Schlagwort-Archiv: 9. Spieltag

Aus. Vorbei.

Werder Bremen – 1. FC Köln 0:1 (0:0)

Ich bin selten nach einem Spiel wortkarg, aber heute ist solch ein Tag. Eine bittere wie verdiente Niederlage gegen Köln beendet in Bremen die Ära Dutt.

Zum Spiel will ich ausnahmsweise mal nicht viel schreiben. Es gab ein paar interessante Ansätze im Spielaufbau, die Rückkehr zur Raute (als 4-1-3-2 mit gelegentlichem Hang zum 4-3-3), einen letzten Akt von Solidarität seitens der Fans. Vor allem aber gab es viel von dem zu sehen, was man als Werderfan schon gewohnt ist. Hohe Bälle, Linksüberladungen, haarsträubende Fehler im Passspiel, merkwürdige Aufbaustrukturen (wozu lässt sich Galvez zwischen die Innenverteidiger fallen, wenn die zentralen Räume zwischen vorderster und letzter Linie teilweise gar nicht besetzt werden?) und zu guter Letzt den Offenbarungseid des Trainers.

In einem Heimspiel gegen einen Aufsteiger, das unbedingt gewonnen werden muss, nach 60 Minuten Lukimya und Gebre Selassie einwechseln zu wollen, ist schon sehr verstörend. Nach dem Gegentor war es dann Petersen statt Lukimya, der eingewechselt wurde, und spätestens nach der Einwechslung Selkes für Makiadi wurde das Mittelfeld komplett aufgegeben. Zwanzig Minuten lang hohe Bälle auf die drei Stürmer. Zwei ernsthafte Torchancen in 90 Minuten, beide durch Fernschüsse. Hinterher die Aussage des Trainers, dass er nicht mehr daran geglaubt habe, dass sein Team es spielerisch schafft. Nach diesem Spiel ist Dutt nicht mehr zu halten (wenn die Geschäftsführung es denn überhaupt wollte).

Die Kritik am Trainer soll keinesfalls die Spieler von ihrer Verantwortung freisprechen.  Die individuellen Leistungen waren fast durch die Bank mäßig bis schwach. Letztlich hat ihr aber wohl auch der Glaube gefehlt, das Spiel nach dem 0:1 noch drehen zu können. Ich habe selten eine so miese Schlussphase gesehen. Gerade deshalb braucht diese Mannschaft aber einen Trainer, der sie wieder aufbaut, der die kargen spielerischen Elemente im Spiel versucht zu verbessern und der ihr ein Stück Vertrauen entgegenbringt.

Vielleicht steigen wir trotzdem ab, aber zumindest nicht so.

9. Spieltag: Zerfahren

Werder Bremen – SC Freiburg 0:0 (0:0)

In einem äußerst schwachen Fußballspiel trennen sich Werder und Freiburg 0:0. Einen zusammenhängenden Spielbericht will ich mir für dieses zerfahrene Spiel nicht aus den Fingern saugen. Stattdessen ein paar lose Beobachtungen:

  • Werders Passspiel war unterirdisch. Die (im Saisonvergleich gar nicht so schlechte) Fehlpassquote von 26% erzählt dabei nur die halbe Geschichte. Das Problem waren vielmehr die zahlreichen Pässe, die zwar beim Mitspieler ankamen, jedoch so schlecht getimt waren, dass kein flüssiges Kombinationsspiel möglich war. Insbesondere die Pässe auf die Außenbahnen wurden häufig ohne jeden Druck oder in den Rücken des Mitspielers gespielt. Obwohl Werder in dieser Saison bislang allgemein nicht mit gutem Passspiel geglänzt hat, stach das Spiel gegen Freiburg dabei noch einmal heraus.
  • Werders Offensivspiel ist nicht hoffnungslos. Es waren durchaus Ideen erkennbar, wie Werder in der Offensive spielen wollte. Das Problem ist nicht mangelnde Kreativität, sondern die Umsetzung. Die lag nicht nur am mangelhaften Passspiel, sondern auch an der noch fehlenden Feinabstimmung. Dutt lässt offensiv relativ kompliziert spielen, mit 4-5 ständig rotierenden Spielern. Das kann nur funktionieren, wenn Automatismen in Lauf- und Passwegen entstehen.
  • Freiburg verteidigt weiterhin ziemlich hoch, presst in dieser Saison aber nicht mehr so kompromisslos auf den gegnerischen Spielaufbau. Werder hatte aber (zumindest in der Theorie) die richtigen Antworten auf das Freiburger Pressing. Abkippende Sechser sind unter Dutt zur Normalität bei Werder geworden. Gegen Freiburg kippte Kroos jedoch nicht zur Seite, sondern rückte zwischen die nach außen schiebenden Innenverteidiger und spielte eine Art Libero. Die Außenverteidiger rückten hingegen weit auf in die gegnerische Hälfte und Makiadi gab den Verbindungsmann zwischen der Dreierkette und den vier rotierenden Offensivleuten. So hatte Werder im Aufbau stets eine Überzahl: Rückten die Freiburger Außenstürmer auf, war der Außenverteidiger an der Mittellinie anspielbar. Rückte einer der Sechser mit auf, ergaben sich Lücken im Mittelfeld.

Werders Spielaufbau gegen Freiburg

  • Nils Petersen ist ein denkbar schlechter Verwerter von langen Bällen. Es hat Gründe, warum Petersen bei langen Abschlägen in dieser Saison oft auf die Außenbahnen ausweicht. Dort hat er gegen die gegnerischen Außenverteidiger eine Chance im Kopfballduell. In der Mitte ist er meistens auf verlorenem Posten. Sein Timing ist schlecht und er setzt seinen Körper nicht ein (in einer Szene gestern reichte ein klitzekleiner Körperkontakt von Ginter, um Petersen meterweit am herunterkommenden Ball vorbeilaufen zu lassen). Hier erhoffe ich mir von Di Santo eine Verbesserung.
  • Defensiv war Werders Leistung ok. Freiburg ist derzeit wahrlich nicht der offensivstärkste Gegner, den man sich vorstellen kann, und dennoch bekam er einige gute Torchancen. Auf das vierte “Zu Null” sollte man sich daher nicht zu viel einbilden. Doch die Fortschritte zur letzten Saison sind deutlich sichtbar – noch nicht in jeder Phase des Spiels, aber hier befindet sich Werder auf dem richtigen Weg.
  • Bester Defensivspieler gestern: Eljero Elia.
  • Ich habe in der letzten Saison genau solche Spiele gefordert: Wenn es spielerisch nicht läuft, dann wenigstens ein 0:0 erkämpfen.
  • “Prödl ist ein Dödl.”(Zitat meines Neffen)

Die Teams unterhalb von Bayern/BVB/Leverkusen liege in der Tabelle derzeit noch so eng beisammen, dass man noch nicht abschätzen kann, ob Werder sich tatsächlich aus dem Abstiegskampf heraushalten kann. Mit einem 2:0-Sieg wäre man gestern vorübergehend auf Platz 4 vorgerückt. Die nächsten Spieltage werden die Abstände zwischen Platz 4 und 15 vermutlich etwas vergrößern. Gegen Wolfsburg, Hannover, Schalke und Mainz muss Werder dann die bisherigen Ergebnisse bestätigen und zeigen, dass man zurecht im gesicherten Mittelfeld steht.

(K)eine Standortbestimmung

Werder gegen den BVB, der amtierende Deutsche Meister gegen den Tabellenzweiten.

Auf dem Papier ein absolutes Topspiel mit dem Gast als Favorit: Götze als „Jahrhunderttalent“, Lewandowski als ehemaliger Chancentod, der plötzlich trifft, Hummels und Subotic als vielleicht bestes Innenverteidiger-Duo der letzten Saison und drum herum eine homogene Mannschaft, in der jeder für jeden läuft und kämpft.

Dem gegenüber steht die momentan beste Heimmannschaft der Saison mit dem Weserstadion als Festung und einer Mannschaft, die sich zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht durch überragende spielerische Dominanz und Fußball für die Galerie auszeichnet, sondern durch Leidenschaft, Einsatz und einen unbändigen Siegeswillen.

Wer wird gewinnen, welcher Spieler kann den Unterschied ausmachen und vor allem: Was hat das dann zu bedeuten?

Claudio Miguel Pizarro Bossio

Mittendrin in der vielleicht kämpferischsten Werder Mannschaft der letzten Jahre befindet sich mit Claudio Pizarro ein Spieler, der sich mit 33 nicht auf dem absteigenden Ast, sondern auf dem Zenit seines Könnens befindet und an guten Tagen Weltklasse verkörpert. 6 Tore und 3 Vorlagen in 7 Spielen, sowie die direkte Beteiligung an jedem der letzten 8(!) Treffer Werders sprechen hierbei Bände.

Nun ist es leider so, dass eben dieser so immens wichtige Spieler nach einer langen, kräftezehrenden Länderspielpause mit einem Jetlag und ohne eine einzige Trainingseinheit mit der Mannschaft zu eben dieser stößt und direkt derjenige ist, auf dem in Bremen die meisten Hoffnungen ruhen.

Claudio Miguel Pizarro Bossio. Dieser Name steht für Sympathie, Schlitzohrigkeit, Tore am Fließband und andauernde Gefahr im gegnerischen Strafraum. Was nun, wenn eben dieser Spieler ausfällt oder droht, nicht richtig zu funktionieren?

Wo steht Werder wirklich?

Im Vorfeld wurde viel davon geredet, dass die Partie gegen Dortmund der erste „echte Gradmesser“ der Saison sei. Eine Art „Standortbestimmung“. Klar, Werder hat alle bisherigen vier Heimspiele gewonnen aber wie hießen denn auch die Gegner? Kaiserslautern, Freiburg, Hamburg und Hertha. Allesamt keine „Topteams“, Dortmund aber schon, sagen die Einen. Sieg ist Sieg und leichte Spiele waren auch das nicht, sagen die Anderen.

Auch bei den Spielern war man sich nicht sicher. Clemens Fritz zum Beispiel sprach davon, dass dieses Spiel keine Standortbestimmung sei. Schwere Spiele seien es auch zuvor gewesen. Natürlich ist das eine Art Standortbestimmung, sagte wiederum Lukas Schmitz.

Doch was ist es denn? Kann ein Spiel gegen den amtierenden Deutschen Meister, dessen im Jahr zuvor überragende Mannschaft bis auf „Spielmacher“ Nuri Sahin und den zu Saisonbeginn verletzten Lucas Barrios – welcher mittlerweile genesen ist – zusammenblieb, wirklich der Gradmesser für eine Mannschaft sein, die im Jahr zuvor bis zuletzt gegen den Abstieg kämpfte? Für eine Mannschaft, deren Viererkette im Vergleich zum Vorjahr auf 3 Positionen verändert wurde und die darüber hinaus ihren Abwehrchef Per Mertesacker nach London verlor?

Und zu guter Letzt: Kann dieses Spiel ein Gradmesser sein für eine Mannschaft, die sich nach wie vor im Umbruch befindet und dabei sowohl auf die etatmäßige Nummer 1 im Tor – die Nummer 2 im Tor der Deutschen Nationalmannschaft – als auch auf einen bislang stark aufspielenden Marko Arnautovic im Sturm verzichten muss?

Nein. Unter diesen Voraussetzungen und zum jetzigen Zeitpunkt kann dieses Spiel in meinen Augen kein Gradmesser sein – zumindest nicht für den Verlauf der gesamten Saison.

Die Raute ist ein äußerst komplexes Spielsystem, die Anforderungen an die einzelnen Spieler enorm und das benötigte Maß an Spielintelligenz der jeweiligen Spieler hoch. Eingespieltheit ist hierbei das Stichwort, welches in meinen Augen die jetzige Werder Mannschaft davon trennt, auch spielerisch und nicht nur tabellarisch zur Spitzengruppe zu gehören. Ob man nun gegen Dortmund gewinnt oder nicht spielt für mich keine Rolle.

Vor der Saison war ich davon überzeugt, dass Werder schlecht in die Saison starten würde. Dass man zur Winterpause irgendwo im grauen Tabellenmittelfeld rumkrebsen würde, dass man erst zur Rückrunde – mit einer eingespielten Mannschaft und weiteren, punktuellen Verstärkungen – oben angreifen könne. Bislang habe ich mich geirrt – im positiven Sinne.

Was kann Werder, wenn Pizarro schwächelt?

Eine Standortbestimmung ist es demnach nicht, ein Gradmesser vielleicht. Wohl aber ist es die Möglichkeit, zu sehen, was Werder im Stande ist zu leisten, wenn Pizarro nicht in Topform ist. Egal ob er heute von Beginn an aufläuft oder nicht, er wird nicht bei 100% sein. Nach so einer belastenden Reise kann man ihm nicht die gesamte Last aufbürden. Man kann nicht erwarten, dass er wieder die Kohlen aus dem Feuer holt. Nun sind andere gefragt. Die Mannschaft muss nicht mehr nur laufen und kämpfen, sie muss auch gemeinsam Tore schießen. Womöglich ohne Pizarro.

Gelingt dies, wäre es für mich – unabhängig vom Ausgang des Spiels – die wichtigste Erkenntnis dieser Saison, denn früher oder später wird Pizarro den Verein verlassen und dann sind andere gefragt.

Ein Muntermacher zum Schluss

„Ischa Freimaak!“ Viel mehr muss nicht gesagt werden. Der Freimarkt beginnt, die Stimmung tobt, das Stadion wird im Flutlicht erstrahlen und traditionell gibt es für Dortmund in Bremen wenig zu holen – wenngleich sie zur Freimarktszeit stets deutlich erfolgreicher waren. Man kann sich alles schön reden und so vertraue ich darauf, dass sich zu den positiven Aspekten des Ferien- und Freimarktbeginns heute Abend noch ein weiterer hinzu gesellt: Ein Werder Sieg am Abend.

In dem Sinne, auf geht’s Werder, kämpfen und siegen!

Gladbach mal ganz anders

Bundesliga, 9. Spieltag: Borussia Mönchengladbach – Werder Bremen 1:4

So gewinnt man also in Gladbach. Ein schönes Gefühl, nach all den Pleiten in den letzten Jahren. Das Ergebnis ist dem Spielverlauf nach ziemlich glücklich, denn Gladbach war über weite Strecken ein ebenbürtiger Gegner. Dennoch bleibt unterm Strich ein Spiel, aus dem man viele positive Dinge mitnehmen kann. Am Dienstag wird man eine weitere Leistungssteigerung brauchen, da sollte man sich von Bayerns Ergebnissen nicht täuschen lassen.

Mehr Struktur, weniger Kontrolle

Was am Mittwoch gegen Twente mit Wesley auf der linken Seite funktionierte, funktioniert gestern auch mit Marin. Werder unterließ die ständigen Rotationen und hatte in Hunt und Marin zwei Flügelspieler, die zwar gerne mal in die Mitte zogen, insgesamt jedoch diszipliniert ihre Position hielten. Das flache Vierermittelfeld scheint vorerst Schaafs Antwort auf die Frage nach dem zentralen Spielmacher zu sein. Auch wenn ich Hunt nach wie vor für fähig halte, diese Position auszufüllen, erweist es sich momentan als praktikable Lösung.

Im Vergleich zum doch recht dürftigen Sieg gegen Freiburg überzeugte Werders Ordnung auf dem Feld. Dennoch gelang es bis zum 1:4 nicht, das Spiel nachhaltig unter Kontrolle zu bekommen. Nachdem sich Gladbach in der Anfangsphase damit begnügte, die Passwege der Innenverteidiger auf die zentralen Mittelfeldspieler zuzustellen und uns dabei über die Außen zu Angriffen einlud, wurden sie nach 20 Minuten mutiger und erspielten sich eine Viertelstunde lang fast im Minutentakt Torchancen. Werder machte gar nicht so viel falsch, doch trotzdem hatte man häufig im entscheidenden Moment das Nachsehen und konnte die Gladbacher Torschüsse nicht verhindern. In Mielitz hatte Werder jedoch – wie schon gegen Twente – einen hervorragenden Torhüter, dessen aktuelle Form fast schon etwas unheimlich ist. So gut hat Wiese in dieser Saison bislang selten gehalten.

Pizarro erneut die entscheidende Figur

Erneut war es die Aufteilung im Angriff, die Werder einen Vorteil verschaffte. Pizarro mag durch seine tiefere Position etwas an Torgefahr einbüßen, doch seine spielerische Klasse hilft unserem Mittelfeld momentan entscheidend weiter. Weder am Dienstag noch gestern war er individuell herausragend, aber seine Arbeit fürs Team ist nicht zu unterschätzen. Gladbachs Standard 4-4-2 ermöglichte es Pizarro zudem, etwas häufiger mit in die Spitze zu gehen als gegen Twente (wo er eine Überzahl deren Dreiermittelfelds verhindern musste). Das Tor war am Ende die Belohnung für seinen guten Auftritt.

Wirklich zufrieden kann man aus Bremer Sicht allerdings nur mit dem Ergebnis sein. Die Chancen, die man den Gastgebern über weite Strecken des Spiels gewährte, führen im Normalfall zu mehr als nur einem Gegentor. Über ein Unentschieden hätte man sich bei etwas anderem Spielverlauf ehrlich gesagt auch nicht beschweren können. Am Ende war Gladbach jedoch nicht mehr in der Lage, trotz bitterem Rückstands weiterhin den Druck das Tempo aufrecht zu erhalten. Das 3:0 erwies sich als Knackpunkt des Spiels, nachdem wenige Sekunden zuvor Gladbach die größte Chance des Spiels ausgelassen hatte.

Fehlersuche vor der Pokalrevanche

Das Spiel gegen Freiburg mag viele falsche Signale gesendet haben, doch das Team scheint begriffen zu haben, dass die Leistung keinesfalls in Ordnung war und hat weiter an sich gearbeitet. Auch Thomas Schaaf wirkt nun wieder glücklicher in seinen Entscheidungen, auch wenn der Verzicht auf einen Spielmacher sicher ein leichtes Magengrummeln bei ihm verursacht. Nun muss man weiter an den richtigen Stellschrauben drehen, um die Fehler aus dem Gladbachspiel abzustellen. Immerhin sind es nun nicht mehr die grundlegenden Dinge, die bei Werder nicht stimmen. Feinjustierung ist angesagt. Das Spiel am Dienstag gegen die Bayern wird zeigen, wie weit Werder damit schon ist.

Borussia Mönchengladbach – Werder Bremen (live)

3 Fragen zu Borussia Mönchengladbach

Vor jedem Bundesligaspiel gibt es in dieser Saison ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners. Vor dem 9. Spieltag hat mir Jannik, der in seinem Blog Entscheidend is auf’m Platz über Borussia Mönchengladbach schreibt, drei Fragen zu seinem Lieblingsverein beantwortet:

Auswärtsspiele in Gladbach sind für Werder seit Jahren ein rotes Tuch. Sind wir nach dem enttäuschenden Saisonstart der richtige Aufbaugegner für euch?

Mit den extrem guten Erinnerungen an Werder im Hinterkopf und eurer ja auch nicht rosigen Situation vor Augen kann man da durchaus optimistisch sein. Nur da liegt auch schon das Problem: Wann immer man als Borusse denkt, der nächste Gegner sei jetzt aber wirklich der für den Durchbruch, dann geht’s erst Recht schief. Also bleibt die Hoffnung, dass sich die gute Heimbilanz gegen Werder am Ende im Ergebnis bemerkbar macht. Denn es wird langsam Zeit für uns.

Werder und Gladbach haben die meisten Gegentore der Liga kassiert. Glaubst du, dass es ein torreiches Spiel wird? Oder ist Werders Offensive gar nicht mehr so bedrohlich, dass Raul Bobadilla einen Hattrick machen muss (für die meisten Werderfans ein realistisches Szenario), um euch die drei Punkte zu holen?

Egal wie bedrohlich eure Offensive auch ist – unsere Abwehr wird’s im Zweifelsfall schon selber richten. Deshalb halte ich zwischen einem 6:3 und einem 0:7 alles für möglich, nur kein 0:0. Beide müssen punkten und beide werden sicherlich betont selbstbewusst auftreten. Wohl auch, um die Verunsicherung zu kaschieren. Vielleicht wird’s wie in den 80ern im Pokal: Wir gewinnen 5:4, nur diesmal ohne Verlängerung. Wobei mir so ein schmutziges 1:0 auch mal richtig lieb wäre.

Wer ist eigentlich besser, Reus oder Marin?

Momentan ist die Frage ja eher, wer weniger schlecht drauf ist. Beide haben großartige Anlagen, beide werden oft verglichen, für mich zu Unrecht. Reus ist zehn bis zwölf Zentimeter größer, hat in ungefähr halb so vielen Bundesligaspielen wie Marin gleich viele Tore erzielt. Die beiden sind einfach unterschiedliche Typen, die, bezogen, auf ihre Gladbacher Zeit, nur Vorname, Frisur und Rückennummer verbindet. Obwohl er sein erstes Bundesligator nach einem 40-Meter-Solo erzielt hat, ist Reus nicht der Dribbler wie Marin. Dafür legt Marin eben mehr Treffer auf. Fest steht: Marin war damals ein absoluter Schlüsselspieler bei uns. Für Reus dürfte das auch bald gelten. Aber wer jetzt besser ist – das lässt sich objektiv nicht sagen. Ich hätte als Trainer beide gern in meiner Mannschaft.

Dein Tipp?

Wir gewinnen knapp. Ich sag’ mal 3:2.

9. Spieltag: Momentaufnahme

Werder Bremen – 1899 Hoffenheim 2:0

Mit etwas Verspätung noch ein paar Sätze zu Werders aktueller Situation. Das Spiel gegen Hoffenheim wurde ja anderorts schon aufgearbeitet, z.B. hier. Mir sind einige Parallelen zur Doublesaison 2003/04 aufgefallen: Damals wie heute stand Werder nach 9 Spielen auf Platz 4, hatte 3 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer und ein Torverhältnis von +10. Wird die Auftaktniederlage gegen Frankfurt also als das neue “Pasching” in die Geschichte eingehen? So weit ist es noch lange nicht, doch die nun 13 Spiele währende Serie ohne Nierlage ist sehr respektabel. Genau wie Tim Wieses gegentorlose Zeit – mittlerweile 619 Minuten. Man sollte solche Serien nicht zu hoch bewerten, viel entscheidender ist die insgesamt deutlich verbesserte Defensivbilanz. Daran hat Wiese mit Leistungen wie gegen Hoffenheim freilich einen großen Anteil. Auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist, mit einem Abwehrbollwerk von der Weser kann ich mich ganz gut anfreunden.

Ein wenig ausführlicher ist der Podcast, den probek gestern mit mir zusammen aufgenommen hat. Eine knappe Stunde lang haben wir uns über Werders neue Abwehrstärke, den aktuellen Kader und Thomas Schaaf unterhalten. Wer also Lust hat, mir beim Fabulieren über den SVW zuzuhören (oder einfach nur Langeweile), der klicke auf Play:

Ballpod München, Ausgabe 6 (20. Oktober 2009)