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Asymmetrie vs. Stabilität

Bundesliga, 6. Spieltag: Werder Bremen – Hamburger SV 3:2

Auf Struktur und Sicherheit hatte ich vor dem Spiel gehofft. Eine statischere Formation zugunsten mehr Stabilität. Bekommen haben wir von Thomas Schaaf das exakte Gegenteil. Ein etwas krummes 4-4-2, das irgendwo zwischen flacher Vier und Raute im Mittelfeld schwankte, gegen das Hamburger 4-2-3-1. Zum Glück hatte HSV-Trainer Armin Veh ein unglückliches Händchen bei der Zusammenstellung seiner Startelf. Das Offensivtrio Choupo-Moting – Elia – Jansen hat überhaupt nicht funktioniert und somit alle Stärken des Systems negiert. In der ersten Halbzeit war der HSV eigentlich nur dann gefährlich, wenn sich Linksverteidiger Ze Roberto mit ins Mittelfeld einschaltete.

Bei Werder kam eine wichtige Konstante zurück ins Spiel, nämlich ein starker Torsten Frings als Abräumer vor der Abwehr. Vielleicht brauchte es ein solches Spiel, um eine Topleistung aus ihm herauszuholen. Sehr wichtig, dass er bei der beweglichen, aber eben auch instabilen Mittelfeldformation den Abstand zur Viererkette gering hielt und sich auf seine eigentliche Rolle beschränkte. Wesley gab einen verkappten Nebenmann für Frings, der aber eigentlich überall anzutreffen war und die rechte Mittelfeldseite dabei gelegentlich vernachlässigte (was Ze Roberto gut ausnutzte). Marin wurde von Schaaf endlich nicht mehr mit der Spielgestaltung in der Mitte beauftrag, sondern konnte sein Spiel über den Flügel aufziehen, während Hunt das Zentrum übernahm. Ich konnte das gesamte Spiel über kein “klassisches” System dabei erkennen. Ich würde die Formation in etwa so darstellen:

Flaches 4-4-2 oder Raute? Nur Frings hat eine feste Position: Wesley pendelt zwischen der rechten Seite und der zweiten Sechserposition, Marin gibt einen linken Flügelspieler, Hunt ist als Spielmacher nur selten wirklich im Zentrum.

Schlüssel zum Erfolg dieses Systems war (neben Vehs Aufstellungsfehlern) die unglaubliche Laufstärke von Wesley. In der zweiten Hälfte half ihm dies auf der Rechtsverteidigerposition, wo er vor allem im Spiel nach vorne einen starken Eindruck hinterließ. Defensiv wurde er wenig geprüft, da der HSV zunehmend die linke Bremer Seite als Schwachstelle ausmachte. Der eingewechselte Pitroipa konnte sich dort einige Male gefährlich durchsetzen und wenn van Nistelrooy etwas kaltschnäuziger gewesen wäre, hätte Werder vermutlich nicht alle drei Punkte aus dem Spiel mitgenommen.

Auch wenn die Hamburger mich insgesamt enttäuschten, sollte man nach den schwachen letzten Spielen die positiven Aspekte in Werders Spiel hervorheben. Die Rückkehr von Pizarro war immens wichtig. Auch wenn er noch nicht wieder vollständig fit ist, reicht allein seine Präsenz, um seine Mitspieler aufzuwerten. Auch Mertesacker konnte bei seiner Rückkehr überzeugen und sorgte für eine Verbesserung in der Spieleröffnung. Endlich wieder vertikales Spiel hinten heraus, statt jeden Ball auf die Außenverteidiger abzuladen! Die starke kämpferische Leistung der Mannschaft war wohl vor allem dem Nordderby geschuldet, doch sie macht Mut für das Auswärtsspiel bei Inter Mailand.

Der erste Schritt aus der Krise ist getan. Das Wie ist dabei weniger wichtig. Gestern zumindest zogen alle an einem Strang und das allein ist schon viel wert. Mich würde allerdings interessieren, ob die asymmetrische Formation den Vorgaben von Schaaf entsprach, oder ob sie ein Zufallsprodukt der eigenwilligen Raumaufteilung von Marin und Wesley war. Die nächsten Spiele werden darüber Aufschluss geben.