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25. Spieltag: Unentschieden mit Fragezeichen

Werder Bremen – VfB Stuttgart 1:1 (0:0)

Mit einem glücklichen Punkt gegen Stuttgart setzt Werder die positive Serie im Abstiegskampf fort und hält sich einen weiteren Konkurrenten vom Leib. Stuttgart dominierte die zweite Halbzeit, aber Werder hatte mit Hunts Freistoß die passende Antwort parat.

Mittelfeldvermeidung

Robin Dutt ließ sein Team im Vergleich zum Auswärtssieg in Nürnberg unverändert und vertraute erneut auf eine Mittelfeldraute. Huub Stevens stellte sein Team wie erwartet etwas defensiver auf als zuletzt und ließ sein Team recht tief verteidigen. Wer den VfB unter dem neuen, für Defensivkünste bekannten Trainer jedoch mit einer abwartenden Herangehensweise in der Anfangsphase erwartet hatte, wurde überrascht. Stuttgart übernahm wenn möglich selbst das Kommando und versuchte den ebenfalls tief stehenden Gegner über lange Pässe auf die Flügel unter Druck zu setzen. Werder blieb nicht ganz so passiv wie in den letzten Spielen und wurde durch Stuttgarts weitgehenden Verzicht auf Angriffspressing zu einem langsamen Spielaufbau gezwungen. Wie gehabt resultierte dies in Querpässen und langen Bällen, die meistens auf die Flügel gespielt wurden, um Kopfballduellen mit Niedermeier und Rüdiger zu entgehen. Auch Stuttgart war darauf bedacht, das Mittelfeld schnell zu um- bzw. überspielen, um die eigenen Schwächen im Spielaufbau nicht zum Tragen kommen zu lassen.

Insgesamt spielten beide Mannschaften viel über die Flügel (auf beiden Seiten kamen nur je 19% aller Angriffe durchs Zentrum) und tendierten dabei jeweils zu ihrer linken Angriffsseite. Dadurch, dass Werder öfter und weiter aufrückte als zuletzt, ergaben sich oft Räume zwischen Mittelfeld und Abwehrkette, in denen besonders Traoré häufig anspielbar war. Auch deshalb hatte Werders Raute in diesem Spiel früher Probleme mit dem breit angelegten Stuttgarter Spiel. Bargfrede musste in der Defensive häufig auf die Außenbahn hinausschieben (vor allem nach rechts). Da Obraniak erneut etwas höher und flügellastiger agierte, als Junuzovic auf der anderen Seite, taten sich Lücken im Zentrum auf, die der VfB jedoch nur unzureichend nutzte.

Dutt wartet, Niedermeier trifft

Zur Pause hatte ich fest mit einer Umstellung bei Werder gerechnet, doch Dutt behielt die Raute zunächst bei, was vielleicht auch an der relativen Ungefährlichkeit der Stuttgarter beim Abschluss lag. Trotz Elfmeters hatte der VfB bis zur Pause keinen einzigen Schuss aufs Tor. Nach dem Wechsel war Stuttgart jedoch präsenter und bespielte noch gezielter die Lücken in Werders Formation. Es ist erstaunlich wie ballsicher die Gäste dabei phasenweise agierten, während sie ansonsten doch massive Probleme im Passspiel offenbarten. Werder gelang es in dieser Phase nicht mehr, den Stuttgarter Druck vom Strafraum fernzuhalten. Das Führungstor fiel dennoch nach einer Standardsituation, als sich Prödl bei einer Flanke verschätzte und Niedermeier so frei vor Wolf an den Ball kam. Gibt es in der Situation eine Möglichkeit für den Torwart den Ball zu antizipieren und wegzufausten?

Dutt reagierte auf den Rückstand mit der Einwechslung Kobylanskis für den erneut schwachen Petersen. Es blieb zunächst bei der Raute, doch schon nach kurzer Zeit wechselte Kobylanski auf die rechte Außenbahn und Werder verteidigte fortan im flachen 4-4-2. Mit der Einwechslung von Elia für den ebenfalls schwachen Obraniak sollte der Druck über die Außenbahnen erhöht werden. Zwischen der 60. und 75. Minute hätte Stuttgart das Spiel entscheiden müssen, vergab aber die beste Chance durch Sakai. Für Werder ergaben sich auf der anderen Seite nur wenige gute Gelegenheiten. Somit war es wenig überraschend eine weitere Standardsituation, die das Spiel ausglich. Das Tor war wohl in erster Linie Lukimyas Verdienst.  Hunt gab nach dem Spiel zu, den Ball eigentlich über die Mauer zu spielen versucht zu haben.

Hunts Ausgleich kaschiert die Defizite

Nach dem Ausgleich schien das Momentum in Werder Richtung zu kippen, doch letztlich blieben die Angriffe zu ungefährlich, um den Sieg noch zu erzwingen. Unterm Strich bleibt ein etwas glücklicher Punkt in einem schwachen Spiel gegen einen VfB Stuttgart, der nicht wirklich überzeugte, jedoch die gegnerischen Schwächen besser auszunutzen wusste. Mit dem Punkt kann Werder gut leben, mit dem Spielverlauf weniger. Zwei Erkenntnisse sollten Dutt zu denken geben: Verteidigt der Gegner seinerseits tief, hat Werder nur wenige Mittel, um offensiv Druck zu machen. Hohe Bälle an die Seitenlinie sind als prägnantester Spielzug im Aufbau nicht überzeugend. Auf der anderen Seite zeigte Stuttgart immer wieder auf, wie Werders Raute verwundbar ist: Mit schnellem Spiel über die Flügel, sobald Werder etwas aufgerückt ist. Geht die Kompaktheit der Raute verloren, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die individuellen Schwächen in Werders Abwehr wieder aufgedeckt werden. Gegen die spielstarken Gegner, die in der Schlussphase der Saison warten, wird sich Dutt wohl etwas anderes einfallen lassen müssen.

Spielerisch gab es leichte Fortschritte zu sehen, wie sich auch an Ballbesitz und Passquote erkennen lässt. Das Angriffsspiel bleibt jedoch sehr von Aaron Hunt abhängig. Auch mit einer Doppelspitze gelingt es nur selten, die Bälle in der Angriffsreihe zu kontrollieren und zu halten, bis das Mittelfeld nachrückt. Kobylanski überzeugte nicht vollständig, wäre jedoch eine Option, wenn Petersen weiterhin so wenig zu Werders Spiel beiträgt. Mit acht Punkten aus den ersten vier Spielen gegen die direkten Konkurrenten liegt Werder weiterhin im Soll. In Freiburg sollte tunlichst gewonnen werden, will man bei einem eventuellen Lauf des HSV oder Stuttgart (im schlimmsten Fall von Beiden) nicht mehr zurück in den Abstiegskampf gezogen werden.

25. Spieltag: Radio Detection and Ranging

Dortmund – Werder 1:0

Was soll ich schreiben? Ich könnte mich lange über Werders Fehler in diesem Spiel auslassen. Oder über die Elfmeterentscheidung, die aus meiner Sicht auch heute, mit einem Tag Abstand, noch falsch ist. Wobei der Schiedsrichter ganz sicher nicht der Grund für Werders Niederlage war. Ich könnte mich über die in den letzten Wochen weitgehend verschlossen gehaltenen, doch jetzt wieder auftretenden Lücken in der Abwehr aufregen, obwohl die Defensive gar nicht Werders eigentliches Problem war. Ich könnte mich auch über das gestern nicht vorhandene Offensivspiel ärgern, weshalb man es mit zunehmender Spieldauer trotz 65% Ballbesitz immer weniger geschafft hat, die Defensive zu entlasten. Oder darüber, dass Werder die wenigen Torchancen zu leicht verschenkt hat. Dass Pizarro zwar richtigerweise den Volley aus 6 Metern als Aufsetzer spielt, aber trotzdem nicht aufs Tor bringt (trotz Traumtor gegen Stuttgart: Die Schusstechnik!). Oder dass Almeida trotz besserer Schusstechnik wenige Minuten vorher aus ähnlicher Situation in die Wolken ballert, statt es wie Pizarro per Aufsetzer zu versuchen.

Aber ich will mich heute nicht ärgern. Ich will auch nicht analysieren. Ich weiß nicht, ob es nur ein Rückschritt war, auf den zwei Schritte nach vorne folgen werden, oder ob es einen Rückfall in die mühsam überwunden geglaubte Krise gibt. Ich kann auch nicht sagen, ob der Stress durch den im Vergleich zum BVB harten Terminplan etwas damit zu tun hat. Ich werde aus der Mannschaft nicht schlau und will es heute auch nicht werden.

Deshalb habe ich mir einen fußballfreien Sonntag genommen, der wirklich entspannt war. Die Ergebnisse aus Gelsenkirchen und Liverpool wurden zur Kenntnis genommen. Mehr nicht. Im Gegensatz zur Sommer- und Winterpause konnte ich es heute sogar genießen, dass es keinen Fußball gab. Ein seltenes Ereignis.

Auf eine Sache möchte ich noch hinweisen: Das Europäische Fußballradar. Kollege Probek hat 30 Fußballblogger zur Abstimmung über die derzeit besten europäischen Fußballclubs gebeten. Das Ergebnis präsentiert er nun in seinem Blog. Mit Manchester United, Liverpool und Barcelona sind die erwarteten Größen auf den ersten drei Plätzen gelandet. Wie zu erwarten schaffen es die Bayern (5.) als einzige deutsche Mannschaft in die Top 10. Werder teilt sich mit AZ Alkmaar und Dynamo Kiew Platz 19, was für eine Mannschaft aus dem Mittelfeld der Bundesliga sicherlich nicht schlecht ist. Aus Deutschland sind nur noch Hertha BSC (13.) und der HSV (16.) besser platziert.* Eine tolle Idee, die hoffentlich weiterleben wird. Es ist geplant, diese Abstimmung monatlich zu wiederholen. Wer mitmachen möchte, wende sich bitte an Probek.

Meine eigene Liste (in Klammern die Position im Fußballradar):

  1. (1)   Manchester United
  2. (2)   FC Liverpool
  3. (2)   FC Barcelona
  4. (7)   Inter Mailand
  5. (4)   FC Chelsea
  6. (6)   FC Arsenal
  7. (8)   Real Madrid
  8. (5)   FC Bayern
  9. (11) FC Porto
  10. (9)   Juventus Turin

* Da jeweils nur Punkte für die besten 10 Mannschaften vergeben werden konnten, nimmt die Aussagekraft bei den Mannschaften jenseits der Top 10 allerdings deutlich ab.

25. Spieltag: Spielbericht

Borussia Dortmund – Werder Bremen

(Spielbericht erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter.)

Vor dem Spiel:

Da ich erst wenige Minuten vor Anpfiff nach Hause gekommen bin, musste die Vorberichterstattung leider ausfallen. Für Werder ging es um die vermutlich letzte Chance noch einmal in die Nähe der internationalen Plätze zu kommen. Für Dortmund ging es darum, nicht zu weit hinter Platz 5 zurückzufallen und die Bremer auf Distanz zu halten. Ausfälle bei Werder: Naldo (Rotsperre), Baumann und Rosenberg. Jensen mit Nasenbeinbruch zunächst nur auf der Bank.

Aufstellungen:

Werder: Wiese – Prödl, Mertesacker, Pasanen, Boenisch – Niemeyer, Tziolis, Özil, Diego – Pizarro, Almeida.

BVB: Weidenfeller – Owomoyela, Subotic, Santana, Dede – Kehl, Tinga, Kringe, Hajnal – Frei, Valdez.

Das Spiel:

1' Alles etwas chaotisch bei mir heute. Aber jetzt bin ich immerhin pünktlich zum ANpfiff zuhause. Los geht's!

4' Werder versucht gleich Druck zu machen. Geht früh drauf, aber bislang noch ohne ernsthafte Gefahr für den BVB.

7' Freistoß BVB aus 18 Metern. Guter Schuss von Frei in die Torwartecke, verlädt Wiese, aber 1 Meter daneben.

10' Sehr flottes
Spiel. Chance für Werder durch Almeida, der aber verzieht. Auf der
Gegenseite tankt sich Kehl durch, Boenisch grätscht dazwischen.

15' Dortmund wird stärker, Werder muss wieder früher und konsequenter in die Zweikämpfe gehen.

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