      Was den Maulwurf angeht scheint es ja in der Tat kein allzu großes Geheimnis zu sein, beim Worum meinte man auch es zu wissen. Ich hab da keine Idee, kann mir sowohl einen jungen aufstrebenden Neuling als auch einen alteingesessenen, sich vielleicht unterschätzt fühlenden vorstellen.

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