Schlagwort-Archiv: 16. Spieltag

Eine Tracht Prügel in Frankfurt

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 4:1

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Spielen kommt Werder mit 1:4 unter die Räder. Die Niederlage ist ärgerlich und unnötig, weil Werder in einem schwachen Spiel lange Zeit die etwas bessere Mannschaft war.

Schwache erste Halbzeit, Werder näher an der Führung

Zlatko Junuzovic kehrte nach seiner Sperre zurück ins Team, aber ansonsten blieb alles beim alten bei Werders Aufstellung. Ignjovski musste trotz starken Spiels zurück auf die Bank, während Kapitän Fritz wieder als Hunt-Vertreter ran durfte. Das Spiel war von Anfang an geprägt von großer Vorsicht und eher risikoscheuen Angriffen. Beide Teams sind defensiv nicht sattelfest und wussten von der Offensivstärke des jeweils anderen, so dass sich niemand die Blöße geben wollte, dem Gegner Raum für Konter zu geben. Es entwickelte sich ein eher langsames Spiel mit vielen Fouls, die den zähen Spielfluss noch weiter zerstückelten.

Eintracht Frankfurt investierte als Heimmannschaft etwas mehr in das Spiel und versuchte eine Art kontrollierte Offensive, die jedoch nur selten gefährlich vors Bremer Tor kam. Werder beschränkte sich zunächst aufs Kontern und machte dabei viel richtig. Fritz agierte wie gegen Hoffenheim ein Stück defensiver als De Bruyne und ließ sich häufig neben Junuzovic fallen, was es Frankfurt erschwerte, durch die Mitte zu kombinieren. Auch Inuis Läufe vom linken Flügel ins Zentrum konnten so leichter unterbunden werden. Das schnelle Umschalten nach Ballgewinn funktionierte gut, der letzte Pass kam jedoch häufig nicht an. Dennoch war Werder der Führung etwas näher als die Eintracht und erspielte sich die besseren Chancen.

Zweite Halbzeit: Werder spielt Nikolaus

Das änderte sich nach der Pause, als Frankfurt das vielleicht simpelste Kopfballtor dieser Saison erzielte. Prödl verschätzte sich bei einer Flanke von Oczipka völlig und so konnte Meier zwischen den Bremer Innenverteidigern ohne jede Bedrängnis aus fünf Metern einköpfen. Werder konterte auf ähnliche Art und Weise, mit einem Kopfballtor von Petersen, der sich ebenfalls gegen zwei Verteidiger durchsetzte und die Flanke von Arnautovic verwertete. Hier kann man zur Entschuldigung der Abwehrspieler wenigstens noch sagen, dass sie sich in der Rückwärtsbewegung befanden und die Flanke nicht so leicht zu antizipieren war, wie die Flanke von Oczipka.

In der Folge blieb Werder die eigentlich gefährlichere Mannschaft, hatte aber in der Offensive zunehmend damit zu kämpfen, dass die Angriffe nicht optimal zu Ende gespielt wurden. De Bruyne und Arnautovic übersahen bspw. beide den jeweils besser postierten Mitspieler und schlossen selbst ab. In der Defensive stellte man sich abermals selbst ein Bein und ermöglichte Frankfurt so den letztlich entscheidende Doppelschlag. Schweglers Tor war ein Sonntagsschuss, den Mielitz spät sieht und der für ihn kaum erreichbar ist. Allerdings lässt Werder ihm beim Torschuss viel Platz, ob so ein Tor unter Druck möglich gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln. Das 1:3 war ein Bewerbungsvideo für Pleiten, Pech und Pannen. Junuzovic verliert den Ball im eigenen Spieldrittel im 1 gegen 1, Prödl geht eher alibimäßig in den Zweikampf an der Außenbahn und in der Mitte rutscht Schmitz weg, so dass Aigner locker einschieben kann.

Am Ende zu harmlos

Danach war das Spiel gelaufen. Werder war nicht in der Lage, das Offensivspiel so umzustellen, um gegen eine nun etwas defensivere Eintracht klare Torchancen herauszuspielen. Es fehlte eine klare Linie im Spiel, die Passstafetten vor dem gegnerischen Strafraum wirkten beliebig, so als wartete man darauf, das irgendjemand anders eine geniale Idee hat. Schaaf brachte seine üblichen Wechsel, packte am Ende mit Akpala für Fritz noch die Brechstange aus. Wie so oft in dieser Saison blieb dies jedoch wirkungslos.

Dennoch war es nicht so, dass Frankfurt keine Chancen mehr zugelassen hätte. Es war jedoch wenig Zwingendes dabei und auch Kevin Trapp schenkte im Gegensatz zu den Bremer Nikoläusen nichts her. Am Ende setzte die Eintracht dann noch einen Konter, den Inui abschloss, doch da war das Spiel schon längst entschieden. Das Ergebnis fiel sicher zu hoch aus, doch schon allein wegen den Fehlern beim 0:1 und beim 1:3 kann sich Werder nicht über die Niederlage beklagen. Frankfurt spielte in der zweiten Hälfte konzentrierter und nutzte die Bremer Fehler gut aus. Nach dem Doppelschlag zum 3:1 konnte man das Spiel gegen einen immer kopfloser wirkenden Gegner kontrollieren.

Wie schon in vielen Auswärtsspielen dieser Saison funktionierte Werders Taktik solange gut, wie der Gegner nicht führte und das Spiel machen musste. Es fehlt jedoch der Plan B, mit dem man nach Rückständen auch dann zurückkommen kann, wenn der Gegner das Spiel nicht mehr selbst macht. Leider schafft es Werder auch mit einer Kontertaktik und ansonsten eher defensiven Spielweise kaum einmal die Null zu halten. Somit geht das Jahr 2012 zu Ende, ohne dass Werder zwei Spiele am Stück gewonnen hat.

10 Gründe, nach dem Sieg gegen Wolfsburg optimistisch zu sein

Normalerweise bin ich in diesem Blog bemüht, einigermaßen ausgewogen über Werder und den Fußball zu schreiben. Das gelingt mir mal mehr und mal weniger gut. Nach dem 4:1 gegen Wolfsburg lasse ich die negativen Dinge aber mal bewusst beiseite. So ist diese kleine, weihnachtlich-optimistische Liste entstanden:

1. Endlich mal wieder ein deutlicher Sieg

Früher waren deutliche Siege für Werder nichts besonderes. Heute muss man allerdings schon etwas weiter zurückdenken, um sich einen höheren Werdersieg zu erinnern. Ein 4:1 gab es zuletzt vor 14 Monaten in Gladbach. Der letzte höhere Sieg liegt sogar noch länger zurück: Im April 2010 gewann man 4:0 gegen Freiburg.

2. Werder ist eine Heimmacht

Acht Spiele, sieben Siege – nur gegen Dortmund gab es eine Niederlage. Nun sind Kaiserslautern, Freiburg, HSV, Hertha, Köln, Stuttgart und Wolfsburg sicher alle schlagbare Gegner im eigenen Stadion. Sie alle zu schlagen ist dagegen keine Selbstverständlichkeit. Als Ergebnis steht man auf Platz 1 in der Heimtabelle.

3. Werder überwintert auf einem Europacup-Platz

Wer hätte das vor der Saison gedacht: An 15 von 16 Spieltagen stand Werder unter den ersten Sechs in der Tabelle. Mehr als die Hälfte der Hinrunde sogar unter den Top Vier. Schlechter als Platz 6 wird man auch nach dem Spiel gegen Schalke nicht sein. Bei einem Sieg würde man sogar mindestens auf Platz 4 überwintern.

4. Werder kann Ausfälle kompensieren

Die Ausfälle waren nicht der Grund für Werders Absturz in der letzten Saison. Sie trugen aber viel dazu bei, die Krise zu verschärfen und Werder lange im Abstiegskampf zu halten. Gegen Wolfsburg fielen mit Marin, Hunt und Ekici die drei besten offensiven Mittelfeldspieler aus. Dennoch erspielte sich Werder eine Vielzahl hochkarätiger Torchancen. Zwei Wochen vorher schlug man Stuttgart ohne Pizarro. Werder ist nach wie vor auf gewisse Spieler angewiesen, fällt aber bei Ausfällen nicht wieder direkt in sich zusammen.

5. Naldo

Naldo habe ich vor der Hinrunde mit einem riesigen Fragezeichen versehen. Ich wäre schon zufrieden gewesen, wenn er bis zur Rückrunde wieder fit und in Bundesligaform gewesen wäre. Selbst die kühnsten Optimisten werden wohl kaum mit einer so schnellen Rückkehr gerechnet haben, vor allem aber nicht mit einer so schnellen Rückkehr zur alten Stärke. In der aktuellen Verfassung ist Naldo einer der drei besten Innenverteidiger der Bundesliga.

6. Pizarro

Werder ist abhängig von Pizarro. Man kann es auch positiv sehen: Werder hat einen Spieler wie Pizarro, der in jedem Spiel den Unterschied machen kann. Entgegen den Befürchtungen hatte Pizza bislang nur mit wenigen Verletzungssorgen zu kämpfen und trifft vorne zuverlässig. Und aller Abhängigkeit zum Trotz: Werder hat beide Saisonspiele ohne Pizarro gewonnen.

7. Rosi is back!

Gibt es einen Stürmer, der mehr von seinem Selbstbewusstsein abhängig ist? Zu Saisonbeginn war Markus Rosenberg on fire. Vor zwei Wochen schlich er mit hängenden Schultern über den Platz und wirkte so ungefährlich, dass seine Gegenspieler schon Mitleid mit ihm haben konnten. Dann das Tor gegen die Bayern und plötzlich quillt Rosi fast über vor Spielfreude. Der Zweikampf um den Platz neben Pizarro ist wieder eröffnet.

8. Das grünweiße Laufwunder

Gegen Wolfsburg hat Werder wieder einmal 125 km Laufpensum runtergespult. Drei Spieler kamen auf über 13 km Laufdistanz. Auch wenn das alleine nicht viel aussagt, die kämpferische Einstellung spiegelt sich in dieser Saison auch auf dem Papier wieder. Die vielen knappen Siege und gedrehten Rückstände sind nicht zuletzt das Ergebnis dieser Einstellung.

9. Werder bleibt Werder

Über Werders Außendarstellung lässt sich dieser Tage (und Monate) streiten. Der über die Vertragsverhandlung öffentlich ausgetragene Machtkampf zwischen Lemke und Allofs ist untypisch für den Verein. Im Vergleich zu den meisten anderen Bundesligisten, erst recht denen mit ähnlichen Ansprüchen, sticht Werder aber keineswegs negativ hervor. Insgesamt bleibt Werder ein ruhiges Pflaster für Spieler und Trainer.

10. Der beste Endspurt

Die letzten 10 Spieltage sind fast schon traditionell Werders beste, zumindest was die Ergebnisse angeht. Selbst letzte Saison gab es 16 Punkte und nur zwei Niederlagen. Im Jahr zuvor schnappte man sich noch den schon verloren geglaubten Platz 3, 2008 und 2006 wurde man jeweils im Endspurt noch Vizemeister. Wenn bloß vorher die jährliche Frühjahrskrise nicht wäre, aber wir wollen ja optimistisch bleiben.

Niederlage, aber kein Rückschritt

Bundesliga, 16. Spieltag: Borussia Dortmund – Werder Bremen 2:0

Nach dem 3:0 in der Champions League gegen Inter Mailand keimte ein wenig Hoffnung auf, dass Werder in Dortmund doch einigermaßen mithalten könnte. Nicht zu Unrecht, wie sich am Samstagabend zeigte. Werder konnte Dortmund nach schwachem Start lange Zeit das Wasser reichen und kassiert am Ende trotzdem eine insgesamt verdiente 0:2 Niederlage.

Dortmunder Blitzstart

In den ersten 20 Minuten passierte genau das, was man angesichts des Saisonverlaufs der beiden Mannschaften befürchten musste. Dortmund überrollte Werder geradezu mit aggressivem Pressing, schnellem Umschalten und gefährlichen Pässen in die Tiefe. Das 1:0 war folgerichtig. Auch wenn es letztlich eine Standardsituation war, kam der Freistoß für den BVB durch Pasanens Probleme auf der linken Abwehrseite zustande. Wer nun wieder auf unserem Linksverteidiger (egal wie er gerade heißt) herumhacken möchte, kann das gerne tun. Allerdings tut man ihm dabei meiner Meinung nach zumindest teilweise Unrecht. Das Spiel war – mehr noch als sonst – dafür konzipiert, auf Werders linker Seite Lücken zu schlagen. Kagawa zieht gerne aus der Mitte auf die linke Seite (wie ein gewisser Mesut Özil) und zog unsere defensiven Mittelfeldspieler dadurch ein Stück auf diese Seite herüber. Wenn man sich die Heatmap von Frings und Fritz anschaut, stellt man fest, dass beide mehr Aktionen rechts vom Zentrum hatten, was ungewöhnlich für eine Doppelsechs ist. Dazu kommt die Tatsache, dass Marko Marin mit seinen ständigen Rochaden als Vordermann deutlich weniger hilfreich ist, als etwa Phillip Bargfrede auf der anderen Seite. Wenn Rechtsverteidiger Piszcek mit aufrückte und seinen Landsmann Kuba unterstützte, wurde es jedes mal brenzlig.

Die Dortmunder setzten Werder auch nach der Führung weiter unter Druck und konnten mit ihrem Pressing den Bremer Spielaufbau weitgehend unterbinden. Pizarro ließ sich immer wieder tief fallen und agierte als “falsche Neun”. Dabei ging es weniger darum, Platz für die Vorstöße von Hunt und Marin zu schaffen als darum, eine weitere zentrale Anspielstation im Mittelfeld zu bieten. Auch in Dortmunds vertikale Pässe schlichen sich nach und nach mehr Ungenauigkeiten ein. Da das zweite Tor nicht fallen wollte, schaltete Dortmund in der Folge einen Gang zurück und verwaltete das Spiel. Dadurch bekam Werder mehr Spielanteile und konnte seine Angriffe überlegter und genauer Aufbauen. Bis zur Halbzeit wirkte Dortmund dabei noch sehr kontrolliert und ließ Werder nur zu einer nennenswerten Torchance – einem Schuss von Aaron Hunt – kommen. In einer solchen Phase reicht es, beim Gegner den Eindruck entstehen zu lassen, man könne jederzeit wieder zuschlagen. Werder agierte vor der Pause betont vorsichtig, um dem BVB nicht die Gelegenheit zum schnellen Gegenstoß zu geben.

Bremer Comeback

Dass es sich dabei um eine Dortmunder Finte gehandelt haben könnte, zeigte sich in der 2. Halbzeit. Werder führte seine Angriffe nun entschlossener zu Ende und setzte die Borussen früher unter Druck. Dadurch entstanden zwar die Räume für Dortmunder Konter, doch der Tabellenführer hatte nun selbst Probleme, sich aus dem Bremer Angriffsdruck zu befreien. In dieser Phase zeigte sich jedoch auch ein Unterschied zwischen den Teams, der letztlich mit spielentscheidend war: Dortmund schaffte es wesentlich besser, die Räume vor dem eigenen Strafraum eng zu machen, als es Werder in Dortmunds Drangperiode gelungen war. Werder musste sich jeden Torschuss hart erarbeiten. Trotz der nun augenscheinlichen Bremer Dominanz musste Dortmund im gesamten Spiel nur wenige wirklich brenzlige Szenen überstehen.

Gegen diese gereifte Dortmunder Mannschaft muss man die wenigen Chancen kaltblütiger nutzen, als es der SVW derzeit tut. Pizarro hatte innerhalb kurzer Zeit gleich zweimal den Ausgleich auf dem Fuß, doch beide Versuche endeten auf frustrierende Weise. Zunächst nahm Pizarro den Ball schlecht mit und Roman Weidenfeller konnte vor ihm klären, was Pizarro eine (in meinen Augen übertriebene) gelbe Karte einbrachte. Im zweiten Versuch war Pizarro erneut frei durch, legte den Ball am Torwart vorbei und wurde dann von diesem von den Beinen geholt. Ich kann zwar Klopp und die Dortmundfans verstehen, dass sie hier Pizarro unterstellen, sich bereitwillig treffen zu lassen, doch Weidenfeller kam schlicht mit zu viel Tempo aus dem Tor und konnte nicht mehr ausweichen. Entscheidend ist hierbei nicht die Intention sondern die Durchführung und Weidenfeller trifft Pizarro klar. Wäre es andersherum, hätte jeder Dortmunder einen Elfmeter gefordert. Schiedsrichter Mayer entschied an dieser Stelle nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal zu Werders Ungunsten und versagte Werder so die große Chance zum Ausgleich. Im Gegenzug traf dann Lewandowski zum entscheidenden 2:0. Es war ein schöner Dortmunder Angriff, den Kagawa mustergültig abschloss, doch Lewandowskis (wenn auch nur leichte) Berührung aus klarer Abseitsposition gibt dem Tor einen faden Beigeschmack.

Fehlende Klasse vs. fehlendes Glück

Nach dem Tor war das Spiel entschieden, weil Schaaf schon kurz vorher Pizarro gegen Wagner austauschen musste und sein Team nicht die Kraft und die Überzeugung aufbringen konnte, um Dortmund noch einmal richtig unter Druck zu setzen. Aufgrund der ersten 20 Minuten und der Dortmunder Defensivstärke geht der Sieg des Herbstmeisters insgesamt in Ordnung. Aus Bremer Sicht ist es jedoch erfreulich, dass man eine Stunde lang mit der bislang überragenden Mannschaft der Saison mithalten konnte und sich trotz des frühen Rückstands nicht wehrlos abschlachten ließ. Zwar entspricht das nicht dem Selbstverständnis unseres Vereins, aber nach den zahlreichen Klatschen in den letzten Monaten ist allein diese Tatsache schon etwas wert.

In Anbetracht der aktuellen Lage kann Werder in Dortmund nur dann Punkten, wenn alles optimal läuft. Die beiden Schiedsrichterentscheidungen waren sicher nicht der alleinige Grund für Werders Niederlage, doch momentan ist das Team einfach nicht in der Lage, solche Dinge gegen einen solchen Gegner zu kompensieren. Die Enttäuschung bei Spielern und Trainer ist verständlich, doch mit dem Abstand von zwei Tagen sollte man nun zu dem Schluss kommen, dass Fehlentscheidungen im Fußball immer wieder passieren und man die Leistung als weiteren kleinen Schritt in die richtige Richtung werten darf. Es ist ein Konsolidierungskurs den Werder derzeit beschreitet. Es ist zwar schmerzhaft, einen vermeintlich schwächeren Verein wie Dortmund so davonziehen zu sehen, doch das ist in dieser Hinrunde einfach nicht unsere Liga. Gegen den Tabellennachbarn aus Kaiserslautern müssen am Samstag hingegen unbedingt drei Punkte her.

Was bleibt?

Fun Fact des Tages: Als die Signal Iduna die Namensrechte für das Westfalenstadion kaufte, reichten zwei Bremer Mitarbeiter ihre Kündigung ein.

Ärgernis des Tages: Kubas ungeahndete Schwalbe. Ich teile ja die Kritik an Marins Fallsucht, aber ich kann das Fingerzeigen der Fans anderer Vereine immer weniger verstehen. Es gibt in fast jedem Team einen Spieler, der bei jeder Gelegenheit den Bodenkontakt sucht und Dortmund war mit Kuba und auch Sahin gut dabei.

Die Fragen, die nicht nur ich mir nach dem Spiel stellte, waren: Wie groß ist der Leistungsunterschied zwischen Werder und Dortmund wirklich? Ist der Dortmunder Kader so viel besser? Welche Rolle spielen dabei Selbstvertrauen, bisheriger Saisonverlauf und Zufall? Wie groß ist der Anteil der Entwicklungen der letzten 1-2 Jahre? Die Antworten darauf stelle ich an dieser Stelle mal zur Diskussion.

Borussia Dortmund – Werder Bremen (live)

16. Spieltag: How Felix stole Christmas

Werder Bremen – Schalke 04 0:2

“Wissen Sie noch wie man ein Spiel verliert?” Diese Frage stellten die Sky-Reporter vor dem Spiel jedem Werderspieler, der nicht bei drei auf dem Baum war. 90 Minuten später kannten wir die Antwort: Ja, sie wissen es! Und wer dachte, nach vier Monaten ohne Niederlage wüsste man schon gar nicht mehr, wie es sich anfühlt zu verlieren, der wurde eines besseren belehrt. Das Gefühl ist nur all zu bekannt. Es kommt einem so vor, als sei es nie weg gewesen.

Viel ärgerlicher als das ist jedoch der Blick auf die Tabelle. Auf Platz 4 steht man dort, punktgleich mit dem nächsten Gegner HSV. Die vielen Unentschieden der letzten Wochen zeigen spätestens jetzt Wirkung: Nur zwei Punkte mehr als in der vergangenen Hinrunde hat Werder auf dem Konto. Bei einer Niederlage im Nordderby braucht man sich mit der Meisterschaft erstmal nicht mehr zu beschäftigen. Doch ich will nicht zu schwarz malen. Noch ist nicht viel verloren, der Rückstand dank Leverkusens Punktverlust in Berlin noch im Rahmen, und dass die Serie einmal reißen musste, war auch klar. Doch es ist kein Zufall, dass es gegen Schalke passierte.

Ausgerechnet Schalke, den viel zitierten “Lieblingsgegner” der Bremer, der gegen keine andere Mannschaft häufiger verloren hat. Seit dem Sieg beim berüchtigten Saisonauftakt im August 2004 konnte Werder jedoch nur noch einmal gegen Schalke gewinnen. Ansonsten gab es viele bittere Niederlagen und ein paar mehr oder weniger ärgerliche Unentschieden. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Schalker den Bremern nicht liegen. Allerdings hat das Schalke von vor fünf Jahren mit dem heutigen Schalke genau so wenig zu tun, wie das Werder von vor fünf Jahren mit dem heutigen Werder. Die Spielausrichtung en beider Mannschaften sind jedoch gleich geblieben. Und wenn jemand weiß, wie man sich das zu nutze macht, dann Felix Magath.

Das Schalker Spiel war eine konsequente Fortführung dessen, was die Kölner vor einer Woche erfolgreich probiert hatten. In der Vergangenheit reichte es gegen Werders Offensive oft aus, mit zwei Viererketten vor dem eigenen 16er auf die Angriffe zu warten und die Räume vor dem Tor eng zu machen. Möglichkeiten für Konterangriffe ergaben sich fast automatisch. In dieser Saison lässt Werder hinten weniger zu und kommt vorne selbst auf engstem Raum zu Torchancen, bzw. nutzt die Standards in Tornähe. Schalke ließ es (wie Köln letzte Woche) nicht dazu kommen. Sie setzten das Bremer Mittelfeld schon unter Druck bevor Özil, Hunt und Marin auf Reise geschickt werden konnten. Frings und Jensen bekamen das Spiel nicht in den Griff und so mussten die zuvor genannten den Ball schon früh im Spielaufbau fordern. Anstatt ihre Kombinationsfähigkeiten auszuspielen, versuchten sie es häufig mit Einzelaktionen, die an dieser Stelle fruchtlos waren. Vor dem Strafraum reicht es aus, zwei Spieler aussteigen zu lassen, um frei vor dem Tor zu stehen. Kurz nach der Mittellinie kommt dann eben der dritte Spieler dazu und klärt. Es war eher die Spielweise Diegos, der den Ball allerdings auch gegen vier Mann behaupten konnte.

Zur Pause konnte man also festhalten, dass die Schalker Taktik aufgegangen war. Trotzdem hatte Werder die besseren Torchancen: Jensens Schuss wurde per Kopf über Tor gelenkt, Almeida war am 5er zu überrascht und Boenischs Schuss eine gute Gelegenheit für Neuer sich auszuzeichnen. Schalkes Offensivspiel war wiederum zu unausgewogen. Rafinha und Farfan machten über die rechte Seite viel Betrieb, doch auf der anderen Seite fehlte das Gegenstück. So konnte Werders Viererkette Schalkes Angriffe eine Halbzeit lang problemlos stoppen, obwohl man ihnen im Mittelfeld zu viel Platz zum kombinieren ließ. Nach der Pause war es dann aber vorbei mit dem stoppen, doch auch hier lag der Fehler eher im Mittelfeld. Die Lücke zwischen Mertesacker und Naldo in der Mitte lässt sich bei einer Viererkette nicht vermeiden, genauso wenig, wie Kuranyis Lauf. Doch solche Pässe darf man einfach nicht zulassen. Holtby darf in diesem Bereich zwischen Mittelfeld und Abwehr nicht so viel Raum und Zeit haben, diesen einfachen, aber gut getimeten Pass zu spielen. Schalke ließ im gesamten Spiel keinen solchen Pass zu.

Danach entwickelte sich aus Bremer Sicht ein Trauerspiel. Schalke ging mit voller Wucht in die Zweikämpfe und Werder fand kein Mittel dagegen. Eigentlich hätte es nur zwei Möglichkeiten gegeben: Entweder mit voller Wucht dagegen halten (ja, das kann Werder, hat man in diesem Jahr auch schon mehrfach gezeigt) oder bei den Kombinationen einen Tick schneller sein, als der Gegner. Kombinationen fanden nun jedoch noch seltener statt als in der ersten Hälfte. Hunt versuchte es brachial mit Dribblings durch die Mitte, Marin konnte sich über außen nur selten durchsetzen und Özil spielte zu häufig den schwierigen Ball. Schaaf reagierte, brachte Borowski und Pizarro für Almeida und Jensen, um vor dem Tor in die Lufthoheit zu erlangen. Doch statt die langen Kerle mit hohen Bällen zu füttern, versuchte es Werder unverständlicherweise weiterhin mit Dribblings durch das Mittelfeld. Das Flügelspiel fand nicht statt, Boenisch und Fritz waren hinten gegen die Außenstürmer gebunden. Hier nochmal ein Kompliment an Magath: Linksaußen Sanchez für Holtby zu bringen, war eine taktische Meisterleistung!

So blieb am Ende viel Frust und Enttäuschung. Man möchte in dieser Situation am liebsten alle beschuldigen: Die eigenen Spieler, den Gegner, den Kommentator, den Schiri. Dabei gibt es an der Niederlage nichts zu rütteln, trotz diverser Nebengeräusche. Schalkes Spielweise war oft an der Grenze des Erlaubten und manchmal jenseits davon. Darauf kann sich Werder nun schon einmal einstellen, denn auch die kommenden Gegner werden gesehen haben, dass diese Taktik wie schon vor einer Woche beim 1.FC Köln aufging. “To beat Werder, you have to kick Werder”, um mal Arsene Wenger zu zitieren. Das hat sich Werder zumindest zum Teil selbst zuzuschreiben. Schiri Fleischer hatte wahrlich kein einfaches Spiel zu leiten und machte seine Sache im Prinzip auch gut. Eine klare Linie kann ich ihm nicht absprechen, aber er war auch deutlich bemüht, mit seinen Entscheidungen nicht zu sehr ins Spiel einzugreifen. So zum Beispiel als Sebastian Boenisch im Strafraum niedergestreckt wurde. Marcel Reif sah hier eine saubere Aktion, klar den Ball gespielt. Das stimmte auch, doch leider war der Spieler nicht einbeinig und grätschte Boenisch mit rechts von hinten so in die Parade, das dieser nicht weiterspielen konnte. Wenn das eine saubere Aktion war, weil sie dem Ball galt, war auch Wieses Tritt gegen Olics Kopf damals eigentlich ganz sauber.

Nun kann man – zu Recht – einwenden, dass Boenisch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf dem Platz hätte stehen dürfen. Fleischer zeigte ihm nach einer ziemlich eindeutigen Notbremse nur die gelbe Karte. Ebenso hätte Kuranyi nicht mehr auf dem Platz sein dürfen, als er das Schalker 2:0 mustergültig vorbereitete. Einen Vorwurf kann man Fleischer trotzdem nicht machen, er hatte das Spiel ansonsten im Griff und so ist es nur ein statistischer Zufall, dass beide Werder-Niederlagen in dieser Saison unter seiner Leitung zustande kamen. Vielmehr sollten sich die Spieler an die eigene Nase fassen. Sich darüber aufzuregen, dass Kuranyi für den Tritt gegen Mertesacker unbestraft blieb, ist eine Sache – ihm danach Begleitschutz bis zum Strafraum zu gewähren, eine völlig andere. So blieb dem nicht gerade für seine technischen Fähigkeiten berühmten Kuranyi die schönste Einzelaktion des Spiels vorbehalten. Spätestens nach Boenischs vorzeitigem Ausscheiden war die Partie dann entschieden. Das traurigste dabei: Werder hätte wohl nicht nur den einen, sondern zwei Elfmeter benötigt, um noch etwas aus dem Spiel mitzunehmen. Verdient gewesen wäre es auch dann nicht.

Bis zur Winterpause bleibt nun folgendes zu tun: Die Wunden lecken (gute Besserung an Sebastian Boenisch), den Mund abputzen, die Ärmel hochkrempeln und das Spiel gegen Hamburg mit einer so kämpferischen Einstellung angehen, wie damals im Mai! Die Zeit der Geschenke ist vorbei, auch wenn dies kein sonderlich weinachtliches Motto ist.