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7. Spieltag: A game of two halves

Werder Bremen – 1. FC Nürnberg 3:3 (2:1)

Zweit Schritte vor, zwei zurück: Der wohl besten Halbzeit der bisherigen Saison folgt nach dem Seitenwechsel eine schwache Defensivleistung. Am Ende steht ein leistungsgerechtes Unentschieden, bei dem man sogar noch froh sein musste, dass Nürnberg nicht noch den Siegtreffer erzielte.

Verbessertes Kombinationsspiel, Flügelflitzer Garcia

Nach dem Sieg im Nordderby stellte Dutt mit Ekici für Kobylanski sowie Rückkehrer Junuzovic für den verletzten Ignjovski zwei neue Spieler in die Startelf. Werder begann sehr flexibel, mit viel Bewegung im Mittelfeld und Geduld im Spielaufbau. Beim Passspiel zeigen sich langsam Verbesserungen. Offensiv ging vor allem auf der linken Seite die Post ab. Neuzugang Santiago Garcia schaltete bei Ballbesitz immer direkt auf Offensive um und suchte den direkten Weg hinter die Viererkette des Gegners. Hieraus entstanden schnell die ersten gefährlichen Situationen, von denen eine abgefälschte, scharfe Hereingabe im gegnerischen Tor landete. Auch in der Folge blieb Garcia der auffälligste Spieler auf dem Platz, sorgte mit selbstbewusstem und direktem Spiel für gefährliche Szenen. Auch die Absicherung dahinter funktionierte, da Ekici aufmerksam war und Caldirola weit nach links herausrückte.

Nürnberg kam in der ersten Halbzeit nur sporadisch vor Werders Tor und konnte selten über mehr als zwei Stationen in der gegnerischen Hälfte spielen. In einem körperlich intensiven Spiel gewann Werder die entscheidenden Defensivzweikämpfe in den meisten Fällen. Da auch die Offensivreihe viel mit nach hinten arbeitete, fand der Gegner kaum einmal Räume zum kombinieren. Dies änderte sich auch nach dem 2:0 durch Elia nicht, auch wenn Werder das Spiel nun mehr zu verwalten schien. Kurz vor der Pause leistete man sich jedoch eine Unkonzentriertheit, die Nürnberg zum Anschlusstreffer nutzte. Der Pausenstand war bitter für Werder, da es das erste Mal überhaupt in dieser Saison war, dass man einen Gegner spielerisch beherrscht hatte und offensiv wie defensiv souverän wirkte.

Nürnberg dreht auf, Werder zahlt Lehrgeld

Nach dem Wechsel drehte sich das Spiel komplett. Nürnberg spielte, beflügelt durch das Anschlusstor und die Einwechslung von Drmic, viel konsequenter und selbstbewusster und legte in Werders Defensive die Schwachstellen offen. Beim Ausgleich reichte ein recht simpler Pass in den Raum hinter dem aufgerückten Garcia, der eine scharfe Flanke auf Drmic ermöglichte. Auch in der Folge blieb Werder anfällig, insbesondere bei der Strafraumverteidigung zeigte man Schwächen. Offensiv blieb Werder jedoch weiterhin gefährlich. Wie schon in den letzten beiden Spielen kam Werder nach Standards zu guten Chancen. Zunächst scheiterte Lukimya per Kopfball nach Ecke von rechts noch knapp, doch kurz darauf landete ebenfalls nach einer Ecke ein Befreiungsschlag bei Elia, der aus dem Rückraum zur erneuten Führung traf.

Leider blieb Elias Doppelpack nicht die dominierende Geschichte des Abends. Nürnberg spielte nach dem erneuten Rückstand weiterhin selbstbewusst nach vorne und während Werder nach und nach die Kräfte ausgingen, trafen die Franken zum erneuten Ausgleich und drückten danach auf das Führungstor. Werder spielte sich nur noch selten kontrolliert ins Angriffsdrittel und war bei hohen Bällen nicht präsent genug – anders als auf der Gegenseite Pekhart. Hunt und Petersen schoben bis in die Schlussphase aggressiv auf die Nürnberger Innenverteidiger und versuchten den Spielaufbau zu unterbinden, doch sobald sie überspielt waren, blieben beide hoch stehen, was für einen großen Abstand zu den beiden tief stehenden Viererketten hinter ihnen sorgte und Nürnberg Überzahl im Mittelfeld ermöglichte.

Die Schlussphase war gekennzeichnet von zunehmender Vorsicht beider Teams, den wichtigen Punkt nicht noch zu verspielen. Werder versuchte noch einmal Druck aufzubauen, kam jedoch nur noch einmal gefährlich vors gegnerische Tor. Der Schuss von Ekici ging jedoch weit daneben und sorgte für eine merkwürdig fatalistische Stimmung im Weserstadion.

Alte Fehler, neue Stärken

Unterm Strich bleibt ein verdientes Unentschieden, über das man sich in Bremen nach der verspielten 2:0-Führung nicht wirklich freuen kann. In Anbetracht der derzeitigen Situation ist ein Unentschieden gegen Nürnberg jedoch kein Misserfolg. Es zeigt vielmehr, dass Werder in diesem Spiel eine Halbzeit lang deutlich verbessert war und einen Ausblick darauf gegeben hat, in welche Richtung es in den nächsten Monaten gehen soll. Die zweite Halbzeit war in dieser Hinsicht ein Rückschlag, der zwar nicht unerwartet kam, aber dennoch ein Warnsignal sein sollte, dass Werder noch weit davon entfernt ist, einen Gegner über 90 Minuten dominieren zu können.

Die Verbesserungen in der Defensive (wir haben jetzt schon so viele Zu-Null-Spiele wie in der gesamten letzten Saison) stehen noch auf wackligen Füßen, die bei jedem Nachlassen der Konzentration oder der Einsatzbereitschaft ins Stolpern geraten. Offensiv waren die letzten drei Spiele (das Debakel gegen Frankfurt zähle ich da mit) ein Lebenszeichen, da neben den verbesserten Standardsituationen zuletzt auch das Kombinations- und Flügelspiel sicherer und druckvoller geworden ist.

Vielleicht tut es Werder ganz gut, nach dem Spieltag nicht auf Platz 5 der Tabelle zu stehen, um keine falsche Euphorie zu entfachen, der das Team noch nicht gerecht werden kann (die Europapokalgesänge wurden nach dem 2:0 schon wieder ausgepackt). In den nächsten beiden Spielen gegen Stuttgart und Freiburg gilt es zunächst einmal, die Konzentration in der Defensive wiederzufinden. Das Thema Balance ist inzwischen überstrapaziert, aber angesichts der verbesserten Offensive wäre es mir recht, den Fokus in den nächsten Wochen wieder etwas mehr in Richtung Defensive zu verschieben.

Werder-News 11/09/26

Da ich selbst noch nicht dazu gekommen bin, einen Post zu Spiel gegen Hertha BSC zu schreiben, gibt es hier eine kleine Übersicht über andere Spielberichte:

“Peter Niemeyer ist zu einem echten Führungsspieler geworden”

Edit: Leider ist mir der Post ein bisschen voreilig “rausgerutscht”. Da fehlte noch die Vorstellung des Interviewpartners: Daniel bloggt für das Hertha BSC Blog und war so nett, mit vor dem Spiel am Sonntag ein paar Fragen zu beantworten:

Hallo Daniel, schön dass Du mitmachst. Erstmal willkommen zurück in der 1. Liga. Wie würdest du das Jahr in Liga 2 rückblickend bewerten? War der Abstieg nur ein Ausrutscher oder gab es in der letzten Saison einen richtigen Neuanfang?

Vielen Dank, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie es sich da “unten” anfühlt. Abstiege sind grausam und ich wünsche sie wirklich niemandem – was natürlich nur solange stimmt, wie wir selbst damit nichts zu tun haben. Sobald das der Fall ist, wünsche ich es allen anderen. Jedenfalls kann ich deine Eingangsfrage zweimal mit Ja beantworten. Es war ein Ausrutscher, der nicht hätte passieren dürfen, aber er wurde vom Verein genutzt, um sich komplett neu aufzustellen. Auch in der Öffentlichkeit ist es angenehmer. Ich hab das natürlich auch früher nicht gemacht, aber man muss seit dem Wiederaufstieg weniger dafür entschuldigen Hertha-Fan zu sein, als vor dem Abstieg.

Neun Punkte aus sechs Spielen und Platz 10 sprechen für Mittelmaß, dennoch macht der Verein einen zufriedenen Eindruck. Liegt das nur daran, dass ihr gerade erst wieder aufgestiegen seid oder haben sich die Ansprüche im Verein geändert? Wo ist das Anspruchsdenken der Hoeneß-Ära geblieben?

Dieses Anspruchs-Denken ist nach Wolfsburg gewechselt und das kann da auch gerne bleiben. Im Nachhinein hätten wir dafür aber deutlich mehr Geld verlangen sollen. Egal. Es ist ehrlich gesagt ein bisschen zu einfach, zu sagen: Der Hoeneß hat den Druck erzeugt, weil er damals davon geträumt hat, mit der Meisterschale durchs Brandenburger Tor zu fahren. Träume sind auch weiterhin erlaubt, wer hat sie nicht? Aber es bricht hier kein Sturm der Enttäuschung mehr los, wenn es nicht für den Europa-Pokal-Platz reicht – wie es vor dem Abstieg der Fall war. Jeder Hertha-Fan weiß, dass wir den Verein vermutlich hätten dicht machen können, wenn wir nicht direkt wieder aufgestiegen wären. Das erdet einfach ungemein.

Was sind für dich persönlich die Ziele in dieser Saison? Reicht es Dir, wenn man „nur“ die Klasse hält oder denkst Du schon wieder ans internationale Geschäft?

Ich würde ja schon gern mit der Meisterschale durchs Brandenb…nein im Ernst, mir reicht der Klassenerhalt vollkommen aus, solange der Verein dadurch gesundet. Wenn wir keine Schulden mehr haben, wann auch immer das sein wird, können wir vielleicht mal wieder über Europa reden, vorher ist alles, was nicht Abstieg heißt, ein Erfolg.

Euer Spiel gegen Dortmund hat mir imponiert, das war blitzsauberer Konterfußball. Wie so viele Mannschaften in der Bundesliga scheint ihr aber Probleme zu haben, das Spiel selbst zu machen. Ist es momentan sogar ein Vorteil für euch, auswärts zu spielen?

Es sieht so aus, auch wenn ich diese Unterscheidung von Heim- und Auswärtsspieltaktik nicht mag. Hertha darf auch zu Hause auf Konter spielen, wenn es dem Erfolg zuträglich ist, selbst wenn Markus Babbel das nicht glaubt (er hat vor dem Augsburg-Spiel behauptet, das Olympiastadion wäre zur Halbzeit halbleer, wenn Hertha mit der Taktik aus dem Dortmund-Spiel gegen Augsburg komme). Denn es es ist doch so: Das, was eine Mannschaft am Besten kann, sollte sie auch spielen. Und wenn das Konterfußball ist, dann ist das eben so. Ich hoffe jedenfalls, dass wir auch am Sonntag wieder mehrere Kostproben von unserer Konterstärke zu sehen bekommen.

Mit Rafael, Ebert und Ramos habt ihr starke Offensivspieler im Team. Ist eine vor allem auf Konter ausgelegte Taktik auf Dauer nicht zu wenig, um das Optimum aus der Mannschaft herauszuholen?

Die Schlüsselpositionen in unserem System sind die beiden Sechser. Sie bestimmen, wie offensiv oder defensiv das System ist, sie sind die Taktgeber wenn man so will. Naja, und wenn die Taktgeber dann eben Andreas Ottl und Peter Niemeyer sind, dann spielt man eben grundsätzlich erst einmal defensiv. Das soll keine Kritik sein, aber große Offensiv-Denker sind sie eben nunmal beide nicht. Hinzu kommt, dass die angesprochenen Spieler leider launische Diven sind, die sich gerne mal Auszeiten nehmen. Und dann bringt auch eine offensive Ausrichtung nichts.

Mir fällt es noch etwas schwer euren Trainer Markus Babbel richtig einzuordnen. Nach seiner Zeit beim VfB Stuttgart wurde er von vielen als Eintagsfliege abgestempelt. Bei Euch macht er jedoch den Eindruck, dass er ein Konzept hat und es den Spielern auch gut vermitteln kann. Ist er der richtige Trainer für Hertha?

Gute Frage, die allerdings voraussetzt, dass ich wüsste, wie der “richtige” Trainer für Hertha aussieht. Ich war sehr lange davon überzeugt, dass dieser Trainer Lucien Favre heißt, nunja, das Ende der Geschichte kennen wir. Babbel macht seine Sache insofern gut, dass er es schafft, Fans und Umfeld auf seine Zeit zu bekommen. Oftmals ist er für mich noch ein Rätsel, gerade was eben die taktische Ausrichtung bei Heimspielen angeht. Da schiebt er dann gerne mal die großen Erwartungen der Fans oder des Umfelds vor (die, wie bereits erwähnt, gar nicht so groß sind) um Entscheidungen zu rechtfertigen. Natürlich hat er durch den Aufstieg einen riesengroßen Bonus, der auch sehr lange Zeit halten wird. Aber eine echte Negativ-Serie hatten wir unter ihm noch nicht. Und was ein guter Trainer, zeigt sich eben meist erst, wenn es mal nicht so läuft.

Mit Peter Niemeyer habt ihr letzte Saison einen Spieler geholt, der sich bei Werder nicht so richtig durchsetzen konnte. Bei Euch hat er einen Stammplatz und zeigt gute Leistungen. Wie bewertest Du seine Entwicklung und seine Bedeutung in der Mannschaft?

Peter Niemeyer ist der legitime Nachfolger von Pal Dardai und auch wenn das im Rest der Fußball-Republik vielleicht nicht als ein solches angenommen werden würde: Das ist ein Riesenkompliment. Niemeyer gewinnt eigentlich jeden Zweikampf, ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, wann er zuletzt einen verloren haben soll. Er ist bei uns zu einem, wenn man heutzutage noch davon reden kann, echten Führungsspieler geworden und ich kann mir vorstellen, dass er uns in den drei Jahren, in denen er auf jeden Fall noch bei uns spielen wird (laut Vertrag), sehr viel Freude bereiten wird.

Eine Frage zum Gegner: Werder hatte letzte Saison ein ähnlich schwaches Jahr, wie ihr in der Saison davor. Dem Abstieg sind wir zum Glück knapp entgangen. Nun steht man plötzlich wieder oben in der Tabelle. Wie stark ist Werder aus Deiner Sicht?

Ich bin ehrlich: Ich hatte euch vor der Saison nicht auf dem Zettel und wenn ich sage “nicht”, dann meine ich “gar nicht”. Ich habe sogar vor der Saison darauf gewettet, dass Thomas Schaaf der erste Bundesligatrainer in dieser Saison ist, der entlassen wird (ich weiß eine makabre Wette, aber wir waren zu sechst und sehr betrunken). Das war nach dem Aus im DFB-Pokal und teilweise unterirdischen Vorbereitungsspielen eurerseits. Tja und dann startet ihr so in die Saison, was mich dann – nach kurzem Ärger über die
verlorene Wette – doch sehr gefreut hat, weil ich durch meine Familie durchaus gewisse Sympathien für Werder hege. Wenn sich niemand verletzt, kann das dieses Jahr wieder was werden mit Europa. Aber wer bin ich, das zu prognostizieren.

Der Bremer Offensivfußball dürfte eurer Spielweise eigentlich entgegen kommen. Wie schätzt Du Herthas Chancen am Sonntag ein? Wärst Du mit einem Punkt zufrieden oder ist sogar mehr drin?

Ich bin vor dem Spiel nie mit einem Punkt zufrieden. Allerdings habt ihr in dieser Saison bisher zu Hause selten was anbrennen lassen, deshalb liegt ein Unentschieden durchaus im Bereich des Erträglichen. Wenn es irgendwie geht, hätte ich es aber natürlich gerne, dass Hertha ähnlich viele Chancen wie in Dortmund erspielt und diese nicht dreimal ans
Aluminium verschwendet.

Die Mauer muss weg!

Bundesliga, 7. Spieltag: Bayer Leverkusen – Werder Bremen 2:2

Die Mauer muss weg. Aus unseren Köpfen. Hieß es immer so schön in den Jahren nach der Wiedervereinigung. Diese wurde am Wochenende in Bremen groß gefeiert, mit Ländermeile am Hafen, Nena und – wie es ebenfalls so schön heißt – Gästen aus aller Welt. Es wurde aber auch Fußball gespielt. Nicht in Bremen sondern in Leverkusen, wo ebenfalls viel los war. Soviel sogar, dass das Spiel zwischen Bayer und Werder mit 15 Minuten Verspätung angepfiffen wurde.

Die Mauer in den Köpfen unserer Spieler muss ebenfalls weg, nach den Pleiten gegen Mainz, Hannover und Inter. Die Mannschaft geht jedoch nicht nur mental auf dem Zahnfleisch sondern auch personell. Neben den Verletzten Naldo, Vander, Frings, Pizarro und Fritz hatten sich vor dem Spiel auch noch Borowski und Wagner eingereiht. Mit nur 16 Spielern trat Werder daher die Reise nach Leverkusen an, darunter mit Ayik und Balogun zwei Nachwuchsleute aus der U23. Umso erfreulicher war das, was Werder auf dem Platz ablieferte. Es war keine Topleistung, doch ein deutlich erkennbarer Fortschritt zu den letzten Bundesligaspielen (das Spiel gegen Inter kann kein Maßstab sein). Das erinnerte über weite Strecken schon sehr an das “alte” Werder, das wir alle so sehr vermissen.

Allerdings ist auch das alte Werder defensiv anfällig gewesen und so war es nicht weiter verwunderlich, dass eine spielstarke Mannschaft wie Leverkusen einige gute Torchancen bekam. Eine von ihnen nutzte Helmes in der 1. Halbzeit zur Führung. Nachdem die Bremer Abseitsfalle mal wieder nur sich selbst geschnappt hatte, lief Helmes alleine aufs Tor von Tim Wiese zu, der sich in dieser Situation nicht sonderlich geschickt anstellte und früh aufs kurze Eck spekulierte. Helmes konnte den Ball an ihm vorbei in die Mitte des Tores schieben. Ansonsten war Wiese jedoch die gewohnte Mauer hinter der gewohnt löchrigen Defensivabteilung. Hier könnte man es meiner Meinung nach ruhig einmal mit der Band Fotos halten und eine Mauer bauen. Darauf warten wir bekanntlich schon seit Jahren vergeblich. Beim späten Ausgleichstreffer hätte wohl auch eine gefestigtere Abwehr nicht viel ausrichten können. Zwar hoffte man irgendwie auf ein Foul oder etwas mehr Geschmeidigkeit bei Mertesacker, der zuvor einige Male in höchster Not gerettet hatte, doch in erster Linie war das eine tolle Einzelaktion von Derdiyok.

Zumindest in der Offensive lief das Bremer Spiel einigermaßen flüssig und so kam auch Werder immer wieder zu gefährlichen Torchancen. Der Unterschied in der ersten Hälfte bestand lediglich darin, dass Bayer eine der sich bietenden Chancen nutzte, während Werder dies nicht tat. Der Unterschied bestand auch darin, dass Helmes alleine aufs Tor zulaufen durfte, während Jensen alleine vor Adlers Kasten zu unrecht wegen Abseits zurückgepfiffen wurde. Zum Glück kam Werder nicht in die Verlegenheit, sich später auf solche Ausreden berufen zu müssen. In der zweiten Hälfte kam Almeida für Bargfrede ins Spiel und Werder bot trotz nur einer nominellen Spitze eine der offensivsten Mannschaften auf, an die ich mich erinnern kann. Hinter Almeida und den drei offensiven Mittelfeldspielern sicherten mit Jensen und Wesley zwei technisch versierte und kombinationsstarke Spieler ab. Sie machten ihre Sache dabei eigentlich ganz gut, auch wenn Jensen noch etwas Zeit braucht, um zurück zu seiner Topform zu finden. Sein Aufbauspiel ist gerade im Vergleich zu Frings jetzt schon eine Steigerung. Vom Lutscher braucht es mehr Leistungen wie zuletzt gegen den HSV, um seine unumstrittene Position im Mittelfeld wieder zu untermauern.

Was Hugo Almeida von Mauern hält, zeigte er bei seinem Treffer zum 1:1 deutlich: Er umgeht sie. Den Freistoß einfach ein paar Meter nach links gespielt und schon hämmerte er den Ball vorbei an den verdutzten Leverkusenern in die Maschen. Auch beim zweiten Tor – für mich das schönste der bisherigen Werdersaison – spielte er eine entscheidende Rolle. Seine Kopfballverlängerung auf Aaron Hunt war große Klasse, diese Effektivität würde ich von ihm gerne häufiger sehen. Was Hunt dann aus der Gelegenheit machte war genial. Ein Pass mit dem linken Außenrist, perfekt durch die Lücke gespielt und auf den Fuß von Marko Marin, der vollstreckte und sich feiern lassen durfte. Die Verarbeitung der Flanke war stark, doch ansonsten gehörte Marin für mich zu den schwächsten Bremern. Viel zu häufig suchte er das direkte Duell und dribbelte sich fest, statt den einfachen Pass zum besser postierten Nebenmann zu spielen. Damit macht er sein Spiel, das eigentlich von der Unberechenbarkeit lebt, zu berechenbar und ist zu sehr auf den einen genialen Moment angewiesen.

Wenn wir Werder als ein Team in der Findungsphase begreifen (und nichts anderes sollte man derzeit tun), dann war das Spiel gegen Leverkusen ein Fortschritt. Trotz vieler verletzter Spieler stand eine konkurrenzfähige Mannschaft auf dem Platz. Das Puzzle, um die Metapher des Kollegen Johan Petersen aufzunehmen, nimmt langsam Formen an. Die Teile passen zwar noch längst nicht alle zusammen, aber es wird endlich in Umrissen ein Gesamtbild erkennbar. Nach der Länderspielpause darf weitergepuzzlet werden.

3 Fragen zu Bayer Leverkusen

Vor jedem Bundesligaspiel gibt es in dieser Saison ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners. Vor dem 7. Spieltag hat mir Jens Peters, der in seinem Blog catenaccio über Bayer Leverkusen schreibt, drei Fragen zu seinem Lieblingsverein beantwortet:

Ein Sieg über Dortmund zum Auftakt, dann dieses bizarre 3:6 gegen Gladbach, zuletzt wieder bessere Leistungen – man könnte sagen euer Saisonstart war durchwachsen. Bayer war ja vor der Saison mein Meisterschaftstipp, deshalb bin ich fast ein bisschen enttäuscht. Geht es dir ähnlich? Wie zufrieden bist du mit eurem Saisonstart?

Ich hätte vor der Saison nicht mit diesem holprigen Start gerechnet. Dabei habe ich außer Acht gelassen, dass der Kader dermaßen groß ist, dass auch wirklich alle Spieler ihren Platz finden. Jupp Heynckes hatte zu Beginn der Spielzeit soviele Optionen, auch in taktischer Hinsicht, dass sich da auch erst einmal etwas einspielen musste. Trotzdem musste ich nach dem 3:6 schon schlucken. Wann hat es sowas zuletzt in Leverkusen gegeben? Auch die Spiele danach waren jetzt nicht überzeugend, aber es entwickelt sich was. Lieber zu Beginn der Saison etwas schwächeln und dann zum Ende noch mal richtig Gas geben.

Jupp Heynckes gilt in taktischen Belangen als ziemlich stur, lässt immer 4-4-2 spielen. Nach der WM gab es nicht wenige Experten, die das System als nicht mehr zeitgemäß bezeichneten. Alles Quatsch oder könnte die Formation für euch in dieser Saison zum Problem werden? Und wie beurteilst du Heynckes Arbeit in Leverkusen insgesamt?

Naja im Moment sehen wir ja ein neues System bei Heynckes. Ein 4-1-4-1, dass zunächst gar nicht klappte und jetzt in Ansätzen vor allem in der Defensive und im Mittelfeld funktioniert. Nur der Stürmer wirkt noch reichlich isoliert, als einziger Mann vorne. Heynckes hatte das Problem aber schon vor der Saison erkannt und in der Vorbereitung das ein oder andere Alternativsystem ausgetestet. Das lag auch daran, weil man Ballack gerne offensiver integriert hätte, aber ich denke, dass das nichts mehr wird und dass er den typischen 6er geben wird. Letzte Saison war Bayer durch dieses eine System 4-4-2 arg limitiert – diese Spielzeit sehe ich einen klaren Fortschritt.

Werder hat in dieser Saison schon einige herbe Niederlagen einstecken müssen, u.a. ein 1:4 in Hannover und zuletzt ein 0:4 bei Inter Mailand. Ich würde Bayer leistungsmäßig irgendwo zwischen 96 und Inter einordnen. Schenkt ihr uns also auch vier Dinger ein? Welche Erwartungen hast du an dieses Spiel?

Ich glaube, dass das 1:4 in Hannover ein Ausrutscher war und die Spieler nicht mit einem derart starken “Noname”-Team gerechnet haben. Mailand war einfach um Klassen besser. Das muss man so festhalten, allerdings muss man auch festhalten, dass Bremen auch noch kein richtiges Mannschaftsgefüge aufgebaut hat und immer wieder Spieler fehlen. Ein Marko Marin muss bspws. auch erst in seine neue Rolle hineinwachsen. Die Erwartungshaltung an ihn, nach dem Weggang von Özil ist schon bedrückend groß.

Ganz unabhängig davon rechne ich mit einem Sieg. Bayer hat zuhause noch was gut zu machen nach den letzten schlechten Spielen daheim und ich glaube, dass das neue System sehr gut zum Bremer Spiel passt und die Hanseaten damit nichts anfangen können.

Dein Tipp?

3:1

7. Spieltag: Drei… zwei… eins… Mainz

Werder Bremen – Mainz 05 3:0

Drei Tore geschossen. Zweiten Heimsieg der Saison eingefahren. Ein Spieler sorgte wieder mal für die Entscheidung. Mainz geht leer aus.

Man kann es ja zunächst mal positiv sehen: Werder hat am Ende relativ locker mit 3:0 gewonnen, hat nicht viele Chancen zugelassen und erneut zu Null gespielt, war effektiv im Abschluss. Dazu die nicht als Flankengötter verschrieenen Pasanen und Boenisch je mit einer starken Torvorlage. Mesut Özil ist wieder zurück. Marko Marin machte ein starkes Spiel, ebenso Torsten Frings. Aaron Hunt nicht so gut wie gegen St. Pauli, aber erneut Torschütze. Doch es blieb wieder einmal Claudio Pizarro vorbehalten, das Spiel zu entscheiden. Seine Kopfbälle machten in der zweiten Halbzeit den Sack zu. Im Hinblick auf das Spiel gegen Bilbao am Donnerstag ist es sicherlich vorteilhaft, dass Werder nicht über 90 Minuten ans Limit gehen musste.

Das alles kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es über weite Strecken kein gutes Spiel war, das Werder ablieferte. Es reihte sich Fehlpass an Fehlpass. So machte man es Mainz zu einfach, den Ball vom eigenen Tor fernzuhalten. Nach der Bremer Führung wurde das Spiel für einige Minuten ganz gut, doch in der zweiten Halbzeit zunächst das alte Bild. Marko Marin riss in der Folge das Spiel immer mehr an sich und holte einige gefährliche Freistoßchancen heraus. Erst nach dem 2:0 durch Pizarro konnte man einigermaßen sicher sein, dass nichts mehr anbrennen würde.

Übertriebener Pessimismus ist nach diesem Ergebnis fehl am Platz. Deshalb sollte man das Spiel einfach als Arbeitssieg abhaken und sich über die nun 10 Spiele währende Serie ohne Pflichtspielniederlage freuen.