Schlagwort-Archiv: 2009/2010

Höhepunkte der letzten 3 Jahre

Nicht im Sinne von beste Spiele sondern im Sinne von Dramatik, Spannung und (mal mehr, mal weniger) Happy End:

2007/2008

22.9.2007: Werder – VfB Stuttgart 4:1 – Der erste Lichtblick nach schwachem Saisonstart. Almeida mit dem schnellsten Doppelpack der Bundesligageschichte.
29.9.2007: Werder – Arminia Bielefeld 8:1 – Einen Tag später bin ich einen Halbmarathon gelaufen. Vor dem Spiel habe ich noch gescherzt, dass ich im Werdertrikot laufe, falls Werder 10 Tore macht. War knapp.
28.11.2007: Werder – Real Madrid 3:2 – Mit einer B-Elf gegen das große Real. Es wurde eines der besten Spiele unter Thomas Schaaf. Das 2:1 durch Sanogo inklusive der wunderbaren Vorarbeit von Rosenberg war für mich das schönste Tor in Werder Champions League Geschichte.
15.12.2007: Werder – Bayer Leverkusen 5:2 – Zwei Auswechslungen nach 30 Minuten. Borowskis letzte Aktion ist ein Assist: Das 1:1 durch Klasnic – ein Tor für die Geschichtsbücher. Nach überstandener Nierentransplantation sein erstes Tor bei den Profis. Später trifft er noch einmal. Feel-Good-Spiel vor der Winterpause.
12.4.2008: Werder – Schalke 04 5:1 – Nach einer bis dato enttäuschenden Rückrunde platzt der Knoten ausgerechnet gegen Schalke. Beim 5:1 wird der direkte Konkurrent demontiert.
10.5.2008: Werder – Hannover 96 6:1
– Viel wichtiger als das 6:1 gegen Hannover am 33. Spieltag waren die Auswärtssiege in Leverkusen und Hamburg am 34. bzw. 32 Spieltag. Trotzdem ein schöner Abschied aus dem Weserstadion für Ivan Klasnic.

2008/2009

9.8.2008: Eintracht Nordhorn – Werder 3:9 – Eigentlich war es ein lockerer Spaziergang. 10 Minuten vor Ende stand es 1:9. Dass man gegen einen Oberligisten drei Gegentore kassiert, sagt eine Menge über Werders Saison aus.
20.9.2008: Bayern München – Werder 2:5 – Schwacher Saisonstart und dann das. Man nimmt den Rekordmeister mal eben im vorbeigehen auseinander. 0:5 zum Oktoberfestanstich, da können auch die beiden Tore durch Borowski nichts mehr retten. Ein Feiertag für alle Werderfans
27.9.2008: Werder – 1899 Hoffenheim 5:4 – Die direkte Fortsetzung, allerdings gegen einen zum damaligen Zeitpunkt besseren Gegner. Zwischenzeitliche 4:1-Führung, dann der Ausgleich zum 4:4 und ein Sturmlauf der Hoffenheimer in Überzahl. Am Ende trifft Özil zum 5:4 in einem der wahnsinnigsten Spiele der jüngeren Bundesligageschichte.
1.11.2008: Werder – Hertha BSC 5:1 – Hertha, das Abwehrbollwerk mit Meisterschaftsambitionen. Klingt wie aus einem Paralleluniversum. Hat sich damals auch so angefühlt.
29.11.2008: Werder – Eintracht Frankfurt 5:0 - Werder siegte nicht oft in dieser Hinrunde, aber wenn dann richtig.
9.12.2008: Werder – Inter Mailand 2:1 – Vier Unentschieden und eine Niederlage. So scheidet man aus der Champions League aus. Gegen das Team von Mourinho zeigte Werder jedoch eine starke Leistung und qualifizierte sich immerhin für den UEFA-Cup.
26.2.2009: AC Milan – Werder 2:2 - Dort traf man auf Inters Stadtrivalen. Nach 1:1 im Hinspiel fing man sich gegen ein schwaches Milan einen unnötigen 0:2-Rückstand ein. Dann kam Pizarro und Werder kam verdient eine Runde weiter.
4.3.2009: VfL Wolfsburg – Werder 2:5 – Keine Heimniederlage in der Bundesliga in der gesamten Saison. Grandiose Aufholjagd und Meisterfeier am Ende. Nur im Pokal kam Wolfsburg im eigenen Stadion unter die Räder. 2:5 gegen den späteren Pokalsieger.
15.3.2009: Werder – VfB Stuttgart 4:0 – In den Pokalwettbewerben lief es rund, aber in der Liga musste Werder bis Mitte März auf den ersten Sieg der Rückrunde warten. Besonders Jens Lehmann war nach dem Diego-Feuerwerk bedient.
5.4.2009: Werder – Hannover 96 4:1 – Mal wieder Hannover. Bis kurz vor Schluss sah es nach einem Unentschieden aus, aber die letzten 15 Minuten reichten Diego und Pizarro, um eine komfortablen Sieg herauszuschießen.
22.4.2009: Hamburger SV – Werder 2:4 n.E. – Derbywochen, Teil 1. Drei gehaltene Elfmeter von Tim Wiese.
7.5.2009: Hamburger SV – Werder 2:3 – Derbywochen, Teil 2. Nach der Niederlage im Hinspiel und einem frühen Rückstand ein Kraftakt, der sich auf ewig in einer ominösen Papierkugel manifestiert hat.
10.5.2009: Werder – Hamburger SV 2:0 – Derbywochen, Teil 3. Ein 2:0 gegen einen Gegner, der schon vor Anpfiff geschlagen war.
13.5.2009: Eintracht Frankfurt – Werder 0:5 – Wie schon im Hinspiel ein 5:0 gegen Frankfurt. Eine schwache 1. Halbzeit wird durch ein Feuerwerk in der 2. Halbzeit wettgemacht. Fünf Tore in 26 Minuten.
30.5.2009: Bayer Leverkusen – Werder 0:1
– Der Pokalsieg zum Abschluss einer nervenaufreibenden Saison.

2009/2010

2.8.2009: Union Berlin – Werder 0:5 – Der hochgelobte Zweitligaaufsteiger kommt gegen Werder böse unter die Räder. Saisonauftakt nach Maß.
20.8.2009: Werder – FK Aktobe 6:3 – Mal wieder so ein Spiel, das alle Stärken und Schwächen aufzeigt. Drei Gegentore gegen Aktobe sind einfach zu viel, egal wie oft man selbst trifft.
25.10.2009: VfL Bochum – Werder Bremen 1:4 – Nach nur einer Minute war das Gerede um Tim Wieses Serie ohne Gegentor verstummt. Werder brauchte eine Weile, aber dann kam man zurück ins Spiel und siegte mit deutlichem Vorsprung.
31.10.2009: 1.FC Nürnberg – Werder Bremen 2:2 – Was für eine schwache Partie von Werder! Und doch gibt es am Ende noch einen Punkt, weil Aaron Hunt den Ball in der Schlussminute in den Winkel jagt. Dieses Schema bekam im Laufe der Saison System.
21.11.2009: SC Freiburg – Werder Bremen 0:6 – Werders Lieblingsgegner zurück in der Bundesliga.
28.11.2009: Werder Bremen – VfL Wolfsburg 2:2 – Zweimal gerät Werder in Rückstand. Diesmal ist es Mertesacker, der in der letzten Minute ausgleicht.
3.12.2009: Werder – Nacional Funchal 4:1 – Mit einer B-Elf im letzten Heimspiel der Gruppenphase.
13.2.2010: Hannover 96 – Werder 1:5 – Und wieder Hannover. 0:3 nach 25 Minuten. Für ein noch kriselndes Werder der perfekte Aufbaugegner.
21.2.2010: Werder – Bayer Leverkusen 2:2 – Das nächste Unentschieden in letzter Minute. Wieder durch ein Tor von Per Mertesacker.
25.2.2010: Werder – Twente Enschede 4:1 – Eine halbe Stunde Tempofußball mit hoher Präzision reichten, um den späteren niederländischen Meister aus Enschede zu schlagen.
6.3.2010: Werder – VfB Stuttgart 2:2 – Die gute Nachricht: Es dauerte diesmal nicht bis zur 90. Minute, bis der 0:2 Rückstand aufgeholt war. Die schlechte: Man lag wieder 0:2 hinten. Bis zur 75. Minute. Dann kamen Almeida und Frings.
18.3.2010: Werder – FC Valencia 4:4 – Fußballwahnsinn. Werder gibt sich trotz unterirdischer Abwehrleistung nie auf und sammelt fleißig Karmapunkte. Die kann man nach den vielen Last-Minute-Treffern der bisherigen Saison auch brauchen.

20.3.2010: Werder – VfL Bochum 3:2 - Schon zwei Tage später gibt es die nächste Aufholjagd. Das bekannte Spiel: Bochum geht zweimal in Führung, Werder gleicht aus. Diesmal gibt es ein richtiges Happy End: Frings trifft per abgefälschtem Fernschuss zum Sieg, und das ganze neun Minuten vor dem Ende. Rekordverdächtig.
10.4.2010: Werder – SC Freiburg 4:0 – Freiburg zuhause macht nie so viel Spaß, wie Freiburg auswärts.
17.4.2010: Wolfsburg – Werder 2:4 - Nachdem Werder gegen Bochum gelernt hat, wie es geht, kann auch der doppelte Rückstand gegen Wolfsburg die Spieler nicht mehr schocken. Drei Tore in der zweiten Halbzeit und Werder macht es diesmal nicht bis zum Ende spannend.
24.4.2010: Werder – Köln 1:0 – Das tut man dafür gegen Köln. Ein mageres 0:0 wie im Hinspiel, doch dann fasst sich Geromel ein Herz und schenkte Werder einen Elfmeter. Frings bedankte sich. Selbstverständlich in der Nachspielzeit.
1.5.2010: Schalke – Werder 0:2
– Verkehrte Welt in Gelsenkirchen. Werder abgeklärt und konterstark gegen eine hilflos anrennende Schalker Mannschaft. Das war man bislang andersherum gewöhnt. Özil mit seinem besten Spiel in der Rückrunde.

2010/2011

24.8.2010: UC Sampdoria – Werder 3:2 n.V. – Es ändert sich nichts. Andere gewinnen oder verlieren, Werder macht Spektakel. 3:1 im Hinspiel, 1:3 im Rückspiel durch ein Tor in letzter Sekunde. Bei den Bayern nennt man es “Dusel”, bei Werder ein “Fußballwunder”. Pizarro schießt Werder in der Verlängerung in die Champions League. Die weiteren Ergebnisse? 4:0, 1:4, 4:2. Darunter geht es nunmal nicht.

Meine Saison (in a nutshell)

Die Saison ist vorbei. Zeit für Rückblicke, Bilanzen, Fazits. Hier ist meine Einschätzung der Saison in Kurzform:

Das gefiel mir

Die Auswärtsstärke. Die Heimspiele in der Europa League. Das Aufreten im DFB Pokal gegen die Zweitligamannschaften. Claudio Pizarro, der vielleicht beste Stürmer der Werdergeschichte. Mesut Özils Ballbehandlung. Marko Marins Finten. Torsten Frings späte Topform. Die vielen Last-Minute-Tore. Der André Wiedener Tanz. Thomas Schaafs Taktik gegen Schalke im Mai.

Das gefiel mir nicht

Die Heimschwäche in der Bundesliga. Die Unkonzentriertheiten in den ersten Halbzeiten. Der Stadionumbau. Die Pfiffe gegen einzelne Spieler. Die BILD-Kampagne gegen Schaaf und Allofs. Daniel Jensens Verletzungspech. Markus Rosenbergs Einstellung. Tim Wieses Frisur (ich hätte nicht gedacht, dass es noch schlimmer kommen könnte). Marins Schwalben. Fans von Treter-Mannschaften, die sich (nur) über Marins Schwalben aufregen. Felix Magaths Taktik gegen uns im Dezember.

Spannend

Die taktische Variabilität. Vorbei sind die Jahre, in denen Werder immer 4-4-2 mit Raute spielt. Mit Mesut Özil hat man einen Spieler mit Spielmacherqualitäten, der aber keine klassische Nummer 10 ist. Werder hat in dieser Saison vieles ausprobiert und sich zum Saisonende erstmals seit langer Zeit dem Spiel der Gegner angepasst. Die realistische Selbsteinschätzung hat in der Liga Platz 3 gerettet, im Pokal leider nicht geholfen. Dennoch, so variabel habe ich Werder unter Schaaf noch nie gesehen: Ob flaches 4-4-2, 4-2-3-1, 4-4-1-1 oder auch die klassische Werderraute im Mittelfeld – Werder hat inzwischen alles im Repertoire. Das ist natürlich kein Selbstzweck, mit so vielen außergewöhnlichen Offensivspielern ist die Raute allein nicht mehr ausreichend. Darauf hat man angemessen reagiert.

Langweilig

Borowski-Bashing. Tim Borowski spielte eine mittelmäßige Hinrunde. Nach seinem überaus schwachen Rückrundenstart verlor er zu Recht seinen Stammplatz im Mittelfeld, zeigte sich aber seit März in aufsteigender Form. Gegen Schalke mit einem starken Comeback als Defensivarbeiter in der Startformation. Daher zu Recht zuletzt wieder von Beginn an. Insgesamt eine etwas enttäuschende Saison. Man darf auch zweifeln, ob er noch mal so stark wird, wie zu seinen besten Zeiten. Dieses stumpfe und undifferenzierte Draufhauen, das sich viele Werderfans angeeignet haben, geht mir aber einfach nur noch auf die Nerven.

Spiel der Saison

Werder Bremen – FC Valencia 4:4. Ein unglaubliches Spiel, sowohl was den Spielverlauf als auch was die Tore angeht. Es war ein Abend, an dem alles möglich schien und vieles möglich war. Am Ende schied Werder aus, aber kaum jemand im Stadion dürfte enttäuscht von der Mannschaft gewesen sein. Die Fehlersuche bei dem Spiel ist einfach und ergiebig, aber dies war kein Abend für Taktikfüchse, sondern für Fußballromantiker. Ein Wunder von der Weser ohne Happy End. Für mich das Spiel der Saison.

Spieler der Saison

Claudio Pizarro. Das schlampige Genie ist erwachsen geworden. Über sein außergewöhnliches Talent wissen wir schon seit Jahren bescheid. Nach seiner Rückkehr wurde er langsam auch zum Führungsspieler. In dieser Saison ging er als gutes Vorbild voran, stellte sich in den Dienst der Mannschaft, arbeitete unglaublich viel mit nach hinten und büßte trotzdem nicht seine Torgefährlichkeit ein. Kann am Ball einfach alles, auch wenn er nicht der schnellste ist. Manchmal noch zu unkonzentriert bei einfachen Torabschlüssen, aber dafür trickreich wie ein Hütchenspieler. Am Ende stehen 28 Saisontore in 40 Spielen. Die Belohnung für eine tolle Saison.

Spieler der Hinrunde

Mesut Özil. Spielte von August bis November groß auf. Etablierte sich in kürzester Zeit als zentraler offensiver Mittelfeldspieler und sorgte dafür, dass Werder nach Diegos Weggang nicht in ein kreatives Loch fiel. Im Winter fiel er dann aber in ein Loch und brauchte einige Zeit, bis er wieder an seine Hinrundenform anknüpfen konnte. Wirkt bei aller Klasse noch immer etwas fragil. Ein weiteres Jahr bei Werder täte ihm und dem Verein gut.

Spieler der Rückrunde

Petri Pasanen. Hatte keiner auf dem Zettel. In der Hinrunde zumeist nur als Backup für Sebastian Boenisch auf der Bank. Nach dessen Verletzung kam Abdennour und Pasanen musste weiter warten. Als der Tunesier nicht überzeugen konnte, kam die große Stunde des Routiniers. Spielte einen grundsoliden, abgeklärten Part links in der Viererkette. Hat weder Boenischs Dynamik noch dessen Offensivdrang, doch machte nach hinten sehr wenige Fehler. Der Aufschwung der letzten Monate hatte auch mit seinen starken Leistungen zu tun. Schmerzlich vermisst im Pokalfinale.

Newcomer der Saison

Ohne jeden Zweifel Philipp Bargfrede. Kam aus der zweiten Mannschaft, überzeugte in der Vorbereitung und ist seit Saisonbeginn ein wichtiger Bestandteil unseres Mittelfelds. Ist in allen Bereichen mindestens solide und ist dazu für sein Alter erstaunlich abgeklärt. Wenn er sich in der neuen Saison weiter steigern kann, wird man Baumann noch weniger vermissen und dazu im Schatten von Frings den neuen Chef im Mittelfeld aufbauen können.

Saisonfazit

Es war eine gute Saison. Phasenweise spielte Werder so souverän, wie ich es seit der Doublesaison nicht mehr gesehen hatte. Dann der große Einbruch im Winter. Alle Ziele schienen aus den Augen zu geraten. Am Ende stehen in der Bundesliga Platz 3 und die Champions League Qualifikation. Saisonziel erreicht – wie fast immer mit vielen Höhen und einigen Tiefen. Im DFB Pokal stand man im Finale, dank der einfachen Auslosung diesmal fast eine Pflichtaufgabe. Das Finale gegen die Bayern war ernüchternd. International spielte man eine souveräne Vorrunde und schied dann mit zu vielen Fehlern, viel Kampf und ein wenig Pech gegen Valencia aus. Insgesamt bin ich trotzdem sehr zufrieden.

Ausblick

So kurz nach Ende einer Saison immer schwierig. Die Voraussetzungen für eine weitere erfolgreiche Saison sind gegeben. Es könnte zum ersten Mal in der jüngere Geschichte ein Sommer ohne einschneidende Veränderungen am Kader werden. Wir haben viele Spieler, die eine gute Entwicklung genommen haben und über weiteres Steigerungspotential verfügen: Özil, Marin, Hunt, Bargfrede, Boenisch. Erfahrenen Leistungsträgern, wie Wiese, Mertesacker, Frings und Pizarro ist allesamt noch eine weitere gute Saison zuzutrauen. Bei erfolgreicher Champions League Qualifikation sollte an den Problemzonen nachgebessert werden: Die Personaldecke bei den Außenverteidigern ist dünn und im Sturm fehlt ein zweiter Topspieler. Ich weiß nicht, ob Almeida das noch werden kann, auch wenn ich es hoffe. Ansonsten reicht es aus, eventuelle Abgänge auszugleichen.

Dann gibt es natürlich auch noch die Konkurrenz, die ebenfalls nachbessern wird. Wie gut wird Schalke im zweiten Jahr unter Magath? Ist Bayern schon am Zenit? Wie oft kann der HSV mit diesem Kader noch am eigenen Unvermögen scheitern? Spielt Stuttgart ausnahmsweise zwei Saisonhälften konstant? Kann Klopp Dortmund zu einem Meisterschaftskandidaten formen? Wird Vizekusen seinem Namen mal wieder gerecht (nur ein Vize-Titel in den letzten 7 Jahren? Come on!)? Und was machen die Neureichen aus Wolfsburg und Hoffenheim? Es wird nicht leicht, bei diesen Mitkonkurrenten wieder einen Platz in den Top 3 zu erreichen.

Vor der abgelaufenen Saison wurde die große Zukunftsfrage gestellt: Rutscht Werder ins Mittelmaß ab oder kann man sich wieder in der Bundesligaspitze etablieren. Das Team hat die Antwort gegeben, wenn auch erst spät. Jetzt hat es sich einen positiven Ausblick auf die kommende Saison verdient. Wir werden nie ein Triple gewinnen, doch wir sind Werder Bremen und uns müsst ihr nächste Saison erstmal schlagen!

Meine Saisonvorschau 09/10 (Teil 1)

Heute Abend beginnt in Wolfsburg die neue Bundesligasaison. Höchste Zeit für eine ausführliche Saisonvorschau. Auch dieses Jahr kommt sie wieder in mehreren Teilen. Heute steht dabei allein Werder im Vordergrund. Was kann man von der Mannschaft in der kommenden Spielzeit erwarten?

Tor

Auf dieser Position gibt es keine nennenswerten Veränderungen. Tim Wiese ist unumstrittene Nummer 1 mit Ambitionen auf einen Platz im WM-Kader. Bei ihm war letzte Saison ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar. Vor allem seine Coolness in Stresssituationen hebt ihn von der deutschen Konkurrenz ab. Verbessern sollte er noch seine Strafraumbeherrschung, dann könnte er sogar als 1. Torwart nach Südafrika fahren. Bei Werder machen ihm weder Christian Vander, noch Sebastian Mielitz den Stammplatz streitig.

Fazit: Im Tor ist Werder deutlich überdurchschnittlich besetzt.

Abwehr

Trotz 50 Gegentoren in der vergangenen Saison gab es in der Abwehr keine personellen Konsequenzen. In der Innenverteidigung spielen mit Per Mertesacker und Naldo zwei Kopfball- und Zweikampfstarke Spieler, die in Normalform zu den besten Innenverteidigerpärchen der Liga zählen. Gerade bei Naldo gab es in den letzten beiden Jahren jedoch immer wieder Phasen, in denen er diese Form nicht erreicht hat. Gegen Ende der letzten Rückrunde zeigte er aber wieder seine alten Stärken und führte Werder mit einer überragenden Leistung zum Pokalsieg. Sebastian Prödl hat sich dahinter dem Niveau der beiden langsam angenähert. Sollten Naldo und Mertesacker fit bleiben, dürfte er über den Status als Ergänzungsspieler aber nicht hinaus kommen.

Auf der rechten Außenbahn hinterließ Clemens Fritz in der Vorbereitung einen starken Eindruck. Nach der schwachen letzten Saison will er wieder an seine Glanzzeiten anknüpfen und sich erneut in den Kreis der Nationalmannschaft spielen. Der Stammplatz wird ihm vom neuen Konkurrenten Martin Harnik nicht zu nehmen sein, da dieser gerade vom Stürmer zum Außenverteidiger umgeschult wird und noch Schwächen im taktischen Bereich hat. Spannender ist es auf der linken Seite, dem traditionellen Sorgenkind der Bremer Viererkette. Sebastian Boenisch hat nach der U21-EM noch leichten Aufholbedarf, weshalb Petri Pasanen im Moment die Nase vorn hat. Vom Finnen sind keine großen Leistungssteigerungen zu erwarten, doch er füllt die Position defensiv gut aus und zeigte im Pokalspiel gegen Union Berlin, dass er auch in der Offensive Akzente setzen kann. Ich denke trotzdem, dass sich Boenisch im Laufe der Saison durchsetzen und weiterhin steigern wird. Dusko Tosic wird den Verein verlassen, da bin ich mir sicher.

Fazit: Auf beiden Außenbahnen glaube ich an eine Leistungssteigerung. Insgesamt ist die Abwehr leicht überdurchschnittlich besetzt.

Mittelfeld

Im defensiven Mittelfeld war Frank Baumann in den letzten 6 Jahren meist gesetzt. Flankiert wurde er dabei auf der rechten Seite von Torsten Frings, der nun eine zentralere Rolle einnehmen wird. Frings spielte eine insgesamt enttäuschende letzte Saison und muss sich im Jahr vor der WM dringen neu beweisen, wenn er sein Ticket nach Südafrika nicht gefährden will. Für seine physisch anspruchsvolle Spielweise benötigt er absolute körperliche Fitness. Diese ist ihm in der vergangenen Saison – wohl auch bedingt durch die langen Verletzungspausen im Jahr davor – etwas abhanden gekommen, doch scheint nun wieder da zu sein. Ich zähle Frings trotz zahlreicher anderer Stimmen noch nicht zum alten Eisen. Neben Frings steht mit Rückkehrer Tim Borowski eine große Überraschung. Nicht der Transfer selbst war unerwartet, sondern die Konsequenz mit der Borowski auf der – zumindest im Werdertrikot – ungewohnten Position im defensiven Mittelfeld bislang agiert. Viele haben ihm dies nicht zugetraut. Dabei hat Borowski eines seiner besten Spiel für Werder auf der Sechserposition gemacht (beim 1:0-Sieg gegen Chelsea 2006). Die Achse Frings – Borowski dürfte der Schlüssel zu einer erfolgreichen Saison für den SVW werden.

Leidtragender ist zunächst Peter Niemeyer, der endlich verletzungsfrei ist und sich in der Rückrunde mit respektablen Leistungen in die Stammmannschaft spielte. Nachwuchsspieler José-Alex Ikeng hat sich in der Vorbereitung leider das Kreuzband gerissen. Es bleibt abzuwarten, ob er in dieser Saison noch eine Rolle spielen kann, da es bereits die dritte Verletzung dieser Art für ihn ist. Ein großes Fragezeichen steht noch hinter Jurica Vranjes. Der Kroate gilt als Streichkandidat, könnte durch Ikengs Verletzung aber eine neue Chance erhalten.

Im offensiven Mittelfeld klafft nach Diegos Wechsel zu Juventus ein Loch. Da adäquater Ersatz für diesen Ausnahmespieler fehlt, versucht Werder erst gar nicht dieses zu stopfen. Stattdessen wird das System dem vorhandenen Spielermaterial angepasst. Mesut Özil und Marko Marin werden als Stammpersonal auf den beiden offensiven Positionen im Mittelfeld gehandelt. Zusammen sollen sie dort den Verlust von Diego kompensieren. Beide haben in der vergangenen Saison ihr großes Talent mehr als nur angedeutet. Dennoch gibt es Zweifel: Das stärkste Argument gegen die beiden ist ihr junges Alter. Weder Marin noch Özil konnten sich bislang konstant auf höchstem Niveau beweisen. Für Özil sprechen die Erfahrungen der vergangenen Saison, mit einem verlorenen und zwei gewonnenen Finals als Höhepunkt. Von ihm erwarte ich diese Saison einen weiteren Sprung, vor allem in Sachen Konstanz. Marin musste zuletzt in Gladbach und bei der U21-EM Rückschläge einstecken. Er erhält bei Werder die Chance, sich in einem guten Umfeld weiterzuentwickeln. Hier ist Papa Schaaf sicher gefordert.

Aaron Hunt kann langsam als Beispiel für einen Hochtalentierten dienen, der es nicht geschafft hat. Es hat sicher auch mit der Verletzungsanfälligkeit zu tun, aber von ihm muss deutlich mehr kommen, wenn er eine Zukunft bei Werder haben will. Daniel Jensen hat eine gebrauchte Saison erwischt. Seit über einem Jahr kämpft er nun gegen diverse Verletzungen an, ohne je wieder an die tollen Leistungen der Saison 2007/2008 anzuknüpfen, als er Torsten Frings hervorragend vertrat. Ein Spieler seiner Prägung täte der Mannschaft auch jetzt wieder gut: Technisch stark, flexibel einsetzbar und mit gutem Auge für den freien Mann. Leider habe ich aufgrund der verpassten Vorbereitung wenig Hoffnung auf ein baldiges Comeback auf Spitzenniveau. Die Überraschung der Vorbereitung heißt Philipp Bargfrede. Der 20jährige spielte sich durch engagierte und selbstbewusste Auftritte in den Mittelpunkt und kann in dieser Saison allemal als Ergänzungsspieler eine Rolle spielen.

Fazit: Werders Mittelfeld bleibt auch ohne Diego konkurrenzfähig und ist schwerer ausrechenbar. Hier gehört Werder zu den Besten der Bundesliga.

Angriff

Hier steht bislang das größte Fragezeichen. Kommt Claudio Pizarro oder kommt er nicht? Wenn er nicht kommt, kommt dann jemand anderes von ähnlichem Format? Eine Planstelle besteht im Werdersturm auf jeden Fall. Im Schatten der Transferspekulationen haben sich die vorhandenen Angreifer erstaunlich gut entwickelt. Sehr erfreut bin ich über die Auftritte von Boubacar Sanogo. Nach seiner Rückkehr aus Hoffenheim galt er als Streichkandidat – momentan dürfte er einen Stammplatz sicher haben. Ähnlich wie vor zwei Jahren kämpft Sanogo um jeden Ball, legt für Mitspieler auf und trifft auch das Tor wieder. Seine teils hölzernen Bewegungen scheinen dabei den Regeln der Physik zu trotzen. Bevor es der Rest der Liga merkt, könnte Sanogo schon wieder 10 Treffer auf dem Konto haben. Es scheint aber höchst fraglich, ob er dieses Niveau diesmal langfristig halten kann. Ebenfalls erfreulich ist die Situation bei Hugo Almeida. Schon gegen Ende der letzten Saison zeigte er gute Leistungen und scheint nun endlich den nötigen Willen aufzubringen, sein Talent vollständig auszuschöpfen. Ihm traue ich eine gute Saison zu, sehe auf Dauer ein Angriffsduo mit ihm und Sanogo jedoch kritisch.

Marcelo Moreno kam im Sommer neu aus Donezk. Der Bolivianer sollte schon vergangene Saison verpflichtet werden und verspricht eine Verstärkung zu werden. Technisch ist er beschlagen und das, was gemeinhin gerne als “Torriecher” bezeichnet wird, scheint er auch mitzubringen. Sollte er auch physisch auf Bundesliganiveau mithalten können, sehe ich ihn langfristig als festen Sturmpartner für Pizarro/Mr. X. Markus Rosenberg landete durch seine Formkrise in der Rückrunde auf dem Abstellgleis. Eine langwierige Verletzung hat ihn bislang daran gehindert, diesen Eindruck widerlegen zu können. Sollte noch ein Stürmer kommen kann Rosenberg noch ein Fall für die Transferliste werden.

Fazit: Der Werdersturm ist bislang personell nicht befriedigend besetzt. Die anhaltenden Verhandlungen um Pizarro und die Formstärke der drei aktuellen Kandidaten stimmen dennoch positiv.

Taktik

Es wird momenten viel über den Umbruch in der taktischen Ausrichtung geredet. Statt des 4-4-2 Systems mit Raute wird derzeit ein 4-4-2 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern (Doppelsechs) und offensiven Außen gespielt. Interessant ist, was Thomas Schaaf zu dem Thema zu sagen hat:

“Es ist enorm wichtig, flexibel zu sein und auf verschiedene taktische Ausrichtungen zurückgreifen zu können. Wir versuchen alles auszuschöpfen, was der Fußball hergibt. Dabei ist die Taktik ein sehr vielseitiger Bereich. Aber es gibt nicht, wie häufig dargestellt, nur ein paar große Taktiksysteme. Viel entscheidender sind die vielen Nuancen, kleine Verschiebungen, die man vornimmt und die im Idealfall Großes bewirken.”

Aus dem Werder-Magazin Spezial. Interview: Martin Lange

Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Werders Formationsänderung ist deshalb auch keine Revolution. Sie ist den personellen Gegebenheiten geschuldet, da Spielmachertypen von der Qualität eines Diego oder eines Johan Micoud für wenig Geld nicht mehr zu bekommen sind. Der Wechsel von der eigentlichen Raute hin zu zwei defensiven Mittelfeldspielern ist ein schleichender Prozess, der in der vergangenen Saison längst begonnen hatte. Mesut Özil ist sicherlich der offensivste Spieler, der je auf den Halbpositionen der Werder-Raute gespielt hat. Als Konsequenz hatte sein Gegenpart auf der rechten Seite, in der Regel Torsten Frings, vermehrt Aufgaben in der Defensive zu bewältigen. Die flexible Grundformation machte diese Verschiebung problemlos möglich. Es ist anzunehmen, dass unter Schaaf auch das System mit der Doppelsechs ähnlich flexibel ausgelegt wird. Die Testspiele lassen zumindest darauf schließen.

In der Defensive ändert sich auf den ersten Blick nicht viel. Naldo wird vermutlich auch weiterhin seine Ausflüge nach vorne unternehmen, während Mertesacker im Notfall auch mal den Ausputzer gibt. Die Außenverteidiger könnten durch das neue System etwas entlastet werden, wenn das Mittelfeld weniger durch die Mitte agiert. Eine Schwäche, die Werder in jedem Fall in den Griff bekommen muss, ist die Unkonzentriertheit bei gegnerischen Standards. Eine Mannschaft mit so vielen kopfballstarken Spielern, darf einfach nicht so viele Gegentore nach Ecken und Freistoßflanken bekommen. Bei eigenen Standards könnte es schwierig werden, die Ausbeute der letzten Saison zu erreichen, denn Diegos Freistöße waren grandios. Mit Özil, Marin, Almeida, Naldo, Borowski und Frings hat man aber eine ganze Reihe an Spielern, die gut mit ruhenden Bällen  aus verschiedenen Positionen umgehen können.

Fazit: Der Wechsel zum neuen System wird weitgehend reibungslos verlaufen. Werder bleibt offensiv gefährlich und defensiv verletzlich, auch wenn ich deutlich weniger Gegentore erwarte, als in der letzten Saison.

Morgen werfe ich dann einen Blick auf die restliche Liga und wage eine Prognose für die Abschlusstabelle.

Frisch eingetroffen: Werders Neuverpflichtungen

Rechtzeitig zum Karneval hat mir ein anonymer Mitarbeiter der Werdergeschäftsstelle – nennen wir ihn Klaus A. – eine strenggeheime Liste mit Werders Neuverpflichtungen zur Saison 2009/2010 zugespielt. Passend zur närrischen Jahreszeit kommen alle Spieler in Verkleidung.

Und hier sind sie:

Lionel Ossi
LionelOssi


Kevin Kohlrabi

KevinKohlrabi

Ronald McDonaldinho
RonaldMcDonaldinho

David Beckhambauer
DavidBeckhambauer

Rune Bratwurst
RuneBratwurst

Wenn dass mal keine Verstärkungen sind. Und dass mir jetzt niemand mehr über Werders Transferpolitik meckert!