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1. Spieltag: Ernüchterung mit Lichtblicken

Werder Bremen – FC Schalke 04 0:3 (0:1)

Ein 0:3 Heimniederlage zum Auftakt gegen Schalke kann man wohl nur als Fehlstart bezeichnen. Am Ende siegte ein nicht gerade überzeugende Schalker Mannschaft zu deutlich, aber verdient in Bremen.

Werder Bremen vs FC Schalke 04 Aufstellung

Alibi-Pressing und Scheindominanz

Etwas überraschend setzte Skripnik auf Levin Öztunali als zweiten Stürmer neben Ujah und zog Bartels dafür ins Mittelfeld zurück. Eggestein und Grillitsch rutschten dafür aus dem Team. Ansonsten begann Werder so wie erwartet, mit einem 4-4-2, das in Ballbesitz als Raute, gegen den Ball jedoch meistens als flache Vier im Mittelfeld ausgelegt wurde. Bartels gab somit häufig einen zweiten Sechser neben Bargfrede.

Schalke spielte ebenfalls in einem 4-4-2 mit einer Doppelspitze aus Di Santo und Huntelaar sowie einem Flügelfokus mit den offensivstarken Choupo-Moting und Draxler als äußere Mittelfeldspieler. Im Aufbau ließ sich Geis tief zwischen die Innenverteidiger fallen und verteilte von dort die Bälle. Die Außenverteidger rückten weit vor und es ergab sich eine Art 3-5-2/3-3-2-2.

Insgesamt war das Pressing auf beiden Seiten eher alibimäßig. Werder wollte Geis nicht zu viel Zeit am Ball geben und die beiden Stürmer liefen ihn früh an. Dahinter war der Abstand zum Mittelfeld jedoch recht groß weshalb es selten zu Balleroberungen direkt aus dem Angriffspressing kam. Auf der anderen Seite war es noch extremer. Während Geis durch seine tiefe Positionierung meist vor Ujah und Öztunali aufbaute, konnte Bargfrede häufig im Rücken der Schalker Stürmer angespielt werden. Die Bremer Innenverteidiger hatten mit Wiedwald und häufig auch mit dem zurückfallenden Ulisses Garcia genügend Optionen, um das Pressing von Di Santo und Huntelaar zu umspielen.

Dies sorgte für relativ viel Platz für Bargfrede, der häufig einige Schritte am Ball aufs Schalker Mittelfeld zu machen konnte, bevor er das Spiel verlagerte. Mit der Raute hatte Werder im Mittelfeld personelle Überzahl und kontrollierte diesen Raum ganz gut, ohne jedoch offensiv viel daraus zu machen. Häufig wurde der direkte Weg in die Spitze gesucht, indem ein scharfer Vertikalpass in den Rücken der Schalker Abwehr weitergeleitet wurde. Die Außenverteidiger wurden ebenfalls oft eingebunden, vor allem Garcia, der seine Stärke im Kombinationsspiel zeigen konnte.

Starker Matip entscheidet das Spiel

Torchancen sprangen für Werder jedoch kaum heraus, da Schalke im und am Strafraum sehr gut verteidigte und kaum Fehler beging. Dafür hatten die Schalker einige gute Kontergelegenheiten, bei denen Werder erst im letzten Moment klären konnte. Werder beging zu viele Fehler im Aufbau (Fritz!) und hatte daher etwas Glück, nicht früher in Rückstand zu geraten. Auch wenn Schalke in dieser Phase spielerisch keine Bäume ausriss, lag die Führung für die Gäste immer in der Luft.

Das 0:1 war ein Tor aus der Abteilung Slapstick, doch in seiner Entstehung zeigte sich, was an diesem Tag den Unterschied ausmachen sollte. Mit zunehmender Spielzeit waren es immer häufiger die Innenverteidiger, die mit aufrückten, um so Lücken in den gegnerischen Defensivverbund zu reißen. Auf Werders Seite war dies meistens Vestergaard, der einige kluge Verlagerungen spielte. Auf Schalkes Seite war es Joel Matip, der beste Spieler auf dem Platz. Defensiv spielte er nach meiner Erinnerung fehlerfrei und offensiv war er der entscheidende Faktor bei den ersten beiden Toren.

Man kann sich über mangelndes Rückwärtspressing der Stürmer beschweren, doch auch aus dem Mittelfeld fühlte sich niemand berufen, Matip 30 Meter vor dem Tor unter Druck zu setzen, so dass er unbedrängt zwei präzise Pässe in die Spitze spielen konnte, die das Spiel entschieden. Das Kontertor in der Schlussphase machte das Ergebnis für Werder zu einer ekeligen Angelegenheit, obwohl das Spiel eigentlich keinen solchen Leistungsunterschied zwischen den Teams hergab. Schalke siegte insgesamt verdient, weil das Team individuell stärker ist und in den entscheidenden Details besser war.

Da waren sie wieder, meine drei Probleme

Zu Beginn der zweiten Halbzeit hatte Werder die wohl stärkste Phase des Spiels und durch Bartels auch die beste Chance. Ansonsten bemühte man sich, den Ball in Richtung Spitze zu spielen, hatte aber offensiv wenig gute Ideen. Mit Ballbesitz kommt Werder weiterhin nicht gut klar, betreibt sehr viel Aufwand, der die Unzulänglichkeiten nur teilweise kaschieren kann. Auch individuell hatte Werders Offensive keinen guten Tag. Ujah wurde von Matip völlig aus dem Spiel genommen und Öztunali beendete nahezu alle seine Ballaktionen mit überhasteten Abspielen oder Abschlüssen.

Bartels steckt in einer Formkrise, ist für diese Art des Ballbesitzfußballs aber auch nicht gemacht. Seine (und auch Werders) Stärken konnte er kaum einmal ausspielen, denn Konter und Gegenpressing gab es nur vereinzelt zu sehen. Das restliche Mittelfeld zeigte sich gewohnt unkreativ und wenig passsicher. Es geht noch immer (zu) viel über Laufstärke und Kampf. Dabei kann man den Spielern nicht den Einsatz absprechen, mit dem sie sich in die nach dem 0:2 fast unlösbare Aufgabe geworfen haben.

Personell und taktisch muss sich das Trainerteam ein paar Fragen gefallen lassen. Warum mussten Grillitsch und Eggestein auf die Bank, obwohl sie in der Vorbereitung deutlich näher an einem Stammplatz waren, als Öztunali? Eggestein spielte zuletzt nicht überzeugend, doch Bartels war in diesem Spiel ein denkbar ungeeigneter Zehner. Warum wird Grillitsch dort nicht getestet? Warum stellte man taktisch auf ein flaches 4-4-2 gegen den Ball um, was in der Vorbereitung so nicht zu sehen war? Das Pressing wirkte in diesem System schlecht koordiniert. Der große Abstand zwischen Angriff und Mittelfeld war nicht nur hier ein Problem, sondern begünstigte auch die Entstehung der ersten beiden Tore.

Mut oder kalte Füße?

Nach dem ersten Spieltag müssen aber keine (neuen) Grundsatzfragen gestellt werden. Die Probleme sind bekannt, die Abhängigkeit von einzelnen Spielern auch. Sich hinter der der mangelnden Erfahrung des Teams zu verstecken, ist nach diesem Spiel nicht angebracht, da lediglich zwei Spieler unter 23 auf dem Platz standen und Schalkes Team im Schnitt sogar jünger war. Es war jedoch der unerfahrenste Spieler auf dem Platz, der den größten Mut bewies und dessen Leistung Hoffnung auf mehr machte, auch wenn Garcia am Ende für sein hohes Tempo bezahlen musste und in den letzten 15 Minuten deutlich nachließ.

Gegen Hertha wünsche ich mir wieder etwas mehr Mut seitens der Trainer und eine Ausrichtung, die mehr an die Stärken des Teams angepasst ist. Mit Ballbesitzfußball wird Werder nach heutigem Stand und in der aktuellen Besetzung nicht zum Erfolg kommen.

 

Hertha BSC – Werder Bremen 2:2

Werder holt zum Saisonauftakt einen glücklichen Punkt in Berlin. Nach einer schwachen ersten Halbzeit entschließt sich Dutt zu einer riskanten Umstellung, die am Ende Erfolg hat.

Wolf patzt, Hertha dominiert

Die im Pokal verletzten Obraniak und Di Santo standen Dutt wieder zu Verfügung, während Prödl nicht rechtzeitig fit wurde. Die Leidtragenden waren die Nachwuchsspieler Aycicek und Kobylanski, die nicht im 18er-Kader standen. An seiner Startelf nahm Dutt einige Änderungen vor. So durfte der gegen Illertissen schmerzlich vermisste Di Santo im Angriff neben Elia ran. Hajrovic startete dafür auf der 10er-Position, Junuzovic halbrechts in der Raute. Vor der unveränderten Viererkette wurde Kroos der Vorzug vor Gàlvez gegeben. Bei Hertha startete Neuzugang Schieber an der Spitze eines 4-2-3-1.

In der Anfangsphase schaffte es Werder meist, das Spiel der Gastgeber schon auf Höhe der Mittellinie zu zerstören. Das Mittelfeldpressing griff gut und es entstand ein Spiel ohne große Torszenen. Dies änderte sich, als Raphael Wolf sich bei einem Pass auf Beerens verschätzte und anschließend beim abgefälschten Kopfball von Schieber chancenlos war. Den Steilpass muss ein Torwart heutzutage abfangen, Wolf entschied sich für die vorsichtige Variante und wurde dafür bestraft. Nach der Führung kontrollierte Hertha das Spiel bis zur Pause und hatte etliche weitere Torchancen. Werders Defensive zeigte sich mehrfach schlecht organisiert. Auch in Unterzahl fand Hertha häufig den Weg durch die Mitte an den Strafraum. Werder hatte Glück, nach 45 Minuten nicht höher zurückzuliegen, was auch einigen starken Aktionen des ansonsten guten Wolf zu verdanken war. In der Offensive blieb Werder harmlos, konnte nach dem Rückstand kaum noch Bälle in hohen Positionen erobern und versuchte sich erfolglos an hohen Bällen hinter die Berliner Viererkette.

Dutts volles Risiko

Zur Pause entschied sich Dutt zu einer riskanten Umstellung. Er brachte mit Selke eine zweite echte Spitze und nahm mit Kroos seinen einzigen Sechser heraus. Werder spielte nun gegen den Ball ein flaches 4-4-2 mit Hajrovic und Elia auf den Außenpositionen. Bei eigenem Ballbesitz gab Makiadi den Aufbauspieler, der sich häufig zwischen die Innenverteidiger fallen ließ, während Junuzovic im Zentrum einen enorm großen Raum beackern musste. Die sehr offensive Ausrichtung schien angesichts der Defensivprobleme in der ersten Halbzeit unnötig riskant, doch bereits kurz nach dem Wiederanpfiff erzielte Hertha das zweite Tor und Werder brauchte nun einen offensiven Kraftakt.

Es deutete nichts darauf hin, dass Werder noch einmal in das Spiel zurückkommen würde, bis der ansonsten schwache Lukimya eine Freistoß von Junuzovic (dessen Standards für meinen Geschmack nicht genug gewürdigt werden) ins Tor köpfte. Kurz zuvor hatte Werder Glück, dass Kinhöfer Garcias Aktion gegen Hasebe nicht als Tätlichkeit wertete und es bei einer gelben Karte beließ. Diese Phase zeigte gleich mehrfach, dass es im Fußball auch ein Stück weit auf Glück ankommt: Direkt nach Werders Tor hatte Hertha eine Großchance nach einem hervorragenden Konter, die durch einen schlechten Torabschluss zunichte gemacht wurde. Stattdessen dauerte es nur weitere zwei Minuten bis Werder das Spiel ausgeglichen hatte. Garcia eroberte im Gegenpressing den Ball, steckte durch auf Elia, der in dieser Situation das zeigte, was man zu selten von ihm sieht: Eine gute Übersicht. Seine Hereingabe verwertete Di Santo im zweiten Versuch per Kopf.

Fazit: Noch viel zu tun

Nach dem Ausgleich entwickelte sich ein offenes Spiel. Zwar bekam Werder Herthas Angriffe und insbesondere den starken Hasebe nie richtig in den Griff, weil vor der Abwehr oft große Lücken klafften, die die Innenverteidiger mit höchst riskantem Herausrücken schließen mussten, doch konnte Werder nun seinerseits auch die Berliner unter Druck setzen. In dieser Phase verdiente sich Werder das Unentschieden mit großem Kampf und einigen guten Angriffszügen. Über die gesamten 90 Minuten gesehen war Hertha jedoch die deutlich bessere Mannschaft und so sind es aus Sicht der Gastgeber zwei verlorene Punkte, während Werder sich über einen schon nicht mehr für möglich gehaltenen Punkt freuen kann.

Der Punktgewinn sollte die Mannschaft beflügeln und sein Zustandekommen für gute Stimmung sorgen. Dutt hat nun eine Woche Zeit, um weiter an seinem Team herumzubasteln. Es bleibt die Hoffnung, dass er sein Team bald findet und sich innerhalb der nächsten Wochen Automatismen im Offensivspiel bilden, welche man letzte Saison bis in die Schlussphase der Saison vergeblich suchte. Auch defensiv ist man noch ein gutes Stück weg von den konzentrierten Leistungen, die in der Vorsaison zu zehn Spielen ohne Gegentor führten (die Gründe für die insgesamt 66 Gegentore waren hingegen gut zu erkennen). Alles in allem fällt es nach den ersten beiden Pflichtspielen jedoch schwer zu glauben, dass Werder spielerisch im Mittelfeld der Liga einzuordnen sein soll. Der anhaltende Verzicht auf spielstarke Akteure wie Obraniak und Aycicek spricht nicht unbedingt dafür, dass der Schwerpunkt derzeit im spielerischen Bereich liegt. Wichtigste Waffe werden also weiterhin die Standards, das Gegenpressing sowie die Überladungen des linken Flügels sein. Defensiv wird man sich hingegen zwingend verbessern müssen, sonst droht eine weitere Saison im Abstiegskampf.

1. Spieltag: Ein Sieg zum Auftakt

Eintracht Braunschweig – Werder Bremen 0:1 (0:0)

Ein Spiel, ein Sieg, drei Punkte gegen die schlechte Stimmung und ein “zu Null” für den nervigen Blogger mit der bösen Gegentorstatistik. Das Spiel in Braunschweig war zäh und über weite Strecken eher unansehnlich. Werder zeigte sich in einigen Bereichen verbessert im Vergleich zum Spiel in Saarbrücken, brauchte aber dennoch eine Portion Glück, um beim Aufsteiger zu gewinnen.

Dutts große und kleine Änderungen – ein Weihnachtsbaum im August

Wer eine völlig umformierte Bremer Mannschaft erwartet hatte, sah sich erst einmal getäuscht. Personell gab es nur einen Wechsel, der jedoch einige Veränderungen nach sich zog: Der im Testspiel bei Rot-Weiß Essen überzeugende Kroos durfte für Füllkrug spielen. Kroos verstärkte das Bremer Mittelfeldzentrum und sicherte Makiadi vor der Viererkette ab. Er übernahm auch weite Strecken des Spielaufbaus, indem er sich zwischen oder neben die Innenverteidiger fallen ließ – in Saarbrücken war dies noch Makiadis Aufgabe. Junuzovic komplettierte das Dreiermittelfeld, hatte dabei aber mehr Freiheiten nach vorne und sollte die Verbindung zum Angriff herstellen sowie für Überzahlsituationen sorgen. Die offensive Dreierreihe wurde ebenfalls umgestellt: Mehmet Ekici spielte auf der linken Seite, Aaron Hunt tauschte mit Petersen die Position und spielte rechts. Beide spielten jedoch weniger als Flügelstürmer als vielmehr Halbraumspieler hinter der einzigen Spitze, so dass eine sehr enge Variante des 4-3-3 entstand, die man auch als 4-3-2-1 bezeichnen kann.

Dieses Tannenbaumsystem sollte vor allem für defensive Stabilität sorgen sowie die Abstände zwischen den Spielern gering halten. Die Folge war ein sehr auf die Mitte konzentriertes Spiel, zumal die Gastgeber ähnlich ausgerichtet waren. Da Werders Außenverteidiger deutlich konservativer agierten als zuletzt und auch Augsburg Braunschweig sich nicht traute, großes Risiko auf den Außenbahnen zu gehen, neutralisierten sich beide Mannschaften lange Zeit. Das Spiel hatte nicht viele Torchancen zu bieten und war in der ersten Halbzeit geprägt von vielen Ballverlusten und vorsichtigen Offensivaktionen. Dennoch konnte Dutt mit der ersten Halbzeit ganz zufrieden sein, denn im Gegensatz zum Pokalspiel offenbarte Werder kaum defensive Schwächen, schaltete defensiv gut um und wirkte vor allem im Mittelfeld deutlich besser abgestimmt. In der Offensive kamen die beiden Halbstürmer Ekici und Hunt nicht wirklich in Schwung. Besonders Hunt wirkte zerfahren und ohne rechte Spielidee, während Ekici sich in seinen altbekannten Dribblings und verzögerten Abspielen verlor. Ein schnelles Umschaltspiel war folglich nicht möglich. Trotz einiger hoher Ballgewinne wurde Werder kaum torgefährlich. Die Planlosigkeit wurde einige Male deutlich, als Werder die linke Seite überlud und dann vom linken Flügel auf den langen Pfosten flankte, obwohl sich kein einziger Offensivspieler auf der rechten Spielfeldhälfte befand.

Nach der Pause: Braunschweig macht das Spiel, Werder das Tor

Die erste Halbzeit war alles andere als brillant, doch in Anbetracht der Umstände ein Teilerfolg für Werder. In der zweiten Halbzeit erhöhten beide Trainer nach und nach das Risiko. Werder hatte dabei den besseren Start und kam zu ein paar Torchancen, doch nach etwa zehn Minuten kippte das Spiel langsam zugunsten der Eintracht. Zwei Wechsel waren hierfür mitverantwortlich: Lieberknecht brachte Boland für Caligiuri, Dutt kurze Zeit später Elia für Ekici. Boland sorgte bei Braunschweig für mehr Offensivdruck aus dem Mittelfeld und unterstützte Reichel und Hochscheidt auf der linken Seite. Clemens Fritz war in der zweiten Halbzeit dadurch überwiegend defensiv gefordert, was noch mehr Breite aus Werders Spiel nahm. Reichels Fernschuss, den Mielitz gerade noch an die Latte lenken konnte, steht auch sinnbildlich für den Offensivschwung, den die Eintracht in den letzten 30 Minuten entfachte. Viele Chancen von ähnlichem Kaliber sprangen dabei jedoch nicht heraus.

Bei Werder änderten sich durch den Wechsel zwei Dinge: Die Offensivreihe blieb nun weiter vorne, was zu einem größeren Abstand zwischen Mittelfeld und Angriff sorgte. Es ergab sich eine 7 – 3 Aufteilung zwischen Defensive und Offensive, die durch Junuzovics Aufrücken teilweise zu einer 6 – 4 Aufteilung wurde. Während die Kompaktheit dadurch immer mehr verloren ging, entstand das Siegtor letztlich genau aus einer solchen Situation. Der zweite Effekt des Wechsels kam durch den Wegfall von Ekicis Ballbehauptung. Man kann Ekici kein gutes Spiel bescheinigen und durch das lange Halten des Balls nahm er häufiger den Schwung aus Werders Angriffen, doch sein Spiel hatte auch einen stabilisierenden Effekt. Werder spielte nun direkter, hatte dabei jedoch eine hohe Fehlpassquote und so gelang es nur selten, den Ball in der gegnerischen Hälfte zu halten. Zudem passte die Staffelung in der Offensivreihe häufig nicht. Bei langen Bällen in die Spitze orientierten sich alle Stürmer nach vorne. So wurde z.B. Petersen bei der Ballannahme nicht nach hinten abgesichert und es ergaben sich keine Möglichkeiten, den Ball nach hinten abzulegen. Drei oder vier Mal verlor Werder so den Ballbesitz und gab Braunschweig in der Folge die Chance zu schnellen Gegenangriffen.

Mit der Einwechslung von Yildirim für Kroos erhöhte Dutt noch einmal das Risiko, das nur eine Minute später belohnt wurde, als Junuzovic einen langen Ball von Prödl in den Lauf bekam, der die gesamte Braunschweiger Mannschaft überraschte. Nach dem Tor wechselten beide Trainer noch einmal taktisch: Lieberknecht bracht mit Oehrl eine zweite Spitze, Dutt mit Lukimya einen weiteren Verteidiger, der jedoch im Mittelfeld eingesetzt wurde, was die eine oder andere negative Erinnerung an das Spiel letzte Saison gegen Hoffenheim weckte. Fast wäre Braunschweig für die mutige zweite Hälfte noch belohnt worden, doch Caldirola klärte in der letzten Minute auf der Linie.

Vorsichtiger Optimismus

Wer zum Bundesligaauftakt eine 180-Grad-Wende zum Pokalspiel erwartete, wurde am Samstag erneut enttäuscht. Werder spielte insgesamt gesehen eher schwach und gewann am Ende glücklich gegen ein Team, das viele für das schwächste der Liga halten. Andererseits wird auch Werder derzeit von vielen zu den Abstiegskandidaten gezählt und es gab zuletzt wenig Anlass, sonderlich optimistisch in die ersten Saisonspiele zu gehen. Von daher lohnt es sich, die positiven Aspekte des Spiels hervorzuheben, die im Vergleich zur letzten Woche offensichtlich wurden: Werder zeigte sich über weite Strecken des Spiels stabilisiert und ließ wenige Torchancen zu. Die Innenverteidiger und das zentrale Dreiermittelfeld dürfen sich als Gewinner des Spiels sehen. Wer erwartete, dass Braunschweig mit der Aufstiegseuphorie im Rücken eine Angriffswelle nach der anderen fahren würde, sah sich getäuscht. In der aktuellen Situation war es angemessen, das Risiko mit einem massiv aufs Zentrum fokussierten System und einer vorsichtigen Spielweise zu minimieren.

Nach einem halben Jahr ohne Pflichtspielsieg nimmt man, was man bekommt. Mein Eindruck ist, dass man den Sieg im Verein und im Umfeld richtig einzuschätzen weiß. Es war in erster Linie ein Sieg für die Moral, aus dem das Team Sicherheit und Selbstvertrauen schöpfen kann. In Euphorie wird indessen niemand verfallen, dafür waren die Defizite und Baustellen für die nächsten Monate zu offensichtlich. Das Spiel lieferte jedoch eine Vorlage dafür, wie man in den nächsten Wochen dennoch Punkte holen kann: Mit den drei Zutaten “Kampf”, “Sicherheit zuerst” und “Glück”.

Meine EM: 1. Spieltag, Gruppe D

Frankreich und England neutralisierten sich mit ihren gegensätzlichen Spielanlagen. Der Ukraine gelang gegen Schweden ein beeindruckendes Comeback.

Frankreich – England 1:1

Das erste Spiel bei dieser EM, das ich nicht live gesehen habe. Was ich hinterher in Zusammenfassungen gesehen und in Spielberichten gelesen habe, war nicht sehr erbaulich. Beide Teams in ihrer Ausrichtung in etwa so wie erwartet. Das Ergebnis ist auch wenig überraschend, wobei ich den Franzosen nach den letzten Testspielen doch etwas mehr offensive Durchschlagskraft zugetraut hätte. Am Ende rannte man vergeblich an gegen eine englische Mannschaft, die von Hodgson in der kurzen Vorbereitungszeit offenbar gut eingestellt wurde. Mal sehen ob man sich gegen die anderen beiden Gegner auch in einer Außenseiterrolle gefällt oder dort offensiver zu Werke geht.

Ukraine – Schweden 2:1

Es ist ein schmaler Grat zwischen abwartendem und passivem Fußball. Für letzteren bestand in diesem Spiel eigentlich kein Anlass, denn keine der Mannschaften ist der anderen so überlegen, dass man sich verstecken müsste. Es war verständlich, dass Schweden den vor dem Turnier strauchelnden Ukrainern in Kiew die Initiative überlassen würden. Statt ihnen dabei nach und nach den Schneid abzukaufen und so noch nervöser zu machen, ließ man sie zu lange auf mittelmäßigem Niveau gewähren, bis sie immer besser zu ihrem Spiel fanden.

Bei Schweden gefiel mir die Raum- oder vielmehr Aufgabenaufteilung in der Offensive nicht. Rosenberg machte das, was er auch bei Werder machte: Diagonale Läufe hinter die Viererkette. Die hierfür benötigten Vertikalpässe durch die Schnittstellen blieben jedoch aus. Ibrahimovic spielte wie erwartet deutlich hinter ihm, ließ sich dabei aber so tief fallen, dass große Lücken im Zentrum entstanden. Über die Flügel kamen zu wenig Vorstöße und das Spiel wirkte insgesamt wenig ausgewogen. Die einzige Spielidee der Sechser bestand offensichtlich darin, den Ball zu Ibrahimovic zu spielen. Dennoch ging Schweden etwas glücklich in Führung.

Die Ukraine überzeugte nicht nur durch ihren Kampfgeist, mit dem sie das Spiel nach dem Rückgang drehten. Auch spielerisch war die Leistung besser als erwartet. Mit Shevchenko und Voronin setzte Trainer Blochin vorne auf die alte Brigade, was man ihm bei einer Niederlage sicher vorgeworfen hätte. Doch gerade die beiden rissen nach dem Rückstand das Spiel an sich. Ein Doppelpack von Sheva zum Auftakt der Heim-EM war nach den Verletzungsproblemen und nachlassenden Leistungen der jüngeren Vergangenheit fast zu schön um wahr zu sein. Die Ukraine feierte also einen Auftakt nach Maß und drehte das Spiel gegen eine schwedische Mannschaft, die sich den Vorwurf gefallen lassen muss, über weite Strecken des Spiels gegen einen schlagbaren Gegner zu passiv gewesen zu sein. Die Ukraine hat nun eine realistische Chance aufs Weiterkommen, während sich Schweden keine großen Hoffnungen machen sollte, den Patzer noch auszubügeln.

Meine EM: 1. Spieltag, Gruppe C

Das bislang beste Spiel bei dieser EM fand am Sonntag zwischen Spanien und Italien statt. Zwei Teams mit interessanten taktischen Ansätzen lieferten sich über 90 Minuten ein packendes und fußballerisch hochwertiges Duell. Das konnte man von Kroatien gegen Irland nicht gerade behaupten. Hier brachten sich die Iren durch kuriose Gegentore schnell um jegliche Siegchance.

Spanien – Italien 1:1

Wer einen Durchmarsch der Spanier in diesem Turnier erwartete, sah sich ebenso getäuscht, wie diejenigen, die vom italienischen Fußball nur die Klischees kennen. Spanien spielte im gewohnten 4-3-3, doch mit einer unerwarteten Taktik. Ähnlich wie Barcelona verzichtete man auf einen Stoßstürmer und ließ mit Iniesta, Silva und Fabregas drei Mittelfeldspieler in der vorderen Dreierreihe auflaufen. Italien konterte diese Taktik mit einem 3-5-2/5-3-2, über das schon länger spekuliert worden war. Die italienische Taktik war klar: Das enge Spiel der Spanier durch sechs Spieler in der Mitte numerisch kontern und mit variablen Wingbacks den Platz auf den Außen nutzen.

Die spanischen Außenverteidiger kamen nicht gut damit zurecht, dass sie keine direkten Gegenspieler hatten und wussten häufig nicht, ob sie aggressiv gegen die Wingbacks pressen oder sich lieber zurückhalten sollte. Die italienischen Stürmer, vor allem Cassano, lauerten auf die Räume, die sich dadurch ergaben. Spanien riskierte jedoch in der 1. Halbzeit nicht allzu viel. Dadurch fehlte dem Spiel die Breite und konzentrierte sich stattdessen aufs Zentrum 20 – 35 Meter vor dem italienischen Tor. Bei den italienischen Gegenangriffen zeigte sich dann, dass die Mannschaft keineswegs nur mauerte. Die Wingbacks schoben häufig weit mit nach vorne um den Platz auf den Flügeln zu nutzen und Andrea Pirlo spielte stark als tiefliegender Spielmacher. Seine Vorarbeit vor dem 1:0 war große Klasse, ebenso wie di Natales Abschluss. Damit dürfte sich Letzterer zurück ins Team gespielt haben, während Balotelli eine lustlose Vorstellung ablieferte.

Spanien kam dann jedoch gut zurück ins Spiel. Als man sich fragte, was (bzw. wer) wohl der Plan B der Spanier ist, funktionierte der Plan A dann doch noch, dank eines genialen Moments von Silva, der auf Fabregas durchsteckte. Diese Lücken in der Fünferkette hatten sie vorher vergeblich gesucht. In der Schlussphase zeigte dann Fernando Torres, dass seine Schnelligkeit noch wichtig werden könnte im Turnier, auch wenn er zwei Großchancen vergab. Ganz ohne Stoßstürmer und Flügelstürmer wird auch Spanien nicht auskommen. Hat Italien mit der Dreierkette einen Masterplan gegen die Spanier gefunden? Ich glaube nicht, dass viele andere Teams dieses System gegen sie übernehmen werden. Erstens fehlt es dazu an der nötigen Eingespieltheit (die Italiener sind das System gewohnt) und zweitens hat Italien keine starken Flügelspieler, die man für die Formation opfern müsste.

Kroatien – Irland 3:1

Direkt im Anschluss gab es dann wieder fußballerische Magerkost. Irland hat bei dieser EM nur dann eine Chance, wenn es gelingt lange die Null zu halten und dann einen Konter zu setzen oder die Stärke bei den Standards zu nutzen. Wenn man sich direkt in der Anfangsphase ein kurioses Gegentor fängt wie gegen Kroatien, hat man eigentlich keine Optionen mehr. Zwar kam Irland dank eines Kopfballtors von St. Ledger noch einmal zum Ausgleich, doch die Gegentore kurz vor und nach der Halbzeit machen dann endgültig eine Strich durch Trapattonis Matchplan.

Irland war durch die gute Organisation trotz mangelnder individueller Qualität zu einer Art Geheimfavorit in der Gruppe C erklärt worden (auch von mir). Doch fußballerisch sind sie eindeutig das schwächste Team im Turnier. Das wurde nach dem Rückstand mehr als deutlich. Es gab praktisch keinen Plan B, der über lange hohe Bälle und Standards hinausgeht. Die Spieleröffnung wirkt fast schon anachronistisch. Man mag die Kampfbereitschaft der Iren bewundern, aber wenn sie den Gegner nicht durch langes Halten eines 0:0 zermürben, sind sie leider nicht konkurrenzfähig. In den kommenden beiden Spielen sind sie noch mehr Außenseiter und erhalten weitere Chancen, mit ihrem disziplinierten Defensivspiel zu beeindrucken. Gegen Kroatien ist ihnen dies nicht im Ansatz gelungen.

Kroatien ist nach diesem Spiel schwer einzuschätzen. Sie waren klar die bessere Mannschaft in einem eher niveauarmen Spiel. Der Spielverlauf kam ihnen jedoch entgegen und sie mussten keine langen Phasen des Anlaufens aufs Tor bewältigen. Sie haben individuell gute Spieler und sind technisch auf hohem Niveau, so viel war vorher schon klar. Wie gut sie wirklich sind, wird man wohl erst gegen Italien sehen. Irland stellte leider keinen ernsthaften Test für sie dar.

Meine EM: 1. Spieltag, Gruppe B

Die erste Überraschung gab es in Gruppe B, wo Dänemark die Niederlande schlagen konnte. Deutschland mühte sich danach zu einem 1:0 Arbeitssieg gegen Portugal.

Niederlande – Dänemark 0:1

Die Niederlande haben sich gleich zum Auftakt einen Patzer geleistet, der ihnen teuer zu stehen kommen kann. Dänemark zeigt eindrucksvoll, dass Trainer Olsen richtig gelegen hat, seiner Mannschaft auch in der schweren Gruppe B etwas zuzutrauen. Die Niederlande waren die bessere Mannschaft und hatten die besseren Chancen, doch taten sich sehr schwer echte Gefahr vor dem dänischen Tor zu erzeugen.

Es war ein Musterbeispiel dafür, wie unterlegene Mannschaften im Fußball zum Erfolg kommen können: So gut wie möglich stehen, die gefährlichen Spieler doppeln, Abschlüsse nur aus suboptimalen Positionen zulassen und selbst bei Ballgewinn schnell umschalten und die Räume nutzen, die der aufgerückte Gegner offen lässt. Ein bisschen “Matchglück” braucht man dazu auch und das hatten die Dänen. Auch mit den vorhandenen Chancen hätten die Niederlande das Spiel gewinnen können. Auffällig, wie häufig die niederländischen Stürmer ausrutschten. Van Marwijk muss sich fragen, ob eine Doppelsechs mit van Bommel und de Jong ausreicht. Spielerisch kommt sehr wenig von den beiden und man ist fast ausschließlich auf die Kreativität vier Offensivspieler angewiesen. Gegen Dänemark wäre van der Vaart wohl die bessere Wahl gewesen.

Dänemark überzeugte nicht nur defensiv, sondern zeigte auch große Stärken beim Kontern. Bendtner spielt sehr beweglich, weicht nach außen aus und schafft Räume für Eriksen und die nachrückenden Spieler. Das Team wirkt gut eingespielt, was sich auch in den nächsten beiden Partien bezahlt machen könnte. Das Weiterkommen ist ihnen durchaus zuzutrauen. Die Niederlande müssen Deutschland schlagen, um nicht schon nach zwei Spielen chancenlos aufs Weiterkommen zu sein.

Deutschland – Portugal 1:0

Soll man enttäuscht sein über das wenig inspirierende Spiel oder sich über den erarbeiteten Sieg freuen? Ich tendiere klar zu letzterem, weil ein Erfolgserlebnis zu Beginn für einen Leistungsschub sorgen kann. Es ist auch nicht so, dass Deutschland gegen Portugal schlecht gespielt hätte. Es fehlten nur ein paar Dinge im deutschen Spiel, die im Laufe des Turniers noch hinzukommen können.

Portugal zeigte, dass es hinzugelernt hat und die vertauschten Vorzeichen anerkannt hat. Während früher Deutschland den Portugiesen die Initiative überließ und selbst hauptsächlich Konterfußball spielte, richtete sich am Samstag Portugal gemütlich in der eigenen Hälfte ein. Deutschland hatte viel Ballbesitz, tat sich aber ungemein schwer, vor das gegnerische Tor zu kommen. Der Ball zirkulierte viel im Mittelfeld. Gefährlich wurde es nur, wenn man über die Flügel spielte und den Ball von dort in den Strafraum brachte. Özil wich häufig auf die Außenbahnen aus, um Velosos aufmerksamer Bewachung zu entgehen. Richtige Chancen blieben allerdings Mangelware. Insgesamt wirkte das Spiel zu pomadig und gerade im Angriffsdrittel fehlte das Tempo im deutschen Spiel.

Portugal freundete sich im Laufe des Spiels immer besser mit der ungewohnten Rolle an und sorgte mit gelegentlichen Kontern für Entlastung. Dabei spielten sie sich die besseren Torchancen heraus. Deutschland hatte Glück bei Pepes Lattenschuss und musste sich in der Schlussphase bei Neuer bedanken, der den Sieg festhielt. Hummels feierte endlich seinen Durchbruch im Nationaltrikot, während Lahm einen schwachen Tag erwischte. Schweinsteiger und Özil sind noch nicht bei einhundert Prozent. Gegen die Niederlande wird man eine deutliche Steigerung brauchen, gerade was die Geradlinigkeit und das schnelle Kombinationsspiel vor dem Strafraum angeht. Dabei könnte es ein Vorteil sein, dass der Gegner unbedingt gewinnen muss und wahrscheinlich mehr Räume zulässt als Portugal.

Meine EM: 1. Spieltag, Gruppe A

Ein interessanter Auftakt der Europameisterschaft. Das erste Spiel wurde geprägt von stürmischen, später nervösen Polen und tapfer kämpfenden Griechen, vor allem aber von einem Schiedsrichter, der seiner Aufgabe nicht gewachsen war. Im zweiten Spiel zeigten die Russen eine starke Leistung gegen die unbedarften Tschechen.

Polen – Griechenland 1:1

Die polnische Anfangsoffensive war beeindruckend und zeigte direkt Wirkung bei den abwartenden Griechen. Vor allem über die rechte Seite fand man immer wieder den Weg an den Strafraum. So fiel das 1:0 konsequenter Weise über diese Seite nach einer Flanke auf den starken Lewandowski. Das griechische Dreiermittelfeld kontrollierte zwar das Zentrum, doch Samaras und Ninis auf den Flügeln ließen die Außenverteidiger zu häufig aus den Augen. Es dauerte eine Weile, bis Griechenland Mittel und Wege fand, das polnische Angriffsspiel etwas zu stoppen. Gerade als es gelungen war, das hohe Tempo aus den Aktionen der Polen zu nehmen, wurde das Spiel durch die gelb-rote Karte gegen Sokratis durcheinander gewirbelt. Man kann schon fast dankbar sein, dass Schiedsrichter Carballo später den Elfmeter für Griechenland gab, sonst hätte es bereits am ersten Tag der EM eine Heimschiedsrichter-Diskussion losgetreten. Es war jedoch schnell offensichtlich, dass Carballo mit der Leitung dieses Spiels überfordert war und keine klare Linie in seinen Entscheidungen hatte.

Im Nachhinein war der Platzverweis für Griechenland zumindest in diesem Spiel ein Glücksfall. Durch den Ausfall beider etatmäßiger Innenverteidiger (Avraam musste mit einer Verletzung runter) und die Unterzahl stellte Trainer Santos auf ein 4-4-1 um, zog Katsouranis zurück in die Innenverteidigung und brachte zur Halbzeit Salpingidis für den ineffektiven Ninis ins Spiel. Durch die Systemänderung zogen sich die Außenstürmer nun weiter mit zurück und ließen den Polen weniger Platz auf den Flügeln. Durch die Mitte tat sich Smudas Team schwer, vor das gegnerische Tor zu kommen und so ergab sich eine Pattsituation. Karagounis, der vermutlich nicht richtig fit ist und mit seiner Langsamkeit in der ersten Halbzeit ein Problem für sein Team darstellte, konnte sich nun gut in das Spiel hineinkämpfen, aber es war sein Nebenmann Maniatis, der für Schwung im griechischen Angriffsspiel sorgte. Der Pass auf Torosidis vor dem Ausgleichstor war stark und Polen wirkte nach dem Treffer geschockt. Mit zunehmender Dauer wurde die Nervosität und auch die Ideenlosigkeit immer deutlicher. Polen wollte den Sieg erzwingen, doch es war nun das Spiel der Griechen, die tapfer dagegen hielten und sich einen Punkt erkämpften.

Polen kompensierte die mangelnde Klasse auf manchen Positionen mit großer Einsatzfreude. Man sah in der zweiten Halbzeit jedoch auch, wie der Heimvorteil zum Ballast werden kann, wenn der Gegner das Tempo aus dem Spiel nimmt und die Räume eng macht. Griechenland steht nun gegen Tschechien vor dem Problem, beide Innenverteidiger ersetzen zu müssen. Zudem muss man sich fragen, ob sie Karagounis durchs Turnier schleppen können oder ob er nicht eher zum Ballast wird.

Russland – Tschechien 4:1

Die spielstarke russische Mannschaft hat zwei Schwächen: Die Innenverteidigung und das Erarbeiten und Verwerten von Torchancen gegen tief stehende Gegner. Tschechien attackierte früh und wollte so wohl die erste Schwäche ausnutzen. Das Pressing funktionierte gut und man erspielte sich schnell ein Übergewicht im Mittelfeld. Nach spätestens einer halben Stunde war jedoch klar, dass man voll ins offene Messer der Russen gelaufen war und das Spiel trotz des späteren Anschlusstreffers entschieden ist.

Russlands Konter waren erstklassig, die Pass- und Laufwege wirkten gut aufeinander abgestimmt. Kerzhakov ist trotz der vergebenen Chancen die richtige Wahl als Mittelstürmer und Dzagoev nutzte mit seiner Technik und seinen überraschenden Läufen die Schwächen der bräsigen tschechischen Hintermannschaft aus. Vor allem die Vorstöße von Shirokov machten jedoch den Unterschied aus, weil Tschechien hierauf über 90 Minuten keine Antwort fand. Hier war der deutlichste Unterschied zwischen den beiden Mannschaften auszumachen, deren 4-3-3-Systeme sich ansonsten hätten neutralisieren können. Beide Seiten ließen immer wieder Lücken zwischen Abwehr und Mittelfeld entstehen. Während die Tschechen in Rosicky eher einen klassischen Ballverteiler im offensiven Mittelfeld hatten und so besonders auf die Läufe der Flügelstürmer angewiesen war, nutzte Russland mit Shirokovs Vorstößen diesen Raum wesentlich besser.

Spätestens jetzt hat Russland die Favoritenrolle in Gruppe A inne. Man sollte jedoch nicht übersehen, dass Tschechien viel zu unbedarft nach vorne spielte, zumal die eigene Abwehr nicht gerade das Prunkstück der Mannschaft ist. Nach dem Rückstand agierte man zudem vorne viel zu hektisch, um die russischen Abwehrschwächen offenzulegen und die vorhandenen Räume zu nutzen. Russland wird mit viel Selbstvertrauen in die verbleibenden Spiele gehen, aber so leicht wie gegen Tschechien werden sie es in diesem Turnier wohl nicht noch einmal haben.

 

Zwischen Kaiserslautern und Leverkusen

Gegen Kaiserslautern hat Werder kämpferisch und in Ansätzen auch spielerisch das gezeigt, was ich mir in der frühen Phase dieser Saison erhofft habe. Fritz im Mittelfeld gefällt, genau wie Sokratis als Rechtsverteidiger (wobei er mir wohl auf jeder Position gefallen würde). Wolf hat sich im Spielaufbau gesteigert und die Fehlerquote gering gehalten. Im Mittelfeld passierte das Gegenteil von dem, was erwartet wurde: Hunt stabilisierte sich und spielte selbstbewusst, Marin wurde mit zunehmender Spieldauer zappeliger und ließ sich von seinen falschen Entscheidungen im Spiel herunterziehen.

Schaafs Wechsel trugen ihren Teil dazu bei, das Spiel in Werders Richtung zu entscheiden. Es war sowohl richtig, Fritz nach Bargfredes Verletzung auf die Sechserposition zu verschieben, als auch Wesley für Marin einzuwechseln, als sich das Mittelfeld eine Zeit lang destabilisiert zeigte. Bei einem Sieg lässt sich hinterher immer leicht sagen, dass der Trainer alles richtig gemacht hat. In jedem Fall war Schaafs Aufstellung mutig und nicht geleitet von irgendwelchen populären Forderungen.

In Leverkusen bekommt man es nun mit einem Gegner anderer Güte zu tun. Bayer ist spielerisch stark genug, um Werders Defizite gnadenlos offenzulegen. Die erste Halbzeit aus dem Pokalspiel gegen Dresden sollte Schaaf eine Warnung sein. Allerdings wirkt Dutts Team mental schwer angeschlagen und längst noch nicht so weit, wie ich es vor dem 1. Spieltag erwartet habe. Gegen Mainz kam spielerisch wenig, das war schon fast ein Armutszeugnis. Mainz hat exzessives Pressing gespielt, das ich in dieser Form von Werder in den letzten Jahren kaum mal gesehen habe. Sehr viel wird von der Laufarbeit abhängen. Wenn es gelingt, Leverkusen in deren Hälfte so unter Druck zu setzen, wie Mainz es geschafft hat, kann man die Verunsicherung ausnutzen und vielleicht noch verstärken. Ein Sturmduo Rosenberg/Thy scheint mir dafür gut geeignet, Pizarro kann man später bringen, wenn sich die beiden müde gelaufen haben.

Fragezeichen gibt es im Mittelfeld und in der Viererkette. Vertraut Schaaf nach Wolfs Verletzung schon wieder auf Prödl oder zieht er Sokratis ins Zentrum? Im letzteren Fall müsste Fritz wieder auf die Außenbahn wechseln und im defensiven Mittelfeld wäre ein Platz frei. Eine Raute aus Wesley, Ekici, Hunt und Marin wäre jedoch sehr offensiv und so könnte Ignjovski direkt zu seinem Bundesligadebut kommen. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, Wesley als Rechtsverteidiger einzusetzen, doch das könnte angesichts der Sprunghaftigkeit des Brasilianers gegen Schürrle auch nach hinten losgehen.

Es ist in jedem Fall ein kleines Puzzle, das Schaaf vor dem Spiel lösen muss. Er wirkt dabei nicht annähernd so ratlos wie vor einem Jahr. Wer siegt hat eben Recht.

Zur Einstimmung aufs Spiel ein großartiger Text (gefunden im Blog von @anna_rosemary):

“Weil ich manchmal ein Esel bin und manchmal ein Hahn.”

Und morgen, morgen schrei ich mit.

Hinterlegt

Werder Bremen – 1. FC Kaiserslautern 2:0

So hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt. Werders erstes Bundesligaspiel 2011/12 wird angepfiffen und ich werde von einem Ordner an Tor 5 auf gefährliche Gegenstände gefilzt. Doch der Reihe nach.

Ich komme einigermaßen pünktlich zuhause los. Nicht so früh, wie ich eigentlich vor hatte, aber immerhin noch früh genug, um mich vor dem Spiel noch mit ein paar Werderfans zu treffen, mit denen ich mich vorher per Twitter verabredet hatte. So lerne ich dann endlich mal Stephen (@sreygate) vom Papierkugel Blog persönlich kennen und @KatarinaWerderf gleich noch dazu. Vor dem Rommy’s wird ein wenig gefachsimpelt und vorsichtig optimistisch auf das Spiel geschaut. Um 14:45 soll es dann mit meinem Bruder und meinem Neffen ins Stadion gehen. VIP-Loge-Nord. Denke ich.

Mein Bruder Wolfgang ist über einen Bekannten kurz vor Saisonbeginn noch an drei Dauerkarten gekommen. Zu meinem Glück ist er zum Zeitpunkt des Spiels jedoch noch im Urlaub, und da es seit dieser Saison für Dauerkarteninhaber keine einzelnen Tickets für die Spiele mehr gibt, sondern eine Plastikkarte, die für alle Spiele gültig ist, will er die Dauerkarten verständlicherweise nur an jemanden abtreten, bei dem er sich darauf verlassen kann, sie nach dem Spiel auch wiederzubekommen. Die Wahl fiel auf meinen anderen Bruder Robert, dessen 6-jährigen Sohn Lenni und mich.

Robert und Lenni warten schon vor dem VIP-Eingang Nord. Hier sollen wir die Dauerkarten abholen, die auf meinen Namen hinterlegt sind. Sein sollten. Es aber nicht sind, nach Auskunft der freundlichen Hostess, die mich ans Ticketcenter verweist. Am Ticketcenter lange Schlangen. Noch 40 Minuten bis Anpfiff. Einer der Ordner weist mich auf den separaten VIP-Schalter hin, an dem die Schlange weitaus kürzer ist. Nun sollte es doch schnell gehen. Drei Dauerkarten, VIP-Loge, hinterlegt auf den Namen Singer. Nicht gefunden. Wie war der Name noch gleich? Nein, tut mir leid, da müssen Sie sich dort drüben am Schalter noch mal anstellen.

Zurück in die Schlange, aus der ich vorher noch erleichtert geflohen war. Vor mir viele Menschen, die ein Problem mit ihrer Eintrittskarte haben. Die üblichen Geburtsprobleme bei der Einführung einer neuen Technologie. Später auch zu sehen beim Kauf einer Brezel. Die vorher via Internet aufgeladene Bezahlkarte ist nicht aktiviert. Zum aktivieren müssen wir uns am selben Stand anstellen, an dem wir uns auch hätten anstellen müssen, wenn wir die Karte nicht vorher online aufgeladen hätten. Der Fehler war Werder vorher bekannt, erfahre ich später. An unsere Brezeln kommen wir in der Halbzeit trotzdem. Zunächst kommen wir jedoch gar nicht erst ins Stadion. Tut mir leid, sagt man mir erneut. Auf diesen Namen ist hier nichts hinterlegt. Die Tickets sollten eigentlich auch am VIP-Eingang Nord liegen. Nein, das machen wir in dieser Saison nicht mehr. Das läuft nun alles zentral übers Ticketcenter. Ein Anruf bei Wolfgang. Mailbox. Kein Empfang. Ich versuche es erneut und erneut. Nichts geht.

Nun versucht es Robert auch. Ein Freizeichen. Jemand hebt ab, aber die Verbindung ist zu schlecht, um sich zu verstehen. Mein Handy stürzt unterdessen ab. Ausschalten, einschalten, PIN eingeben. Mist vertippt. Noch mal. Dann fällt mir ein, dass ich eine neue SIM-Karte habe. Wie lautet der PIN? Verdammt noch mal! Dritte falsche Eingabe. PIN gesperrt. Also schon mal keine Twitter-Updates im Stadion. Wenigstens erreicht Robert nun Wolfgang und kann drei Sätze mit ihm wechseln. Auf den Namen seines Stiefsohnes könnten die Karten auch hinterlegt sein: Saathoff. Wieder kein Treffer. Oder vielleicht der Name des Bekannten, der die Karten ursprünglich gekauft hatte? Müller. Ein Name, der hier nicht viel weiterhilft. Noch 5 Minuten bis zum Anpfiff.

Das Ticketcenter leert sich. Inzwischen sind alle Problemfälle gelöst, alle defekten Karten ausgetauscht. Nur Robert, Lenni und ich stehen noch dort. Aus dem Stadion tönt Arnd Zeiglers Stimme. Die Aufstellungen. Hunt spielt also doch. Und Thy auch. Lenni sitzt maulig auf der Fensterbank. Warum lassen die uns nicht ins Stadion? Ein letzter Versuch. Die immer verzweifelter wirkende Dame im Ticketcenter entschuldigt sich zum wiederholten Male, doch es gibt hier leider keine hinterlegten Karten.

15:29. Wir treten den Rückzug an. Ab in die Kneipe? In meinem Kopf werden Alternativen verglichen. Wohin kann man mit einem Sechsjährigen gehen? Robert schlägt vor, es ein letztes Mal am VIP-Eingang Nord zu versuchen. Guten Tag, hier sind drei Dauerkarten auf den Namen Singer für uns hinterlegt. Ein Moment, ich schaue kurz nach. Ah ja, da sind sie ja! Mir fällt alles aus dem Gesicht. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich die ebenfalls sehr nette Hostess – eine andere als beim ersten Versuch – umarmen oder anbrüllen möchte. Ein Moment noch bitte, die Karten sind gar nicht für hier! Wie? Ungläubige Gesichter, so nah dran gewesen. Die Karten sind nicht für die Loge, sie müssen bitte nach draußen und da durchs Tor gehen. Es ist uns längst egal, wir würden uns auch auf die Treppenstufen setzen, wenn man uns doch nur endlich ins Stadion ließe. Wir hasten zum Tor, drei Dauerkarten in der Hand mit einem Namen drauf, den ich nie zuvor gehört habe – nicht Singer, nicht Saathoff und auch nicht Müller. Alles egal.

Als wir unsere Plätze erreichen, vergibt Thy gerade die erste Chance des Spiels. 85 Minuten später ist die Stimmung im Weserstadion so gut wie seit einem Jahr nicht. Die Ostkurve tanzt den Andre Wiedener und Lenni, der mehr Interesse am Lauterer Anhang zeigte, als am Spiel selbst, strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Schlimmer hätte die Saison nicht anfangen können. Besser hätte der Stadionbesuch nicht sein können.

Squirrel!

Champions League, 1. Spieltag: Werder Bremen – Tottenham Hotspur 2:2

Ein Heimsieg gegen Tottenham wäre ein perfekter Start und wichtig für den weiteren Verlauf dieser Gruppenphase gewesen. Nach einer halben Stunde schien selbst ein Unentschieden nicht mehr im Bereich des Möglichen. In dieser Rolle fühlt sich Werder allem Anschein nach am wohlsten und holte am Ende ein 2:2, das mehr Fragen offen lässt als es beantwortet.

Fehler im System oder nur in der Umsetzung?

Das 4-4-2 mit Raute sollte es im Heimspiel wieder einmal richten. Es zeichnet sich langsam ab, dass dies momentan Schaafs Vorstellung ist: Zuhause die Raute und auswärts das 4-2-3-1. Tottenhams Trainer Redknapp hatte schon vor dem Spiel die Lehren aus Werders Heimsieg gegen Sampdoria und der eigenen Pleite in Bern gezogen und sein System vom klassischen 4-4-2 auf eine Art 4-5-1 umgestellt. Huddlestone gab dabei einen sehr tief stehenden Ausputzer vor der Abwehr und vor ihm spielten vier Spieler leicht versetzt: Jenas in der Mitte (der einen guten Job machte, abwechselnd auf Werders Aufbau zu pressen und Räume zuzulaufen), Lennon auf rechts, Bale auf links etwas offensiver und van der Vaart überall zwischen den Linien. Es lässt sich im Nachhinein nicht einmal sagen, ob diese Taktik Werder den Zahn gezogen hat, denn von Anfang an war das Bremer Mittelfeld nicht richtig sortiert.

Werder begann das Spiel, wie schon so oft in letzter Zeit: Unkonzentriert und fehlerhaft. Thomas Schaaf hatte vor dem Spiel auf die Frage, ob Werder mit Raute spiele geantwortet: “Wenn wir es hinkriegen.” Sie kriegten es nicht hin. Wesley machte seine Sache auf der linken Seite der Raute insgesamt gut, doch ihm fehlt noch etwas die Abstimmung mit den Kollegen. Auf der anderen Seite musste Bargfrede immer wieder Fritz gegen den überragenden Bale unterstützen. Marin zog es wie zu erwarten immer wieder auf die linke Außenbahn, so dass hinter den Spitzen ein großes Loch klaffte, das Frings nach dem Rückstand immer wieder zu schließen versuchte. So fehlten schon im Aufbau für die Innenverteidiger die Anspielstationen. Erst nach der Einwechslung von Hunt für Bargfrede und der Systemumstellung auf 4-2-3-1 bekam Werder einen Dreh in das Spiel.

Wichtiger Rollentausch

Es ist vielleicht die entscheidende Stärke von Werder, auch nach desaströsen Auftritten noch irgendwie zurück in die Spur zu finden und aus bereits verloren geglaubten Spielen noch etwas mitzunehmen. Almeidas Anschlusstreffer war zur Pause schmeichelhaft, doch vor allem ein Zeichen dafür, dass die Umstellung die richtige Entscheidung war. Hunt spielte die Rolle im zentralen offensiven Mittelfeld um Längen besser als Marin, der dafür vom linken Flügel seine Stärken ausspielen konnte. Werder ersparte sich zudem eine Zitterpartie, da Marin schon kurz nach der Pause den Ausgleich erzielte und bei den Spurs van der Vaart verletzt ausgewechselt werden musste. Mit Keane kam ein zweiter Stürmer, den Werder besser im Griff hatte als den Holländer. Das defensive Mittelfeldduo Frings und Wesley machte seine Sache ganz gut, dafür dass man während des Spiels umstellen musste. Wesley hat nun in zwei Spielen auf drei unterschiedlichen Positionen gespielt und auf jeder gute Ansätze gezeigt. Allerdings war er auf keiner von ihnen so stark, dass man sagen kann: Das ist es! Er braucht sicherlich weitere Eingewöhnungszeit und es werden noch Gegner kommen, die sich zum Einspielen besser eignen als Bayern und die Spurs.

Was mich am meisten überraschte, war die Tatsache, dass Mikael Silvestre auf seiner Seite gegen den doppelt so schnellen Lennon deutlich weniger Probleme hatte, als Fritz mit den Flankenläufen von Bale. Für Werder war es ein Glück, denn da auch Fritz sich zurück ins Spiel kämpfte, konnte die Bedrohung über außen in der zweiten Hälfte in Grenzen gehalten werden. Nach dem Ausgleich hatte Werder das Spiel eine Viertelstunde lang im Griff, bis sich Tottenham aus der Umklammerung löste und wieder eigene Chancen herausspielte. Das Siegtor hätte beiden Mannschaften gelingen können, doch letztlich war kein Team konsequent genug vor dem Tor. Das Unentschieden war daher für beide Mannschaften am Ende verdient, was für Werders Steigerung in der zweiten Hälfte spricht. Das Ergebnis spricht insgesamt aber eher für die Spurs, die nun zumindest im direkten Vergleich schon ein kleines Plus stehen haben. Die Gruppe könnte am Ende enger werden als vorher erwartet, doch Favorit auf den Sieg ist Werder eigentlich nur noch im Heimspiel gegen Twente Enschede. Für diese Mannschaft muss das aber kein Nachteil sein.

Warum fehlt die Konzentration?

Welche Erkenntnisse bringt das Spiel? Marko Marin ist kein Spielmacher, doch das hätte Schaaf schon vorher klar sein müssen. In der Kombination aus Formation und Personalauswahl hat er sich verzockt und seinen Fehler zum Glück nach 35 Minuten korrigiert. Die verfehlte Taktik kann jedoch nur eine Teilerklärung für Werders unglaubliche Passivität in der ersten halben Stunde sein. Ähnliche Situationen kommen so häufig vor, dass man eher auf ein generelles Problem mit der Konzentration schließen kann. Vielleicht ist Werder wie der Hund aus dem Film Up.* Es ist endlich wieder Champions League, das Flutlicht ist an, die Hymne erklingt, jeder will alles besonders gut machen, ist voll konzentriert auf seine Aufgabe. Und dann kommt das Eichhörnchen. Wer hat das bloß mit ins Stadion gebracht?

* Die Idee habe ich aus dieser Folge der Daily Show übernommen.