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31. Spieltag: Fast geschafft

Werder Bremen – TSG 1899 Hoffenheim 3:1 (1:1)

Nachdem es hier beruflich bedingt einige Zeit still war, gibt es heute den vermutlich entscheidenden Schritt zum Klassenerhalt zu feiern. Werder besiegt im vorletzten Heimspiel die TSG Hoffenheim etwas glücklich mit 3:1 und hat drei Spieltag vor Ende neun Punkte Vorsprung auf den HSV.

Kampf und Kompaktheit

Dutt ersetzte den gesperrten Junuzovic durch Selassie und brachte wie erwartet den nicht mehr gesperrten Di Santo für Petersen zurück ins Team. Ansonsten blieb es bei der Rautenformation der letzten Wochen, mit Elia als beweglichem Halbstürmer. Hoffenheim ist die Freak-Mannschaft dieser Saison, mit einem bizarren Torverhältnis und spielerisch sehr starken Ansätzen. Gisdol setzte wie gewohnt auf die Offensivstärke seines Teams und ließ Volland, Firmino, Salihovic und Elyounoussi im formellen 4-2-3-1 System rochieren. Die Bremer Abwehr sollte durch quirlige Spielertypen und schnelle Kombinationen am Boden unter Druck gesetzt werden und nicht etwa mit der physischen Präsenz eines Modeste. Dies gelang in der Anfangsphase sehr gut. Hoffenheim nimmt im Angriffsdrittel keine Gefangenen, spätestens der dritte Pass geht vertikal in die Schnittstelle. Beim 0:1 in der 3. Minute bekommt Werders Mittelfeld trotz Überzahl Firmino nicht in den Griff, der auf Volland durchsteckt – eine symptomatische Szene für die erste Viertelstunde. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis Hoffenheim das zweite Tor nachlegen würde.

Zum Glück ist Fußball ein Sport, bei dem sich mit einer einzigen Aktion die Dynamik des Spiels ändern kann. Bargfredes abgefälschter Schuss in den Winkel brachte Werder mit einem Schlag ins Spiel und plötzlich sah man, warum Hoffenheim trotz aller Qualitäten im Ligamittelfeld herumdümpelt. Werder erkämpfte sich im Mittelfeld ein leichtes Übergewicht, Rudy und Polanski kontrollierten das Zentrum nicht mehr und schon war Hoffenheims Offensive vom Spiel abgeschnitten und kam für den Rest der ersten Halbzeit nur noch sporadisch zu guten Situationen. Das technisch feinen Offensivspiel der Anfangsphase kam nicht mehr zum Tragen. Die Partie wurde immer mehr zu einem Kampfspiel zweier sehr eng agierender Teams, was Werder offensichtlich mehr behagte. Nun konnte man wieder die Mechanismen sehen, die schon in den letzten Wochen immer besser griffen. Di Santo behauptet die Bälle in der Spitze inzwischen ganz gut, während Elia auf seiner neuen Position aufblüht und sehr beweglich die Flügel besetzt (wäre er doch bloß etwas effektiver am und im Strafraum). Das Dreiermittelfeld hinter Hunt suchte leidenschaftlich die Zweikämpfe und besonders Torschütze Bargfrede erwies sich wieder einmal als Antreiber.

Großer Wille, glückliches Ende

Auch nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel intensiv und kompakt. Nicht selten rückten beide Teams so weit auf die rechte oder linke Seite, dass eine gesamte andere Spielhälfte verwaist war. Dazu machten die Teams auch in der Vertikalen das Spielfeld eng. Längere Passstaffetten waren in dem engen Raum kaum zu sehen, was sich in schwachen Passquoten beiderseits sowie absurden 74 Einwürfen (dürfte ein Ligahöchstwert sein, gibt es dazu Statistiken?) niederschlug. Spannend wurde es folglich immer dann, wenn es einem Team gelang, die Kompaktheit des jeweils anderen zu überwinden. Dies gelang Hoffenheim in der zweiten Halbzeit etwas häufiger als Werder, obwohl die Hausherren insgesamt mehr vom Spiel hatten und auch größeren Aufwand betrieben, um das Spiel noch zu gewinnen. Im Gegensatz zur Anfangsphase war Hoffenheim vor dem Tor nun jedoch nicht mehr so effektiv und vergab seine Kontergelegenheiten fahrlässig. Der größere Siegeswille auf Seiten der Bremer brachte so – gepaart mit einer Portion Glück – die Entscheidung.

Die Geschehnisse der letzten Viertelstunde waren dann wie gemalt für den Jahresrückblick: Garcia bewies sein Gespür für wichtige Tore, Wolf hielt mit seinem abgewehrten Elfmeter gegen Salihovic den Sieg fest und Petersen sorgte nach seinem fürchterlichen Eigentor letzte Woche für das Happy End. Dank der Hamburger Niederlage am Abend dürfte Werder mit diesem Sieg gerettet sein. Mit nun 36 Punkten ist auch das angestrebte Saisonziel von 40 Punkten nicht außer Reichweite.

Auf ein abschließendes Wortspiel mit Ostern, Eiern und/oder Nest wird an dieser Stelle verzichtet.

Stabilisierung oder freier Fall?

Bayer Leverkusen – Werder Bremen 1:0

Eine erwartbare Niederlage steht einer klaren Leistungssteigerung im Vergleich zum Spiel gegen Wolfsburg gegenüber. Erst das Spiel gegen Hoffenheim entscheidet darüber, ob dies ein Muster ohne Wert bleibt. Die Konkurrenz kommt unterdessen bedrohlich nahe an Werder heran.

Asymmetrie und verbesserte Defensive

Durch den Ausfall von Kevin De Bruyne sowie die Suspendierung von Arnautovic und Elia hatte Thomas Schaaf einige personelle wie taktische Nüsse zu knacken. Letztlich entschied er sich für Spieler, die sonst eher eine Nebenrolle spielen, um die personellen Lücken zu füllen. Yildirim durfte auf dem rechten Flügel ran, während Kroos als zweiter Sechser neben Bargfrede spielen durfte. Clemens Fritz half hinten rechts in der Viererkette aus. Taktisch entschied sich Schaaf für ein asymmetrisches 4-2-3-1, das gegen den Ball eher ein 4-3-2-1 war – ein windschiefer Tannenbaum sozusagen. Yildirim spielte auf der rechten Seite eher hoch und presste auf den im Spielaufbau abkippenden Simon Rolfes. Den aufrückenden Linksverteidiger Kadlec ließ er dabei in seinem Rücken laufen. Da Andre Schürrle vom linken Flügel meistens weit einrückt, überließ man ihn einem der Sechser bzw. situativ einem Innenverteidiger, während sich Fritz um Kadlec Vorstöße kümmerte. Auf der anderen Seite ging Junuzovic  dagegen weit mit zurück und spielte mannorientiert gegen Rechtsverteidiger Carvajal. Überhaupt war eine hohe Mannorientierung zu erkennen bei Werder. So agierte Junuzovic nicht selten auf einer Höhe mit der Viererkette, während Ignjovski weit mit herausrückte, wenn sich Sidney Sam etwas fallen ließ. Mit dieser Taktik kam Leverkusen in der ersten Halbzeit nicht gut klar und konnte so von Werder mit einer disziplinierten Leistung weitgehend neutralisiert werden.

Dennoch ging Werder mit einem Rückstand in die Pause. Der Elfmeterpfiff sorgte für viel Entrüstung auf und neben dem Platz, entsprach aber den Regeln, da sich der Ball zum Zeitpunkt des Foulspiels noch im Spiel befand. Allerdings muss man sagen, dass hier Vergehen und Strafe in keinem angemessenen Verhältnis standen, was man jedoch der Elfmeterregel selbst und nicht Schiedsrichter Aytekin zuschreiben sollte. Auch die verzögerte Entscheidung ist nicht wirklich zu kritisieren. Vor einigen Wochen wurde Wolfgang Stark noch überschwänglich dafür gelobt, dass er Gladbachs Tor nach ausführlicher Rücksprache mit seinem Linienrichter annullierte. In diesem Fall kümmerte sich Aytekin zuerst um die beiden am Boden liegenden Spieler, bevor er sich mit seinem Linienrichter besprach. Ärgerlich war vielmehr, dass letzterer die Abseitsstellung von Sam direkt vor der Elfmeterszene übersehen hatte.

Leverkusener Anpassungen, Bremer Brechstange

Nach der Pause stellte sich Leverkusen besser auf Werders Defensivtaktik ein, riss häufiger Löcher in den Abwehrverbund und kam so zu einer größeren Anzahl an Torchancen. Werder tat sich schwer damit, sich zu befreien und verlor die Bälle im zweiten Spielfelddrittel viel zu schnell, um selbst gefährliche Konter zu starten. So konnte Bayer das Spiel in Werders Hälfte kontrollieren, ohne großes Risiko eingehen zu müssen. Schaaf reagierte auf die schwächste Phase seines Teams mit einem offensiven Wechsel. Für Felix Kroos kam Johannes Wurtz ins Spiel und somit zu seinem ersten Bundesligaeinsatz. Hunt rückte eine Reihe nach hinten neben Bargfrede. In der Folge wurde Werder offensiv präsenter, während sich Leverkusen etwas zurückzog. Die größte Chance entsprang einem Leverkusener Fehler im Aufbauspiel, den Junuzovic gut antizipierte. Dann traf er leider die falsche Entscheidung, legte sich den Ball schlecht vor, so dass er von Leno leicht entschärft werden konnte.

Angekommene Pässe 46. - 65. Minute

Angekommene Pässe zwischen der 46. und 65. Minute. Werder kam kaum einmal aus der eigenen Hälfte heraus. Quelle: bundesliga.de

In der Schlussphase versuchte es Werder mit der Brechstange, brachte mit Akpala einen weiteren Stürmer und schickte zudem Innenverteidiger Prödl mit in die Spitze. Für die letzten fünf Minuten wurde mit Lukas Schmitz noch ein Spieler eingewechselt, der von der linken Seite für Flanken in den Strafraum sorgen sollte. Das Spiel wurde jedoch immer hektischer und präzise Bälle in die Spitze waren kaum möglich. Am Ende brachte Leverkusen den Vorsprung recht souverän über die Zeit. Auch wenn Bayer eine Halbzeit lang kaum ein Mittel gegen Werders Defensive fand, geht der Sieg letztlich in Ordnung. Eine 20-minütige Phase der Dominanz genügte, um Werder den Glauben an die Chance zu nehmen, auf spielerischem Wege noch zu einem Punkt zu kommen. Die Brechstange als letztes Mittel funktioniert bei Werder ohne die Naldos, Pizarros, Mertesackers und Almeidas früherer Jahre kaum noch. Die Chance auf den Lucky Punch vergab Junuzovic (wenn man es gut mit ihm meint: unglücklich; wenn nicht: kläglich).

Was tun mit den Problemfällen?

Normalerweise schreibe ich in den letzten Jahren nur ungern über das, was neben dem Platz passiert und nichts mit Fußball zu tun hat. Im Fall von Arnautovic und Elia ist das jedoch anders. Mit ihrem nächtlichen Rennen auf der Autobahn haben sie dem Verein immens geschadet. Ohne die Aktion verharmlosen zu wollen: Es gibt an sich weitaus schlimmere Dinge, die sich ehemalige und aktuelle Bundesligaspieler schon geleistet haben. Zu einem anderen Zeitpunkt, unter anderen Voraussetzungen hätte man hier von einer Suspendierung absehen können. Wer sich jedoch in Werders aktueller Situation, mitten im Abstiegskampf, 36 Stunden vor dem Spiel so verantwortungslos verhält, der hat absolut nicht verstanden, worum es derzeit geht. Wer seine Fans, seinen Verein, seinen Trainer und seine Mannschaftskollegen so im Stich lässt, der gehört ganz sicher nicht in diese Mannschaft und in diesen Verein. Mit Marko Arnautovic hat man hier sehr viel Geduld gehabt, ihn immer wieder (teils auch zurecht) in Schutz genommen und ihm neue Chancen gegeben. Letzte Woche hat er gezeigt, dass sich dieses Vertrauen nicht ausgezahlt hat. Bei Eljero Elia war die Skepsis bei der Verpflichtung aufgrund seiner Vorgeschichte berechtigt. Beide Spieler sind bis zum Ende der Saison suspendiert. Bei allem fußballerischen Talent möchte solche Spieler nicht mehr im Werdertrikot sehen.

Zu guter Letzt noch ein Wort zum Trainer, den ich in den letzten 12 Monaten häufig kritisiert habe: Sein Krisenmanagement in der letzten Woche hat mir gefallen. Er hat die Mannschaft unter Berücksichtigung der Gesamtsituation gut auf Leverkusen eingestellt, personell nachvollziehbare Entscheidungen getroffen und sich unter dem für Bremer Verhältnisse ungewohnt hohen Druck behauptet. Auch wenn das nichts an meiner generellen Meinung zur Trainerfrage ändert, bleibe ich daher der Meinung, dass eine Entlassung vorerst nicht sinnvoll wäre. Gegen Hoffenheim gibt es jedoch keine Ausreden mehr für die Beteiligten. Dieses Spiel muss unbedingt gewonnen werden, wenn man zumindest das Thema direkter Abstieg zu den Akten legen will. Wenn sich das Team nach der akzeptablen Leistung gegen Leverkusen schon wieder im Aufwind sieht, könnte es gegen Hoffenheim unsanft wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden. Fällt das Team in diesem wichtigen Spiel zurück in die Lethargie des Wolfsburg-Spiels, werden sich die Verantwortlichen wohl doch noch zum Handeln gezwungen sehen.

VfB Stuttgart vs. Werder Bremen Live-Blog

Nach längerer Zeit gibt es heute mal wieder ein Live-Blog von mir zum Spiel VfB Stuttgart gegen Werder Bremen. Ab 20 Uhr geht’s los:

The Knights Who Say Ni (zweite Liga)

Bundesliga, 31. Spieltag: FC St. Pauli – Werder Bremen 1:3

Am Ende dieser Saison zählt nur der Klassenerhalt. Dieser ist mit dem 3:1-Sieg bei St. Pauli nun endgültig gesichert, auch wenn es rein rechnerisch noch nicht soweit ist. Nach einer in allen Belangen enttäuschenden ersten Halbzeit drehte Werder zum ersten Mal in dieser Saison ein Spiel und ist nun seit über zwei Monaten ungeschlagen.

Verlust der Spielkultur

Es wäre sicherlich falsch, Werders schwache spielerische Leistung nur auf den Ausfall von Tim Borowski zu schieben, doch Samstag wurde wieder einmal deutlich, wie wichtig er für Werder geworden ist. Werders Mittelfeld fehlte es in der ersten Halbzeit völlig an Struktur und Bindung. Marin und Wesley hatten zwar ein großes Laufpensum, blieben aber weitgehend ineffektiv. Frings bekam das Spiel im defensiven Mittelfeld nicht in den Griff. Insgesamt spielte Werder sehr linkslastig. Kaum ein Angriff lief in den ersten 45 Minuten über die rechte Seite.

St. Pauli - Werder 1. Halbzeit

Werders Offensivaktionen in der 1. Halbzeit (Quelle: bundesliga.de)

Die Raute hatte eine deutliche Schlagseite, was nicht per se schlecht sein muss. Werder verfing sich jedoch zu häufig auf der Außenbahn und kam dann nur umständlich wieder zurück in eine aussichtsreichere Position. Bargfrede hielt auf der linken Seite seine Position, während Wesley von rechts viel rochierte. Marin tendiert ohnehin zur linken Seite und Silvestre schaltete sich häufiger mit in die Offensive ein als auf der anderen Seite Fritz. Somit war Werders Spiel für St. Pauli leicht ausrechenbar und mit einfachen Mitteln zu stoppen. Das Gegentor erinnerte an schlimme Zeiten und kam durch einen Fehlpass Pizarros beim Rausrücken und einen katastrophalen Abstimmungsfehler in der Viererkette zustande. Mertesacker stand fast 10 Meter hinter seinen Nebenleuten und hob beim Pass auf Bartels das Abseits auf.

Pizarro dreht das Spiel

Auch in der zweiten Halbzeit lief die Mehrzahl der Bremer Angriffe über links, doch Clemens Fritz wagte sich häufiger in St. Paulis Hälfte und sorgte für etwas mehr Balance in Werders Spiel. Alle drei Werdertore fielen über die rechte Seite. Die verloren gegangene Spielkultur glich Werder nun durch großen Einsatz und Pizarros Klasse aus. Es war der Mannschaft nun anzumerken, dass sie sich nicht in ihr Schicksal fügen wollte, wie schon zu oft in dieser Saison. Nach Pizarros Doppelschlag, der das Spiel zu Werders Gunsten drehte, kam auch die Sicherheit im Passspiel zurück. Die Gastgeber erholten sich von diesem Schock nicht mehr und konnten Werder in der Schlussphase kaum noch in Bedrängnis bringen. In dieser Form wird es für die Hamburger nicht zum Klassenerhalt reichen.

Ein Silberstreif für Hunt

Die letzten Monate waren für Aaron Hunt ein einziger Spießrutenlauf. Zuerst verlor er seinen Stammplatz, dann wurden auch seine Einwechslungen weniger. Von den eigenen Fans ausgepfiffen war er am Ende so verunsichert, dass ihm nicht mal einfache Pässe über fünf Meter gelangen. Dabei konnte man jedoch immer noch sehen, dass er ein Spieler mit den richtigen Ideen ist. Laufwege und Timing stimmten, doch am Ball ging fast alles schief, was schief gehen kann. Dazu kam eine lustlos wirkende Körpersprache. Am Samstag gab es endlich auch für ihn eine Art Mini-Befreiungsschlag. Nach seiner Einwechslung spielte er befreit auf und sorgte für mehr Spielfluss bei Werder. In immerhin 23 Minuten spielte er keinen einzigen Fehlpass, hatte nur einen Ballverlust und einige gute Ideen. Sicher kein Zufall, dass diese Steigerung in einem Auswärtsspiel kommt. Hätte er solche Leistungen regelmäßig in dieser Saison gezeigt, wäre Özils Weggang weitaus weniger ins Gewicht gefallen.

Aaron Hunt Passverteilung

Alle 15 Pässe von Aaron Hunt kamen an (Quelle: bundesliga.de)

Gegen Wolfsburg: Der letzte Punkt zum Klassenerhalt

Am Freitag kann Werder mit einem Sieg gegen den VfL Wolfsburg den Klassenerhalt endgültig sicherstellen. Wahrscheinlich reichen die 38 Punkte schon, um nicht abzusteigen. Mit einem Unentschieden gegen den VfL wäre man ebenfalls zu 99% durch. Allerdings könnte dieses Spiel nach Wolfsburgs Mini-Auferstehung am Sonntag noch einmal eine echte Herausforderung werden. Felix Magath ist sowieso alles zuzutrauen. Das Spiel gegen St. Pauli hat gezeigt, dass Werder im Endspurt kein bisschen nachlassen darf, sonst geht das zarte Pflänzchen, das man sich in den letzten Wochen mühevoll gezüchtet hat, direkt wieder kaputt.

Bei aller Frustration über diese enttäuschende Saison bin ich immer noch froh, dass mit Werder im Saisonendspurt immer zu rechnen ist – im Gegensatz zu manch anderer Mannschaft, die sich ihre Saison im April regelmäßig selbst vermasselt.

31. Spieltag: Sky90, ein Trauerspiel

VfL Wolfsburg – Werder Bremen 2:4

Wer etwas von Freude über Platz 3 oder Angriff auf die Champions League lesen möchte, der ist hier an der falschen Adresse. Hier gibt es nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter. Nach der Niederlage vor zwei Wochen habe ich Werders Chancen auf die Champions League abgeschrieben. Nun steht man plötzlich – zumindest für 24 Stunden – auf Platz 3. Ich weiß nicht genau warum und momentan ist es mir auch egal. Werder macht in dieser Saison eben immer das Gegenteil von dem, was ich erwarte. Von daher gibt es von mir heute keine selbstbewusste Prognose. Zu bitter war die Erfahrung, die ich nach dem 13. Spieltag machen musste, als ich Werder gejinxt hatte. Das passiert mir kein zweites Mal in dieser Saison.

Also: Werder hat keine Chance mehr auf Platz 3. Dortmund ist viel zu stark und Leverkusens Niederlagenserie ist nun auch vorbei. Und falls nicht, kommen eben die Stuttgarter noch von hinten, da wir gegen Köln, Schalke und den HSV nur noch maximal einen Punkt holen werden. So wird es kommen, das ist meine volle Überzeugung. In der ersten Halbzeit gegen Wolfsburg gab es genügend Anhaltspunkte, die meine These untermauern. Alles andere (starke zweite Hälfte, erneut 2x einen Rückstand aufgeholt, Frings und Özil in guter Form) blende ich aus.

Deshalb zu etwas ganz anderem. Ich habe gestern nach längerer Pause mal wieder die Fußball-Talkshow Sky90 geschaut, zumindest einen Teil davon. Was im letzten Sommer äußerst vielversprechend begann, hat sich inzwischen leider sehr den Niveau des DSF-Doppelpass angenähert. Fehlt noch Product Placement, Bier und grenzdebiles Publikum. Sky-Moderator Patrick Wasserziehr hatte Matthias Sammer, Fritz von Thurn und Taxis und Johannis B. Kerner zu Gast. Als ich einschaltete wurde gerade über den FC Bayern diskutiert. Eine knappe halbe Stunde lang. Angesichts der Tabellensituation, der jüngsten Ergebnisse und der anstehenden Champions League Halbfinals ist das auch vertretbar. Es war erschreckend, wie wenig in dieser halben Stunde analysiert wurde und wie mit Worthülsen um sich geworfen wurde. Der Erfolg der Bayern wurde auf Fachmann van Gaal und “echte Typen” wie van Bommel zurückgeführt. Das war es im Prinzip schon. Stefan Effenberg durfte dann noch die Mannschaften von 2001 und heute miteinander vergleichen und tat das so, wie man es aus seiner “Expertentätigkeit” nun einmal kennt. Kaum ein Wort zum System, das van Gaal spielen lässt. Keine taktischen Analysen. Stattdessen den unbedingten Willen und die Siegermentalität als einzige Erfolgsfaktoren. Könnte also auch jeder Bezirksligist mit der richtigen Einstellung Manchester United schlagen? Es fehlte eigentlich nur noch der Kaiser, der sicher einen Satz wie “Messi ist der beste Spieler der Welt, Robben und Ribery aber auch”, beigetragen hätte.

Für einige Minuten ging es dann um Bayerns Gegner Olympique Lyon, ohne dessen Stärken/Schwächen auch nur ansatzweise zu beleutchten, und das zweite Halbfinale zwischen Mourinho und Guardiola Inter und Barcelona. Für einen Moment kommt Spannung auf, als Sammer über Xavi ins Schwärmen gerät, doch dabei bleibt es dann, keiner steigt darauf ein, führt die Diskussion vielleicht sogar zu den Spielsystemen der Mannschaften oder wenigstens den Schlüsselduellen. Negativer Höhepunkt war dann Kerners Antwort auf die Frage, ob und wie man Lionel Messi ausschalten könne: “Das kann man nicht. Haben ja schon viele versucht. Aber auch er hat mal einen schlechten Tag.” Da spricht der Experte. Gut, man kann von ihm nicht erwarten, dass er die spanische Liga im Detail kennt, aber die Spiele vor einem Jahr gegen Chelsea sind doch z.B. ein ganz guter Anhaltspunkt, wie es gehen könnte. Warum greift man dafür nicht auf Experten zurück, die sich in den Ligen auskennen?

Kaum Analysen, keine Taktiktafeln, kein Vor- und Zurücklaufenlassen einzelner Spielszenen mit reingemalten lustigen Kringeln und Pfeilen. Beim DSF heißt die Sendung treffenderweise “Fußballstammtisch”, Sky90 begann vor 9 Monaten als ernsthafte Diskussionsrunde, in der auch analysiert wird. Gestern wünschte ich mir einen Klopp. Oder von mir aus auch einen Lienen. Irgendjemanden, der das, was dort auf den Fußballplätzen passiert, auch unterhalb der Oberfläche versteht UND es einigermaßen anschaulich vermitteln kann. Sky geht es leider mehr darum, die bekannten Nasen vor die Kamera und damit den Promifaktor hoch zu halten. Dabei schalten am Sonntagabend doch hauptsächlich Fußballjunkies ein, die nichts besseres zu tun haben sich für das Spiel selbst mehr interessieren, als für die diversen Nebensächlichkeiten, die in der übrigen Berichterstattung schon zur Genüge aufgeblasen werden. Ich finde das wirklich schade, denn Sky hat ja schon gezeigt, dass sie es wesentlich besser können!

31. Spieltag: Die Welt ist eine Papierkugel

Werder Bremen – Hamburger SV 2:0

Der letzte Teil der Derbywochen ist vorbei. Insgesamt fünf Spiele Werder gegen HSV gab es in dieser Saison. Lässt man das Elfmeterschießen außen vor, stehen am Ende zwei Werdersiege zu Buche, ein Spiel endete unentschieden und zweimal gewann der HSV. Es ist vielleicht der größte Schlag ins Gesicht der Hamburger, dass sich die trockene Bilanz so ausgeglichen liest. Denn am Ende hatte der Kampf um die Nummer 1 im Norden (Wolfsburg wird nicht als Nordclub anerkannt) einen glasklaren Sieger: Werder Bremen.

Nach Pokal und UEFA-Cup muss der HSV nun auch die Meisterschaft abhaken und steht nur noch auch Platz 6. Selbst ein Sieg heute wäre nur ein schwacher Trost gewesen. Doch letztendlich sprang das deutlichste Ergebnis aller Nordderbys in dieser Saison heraus. Werder spielte auch mit einer Notabwehrkette selbstbewusst und konzentriert. Hamburg war keineswegs chancenlos, machte aber auch nie den Eindruck, das Spiel nach dem Rückstand noch drehen zu können.

Die Fans machten sich einen Spaß aus dem Zwischenfall vom Donnerstag: Beim Einlaufen der Spieler flogen dutzende Papierkügelchen aus der Ostkurve. In der zweiten Halbzeit versuchten sie mehrfach, eine riesige Papierkugel durchs halbe Stadion in den Gästeblock zu befördern, was jedoch von den Ordnern unterbunden wurde. Die Stimmung war ausgelassen, das Spiel nach Almeidas Doppelpack schon früh nach Wiederanpfiff entschieden.

Thomas Schaaf erwies sich zu seinem zehnjährigem Jubiläum wieder als gewiefter Taktiker. Mit Harnik als rechtem Abwehrspieler hatte Hamburg wohl kaum gerechnet. Gegen den starken Jansen hatte er defensiv ein paar Probleme, doch offensiv belebte er das Bremer Spiel. In der zweiten Halbzeit dann eine clevere Umstellung: Özil, der in der ersten Halbzeit noch im Zentrum spielte, kam fast nur noch über seine starke linke Seite. Baumann, Frings und Niemeyer bildeten dahinter in der Mitte ein stabiles Dreiermittelfeld. Almeida und Pizarro ließen sich immer wieder weit zurückfallen. Der HSV hatte große Probleme, gegen die nun häufig nur mit einer Ballberührung spielenden Bremer eine Zuordnung zu finden. In den entscheidenden Duellen war Werder meist einen Tick schneller.

Vielleicht ist es ein Vorteil, dass Schaaf auch nach zehn Jahren Bundesliga immer noch unterschätzt wird. Als ob gutes Offensivspiel nur durch Zufall zustande käme und weniger mit der Taktik des Trainers zu tun hätte als eine konzentrierte Defensivleistung. Und selbst dann: Werder hat in der Rückrunde bislang die wenigsten Gegentore der Liga kassiert. Richtig gelesen. Die wenigsten der Liga und das bei sechs Niederlagen. Zwar kassiert Werder immer noch zu viele vermeidbare Gegentore, aber längst nicht mehr in der erschreckenden Häufigkeit der Hinrunde. Leider ist es viel zu spät um sich in der Liga bezahlt zu machen.

31. Spieltag: Live-Blog

Werder Bremen – Hamburger SV

Hat am Donnerstag gut geklappt, deshalb auch heute wieder Live-Blog in Kombination mit Twitter: