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DFB-Pokal, 1. Runde: Noch viel Arbeit

1. FC Heidenheim – Werder Bremen 2:1

Die Schwarzseher werden sich bestätigt sehen: Werder ist mit einer kleinen Blamage (eine große Blamage ist eine Niederlage gegen einen Drittligisten nicht) in die Saison gestartet. Letztlich ging das Ergebnis so in Ordnung, auch wenn Werder das Spiel zu Beginn der 2. Halbzeit hätte entscheiden können.

Nicht mehr als gute Ansätze

Um mit einem positiven Aspekt zu starten: Ich habe in der ersten Halbzeit viele gute Ansätze in Werders Spiel gesehen. Die Ballsicherheit war da, das Mittelfeld wurde schnell überbrückt und der direkte, vertikale Pass gesucht. Es gelang jedoch zu selten, die Stürmer in Szene zu setzen. Thy und Rosenberg haben sich viel bewegt, aber selten kamen die Bälle durch die Schnittstellen der Heidenheimer Abwehr bei ihnen an. Dies lag vor allem daran, dass Werder das Tempo nicht hoch genug hielt und stattdessen versuchte, das Spiel mit 80% Aufwand über die Zeit zu bringen.

Nach dem Doppelschlag wurde jedoch deutlich, dass Werders Spiel noch nicht so weit ist, wie es zu diesem Zeitpunkt der Saison sein müsste. Spielerisch konnte man Heidenheim immer weniger in Bedrängnis bringen. Gegen einen nun sehr tief stehenden Gegner kam man mit dem Kombinationsfußball der Raute kaum mal vors gegnerische Tor und setzte daher zunehmend auf lange Bälle. Schaaf reagierte, brachte Wagner als dritte Spitze und Ekici als Ballverteiler im Mittelfeld. Letztlich blieben die Bälle in den Strafraum jedoch zu unpräzise, abgesehen von einigen Flanken von Lukas Schmitz. Dazu waren die Standards so schwach wie zu finstersten Zeiten der letzten Saison. Was blieb war die Hoffnung auf einen Lucky Punch, was gegen diesen Gegner ein Armutszeugnis ist.

Papa hui, Wolf pfui

In der Abwehr gefiel mir Neuzugang Sokratis Papastathopoulos sehr gut. Gutes Stellungsspiel, zweikampfstark, gute Spieleröffnung – so will ich einen Innenverteidiger sehen. Leider stand der andere Neuzugang in der Innenverteidigung Andreas Wolf nicht nur neben ihm sondern auch völlig neben sich. Schon in der ersten Halbzeit hatte er Probleme, beim 1:2 ließ er sich komplett düpieren. Von einem so erfahrenen Bundesligaspieler muss man deutlich mehr erwarten, ansonsten hat er in der Startelf nichts verloren. Phillipp Bargfrede hat mich als Sechser überzeugt, war lange Zeit der Motor des Bremer Spiels. Nach den Umstellungen in der 2. Halbzeit übernahm Mehmet Ekici die Ballverteilung im Mittelfeld. Er war sehr aktiv, holte sich die Bälle sehr tief ab und versuchte sich als Spielmacher. Es war jedoch deutlich zu sehen, dass er nach seiner Verletzung und in seinem erst zweiten Spiel für Werder noch nicht die Bindung zu seinen Nebenleuten hat. In zwei bis drei Wochen sollte das schon besser aussehen.

Viel Arbeit, wenig Zeit

Das frühe Pokalaus ist für Werder aus finanzieller Sicht sehr ärgerlich. Sportlich ist es kein Beinbruch, nun muss man sich in der Bundesliga rehabilitieren. Dabei läuft Werder jedoch langsam die Zeit weg. In einer Woche wird es richtig ernst und bei allen guten Ansätzen waren die alten Probleme doch wieder deutlich erkennbar. Wenn selbst Heidenheim diese aufdecken kann, wird es ein gutes Stück Arbeit in den nächsten Wochen so viel Sicherheit ins Spiel zu bekommen, dass man auf Bundesliganiveau wieder den Kombinationsfußball spielen kann, an dem man sich momentan versucht.