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32. Spieltag: Überraschend, aber chancenlos

Bayern München – Werder Bremen 5:2 (1:2)

Eine Halbzeit lang konnte Werder den FC Bayern ganz gewaltig ärgern. Danach steigerte sich der Deutsche Meister, konnte das Spiel schnell drehen und konnte sich in der letzten halben Stunde für die Champions League warmschießen.

Eine fast perfekte Kopie

Real Madrid wollte man kopieren, so die Aussagen vor dem Spiel und Werder ließ dem Taten folgen. Statt in der gewohnten Raute spielte Werder im 4-4-1-1/4-4-2 und Dutt beantwortete die Frage “Junuzovic oder Selassie?” mit “Beide!” wodurch etwas überraschend Elia auf die Bank musste. Die Entscheidung erwies sich jedoch schnell als richtig, weil Werder Madrid auch von der Ausrichtung her kopierte. Mit zwei dicht gestaffelten Viererketten sollte der Strafraum abgesichert werden. Davor gab Di Santo den flexiblen Stoßstürmer (Benzema), während Hunt als Verbindungsspieler immer zwischen Mittelfeld und Angriff pendelte (Ronaldo). Trotz erwartet hoher Ballbesitzzahlen konnte Bayern nur selten in gefährliche Zonen vorstoßen. Auf der anderen Seite rückte Werder weit auf, wenn Bayern das Spiel über Manuel Neuer aufbaute und spielte phasenweise ein hohes Angriffspressing, bei dem jeweils einer der Spieler aus dem Mittelfeld (meist Junuzovic) weit vorschob und Druck auf die abkippenden bayerischen Sechser machte.

Das größte Bremer Plus in der ersten Halbzeit war jedoch nicht die – zu keinem Zeitpunkt komplett sattelfeste – Defensive, sondern das schnelle Umschalten nach Ballgewinn. Zum Ende der Saison zeigt Werder hier endlich die erhofften, aber kaum mehr erwarteten Fortschritte. So konnte man Bayern tatsächlich einige Male in unsortierten Phasen erwischen und schnelle Konter in Richtung Manuel Neuers Tor bringen. Das 0:1 war ein Überzahlkonter wie aus dem Lehrbuch. Hunt zieht durch einen geschickten Lauf Dante aus dem Zentrum, Makiadi beweist ein gutes Gespür für den richtigen Moment für den Pass und Selassie schließt gegen Alaba und Neuer kaltschnäuzig ab. Beim 1:2 behauptet Di Santo einen Befreiungsschlag gegen Dante und spielt mit dem Rücken zum Tor ein tollen Pass in den Raum hinter Boateng, der zunächst auf Abseits spielen will und dann von Hunt vernascht wird. Vor allem das zweite Bremer Tor hinterließ Wirkung. Bis zur Pause hatte Werder seine stärkste Phase und konnte das Spiel häufiger in die Münchner Hälfte verlagern. Ein drittes Tor wäre möglich gewesen, doch Garcia stand bei seinem Kopfballtreffer im Abseits und Di Santo verpasste eine Hereingabe in der Mitte knapp.

Keine Chance nach dem Wechsel

So sehr Werder Bayerns Defensivprobleme in der ersten Halbzeit offenlegte, die bayerische Offensive bekamen sie schon in der ersten Halbzeit nicht vollends in den Griff. Nachdem Guardiola zur Pause Lahm für den defensiv schwachen Weiser einwechselte, bekam das Spiel der Bayern einen neuen Impuls. Sie überluden nun häufig die linke Angriffsseite und spielten den Ball dann nach rechts, wo Lahm Platz hatte und nicht rechtzeitig gedoppelt werden konnte. Bereits nach wenigen Sekunden erspielte sich Bayern so die erste Chance der zweiten Halbzeit. Auch beim 4:2 hat Lahm lange Zeit, um seine Flanke zu timen. Ein zweiter Unterschied zur ersten Hälfte bestand darin, dass Bayern nun häufiger in die Halbräume zwischen den Bremer Viererketten kam und von dort gefährliche Kombinationen in den Strafraum spielte.

Innerhalb einer Viertelstunde machte Bayern aus einer drohenden Niederlage so einen komfortablen Sieg. Werder konnte in der zweiten Halbzeit überhaupt nicht mehr für Entlastung sorgen und machte hinten zu viele eigene Fehler, um das Spiel spannend zu halten. Beim 3:2 schaltet Caldirola zu schnell ab, bleibt nahe der Torauslinie stehen und hebt so das Abseits auf. Beim 5:2 prallen Bargfrede und Garcia zusammen, was Robben den Raum verschafft, um ungestört seinen geliebten Lauf parallel vor der Abwehrkette zu starten. Beim 4:2 kommt Schweinsteiger in Prödls Luftraum völlig unbedrängt zum Kopfball. Dass der starke Makiadi kurz nach der Pause durch einen verunsichert wirkenden Ignjovski ersetzt wurde, half ebenfalls nicht. Nach 70 Minuten gab Dutt seinen ursprünglichen Plan auf und nahm die einzige Spitze vom Feld. Da auch Bayern in der Schlussphase nicht mehr mit letztem Willen agierte, blieb es beim 5:2. Ein Sieg, den sich Bayern zunächst hart erarbeiten musste, der dann jedoch auch höher hätte ausfallen können.

Bereit für den letzten Schritt?

Für Werder ist es eine eingeplante Niederlage in einem Spiel, aus dem man viel Positives mitnehmen kann. 45 Minuten lang zeigte Werder eine starke, gut organisierte Leistung, variierte erfolgreich zwischen tiefer Verteidigung und hohem Angriffspressing und schaltete schnell um. Über den defensiven Kollaps der zweiten Halbzeit sollte man dennoch nicht zu großzügig hinwegsehen. Bei aller bayerischen Überlegenheit fehlte Werder nach dem Wechsel die absolute Konzentration. Die Folge waren zu viele einfache Fehler, die man sich nicht nur gegen Bayern nicht erlauben darf.

Der Klassenerhalt ist – stand jetzt – noch nicht gesichert. Im Heimspiel gegen Hertha hätte man (ungeachtet der Ergebnisse des HSV) die Möglichkeit, den letzten Schritt dorthin zu machen. Die Entwicklungen der letzten Wochen legen nahe, dass Werder dazu bereit ist.

32. Spieltag: Hools vor der Haustür

Werder Bremen – 1. FC Köln 1:0

Sieg in der letzten Minute durch einen Elfmeter. Da kommen Erinnerungen an 2004 hoch. Kapitän Torsten Frings spielte dabei die Rolle, die damals Ailton und Valerien Ismael spielten. Mit der nervlichen Belastung hat er offensichtlich keine Probleme. Das darf und sollte man von seinem Kapitän auch erwarten, ist aber dennoch schön zu sehen.

Es gibt ja so Spiele, da redet man sich hinterher alles schön, weil man gewonnen hat. Die Leistung gegen Köln sollte man differenziert betrachten. In der ersten Hälfte hatte Werder große Probleme damit, das Spiel in der Kölner Hälfte zu halten. Vergleichsweise schwache 50 % Ballbesitz in den ersten 45 Minuten sprechen nicht gerade für Kontrolle am Ball. Die Kölner ließen sich nicht zurückdrängen und störten Werders Spiel früher, als ich erwartet hatte. Vor allem über die linke Seite liefen viele der Kölner Angriffe. Fritz hatte wiederholt Probleme mit Podolski und auch sonst einen gebrauchten Tag erwischt. So defensiv habe ich ihn in einem Heimspiel gegen einen – mit Verlaub – spielerisch unterlegenen Gegner noch nie gesehen. Auf seiner Seite hatte er auch keinen festen Partner vor ihm. Marin wechselte immer wieder die Seite, Hunt hielt auf der linken Seite relativ statisch die Position und auch Özil orientierte sich mehr nach links als nach rechts. Die Folge dieser asymmetrischen Raumaufteilung konnte man nach dem Spiel auch in der Statistik ablesen: 38 % der Angriffe über die linke und nur 28 % über die rechte Seite. Zumindest Zoran Tosic hatte dadurch einen schweren Stand auf seiner rechten Seite und konnte nur wenige Akzente im Kölner Offensivspiel setzen. Die größte Chance hatte Lukas Podolski kurz vor der Pause, als er von Novakovic wunderbar bedient wurde und mit seinem schwachen rechten Fuß ziemlich kläglich das Tor verfehlte. Werder hatte auf der anderen Seite auch ein paar aussichtsreiche Möglichkeiten. Die Kombinationen im Mittelfeld waren aber selten wirklich zwingend und es wirkte weitgehend so, als ob dort jeder sein eigenes Süppchen kocht.

In der Pause reagierte Schaaf und brachte mit Hugo Almeida einen zweiten Stürmer. Der zusätzliche Fixpunkt im Offensivspiel machte sich in der Ausrichtung der Kölner bemerkbar, die nun nicht mehr den Mut hatten, die Bremer schon hoch zu attackieren, sondern stattdessen vor dem eigenen Strafraum die Räume eng machten, um dann auf etwaige Fehler der Bremer zu warten. Werder nutzte das in der Folge gut aus, drängte nach vorne und brachte immer wieder die beiden Stürmer ins Spiel. So kam man erneut zu einigen Chancen, doch das erlösende 1:0 wollte nicht fallen. Auf der anderen Seite hatte man Glück, dass Novakovic nur die Latte traf, doch ansonsten tat Köln wenig, das ihnen einen Sieg hätte bringen können. Selbst als zuerst Naldo und später auch Mertesacker ihr Arbeitsgebiet fast ausschließlich in den Kölner Strafraum verlegten, konnten die Kölner den Raum nicht nutzen. Alles fokussierte sich auf die 25 Meter vor dem Kölner Tor. Frings gab nun eine Art Libero und die Bälle wurden immer wieder hoch in den Strafraum geschlagen. Dort gab es trotz Bremer Lufthoheit wenig Platz. Werder suchte nun bei jeder Gelegenheit den Abschluss, doch immer wieder war ein Bein eines Kölner Abwehspielers oder Schlussmann Kessler im Weg. In der Nachspielzeit verpasste Geromel auf der Torlinie einen Kopfball Mertesackers mit dem Kopf und riss in letzter Sekunde die Hand hoch. Klare Sache: Elfmeter und rote Karte. Den Rest machte Frings.

Nun kann man sagen: Glücklich, in der letzten Minute einen Elfmeter zu bekommen. Sicher, doch der Elfmeter war direkte Folge einer guten Torchance. Mertesackers Kopfball wäre wohl auch so ins Tor gegangen (auf Geromels Timing beim Klärungsversuch möchte ich hier lieber nicht eingehen). Und es ist eben kein Zufall mehr, dass Werder so viele Tore in den letzten Minuten des Spiels erzielt. Man erhöht konsequent das Risiko, schickt die Innenverteidiger mit nach vorne und setzt auf hohe Bälle. Ob diese von einer langen Flanke oder einer Standardsituation kommen, ist dabei nebensächlich. Sieht man sich Werders Gegentore an, könnte sich jedoch langsam fragen, ob man nicht gleich von Anfang an so spielen sollte. Sonderlich schön ist das nicht, aber immer noch besser, als in der Nachspielzeit noch immer die Bälle ins Tor tragen zu wollen, wie ein gewisser Verein aus dem Norden Londons. Von daher: Schön? Nein! Glücklich? Ja! Unverdient? Nein! Tim Wiese musste im gesamten Spiel nicht einen Ball halten.

Wie so häufig beim Duell der beiden Mannschaften kam es außerhalb des Stadions zu ein paar Ausschreitungen. Bereits vor Anpfiff hatten sich Hooligans der beiden Vereine in der Bremer Neustadt versammelt, um sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. So weit, so schlecht. Nach dem Spiel kam es erneut zu “Auseinandersetzungen” – wie man es so schön nennt, wenn solche Idioten mit Eisenstangen, Fahrrädern und Verkehrsschildern aufeinander losgehen – zwischen den Hools. Für mich persönlich macht es das noch etwas schlimmer, wenn diese “Auseinandersetzungen” in der Straße stattfinden, in der ich mein Büro habe. Die Polizei hatte die Situation zum Glück schnell im Griff.

Hooligans wirken auf mich immer ein wenig, wie ein Relikt aus den 80er Jahren. Wie diese Modesünden, bei denen man jeden Tag betet, sie mögen nie wieder zurückkommen und dann innerlich zusammenzuckt, wenn man plötzlich 16-Jährige damit rumlaufen sieht. Im Gegensatz zu Modesünden können Hooligans aber nicht nur sinnbildlich, sondern ganz wörtlich blind machen. Deshalb zitiere ich heute US-Komiker Jon Stewart – wenn auch leider ohne Gospelchor – und sage: Hooligans, go fuck yourselves!

32. Spieltag: Wechselspiele

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 0:5

50 Minuten lang wirkte Eintracht Frankfurt wie eine Mannschaft, die gerne in der 1. Bundesliga bleiben würde. In einem Spiel, das für Werder nicht den allergrößten Stellenwert hatte, war die Eintracht die aktivere Mannschaft, drückte nach der Pause wehement auf den Führungstreffer. Dann war Özil plötzlich frei durch, Ochs foulte ihn, sah die rote Karte und Frings verwandelte den fälligen Elfmeter. Fortan war es ein völlig anderes Spiel. Werder entschied die Begegnung auf eine Weise, wie es eigentlich nur Werder kann. Der Gegner wurde innerhalb kürzester Zeit überrollt, wobei Frankfurt freundlicherweise kaum noch Gegenwehr leistete.

Am Ende steht der erst zweite Auswärtssieg dieser Bundesligasaison. Eigentlich erstaunlich, dass eine Mannschaft, die in München und in Wolfsburg 5:2 gewonnen hat, die AC Milan auswärts nach 0:2 Rückstand ausgeschaltet hat, die 5:1 gegen die gnadenlos effiziente Hertha gewann und die den HSV aus allen Wettbewerben warf, eine solch schlechte Auswärtsbilanz aufweist und nur auf Platz 10 der Tabelle steht. Allerdings kann man diesen Zusammenhang auch umdrehen – er wird dadurch nicht weniger merkwürdig.

Gegen Frankfurt konnte es sich Thomas Schaaf erlauben, trotz dünner Personaldecke einigen Spielern früh eine Verschnaufpause zu geben. So kam Niklas Andersen zu seinem ersten Bundesligaspiel und Juri Maximov Vranjes zur Kapitänsbinde. Wie schon in der letzten Saison kommt Werder zum Ende noch einmal mächtig ins Rollen. Hieße der Trainer Felix Magath, würde man dies sicher dem harten Konditionstraining zuschreiben. Bleibt zu hoffen, dass der Akku bei den Spielern noch ein paar Wochen hält. Das Ende ist in Sicht und weitere Ausfälle wären insbesondere im Hinblick auf das UEFA-Cup Finale bitter. Es freut mich, dass Spieler wie Boenisch oder Prödl, die bislang eher als Teil des Problems als der Lösung galten, nun ansprechende Leistungen zeigen. Über Özils Entwicklung braucht man sicher keine Worte mehr verlieren. Und Wiese muss sich nur vor sich selbst in Acht nehmen – remember Juve & Glasgow!

Seit gestern ist nun bekannt, was seit Wochen die Spatzen von den Dächern twittern pfeifen: Diego wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu Juventus Turin wechseln. Der Kicker hatte bereits am Dienstag Spielerberater Giacomo Petralito zitiert, der behauptete, es liege längst eine Einigung zwischen allen Beteiligten vor. Für Aufregung sorgte dann jedoch die Zeitung mit den großen Buchstaben, die kurze Zeit später exklusiv von einem bevorstehenden Wechsel des Brasilianers nach München berichtete. Selbst gestern, als die Kreiszeitung Diego mit den Worten "ich bin mit Juventus Turin klar" zitierte, konterte Bild-Schreiberling Christoph Sonnenberg mit einem erneuten Artikel, in dem Diegos Wechsel zu den Bayern als bereits feststehende Tatsache dargestellt wurde. Derselbe Christoph Sonnenberg übrigens, der bereits letzten Sommer mit Insiderwissen über Werders Transferaktivitäten glänzte.

Der Rest ist typisch Bild und typisch Internet/Blogosphäre: Der Artikel wird kommentarlos gelöscht und durch einen anderen ersetzt, der die Bayern, vor allem aber die Bild-Zeitung selbst als Opfer der skrupellosen Cunha-Familie darstellt. Zum Glück blieben diese Machenschaften nicht unbemerkt und wurden vom sportmedienblog und vom Worum-Blog dokumentiert. Falsch informiert zu sein ist eine Sache, diese kontroversen Informationen als handfeste Tatsachen zu verkaufen eine andere. Zumindest sollte man den Mut haben zu solchen Fehlern zu stehen. Doch dazu bräuchte es das, was Oliver Kahn schon vor Jahren sehr bildlich beschrieb und hieran fehlt es der Bild-Redaktion offensichtlich.

Letztlich war es allen Werderfans schon lange klar, dass Diego über die Saison hinaus kaum zu halten sein wird. Die Trauer über seinen Abgang hält sich daher in Grenzen. Ich bin allerdings sehr froh und erleichtert, dass er nicht bei den Bayern landen wird. Erstens würde es mir wehtun, diesen Spieler demnächst bei einem unserer größten Rivalen spielen zu sehen. Und zweitens hätte der Wechsel nach dem "Fall Klose" einen bitteren Beigeschmack. Auf einen weiteren Werderspieler, dem die Welt offen steht und der es dann nicht einmal über die Alpen schafft, kann ich gut verzichten. Also dann eben Turin. Dabei ist mir Juve beileibe nicht sympathischer als die Bayern, ganz im Gegenteil.

Dank Diegos schnellem Heilungsprozess könnte es am Samstag wenigstens noch ein "Abschiedsspiel" im Weserstadion geben. Etwas, das Johan Micoud (Poulsen sei Dank) verwehrt blieb. Doch der hatte seine großen Erfolge im Werdertrikot zu dem Zeitpunkt bereits hinter sich. Diegos folgen hoffentlich noch in den nächsten Wochen.

32. Spieltag: Live-Blog

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen