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20. Spieltag: Zweckpessimismus

Werder Bremen – Bayer Leverkusen 2:1 (2:1)

Eine Halbzeit toller Fußball, eine Halbzeit großer Kampf – am Ende steht ein recht glückliches 2:1 über Bayer Leverkusen, das den vierten Sieg in Folge für Werder bedeutet. Ist das Kapitel Abstiegskampf damit beendet?

Gefühlter Elfmeter: Zlatko Junuzovic beim Freistoß

Neue Gewohnheit: Starke erste Halbzeit

Zu den größten Unterschieden zwischen Werder unter Skripnik und Werder unter Dutt zählt für mich, dass Werder deutlich bessere erste Halbzeiten spielt. Dutt hatte eine seiner Stärken darin, das laufende Spiel zu analysieren und gute Anpassungen vorzunehmen. Dafür startete sein Team häufig schwach und war vor der Anpassung deutlich unterlegen. Bei Skripnik schien es bislang eher andersrum zu sein. Gegen Hamburg und Hannover wurde ihm von Teilen der Experten schwaches In-Game-Coaching vorgeworfen. Gegen Hertha und Hoffenheim wurden seine Anpassungen hingegen weitgehend gelobt. Der Grundstein für den Erfolg wurde aber stets in der ersten Halbzeit gelegt.

Im dritten Rückrundenspiel kam Werder zum dritten Mal besser ins Spiel als der Gegner. Zwar hatte Leverkusen schnell eine strategische Schwachstelle (den zweikampfschwachen Sternberg hinten links) ausgemacht, konnte diese aber trotz eines starken Rechtsfokus im Angriff zu wenig nutzen. Kroos, Junuzovic und Vestergaard unterstützten Sternberg immer wieder auf seiner Seite gegen Bellarabi und Hilbert. Kroos gab statt eines Halbraumspielers fast einen klassischen linken Mittelfeldspieler. Durch Junuzovics Einrücken wurde die Raute in tiefen Zonen häufig zu einer flachen Vier. Im Angriffsspiel setzte Werder – anders als im Heimspiel gegen Hertha – nicht auf ruhiges Aufbauspiel und Überladungen, was gegen Leverkusen auch nur schwerlich möglich bzw. sehr riskant gewesen wäre. Stattdessen suchte Werder den Erfolg mit direktem Spiel über das Offensivtrio Junuzovic, Bartels und Selke. Hinzu kam die inzwischen gewohnte Stärke nach Standards.

Leverkusen zieht an, Werder hält dagegen

Das Gegentor kurz vor der Pause war ärgerlich, weil Werder die Partie zu diesem Zeitpunkt im Griff zu haben schien. Letztlich war es dann doch ein verlorener Zweikampf zu viel auf der linken Abwehrseite. Ob dies der Hauptgrund für das veränderte Momentum nach dem Seitenwechsel war, ist schwer auszumachen. Die Einwechslung Sons balancierte Leverkusens Spiel jedenfalls etwas und Bellarabi konnte nun auf dem gesamten Platz mit seiner individuellen Klasse Lücken in Werders Defensive reißen. Etwas überraschend ließ Skripnik Sternberg auf dem Feld, musste dann aber ungewollt in der Viererkette umstellen, da Gálvez verletzt raus musste. Nach vorne gelang Werder in dieser Phase überhaupt nichts mehr. Die Passquote sank von 57% auf 44%, auch weil die Mittelfeldspieler kein übermäßiges Risiko eingingen und das Sturmduo wenig unterstützten. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis Leverkusen aus der Überlegenheit den Ausgleich machen würde.

Wie schon gegen Hoffenheim schaffte es Werder jedoch, in den letzten 20 Minuten des Spiels die Luft aus den Angriffen des Gegners zu lassen. Hier spielt auch die Fitness eine Rolle, die bei Werder zu stimmen scheint. Sobald der Gegner körperlich etwas nachlässt, kann Werder die Gefahr in unmittelbarer Tornähe auf ein Minimum reduzieren. So konnte die Zahl der gegnerischen Abschlüsse insgesamt gering gehalten werden. Zwar hatte Werder nach Junuzovics Freistoßtor nur noch einen einzigen Torschuss, doch auch Leverkusen wurde nach Kießlings Pfostentreffer kaum noch richtig gefährlich. Mit seinen Wechseln (Öztunali für Selke, Garcia für Junuzovic) lag Skripnik ebenfalls richtig. So kann man den Sieg zwar als glücklich, in der Gesamtbetrachtung der 90 Minuten aber nicht als unverdient bezeichnen.

Zwischen Europacup und Abstiegskampf

Innerhalb von vier Spieltagen hat Werder den Sprung von Platz 18 in die obere Tabellenhälfte geschafft. So schnell hätte ich dem Team diese Entwicklung nicht zugetraut und ich sehe sie immer noch mit einem letzten Rest Skepsis. Dies ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass das Thema Europapokal langsam auch ohne vorgehaltene Hand diskutiert wird. Einerseits ist es nur zu verständlich, die momentane Euphorie bis ins letzte auszukosten, schließlich gab es in den letzten Jahren nur wenig Grund dazu. Andererseits steckt die Abstiegsangst noch in den Knochen und Werders Spiel hat auch in der Rückrunde noch genügend Schwachpunkte offenbart, um einen weiteren Durchmarsch zumindest anzuzweifeln. Wenn von den nächsten fünf Spielen (gegen Augsburg, Schalke, Wolfsburg, Freiburg und Bayern) drei verloren gingen, wäre das keine große Überraschung und für die Entwicklung der Mannschaft – im Gegensatz zu etwaigen Ambitionen auf Platz 6 – auch nicht hinderlich.

Anders sieht es mit dem Thema Abstiegskampf aus. Mit 26 Punkten ist Werder natürlich noch nicht gerettet, doch scheinen einige Teams so große Probleme zu haben, dass Werder schon einen richtig herben Einbruch erleben müsste, um wirklich noch abzusteigen. (Dass man dies nach dem 20. Spieltag bereits schreiben kann, ist schon ein so großer Verdienst des neuen Trainerteams, dass mir der Europapokal erstmal völlig egal ist.) Paderborn und Freiburg haben erhebliche spielerische Probleme, Stuttgart tritt auf der Stelle und Hertha scheint mir ebenfalls zu schwach zu sein, um Werder zu gefährden – wobei man bei einem Trainerwechsel mit anschließendem Auswärtssieg in Mainz ja weiß, wohin das führen kann. Realistisch gesehen braucht Werder noch drei Siege und vielleicht ein bis zwei Unentschieden, um sicher die Klasse zu halten. Bei noch 14 ausstehenden Spielen sollte das machbar sein, solange im Team niemand abhebt und denkt, dass es nun ganz von selbst läuft. Es kann der entspannteste Werder-Frühling seit fünf Jahren werden.

Bayer Leverkusen – Werder Bremen 3:3

Fußball ist ein äußerst merkwürdiges Spiel. Nach 44 Minuten hätte kaum jemand auf einen Bremer Punktgewinn getippt, obwohl es zu diesem Zeitpunkt nur 1:0 für die Gastgeber stand. Zu drückend war die Überlegenheit der Werkself, die Werder kaum Raum und Zeit zum Durchatmen lief. Am Ende dieses ungewöhnlichen und spektakulären Fußballspiels stand dennoch ein nicht unverdientes 3:3 (freilich sehen die Leverkusener das anders).

Gegenpressing und extreme Kompaktheit

Werder ging personell nur mit einer Änderung ins Spiel, die nach dem Spiel gegen Hoffenheim auch zu erwarten war: Fin Bartels gab sein Startelfdebut, während Hajrovic auf die Bank musste. Die taktische Ausrichtung passte Dutt ein wenig an. Die Grundformation blieb zwar ein 4-4-2, doch die beiden Stürmer positionierten sich sehr breit und rückten zeitweise beide auf die Außenbahn, sodass die Neunerposition unbesetzt blieb. Durch Junuzovics gelegentliches Aufrücken ergab sich teilweise eine 4-1-3-2(-0) Stellung. Im Gegensatz zum breit angelegten Offensivspiel zog man sich in der Defensive jedoch horizontal und vertikal sehr kompakt zusammen – bzw. man wurde dazu gezwungen, da Leverkusen seinerseits enorm kompakt und aggressiv verschob. Nicht selten fanden sich alle Feldspieler auf einer Seite des Feldes wieder.

In diesen enorm engen Zonen war an Ballbesitzfußball und ruhiges Aufbauspiel nicht zu denken, was für Werder keine große Umstellung bedeutete, sind dies derzeit doch keine wichtigen Elemente im eigenen Offensivspiel. Das enorm aggressive Gegenpressing der Leverkusener sorgte dennoch für Probleme, denn Werder schaffte es phasenweise überhaupt nicht, sich daraus zu befreien (ich kann mich nicht daran erinnern, dass Werder in der Bundesliga mal eine schlechtere Passquote hatte, als die 51% vom Freitag).

Flügelverlagerungen sorgen für die Tore

Auch wenn Werders erste Halbzeit über weite Strecken schwach war und Leverkusen das Spiel scheinbar nach Belieben dominierte, war schon in der Anfangsphase der offensive Matchplan der Bremer zu erkennen: Die auf die Flügel gezogenen Stürmer sollten gegen den weit eingerückten Gegner durch schnelle Diagonalbälle ins Spiel gebracht werden. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Leverkusens Führungstreffer auf ähnliche Weise fiel. Beide Teams waren fast komplett auf die rechte Bremer Abwehrseite gerückt. Die einzige Ausnahme war Leverkusens Rechtsverteidiger Jedvaj, der mit einem Querpass bedient wurde und von Garcia nicht mehr am Schuss gehindert werden konnte. Kompaktheit hat eben auch ihre Tücken.

Das 1:1 fiel nach einem schnellen Zuspiel auf den linken Bremer Flügel, von wo Garcia den Ball (mit etwas Glück) auf den durchstartenden Bartels auf die andere Seite herüberlegte. Es waren zwei Tore, die zu den generellen Ausrichtungen beider Mannschaften passten, auch wenn sie den Spielverlauf auf den Kopf stellten. Leverkusen hatte bis zum Bremer Ausgleichstreffer genügend Chancen, um das Spiel bereits vor dem Pausenpfiff zu entscheiden.

Werder befreit sich, Dutt wechselt gut

Nach dem Seitenwechsel wurde Werder etwas stärker und konnte sich häufiger aus Bayers Umklammerung befreien. Dies hatte vielleicht auch mit nachlassenden Kräften auf Seiten der Gastgeber zu tun, die trotz eines Plus an Ballbesitz mehr gelaufen waren als ihr Gegner. Auch wenn Leverkusen die spielbestimmende Mannschaft blieb, wurden Werders Gegenstöße zahlreicher und gefährlicher. Dabei nutzten sie die immer wieder auftretenden Räume im Rücken der Leverkusener Gegenpressing-Maschine aus. Vor dem Führungstreffer befreien sich Elia und Bartels aus der Umklammerung und verlagern das Spiel auf den linken Flügel. Bayers verbliebene Abwehr muss weit einrücken, um Selke und Junuzovic den Weg abzuschneiden, und so steht Di Santo rechts völlig blank und kann (trotz suboptimaler Ballmitnahme) frei vor Leno das Tor erzielen.

Bayer drehte das Spiel dank der überlegenen individuellen Klasse jedoch erneut. Calhanoglus Freistoßtor war ein Kunstwerk, perfekt über die Mauer gehoben und unmöglich abzuwehren. Beim Tor von Son reicht eine simple, aber geschickte Drehung, um Lukimya auf dem falschen Fuß zu erwischen. Das Spiel war inzwischen jedoch ziemlich offen und so bekam auch Werder genügend Chancen, um noch einmal zurückzuschlagen. Dutt trug mit guten Auswechslungen erneut dazu bei, dass Werder in der Schlussphase noch einmal zulegen konnte. Selke scheiterte zunächst noch an seiner Übersicht und/oder seinen Nerven. Besser machte es Prödl nach einer von Petersen verlängerten Flanke von Marnon Busch. Völlig frei am zweiten Pfosten verwandelte per Direktabnahme. In der Schlussphase wäre sogar noch ein Sieg möglich gewesen, wenn Hajrovic den Ball besser verarbeitet und dann quer gelegt hätte (das Dribbling, das ihm viele vorwerfen, war dann fast unausweichlich, weil Di Santo in der Zwischenzeit ins Abseits gelaufen war).

Die Gefahren des Rauschs

Am Ende war der Punktgewinn daher nicht mehr ganz unverdient, weil Leverkusen sich den Vorwurf gefallen lassen muss, aus den 30 Minuten drückender Überlegenheit in der ersten Halbzeit zu wenig gemacht zu haben. Defensiv war Bayer anfällig, wenn es Werder gelang, nach Ballgewinn die ersten zwei Wellen des Gegenpressings zu überstehen. Die Räume, die Leverkusen dahinter anbot, werden vermutlich noch mehrere Mannschaften in dieser Saison auszunutzen wissen. Ob Leverkusen dies durch den immensen Offensivdruck nach den hohen Ballgewinnen ausgleichen kann, wird die Zeit zeigen.

Für Werder ist hingegen wichtig, dass Dutt Wort gehalten und die Leverkusener Schwächen richtig gedeutet hat. Der (offensive) Matchplan war diesmal von Beginn an zu erkennen – nicht erst nach Umstellungen, wie in den ersten beiden Spielen – begann jedoch erst in der zweiten Halbzeit zu greifen. Davor legte Bayer die Bremer Schwächen unbarmherzig offen, was angesichts des unerwarteten Punktgewinns nicht vergessen werden sollte. Es könnte gefährlich sein, sich zu sehr an der eigenen Stehaufmännchen-Mentalität zu berauschen, denn es war dem fehlenden Glück bzw. der Abschlussschwäche der Leverkusener zu verdanken, dass Werder überhaupt eine Chance zum Comeback hatte. Unterm Strich ist Werder bislang in jedem Saisonspiel verdient in Rückstand geraten und man wird nicht Woche für Woche einen solchen Kraftakt vollbringen können, um aus diesen Spielen noch Punkte mitzunehmen (man vergleiche etwa die Hinrunde der vorletzten Saison).

Weichenstellung

Eine interessante Fußballwoche liegt hinter uns, in der wir noch einmal vor Augen geführt bekamen, dass Werder in der Tabelle derzeit in etwa dort steht, wo man hingehört: Im oberen Teil des Mittelfelds. Zunächst setzte es gegen taktisch wie technisch starke Leverkusener eine derbe 1:4 Heimniederlage, bevor man es der strauchelnden Truppe aus Hoffenheim mit gleicher Münze heimzahlen konnte.

Werder Bremen – Bayer Leverkusen 1:4

Das Spiel war schon allein in taktischer Hinsicht sehr interessant. Beide Teams spielen auf dem Papier ein 4-3-3, das jedoch völlig anders ausgelegt ist. Die Wechselwirkungen auf dem Spielfeld waren bemerkenswert: Durch die Mannorientierung der Bremer Flügelstürmer und das weite Aufrücken der Leverkusener Außenverteidiger spielte Werder gegen den Ball nicht das gewohnte 4-1-4-1, sondern eine Art 6-1-2-1, bei der Füllkrug und Elia häufig eine Position neben Selassie und Schmitz einnahmen. Da Leverkusens Außenstürmer eigentlich keine sind, sondern sich sehr zentral zwischen den Linien bewegen, hatte Werder meist 2 gegen 1 Überzahl auf dem Flügel, aber in der Mitte dafür häufig Unterzahl. Dadurch konnte das Pressing nicht wie gewohnt aufgezogen werden, da sonst zu große Teile des Mittelfelds entblößt worden wären. Die Innenverteidiger der Leverkusener konnten meist in Kombination mit einem abkippenden Mittelfeldspieler das Spiel kontrollieren und in Ruhe aufbauen.

Andersherum sah es so aus, dass Werder wie gewohnt im Spielaufbau mit breit agierenden Flügelstürmern und eher konservativen Außenverteidigern agierte. Leverkusen verteidigte dagegen ziemlich schmal und machte die Räume im Zentrum dicht. Werders Spiel wurde daher (wie auch gegen Mainz) gezielt auf die Außen gelenkt, wodurch häufig das direkte Spiel zwischen Außenverteidiger, Flügelstürmer und dem jeweiligen Achter gesucht wurde. In der Anfangsphase funktionierte dies überhaupt nicht, da Leverkusen die Spieler auf der Außenbahn geschickt isolierte und Werder relativ viele Risikopässe spielte, die auf dem nassen Rasen häufig misslangen.

Dies besserte sich nach der Pause, mit etwas Glück wäre in dieser Phase ein Unentschieden drin gewesen. Insgesamt hatte Leverkusen aber über 90 Minuten die bessere Spielanlage und Werder blieb bis zum Abpfiff bei der gleichen Grundausrichtung. Die Leverkusener Tore 2 und 3 fielen dazu zu besonders ungünstigen Zeitpunkten für Werder. Vor dem 0:2 hatte sich Werder gerade ein Übergewicht erspielt und drückte Bayer hinten rein. Als Schaaf Akpala bringen wollte, um auf den Ausgleich zu drängen, fiel das 1:3. Das Spiel war auch ein gutes Beispiel dafür, dass die Torschussstatistik lügen kann. Werder hatte viel mehr Torschüsse als Leverkusen, von denen viele jedoch nicht mehr als Halbchancen waren. Leverkusen hatte deutlich weniger Abschlüsse, von denen aber alle qualitativ gute Chancen waren. Am Ende war das Ergebnis zu hoch, aber auch ein Stück weit Ausdruck der im Vergleich zu Leverkusen noch fehlenden taktischen Reife.

1899 Hoffenheim – Werder Bremen 1:4

Zum Glück ist Fußball ein schnelllebiges Geschäft, das in englischen Wochen noch einmal beschleunigt wird. Das Spiel in Hoffenheim lief in etwa so, wie Spiele in Hoffenheim in dieser Saison häufig laufen: Der Gast ist besser und geht in Führung, nach dem Wechsel dreht Hoffenheim kurzzeitig auf und scheint auf dem Weg zum Ausgleich zu sein. Letztlich fällt dann aber doch wieder alles in sich zusammen und der Gast nimmt die drei Punkte mit.

Wie Werder die Verunsicherung der Gastgeber in der 1. Halbzeit ausgenutzt hat war stark, erst recht in Anbetracht der beiden Ausfälle im Mittelfeld. Das Pressing vor dem 0:2 fand ich fast noch schöner als die folgende Kombination nach Ballgewinn. Die Fortschritte im Vergleich zur letzten Saison manifestiert in einem Tor. Vor der Pause ließen de Bruyne und Petersen dann leider zwei Großchancen liegen, so dass Hoffenheim nach der Pause noch mal rankam. In der Phase zwischen dem 1:2 und dem 1:3 war die Angst in Werders Spiel fast greifbar. Das Team verteidigte tiefer und ging weniger ins Angriffspressing, alle (bis auf teilweise de Bruyne) arbeiteten defensiv mit, doch man schaffte es trotzdem nicht, Hoffenheim vom eigenen Tor fern zu halten. Umso wichtiger, in einer solchen Phase einen Standard zu nutzen und die Punkte zu sichern.

Auch wenn es gerade in der zweiten Halbzeit einige Dinge™ gab, die Grund zur Sorge geben, war es doch ein Spiel in dem man vor allem die positiven Aspekte festhalten sollte. Der Dreierpack von Arnautovic war die Belohnung für eine starke Saison und sollte ihm weiter Selbstvertrauen geben. Das neu zusammengestellte Mittelfeld hat mir ebenfalls gut gefallen. Besonders Ignjovski war als Sechser überraschend stark und hat meistens den Kontakt mit der Innenverteidigung gehalten. Auch Fritz hat sich nach seiner langen Verletzung wieder gut eingefügt und seine etwas defensivere Auslegung der Achterposition sorgte für mehr Rückhalt für de Bruyne und eine häufig gute Staffelung im Mittelfeld. Unwahrscheinlich, dass einer von beiden (auf der Position) in der Startelf bleibt, wenn Hunt und Junuzovic wieder fit sind, aber gut zu wissen, dass Werder auch mit anderer Mittelfeldzusammensetzung erfolgreich sein kann.

Vermeidbar, aber verschmerzbar

Bayer Leverkusen – Werder Bremen 1:0

Die Ernüchterung kam schnell für diejenigen, die voreilig Werder schon wieder in der Bundesligaspitze gesehen hatten. Für alle anderen war es eine ärgerliche (weil unglückliche), aber erträgliche Niederlage in Leverkusen. Das Spiel an sich war nicht gut, aber es gibt für Werder mehr positive als negative Dinge mitzunehmen.

Neue Defensivstärke

Dass Werder die letzte Bundesligamannschaft in dieser Saison war, die ein Gegentor kassiert hat, ist vor allem dem Spielplan zu verdanken. Es war jedoch schon gegen Kaiserslautern und besonders am Sonntag in Leverkusen ersichtlich, dass die Bremer Defensive einen Sprung gemacht hat. Die Viererkette harmoniert zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison schon sehr gut, was angesichts der personellen Probleme wie ein kleines Wunder wirkt. Mertesacker und Prödl waren bei ihren Comebacks stark wie lange nicht mehr. Schmitz scheint sich stabilisiert zu haben und spielt einen soliden Part. Über Sokratis möchte ich nicht schon wieder schwärmen, aber er gefällt mir einfach unglaublich gut. Er macht keine außerordentlich guten Sachen, aber er macht fast alles außerordentlich gut. Auch als Rechtsverteidiger ist er eine klare Bereicherung, zumal Fritz im Mittelfeld derzeit unabdingbar ist.

Die größte Überraschung der Saison ist für mich aber Tim Wiese. Vielleicht spürt er Sebastian Mielitz Atem im Nacken. In jedem Fall ruft er bislang Topleistungen ab und das nicht nur einen seinen Paradedisziplinen (die beiden Flugparaden gegen Leverkusen waren klasse). Er wirkt auch deutlich konzentrierter, bringt sich mehr ins Spiel ein, fängt Flanken und Eckbälle ab, ist beweglich. Momentan gibt es wenig zu kritisieren und wenn er so weitermacht, hat er sich den Status als Nummer 1 auch (wieder) verdient. Auch wenn ich mich in den letzten Monaten häufig für Mielitz ausgesprochen habe, freut es mich ungemein für Wiese.

Alle Fehlpässe von Werders Viererkette

Alle Fehlpässe von Werders Viererkette - (fast) nur außen und in der gegnerischen Hälfte

Warum stockt der Offensivmotor?

Das große Rätsel im Leverkusenspiel war für mich jedoch, warum das Offensivspiel so schlecht funktionierte. In der Anlage sah das alles gut aus, die Mannschaft hat gut umgeschaltet, und das in beide Richtungen – alles andere als selbstverständlich bei Werder. In den ersten 15 Minuten nach der Pause schien man Leverkusen den Zahn gezogen zu haben. Es ging kaum noch etwas nach vorne und Werder wurde etwas mutiger. Pizarro und Marin kamen, doch trotzdem fehlte im Spiel nach vorne irgendwas. Nur was?

In der ersten Halbzeit wirkten die Halbpositionen der Raute auf mich etwas unausgeglichen. Hunt sucht fast immer den direkten Weg nach vorne (zumindest im Mittelfeld, im vorderen Drittel stoppt er häufig ab, wenn es eng wird, um das 1 gegen 1 zu vermeiden), Wesley hingegen nur selten. Das macht es für die Stürmer nicht leicht, die richtigen Laufwege zu finden. Dazu kam, dass Ekici fast komplett aus dem Spiel genommen wurde. In der zweiten Halbzeit sah das jedoch besser aus und es wirkte so, als könne Werder mit ein paar Prozentpunkten mehr Courage die Leverkusener Defensive knacken. Vielleicht werden die nächsten Spiele mehr Aufschluss darüber geben, woran es gehapert hat.

Werderangriff 38. Minute

Werders bester Angriff in der 38. Minute: Eingeleitet von Hunt, Ekici mit gutem Doppelpass, intelligente Laufwege der Stürmer

Wohin geht die Reise?

Letztlich hat Bayer das Spiel durch einen Lucky Punch gewonnen. Spielerisch bin ich von meinem Meisterschaftstipp aber enttäuscht. Das war viel individuelle Klasse mit wenig strukturierten Angriffen. Es sieht so aus, als ob Dutt doch mehr Zeit braucht, als ich dachte. Ob das noch reicht, um um die Meisterschaft mitzuspielen? Im Fußball kann es schnell gehen.

Für Werder kommt nun eine Pflichtaufgabe gegen Freiburg, danach geht es nach Hoffenheim. Zwei Spiele, in denen man richtig in diese Saison finden kann. Die bisherigen Leistungen der Defensive machen Mut, heute gibt auch noch Naldo sein Comeback. Spielerisch muss es noch eine Steigerung geben, die ich Werder in den nächsten Wochen durchaus zutraue. Mit Pizarro kommt neue (bzw. alte) Qualität zurück in den Angriff und Ekici wird sich auch besser einfinden. Vor allem macht mir aber dieser eine Spielzug aus der ersten Halbzeit Mut, der zu Thys kläglich vergebener Torchance führte. Einen solch guten Angriff habe ich (trotz Sokratis Abseitsstellung) noch von wenigen Teams in dieser Bundesligasaison gesehen. Das ist der richtige Weg.

Bislang ist mein Eindruck, dass Werder zumindest in Sachen Abstiegsgefahr eine sorgenfreie Saison bevorsteht. Das ist die wichtigste Erkenntnis bislang, denn für den Neuaufbau (der noch eine ganze Weile dauern wird) brauchen Mannschaft und Verein vor allem eines: Zeit.

Bayer Leverkusen – Werder Bremen (live)

Zwischen Kaiserslautern und Leverkusen

Gegen Kaiserslautern hat Werder kämpferisch und in Ansätzen auch spielerisch das gezeigt, was ich mir in der frühen Phase dieser Saison erhofft habe. Fritz im Mittelfeld gefällt, genau wie Sokratis als Rechtsverteidiger (wobei er mir wohl auf jeder Position gefallen würde). Wolf hat sich im Spielaufbau gesteigert und die Fehlerquote gering gehalten. Im Mittelfeld passierte das Gegenteil von dem, was erwartet wurde: Hunt stabilisierte sich und spielte selbstbewusst, Marin wurde mit zunehmender Spieldauer zappeliger und ließ sich von seinen falschen Entscheidungen im Spiel herunterziehen.

Schaafs Wechsel trugen ihren Teil dazu bei, das Spiel in Werders Richtung zu entscheiden. Es war sowohl richtig, Fritz nach Bargfredes Verletzung auf die Sechserposition zu verschieben, als auch Wesley für Marin einzuwechseln, als sich das Mittelfeld eine Zeit lang destabilisiert zeigte. Bei einem Sieg lässt sich hinterher immer leicht sagen, dass der Trainer alles richtig gemacht hat. In jedem Fall war Schaafs Aufstellung mutig und nicht geleitet von irgendwelchen populären Forderungen.

In Leverkusen bekommt man es nun mit einem Gegner anderer Güte zu tun. Bayer ist spielerisch stark genug, um Werders Defizite gnadenlos offenzulegen. Die erste Halbzeit aus dem Pokalspiel gegen Dresden sollte Schaaf eine Warnung sein. Allerdings wirkt Dutts Team mental schwer angeschlagen und längst noch nicht so weit, wie ich es vor dem 1. Spieltag erwartet habe. Gegen Mainz kam spielerisch wenig, das war schon fast ein Armutszeugnis. Mainz hat exzessives Pressing gespielt, das ich in dieser Form von Werder in den letzten Jahren kaum mal gesehen habe. Sehr viel wird von der Laufarbeit abhängen. Wenn es gelingt, Leverkusen in deren Hälfte so unter Druck zu setzen, wie Mainz es geschafft hat, kann man die Verunsicherung ausnutzen und vielleicht noch verstärken. Ein Sturmduo Rosenberg/Thy scheint mir dafür gut geeignet, Pizarro kann man später bringen, wenn sich die beiden müde gelaufen haben.

Fragezeichen gibt es im Mittelfeld und in der Viererkette. Vertraut Schaaf nach Wolfs Verletzung schon wieder auf Prödl oder zieht er Sokratis ins Zentrum? Im letzteren Fall müsste Fritz wieder auf die Außenbahn wechseln und im defensiven Mittelfeld wäre ein Platz frei. Eine Raute aus Wesley, Ekici, Hunt und Marin wäre jedoch sehr offensiv und so könnte Ignjovski direkt zu seinem Bundesligadebut kommen. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, Wesley als Rechtsverteidiger einzusetzen, doch das könnte angesichts der Sprunghaftigkeit des Brasilianers gegen Schürrle auch nach hinten losgehen.

Es ist in jedem Fall ein kleines Puzzle, das Schaaf vor dem Spiel lösen muss. Er wirkt dabei nicht annähernd so ratlos wie vor einem Jahr. Wer siegt hat eben Recht.

Zur Einstimmung aufs Spiel ein großartiger Text (gefunden im Blog von @anna_rosemary):

“Weil ich manchmal ein Esel bin und manchmal ein Hahn.”

Und morgen, morgen schrei ich mit.

3 Fragen zu Bayer Leverkusen

Endlich bin ich mal wieder dazu gekommen, vor dem Spiel ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners führen. Vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen hat mir Jens Peters von catenaccio drei Fragen zu seinem Lieblingsverein beantwortet:

Leverkusen macht die letzten Wochen einen guten Eindruck, gewinnt auch die weniger guten Spiele. Glaubst du ihr könnt den zweiten Platz bis zum Saisonende gegen die Bayern verteidigen und endlich euer Phlegma des letzten Saisondrittels ablegen? Oder ist sogar noch mehr drin, falls der BVB schwächelt?

Ich denke ehrlich gesagt nur von Woche zu Woche. Im Moment stehen wir auf Rang 2 und bei den derzeitigen Leistungen sollte der Platz auch am Ende der Saison drin sein. Über mehr mag ich gar nicht nachdenken. Platz 1 sowieso nicht und als Dritter bin ich auch mehr als glücklich!

Die Mannschaft wirkt im Vergleich zu den letzten Jahren gereift. Selbst das Dauerthema Michael Ballack scheint das Team nicht groß zu verunsichern. Liegt das an der hinzugewonnenen Erfahrung der Spieler oder ist einfach der Kader stärker als in den Vorjahren?

Dass die Mannschaft gereift ist kann ich so unterschreiben. Ein junges Team, dass nun im Grunde seit 2-3 Jahren mit punktuellen Ergänzungen, so zusammen spielt. Und die Ergänzungen, da muss man den Verantwortlichen ein Lob aussprechen, passen perfekt ins Gesamtgefüge. Die Jungen bringen die nötige Leistung auf dem Platz, hinzu kommen dann erfahrene Recken, wie Hyypiä, Rolfes, Ballack und Kießling, die der Mannschaft Halt geben und auch in der Vergangenheit gefehlt haben. Inzwischen ist dann auch die nötige Tiefe hinzugekommen und die Spieler reifen bspws. an der Europa League weiterhin.

In Bremen läuft es weit weniger rund. Der Klassenerhalt ist in Gefahr und die Leistungen passen zum Tabellenplatz. Ist Werder in dieser Situation überhaupt ein ernstzunehmender Gegner für euch?

Sagen wir mal so. Spielt Werder den Fußball der letzten Wochen ist Bremen ein schlagbarer Gegner. Leider kommt die unbekannte Variable “Mannschaft-mit-Potenzial-für-mehr-im-Abstiegskampf” mit ins Spiel. Wer weiß was da passiert?

Dein Tipp?

1:3!

3 Fragen zu Bayer Leverkusen

Vor jedem Bundesligaspiel gibt es in dieser Saison ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners. Vor dem 7. Spieltag hat mir Jens Peters, der in seinem Blog catenaccio über Bayer Leverkusen schreibt, drei Fragen zu seinem Lieblingsverein beantwortet:

Ein Sieg über Dortmund zum Auftakt, dann dieses bizarre 3:6 gegen Gladbach, zuletzt wieder bessere Leistungen – man könnte sagen euer Saisonstart war durchwachsen. Bayer war ja vor der Saison mein Meisterschaftstipp, deshalb bin ich fast ein bisschen enttäuscht. Geht es dir ähnlich? Wie zufrieden bist du mit eurem Saisonstart?

Ich hätte vor der Saison nicht mit diesem holprigen Start gerechnet. Dabei habe ich außer Acht gelassen, dass der Kader dermaßen groß ist, dass auch wirklich alle Spieler ihren Platz finden. Jupp Heynckes hatte zu Beginn der Spielzeit soviele Optionen, auch in taktischer Hinsicht, dass sich da auch erst einmal etwas einspielen musste. Trotzdem musste ich nach dem 3:6 schon schlucken. Wann hat es sowas zuletzt in Leverkusen gegeben? Auch die Spiele danach waren jetzt nicht überzeugend, aber es entwickelt sich was. Lieber zu Beginn der Saison etwas schwächeln und dann zum Ende noch mal richtig Gas geben.

Jupp Heynckes gilt in taktischen Belangen als ziemlich stur, lässt immer 4-4-2 spielen. Nach der WM gab es nicht wenige Experten, die das System als nicht mehr zeitgemäß bezeichneten. Alles Quatsch oder könnte die Formation für euch in dieser Saison zum Problem werden? Und wie beurteilst du Heynckes Arbeit in Leverkusen insgesamt?

Naja im Moment sehen wir ja ein neues System bei Heynckes. Ein 4-1-4-1, dass zunächst gar nicht klappte und jetzt in Ansätzen vor allem in der Defensive und im Mittelfeld funktioniert. Nur der Stürmer wirkt noch reichlich isoliert, als einziger Mann vorne. Heynckes hatte das Problem aber schon vor der Saison erkannt und in der Vorbereitung das ein oder andere Alternativsystem ausgetestet. Das lag auch daran, weil man Ballack gerne offensiver integriert hätte, aber ich denke, dass das nichts mehr wird und dass er den typischen 6er geben wird. Letzte Saison war Bayer durch dieses eine System 4-4-2 arg limitiert – diese Spielzeit sehe ich einen klaren Fortschritt.

Werder hat in dieser Saison schon einige herbe Niederlagen einstecken müssen, u.a. ein 1:4 in Hannover und zuletzt ein 0:4 bei Inter Mailand. Ich würde Bayer leistungsmäßig irgendwo zwischen 96 und Inter einordnen. Schenkt ihr uns also auch vier Dinger ein? Welche Erwartungen hast du an dieses Spiel?

Ich glaube, dass das 1:4 in Hannover ein Ausrutscher war und die Spieler nicht mit einem derart starken “Noname”-Team gerechnet haben. Mailand war einfach um Klassen besser. Das muss man so festhalten, allerdings muss man auch festhalten, dass Bremen auch noch kein richtiges Mannschaftsgefüge aufgebaut hat und immer wieder Spieler fehlen. Ein Marko Marin muss bspws. auch erst in seine neue Rolle hineinwachsen. Die Erwartungshaltung an ihn, nach dem Weggang von Özil ist schon bedrückend groß.

Ganz unabhängig davon rechne ich mit einem Sieg. Bayer hat zuhause noch was gut zu machen nach den letzten schlechten Spielen daheim und ich glaube, dass das neue System sehr gut zum Bremer Spiel passt und die Hanseaten damit nichts anfangen können.

Dein Tipp?

3:1

6. Spieltag: Einfallslose Zufriedenheit

Bayer Leverkusen – Werder Bremen 0:0

Sechs Spiele, neun Punkte, Platz acht. Klingt so das Mittelmaß?

Ja, denn Werder tritt auf der Stelle. Wobei, eigentlich stimmt das nicht. Werder rutscht in der Tabelle nach unten. Hinter Mainz. Hinter Hoffenheim. Doch was sagt so eine Tabelle nach sechs Spieltagen schon aus?  Immerhin hat man ein Auswärtsspiel beim Tabellenzweiten relativ schadlos überstanden. Für höhere Ansprüche fehlt Werder momentan die Klasse. Ohne Özil fehlt zudem die zündende Idee.

Klingt so das Mittelmaß?

Nein, denn Werder behielt gegen einen offensivstarken Gegner in dessen Stadion über weite Strecken die Spielkontrolle, ließ wenige Chancen zu und spielte in Halbzeit eins nach einem holprigen Start auch mutig nach vorne. Dies veranlasste Jupp Heynckes in der Pause zu einem Systemwechsel. Er nahm den bindungslosen Gekas heraus und brachte mit Bender einen weiteren (offensiven) Mittelfeldspieler. Dies brachte Bayer in der zweiten Halbzeit höhere Spielanteile und auch einige Chancen, die der aufmerksame Wiese jedoch allesamt vereilten konnte.

Am Ende steht ein 0:0 auf das sich beide Mannschaften irgendwann im Laufe der zweiten Hälfte geeinigt zu haben schienen. Für den Werderfan ungewohnt. Schaaf wechselte nur vorsichtig, brachte für Marin einen zweiten “richtigen” Stürmer, den wiedergenesenen Markus Rosenberg. Damit hatte es sich mit den Auswechslungen auch schon erledigt und Werder verwaltete das 0:0 über die Zeit, ohne einen Versuch zu starten, den Gegner in der Schlussphase noch zu überrennen. Pragmatismus statt bedingungsloser Offensive nach dem Auswärtsspiel in der Europa League. Daran wird man sich vermutlich gewöhnen müssen, gerade wenn es gegen die deutschen Topmannschaften geht.

Konnte man Werder in der Vergangenheit vorwerfen, sich häufig in blinder Angriffswut noch den einen oder anderen Gegentreffer einzufangen, geben sich Mannschaft und Trainer nun im Zweifel lieber mit einem 0:0 zufrieden. Ist dies nun eine Stärke oder eine Schwäche? Es ist sicher kein Zeichen von überschäumendem Selbstbewusstsein. Doch in der aktuellen Situation ist es wohl die richtige taktische Maßnahme, wenn auch wenig inspirierend. Am Ende steht das dritte Zu-Null-Spiel dieser Bundesligasaison. Sechs Gegentore nach sechs Spielen ist für Werder eigentlich ein Traumwert. Er geht jedoch (noch) zu sehr auf Kosten der Offensivstärke.

Hoffnungsfroh stimmt dagegen, dass leicht auszumachen war, was der Mannschaft fehlte, um das Spiel gestern zu gewinnen. Es war die Idee im offensiven Mittelfeld, der geniale Einfall etwas außergewöhnliches zu machen, der unwiderstehliche Pass in die Spitze. Kurz: Diego Mesut Özil. Aaron Hunt machte seine Sache insgesamt gut, brachte in der ersten Halbzeit über links viele gute Ideen ein, war in der zweiten Halbzeit dafür aber offensiv abgemeldet. Je mehr Spielanteile Leverkusen hatte, desto weniger tauschte Werder im Mittelfeld die Positionen und desto berechenbarer wurden die Angriffe. Mit Pizarro und Marin hat man zwei Spielstarke Stürmer, die sich häufig zurückfallen lassen und Platz für Vorstöße aus dem Mittelfeld schaffen. Borowski und Bargfrede kümmerten sich jedoch in erster Linie um ihre taktischen Aufgaben und die Arbeit gegen den Ball, wodurch die Spitze nach dem Wechsel häufig verwaist war.

Wenn Chancen aus dem Spiel heraus ausbleiben gibt es ja noch die Standardsituationen, eigentlich eine große Stärke Werders. Aber auch hier machte sich Özils Abwesenheit bemerkbar. Die Ecken und Freistöße brachten keinerlei Gefahr, kamen zumeist nicht einmal in die Nähe der kopfballstarken Spieler. Immerhin hat man die “fehlende Zutat” schon in den eigenen Reihen und muss nur darauf warten, dass sie sich von ihrer Verletzung erholt. Leider besteht auch die Gefahr, schnell wieder von ihr abhängig zu werden, nachdem man sich gerade erst vom Diego-Rausch erholt hatte.

Vor des Bundestrainers Augen spielte (und grätschte) sich gestern ein anderer Spieler in den Mittelpunkt: Torsten Frings. Er machte sein bislang bestes Saisonspiel und wird nach dem Spiel gedacht haben: “Siehste, und das soll nicht für die Nationalmannschaft reichen?” Jogi Löw wird dagegen gedacht haben: “Junge, warum spielst du nicht immer so? Dann wäre dein Stammplatz sicher.” Ich habe einfach nur gedacht: “Mensch, wenn der Lutscher keine böden Fehlpässe spielt, ist er immer noch ein hervorragender Mittelfeldspieler.” Was Thomas Schaaf dachte ist nicht überliefert.