Schlagwort-Archiv: Bayern München

Betriebsausflug

Bayern München – Werder Bremen 6:0 (4:0)

Man sollte meinen, dass man als Werderfan nach den letzten Jahren seine Erwartungen und Ansprüche schon genug heruntergeschraubt hätte. Nach der fußballerisch miserablen letzten Hinrunde und dem ebenso schwachen Start ins Jahr 2014 dachte ich, dass wir die Talsohle des Bremer Niedergangs inzwischen durchschritten hätten. Nach acht Spieltagen der neuen Saison muss man festhalten, dass die Leistungssteigerung im Frühling und die damit verbundenen Hoffnungen für 2014/15 wohl nur ein Zwischenhoch waren. Werder steht auf dem letzten Platz der Tabelle und das zu Recht.

Kein Torschuss, kein Offensivkonzept

Ein Spiel in München, gegen den nominell haushoch überlegenen ehemaligen Konkurrenten FC Bayern, taugt nach Meinung vieler nicht als Maßstab für Werders Leistung und ist insofern ein Spiel außer Wertung. Das sehe ich komplett anders. Zwar machte die Mannschaft durchaus den Eindruck, dass dieses Spiel und das Ergebnis für Werder nicht groß von Bedeutung wären, doch gerade das macht es so wichtig: Das letzte Feigenblatt, das Robin Dutt zuletzt als letztes Argument gegen eine Entlassung noch vorgehalten wurde, nämlich die gute Einstellung und Mentalität der Mannschaft, ist nun weggefallen.

Zur Einordnung der Niederlage genügen die nackten Zahlen nicht, obwohl die zweifelhafte Ehre, als erstes Team seit Anbeginn der Datenerhebung 1993 ohne einen einzigen Torschuss ein Spiel bestritten zu haben, bereits für sich spricht. Vor einem Jahr durfte ich das historische 0:7 gegen die Bayern im Stadion verfolgen, doch selbst in jenem Spiel zeigte Werder eine marginal bessere Leistung als an diesem achten Spieltag. Offensiv lässt sich Werders Spiel mit dem Hinweis auf das einzige Stilmittel, das seit Dutts Amtsantritt konsequent zur Anwendung kommt, vollständig beschreiben: Abstöße, Abschläge und lange Pässe an die linke Seitenauslinie bei gleichzeitiger Überladung der linken Spielfeldhälfte. Das Problem ist nicht, dass dieses Stilmittel per se schlecht wäre (auch wenn es freilich gegen Bayern nicht funktionierte), das Problem ist, dass es, wie leider viel zu oft, das einzige erkennbare offensive Stilmittel war. Die Offensive kann daher getrost als nicht existent bezeichnet werden.

Angst fressen Defensive auf

Gegen den Ball, was gegen Bayern fast die gesamte Spielzeit beinhaltet, spielte Werder zu Beginn noch einigermaßen variabel und versuchte bei Gelegenheit, etwas weiter in die gegnerische Hälfte zu verschieben und mutiger den Spielaufbau der Bayern anzulaufen (von Angriffspressing will ich nicht unbedingt sprechen). Spätestens nach dem 0:1 war es damit jedoch vorbei. Werder verteidigte passiv in einem tiefen 4-5-1 mit dennoch absurden Lücken im zentralen Mittelfeld. Soll es Hoffnung machen, dass die Vereinsführung nach dem Ruiz-Transfer in der Winterpause lechzt, während man vor der Abwehr Woche für Woche vor Augen geführt bekommt, dass man den Ausfall von Bargfrede nicht kompensieren kann? Ich kann mir kaum vorstellen, dass Eggestein und Fröde aus Werders U23 in der Bundesliga ein schwächere Leistung auf den Platz bringen könnten, als Kroos und Makiadi es als Doppel-Nicht-Sechs gegen Bayern getan haben. Wie man sich in einer so tief verteidigenden Mannschaft als defensiver Mittelfeldspieler so häufig aus der Position ziehen lassen kann, ist mir ein Rätsel.

Es wäre jedoch unfair, nur die beiden hervorzuheben, denn Normalform erreichten gegen die Bayern höchstens Di Santo und Lukimya – was bei Letzterem bedeutete, dass er sich nahtlos ins Leistungsgefüge einreihte. Fußballclown Elia demonstrierte bis zur Pause einige Male seine Schwächen in der Ballverarbeitung und durfte danach duschen gehen. Die Einwechslung von Busch als zweiten Rechtsverteidiger neben Fritz kann man mit sehr viel gutem Willen als taktischen Kniff bezeichnen, um ein noch schlimmeres Debakel zu verhindern. Ich frage mich vielmehr, wie Dutt auf die wahnsinnige Idee kommen konnte, wieder jeglicher Vernunft die rechte Seite mit Fritz und Bartels zu besetzen, einer Kombination, die schon mehrfach ihre Untauglichkeit bewiesen hat.

In der Defensive – also jenem Mannschaftsteil, der laut Dutts Aussage immer mehr Fortschritte macht – stehen inzwischen alle Spieler neben sich. Garcia spielt eine bislang unterirdische Saison, Prödl knüpft langsam an seine Leistungen aus der Spielzeit 2012/13 an und Lukimya ist nun einmal Lukimya. Fritz ging bei seinem Comeback als Kapitän voran und hob vor dem 0:5 vorbildlich den Arm, nachdem er zuvor selbst das Abseits aufgehoben hatte (Gerüchten zufolge gibt es zwischen ihm und Prödl einen Urheberrechtsstreit um dieses Markenzeichen). Caldirola ist nach seinen schwachen Leistungen zum Saisonstart bei Dutt anscheinend dauerhaft in Ungnade gefallen, während Galvez, dem sein Wechsel zu Werder langsam wie ein böser Traum vorkommen dürfte, weiterhin den Aushilfssechser spielen muss. Ob Wolf wenigstens einen der sechs Schüsse auf sein Tor hätte halten müssen, möchte ich an dieser Stelle gar nicht diskutieren, aber auch er spielt, trotz eines Ausreißers nach oben gegen Freiburg, eine deutlich schlechtere Saison.

Die Krise verschärft sich

Wer angesichts dieser Leistung weiterhin auf die Idee kommt, dass Werder aktuell nicht wie ein Tabellenletzter spiele, sollte mehr Bundesligaspiele schauen. Der vor der Saison als sicherer Absteiger gehandelte SC Paderborn ist in München weitaus besser aufgetreten. Gegen Werder musste Bayern in den 90 Minuten nur selten das eher gemächliche Spieltempo erhöhen und konnte Werder quasi im Vorbeigehen aus dem Stadion passen. Ein einfacheres Spiel werden sie in dieser Saison kaum noch absolvieren dürfen und vermutlich auch keine einfachere Trainingseinheit. Vermutlich hätte man gegen Bayern auch mit einer deutlich besseren Leistung nicht gepunktet, doch das Ergebnis ist für die Bestandsaufnahme tatsächlich zweitrangig.

Es lässt sich immer mehr erkennen, dass Werder einem gefährlichen Trend folgt: Erst hielten sich Stärken und Schwächen noch die Waage, dann verschärften sich die Unzulänglichkeiten, während die Stärken nicht über ein paar Ansätze hinausgingen – gerade noch sichtbar genug, um sich öffentlich darauf zu berufen. Wie zu befürchten war, hinterlassen die ständigen Rückstände langsam Spuren bei der Mannschaft. Werder lag in dieser Saison von 720 Spielminuten ganze 15 in Führung. Das ängstliche Spiel gegen Bayern hat gezeigt, dass der Glaube an die eigene Stärke schwindet, was angesichts der Ergebnisse nicht verwunderlich, trotzdem aber sehr gefährlich ist. Neben der strukturellen Krise, in der sich Werder nach wie vor befindet, steckt man derzeit auch in einer ganz akuten sportlichen Krise, die keineswegs nur eine Ergebniskrise ist. Die Mannschaft mag vom Potenzial her ins Mittelfeld der Liga gehören, von den durchschnittlich gezeigten Leistungen her jedoch nicht.

Dutt muss gehen – doch wann?

Noch scheuen sich die Verantwortlichen die Reißleine zu ziehen. Man will schließlich nicht Werders guten Ruf als langfristig denkender Verein, bei dem einem Trainer Zeit gegeben wird, weiter ramponieren und mit jeder Trainerentlassung wird man mehr zu einem “normalen” Verein. Und wenn man angesichts von 43 Punkten und 88 Gegentoren in 42 Bundesligaspielen unter Dutt auch bei einer weniger kurzfristigen Betrachtung wenige Argumente für den Verbleib des Trainers findet, ist im Fußball manchmal trotzdem kurzfristiges Handeln gefragt. Werder ist nach durchaus vielversprechendem Saisonbeginn in eine Krise geschlittert und kann sich schlichtweg nicht erlauben, bis zur Winterpause auf eine Kehrtwende zu hoffen und dann erst zu reagieren. Anders als die meisten anderen Vereine läuft Werder nicht Gefahr, einen Trainer zu früh oder unüberlegt zu entlassen, sondern, aus oben genannten Gründen, zu lange an ihm festzuhalten. Hinzu kommt, dass Eichin wohl selbst nicht so sicher im Sattel sitzt, dass er mehr als einen Trainerwechsel in dieser Saison überstehen würde, von den finanziellen Implikationen ganz abgesehen. Der Trainerwechsel, egal wann er kommt, muss sitzen.

Das Spiel gegen Köln dürfte dennoch zum Endspiel für Robin Dutt werden. Ich kann diese Entscheidung aus Sicht des Vereins verstehen, halte sie sportlich aber für falsch. Unabhängig vom Ausgang des Spiels gegen Köln braucht Werder einen neuen Trainer. Robin Dutt hat sich durch einige fragwürdige Entscheidungen in eine Sackgasse manövriert. Er hält an einem defensiv anfälligen 4-4-2 ohne eigenen Spielaufbau fest und setzt auf eine Spielweise mit vielen hohen Bällen, bei der man selbst als Fan des Vereins kaum darauf hoffen mag, dass sie Erfolg hat. Moderner Fußball – Gegenpressing hin oder her – sieht anders aus. Hinzu kommen fragwürdige Personalentscheidungen und zunehmende Sturheit, die ich beim Pragmatiker Dutt in der letzten Saison so nicht erlebt habe. Auf der Habenseite stehen Verbesserungen im Gegenpressing und (im Vergleich zur letzten Saison) bei den Abläufen im Angriffsdrittel. Das ist, mit Verlaub, eine ziemlich schlechte Bilanz für einen Trainer.

Es liegt mir eigentlich fern, den Kopf eines Trainers zu fordern, doch meiner Meinung nach führt kein Weg daran vorbei, Robin Dutt zu entlassen – und das möglichst bald.

32. Spieltag: Überraschend, aber chancenlos

Bayern München – Werder Bremen 5:2 (1:2)

Eine Halbzeit lang konnte Werder den FC Bayern ganz gewaltig ärgern. Danach steigerte sich der Deutsche Meister, konnte das Spiel schnell drehen und konnte sich in der letzten halben Stunde für die Champions League warmschießen.

Eine fast perfekte Kopie

Real Madrid wollte man kopieren, so die Aussagen vor dem Spiel und Werder ließ dem Taten folgen. Statt in der gewohnten Raute spielte Werder im 4-4-1-1/4-4-2 und Dutt beantwortete die Frage “Junuzovic oder Selassie?” mit “Beide!” wodurch etwas überraschend Elia auf die Bank musste. Die Entscheidung erwies sich jedoch schnell als richtig, weil Werder Madrid auch von der Ausrichtung her kopierte. Mit zwei dicht gestaffelten Viererketten sollte der Strafraum abgesichert werden. Davor gab Di Santo den flexiblen Stoßstürmer (Benzema), während Hunt als Verbindungsspieler immer zwischen Mittelfeld und Angriff pendelte (Ronaldo). Trotz erwartet hoher Ballbesitzzahlen konnte Bayern nur selten in gefährliche Zonen vorstoßen. Auf der anderen Seite rückte Werder weit auf, wenn Bayern das Spiel über Manuel Neuer aufbaute und spielte phasenweise ein hohes Angriffspressing, bei dem jeweils einer der Spieler aus dem Mittelfeld (meist Junuzovic) weit vorschob und Druck auf die abkippenden bayerischen Sechser machte.

Das größte Bremer Plus in der ersten Halbzeit war jedoch nicht die – zu keinem Zeitpunkt komplett sattelfeste – Defensive, sondern das schnelle Umschalten nach Ballgewinn. Zum Ende der Saison zeigt Werder hier endlich die erhofften, aber kaum mehr erwarteten Fortschritte. So konnte man Bayern tatsächlich einige Male in unsortierten Phasen erwischen und schnelle Konter in Richtung Manuel Neuers Tor bringen. Das 0:1 war ein Überzahlkonter wie aus dem Lehrbuch. Hunt zieht durch einen geschickten Lauf Dante aus dem Zentrum, Makiadi beweist ein gutes Gespür für den richtigen Moment für den Pass und Selassie schließt gegen Alaba und Neuer kaltschnäuzig ab. Beim 1:2 behauptet Di Santo einen Befreiungsschlag gegen Dante und spielt mit dem Rücken zum Tor ein tollen Pass in den Raum hinter Boateng, der zunächst auf Abseits spielen will und dann von Hunt vernascht wird. Vor allem das zweite Bremer Tor hinterließ Wirkung. Bis zur Pause hatte Werder seine stärkste Phase und konnte das Spiel häufiger in die Münchner Hälfte verlagern. Ein drittes Tor wäre möglich gewesen, doch Garcia stand bei seinem Kopfballtreffer im Abseits und Di Santo verpasste eine Hereingabe in der Mitte knapp.

Keine Chance nach dem Wechsel

So sehr Werder Bayerns Defensivprobleme in der ersten Halbzeit offenlegte, die bayerische Offensive bekamen sie schon in der ersten Halbzeit nicht vollends in den Griff. Nachdem Guardiola zur Pause Lahm für den defensiv schwachen Weiser einwechselte, bekam das Spiel der Bayern einen neuen Impuls. Sie überluden nun häufig die linke Angriffsseite und spielten den Ball dann nach rechts, wo Lahm Platz hatte und nicht rechtzeitig gedoppelt werden konnte. Bereits nach wenigen Sekunden erspielte sich Bayern so die erste Chance der zweiten Halbzeit. Auch beim 4:2 hat Lahm lange Zeit, um seine Flanke zu timen. Ein zweiter Unterschied zur ersten Hälfte bestand darin, dass Bayern nun häufiger in die Halbräume zwischen den Bremer Viererketten kam und von dort gefährliche Kombinationen in den Strafraum spielte.

Innerhalb einer Viertelstunde machte Bayern aus einer drohenden Niederlage so einen komfortablen Sieg. Werder konnte in der zweiten Halbzeit überhaupt nicht mehr für Entlastung sorgen und machte hinten zu viele eigene Fehler, um das Spiel spannend zu halten. Beim 3:2 schaltet Caldirola zu schnell ab, bleibt nahe der Torauslinie stehen und hebt so das Abseits auf. Beim 5:2 prallen Bargfrede und Garcia zusammen, was Robben den Raum verschafft, um ungestört seinen geliebten Lauf parallel vor der Abwehrkette zu starten. Beim 4:2 kommt Schweinsteiger in Prödls Luftraum völlig unbedrängt zum Kopfball. Dass der starke Makiadi kurz nach der Pause durch einen verunsichert wirkenden Ignjovski ersetzt wurde, half ebenfalls nicht. Nach 70 Minuten gab Dutt seinen ursprünglichen Plan auf und nahm die einzige Spitze vom Feld. Da auch Bayern in der Schlussphase nicht mehr mit letztem Willen agierte, blieb es beim 5:2. Ein Sieg, den sich Bayern zunächst hart erarbeiten musste, der dann jedoch auch höher hätte ausfallen können.

Bereit für den letzten Schritt?

Für Werder ist es eine eingeplante Niederlage in einem Spiel, aus dem man viel Positives mitnehmen kann. 45 Minuten lang zeigte Werder eine starke, gut organisierte Leistung, variierte erfolgreich zwischen tiefer Verteidigung und hohem Angriffspressing und schaltete schnell um. Über den defensiven Kollaps der zweiten Halbzeit sollte man dennoch nicht zu großzügig hinwegsehen. Bei aller bayerischen Überlegenheit fehlte Werder nach dem Wechsel die absolute Konzentration. Die Folge waren zu viele einfache Fehler, die man sich nicht nur gegen Bayern nicht erlauben darf.

Der Klassenerhalt ist – stand jetzt – noch nicht gesichert. Im Heimspiel gegen Hertha hätte man (ungeachtet der Ergebnisse des HSV) die Möglichkeit, den letzten Schritt dorthin zu machen. Die Entwicklungen der letzten Wochen legen nahe, dass Werder dazu bereit ist.

10 Zeilen, die 7 Gegentore schrieben*

Es drohte schon vorher: Debakel!
„Zweistellig!“ unkt das Orakel.
Man hoffte auf Xaver,
Und den langen Hafer,
Doch spielte der Gast ohne Makel.

Ein Abgesang nach sieben Toren
der Bayern, historisch verloren!
Die Kurve: verstummt.
Der Glühwein: verdummt.
Und quillt später aus allen Poren.

* Das Ergebnis des Projekts: “Nach Glühweingenuss den inneren Kamke entdecken”

Von Äpfeln und Birnen

Schafft der deutsche Vereinsfußball im nächsten Jahr endlich den Sprung aus der Krise? Mit Bayern München und Borussia Dortmund schicken sich zwei Vereine an, die 38-jährige Durststrecke für den deutschen Fußball zu beenden.

Nach zwei Finalpleiten in Folge (2010 gegen Inter, 2012 gegen Chelsea) soll beim FC Bayern 2014 alles besser werden. Doch befindet sich der Verein wirklich auf dem richtigen Weg? Für Stirnrunzeln sorgte die Entscheidung des Vereins, im Sommer trotz überwiegend grandioser Leistungen in der Qualifikation Trainer Jupp Heynckes in Rente zu schicken und den noch titellosen Pep Guardiola als Nachfolger zu verpflichten. Guardiola brachte den FC Barcelona zwischen 2008 und 2012 wieder zurück in die europäische Spitze, scheiterte in den Turnieren 2010 und 2012 jedoch jeweils im Halbfinale an den späteren Siegern und Bayern-Bezwingern. Heynckes gewann immerhin 1998 mit Real Madrid einen Titel.

Die ersten Spiele der Bayern unter Guardiola deuten großes Potential an, was angesichts Heynckes starker Vorarbeit nicht überrascht. Als Top-Favorit wird sein Team im Sommer 2014 jedoch auf eine harte Probe gestellt. Überhaupt scheint sich der Katalane mit Favoritenrollen schwer zu tun. Unter Guardiolas Führung ragte Barcelona jeweils in der Qualifikation heraus, startete auch durchaus ansprechend in die folgenden Turniere, konnte in den entscheidenden Spielen allerdings nie die erhoffte Leistung bringen. So verließ Guardiola Barcelona nach vier Jahren, ohne den Erfolg seines Vorgängers Frank Rijkaard aus dem Jahre 2006 wiederholen zu können. Superstar Lionel Messi haftet seitdem der Beinahme “Der Unvollendete” an.

Gänzlich anders sieht die Lage bei Borussia Dortmund aus. Wie alle anderen deutschen Vereine außer dem FC Bayern noch ohne Titelgewinn, können die Dortmunder befreit aufspielen. Nach längerer Abstinenz qualifizierte man sich mit einer jungen Mannschaft und mitreißendem Fußball für das Turnier 2012. Dort enttäuschte die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp zwar auf voller Linie, konnte jedoch wertvolle Erfahrung sammeln, die sich im kommenden Turnier noch als nützlich erweisen dürfte. Im letzten Jahr zeigte sich der BVB jedenfalls gefestigt und hatte keinerlei Mühe, sich für das kommende Turnier zu qualifizieren. Den Außenseiterstatus haben die Dortmunder dadurch erst einmal verspielt, doch steht man dank der bayerischen Dominanz weiterhin außerhalb des Fokus. Hört man sich im Verein um, scheint dies niemanden zu stören – ganz im Gegenteil. Die Verantwortlichen hoffen darauf, im Schatten der Bayern ohne Druck in das Turnier gehen zu können, um dort dann groß aufzutrumpfen.

Positive Auswirkungen vom sich abzeichnenden Aufschwung des deutschen Fußballs erhofft sich Bundestrainer Joachim Löw. Zwar liegt der letzte Titel der deutschen Nationalmannschaft im Sommer mit 18 Jahren nur vergleichsweise kurz zurück, doch waren die Auswirkungen der deutschen Vereinsfußballkrise lange Zeit auch in der DFB-Auswahl spürbar. In den letzten Jahren hat sich dies jedoch geändert. Der deutsche Fußball produziert wieder hochtalentierte Nachwuchsspieler, die auch der Nationalmannschaft zu Gute kommen. So stehen die Chancen nicht schlecht, dass Deutschland bei der kommenden WM in Brasilien mal wieder einen Titel gewinnt.

Dass die Nationalmannschaft dabei nicht unbedingt auf den Erfolg des deutschen Vereinsfußball angewiesen ist, zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher: Seit dem letzten Vereinstitel 1976 konnte die DFB-Auswahl immerhin drei große Titel gewinnen (1980, 1990 und 1996). Traditionell ist Deutschland eher ein Land des Verbandsfußballs, wo man mit je drei Welt- und Europameistertiteln zu den weltweit erfolgreichsten Fußballnationen zählt. Im Vereinsfußball lautete das Motto abgesehen vom Höhenflug der Bayern 1974 und 1976 eher: Dabei sein ist alles.

Woran es liegt, dass viele deutsche Spieler im Verein oftmals nicht die gleiche Leistung abrufen können, wie in der Nationalmannschaft, konnte trotz intensiver Bemühungen noch nicht herausgefunden werden. Gerade in den wichtigen Spielen scheinen die Spieler auf Vereinsebene dem Druck nicht gewachsen zu sein. Das beste Beispiel hierfür ist das letztjährige Finale der Bayern gegen den FC Chelsea, das trotz deutlicher spielerischer Überlegenheit ins Elfmeterschießen ging und dort mit einem Fehlschuss von Bastian Schweinsteiger entschieden wurde. Auf Verbandsebene gehört das Elfmeterschießen seit jeher zu den großen deutschen Stärken. Die letzte Niederlage in dieser Disziplin gab es genau in dem Jahr, in dem Bayern den letzten Titel holte. Dass damals ein bayerischer Spieler und heutiger Präsident des Vereins den entscheidenden Elfmeter verschoss, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Retro

Werder Bremen – Bayern München 4:1

Die Meisterschaft ist wieder spannend. Am 28. Spieltag fügte Werder dem Tabellenführer eine herbe Niederlage zu und ist nun punktgleich mit den Bayern.

Umstellungen und starke Bayern

Beide Trainer mussten vor der Partie umstellen. Bei den Bayern fehlte Jan Wouters, für den der wiedergenesene Lothar Matthäus zurück in die Startaufstellung rückte. Matthäus hatte sich unter der Woche auch im vereinsinternen Machtkampf mit Mehmet Scholl um die Rückennummer 10 durchgesetzt. Scholl lief mit Wouters etatmäßiger Nummer 7 auf. Auch Werder hatte einen Ausfall zu beklagen. Libero Rune Bratseth fehlte (wie auch Wouters) aufgrund eines Länderspiels seiner Nationalmannschaft und wurde von Frank Neubarth ersetzt. Spielmacher Andreas Herzog war rechtzeitig zum Spiel fit geworden und konnte – dank Schmerzmitteln – die Partie bestreiten.

Werder begann das Spiel mit viel Biss und setzte Bayern in der Anfangsphase gehörig unter Druck. Die Manndeckung wurde konsequent eingehalten, sodass den bayerischen Mittelfeldspielern kaum Platz zur Entfaltung gelassen wurde. Doch es war die Mannschaft von Erich Ribbeck, die die erste Halbzeit dominierte. Während Werders Angriffe sehr schematisch vorgetragen wurden und meistens in einfach zu verteidigenden Flanken endeten, setzten sich die Flügelspieler der Bayern häufig in Szene und stellten Werder vor Probleme. Vor allem Chrisitan Ziege auf der linken Seite entwischte seinem Gegenspieler Thomas Wolter immer wieder im Rücken. Folgerichtig war es auch Ziege, der die Führung für den Rekordmeister erzielte.

Herzog fällt, Rufer eiskalt

Werder konnte sich bei Oliver Reck bedanken, dass es zur Pause keinen höheren Rückstand zu beklagen gab. Der Bremer Keeper rettete mehrfach in 1-gegen-1-Situationen. Doch nicht nur das, kurz vor dem Pausenpfiff fiel tatsächlich noch das schmeichelhafte 1:1. Andreas Herzog setzte sich mit einer Einzelaktion gegen drei Bayern durch und kam im Strafraum zu Fall. Die Zeitlupe zeigte, dass eine Berührung vorlag, aber Herzogs theatralischer Fall gab der Szene einen faden Beigeschmack. Schiedsrichter Aust gab den Elfmeter, den Wynton Rufer auf seine unnachahmliche Art verwandelte: Er wartete, bis sich der junge Ersatztorwart Uwe Gospodarek für eine Ecke entschied und schob den Ball dann lässig in die andere Ecke.

Nach dem Seitenwechsel brachte eine ähnliche Szene dann die endgültige Wende des Spiels. Werder kam hellwach aus der Pause und nach einem langen Ball von Legat auf Herzog zeigte Aust erneut auf den Punkt. Gospodarek hatte Herzog an der Strafraumgrenze berührt, doch auch hier zeigte die Zeitlupe, dass es Herzog war, der den Kontakt suchte und sich dann fallenließ. Rufer war dies egal und er verwandelte auch seinen zweiten Elfmeter des Spiels zu seinem 14. Saisontor. Es war in der gesamten Saison der erste Bremer Treffer in der Phase zwischen der 45. und 60. Minute.

Rehhagels clevere Umstellung, Wohlfahrt macht den Mill

Nach Werders Führungstreffer erlebten die Fans im Weserstadion eine offene Partie mit vielen Torchancen auf beiden Seiten. Es ging in hohem Tempo hin und her, das Mittelfeld wurde  von beiden Teams schnell überbrückt. Die größte Chance in dieser Phase vergab der für den verletzten Bruno Labbadia eingewechselte Roland Wohlfahrt, der einen Abpraller vom Pfosten aus zwei Metern am leeren Tor vorbeischob. Vielleicht hatte ihn Oliver Recks Torwarttrikot im Patchwork-Look irritiert. Mit zunehmender Spieldauer erhöhten die Bayern das Risiko und ermöglichten Werder somit die Chance auf Konter.

Es war jedoch eine Umstellung Otto Rehhagels, die das Spiel zugunsten der Bremer kippte. Er wies Spielmacher Herzog an, ein Stück weiter vorne zu agieren, während sich Rufer und Hobsch nach hinten fallenließen und so die Manndecker aus ihren Positionen zogen. Bayern brauchte zu lange, um sich darauf einzustellen. Schon bei der Elfmetersituation war Herzog in der Sturmspitze aufgetaucht und auch bei vorentscheidenden 3:1 nahm wieder diese Position ein. Einen Konter mit 2-gegen-1-Überzahl schloss der Österreicher nach Vorarbeit von Marco Bode sehenswert ab.

Werder kontert und lauert auf die Meisterschaft

In der Folge warf Bayern alles nach vorne, doch es war bereits zu spüren, dass die letzte Überzeugung verloren gegangen war. Zehn Minuten vor dem Ende traf Bernd Hobsch nach einem weiteren schnellen Konter zum 4:1 für die Gastgeber. Danach war die Luft aus dem Spiel. Werder kontrollierte die Schlussphase während das Spiel dem Ende entgegen plätscherte. Rehhagel nutzte die Gelegenheit und brachte für Doppeltorschütze Wynton Rufer Routinier Thomas Schaaf in die Partie, der sein 250. Bundesligaspiel feiern durfte. Kurz darauf feierte das ganze Weserstadion den Sieg, der letztlich etwas zu hoch ausfiel, aufgrund der Leistungssteigerung in Halbzeit 2 und Herzogs furiosem Auftritt in der Sturmspitze jedoch verdient war.

Die Schlussphase der Saison verspricht nun spannend zu werden, denn Werder trennen nur noch zwei Tore von der Tabellenspitze. Auch Dortmund und Frankfurt können sich mit zwei bzw. drei Punkten Rückstand noch Hoffnungen auf den Titel machen. Der Sieg sollte Werder in jedem Fall Schwung für die verbleibenden sechs Spiele geben. Als nächstes geht es auswärts gegen Wattenscheid 09, während die Bayern mit Stuttgart den weitaus stärkeren Gegner haben. Wer weiß, vielleicht gelingt es den Grünweißen ja sogar, sich für den verspielten Titel 1986 zu revanchieren und den Bayern kurz vor Schluss noch die Tabellenführung, die sie seit dem 1. Spieltag innehaben, zu entreißen. Wer hätte davon nach dem verkorksten Saisonstart schon zu träumen gewagt?

DFB-Pokal Finale: Borussia Dortmund – Bayern München (live)

21.54

Endstand: Borussia Dortmund – Bayern München 5:2

Verdienter Sieg des BVB, der über das gesamte Spiel mehr Gefährlichkeit im Angriffsdrittel ausstrahlte und letztlich auch entfachte. Man hat gesehen, dass Bayern aus den letzten Spielen gegen Dortmund gelernt hat. Zumindest was die Offensive angeht. Das Angriffsspiel war variabler und man hat sich Chancen erarbeitet. Defensiv wirkte man aber nach jedem Fehlpass völlig neben der Spur, als wäre man überrascht, dass sich der BVB mit mehr als zwei Spielern über die Mittellinie traut.

Jürgen Klopp im Interview sichtlich freudentrunken. “Ich möchte nicht so lange reden, ich muss noch zum ZDF.”

Dortmund feiert, Bayern muss die Wunden lecken und vor dem Champions League Finale gegen Chelsea die richtigen Schlüsse ziehen, wie man die Defensive stabilisiert.

21.53

89′ Die Dortmunder Bank feiert schon. Gleich darf sich der BVB auch Doublesieger nennen.

21.49

84′ Zweiter Wechsel bei Dortmund: Perisic für Kuba.

Die Probleme der Bayern heute lagen nicht in der mangelnden Durchsetzungsfähigkeit vorne. Wer so viel zulässt, muss offensiv allerdings ein Feuerwerk abbrennen. Das tun die Bayern nicht und nach dem erneuten Gegentor erst Recht nicht mehr.

21.46

82′ Borussia Dortmund – Bayern München 5:2, Lewandowski. Neuer lässt einen schon sicher geglaubten Ball aus den Händen gleiten. Flanke Kuba, Kopfball Lewandowski ins leere Tor.

Gelb gegen Hummels nach Foul an Müller.

21.45

80′ Es ist nicht so, dass der FCB sich hier hängen lässt. Dortmund lässt wenig zu und die Bayern beißen sich die Zähne dran aus – gemessen am Spielstand.

Wechsel BVB: Der bärenstarke Kagawa geht, Sven Bender kommt.

21.40

75′ Borussia Dortmund – Bayern München 4:2, Ribery. Starke Einzelaktion. Ribery ist mal nach rechts ausgewichen, zieht in die Mitte und schießt den Ball robbenesk ins lange Eck.

21.34

69′ Mal wieder eine Torchance für die Bayern durch Gomez. Ansonsten sieht das aus Bayern-Sicht ziemlich trostlos aus. Man sollte nicht darauf schieben, dass Bayern sich für Chelsea schont. Aber nach dem Nackenschlag durch Lewandowski scheint dieses Spiel hier durch zu sein.

Contento kommt für Alaba.

21.23

58′ Borussia Dortmund – Bayern München 4:1, Lewandowski. Zweiter gefährlicher Konter innerhalb von zwei Minuten. Drei gegen zwei, Kagawa verzögert geschickt, legt raus zu Großkreuz, der Lewandowski bedient, dessen Schuss Neuer keine Chance lässt. Kann man nicht viel besser zu Ende spielen.

21.15

49′ Langerak verschätzt sich und kommt gut 25 Meter aus dem Tor, bekommt den Ball aber nicht geklärt. Robbens Pass auf Gomez wird von Subotic abgegrätscht, sonst hätte dieser freie Bahn aufs leere Tor gehabt.

21.09

46′ Es geht weiter. Nach einer kleinen Verzögerung wegen Feuerwerkskörpern im Dortmund-Block.

Wechsel bei den Bayern: Thomas Müller für Luiz Gustavo. Naheliegender Wechsel.

20.55

Halbzeit: Borussia Dortmund – Bayern München 3:1.

Klasse Spiel im Olympiastadion. Bayern hat mit viel Druck losgelegt, aber der BVB hat ihnen nach etwa 10 Minuten ganz gut den Zahn gezogen. Ein bisschen Matchglück war auch dabei, als man mit der ersten Chance des Spiels in Führung ging. Danach war es ein ausgeglichenes Spiel, in dem Dortmund zwar weniger Anteile hatte, aber in Tornähe immer ein Stück weit gefährlicher wirkte.

Kagawa in seinem vielleicht letzten Spiel für den BVB bislang der entscheidende Mann.

Was genau kann man Bayern heute eigentlich vorwerfen? Nach vorne gibt es nicht allzu viele Kritikpunkte. Im Aufbauspiel passieren jedoch zu viele Fehler und Dortmund nutzt das klasse aus. Dortmund spielt aber nicht allein reaktiv auf Konter. Wann immer ein Ball im Angriffsdrittel gewonnen wird, rückt das Team nach und sorgt in Ballnähe für Über- mindestens aber für Gleichzahl. Die linke Abwehrseite der Bayern wirkt nicht sattelfest und Luiz Gustavo steht völlig neben sich. Beim BVB gibt es keine wirklichen Schwachstellen. Der FCB muss sich alles selbst erarbeiten.

20.48

45+1′ Borussia Dortmund – Bayern München 3:1, Lewandowski. Dortmund spielt seine (wenigen) Angriffe klasse aus. Lewandowski legt den Ball mit dem Kopf ab, Kagawa mit einer Finte gegen Badstuber und einem genialen Pass in den Lauf von Lewandowski, der eiskalt abschließt, auch wenn Neuer wieder dran war.

Durchs Olympiastadion schallt es Zieht den Bayern die Lederhosen aus.

20.46

45′ Fünf Minuten Nachspielzeit, nach der Verletzung von Weidenfeller verständlich.

20.41

41′ Borussia Dortmund – Bayern München 2:1, Hummels. Neuer ist dran, aber der Ball geht rechts unten ins Tor. Knappes Ding, aber Dortmund führt wieder.

20.40

40′ Elfmeter für Dortmund. Boateng erwischt Kuba. Keine Diskussion.

20.34

34′ Geht nicht weiter bei Weidenfeller. Langerak, der schon seit fünf Minuten bereit steht, kommt für ihn rein.

20.27

27′ Freistoß Dortmund nach Handspiel Alaba an der rechten Strafraumecke. Hübsche Variante, aber geklärt.

20.25

25′ Borussia Dortmund – Bayern München 1:1, Robben. Flach unten rechts.

20.24

23′ Elfmeter für Bayern. Weidenfeller kommt gegen Gomez zu spät und erwischt ihn am Fuß. Starker Pass von Schweinsteiger leitete die Situation ein.

20.22

22′ Kroos gefällt mir sehr gut. Großer Aktionsradius, lässt sich mal tief fallen, mal mit in die Spitze. Unterstützt dazu die Außen gut. Dennoch haben die Bayern Probleme, Lücken in die beiden Viererketten des BVB zu schlagen. Von selbst bietet Dortmund kaum welche an.

20.19

19′ Spiel hat sich etwas beruhigt. Bayern mit mehr Ballbesitz, aber Dortmund stellt jetzt sehr gut zu. Die Bayern müssen immer wieder hintenrum spielen. Versuchen es meistens über die Außen, wo Dortmund sofort attackiert.

Marcel Reif und Luiz Gustavo werden in diesem Leben keine Freunde mehr.

20.12

12′ Geht weiter. Ecke der Bayern bleibt ohne Gefahr. Weidenfeller hustet. Freistoß Bayern am linken Flügel nach Foul an Ribery.

20.11

11′ Sieht nicht gut aus für Weidenfeller. Er zieht die Handschuhe aus, aber steht wieder. Langarak macht sich warm.

20.09

8′ Eigentlich waren die Bayern in den Anfangsminuten aggressiver im Spiel nach vorne. Nach dem Rückstand hat sich daran selbstverständlich wenig geändert. Gomez frei vor dem Tor, doch Weidenfeller kann zur Ecke klären und bleibt angeschlagen im Strafraum liegen, wird behandelt.

20.05

3′ Borussia Dortmund – Bayern München 1:0, Kagawa. Schlimmer Fehlpass von Gustavo landet bei Kuba, der vor Neuer in die Mitte auf Kagawa ablegt. Der schiebt ihn ins leere Tor.

20.03

2′ Starker Bayernangriff über Rechts bringt die erste leichte Torgefahr. Doppelpass zwischen Lahm und Robben, aber die Hereingabe wurde abgeblockt.

3′ Und auf der anderen Seite das Tor von Kagawa!

20.00

1′ Und los geht’s. Anstoß Bayern.

19.55

Gomez hat mich zum Ende dieser Saison noch einmal überrascht. Beim Spiel in Dortmund bekam man noch den Eindruck, dass er bei aller Torgefahr seine Mannschaft spielerisch doch eher schwächt. In Madrid zeigte er dann jedoch, dass er auch weitere Aufgaben auf dem Spielfeld erfüllen kann. Mal sehen, ob er heute mehr mitarbeitet und die langen Bälle von Hummels ein Stück weit unterbindet.

19.52

Auch bei allesaussersport gibt es ein Live-Blog

19.50

Bayerns Problem war lange Zeit, dass man zu ausrechenbar war. Solange man auf die Läufe von Ribery und Robben auf dem Flügel angewiesen ist, dürfte man wieder Probleme bekommen. Außer Inter Mailand im Champions League Finale 2010 hat es bislang keine Mannschaft so gut verstanden, die bayerischen Flügelspieler in den Griff zu bekommen, wie der BVB. Die Antwort der Bayern könnte Toni Kroos heißen, der zuletzt wieder in der starken Form des Herbstes war.

19.44

Nachdem Dortmund die letzten vier Duelle gegen Bayern gewonnen hat, ist vom Angstgegner die Rede. Beim letzten Spiel der Beiden war jedoch eine gehörige Portion Glück mit dabei am Ende. Man hatte den Eindruck, dass sich die Bayern besser auf Dortmund eingestellt haben. Zudem konnte sich der BVB dort ein Unentschieden erlauben. Das Momentum liegt zumindest nicht mehr so sehr auf der Seite der Dortmunder, wie noch vor ein paar Wochen.

19.40

Talking Points vor dem Spiel:

  • Wie wirkt sich die breite Brust der Bayern nach dem Finaleinzug in der Champions League aus?
  • Kann Dortmund die bayerische Flügelzange wieder kontrollieren und wenn ja, wie reagieren die Bayern darauf?
  • Sehen wir den statischen Gomez aus dem Ligaduell oder den mitspielenden Gomez aus dem Spiel in Madrid?

19.35

Die Aufstellungen:

BVB: Weidenfeller – Piszeck, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Kehl – Kuba, Kagawa, Großkreuz – Lewandowski

Bayern: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribery – Gomez

Keine wirklichen Überraschungen dabei. Götze beim BVB, Müller bei den Bayern auf der Bank.

19.29

Nach ein paar Problemen mit meinem Sat-Receiver kann es hier losgehen. Ein Live-Blog aus dem Norden zu einem Spiel im Osten zwischen einer Mannschaft aus dem Westen und einer Mannschaft aus dem Süden.

19.26

Moin aus Bremen!

Um 20 Uhr trifft der Deutsche Meister Borussia Dortmund im Pokalfinale in Berlin auf den Champions League Finalisten Bayern München. Ab 19 Uhr gibt es an dieser Stelle ein Live-Blog zum Spiel.

Pizarro zu den Bayern – Die Überraschung, die keine ist

Glaubt man dem Münchner Merkur, steht Claudio Pizarros Wechsel zum FC Bayern bereits fest. Auch die in Werder-Fragen für gewöhnlich gut informierte Kreiszeitung Syke bezeichnete den Wechsel als fix. Nach dem Spiel zwischen Werder und Bayern am Wochenende soll dann auch offiziell Vollzug gemeldet werden. Allofs dementiert noch und auch Pizarro und die Bayern schweigen, doch es ist davon auszugehen, dass es sich nur um die übliche Hinhaltetaktik handelt.

Schon länger war über einen möglichen Wechsel des Peruaners spekuliert worden und in Bremen sorgt die Personalie verständlicherweise für viel Wirbel. Pizarros derzeit dürftige Leistungen tragen ihr übriges dazu bei, die Gemüter hochkochen zu lassen. Warum, so lautet die vorwurfsvolle Frage, setzt sich Pizza lieber bei den Bayern auf die Bank, als bei Werder zu spielen?

Blendet man die Emotionen aus, ist der Wechsel – so er denn zustande kommt – ein logischer Schritt und auch für Werder eine Entwicklung mit Vorteilen – neben dem offensichtlichen Nachteil, dass man einen der besten Stürmer der Vereinsgeschichte verliert.

Dass Pizarro einem Wechsel zu Bayern München nicht abgeneigt sein würde, ergibt sich schon aus seiner Vita. Es wird gerne übersehen, dass er ebenso lange bei den Bayern spielte (6 Jahre), wie bei Werder. Finanziell wird er sich durch den Wechsel nicht verschlechtern, zumal er ablösefrei kommt. Bleibt die Frage der sportlichen Perspektive. Dass die Chance auf Titel und Champions League bei den Bayern größer ist, als bei Werder kann man nicht einmal durch die grünweißeste aller Fanbrillen übersehen. Auch die Aussichten auf Einsätze sind angesichts der mutmaßlich wieder hohen Anzahl an Spielen nicht so schlecht, wie von einigen Werderfans angenommen. Zwar dürfte Mario Gomez weiterhin Stürmer Nummer 1 bleiben, doch wäre Pizarro als erste Option dahinter immer ein Kandidat für Einwechslungen  und rotationsbedingt dürften auch Einsätze in der Startelf für Pizarro drin sein. Der Körper des Peruaners spielte schon in den letzten beiden Jahren nicht immer mit, sodass eine geringere Anzahl an Spielen durchaus sinnvoll ist.

Auch für Werder hätte der Wechsel einen Vorteil, der kurzfristig erstmal ein Nachteil ist: Pizarro überspielte mit seinen Toren in den letzten Jahren häufig die Unzulänglichkeiten im Bremer Spiel. Die Abhängigkeit von Pizarro wurde im Saisonverlauf immer offensichtlicher. Fällt diese “Lebensversicherung” weg, sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, sich weiter in die Tasche zu lügen. Werder ist ein Verein, der sich mit Veränderungen schwer tut. Je offensichtlicher die Notwendigkeit von Neuerungen wird, desto weniger kann man sich dagegen wehren. Natürlich wird Werder durch den Wechsel vorerst geschwächt. Andererseits kann nun kein anderer Stürmer mehr auf die Übermacht Pizarros verweisen, an dem es nun mal kein Vorbeikommen gäbe. Werders Offensivabteilung wird voll gefordert sein und mittelfristig wird sich das meiner Meinung  nach bezahlt machen.

So traurig der Weggang eines genialen Spielers und Sympathieträgers ist, für Werder bietet er eine weitere Chance zur Erneuerung. Wenn der Umbruch in der kommenden Saison nicht gelingt, dann fällt man dieses Mal richtig auf die Nase – solange, bis man seine Lektionen gelernt hat.

Bayern München vs. Real Madrid – Champions League Halbfinale

Live-Blog

23.02

“Wenn ich das so sehe ist das Gelb-Rot, aber der Schiedsrichter hat sich mit Gelb begnügt.” – Regelgott Jupp Heynckes zu Marcelos Foul an Müller.

22.45

Zwei Anmerkungen zum Schluss:

1. Auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist, muss es gesagt werden: Die Bildregie ist eine Katastrophe! Eine Großaufnahme jagt die nächste, der Spielverlauf lässt sich so nicht vernünftig mitverfolgen, wenn man quasi nie eine Totalansicht des Spielfelds hat, wenn der Ball in Richtung der Strafräume läuft.

2. Die “Elfmeterszene” von Gomez kurz vor Schluss zeigte mal wieder den Unsinn der Elfmeter-Regel. Auf der linken Seite spielt der Verteidiger klar den Ball. Auf der rechten Seite trifft der andere Verteidiger nur den Spieler. An jeder anderen Position des Spielfelds wäre das ein Freistoß und das Argument, dass der Ball schon weg gewesen sei, würde niemand ernst nehmen (siehe Marcelo-Foul am Ende). Beim Elfmeter stellt die Bestrafung (80%ige Torchance) eine unverhältnismäßige Strafe dar, weshalb kaum ein Schiedsrichter diesen Elfmeter gibt. Das schwammige “Fingerspitzengefühl” soll also eine unsinnige Regel ausgleichen. Kein Wunder, dass es hier so viel Diskussionsstoff gibt.

22.37

Endstand: Bayern München – Real Madrid 2:1.

Den “hochverdienten Sieg”, den Marcel Reif den Bayern attestiert, habe ich nicht gesehen. Es war ein enges Spiel, das die Bayern nach Anfangsnervosität mit offenem Visier angegangen sind und sich schon allein deshalb den Sieg verdient. Andererseits war Bayern selten so zwingend, dass das Ergebnis unabänderlich gewesen wäre.

Eine realistische Chance hat Bayern mit dem Ergebnis in Madrid definitiv. Real wird sich deutlich steigern müssen, was im eigenen Stadion auch mehr als wahrscheinlich ist.

22.37

90+3′ Marcelo mit klar rotwürdigem Foul, sieht aber nur Gelb. Webb, wie er leibt und lebt. Madrid, wie es leibt und lebt.

22.36

90+2′ Noch einmal ein Freitstoß für Madrid, den Neuer locker abfängt. Die Führung hat sich Bayern erkämpft. Sie ist verdient, auch wenn Bayern trotz Feldüberlegenheit wenig richtig gute Chancen hatte.

Gelb gegen Higuain.

22.32

90′ Bayern München – Real Madrid 2:1, Gomez.

Lahm setzt sich stark gegen Coentrao durch und flankt von der Grundlinie flach vors Tor, vor drei Verteidiger und ein Torwart verdutzt zuschauen, wie Gomez den Ball ins Tor spitzelt.

22.29

86′ Erneut eine Kopfballchance für Gomez, dessen Kopfball aber leichte Beute für Casillas ist. Torchancen bekommen die Bayern, doch richtig zwingend werden sie kaum.

22.27

83′ Ribery mit einem Kunststück am Ball, das zwei Gegner aus dem Spiel nimmt. Seine Hereingabe verpasst Robben in der Mitte knapp und Real kann mit etwas Gewürge klären. Ribery fordert anschließend lautstark einen Handelfmeter, aber Pepe bekam den Ball deutlich sichtbar an die Brust.

84′ Letzter Wechsel Madrid: Higuain für Benzema.

22.24

81′ Auch wenn die Bayern tonangebend bleiben, hat Madrid das Zentrum ganz gut zu bekommen. Nach vorne riskiert man kaum noch etwas, warum auch. Bayern auf der Suche nach der entscheidenden Lücke. Richtig gute Torchancen sind Mangelware.

22.21

78′ Nächster Wechsel bei Madrid: Granero kommt für di Maria ins Spiel.

22.19

75′ Nun hat auch Ramos Gelb gesehen, für ein typisches Ramos-Foul: Zu spät, mit Anlauf und voll durchgezogen.

22.15

72′ Nach dem Wechsel sieht es bei Real folgendermaßen aus: Marcelo als offensiver linker Flügelspieler und Ronaldo wechselt auf die rechte Seite.

Gute Chance für Gomez nach Flanke von Lahm, doch sein Kopfball geht übers Tor.

22.13

69′ Bayern hat gut reagiert und übt viel Druck auf Madrid aus, will ein Übergewicht erspielen und Real hinten rein drücken. Madrid hält jedoch früh dagegen und sucht die Zweikämpfe. Es geht viel über Kampf derzeit, den die Bayern annehmen und so in Tornähe kommen.

Mourinho reagiert: Marcelo kommt für Özil.

22.08

64′ Gelb gegen Lahm. Das Spiel ist nicht übermäßig hart und Webb pfeift erwartungsgemäß nicht kleinlich, aber es gibt viele kleinere Fouls und auch einige klar gelbwürdige Vergehen.

22.06

63′ Webb will dann mal seinen Ruf retten und lässt zwei harte Tacklings von Luiz Gustavo weiterlaufen (gab bislang keine Zeitlupe, kann die Szenen nicht richtig beurteilen) und winkt dann auch Pepes Rempler gegen Gomez im Strafraum durch.

22.04

61′ Wechsel FC Bayern: Thomas Müller kommt für Schweinsteiger, der ungläubig guckte, als die Tafel mit seinem Namen hochging. Kroos dürfte nun den zweiten Sechser geben und alles eine Spur riskanter werden.

22.03

58′ Was ich vorhin schreiben wollte, kurz bevor das Tor fiel: Offensiv waren die ersten Minuten der 2. Halbzeit enttäuschend von Madrid. Ein wichtiger Faktor dabei: Xabi Alonso ist völlig aus dem Spiel. Muss sich immer wieder sehr weit nach hinten fallenlassen und es sieht bei weitem nicht immer freiwillig aus. Die Spieleröffnung durch die Innenverteidiger ist schwach, was nichts neues ist, doch normalerweise kann man es über Alonso ausgleichen. Heute gelingt dies weit weniger.

60′ Gelb gegen di Maria wegen Ballwegschlagens

21.56

53′ Bayern München – Real Madrid 1:1, Özil.

Gerade wollte ich Madrids Schwächen in der Offensive beschreiben, da kontert Madrid mit erschreckender Überzahl die Bayern aus. Ronaldo schiebt völlig frei vor dem Tor Neuer den Ball in die Beine, doch Madrid setzt nach und Benzemas Hereingabe wird von Ronaldo hart und flach vors Tor geschossen, wo Özil den Fuß rein hält.

56′ Gelb gegen Coentrao und Xabi Alonso innerhalb weniger Sekunden.

21.48

46′ Es geht weiter. Beide Mannschaften bleiben aufstellungstechnisch unverändert.

21.32

Halbzeit: Bayern München – Real Madrid 1:0

Pausenüberschrift: Zahn gezogen. Die Führung der Bayern ist nicht unverdient, auch wenn die guten Phasen im wesentlich nach dem – irrgulären – Tor kamen, das den Spielverlauf zu dem Zeitpunkt auf den Kopf stellte. Mit der Führung im Rücken spielte Bayern auf und kam zu weiteren Torszenen, während Madrid in vielen Bereichen des Spiels Probleme bekam. Im Zentrum hat Bayern ein Übergewicht, das sich so in den ersten 20 Minuten nicht abzeichnete.

Pausenfrage: Wie viele Zähne hat Madrid noch und wann beißen sie zu?

Ein 0:1 ist ein schlechtes Auswärtsergebnis und Madrid wird im Laufe der Partie sicher den Druck erhöhen wollen. Versucht man bereits in der Anfangsphase der 2. Halbzeit das Pressing zu verstärken oder beschränkt man sich zunächst darauf, die Ordnung, die längst nicht immer stimmte, wieder herzustellen und auf Fehler der Bayern zu warten? Solange für Real die Null steht wird irgendwann der Punkt kommen müssen, an dem man mehr Risiko geht und dann bin ich sehr gespannt auf Bayerns Reaktion.

21.31

45′ Jetzt noch mal eine gute Freistoßchance für Bayern kurz vor der Strafraumgrenze. Kroos tritt ihn, in die Mauer. Eine Minute Nachspielzeit angezeigt, die schon fast wieder rum ist.

21.29

43′ Nach einigen Minuten, als di Maria auf die Zehnerposition rückte und Özil auf den linken Flügel ging, hatten die Bayern große Probleme sich darauf einzustellen. Nach und nach wurde Özil allerdings etwas zur Randfigur. Inzwischen orientiert sich Özil wieder etwas mehr in die Mitte, der linke Flügel bleibt offensiv des öfteren unbesetzt oder wird von Benzema eingenommen.

21.26

40′ Zunächst eine Chance für Benzema, den Alaba nicht am Schuss hindern kann und im Gegenzug spielt Kroos Gomez wunderschön frei und Casillas muss eine starke Parade auspacken, um den Ball übers Tor zu lenken.

21.23

36′ Langsam aber sicher findet Real zurück in die Partie, holt zumindest Standards aus guten Positionen heraus. Alonso bringt ihn von links rein. Gefährliche Flugbahn aber gut geklärt von den Bayern

Kurz darauf übles Foul von Robben an Coentrao, für das er zurecht Gelb sieht. Voll drüber gehalten.

21.17

31′ Gelb gegen Badstuber nach Foul an di Maria, der unglaublich viel Platz im Zentrum hatte. Wieder eine Ronaldo-Position, etwas weiter weg diesmal, gut 30 Meter.

Der Ball wird abgefälscht und ist leichte Beute für Neuer.

21.15

27′ Zweite Torchance für den FCB durch einen Schweinsteiger-Fernschusss, geht knapp am rechten Pfosten vorbei.

Von einer Dominanz würde ich noch nicht sprechen, aber die Bayern haben das Momentum deutlich auf ihre Seite gezogen.

29′ Auf der Gegenseite ein etwas verunglückter Schuss von Ronaldo übers Tor.

21.12

26′ Es ist nicht so, dass Real übermäßig beeindruckt wirkt, aber die Bayern scheinen mit dem Führungstor gemerkt zu haben, dass sie hier tatsächlich eine Chance haben, nachdem sie dem Gegner 10 Minuten mehr oder weniger bewundernd zugeschaut hatten. Deutlich mehr Tempo im Spiel der Hausherren, vor allem durch Ribery, aber auch den erwachten Robben.

21.07

22′ Jetzt eine gute Freistoßchance für Madrid nach überflüssigem Foul von Lahm. Ronaldo aus 22 Metern übers Tor. Mal sehen, wie lange das Tor für die Bayern als Aufputschmittel wirkt.

21.02

17′ Bayern – Madrid 1:0, Ribery.

Ecke von der linken Seite. Der Ball trudelt durch den Strafraum und Ribery schießt ihn aus 10 Metern rein. Gleich in zweierlei Hinsicht eine knifflige Szene: Badstuber springt der Ball an den Arm. Schwer, ihm da Absicht zu unterstellen, da der Arm quasi keine Bewegung macht. Luiz Gustavo stand dagegen im Abseits und nahm Casillas deutlich die Sicht. Aber das Tor zählt und kommt für Bayern zu einem sehr glücklichen Zeitpunkt.

21.01

14′ Seit ich geschrieben habe, das Bayern am Drücker bleibt, spielt hier nur noch Madrid. Robben und Ribery werden auf den Außen zugestellt, bevor sie überhaupt einen Ball bekommen (Robben: 0 Ballkontakte). Das ist kein wirklich aggressives Pressing, aber höchst effektiv. Bayern zeigt sich beeindruckt.

15′ Bayern fordert Elfmeter, aber Webb winkt direkt ab. Schwalbe von Ribery.

20.56

11′ Di Maria ist für mich der Mann der ersten 10 Minuten. Hinten sehr aufmerksam, sehr beweglich und mit großem Aktionsradius. Wenn er in die Mitte zieht und Özil für ihn auf den Flügel rückt, ist Real am gefährlichsten.

20.53

7′ Riesenchance für Madrid. Klasse Steilpass von Özil auf Benzema in die Spitze und Neuer wehrt den harten aber mittigen Schuss des Franzosen ab. Sobald Madrid den Ball ins Angriffsdrittel bekommt, machen sie Bayern Probleme.

20.51

5′ Erste gute Freistoßsituation für die Bayern. Marcel Reif ätzt gegen Howard Webb, den er seit dem WM-Finale 2010 nicht mehr leiden kann. Die Hereingabe wird per Kopf geklärt, doch Bayern bleibt gleich am Drücker. Madrid steht nicht tief, agiert aber (noch) eher abwartend.

20.47

@Estadox: Ich drücke niemandem so richtig die Daumen. Außer Özil :-)

20.45

1′ Und los geht’s. Anpfiff in der Allianz Arena.

20.44

Die Mannschaften kommen raus. Ich bin sehr gespannt, wie Madrid dieses Spiel angehen wird. Bei den Bayern kann ich mir kaum vorstellen, dass sie ihre Spielausrichtung groß ändern, zumal sie weniger Handlungsspielraum haben als Madrid. Sie müssen heute vorlegen. Real könnte sich auch auf eine Defensivtaktik verlegen, doch dazu passen weder Aufstellung noch Selbstverständnis (solange es nicht gegen Barcelona geht). Ich denke nach wie vor, dass Mourinho Bayerns Probleme bei gegnerischem Pressing ausnutzen will.

20.39

Keine Überraschungen bei den Aufstellungen. Die Bayern wie erwartet mit Müller auf der Bank und Schweinsteiger in der Startelf. Bei Madrid spielen Özil und di Maria in einer Dreierreihe mit Ronaldo sowie Coentrao als Linksverteidiger. Marcelo, die offensivere Variante hinten links, sitzt auf der Bank, genau wie Kaka und Higuain.

20.36

Ich experimentiere heute mal mit einem neuen Liveblogging-Plugin, deshalb kann man hier heute nicht kommentieren (außer natürlich unten drunter im “normalen” Kommentarfeld). Mal sehen, wie gut es funktioniert.

20.34

Die Aufstellungen:

FC Bayern: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribery – Gomez

Real Madrid: Casillas – Arbeloa, Pepe, Sergio Ramos, Coentrao – Khedira, Xabi Alonso – di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo – Benzema

20.30

Moin, äh, Grüß Gott aus Bremen!

Vorbericht

Die Mannschaften haben vor dem Halbfinale sehr unterschiedliche Ausgangssituationen: Bayern hat die Meisterschaft spätestens am Samstag verloren, kann aber über die Champions League noch vieles retten. Das Finale in München wäre ein Traum für den Verein. Real Madrid war vor ein paar Wochen schon fast sicher Meister und muss nun doch noch einmal zittern, falls man Samstag in Barcelona verliert. Diese Saison könnte zur Wachablösung in Spanien werden, doch dazu müsste man neben der Meisterschaft Barca auch die Champions League entreißen.

Real Madrid vor dem Spiel

Madrid hat sich offensiv weiterentwickelt und verfügt personell über sehr viele nahezu gleichwertige Optionen. Neben Ronaldo spielen drei Offensivakteure aus dem Sextett Benzema, Higuain, Özil, Kaka, di Maria und Callejon in einer flexiblen 3-1 Anordnung, die je nach Gegner angepasst werden kann. Im zentralen Mittelfeld hat man ebenfalls viele Optionen von energetisch (Lass, Khedira) bis spielerisch hochwertig (Xabi Alonso, Sahin). In der Abwehr werden keine gefangenen gemacht. Rustikaler als das Innenverteidiger-Duo Pepe und Sergio Ramos geht es nicht, ohne sich strafbar zu machen. In Marcelo und Coentrao hat man Außenverteidiger, die viel Dampf nach vorne machen können, aber auch für die vorsichtiger Variante stehen mit Arbeloa Optionen zur Verfügung. Kadermäßig kann José Mourinho aus dem vollen schöpfen.

Die schiere Offensivpower Madrids ist furchteinflößend. Im Sturmzentrum besitzt man mit Benzema und Higuain zwei Spieler, die zwar unterschiedliche Stärken, aber gleichwertige Torgefährlichkeit aufweisen. Cristiano Ronaldo hat seine überragende Torquote der letzten Saison sogar noch gesteigert. Wirklich begeistert bin ich jedoch vom Zusammenspiel von Özil, di Maria und Kaka. Egal welche zwei Mourinho spielen lässt, sie lassen sich kaum aus dem Spiel nehmen und bereiten Ronaldo und den Stoßstürmern mit genialen Pässen und Läufen den Weg. Dazu wirkt auch das defensive Mittelfeld dominanter als noch vor einem Jahr, so dass die Bayern nicht davon ausgehen sollten, mehr Ballbesitz zu haben. Oder plant Mourinho in München einen Defensivcoup? Angesichts der bayerischen Probleme mit aggressivem gegnerischen Pressing kaum vorstellbar.

Bayern München vor dem Spiel

Der FC Bayern spielt eine insgesamt gute Saison, hat allerdings seit dem goldenen Herbst mit einigen Problemen zu kämpfen, die verhindern, dass aus der guten eine überragende Saison wurde und die Jupp Heynckes bislang nicht in den Griff bekam. Bayern kann immer noch Mannschaften fast jeglichen Kalibers an die Wand spielen, gerät jedoch immer dann in Bedrängnis, wenn ein Gegner aggressives Pressing spielt. Den dafür nötigen Organisationsgrad und das Selbstvertrauen haben zum Glück für die Bayern nicht allzu viele Mannschaften. Dank der individuellen Klasse der Offensivspieler und der unter Heynckes zurückgekehrten defensiven Stabilität zählt man weiterhin zu den Topteams in Europa. Einen spielerischen Fortschritt kann man abgesehen vom zwischenzeitlichen Höhenflug im Herbst jedoch nicht erkennen. So ist Bayern ein Riese, der nur innerhalb der eigenen Komfortzone zu erschrecken weiß.

Schweinsteiger ist sicher nicht die Lösung aller Probleme bei den Bayern, verleiht dem Team aber im Zentrum eine Extraportion spielerischer Klasse und ist für das Aufbauspiel enorm wichtig. Die offensive Abhängigkeit von der mitunter launischen Flügelzange „Robbery“ bleibt aber auch in seiner Anwesenheit bestehen. Die größere Gefahr geht derzeit von der linken Seite aus, wo Ribery vom bärenstarken Alaba unterstützt wird. Das Duo Robben/Lahm ist hingegen noch nicht zu alter Gefährlichkeit zurückgekehrt. Topscorer Gomez ist für mich mehr Resultat als Ausgangspunkt der bayerischen Torgefährlichkeit. Wird er mit Hereingaben gefüttert, ist er kaum zu stoppen. Schneidet man ihm hingegen den Zufluss an Bällen in die Spitze ab, nimmt man ihn damit weitgehend aus dem Spiel und er nimmt als interessierter Beobachter am Spiel teil. Ein mitspielender Stürmer oder gar eine falsche Neun ist er nicht, weshalb Olics Rückkehr zur Topform in den Spielen gegen Madrid sehr wichtig werden kann.

Prognose

Entscheidend für den Ausgang dieses Duells wird vor allem die Frage sein, ob Madrid den starken linken Flügel der Bayern stoppen kann. Zumindest im Hinspiel dürfte Mourinho die vorsichtige Variante Arbeloa als Rechtsverteidiger gegen Ribery wählen. Damit spekuliert er weniger auf den freien Raum, der sich hinter dem etwas defensivfaulen Franzosen ergibt, als es beispielsweise Piszeck beim BVB tat. Ansonsten sehe ich einen klaren Vorteil für Real Madrid, gerade auch wegen des stark verbesserten Pressings, mit dem man schon Barcelona vor große Probleme stellte. Es wird sich zeigen, ob die für Bayern sprechende Historie in dem Spiel eine Rolle spielt, doch eigentlich kann ich es mir bei Mourinhos psychologischen Fähigkeiten nicht vorstellen, dass sich seine Spieler davon beeindrucken lassen – ganz anders als bei den omnipräsenten Classicos.

Die Aufgaben für den FCB erscheinen angesichts der momentanen Probleme zu groß. Kann das Mittelfeld mit Schweinsteiger sowohl den Spielaufbau verbessern, als auch Özils Kreise eindämmen? Kann Robben den durch Marcelos oder Coentraos Vorstöße entstehenden Platz ausnutzen und gleichzeitig seine Defensivaufgaben erfüllen? Und warum gelingt es eigentlich schon seit Monaten nicht mehr so richtig, Thomas Müllers Läufe in den Raum mit den nötigen Bällen zu füttern? Erwischt Bayern einen richtig guten Tag, ist heute Abend etwas drin. Ansonsten könnte schon vor dem Rückspiel alles vorbei sein, weil die dicke Lady Cristiano Ronaldo gesungen hat.

Unter Wert

Bayern München – Werder Bremen 4:1

Zum fünften Mal aus den letzten sechs Spielen verliert Werder gegen Bayern München und verliert dadurch den Anschluss an die Spitzengruppe. Unterm Strich steht eine verdiente Niederlage, die jedoch längst nicht so deutlich zustande kam, wie es das Endergebnis suggeriert. Die Bayern wären an diesem Tag wieder schlagbar gewesen, auch für Werder.

1. Halbzeit: Mit Mann und Maus

Das Spiel begann intensiv und schnell wurde die erwartete Ausrichtung erkennbar. Die Bayern hielten den Ball in den eigenen Reihen und versuchten, ihre starken Flügelspieler in Szene zu setzen. Werder stand ähnlich kompakt, wie gegen Stuttgart, verzichtete auf Pressing in der gegnerischen Hälfte und verteidigte ab der Mittellinie konsequent nach außen, um Ribery und Müller möglichst weit entfernt vom Strafraum an den Ball kommen zu lassen. Die Gegenstöße der Bremer machten in den ersten 20 Minuten einen durchaus gefährlichen Eindruck, doch zu Torabschlüssen kam man nicht.

Eine Standardsituation brachte dann das 1:0 für die Bayern. Hunts Freistoß wurde geklärt und im Anschluss kassiert Werder mal wieder ein prototypisches Gegentor. Ich verstehe einfach nicht, warum man Jahr um Jahr dieses gewaltige Risiko bei eigenen Standards eingeht. Bargfrede als einzige Absicherung im Mittelfeld bedeutet, dass ein verlorener Zweikampf reicht, um die Bayern in Überzahl aufs Tor stürmen zu lassen. Der Konter war dann ein Musterbeispiel für durchdachtes Überzahlspiel. Die Stürmer kreuzen und machen es so für die beiden Bremer ungemein schwer, sich für den Schritt in die Mitte zu entscheiden, der einen Gegenspieler völlig frei werden ließe. So hatte Ribery die Lücke vor sich und konnte problemlos – mit einem sehr schönen Schuss – die Chance verwandeln.

Danach änderte sich kaum etwas am Spiel. Bayern drückte, Werder stand gut und hielt dem Druck insgesamt stand. Die wenigen Gegenangriffe wurden jedoch immer ungenauer und so stand unterm Strich zur Pause nur ein einziger (abgeblockter) Torschuss für Werder. Doch auch die Bayern hatten nur 5 mal aufs Tor geschossen und aus dem Spiel heraus keine einzige klare Torchance herausgespielt. Deshalb war die Partie trotz aller optischen Überlegenheit zur Pause nicht entschieden.

2. Halbzeit: Die Wechsel entscheiden das Spiel

In der Halbzeitpause brachte Schaaf Rosenberg für Arnautovic und wenige Minuten später stand es plötzlich 1:1. Es war genau die Art Spielzug, mit dem man einem überlegenen Gegner gefährlich werden kann. Ein vertikaler Pass auf Pizarro, eine gute Ballbehauptung, eine clevere Ablage, ein starkes Dribbling und ein eiskalter Torabschluss. War das wirklich der Markus Rosenberg, der vor einer Woche aus fünf Metern keinen Möbelwagen getroffen hätte?

In der Folge änderte sich das Spiel gewaltig. Werder agierte wesentlich mutiger, hatte mehr Spielanteile und schien dem zweiten Tor eine Zeit lang näher, als die Bayern. In dieser Phase zeigte sich, wie zerbrechlich die Bayern derzeit sind, wenn man selbstbewusst und mit intensivem Laufpensum dagegenhält. Leider fiel genau in diese Phase der vielleicht beste Angriff der Bayern. Kroos hervorragender Steilpass wurde von Gomez gut auf Müller weitergeleitet, der das ausgestreckte Bein von Wolf gerne annahm. Den Elfmeter verwandelte der eingewechselte Robben sicher.

Die folgenden Minuten wurden für Werder dann richtig bitter. Es war, als hätte man kollektiv den Selbstzerstörungsknopf gedrückt. Schaaf brachte Wagner für Marin und von dem Moment an schlug das Übergewicht der Bayern im Mittelfeld voll durch. Die Verunsicherung wuchs von Minute zu Minute und es war nur eine Frage der Zeit, bis die Bayern einen der Ballverluste (in diesem Fall von Ignjovski) in ein Tor verwandeln würden. Bei Aaron Hunt entlud sich der Frust in einem schlimmen Foul, das Toni Kroos zum Glück unbeschadet überstand. Das war genau diese Art Foul, die häufig zu schlimmen Verletzungen führt und bei allem Verständnis für die Frustration gibt es keinerlei Rechtfertigung dafür, zumal er auch dem Team durch seine Sperre schadet. Gerade Hunt ist in dieser Saison für Werder schwer zu ersetzen (bis auf die Schlussphase in Gladbach stand er in jedem Spiel 90 Minuten auf dem Platz).

Der ewige Opportunist am Mikrofon

Ich frage mich wirklich, warum ich mich nach all den Jahren immer noch über Marcel Reifs Opportunismus ärgere. Vielleicht liegt es daran, dass er das Spiel eigentlich so gut lesen kann, wie kein anderer deutscher Fußballkommentator. Im Kleinen liegt Reif nur selten daneben, aber im Großen macht er sich komplett abhängig vom Ergebnis. Die Interpretation des Geschehens erfolgt einzig und allein bezogen auf den Spielstand. Was beim Stand von 0:0 ideenlos ist, ist bei 1:0 absolute Dominanz. Sicherlich muss man eine sehr defensiv ausgerichtete Taktik bei einem Rückstand anders bewerten, als bei einem 0:0, aber Reif tut es zu einem so frühen Zeitpunkt und mit solcher Inbrunst, dass man seine späteren Meinungsänderungen nicht mehr ernst nehmen kann.

Nach der Führung waren die Bayern nach Reif’scher Ansicht haushoch überlegen und Werder zur Pause nur mit Glück noch nicht hoffnungslos im Rückstand. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff erkannte Reif jedoch plötzlich einen verdienten Ausgleich und viele gute Bremer Szenen, bis zum Elfmeter für die Bayern, den Robben zum natürlich ebenfalls hochverdienten 2:1 einschoss. Es scheint für ihn einfach nicht möglich zu sein, ein Spiel in seiner Gesamtheit ebenso differenziert zu bewerten, wie er es häufig bei einzelnen Spielszenen tut. Es gibt immer einen Sieger, der alles richtig gemacht hat und einen Verlierer, der so hart wie möglich zu kritisieren ist. Fußball als Tautologie. Man hat fast den Eindruck, dass Reif sich von Verlierern persönlich beleidigt fühlt. Das ist wirklich schade um einen so fähigen Kommentator.

Fazit: Nicht reif genug

Unterm Strich steht eine deutliche Niederlage, die fünfte in dieser Saison und die fünfte gegen einen direkten Konkurrenten (auch wenn Bayern nicht Werders Kragenweite ist). Aus taktischer Sicht hat Schaaf vieles richtig gemacht, zumindest was die Grundausrichtung und die Justierung in der Halbzeit angeht. Obwohl Robben und Ribery jeweils einen Doppelpack erzielten, wurde das Spiel nicht durch die Flügelzange entschieden. Letztlich hat es Werder dem FCB – vor allem gemessen am Aufwand im Spiel gegen den Ball – zu einfach gemacht und das Spiel nach dem erneuten Rückstand völlig aus der Hand gegeben.

Dass Werder keine Spitzenmannschaft ist, war schon vor dem Spiel klar. Das sollte gerade in dieser Hinrunde auch nicht der Anspruch sein. Wen man weiter so arbeitet wie bisher, könnte es aber reichen, um Best of the Rest zu werden.

5 Wege zum Erfolg bei den Bayern

Am Samstag trifft Werder auf den Ex-Tabellenführer aus München, der in einer Mini-Krise steckt. Was muss Werder tun, um sie zu einer echten Krise auszuweiten?

1. Die Statistiken vergessen

Bayern ist seit sechs Jahren in der Bundesliga ohne Heimsieg gegen Werder, Werder dafür seit über drei Jahren ohne Sieg gegen die Bayern. Wettbewerbsübergreifend hat Werder aus den letzten fünf Spielen gegen die Bayern ein mageres Unentschieden und vier Niederlagen eingefahren. Man kann sich diese Statistik also so hinbiegen, wie es einem gerade passt. Ähnliches gilt auch für die Statistiken innerhalb dieser Saison: Bayern hat nach Rückständen noch keinen Punkt geholt, Werder hingegen schon 16. Daraus kann man nur die falschen Schlüsse ziehen.

Gerade vor Spitzenspielen wird gerne auf diese Zahlenspiele zurückgegriffen. Die Spieler sollten das völlig ausblenden und sich nicht mit der Statistik beschäftigen. Außenseiter ist Werder sowieso. Was zählt ist einzig und allein die Konzentration auf den eigenen Matchplan. Rechenspielchen lenken nur vom Wesentlichen ab.

2. Laufen, laufen, laufen

Bayern München - Werder Bremen 2004

Der schönste Bremer Sieg in München vor 7 1/2 Jahren

Es klingt wie eine Plattitüde, aber in diesem Spiel wird es sehr auf die Laufstärke ankommen. In dieser Saison gehört Werder zu den laufstärksten Mannschaften der Bundesliga. Überhaupt wird in Werders Spielen sehr viel gelaufen, zumeist von beiden Mannschaften. Vieler dieser Spiele waren bis zum Ende hart umkämpft. Die Bayern kommen in der Regel mit deutlich weniger Laufstrecke aus, weil sie das Spiel mit ihrem starken Pass- und Positionsspiel meist beherrschen und damit Ball und Gegner laufen lassen. Nicht selten waren ihre Spiele nach 60 Minuten entschieden.

Natürlich sollte man die Laufdistanz nicht überbewerten. Dennoch muss Werder die Überlegenheit in diesem Bereich ausnutzen und die Bayern zum Laufen zwingen. Damit könnte man dem Gegner ein Stück weit das eigene Spiel aufzwingen. Vor allem Werders Mittelfeld mit Bargfrede, Fritz und Hunt ist ungemein laufstark. Auf sie wird es insbesondere ankommen, wenn man trotz Raute die bayerischen Flügelspieler doppeln möchte.

Extremes Vorwärtspressing ist nicht nötig. Mit dem Erfolgskonzept aus dem Spiel gegen Stuttgart (Stürmer attackieren nicht die Innenverteidiger sondern stellen die Passwege auf die Sechser zu), könnte man auch den Bayern den Spielaufbau erschweren. Darüber hinaus kommt es aber wieder auf Tempo und Laufbereitschaft an: Pressing im Mittelfeld, Doppeln auf den Außen, Nachsetzen der Stürmer gegen die Außenverteidiger und schnelle Gegenstöße.

3. Nicht zu tief stehen

Diese Warnung wirkt bei Werder fehl am Platz. Thomas Schaaf lässt zwar nicht mehr ganz so hoch verteidigen, wie noch vor ein paar Jahren, aber die Gefahr, zu tief zu stehen, ist normalerweise ziemlich gering. Gegen die Bayern ist das anders. Beim Pokalfinale letztes Jahr beispielsweise ließ sich Werder sehr tief in die eigene Hälft drängen und konnte dennoch nicht verhindern, dass Bayern zu zahlreichen Torchancen kam. Gegen die starken Flügelspieler ist es nicht ratsam, die Viererkette zu dich am eigenen Strafraum agieren zu lassen, zumal dann auch die gegnerischen Sechser viel Platz um den Mittelkreis herum haben, wenn man die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen nicht zu groß werden lassen möchte.

Andererseits ist bei einer sehr hohen Viererkette das Risiko groß, dass man mit langen Bällen ausgekontert wird und Spieler alleine aufs Tor zulaufen. Dieses Problem hatte man vor knapp zwei Jahren, als Werder gegen Bayern zuhause weitgehend chancenlos war und Robben mit Abdennour Katz und Maus gespielt hat. Es gilt also stets die richtige Höhe abzuwägen und immer wieder an den Spielverlauf anzupassen. Als Orientierung kann man die Verteidigungslinien von Mainz und Dortmund nehmen, die in den letzten Spielen einen guten Mittelweg gefunden haben.

4. Die Flügelzange festbinden

Robben und Ribery aus dem Spiel zu nehmen ist schwierig. Ständiges Doppeln ist dafür unabdingbar, was mit einem Mittelfeld mit Raute nicht leicht umzusetzen ist. Möglich ist es aber durchaus, wenn sich das Mittelfeld etwas flacher aufstellt. Dafür muss Marin als Zehner sich häufig neben Bargfrede fallenlassen, um das Loch zu stopfen, dass auf der Sechserposition entsteht, wenn die äußeren Rautenspieler weiter auf die Flügel rücken.

Andererseits wird Marin auch hinter den Spitzen als Anspielstation benötigt. Auf ihn kommt also eine anspruchsvolle Doppelrolle zu, die seine derzeitige Form auf eine harte Probe stellen wird.

Eine gute Visualisierung dazu gibt es bei ballverlust.net.

5. Den Schalter finden

Das Umschalten gehört nicht unbedingt zu Werders Stärken in dieser Saison. Gegen Stuttgart hat es aber ganz gut funktioniert. Es gab viele Balleroberungen im Mittelfeld, die sofort in Gegenangriffe umgewandelt wurden. Gegen die ballsicheren Bayern wird Werder es schwer haben, sich Torchancen herauszuspielen. Daher ist es umso wichtiger, nach Ballgewinn im Mittelfeld gegen den aufgerückten Gegner schnell zuzuschlagen und Konter einzuleiten. Wenn alles andere gut klappt, kann das den Unterschied zwischen einem hart erkämpftem Unentschieden und einem Auswärtssieg ausmachen.

Foto: Allie_Caulfield / flickr.com