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Survival of the Fittest

Anders als häufig angenommen, bedeutet der aus der Evolutionstheorie stammende Satz in der Überschrift keinesfalls, dass sich in der natürlichen Selektion der Stärkere durchsetzt. Wäre dies der Fall, würden heute noch Dinosaurier die Erde bevölkern, während der Mensch wohl nie bis zu einer Evolutionsstufe vorgedrungen wäre, ab der er in der Lage war, sich gegen seine natürlichen Feinde mit Waffen zu behaupten. Nein, laut der Evolutionslehre überlebt derjenige, der sich am besten auf seine Umwelt einstellt, sich anpasst.

Im Fußball ist es, von einem einzigen, aus grauen Urzeiten übrig gebliebenen Dino abgesehen, ganz ähnlich. Wäre es anders, würde sich im Pokal nie der Underdog durchsetzen – ein Umstand, der die vielbesungene eigene Gesetzesmäßigkeit des Wettbewerbs aus- und letzteren angeblich so attraktiv macht.

Bremer Anpassungsschwierigkeiten

Pokal-Fight auf dem Bielefelder Acker

Ein Umstand, auf den Werder Bremen sich in Bielefeld nicht einstellen konnte, war die Qualität des Rasens, der schon vor Anpfiff eher einem Acker glich und dessen Zustand sich im Laufe des Spiels noch verschlechterte. Bereits vor dem Spiel war viel über den Platz in der Schüco-Arena gesprochen worden, der bereits seit längerer Zeit erhebliche Mängel aufweist. Folglich waren die Gastgeber besser mit dem Geläuf vertraut und wussten, wie sie darauf zu spielen haben. Werder wusste es hingegen nicht, fand es auch im Laufe des Spiels nicht heraus und schied somit sang- und klanglos und zweifelsohne verdient aus dem Pokal aus.

Nach einer unerwarteten Siegesserie und angesichts einer deutlich verbesserten Spielkultur, fällt es schwer, den Trainer zu kritisieren. Viktor Skripnik und sein Team haben seit ihrem Amtsantritt enorm viel richtig gemacht. Die Einstellung des Teams auf die Pokalpartie am Mittwoch gehört hingegen nicht dazu. Das Coaching während des Spiels ebenso wenig. Werder begann das Spiel zwar durchaus ansprechend, wusste mit den abwartenden Bielefeldern aber nicht viel anzufangen. Man setzte auf eine tiefe Ballzirkulation, die Sicherheit bringen sollte und zu viel Ballbesitz führte – ein Umstand, der in Werders Bundesligaspielen nur selten vorkommt. In der Anfangsphase konnte Werder mit gutem und hohem Pressing noch einige Torchancen herausspielen, doch mit der Zeit kam es immer seltener dazu. Bielefeld verzichtete schon bald auf kontrolliertes Aufbauspiel und verlegte sich seinerseits darauf, gegen Werders weit aufgerückte Abwehr zu kontern.

Kopfschmerzen in der Defensive

Ab Mitte der ersten Halbzeit wurden die daraus resultierenden Angriffe immer gefährlicher. Werder geriet defensiv ins Schwimmen und verlor zu viele Bälle im Aufbauspiel. Vorläufiger Höhepunkt war ein abstruser Fehlpass von Prödl, nachdem ihn ein riskantes Anspiel von Casteels unter Druck gesetzt hatte. Den Bielefelder Angriff nach dem Ballverlust verteidigte Werder dann wie in seligen Zeiten unter Thomas Schaaf: Bevor die Situation abgehakt war, blieben Vestergaard und Garcia stehen, hoben den Arm und kamen dann bei der Hereingabe zu spät. Nach der Führung konnte sich Bielefeld noch mehr auf einen Stil der Risikovermeidung mit vielen langen Bällen verlegen. Werder hingegen versuchte es weiterhin mit Kurzpassspiel im Aufbau, initiiert von Kroos, der häufig zwischen die Innenverteidiger kippte. Personell war Werder mit Bartels auf der 10 sowie Fritz und Junuzovic auf den Halbpositionen jedoch nicht unbedingt auf Ballbesitzfußball ausgerichtet. Der schlechter werdende Platz tat sein Übriges, um Werders Offensivspiel nun lahmzulegen.

Defensiv war erneut zu beobachten, dass Prödl und Vestergaard ein unpassendes Paar in der Innenverteidigung abgeben. Das hat auch, aber nicht nur spielerische Gründe. Prödls Selbstverständnis als Abwehrchef macht es schwierig, ihn in die neue Hierarchie in der Bremer Abwehrkette zu integrieren. Vestergaard versuchte in der Anfangsphase häufiger, die Viererkette zu dirigieren. Im Laufe des Spiels nahm dies meiner Einschätzung nach ab. Wie schon gegen Wolfsburg wurde man das Gefühl nicht los, dass die Abstimmung und somit auch die gegenseitige Absicherung bei den Beiden nicht stimmten. Garcia brachte sich mit einer vermeidbaren, frühen gelben Karte dazu selbst in Bedrängnis und zwang Skripnik zu einer ungeplanten Auswechslung. Insgesamt wird die linke Seite wieder mehr zur Problemzone (die schwache Absicherung durch Junuzovic ist hier auch im Vergleich zu Fritz auf der rechten Seite auffällig). Da nun auch die Innenverteidigung schwächelt, ist Werder defensiv wieder das wackelige Gebilde, das man aus den letzten Jahren noch gewohnt ist. Man fragt sich auch, was es über die Trainingsleistungen von Luca Caldirola aussagt, dass er trotzdem keine Einsätze bekommt.

Ein Hoch auf hohe Bälle?

In der Nachbetrachtung des Spiels fällt die Analyse leicht, doch auch während der Partie stellte sich die Frage, warum Werder sich den Gegebenheiten nicht besser anpassen konnte. Spätestens in der zweiten Hälfte hätte man das Kurzpassspiel aufgeben müssen. Mit Selke und Di Santo hatte man Anspielstationen für hohe Bälle. Bartels und Junuzovic hätten sich auf die Sicherung bzw. Eroberung der zweiten Bälle konzentrieren können. Stattdessen spielte Werder nur 17% lange Bälle (Bielefelds Quote lag bei 33%) und gefühlt kamen die meisten davon von Prödl, der auch bei besseren Platzverhältnissen kaum anders spielt. Nicht ganz zufällig fiel Werders einziges Tor jedoch nach einem von Di Santo festgemachten hohen Ball des Österreichers.

Nun bin ich generell kein Freund des Hoch-und-Weit-Fußballs, den Werder unter Skripniks Vorgänger lange Zeit gespielt hat. In diesem Spiel wäre ein einfacher Stil jedoch angebracht gewesen, um die mit dem schlechten Rasen verbundenen Risiken zu minimieren. Einfaches Spiel heißt bei Werder dieser Tage Konterspiel, und das ließ Bielefeld gerade nach der Führung nicht mehr zu. Erst in der Schlussphase des Spiels spielte Werder vermehrt lange Bälle, ohne jedoch die Rückräume adäquat zu besetzen. Auch abgesehen davon stellte sich Werder taktisch nicht gerade schlau an. Fritz und Junuzovic liefen zwar viel, aber oft auch kopflos. Kroos wurde im Zentrum zu häufig allein gelassen und verfügt bekanntlich nicht über die Zweikampfstärke und die weiträumige Präsenz Bargfredes. Dem Bielefelder Konterspiel kam dies sehr entgegen.

In Freiburg gegen die Serie

Auch im vierten Jahr in Folge ist Werder somit gegen ein unterklassiges Team aus dem Pokal ausgeschieden, wenn auch diesmal erst in der dritten Runde (der letzte Sieg gegen einen Bundesligisten im Pokal war vor über fünf Jahren gegen Hoffenheim). Durfte man nach der Niederlage gegen Wolfsburg noch hoffen, dass das Selbstvertrauen der Mannschaft keinen Knacks bekäme, muss man nach dem Pokalaus in Bielefeld ganz sicher befürchten, dass dieser Spuren hinterlässt. In Freiburg steht für Werder nun plötzlich eine ganze Menge auf dem Spiel. Zwar ist das Punktepolster nach unten groß genug, um nicht so schnell wieder in den Abstiegskampf zu rutschen, doch mental pendelt man derzeit irgendwo zwischen „Mannschaft der Stunde“ und „Pokalversager“. Da nach dem Freiburg-Spiel die Bayern zu Besuch kommen, könnte das Pendel schnell in die falsche Richtung schwingen und Werder im blödesten Fall zu einer seit fünf Spielen sieglosen Mannschaft werden.

Freiburg ist in dieser Rückrunde spielerisch so schwach, wie wohl noch nie unter Streichs Regie. Personell ist Werder in dieser Partie eindeutig im Vorteil (zumal Bargfrede wieder fit ist) und die Ausgangslage kommt Werder wieder weitaus besser entgegen als im Pokal. Freiburg braucht die Punkte rein tabellarisch dringender und versucht sich immer noch an einem sehr gepflegten, wenn auch nicht unbedingt auf Ballbesitz ausgelegten Stil. Werder kann reaktiver spielen als gegen Bielefeld, sich mehr auf Pressing und Umschaltspiel verlassen. Bekommt man die Abstimmungsprobleme zwischen den Innenverteidigern und die eigenen Nerven in den Griff, sollte durchaus ein Sieg drin sein. In jedem Fall ist die Zeit des Träumens in Bremen vorerst vorbei. Nach der unerwarteten Hochphase gilt es nun wieder, die Pflichtaufgaben zu erfüllen. Freiburg ist eine davon.

18. Spieltag: Pflanzenkunde für Klugscheißer

Werder Bremen – Arminia Bielefeld 1:2.

Man sagt, man solle tief durchatmen und langsam bis 10 zählen, damit sich die Wut legt. Nun sind mehr als 24 Stunden vergangen und ich fühle mich kein bisschen besser, möchte noch immer einen bitterbösen Beitrag über die Stümperei dieser Rumpeltruppe hinrotzen, statt konstruktiv Kritik zu üben. Vielleicht hilft es ja zum Einstieg, die Fakten einfach so nüchtern wie möglich zu nennen: Mit einer Niederlage gegen die Mannschaft aus der Stadt, die es nicht gibt startet Werder also in die Rückrunde.

Das zarte Pflänzchen Hoffnung, das nach dem Sieg im Pokal gegen Dortmund aufkeimte und an das man sich als Werderfan in den letzten Tagen klammern konnte, ist damit verwelkt bevor es erblühen konnte.

Doch nun genug der blumigen Ausdrucksweise. Werder bestritt dieses Spiel bedingt durch Rotsperren, Spielertransfers und Verletzungen/Erkrankungen mit einer Notelf.  An zwei dieser drei Probleme sind Mannschaft bzw. Vereinsführung selbst Schuld, doch selbst wenn nicht wäre dies keinerlei Erklärung oder gar Entschuldigung, für den Mangel an Einsatz, Laufbereitschaft und Teamgeist, den die Herren in den grünweißen Trikots da gestern über 90 Minuten vorführten. Von der spielerischen Klasse her, müsste auch die gestrige Elf gegen Bielefeld mehr als nur mithalten können.

Es kann dafür eigentlich nur zwei Erklärungen geben: Entweder es fehlt in der Mannschaft der unbedingte Wille zum Erfolg oder die Spieler können diesen Willen einfach nicht auf den Fußballplatz übertragen. Ich weiß nicht, was schlimmer wäre. In jedem Fall handelt es sich um ein Einstellungsproblem.

Es ist selbst für Trainer und Betreuer schwer zu beurteilen, was in den Köpfen der Spieler vorgeht. Mentaltrainer und Mannschaftspsychologen sind heute in der Bundesliga Gang und Gäbe. Sie können aber nur bedingt auf die Spieler einwirken und sind letztendlich vor allem vom deren Willen abhängig, sich um Hilfe zu bemühen und diese dann auch anzunehmen.

In Fußballerkreisen ist der Zusammenhang zwischen Psychologie und Leistung immer noch nicht so ganz verstanden worden. Vielfach gilt noch die Auffassung: Die müssen einfach nur mehr rennen. Dabei können die Gründe (und demnach auch die geeigneten Maßnahmen, ihnen entgegen zu wirken) für schwache Leistungen sehr vielfältig sein. Der eine braucht vielleicht einen Tritt in den Hintern, der andere mehr Zuspruch von Trainern und Kollegen und der Dritte benötigt Hilfe beim Umgang mit seiner Nervosität in 1 gegen 1 Situationen.

Kurzum: Es ist unmöglich, aus der Entfernung zu sagen, was Werder verändern muss, um in Zukunft wieder erfolgreicher zu werden. Als Fan bleibt einem nur das, was man sowieso am liebsten tut: Spekulieren und Klugscheißern. Der Trainerstab muss jedoch die Antworten auf diese Fragen finden. Bislang hat Thomas Schaaf meist bewiesen, dass er das kann. Doch auch wenn er derzeit nicht akut um seinen Job fürchten muss, wird er letztendlich von der Vereinsführung an den Ergebnissen gemessen und nicht an deren Ursachen.

18. Spieltag: Spielbericht

Vor dem Anpfiff:

Dann wolln wir doch mal schauen, ob Werder
sich heute auf Platz 7 vorschieben kann. Mit nem Sieg wär man schon
wieder dick im Geschäft.
Damit meine ich die UEFA-Cup Plätze, an mehr will ich erstmal nicht denken. Laut Kicker spielt Werder mit einer Spitze
und Jensen als 5. Mittelfeldspieler. Bei Bundesliga.de steht Rosi neben
Hugo in der Startelf.

Premiere löst auf: Rosenberg spielt von Anfang an. Niemeyer in der Innenverteidigung (was keine Überraschung mehr war).

Aufstellungen:

Werder: Wiese-Fritz,Merte,Niemeyer,Tosic-Frings,Tziolis,Vranjes,Özil-Almeida,Rosenberg

Bielefeld: Eilhoff-Lamey,Mijatovic,Bollmann,Kucera-Kirch,Kauf,Marx,Munteanu-Katongo,Wichniarek

Das Spiel:

1' Gäste bewirten, Live-Twittern und dabei auch noch das Spiel gucken – nicht einfach. Und es geht los.

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