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Stabilisierung oder freier Fall?

Bayer Leverkusen – Werder Bremen 1:0

Eine erwartbare Niederlage steht einer klaren Leistungssteigerung im Vergleich zum Spiel gegen Wolfsburg gegenüber. Erst das Spiel gegen Hoffenheim entscheidet darüber, ob dies ein Muster ohne Wert bleibt. Die Konkurrenz kommt unterdessen bedrohlich nahe an Werder heran.

Asymmetrie und verbesserte Defensive

Durch den Ausfall von Kevin De Bruyne sowie die Suspendierung von Arnautovic und Elia hatte Thomas Schaaf einige personelle wie taktische Nüsse zu knacken. Letztlich entschied er sich für Spieler, die sonst eher eine Nebenrolle spielen, um die personellen Lücken zu füllen. Yildirim durfte auf dem rechten Flügel ran, während Kroos als zweiter Sechser neben Bargfrede spielen durfte. Clemens Fritz half hinten rechts in der Viererkette aus. Taktisch entschied sich Schaaf für ein asymmetrisches 4-2-3-1, das gegen den Ball eher ein 4-3-2-1 war – ein windschiefer Tannenbaum sozusagen. Yildirim spielte auf der rechten Seite eher hoch und presste auf den im Spielaufbau abkippenden Simon Rolfes. Den aufrückenden Linksverteidiger Kadlec ließ er dabei in seinem Rücken laufen. Da Andre Schürrle vom linken Flügel meistens weit einrückt, überließ man ihn einem der Sechser bzw. situativ einem Innenverteidiger, während sich Fritz um Kadlec Vorstöße kümmerte. Auf der anderen Seite ging Junuzovic  dagegen weit mit zurück und spielte mannorientiert gegen Rechtsverteidiger Carvajal. Überhaupt war eine hohe Mannorientierung zu erkennen bei Werder. So agierte Junuzovic nicht selten auf einer Höhe mit der Viererkette, während Ignjovski weit mit herausrückte, wenn sich Sidney Sam etwas fallen ließ. Mit dieser Taktik kam Leverkusen in der ersten Halbzeit nicht gut klar und konnte so von Werder mit einer disziplinierten Leistung weitgehend neutralisiert werden.

Dennoch ging Werder mit einem Rückstand in die Pause. Der Elfmeterpfiff sorgte für viel Entrüstung auf und neben dem Platz, entsprach aber den Regeln, da sich der Ball zum Zeitpunkt des Foulspiels noch im Spiel befand. Allerdings muss man sagen, dass hier Vergehen und Strafe in keinem angemessenen Verhältnis standen, was man jedoch der Elfmeterregel selbst und nicht Schiedsrichter Aytekin zuschreiben sollte. Auch die verzögerte Entscheidung ist nicht wirklich zu kritisieren. Vor einigen Wochen wurde Wolfgang Stark noch überschwänglich dafür gelobt, dass er Gladbachs Tor nach ausführlicher Rücksprache mit seinem Linienrichter annullierte. In diesem Fall kümmerte sich Aytekin zuerst um die beiden am Boden liegenden Spieler, bevor er sich mit seinem Linienrichter besprach. Ärgerlich war vielmehr, dass letzterer die Abseitsstellung von Sam direkt vor der Elfmeterszene übersehen hatte.

Leverkusener Anpassungen, Bremer Brechstange

Nach der Pause stellte sich Leverkusen besser auf Werders Defensivtaktik ein, riss häufiger Löcher in den Abwehrverbund und kam so zu einer größeren Anzahl an Torchancen. Werder tat sich schwer damit, sich zu befreien und verlor die Bälle im zweiten Spielfelddrittel viel zu schnell, um selbst gefährliche Konter zu starten. So konnte Bayer das Spiel in Werders Hälfte kontrollieren, ohne großes Risiko eingehen zu müssen. Schaaf reagierte auf die schwächste Phase seines Teams mit einem offensiven Wechsel. Für Felix Kroos kam Johannes Wurtz ins Spiel und somit zu seinem ersten Bundesligaeinsatz. Hunt rückte eine Reihe nach hinten neben Bargfrede. In der Folge wurde Werder offensiv präsenter, während sich Leverkusen etwas zurückzog. Die größte Chance entsprang einem Leverkusener Fehler im Aufbauspiel, den Junuzovic gut antizipierte. Dann traf er leider die falsche Entscheidung, legte sich den Ball schlecht vor, so dass er von Leno leicht entschärft werden konnte.

Angekommene Pässe 46. - 65. Minute

Angekommene Pässe zwischen der 46. und 65. Minute. Werder kam kaum einmal aus der eigenen Hälfte heraus. Quelle: bundesliga.de

In der Schlussphase versuchte es Werder mit der Brechstange, brachte mit Akpala einen weiteren Stürmer und schickte zudem Innenverteidiger Prödl mit in die Spitze. Für die letzten fünf Minuten wurde mit Lukas Schmitz noch ein Spieler eingewechselt, der von der linken Seite für Flanken in den Strafraum sorgen sollte. Das Spiel wurde jedoch immer hektischer und präzise Bälle in die Spitze waren kaum möglich. Am Ende brachte Leverkusen den Vorsprung recht souverän über die Zeit. Auch wenn Bayer eine Halbzeit lang kaum ein Mittel gegen Werders Defensive fand, geht der Sieg letztlich in Ordnung. Eine 20-minütige Phase der Dominanz genügte, um Werder den Glauben an die Chance zu nehmen, auf spielerischem Wege noch zu einem Punkt zu kommen. Die Brechstange als letztes Mittel funktioniert bei Werder ohne die Naldos, Pizarros, Mertesackers und Almeidas früherer Jahre kaum noch. Die Chance auf den Lucky Punch vergab Junuzovic (wenn man es gut mit ihm meint: unglücklich; wenn nicht: kläglich).

Was tun mit den Problemfällen?

Normalerweise schreibe ich in den letzten Jahren nur ungern über das, was neben dem Platz passiert und nichts mit Fußball zu tun hat. Im Fall von Arnautovic und Elia ist das jedoch anders. Mit ihrem nächtlichen Rennen auf der Autobahn haben sie dem Verein immens geschadet. Ohne die Aktion verharmlosen zu wollen: Es gibt an sich weitaus schlimmere Dinge, die sich ehemalige und aktuelle Bundesligaspieler schon geleistet haben. Zu einem anderen Zeitpunkt, unter anderen Voraussetzungen hätte man hier von einer Suspendierung absehen können. Wer sich jedoch in Werders aktueller Situation, mitten im Abstiegskampf, 36 Stunden vor dem Spiel so verantwortungslos verhält, der hat absolut nicht verstanden, worum es derzeit geht. Wer seine Fans, seinen Verein, seinen Trainer und seine Mannschaftskollegen so im Stich lässt, der gehört ganz sicher nicht in diese Mannschaft und in diesen Verein. Mit Marko Arnautovic hat man hier sehr viel Geduld gehabt, ihn immer wieder (teils auch zurecht) in Schutz genommen und ihm neue Chancen gegeben. Letzte Woche hat er gezeigt, dass sich dieses Vertrauen nicht ausgezahlt hat. Bei Eljero Elia war die Skepsis bei der Verpflichtung aufgrund seiner Vorgeschichte berechtigt. Beide Spieler sind bis zum Ende der Saison suspendiert. Bei allem fußballerischen Talent möchte solche Spieler nicht mehr im Werdertrikot sehen.

Zu guter Letzt noch ein Wort zum Trainer, den ich in den letzten 12 Monaten häufig kritisiert habe: Sein Krisenmanagement in der letzten Woche hat mir gefallen. Er hat die Mannschaft unter Berücksichtigung der Gesamtsituation gut auf Leverkusen eingestellt, personell nachvollziehbare Entscheidungen getroffen und sich unter dem für Bremer Verhältnisse ungewohnt hohen Druck behauptet. Auch wenn das nichts an meiner generellen Meinung zur Trainerfrage ändert, bleibe ich daher der Meinung, dass eine Entlassung vorerst nicht sinnvoll wäre. Gegen Hoffenheim gibt es jedoch keine Ausreden mehr für die Beteiligten. Dieses Spiel muss unbedingt gewonnen werden, wenn man zumindest das Thema direkter Abstieg zu den Akten legen will. Wenn sich das Team nach der akzeptablen Leistung gegen Leverkusen schon wieder im Aufwind sieht, könnte es gegen Hoffenheim unsanft wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden. Fällt das Team in diesem wichtigen Spiel zurück in die Lethargie des Wolfsburg-Spiels, werden sich die Verantwortlichen wohl doch noch zum Handeln gezwungen sehen.

Die Mauer muss weg!

Bundesliga, 7. Spieltag: Bayer Leverkusen – Werder Bremen 2:2

Die Mauer muss weg. Aus unseren Köpfen. Hieß es immer so schön in den Jahren nach der Wiedervereinigung. Diese wurde am Wochenende in Bremen groß gefeiert, mit Ländermeile am Hafen, Nena und – wie es ebenfalls so schön heißt – Gästen aus aller Welt. Es wurde aber auch Fußball gespielt. Nicht in Bremen sondern in Leverkusen, wo ebenfalls viel los war. Soviel sogar, dass das Spiel zwischen Bayer und Werder mit 15 Minuten Verspätung angepfiffen wurde.

Die Mauer in den Köpfen unserer Spieler muss ebenfalls weg, nach den Pleiten gegen Mainz, Hannover und Inter. Die Mannschaft geht jedoch nicht nur mental auf dem Zahnfleisch sondern auch personell. Neben den Verletzten Naldo, Vander, Frings, Pizarro und Fritz hatten sich vor dem Spiel auch noch Borowski und Wagner eingereiht. Mit nur 16 Spielern trat Werder daher die Reise nach Leverkusen an, darunter mit Ayik und Balogun zwei Nachwuchsleute aus der U23. Umso erfreulicher war das, was Werder auf dem Platz ablieferte. Es war keine Topleistung, doch ein deutlich erkennbarer Fortschritt zu den letzten Bundesligaspielen (das Spiel gegen Inter kann kein Maßstab sein). Das erinnerte über weite Strecken schon sehr an das “alte” Werder, das wir alle so sehr vermissen.

Allerdings ist auch das alte Werder defensiv anfällig gewesen und so war es nicht weiter verwunderlich, dass eine spielstarke Mannschaft wie Leverkusen einige gute Torchancen bekam. Eine von ihnen nutzte Helmes in der 1. Halbzeit zur Führung. Nachdem die Bremer Abseitsfalle mal wieder nur sich selbst geschnappt hatte, lief Helmes alleine aufs Tor von Tim Wiese zu, der sich in dieser Situation nicht sonderlich geschickt anstellte und früh aufs kurze Eck spekulierte. Helmes konnte den Ball an ihm vorbei in die Mitte des Tores schieben. Ansonsten war Wiese jedoch die gewohnte Mauer hinter der gewohnt löchrigen Defensivabteilung. Hier könnte man es meiner Meinung nach ruhig einmal mit der Band Fotos halten und eine Mauer bauen. Darauf warten wir bekanntlich schon seit Jahren vergeblich. Beim späten Ausgleichstreffer hätte wohl auch eine gefestigtere Abwehr nicht viel ausrichten können. Zwar hoffte man irgendwie auf ein Foul oder etwas mehr Geschmeidigkeit bei Mertesacker, der zuvor einige Male in höchster Not gerettet hatte, doch in erster Linie war das eine tolle Einzelaktion von Derdiyok.

Zumindest in der Offensive lief das Bremer Spiel einigermaßen flüssig und so kam auch Werder immer wieder zu gefährlichen Torchancen. Der Unterschied in der ersten Hälfte bestand lediglich darin, dass Bayer eine der sich bietenden Chancen nutzte, während Werder dies nicht tat. Der Unterschied bestand auch darin, dass Helmes alleine aufs Tor zulaufen durfte, während Jensen alleine vor Adlers Kasten zu unrecht wegen Abseits zurückgepfiffen wurde. Zum Glück kam Werder nicht in die Verlegenheit, sich später auf solche Ausreden berufen zu müssen. In der zweiten Hälfte kam Almeida für Bargfrede ins Spiel und Werder bot trotz nur einer nominellen Spitze eine der offensivsten Mannschaften auf, an die ich mich erinnern kann. Hinter Almeida und den drei offensiven Mittelfeldspielern sicherten mit Jensen und Wesley zwei technisch versierte und kombinationsstarke Spieler ab. Sie machten ihre Sache dabei eigentlich ganz gut, auch wenn Jensen noch etwas Zeit braucht, um zurück zu seiner Topform zu finden. Sein Aufbauspiel ist gerade im Vergleich zu Frings jetzt schon eine Steigerung. Vom Lutscher braucht es mehr Leistungen wie zuletzt gegen den HSV, um seine unumstrittene Position im Mittelfeld wieder zu untermauern.

Was Hugo Almeida von Mauern hält, zeigte er bei seinem Treffer zum 1:1 deutlich: Er umgeht sie. Den Freistoß einfach ein paar Meter nach links gespielt und schon hämmerte er den Ball vorbei an den verdutzten Leverkusenern in die Maschen. Auch beim zweiten Tor – für mich das schönste der bisherigen Werdersaison – spielte er eine entscheidende Rolle. Seine Kopfballverlängerung auf Aaron Hunt war große Klasse, diese Effektivität würde ich von ihm gerne häufiger sehen. Was Hunt dann aus der Gelegenheit machte war genial. Ein Pass mit dem linken Außenrist, perfekt durch die Lücke gespielt und auf den Fuß von Marko Marin, der vollstreckte und sich feiern lassen durfte. Die Verarbeitung der Flanke war stark, doch ansonsten gehörte Marin für mich zu den schwächsten Bremern. Viel zu häufig suchte er das direkte Duell und dribbelte sich fest, statt den einfachen Pass zum besser postierten Nebenmann zu spielen. Damit macht er sein Spiel, das eigentlich von der Unberechenbarkeit lebt, zu berechenbar und ist zu sehr auf den einen genialen Moment angewiesen.

Wenn wir Werder als ein Team in der Findungsphase begreifen (und nichts anderes sollte man derzeit tun), dann war das Spiel gegen Leverkusen ein Fortschritt. Trotz vieler verletzter Spieler stand eine konkurrenzfähige Mannschaft auf dem Platz. Das Puzzle, um die Metapher des Kollegen Johan Petersen aufzunehmen, nimmt langsam Formen an. Die Teile passen zwar noch längst nicht alle zusammen, aber es wird endlich in Umrissen ein Gesamtbild erkennbar. Nach der Länderspielpause darf weitergepuzzlet werden.

27. Spieltag: Viva la Revolución?

Bayer Leverkusen – Werder Bremen 1:1

Es war das Thema nach dem 1:1 gegen Bayer Leverkusen: Thomas Schaaf hat die "flache 4" im Mittelfeld für sich entdeckt. Wie Werder nach Diegos Ausfall in Leverkusen auflief, deuteten viele Beobachter als richtungsweisend für die nächste Saison. Sollte Diego uns verlassen, woran wohl kaum jemand zweifelt, könne Werder die Chance nutzen, und sich endlich vom altmodischen Rautensystem trennen.

Ich habe schon mehrfach betont, dass ich das Rautensystem absolut nicht für altmodisch halte. Die Mehrzahl der Vereine hat heutzutage keinen klassischen Spielmacher mehr, was als Argument gegen die Raute angesehen wird. Wenn man ehrlich ist, dann ist auch Diego kein klassischer Spielmacher. Im Gegensatz zu etwa Johan Micoud ist er 25 Meter vor dem Tor am gefährlichsten. Diego ist kein Stratege, der das Spiel aus der Tiefe des Raums steuert. Wann immer er in diese Rolle gedrängt wird, verhaspelt sich Diego in uneffektive Dribblings und kraftraubende Zweikämpfe mit dem gegnerischen Mittelfeld. Deshalb hängt Diegos Leistung nicht unwesentlich von der Unterstützung seiner direkten Hintermänner ab.

Torsten Frings war lange Werders Mittelfeldmotor, der Diego von diesen ungeliebten Aufgaben den Rücken freihielt. Letzte Saison, während Frings langer Verletzung, übernahm Daniel Jensen diese Rolle. In dieser Saison hat es hieran lange gehakt. In der Rückrunde zeigte sich nun, wie es gehen kann: Frings spielt nun meistens zentral vor der Abwehr, wo er aufräumen kann. Dadurch ist er im Offensivspiel jedoch weniger präsent als früher. Auf Frings ehemaliger Position, rechts in der Raute, wechseln sich Tzilois und Niemeyer ab. Beide füllen diese Position als solide Arbeiter aus, ohne spielerisch die großen Impulse zu geben, wie etwa Özil auf der Gegenseite.

So hat sich die Raute seit Saisonbeginn deutlich verschoben: Özil spielt links auf einer Höhe mit Diego, während Tziolis/Niemeyer fast auf einer Höhe mit Frings spielen. Eine schiefe Raute, sozusagen. Der Schritt zum Sonntag angewandten System war gleich aus mehreren Gründen naheliegend: Erstens ist Özil noch weniger ein klassischer Spielmacher als Diego. Zweitens ist mit Jensen der Spieler verletzt, der Özil wirklich dabei unterstützen könnte. Drittens fühlen sich sowohl Hunt als auch Özil auf den Außenpositionen besser aufgehoben als in der Mitte. Und viertens tendieren beide eher nach links, so dass Werders Spiel sehr ausrechenbar wäre.

Obwohl ich die Umstellung also richtig fand, muss ich dennoch zwei Dinge betonen: Weder die "flache Vier" noch die "Doppelsechs" sind Erfindungen der letzten Jahre. Besonders in Italien wird schon seit den 80ern so gespielt. Wirklich moderner ist das System also nicht, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Und die Aufregung über die geglückte Jungfernfahrt dieses Systems kann ich auch nicht ganz nachvollziehen. Ein schnödes 4-4-2 ist das kleine Einmaleins im Fußball, das nun wirklich jeder A-Jugendliche draufhaben sollte. Es ist ja nicht so, dass Werder mit der Raute gespielt hat, weil man nichts anderes konnte.

Ob es wirklich eine "Taktikrevolution" gibt, wird sich erst in der nächsten Saison zeigen. Es hängt vor allem davon ab, wen Werder nach Diegos Weggang für das Mittelfeld verpflichtet – oder Diego am Ende doch noch bleibt. Es ist sicher gut, verschiedene Systeme zur Auswahl zu haben. In der letzten Sommerpause experimentierte man auch fleißig mit einem 4-3-3. Wichtig ist für Werder in erster Linie, dass die Flexibilität im Angriffsspiel nicht verloren geht. Ein statisches 4-4-2 kann die Kreativspieler auf den Außenpositionen leicht isolieren. Doch ich hoffe und glaube, dass Thomas Schaaf das zu verhindern wissen wird.

27. Spieltag: Spielbericht

Bayer Leverkusen – Werder Bremen

(Erstellt aus meinem Live-Blog bei Twitter.)

Vor dem Anpfiff:

Zurück aus Hamburg.
Fühle mich weder körperlich noch geistig in der Verfassung für ein
Fußballspiel, werde aber trotzdem live Twittern.

So, denn woll' mer mal. Werder spielt heute in Leverkusen um Punkte und einen möglichen zweiten Saisonauswärtssieg. Diegos Ausfall
dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. "Muskuläre Probleme"
klingt sehr nach Vorsichtsmaßnahme, obwohl Schaaf das verneint.
So geht es mit
den jungen Özil und Hunt im offensiven, sowie den alten Baumann und
Frings im defensiven Mittelfeld los. Sonst keine Wechsel.
Mal sehen welche
Serie stärker ist: Leverkusens Fremdeln in Düsseldorf oder Werders
notorische Auswärtsschwäche in der Bundesliga.

Wer auch an der Sicht der Gegenseite interessiert ist, sollte im Liveblog von @grupetto bei catenaccio vorbeischauen http://tr.im/iFxK

Aufstellungen:

Leverkusen: Adler – Henrique, Friedrich, Sinkiewicz, Kadlec – Rolfes – Kroos, Zdebel, Barnetta – Helmes, Kießling

Werder: Wiese – Fritz, Merte, Naldo, Boenisch – Baumann, Frings, Hunt, Özil – Pizarro, Almeida

Das Spiel:

1' Und los geht es.

2' Riesenchance
als Zufallsprodukt: Pizarro blockt einen Klärungsversuch der
Bayer-Abwehr und zwingt Adler zu einer guten Parade. Aston Villa und Everton trennen sich übrigens 3:3. Damit dürfte das Rennen um Platz 4 in der Premier League entschieden sein.

6' Werder beginnt stark, kann Leverkusens Angriffe früh unterbinden und spielt schnell nach vorne.

8' Wasserziehr redet Unsinn: Rolfes stand nicht in Frings Schatten, weil die beiden nie zusammen gespielt haben!

11' Leverkusen – Werder 1:0, Barnetta. Leverkusen wird besser, kombiniert jetzt stärker und macht das 1:0! Klassetor des Schweizers! Trockener und unhaltbarer Schuss in den linken oberen Winkel.

15' Ausgangspunkt für das Tor war Naldos kurze Kopfballabwehr vor die Füße von Kroos. Der mit feiner Ablage auf Barnetta.

17' Werder jetzt
nicht mehr so konzentriert wie in der Anfangsphase. Die Viererkette
verliert zu schnell die Ordnung, wenn Bayer angreift.

19' Toller Pass von Hunt auf Pizarro, der jedoch im Abseits steht.

21' Özil wirkt
bislang sehr zögerlich in seinen Aktionen. Hunt ist aktiver und tut
mehr fürs Offensivspiel. War so nicht zu erwarten.

27' Freistoß aus vielversprechender Position. Özil flankt von links in den Strafraum, aber der Ball wird geklärt.

29' Sehr gute
Kontergelegenheit leider nicht erkannt: Ball wird blind nach vorn
gedroschen, obwohl Werder vorne 2:1 in Überzahl war.

30' Almeida an den Pfosten! Kopfballvorlage von Özil und Hugo knallt den Ball aus spitzem Winkel an den kurzen Pfosten.

32' Werder bietet
zu viele Angriffspunkte. Mit einer einfachen Körpertäuschung von
Kießling ist die halbe Abwehr ausgehebelt. Merte klärt.

32' Leverkusen –
Werder 1:1, Pizarro.
TOOOOOOOOOOORRRRRRR!!!!!!!!! Fritz legt zurück auf Hunt. Dessen Flanke findet
Pizarros Kopf und der köpft aus 6 Metern ein.

34' Mir ist auch
nach 3 Zeitlupen immer noch nicht klar, wie diese Flanke zu Pizarro
kommen konnte. Eigentlich war die leicht zu klären.

40' Alter Schwede
Kießling! Bekommt den Ball von Rolfes, spielt Wiese aus und schiebt den
Ball an den Pfosten. Den muss er machen!

42' Pizarro
versucht das Stuttgart-Revival: Tolle Ballannahme, Drehung und Schuss
aus 25 Metern. Klar drüber, aber trotzdem nett.

Halbzeit: Leverkusen – Werder 1:1. Leistungsgerechtes Unentschieden zur Pause in einem hübschen, aber nicht hochklassigen Spiel. Leverkusens 1:0 kann man Frings (mit)ankreiden. Baumann geht auf Kroos, dann auf Barnetta, während Frings nicht eingreift. Positiv überrascht bin ich von Hunts guter Leistung. Kommt viel über rechts und sorgt für Belebung im Offensivspiel.

46' Weiter geht es. Keine Wechsel.

48' Kroos und Kießling ganz frei im Werder-Strafraum, die jedoch zu überhastet agieren und die Chance verspielen.

51' Leverkusen
nun eindeutig die aktivere Mannschaft, die versucht, auf das erneute
Führungstor zu drängen. Werder wartet noch etwas ab.

59' Naldo mit einem Freistoß aus 35 Metern in die Mauer. Geht nicht viel nach vorne bei Werder im Moment.

60' Boenisch
läuft Helmes ab und klärt den Ball zum Einwurf. Wenigstens hat er nicht
wieder versucht, seinen Gegenspieler anzuschießen…

65' Ich hab so
ein bisschen den Eindruck, dass einige Spieler nicht ganz glücklich
sind, diesen schönen Tag mit Fußball verbringen zu müssen.
Wiese verschätzt sich bei einem Freistoß. Offenbart wie schon Adler kurz vor der Pause Mängel bei der Strafraumbeherrschung.

69' Und plötzlich eine Riesenchance für Mertesacker nach Ecke Özil. Erst per Kopf, dann per Fuß. Aber geklärt von Adler.

71' Wie verspiele
ich den Ball so schnell wie möglich? Pass Wiese auf Boenisch, Rückpass
auf Wiese, planloser Schuss in die Mitte. Toll!

72' Tolle Chance für Hunt nach feinem Doppelpass mit Özil. Schuss mit rechts aber nicht gut genug, um Adler zu überwinden.

75' Fritz an den Pfosten! Nach guter Ballstaffette von rechts aufs kurze Eck. Im Gegenzug rettet Wiese klasse gegen Kroos!

76' Erster Wechsel Werder: Tziolis für Baumann. Waren die letzten Minuten der Start einer packenden Schlussphase?

80' Fehlpass
Naldo, den Renato Augusto super auf Helmes spielt. Dieser mit
schlechter Ballmitnahme und dann kommt Wiese raus und rettet.

85' Das Tempo ist nach wie vor nicht wirklich hoch in Halbzeit 2. So richtig drängt keine der beiden Mannschaften auf den Sieg.

86' Renato
Augusto setzt sich über rechts toll durch, zieht in die Mitte, lässt
Frings und Hunt stehen und schießt knapp rechts daneben.

90' Jetzt wird
das Spiel richtig hektisch. Erst muss sich Hunt zusammenreißen und dann
wird Wiese im 5er gefoult. Nachspielzeit läuft.

Endstand:
Leverkusen – Werder 1:1.
Nach einer guten ersten und schwächeren
zweiten Halbzeit endet das Spiel mit einem Unentschieden.
Leverkusen in der zweiten Halbzeit stärker als Werder, nahm das Heft in die Hand, doch trotzdem geht das 1:1 in Ordnung. Werder nur noch
sporadisch gefährlich, jedoch trotzdem mit guten Chancen (Mertesacker,
Hunt, Fritz). Nicht genug getan für einen Sieg.
Almeida spielte in der 2. Halbzeit so lustlos, dass ich nicht ganz sicher bin, ob Schaaf ihn zur Strafe durchspielen ließ. Gomez schießt in
der letzten Minute noch das Siegtor für Stuttgart. Damit ist der
UEFA-Cup Zug in der Liga für Werder endgültig abgefahren.