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Tor der Hoffnung

Bundesliga, 18. Spieltag: Werder Bremen – 1899 Hoffenheim 2:1

Der befürchtete Fehlstart blieb aus: In letzter Sekunde sicherte sich Werder Bremen den insgesamt verdienten Sieg im Krisengipfel gegen Hoffenheim. Zumindest kurzfristig darf man als Fan wieder etwas entspannter in die Zukunft blicken.

Kurzer Moment des Glücks

Ich habe mich nur kurz gefreut. Ein kurzer, intensiver Moment des Glücks, nachdem Torsten Frings den Ball in der Nachspielzeit in die Maschen gehämmert hatte. Es war nur ein Tor gegen den Abstieg. Drei Punkte gegen einen erstaunlich harmlosen Gegner, der trotzdem kurz vor Schluss noch Pizarros Führung ausgleichen konnte. Ein Tropfen auf dem heißen Stein im Gesamtbild dieser enttäuschenden Saison.

Doch das Tor hat einen symbolischen Wert. Vielleicht wird ihm dieser Wert in den nächsten Wochen wieder genommen, falls die Mannschaft zurück in ihre Lethargie verfällt. Vielleicht wird er am Ende der Saison als der Wendepunkt angesehen, der Werder zurück in die Erfolgsspur führen sollte. Im Moment steht das Tor einfach nur für die Hoffnung. Die Hoffnung von uns allen, dass dieses Team noch lebt, atmet und um seine Daseinsberechtigung kämpft. Die Hoffnung, dass die schlimmen Befürchtungen bezüglich des Zustands der Mannschaft sich doch nicht bewahrheiten. Wenn selbst dieses bereits abgeschriebene, von inneren Zerwürfnissen aufgezehrte Werder, in diesem zum erneuten Ärgernis zu werden drohenden Spiel, in den letzten Sekunden mit einem Tor des Willens noch den Sieg holen kann, dann gibt es wohl nichts auf das es sich nicht zu hoffen lohnt.

Kompaktheit und Stabilität als Überraschungselement

Es war kein sonderlich gutes Spiel von Werder, bei weitem kein Fußballfest. Der Ball lief einigermaßen flüssig durch die eigenen Reihen, doch gerade im Angriffsdrittel fehlte noch die Feinjustierung. Hier und da taten sich auch die Lücken zwischen Abwehr und Mittelfeld auf, die Werder schon seit längerem das Leben schwermachen. Doch insgesamt spielte die Mannschaft sehr konzentriert, kompakt und mutig gegen einen Gegner, der nur selten Räume in der eigenen Defensive offenbarte.

Niemand stach so richtig aus der Mannschaft hervor, aber es fiel auch keiner deutlich ab. Die Teamperformance stimmte also. Der kollektive Torjubel am Ende sollte wohl auch ein Statement nach außen sein, dass hier doch kein zerstrittener Haufen unterwegs ist und dass es ein gemeinsames Ziel gibt. Diesem schienen sich zumindest am Samstag alle unterzuordnen. Werders Stabilität überraschte Gegner und Fans. Man ist diese Kompaktheit und Disziplin aus den letzten Monaten nicht mehr gewohnt.

Kroos und Silvestre überzeugen

Auch taktisch zeigte sich Werder verändert. Thomas Schaaf griff wieder auf die Raute im Mittelfeld und zwei echte Stürmer zurück. Mit Pizarro und Arnautovic im Sturmzentrum kann Werder sehr variabel spielen, auch wenn es bei der Abstimmung zwischen den beiden noch Optimierungsbedarf gibt. Mit Frings als alleinigem Sechser muss Werder zudem aufpassen, keine zu großen Räume vor der Abwehr entstehen zu lassen. Der Kapitän täte gut daran, seine Vorstöße weitgehend einzuschränken und wenn dann nur im Wechselspiel mit Bargfrede mit nach vorne zu gehen. Die Hoffnung auf ein längerfristiges Comeback der Raute wurde jedoch hauptsächlich durch Felix Kroos befeuert. In Borowski und Jensen sind die nahe liegenden Optionen für die Halbpositionen (wieder einmal) verletzt. Kroos lieferte eine unspektakuläre Leistung ab, doch sein Passspiel überzeugte. In manchen Situationen darf er gerne die Bälle noch schneller verarbeiten und das Spiel schneller machen. Mit seinen technischen Fähigkeiten und seinem Spielverständnis könnte er schon bald zum Nachfolger von Tim Borowski werden.

In der Viererkette waren viele von Mikael Silvestres grundsolider Leistung überrascht. Ich kann nicht sagen, dass ich den Auftritt genau so erwartet habe, aber gänzlich unerwartet kam er nicht. Es ist deutlich zu sehen, dass er körperlich auf einem viel besseren Level ist als zu Beginn der Saison. Das konnte man auch schon gegen Ende der Hinrunde (vor seiner Verletzung) beobachten, doch damals war er schon so verunsichert, dass er weiterhin Fehler am laufenden Band produzierte. Sein letzter Auftritt gegen Frankfurt war hingegen schon ähnlich souverän wie am Samstag. Wenn er weiter in dieser Verfassung spielt, ist er zumindest kurzfristig ein Gewinn für Werder.

Und nun?

Unter anderen Voraussetzungen könnte man nun schon wieder etwas mutiger nach vorne schauen. Der Rückstand auf die internationalen Plätze ist nicht so groß, dass man die Saison nach 40 Punkten schon abhaken müsste. Wenn die Bayern bei (ehemals) 13 Punkten Rückstand auf Dortmund eine Kampfansage abgeben, warum dann nicht auch Werder bei 11 Punkten Rückstand auf Mainz? Weil wir noch weit davon entfernt sind, die Kurve schon gekriegt zu haben. Wir biegen gerade erst ein.

Werder hat in der letzten Saison mit einem Kraftakt in kürzerer Zeit einen größeren Rückstand aufgeholt. Wenn die Mannschaft erst einmal Blut geleckt hat, wer weiß wozu sie dann noch fähig ist? Ein Tor der Hoffnung. Die Realität heißt: Platz 12 und 6 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Werder Bremen – 1899 Hoffenheim (live)

Noch 3 Fragen zu 1899 Hoffenheim

Wie angekündigt möchte ich in der Rückrunde wieder vor jedem Bundesligaspiel ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners führen. Den Anfang macht Heiko Walkenhorst vom Akademikerfanclub 1899 Hoffenheim, der mir drei Fragen zu seinem Lieblingsverein beantwortet hat:

Das Spiel in der Hinrunde habt ihr deutlich gewonnen und dabei über weite Strecken schönen Tempofußball gespielt. Insgesamt war eure Hinrunde dann zwar nicht schlecht, aber doch etwas durchwachsen. Wie zufrieden bist du mit dem achten Platz momentan? Wäre mehr drin gewesen?

Nein, zufrieden sind wir nicht, eben weil mehr drin gewesen wäre. Immer diese Last-Minute-Punkteverluste – gegen Bayern, Freiburg, Dortmund, HSV etc. Das war schon sehr frustrierend. Andererseits war eben der Fußball selbst wesentlich besser anzuschauen als im letzten Jahr.

Die Winterpause war in Hoffenheim alles andere als ruhig. Der Verkauf von Luis Gustavo, der Weggang von Ralf Rangnick, das Hickhack um Demba Ba – wie beurteilst du diese Entwicklung? Erwartest du trotzdem eine erfolgreiche Rückrunde?

Diese Entwicklung musste mal kommen. Wir hatten ja sehr lange Zeit diese eine Stammelf, mit der wir sehr viel erreicht haben. Dann aber gab es sehr unterschiedliche Zielsetzungen – und das parallel zu einem sagenhaften Angebot (Gustavo) sowie einem akzeptablen “Kollateralschaden” (Rangnick). Denn so gut war sein Standing bei den Fans auch nicht wirklich.

Das mit Ba ist ärgerlich, denn er hat viele Sympathien. Ich halte ihn für einen klasse Fußballer, aber herrjeh, er ist nicht der erste und er wird nicht der letzte sein, der den Versprechungen seines Beraters erliegt.

Aber diese Unruhen haben natürlich auch was Gutes: den Aschenputtel-Faktor. Die Guten ins Töpfchen, die schlechten weg. Die, die da sind, können gerade dank dieser Unruhen als Mannschaft auftreten, da dies den Zusammenhalt der neuen Gemeinschaft stärken kann.

Mit Marco Pezzaiuoli habt ihr einen neuen Trainer, der schon einige Erfolge mit DFB-Jugendauswahlmannschaften hatte. In der Bundesliga ist er aber noch recht unbekannt. Wie schätzt du ihn ein? Ist er der richtige Trainer für Hoffenheim?

Habe ihn erst einmal erlebt – und ich finde, er hat was Tucheliges, was er gewiss ebenso ungern hören dürfte wie “Jogi-Zwilling”. Wie dem auch sei, er ist gewiss ein glaubwürdigerer Vertreter der Ursprungsphilosophie von Hoffenheim als es sein Vorgänger war.

Dein Tipp?

Ich glaube, wir gewinnen auch das Rückspiel, weil ihr einfach keine Mannschaft habt. Das macht einen wirklich traurig als Fan des Fußballs. Als Fan von Hoffenheim freue ich mich natürlich über das 1:2. :-)

Vor dem Hinspiel: 3 Fragen zu 1899 Hoffenheim

30 Minuten

Bundesliga, 1. Spieltag, 1899 Hoffenheim – Werder Bremen 4:1

Zum Glück habe ich nur 30 Minuten vom Spiel gesehen. Es waren die letzten 30. Da war das Spiel schon gelaufen. Der Schnitt vom Spiel am Mittwoch gegen Sampdoria zur 60. Minute in Hoffenheim war ein harter. Keine Spur mehr von flüssigem Kombinationsspiel. Beim Stand von 1:4 kann man das auch nicht erwarten. Bei 1:4 kann man überhaupt nichts mehr erwarten, außer vielleicht, dass der Schiedsrichter so bald wie möglich abpfeifen möge. 11 hängende Köpfe und die Welle geht durchs Stadion.

Ich kann das Spiel nicht beurteilen, will es auch gar nicht. Die letzten 30 Minuten sind nicht aussagekräftig. Es braucht allerdings nicht viel Fantasie um sich vorzustellen, was in der ersten Halbzeit das Problem war. Es ist so altbekannt, dass ich es nicht mal mehr aufschreiben möchte. Wenn es eine Erkenntnis in den letzten 30 Minuten gab, dann diese, die allerdings auch nicht spektakulär neu ist: Marko Marin kann keine Standards schießen. Es ist eine äußerst undankbare Aufgabe bei einem 1:4 eingewechselt zu werden. Dennoch ist es sehr traurig, dass Marin die Balance zwischen Dribbling und Abspiel völlig abhanden gekommen ist.

Von Lehren, die aus diesem Spiel gezogen werden müssen, brauche ich auch nicht sprechen. Diese Lehren hat man über Jahre nicht gezogen, man wird es auch künftig nicht tun. Vielleicht braucht Werder diesen Dämpfer zum Auftakt irgendwie. Den letzten Sieg in einem Auftaktspiel gab es zum Rückrundenstart 2007. Vielleicht erholt man sich auch dieses Jahr und spielt noch eine gute Saison, aber die Klatschen heute und gegen Fulham deuten schon eher auf strukturelle Probleme hin. Wie sich das mit der Leistung vom Mittwoch verträgt? Keine Ahnung. Von höheren Zielen braucht die nächsten Wochen zumindest niemand mehr zu sprechen.

3 Fragen zu 1899 Hoffenheim

Mal wieder eine neue Rubrik: Vor jedem Bundesligaspiel gibt es in dieser Saison ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners. Den Auftakt macht vor dem 1. Spieltag Heiko vom Akademikerfanclub Hoffenheim, der mir drei Fragen zu seinem Club beantwortet hat:

Nach einer tollen Hinrunde nach dem Aufstieg kamen eineinhalb eher mittelmäßige Jahre. Nach Platz 11 in der letzten Saison, welche Erwartungen hast du 2010/2011 an deiner Mannschaft?

Wir haben auch gerade dazu eine MiFo (also MaFo unter den Mitgliedern) durchgeführt. Bis auf einen fast schon pathologischen Optimisten, der mit dem Einzug der EuropaLeague rechnet, gehen die meisten doch einem einem einstelligen Tabellenplatz aus. Aber eher einem, der den geographischen Eindruck, den Außenstehende von Hoffenheim haben, widerspiegelt, also: Niemandsland.

Für Ralf Rangnick gab es nach der Herbstmeisterschaft 2008 viel Lob für seinen durchdachten Konzeptfußball und seine innovativen Trainingsmethoden. In der letzten Saison kehrten dann die alten Vorbehalte gegen den “Fußballprofessor” zurück. Ist er der richtige Mann für den Job, Hoffenheim an die Spitze der Bundesliga zu führen? Und wie ist sein Standing im Verein nach dem gewonnenen Machtkampf mit Jan Schindelmeiser?

Wie sein Standing im Verein ist, wissen wir nicht. Aber das ist ja auch nicht entscheidend. Entscheidend ist sein Standing bei Babba Hopp – und das scheint doch sehr gut zu sein. Klar kamen mit RR auch die Aufstiege, aber da kam auch viel zusammen. Jung, hungrig und noch viel zu holen. In Liga 1 war dann halt nach Platz 1 in Hinrunde 1 Schluss. Man war oben angekommen. Danach kam nichts mehr. Auch kein Talent. Und das ist eine für uns doch erschreckende Erkenntnis, dass RR bei aller positiver PR über Nachwuchs- und Konzeptfußball es nicht geschafft hat, für Nachwuchskicker ein begehrlicher Trainer zu sein. Ein Holtby ging lieber nach Schalke. Da kackte er zwar ab, aber selbst dann zog Rangnick nicht so, dass er dann zu uns kam. Und ein Mlapa kam ebenfalls nicht wegen des Trainers, sondern wegen Schindelmeisers Nachfolger, die sich ja schon aus München kannten. Er müsste dringend was an seinem Image machen, um die Ziele zu erreichen, die er erreichen will. Aber jetzt hat man ja den Apparat etwas entschlackt, vielleicht bringt das ja was.

In den letzten beiden Jahren gab es große Spiele zwischen Werder und Hoffenheim, etwa das epische 5:4 vor zwei Jahren oder das Pokalspiel letzten Februar. Winkt uns am Samstag ein ähnliches Highlight oder ist es dafür am 1. Spieltag noch zu früh?

Die Hoffnung ist natürlich, dass wieder ein solches Spiel sehen, wenngleich auch mal mit anderem Ausgang. Zudem hätten wir so ein Spiel aber auch mal gerne auf unserem Rasen. Aber, wie du ja schon andeutest, 1. Spieltag, ist schwierig. Wie klappt das bei euch ohne Özil? Wie klappt das bei uns mit Salihovic? Was uns ein bisschen Sorge bereitet, sind beiden letzten Ergebnisse. 3:1 gegen Sunderland, 4:0 bei der Rostocker Hansa. Das hat fast schon Frühformcharakter – und die hat über die Saison gesehen noch keiner Mannschaft gut getan.

Dein Tipp?

Aber wenn die Frühform was bringen soll, dann am 1. Spieltag, oder? Also mein Tipp: 3:1

9. Spieltag: Momentaufnahme

Werder Bremen – 1899 Hoffenheim 2:0

Mit etwas Verspätung noch ein paar Sätze zu Werders aktueller Situation. Das Spiel gegen Hoffenheim wurde ja anderorts schon aufgearbeitet, z.B. hier. Mir sind einige Parallelen zur Doublesaison 2003/04 aufgefallen: Damals wie heute stand Werder nach 9 Spielen auf Platz 4, hatte 3 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer und ein Torverhältnis von +10. Wird die Auftaktniederlage gegen Frankfurt also als das neue “Pasching” in die Geschichte eingehen? So weit ist es noch lange nicht, doch die nun 13 Spiele währende Serie ohne Nierlage ist sehr respektabel. Genau wie Tim Wieses gegentorlose Zeit – mittlerweile 619 Minuten. Man sollte solche Serien nicht zu hoch bewerten, viel entscheidender ist die insgesamt deutlich verbesserte Defensivbilanz. Daran hat Wiese mit Leistungen wie gegen Hoffenheim freilich einen großen Anteil. Auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist, mit einem Abwehrbollwerk von der Weser kann ich mich ganz gut anfreunden.

Ein wenig ausführlicher ist der Podcast, den probek gestern mit mir zusammen aufgenommen hat. Eine knappe Stunde lang haben wir uns über Werders neue Abwehrstärke, den aktuellen Kader und Thomas Schaaf unterhalten. Wer also Lust hat, mir beim Fabulieren über den SVW zuzuhören (oder einfach nur Langeweile), der klicke auf Play:

Ballpod München, Ausgabe 6 (20. Oktober 2009)

Meine Saisonvorschau 09/10 (Teil 2)

Nach meiner Einschätzung des Werderkaders folgen heute meine Erwartungen an die neue Saison (inklusive meiner Abschlusstabelle, bei der ich schon traditionell hoffnungslos daneben liege).

Entwicklung der Bundesliga

Im internationalen Vergleich steht die Bundesliga so gut da, wie schon lange nicht mehr. Zwar ist der Abstand auf die europäischen Spitzenclubs nicht geringer geworden, doch insgesamt gibt es wieder mehr Bundesligamannschaften, die gehobenes internationales Niveau haben. In der letzten Saison konnte man eine deutliche Zweiteilung der Liga erkennen, mit Werder auf Platz 10 als Bruchstelle. Dadurch war es oben wie unten spannend, echte Überraschungen durch Underdogs bleiben jedoch aus. Wolfsburgs Meisterschaft schien vor einem Jahr nicht völlig utopisch, fast alle hatten sie zumindest für die Plätze 3-5 auf der Rechnung. Im Fall Hoffenheim überraschte nur der frühe Zeitpunkt, nicht die Etablierung in der Spitze selbst. Erleben wir also eine Spaltung der Bundesliga?

Es sieht danach aus, und das ist auch gut so! Da es – anders als in England, Spanien und Italien – nur eine Mannschaft gibt, die seit vielen Jahren national und international immer ganz oben dabei ist, tun sich die zweiten und dritten Kräfte im Land schwer. Wird nun der Kreis der Spitzenmannschaften erweitert, wird es naturgemäß schwieriger, sich gegen diese durchzusetzen. Mal ganz ökonomisch gedacht: Mehr Wettbewerb führt zu einem besseren Ergebnis. Der FC Bayern sah sich zum zweiten Mal in drei Jahren gezwungen, seinen Kader für viel Geld zu verstärken. Es reicht nicht mehr, die besten Leute der Konkurrenz weg zu kaufen, wenn diese, wie Wolfsburg oder Hoffenheim, finanziell in der gleichen Liga spielt. Davon wird man auch international profitieren. Einen deutschen Champions League Sieger sehe ich in den nächsten Jahren trotzdem nicht.

Meine Prognose

Der Meisterschaftskampf dürfte in dieser Saison wieder etwas langweiliger werden. Es ist zwar nicht sonderlich sexy auf einen Meister Bayern München am 31. Spieltag zu tippen, aber der Rekordmeister hat sich wirklich gut verstärkt und mit Louis Van Gaal einen hervorragenden Trainer, den ich noch aus seiner Zeit bei Ajax Amsterdam Mitte der 90er sehr schätze. Damals fügte er den Bayern im Europapokal eine empfindliche Niederlage zu und gewann schließlich mit einer sehr jungen Mannschaft die Champions League. Der Start könnte noch etwas holprig werden, doch auf lange Sicht wird sich die Klasse der Bayern wohl durchsetzen.

Dahinter wird es einen knappen und spannenden Kampf um die Champions- und Europa League Plätze geben. Vorbei sind die Zeiten als Werder und Schalke den 2. und 3. Platz unter sich ausmachten. Insgesamt 8 Kandidaten scheinen sich auf ähnlichem Niveau zu bewegen: Wolfsburg, Hoffenheim, HSV, Schalke, Dortmund, Stuttgart, Leverkusen und auch Werder. Ob eine dieser Mannschaften den Bayern einen spannenden Meisterkampf liefern können, vermag ich nicht zu beurteilen. Dahinter dürfte es allemal knapp werden.

Rechnen muss man sicher mit den Neureichen aus Wolfsburg und Hoffenheim, die die Bundesliga letzte Saison kräftig durcheinander gewirbelt haben. Beim VfL Wolfsburg wurde der Meisterkader zusammen gehalten und sogar punktuell verstärkt. Den unglaublichen Lauf der letzten Rückrunde wird man nicht wiederholen können. Dennoch ist Wolfsburg wieder ein Kandidat für die Spitzenplätze. 1899 Hoffenheim spielte nach begeisternder Hinrunde eine schwache Rückserie. In der neuen Saison werden sie sich davon erholt haben und wieder häufiger ihr Gesicht aus 2008 präsentieren. Der Kader ist qualitativ besser als vor einem Jahr und die Erfahrungen der letzten Saison helfen Hoffenheim, sich weit oben zu platzieren.

Schalke 04 ist mit Felix Magath einiges zuzutrauen. Der ganz große Wurf dürfte aber noch nicht gelingen, dafür halte ich den Kader für zu schwach. Mehr als ein 5. Platz wäre für mich eine Überraschung. Wie jedes Jahr wird auch der Hamburger SV hoch gehandelt. Nach dem Theater in der sportlichen Führung und dem unsäglichen Machtkampf zwischen Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer habe ich jedoch weiterhin Zweifel, ob in Hamburg alle an einem Strang ziehen. Der Kader verspricht wieder viel, die Qualität ist da. Doch kann der in Leverkusen gescheiterte Labbadia daraus eine Meistermannschaft formen? Zwischen Platz 2 und 9 ist für die Hamburger vieles drin. Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Entscheidung darüber am 34. Spieltag im Bremer Weserstadion fiele.

Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart halte ich aus unterschiedlichen Gründen für die schwächeren der genannten Teams. Bei Leverkusen ist mir noch immer Schleierhaft, warum man das eigene Potential nie über eine ganze Saison hinweg ausschöpft. Im Ernstfall stellt man sich selbst oft ein Bein in den Weg. Ich sehe auch nicht, wie sich dies in Zukunft ändern soll. Schönen Fußball wird es in Leverkusen bestimmt geben, aber keinen greifbaren Erfolg. Dortmund macht unter Klopp vieles besser als in der Vergangenheit und es fehlt nicht viel, um ein ernsthafter Titelkandidat zu werden. So ganz reicht es meiner Meinung nach aber noch nicht. Bei Trainer Klopp könnten sich in diesem Jahr erste Abnutzungseffekte zeigen, die er zwar in den Griff bekommen wird, die jedoch ein besseres Abschneiden verhindern. Stuttgart hat weiterhin eine starke Mannschaft, die ohne Gomez allerdings nur die Hälfte wert ist. Der Transfererlös wurde in Hleb und Pogrebniak sinnvoll investiert. Die Lücke, die Gomez hinterlässt, erscheint mir aber zu groß.

Hertha BSC sehe ich in dieser Saison nur im (gesicherten) Mittelfeld. Die Mannschaft ist schwer zu spielen, was ein Verdienst von Trainer Favre ist. Offensiv fehlt aber die Klasse. Wichniarek ist kein Voronin. Dahinter beginnt auch schon der Abstiegskampf. Köln und Nürnberg scheinen mir am ehesten die Klasse zu besitzen, in die Phalanx der letztjährigen Top 10 einzudringen. Für Hannover 96 wird es dagegen nicht zum Klassenerhalt reichen. Wenn dort nicht endlich das Ruder herumgerissen wird, ist die Mannschaft 2010 einfach mal dran. Mitabsteiger werden Mainz und Mönchengladbach sein. Freiburg, Frankfurt und Bochum heißen folglich die glücklichen Mannschaften, die sich in letzter Sekunde vor der Relegation retten können.

Und was ist mit Werder?

Es wird mal wieder eine typische Werder-Saison. Gute Hinrunde, Krise zu Beginn der Rückrunde, Aufholjagd im letzten Drittel und am letzten Spieltag werden die Positionen mit dem HSV getauscht. Werder wird Dritter und landet in der Champions League Qualifikation.

Vieles scheint möglich in diesem Jahr – nach oben wie nach unten. In Werders Kader steckt viel Talent, bei einem guten Beginn könnte man schnell einen Lauf bekommen. Zweifel an der Konstanz einiger Spieler sind aber angebracht. Diese hat Werder in den letzten 1 1/2 Jahren vermissen lassen. Man wird schon am oberen Limit spielen müssen, um meinen Tipp in Erfüllung gehen zu lassen. Mit der falschen Einstellung kann man schnell wieder ins Mittelfeld durchgereicht werden. Zum ersten Mal seit 2004 wird Werder von vielen Fußballinteressierten zum Favoritenkreis auf die Meisterschaft gezählt. In der Vergangenheit war dies häufig nicht die schlechteste Ausgangsposition.

Meine Abschlusstabelle

  1. Bayern München
  2. 1899 Hoffenheim
  3. Werder Bremen
  4. Hamburger SV
  5. VfL Wolfsburg
  6. Schalke 04
  7. VfB Stuttgart
  8. Borussia Dortmund
  9. Bayer Leverkusen
  10. 1. FC Köln
  11. Hertha BSC
  12. 1. FC Nürnberg
  13. SC Freiburg
  14. VfL Bochum
  15. Eintracht Frankfurt
  16. Borussia Mönchengladbach
  17. Mainz 05
  18. Hannover 96

SV Grün-Weiß 1899 Bremen

Diesen Namen trug unser Lieblingsclub im Jahr 1946 für einige Wochen.* Lange bevor es schick war, den "Traditionsreichtum" eines Vereins durch die Jahreszahl im Namen zu betonen.

Trotzdem, ein guter Jahrgang. Viel besser als 1900 (von 1919 gar nicht zu reden).

* Weitere Namen im Laufe unserer bewegten Vereinsgeschichte waren Fußballverein Werder von 1899, FV Werder Bremen, Sportverein Werder Bremen von 1899, TuS Werder 1945 Bremen und natürlich SV Werder Bremen.

Was uns in der Rückrunde erwartet

Es ist schon fast ein bisschen spät für eine Rückrundenvorschau. Schließlich haben rund die Hälfte aller Mannschaften der 1. Bundesliga schon ein (Pokal-)Spiel hinter sich und heute Abend geht es dann ja auch endlich wieder mit dem Bundesligaalltag los. Ich habe trotzdem noch einmal schnell meine allwissende Kristallkugel zu den bevorstehenden nationalen und internationalen Entscheidungen befragt.

Heraus kamen verblüffende Ergebnisse:

  • Deutscher Meister wird eine Mannschaft namens "FC Bayern München". Ich dachte kurzzeitig, die Kristallkugel wäre kaputt, doch auch nach mehrmaligem Schütteln, wildem Fluchen und dem Androhen weitreichender Vergeltungsmaßnahmen beharrte sie auf ihrer Vorhersage. Nun ja.
  • In der Champions League verlieren die englischen Mannschaft ein bisschen von ihrer Vorherrschaft. Einzig der FC Liverpool kann dieses Jahr ins Halbfinale einziehen. Dort verlieren die Herren von der Anfield Road jedoch gegen die Überraschungsmannschaft FC Villareal. Champions League Sieger wird jedoch der große Fußballbuhmann Juventus Turin, der nach unverdienten und höchst umstrittenen Siegen gegen die Bayern und Barcelona ins Finale vorstößt. Das Endspiel gewinnt Juve im Elfmeterschießen, wobei Schiedrichter Roberto Hoyzeroni jeden Elfmeter der Turiner so lange wiederholen lässt, bis der Ball im Tor ist. Zum Namen Luciano Moggi fällt der Kristallkugel hingegen gar nichts ein.
  • Den DFB-Pokal holt der Hamburger SV? Die Kugel MUSS kaputt sein!!!
  • Im UEFA-Cup gewinnt mit Aston Villa doch noch eine englische Mannschaft einen Pott. Das Finale gegen Schachtjor Donezk fällt in Punkto Spannung und spielerische Brillianz allerdings knapp hinter das letztjährige Finale zwischen den *Gähn* Glasgow Rangers und Zenit St. *Schnarch*…
  • Für den SV Werder reicht es am Ende mal wieder doch noch für Platz 3. Trotz einer Serie von 8 Spielen ohne Sieg zwischen Februar und Mitte April überholt Werder am letzten Spieltag noch Schalke, Leverkusen und den HSV und spielt so nächstes Jahr in der Champions League Qualifikation.
  • Angeblich bekommt Werder in der Saison 2012/13 wieder mal ein Heimspiel im DFB-Pokal (langsam wird es albern liebe Kristallkugel!). Um den Bremer Gegner Hoffenheim noch authentischer wirken zu lassen, hat Dietmar Hopp durchgesetzt, dass nach jeder gewonnenen Meisterschaft 100 Jahre vom Vereinsnamen abgezogen werden. Da in der Zwischenzeit jedoch die Mehrzahl der Bremer Fans und Spieler zu 1699 Hoffenheim übergewechselt sind, wird Werder bei jedem Ballkontakt gellend ausgepfiffen.

Und nun Manege frei für eine hoffentlich erfreuliche Rückrunde mit viel tollem Fußball und wenig Kristallkugeln.