Suboptimales & Anderlecht – Werder in Belek Tag 6

In der Reihe “Werder in Belek” berichtet Gastautor Sebastian Cario täglich in kleinen Notizen aus dem Trainingslager der Bremer.

Am heutigen Morgen trat wie gewohnt um 11:00 Uhr – bis auf die weiterhin verletzten Naldo und Avdic – die komplette Mannschaft auf den Trainingsplatz. Nach ein paar lockeren Aufwärmübungen wurde in drei Gruppen das Kurzpassspiel trainiert. Danach war für den Kader des Testspiels gegen Anderlecht am Nachmittag schon Schluss. So verblieben nur die Nichtnominierten. Neben Vander, Düker, Hartherz, Füllkrug, Thy, Kroos und Boenisch, reihte sich auch überraschend Arnautovic in die Garde der Aussortierten ein.

Arnautovic nicht für Test nominiert

Warum der Österreicher nicht für das Spiel nominiert wurde, zeigte sich bereits nach den ersten 10 Minuten 4 gegen 4 auf Kleinfeld mit Großtor: Der Stürmer war schon völlig aus der Puste und konditionell am Ende. Auch die „aufmunternden Worte“ von Matthias Hönerbach halfen nichts, der Nationalspieler konnte und wollte nicht mehr. Mit „Dann musst Du mal früher ins Bett gehen und mehr schlafen.“ und „Wenn Du krank bist, dann musst Du zum Doc gehen und Dich krankschreiben lassen, hier ist jetzt Training.“ versuchte der Co-Trainer sanften Druck aufzubauen. Was erst nach latenter Lustlosigkeit klingt, entpuppte sich schnell als Erkältung, die ihn die Luft zum Atmen nahm und für reichlich Frustration sorgte. Nach all den positiven Meldungen der letzten Wochen, ist dies ein kleiner Rückschlag, den der Stürmer aber wegstecken sollte. Suboptimal bleibt es trotzdem.

Testspiel gegen Anderlecht

Am Nachmittag um 15:00 Uhr stand dann das Testspiel gegen den RSC Anderlecht an. Schaaf setzte dabei genau auf die Formation, die bereits in den letzten Trainings das A-Team stellte.

Wiese
Fritz – Prödl – Sokratis – Schmitz
Iggy – Bargfrede – Trybull
Ekici
Rosenberg – Pizarro

Einen ausführlichen Spielbericht gibt es hier. Ich möchte mich mehr der Analyse der 1:2 Testspielniederlage widmen.

Kurzzusammenfassung

Markus Rosenberg

Markus Rosenberg mit dem Abschluss zum 1:0 / Bild: Andreas Gumz

Erst nach gut 10 Minuten fanden beide Teams richtig ins Spiel. Werder machte ordentlich Druck und ging nach 33 Minuten verdient in Führung, als Rosenberg nach einem starken Zuspiel von Ekici einnetzte. Vor der Pause hätten die Werderaner die Führung noch deutlicher gestalten müssen, aber Trybull (Fernschuss) und Pizarro (nach Freistoßvariante) scheiterten am guten Keeper der Anderlechter.

Nach der Pause drehte sich das Bild grundlegend und Werder gab die Partie ab der 60. Minute völlig aus der Hand. Nachdem die Belgier schon ein paar Chancen liegenließen, hob Wolf in der 73. Minute das Abseits auf und ermöglichte so den Ausgleich durch Jakowenko. Ein weiterer Angriff über die linke Abwehrseite brachte in der 87. Minute den hochverdienten Siegtreffer. Mit zwischenzeitlich zwei weiteren Aluminiumtreffern der Anderlechter war Werder noch gut bedient, nicht höher verloren zu haben.

Claudio Pizarro

Claudio Pizarro blieb torlos / Bild: Andreas Gumz

Insgesamt war deutlich zu merken, dass ein Mittelfeld mit Marin, Trinks und Wesley defensiv viel zu schwach ist. Bargfrede allein konnte in der 2. HZ die Löcher nicht mehr stopfen, die seine Vorderleute hinterließen. Ein konditioneller Einbruch durch das harte Training – wie so häufig angeführt – war aus meiner Sicht jedenfalls nicht die Ursache für die Niederlage. Die Leistung vor der Pause macht allerdings Hoffnung, dass Werder die Defensive noch stabilisieren kann, auch wenn die Belgier nicht wirklich Ernst machten. Größter Kritikpunkt ist die Spieleröffnung aus der Verteidigung und dem defensiven Mittelfeld. Hier agierte Werder schon vor der Pause nicht sehr gut und in der zweiten Halbzeit war keine Spieleröffnung mehr zu sehen. Des Weiteren ging jede Aktion durch die Mitte, das Flügelspiel ist anscheinend abgeschafft.

Einzelkritik

Tim Wiese – Note 3-
Hielt was zu halten war. Sah schlecht aus, als er einen Freistoß unterschätzte, der vom Gegner gefährlich verlängert wurde und eine gute Gelegenheit ergab. Verwarf sich einmal bei dem Versuch, das Spiel schnell zu machen.

Clemens Fritz – Note 4+
Defensiv stand er 80 Minuten lang sicher, kam aber kaum aus der eigenen Hälfte. Lies sich am Ende ein paar Mal überlaufen. Für einen Leader gab er zu wenige Anweisungen auf dem Platz.

Sebastian Prödl – Note 2-
Räumte viel weg und gab die Kommandos in der Abwehr. Ein paar Mal zu ungeschickt, sodass sich gute Freistoßsituationen ergaben.

Sokratis (bis 68.) – Note 3-
Hatte bis zu seiner Auswechslung die Gegenspieler im Griff. Kleinere Probleme bekam er nur bei hohen Bällen.

Lukas Schmitz (bis 76.) – Note 3
Der aktivere der beiden Außenverteidiger, aber noch immer kein Maicon. Eroberte durch gute Übersicht einige Bälle. Hinten mit nur ganz wenigen Unsicherheiten.

Philipp Bargfrede – Note 4
War sehr aktiv, aber auch mit haarsträubenden Fehlpässen. Räumte im Rückwärtsgang vieles ab. In Halbzeit zwei von seinen Vorderleuten im Stich gelassen.

Alexander Ignjovski (bis 45.) – Note 4
Hatte nur wenige gute Szenen in der Offensive. Lief viel, aber ging nicht mit dem letzten Willen zum Ball. Wirkte angeschlagen und gehemmt.

Tom Trybull (bis 45.) – Note 3-
Schaltete sich immer wieder in die Angriffe mit ein und spielte mit guter Übersicht. Nicht alles gelang, aber der Nachwuchsmann war sehr konzentriert bei der Sache. Könnte die Alternative für den verletzten Hunt werden.

Mehmet Ekici (bis 45.) – Note 2
Gutes Spiel des Türken, dem einige kluge Pässe gelangen. Auch die Freistöße und Ecken kamen gefährlich vor das Tor. Manchmal noch zu behäbig im Umschalten.

Mehmet Ekici

Mehmet Ekici machte ein gutes Spiel / Bild: Andreas Gumz

Markus Rosenberg – Note 2-
Nutzte seine beste Möglichkeit eiskalt aus. Vergab aber eine weitere mit einem zu harmlosen Abschluss, als niemand mitgelaufen war. Könnte noch ein paar Wege mehr gehen und wirkte am Ende sehr platt.

Claudio Pizarro (bis 68.) – Note 3+
Holte sich viele Bälle aus dem Mittelfeld und bot sich immer wieder an. Vergeigte leider seine beste Chance im Spiel.

Wesley (ab 45.) – Note 6
War fünf Minuten lang sehr aktiv, verlor aber danach erst die Übersicht und dann jeden Zweikampf. Kam mit der Spieleröffnung gar nicht klar und spielte nur nach hinten.

Marin (ab 45.) – Note 5-
Wurde von den Belgiern robust abgekocht und ging in der Mitte völlig unter. Hatte immerhin ein paar gute Szenen, aber blieb letztendlich ohne Idee nach vorne.

Wolf (ab 68.) – Note n. z. b.
Hob beim Ausgleich das Abseits auf und sah auch beim zweiten Treffer nicht gut aus.

Trinks (ab 68.) – Note n. z. b.
War nicht zu sehen und hatte kaum Ballkontakte. Kam nie wirklich im Spiel an.

Wagner (ab 68.) – Note n. z. b.
Vergab seine beste Möglichkeit – nachdem er sich gut durchgesetzt hatte – viel zu eigensinnig. Rackerte viel, blieb aber ohne Fortune.

Silvestre (ab 78.) – Note n. z. b.
Der erste Einsatz seit Mai 2011. Spielte routiniert und suchte in der Schlussphase auch mal den Weg nach vorn.

Es bleibt zu hoffen, dass der Test am Mittwoch gegen den starken AZ Alkmaar besser wird.

Und sonst so? Junuzovic soll kurz vor einem Wechsel nach Bremen stehen.

Disclosure: Die Bilder zum Spiel wurden freundlicherweise von Andreas Gumz bereitgestellt. Danke!

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    2 Gedanken zu „Suboptimales & Anderlecht – Werder in Belek Tag 6

    1. wollt nur schnell ein kleines dankeschön für die tollen berichte aus dem trainingslager loswerden. schön, auch auf die ferne so genaue und ausführliche infos zu bekommen!

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