Schlagwort-Archiv: 33. Spieltag

Endlich Klassenerhalt

Werder Bremen – Borussia Dortmund 2:0

Der Klassenerhalt ist perfekt. Wie erwartet hätte dazu auch ein Punkt gegen den Deutschen Meister gereicht, doch Werder machte durch die Tore von Silvestre und Pizarro alles klar und kann nun endlich die Vorbereitungen für die neue Saison konkretisieren.

Bremer Entschlossenheit gegen Dortmunder Sektlaune

Es wäre unfair den Borussen eine unprofessionelle Einstellung vorzuwerfen, doch es war der Mannschaft von Jürgen Klopp anzumerken, dass es für sie nicht mehr um viel ging. Der Dortmunder Tempofußball lässt sich ohne absolute Konzentration und Laufbereitschaft nicht spielen. Nach Silvestres frühem Führungstreffer hatte man nur selten das Gefühl, dass die Dortmunder mit aller Macht auf den Ausgleich drängten.

An dieser Stelle möchte ich dem BVB zur Meisterschaft gratulieren. Über die gesamte Saison hinweg hat Dortmund den besten Fußball gespielt und wird deshalb völlig zurecht am kommenden Samstag die Meisterschale erhalten. Der BVB hat in den letzten Jahren sehr viel richtig gemacht, ein glückliches Händchen auf dem Transfermarkt gehabt und mit Jürgen Klopp auf einen Trainer gesetzt, der nun allen Zweiflern bewiesen hat, dass er seine Vorstellungen vom modernen Fußball auch auf höchstem Niveau umsetzen kann. Dortmund spielt schnellen, schnörkellosen Fußball, der auch ästhetisch anspruchsvoll ist. Die Ballsicherheit der jungen Mannschaft ist sicher ein entscheidender Faktor für den großen Erfolg.

Ein anderer ist die Zusammenstellung der Mannschaft: Sahin, der Ballverteiler (für mich Spieler der Saison). Bender, das Powerhouse im Mittelfeld. Hummels mit seinen Qualitäten im Spielaufbau. Kagawa und Götze mit ihrem intelligenten Spiel zwischen den Linien. Torjäger Barrios. Dazu die vor Energie strotzenden Großkreutz, Kuba, Piszceck und Schmelzer auf den Außenbahnen (die ungemein von Sahin, Kagawa und Götze profitiert haben). Einziger Schwachpunkt ist für mich Torhüter Weidenfeller, der zwar eine gute Saison gespielt hat, aber (ähnlich wie Wiese) Probleme beim Mitspielen hat. In der neuen Saison wartet die nächste große Herausforderung auf den BVB: Die Etablierung in der Spitze. Wie kommt die junge Mannschaft mit Abgängen (Sahin), Meisterschaftskater und der Doppelbelastung durch die Champions League zurecht? Ich bin sehr gespannt.

Abstiegskrimi verkommt zum lauen Sommerkick

Damit aber genug der Lobhudelei und zurück zum Spiel. Werder machte in der Anfangsphase viel Druck und spielte sich über Marin, der im Rücken des BVB-Mittelfelds zunächst viel Platz fand, einige Male vielversprechend vors Dortmunder Tor. Die Führung kam durch eine Standardsituation unter Mithilfe von Weidenfeller zustande, der Silvestres Ecke schwach klärte und beim Schuss des Franzosen durch viele Beine dann kaum noch eine Chance hatte. Werder drängte zunächst auf das zweite Tor, unterstützt durch einige Unsicherheiten in der Dortmunder Abwehr, und hatte durch Marin und Fritz gute Chancen. Nach einer Viertelstunde stellten die Bremer die Offensivbemühungen jedoch weitgehend ein und ließen Dortmund mehr Zeit am Ball. Hier mag eine Portion Kalkül mit dabei gewesen sein, dass es die Dortmunder nicht allzu ernst mit einer Aufholjagd meinen würden, aber Werders Umschalten nach Ballgewinn wies in dieser Phase gravierende Mängel auf. Das Mittelfeld wurde häufig überbrückt, doch die langen Bälle auf Wagner und Pizarro fanden nur selten das Ziel und der BVB konnte sich die Bälle problemlos zurückholen.

Defensiv standen die Bremer weitgehend sicher und Dortmund kombinierte sich nur selten durchs Mittelfeld vors Bremer Tor. Zwei starke vertikale Pässe durch die Schnittstellen der Bremer Innenverteidigung führten zu den beiden gefährlichsten Szenen der Borussia vor der Pause. Dazwischen gab es viel Leerlauf, mit dem Werder dank der Führung gut leben konnte. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig an diesem Bild. Die Großchance für Barrios kam eher zufällig zustande und auf der anderen Seite war es Pizarros individuelle Klasse, die das Spiel für Werder entschied. Aus Werdersicht mag man sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr über spielerische oder taktische Defizite der eigenen Mannschaft ärgern. Wichtig ist der nun endgültig feststehende Klassenerhalt durch diesen Sieg gegen am Ende zu passive Dortmunder, die gegen einen tief stehenden Gegner zu wenig taten, um noch einmal ins Spiel zurück zu kommen. In der Nachspielzeit bekam der BVB noch einen glasklaren Elfmeter verweigert, doch das interessierte schon fünf Minuten später niemanden mehr.

Schwache Gesten statt harter Entscheidungen?

Vor dem Spiel wurden mit Petri Pasanen und Daniel Jensen zwei Spieler geehrt, die jeweils sieben Jahre lang bei Werder gespielt haben und im Sommer den Verein verlassen werden. Torsten Frings war nicht unter den Geehrten. Es ist zu befürchten, dass er seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Ich schreibe bewusst „befürchten“, auch wenn es mir wehtut. Ich habe großen Respekt vor dem Fußballer Torsten Frings und bin ihm sehr dankbar für alles, was er für Werder geleistet hat. Ich bin allerdings nicht der Ansicht, dass man mit (und schon gar nicht um) Frings noch einmal eine große Mannschaft aufbauen kann. Dazu ist er nicht mehr gut genug, dazu ist sein Status im Team zu verfestigt, dazu ist er zu wenig Lenker aus dem Hintergrund. Er hat in der Schlussphase der Saison noch einmal seinen Beitrag zum Klassenerhalt geleistet, aber seine Schwächen waren auch in den letzten Wochen nicht mehr zu übersehen. Es wäre ein guter Zeitpunkt aufzuhören. Mir scheint es jedoch, dass man bei Werder die großen Einschnitte weiterhin scheut, wenn sie nicht durch externe Gegebenheiten (Verletzungen, hohe Transfererlöse) unvermeidbar werden. Die wäre kein gutes Zeichen für die neue Saison.

Als schlechtes Zeichen habe ich auch die Nichtberücksichtigung Daniel Jensens in den Kader empfunden. Es wäre ein Platz auf der Bank freigewesen und auch wenn Jensen nach Schaafs Dafürhalten nicht richtig fit ist, hätte man ihn zum Abschied wenigstens eine Berufung in den Kader schenken können. Gegen eine Einwechslung in der 90. Minute hätte bei entsprechendem Spielstand auch nichts gesprochen. Petri Pasanen durfte dagegen 90 Minuten durchspielen und zeigte eine gute Leistung in der Innenverteidigung. Ihm hätte ich in der letzten Minute ebenfalls den Applaus einer Auswechslung gegönnt. Diese Gesten mögen nicht wichtig sein für den Verein, aber sie wären ein schönes Signal an die Spieler und an die Fans gewesen. Vielleicht darf Jensen wenigstens am letzten Spieltag in Kaiserslautern noch einmal für Werder auflaufen. Zu gönnen wäre es ihm in jedem Fall.

33. Spieltag: Meistermacher

Schalke 04 – Werder Bremen 0:2

Ich glaube es immer noch nicht.

Über die Unglaublichkeit unserer Ausgangssituation vor dem letzten Spieltag möchte ich mich gar nicht auslassen. Wir wissen alle noch, wo wir vor drei Monaten standen. Außerdem bliebe dafür nach Saisonende noch genügend Zeit. Vorher glaube ich es eh nicht. Auch wenn ich mich in ein abergläubisches Wrack verwandelt habe, das ist es mir Wert. Ich halte es mit den Römern: Non succede, ma se succede… Es wird nicht passieren, aber wenn es passiert. Aber es passiert nicht. Punkt.

Unglaublich finde ich vielmehr, dass Werder auf Schalke gewonnen hat – und vor allem wie! Vorab: Es gab sicherlich bessere Fußballspiele in dieser Saison und Werder hat auch schon besser Fußball gespielt, als am Samstagnachmittag in Gelsenkirchen. Doch Werder ist nicht nach Schalke gefahren, um dort “guten” (sprich: schönen) Fußball zu spielen. Werder ist dorthin gefahren, um drei Punkte zu holen. Und Werder ist dorthin gefahren und hat drei Punkte geholt. Werder hat zu Null gespielt. Werder hat kompakt gespielt und Schalke kommen lassen. Werder hat die Chancen eiskalt ausgenutzt. War das wirklich unser Werder? Oder haben die Mannschaften schon vor dem Spiel die Trikots getauscht?

Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich an diese Verwandlung gewöhnt hatte und es fiel mir bis zum Abpfiff schwer, es richtig einzuordnen. Ich war dabei nicht alleine. Marcel Reif kommentierte dieses Spiel von der Prämisse aus: “Werder: Schönspieler, Schalke: Malocher, Magath: Taktikgott.” Haben wir ja auch alle so gelernt. In Reifs Alter denkt man aber nicht mehr um. Es sei denn, man eignet sich die Jovialität Franz Beckenbauers an und nimmt die Dinge so, wie sie passieren, ohne nach tieferem Verständnis zu streben. Doch die meisten von uns sind keine Lichtgestalten, und so lassen wir uns erleuchten von dem, was wir in der Arena auf Schalke gesehen haben.

Lange Zeit schien es das Spiel der Schalker zu sein: Das zweikampfbetonte Spiel mit wenig Raum und noch weniger Glanz. Das Neutralisieren des gegnerischen Spiels. Das Niederringen durch körperliche und taktische Überlegenheit, durch höchste Disziplin. Und schließlich das Ausnutzen der sich bietenden Chancen in dem Bewusstsein, dass man nicht viele bekommen könnte. Gestern war es das Spiel der Bremer. Woher sollten wir es wissen? Andersherum war es so viel wahrscheinlicher. Magaths Schalker sind Meister im Aufspüren und Ausnutzen der Schwächen ihrer Gegner. Und Werders Schwächen sind so offensichtlich. Die besten Bluffs sind aber die, die man erst erkennt, wenn es schon zu spät ist. So ging es gestern den Schalkern und wenn Magath regelmäßig für seine taktischen Meisterleistungen gelobt wird, steht diese Ehre nun Thomas Schaaf zu.

Etwas überraschend kehrte Werder gegen Schalke zur Raute mit zwei echten Spitzen zurück. Noch überraschender agierte Regisseur Mesut Özil alleine hinter den Spitzen, mit drei defensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern in seinem Rücken. Es war eine “klassische” Interpretation der Mittelfeldraute, ein 4-3-1-2. So lässt es Schaaf nur selten spielen. Bargfrede und Borowski auf den Halbpositionen kümmerten sich vorwiegend um das Spiel gegen den Ball, sorgten bei Bedarf für Überzahlspiel in der Mitte und halfen vor allem auf den Außen aus. So kam es, dass Werder fast immer sieben Spieler hinter dem Ball hatte und das Spielfeld durch die tief stehende Viererkette für den Gegner deutlich größer machte, als gewöhnlich. Gegen Schalke erwies sich das als wirksame Taktik. Platz im Mittelfeld hilft einer spielerisch noch immer beschränkten Mannschaft nicht viel weiter, zumal Pizarro, Almeida und der gewohnt offensive Özil die Schalker Hintermannschaft davon abhielten, sich spürbar ins Angriffsspiel der Gastgeber einzuschalten. So hatten die Schalker plötzlich 57% Ballbesitz und wussten kaum, was sie damit anfangen sollten. Immer wieder versuchten sie es über die Flügel, vor allem über die starke rechte Seite, wo Werder ihnen jedoch keinen Platz ließ.

Werders Offensivspiel war verhältnismäßig eindimensional: Der Spielaufbau fand wie immer durch die Mitte statt, wo Frings zum Regisseur wurde. Die Verbindungsspieler auf den Halbpositionen hielten sich vornehm zurück, was auch erklärt, warum Özil über weite Strecken in der Luft hing. Frings spielte vornehmlich lange Bälle in die Spitze, was naturgemäß Pizarro und Almeida mehr entgegenkam, als dem kleinen Özil. Hier zeigte sich dann auch ein großer Unterschied zu Schaafs sonst favorisierter Raute: Özil wartete gestern im toten Raum hinter den Spitzen auf seine Chance, statt sich im Spielaufbau nach hinten fallen zu lassen und die Bälle in der eigenen Hälfte abzuholen. Hätte er sich mehr ins Aufbauspiel eingeschaltet, wen hätte er anspielen sollen?

Eine gute Taktik garantiert allein aber noch keinen Erfolg. Und so brauchte auch Werder einen nicht zu kleinen Anteil an Glück (oder Zufall oder Schicksal oder wie man es auch immer nennen mag). Nachdem es 20 Minuten lang im Sinne der taktischen Ausrichtung lief, bekam Schalke einen Fuß in die Tür zwischen Werders kompakt stehender Defensivabteilung. Eine fehlerfreie Vorführung gegen die Schalker wäre auch etwas viel verlangt, schließlich werden diese nicht von ungefähr Vizemeister. Den dicksten Bock leistete sich kurz vor der Pause Per Mertesacker, der anschließend versuchte zu reparieren und dabei gehöriges Glück hatte, dass Schiedsrichter Kircher nicht auf Elfmeter entschied. In meinen Augen ein klares Foul. Die Situation war im Nachhinein ein Wendepunkt in diesem Spiel. Sie als die spielentscheidende Situation zu bezeichnen, wie Magath es nach dem Abpfiff tat, ist dann aber doch etwas hoch gegriffen. Marko Marin machte nach dem Spiel gegen Frankfurt Anfang des Jahres eine ähnliche Aussage. Ich sage heute wie damals: Wer Meister werden will, der sollte sein Pulver nicht schon nach 40 Minuten verschossen haben. Und Schalke tat in der zweiten Hälfte nicht genug, um nach dem Spiel einzig auf die Elfmeterszene verweisen zu können. Bei allem Verständnis für die Enttäuschung, als Verschwörungstheoretiker macht Magath keine gute Figur. Weder er noch seine Schalker hätten es zudem nötig. Die Fans spürten das in der Schlussphase auch und feierten ihre Mannschaft, der vor der Saison nicht viele – auch ich nicht – eine solche Saison zugetraut hatten.

Wie so oft waren es dann Kleinigkeiten, die das Spiel und auch dessen Bewertung von außen entschieden. Nach dem Wechsel suchten die Schalker weiter ihr Glück in der Offensive. Vielleicht war es der Zwischenstand aus München, der ihre Köpfe ungeduldig und ihre Beine schwer werden ließen. Gerade, als man überlegte, ob Werders pomadige Spielweise wirklich Absicht sein könnte, schlugen die Grün-Weißen zu. Zunächst ließ Mesut Özil seine Torchance noch liegen, doch kurze Zeit später zeigte er seine ganze Klasse. Er zeigte, dass er es auch anders kann. Dass es bei ihm nicht nur Hopp oder Top gibt. Dass er auf seine Chance lauern kann, ohne das Selbstvertrauen zu verlieren. Sein Dribbling hätte andere Kommentatoren zu Begeisterungsstürmen verleitet, doch es war weder Robben noch Ribery noch Messi und deshalb durfte nicht sein, was nicht sein konnte. Es war deutlich zu spüren, dass dieser Treffer den Schalkern schwer zu schaffen machte und sie kaum mehr etwas entgegen zu setzen hatten. Um ganz sicher zu gehen, nutzten Özil und Almeida diese Phase der Unsicherheit zum 0:2 und entschieden damit das Spiel.

Ich hoffe Werder nimmt aus diesem Spiel genügend Erkenntnisse für die letzten beiden Spiele mit. Gegen den HSV wird man wieder aktiver sein müssen. Auf eine Unentschieden darf man sich nicht verlassen. Gladbach hat gerade sechs Tore in Hannover kassiert. Die Hamburger haben als letztes Saisonziel, uns in die Champions-League-Suppe zu spucken, deshalb müssen wir verdammt aufpassen solange sie nicht gegessen ist. Den Nachschlag gibt es dann in Berlin und während ich mich phrasentechnisch schon in Delling-Form bringe, denkt Thomas Schaaf hoffentlich darüber nach, wie er Van Gaals Positionsspiel beikommen kann. Die Taktik von gestern wäre dafür vermutlich gar nicht mal schlecht.

33. Spieltag: Clusterf*ck

Werder Bremen – Karlsruher SC 1:3

Ich hätte nie gedacht, dass mich dieses Spiel auch nur annähernd so ärgern könnte. Ein völlig unbedeutendes Match, was das Erreichen der eigenen Saisonziele angeht. Verständlich, dass Spieler geschont werden, dass die zweite Reihe mal ran darf, dass der unbedingte Siegeswille nicht da ist. Allerdings war es höchst wahrscheinlich Diegos Abschiedsspiel im Weserstadion und möglicherweise auch das letzte Heimspiel unseres Kapitäns Frank Baumann. Dazu hätte man die vermaledeite Bundesligasaison zu einem etwas versöhnlicheren Ende bringen können, indem man die zuletzt starke Heimbilanz ausbaut und den Nimbus der wenigsten Gegentore der Rückrunde verteidigt.

Deshalb ist es überhaupt nicht verständlich, wie sich die Mannschaft so gehen lassen konnte. Karlsruhe lag vor dem Spieltag moralisch am Boden. Aber Werder schafft es halt immer wieder auch die verunsichertsten Mannschaften aufzubauen. Den – etwas umstrittenen – frühen Elfmeter konnte man noch als Betriebsunfall ansehen, zumal Tim Wiese ihn in seiner fast schon legendären Art hielt und Werder in der Folge die Partie immer besser in den Griff bekam. Allerdings schlichen sich immer wieder Konzentrationsmängel und Lustlosigkeit ins Spiel der Mannschaft ein. Der KSC wurde fast schon genötigt ein Tor zu erzielen. Nachdem die Badener Blut geleckt hatten – vermutlich auch angestachelt durch die Ergebnisse in den anderen Stadien – fanden sie immer besser ins Spiel, kämpften bis zum Umfallen und kamen gegen einen Gegner, der die nötige Einstellung vermissen ließ, zu einem ungefährdeten Auswärtssieg.

Nach dem Tor zum 0:3 tat ich etwas, das ich schon seit vielen Jahren nicht mehr getan hatte: Ich schaltete um auf Konferenz und schaute mir den Rest des Spiels nicht mehr an. Ich weiß gar nicht genau warum, schließlich war es beileibe nicht Werders erste Vorstellung dieser Art. Vielleicht hatte es mit dem Hinspiel in Karlsruhe zu tun, als man einen schwachen und absolut unsportlichen Auftritt hingelegt hat und wo mein Glaube an diese Mannschaft so stark auf die Probe gestellt wurde, wie selten zuvor.

Bislang hielt ich den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung für übertrieben, doch nach diesem Spiel muss man ihn sich gefallen lassen. Zum Glück haben Bielefeld und Gladbach nach ihren eigenen desolaten Leistungen wenig Argumente sich bei anderen zu beschweren, doch ich kann schon verstehen, wenn der ein oder andere jetzt mit dem Finger auf Bremen zeigt. Nächsten Samstag kann sich Werder eine weitere solche Leistung nicht erlauben, denn erstens werden beim Saisonfinale alle Augen auf unser Spiel gegen Wolfsburg gerichtet sein (auf einen puterroten Uli Hoeneß, der nach dem Spiel Betrug vorwirft, kann ich verzeichten – jedenfalls wenn sein Vorwurf berechtigt wäre) und zweitens würden uns dann Grafite und Dzeko allein zweistellig abschießen.

Zum Glück bleibt keine Zeit zum Trübsal blasen, denn am Mittwoch steht das UEFA-Cup Finale an. Rückschlüsse kann man aus dem Debakel gestern meiner Meinung nach keine ziehen. Doch vielleicht braucht Werder dieses Jahr vor den großen Spielen einfach einen Schuss vor den Bug. Zumindest in dieser Hinsicht könnte sich das Spiel gegen den KSC noch als sehr nützlich erweisen.

33. Spieltag: Live-Blog

Werder – KSC

Ab 15:00 gibt es das heimliche Spitzenspiel des 33. Spieltags hier im Live-Blog/Twitter. Diego verabschiedet sich vom Weserstadion, der KSC von der Bundesliga. Für die Karlsruher tut es mir zwar leid, aber ich hoffe auf eine Revanche für das bittere 0:1 im Hinspiel.