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DFB-Pokal Finale: Borussia Dortmund – Bayern München (live)

21.54

Endstand: Borussia Dortmund – Bayern München 5:2

Verdienter Sieg des BVB, der über das gesamte Spiel mehr Gefährlichkeit im Angriffsdrittel ausstrahlte und letztlich auch entfachte. Man hat gesehen, dass Bayern aus den letzten Spielen gegen Dortmund gelernt hat. Zumindest was die Offensive angeht. Das Angriffsspiel war variabler und man hat sich Chancen erarbeitet. Defensiv wirkte man aber nach jedem Fehlpass völlig neben der Spur, als wäre man überrascht, dass sich der BVB mit mehr als zwei Spielern über die Mittellinie traut.

Jürgen Klopp im Interview sichtlich freudentrunken. “Ich möchte nicht so lange reden, ich muss noch zum ZDF.”

Dortmund feiert, Bayern muss die Wunden lecken und vor dem Champions League Finale gegen Chelsea die richtigen Schlüsse ziehen, wie man die Defensive stabilisiert.

21.53

89′ Die Dortmunder Bank feiert schon. Gleich darf sich der BVB auch Doublesieger nennen.

21.49

84′ Zweiter Wechsel bei Dortmund: Perisic für Kuba.

Die Probleme der Bayern heute lagen nicht in der mangelnden Durchsetzungsfähigkeit vorne. Wer so viel zulässt, muss offensiv allerdings ein Feuerwerk abbrennen. Das tun die Bayern nicht und nach dem erneuten Gegentor erst Recht nicht mehr.

21.46

82′ Borussia Dortmund – Bayern München 5:2, Lewandowski. Neuer lässt einen schon sicher geglaubten Ball aus den Händen gleiten. Flanke Kuba, Kopfball Lewandowski ins leere Tor.

Gelb gegen Hummels nach Foul an Müller.

21.45

80′ Es ist nicht so, dass der FCB sich hier hängen lässt. Dortmund lässt wenig zu und die Bayern beißen sich die Zähne dran aus – gemessen am Spielstand.

Wechsel BVB: Der bärenstarke Kagawa geht, Sven Bender kommt.

21.40

75′ Borussia Dortmund – Bayern München 4:2, Ribery. Starke Einzelaktion. Ribery ist mal nach rechts ausgewichen, zieht in die Mitte und schießt den Ball robbenesk ins lange Eck.

21.34

69′ Mal wieder eine Torchance für die Bayern durch Gomez. Ansonsten sieht das aus Bayern-Sicht ziemlich trostlos aus. Man sollte nicht darauf schieben, dass Bayern sich für Chelsea schont. Aber nach dem Nackenschlag durch Lewandowski scheint dieses Spiel hier durch zu sein.

Contento kommt für Alaba.

21.23

58′ Borussia Dortmund – Bayern München 4:1, Lewandowski. Zweiter gefährlicher Konter innerhalb von zwei Minuten. Drei gegen zwei, Kagawa verzögert geschickt, legt raus zu Großkreuz, der Lewandowski bedient, dessen Schuss Neuer keine Chance lässt. Kann man nicht viel besser zu Ende spielen.

21.15

49′ Langerak verschätzt sich und kommt gut 25 Meter aus dem Tor, bekommt den Ball aber nicht geklärt. Robbens Pass auf Gomez wird von Subotic abgegrätscht, sonst hätte dieser freie Bahn aufs leere Tor gehabt.

21.09

46′ Es geht weiter. Nach einer kleinen Verzögerung wegen Feuerwerkskörpern im Dortmund-Block.

Wechsel bei den Bayern: Thomas Müller für Luiz Gustavo. Naheliegender Wechsel.

20.55

Halbzeit: Borussia Dortmund – Bayern München 3:1.

Klasse Spiel im Olympiastadion. Bayern hat mit viel Druck losgelegt, aber der BVB hat ihnen nach etwa 10 Minuten ganz gut den Zahn gezogen. Ein bisschen Matchglück war auch dabei, als man mit der ersten Chance des Spiels in Führung ging. Danach war es ein ausgeglichenes Spiel, in dem Dortmund zwar weniger Anteile hatte, aber in Tornähe immer ein Stück weit gefährlicher wirkte.

Kagawa in seinem vielleicht letzten Spiel für den BVB bislang der entscheidende Mann.

Was genau kann man Bayern heute eigentlich vorwerfen? Nach vorne gibt es nicht allzu viele Kritikpunkte. Im Aufbauspiel passieren jedoch zu viele Fehler und Dortmund nutzt das klasse aus. Dortmund spielt aber nicht allein reaktiv auf Konter. Wann immer ein Ball im Angriffsdrittel gewonnen wird, rückt das Team nach und sorgt in Ballnähe für Über- mindestens aber für Gleichzahl. Die linke Abwehrseite der Bayern wirkt nicht sattelfest und Luiz Gustavo steht völlig neben sich. Beim BVB gibt es keine wirklichen Schwachstellen. Der FCB muss sich alles selbst erarbeiten.

20.48

45+1′ Borussia Dortmund – Bayern München 3:1, Lewandowski. Dortmund spielt seine (wenigen) Angriffe klasse aus. Lewandowski legt den Ball mit dem Kopf ab, Kagawa mit einer Finte gegen Badstuber und einem genialen Pass in den Lauf von Lewandowski, der eiskalt abschließt, auch wenn Neuer wieder dran war.

Durchs Olympiastadion schallt es Zieht den Bayern die Lederhosen aus.

20.46

45′ Fünf Minuten Nachspielzeit, nach der Verletzung von Weidenfeller verständlich.

20.41

41′ Borussia Dortmund – Bayern München 2:1, Hummels. Neuer ist dran, aber der Ball geht rechts unten ins Tor. Knappes Ding, aber Dortmund führt wieder.

20.40

40′ Elfmeter für Dortmund. Boateng erwischt Kuba. Keine Diskussion.

20.34

34′ Geht nicht weiter bei Weidenfeller. Langerak, der schon seit fünf Minuten bereit steht, kommt für ihn rein.

20.27

27′ Freistoß Dortmund nach Handspiel Alaba an der rechten Strafraumecke. Hübsche Variante, aber geklärt.

20.25

25′ Borussia Dortmund – Bayern München 1:1, Robben. Flach unten rechts.

20.24

23′ Elfmeter für Bayern. Weidenfeller kommt gegen Gomez zu spät und erwischt ihn am Fuß. Starker Pass von Schweinsteiger leitete die Situation ein.

20.22

22′ Kroos gefällt mir sehr gut. Großer Aktionsradius, lässt sich mal tief fallen, mal mit in die Spitze. Unterstützt dazu die Außen gut. Dennoch haben die Bayern Probleme, Lücken in die beiden Viererketten des BVB zu schlagen. Von selbst bietet Dortmund kaum welche an.

20.19

19′ Spiel hat sich etwas beruhigt. Bayern mit mehr Ballbesitz, aber Dortmund stellt jetzt sehr gut zu. Die Bayern müssen immer wieder hintenrum spielen. Versuchen es meistens über die Außen, wo Dortmund sofort attackiert.

Marcel Reif und Luiz Gustavo werden in diesem Leben keine Freunde mehr.

20.12

12′ Geht weiter. Ecke der Bayern bleibt ohne Gefahr. Weidenfeller hustet. Freistoß Bayern am linken Flügel nach Foul an Ribery.

20.11

11′ Sieht nicht gut aus für Weidenfeller. Er zieht die Handschuhe aus, aber steht wieder. Langarak macht sich warm.

20.09

8′ Eigentlich waren die Bayern in den Anfangsminuten aggressiver im Spiel nach vorne. Nach dem Rückstand hat sich daran selbstverständlich wenig geändert. Gomez frei vor dem Tor, doch Weidenfeller kann zur Ecke klären und bleibt angeschlagen im Strafraum liegen, wird behandelt.

20.05

3′ Borussia Dortmund – Bayern München 1:0, Kagawa. Schlimmer Fehlpass von Gustavo landet bei Kuba, der vor Neuer in die Mitte auf Kagawa ablegt. Der schiebt ihn ins leere Tor.

20.03

2′ Starker Bayernangriff über Rechts bringt die erste leichte Torgefahr. Doppelpass zwischen Lahm und Robben, aber die Hereingabe wurde abgeblockt.

3′ Und auf der anderen Seite das Tor von Kagawa!

20.00

1′ Und los geht’s. Anstoß Bayern.

19.55

Gomez hat mich zum Ende dieser Saison noch einmal überrascht. Beim Spiel in Dortmund bekam man noch den Eindruck, dass er bei aller Torgefahr seine Mannschaft spielerisch doch eher schwächt. In Madrid zeigte er dann jedoch, dass er auch weitere Aufgaben auf dem Spielfeld erfüllen kann. Mal sehen, ob er heute mehr mitarbeitet und die langen Bälle von Hummels ein Stück weit unterbindet.

19.52

Auch bei allesaussersport gibt es ein Live-Blog

19.50

Bayerns Problem war lange Zeit, dass man zu ausrechenbar war. Solange man auf die Läufe von Ribery und Robben auf dem Flügel angewiesen ist, dürfte man wieder Probleme bekommen. Außer Inter Mailand im Champions League Finale 2010 hat es bislang keine Mannschaft so gut verstanden, die bayerischen Flügelspieler in den Griff zu bekommen, wie der BVB. Die Antwort der Bayern könnte Toni Kroos heißen, der zuletzt wieder in der starken Form des Herbstes war.

19.44

Nachdem Dortmund die letzten vier Duelle gegen Bayern gewonnen hat, ist vom Angstgegner die Rede. Beim letzten Spiel der Beiden war jedoch eine gehörige Portion Glück mit dabei am Ende. Man hatte den Eindruck, dass sich die Bayern besser auf Dortmund eingestellt haben. Zudem konnte sich der BVB dort ein Unentschieden erlauben. Das Momentum liegt zumindest nicht mehr so sehr auf der Seite der Dortmunder, wie noch vor ein paar Wochen.

19.40

Talking Points vor dem Spiel:

  • Wie wirkt sich die breite Brust der Bayern nach dem Finaleinzug in der Champions League aus?
  • Kann Dortmund die bayerische Flügelzange wieder kontrollieren und wenn ja, wie reagieren die Bayern darauf?
  • Sehen wir den statischen Gomez aus dem Ligaduell oder den mitspielenden Gomez aus dem Spiel in Madrid?

19.35

Die Aufstellungen:

BVB: Weidenfeller – Piszeck, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Kehl – Kuba, Kagawa, Großkreuz – Lewandowski

Bayern: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribery – Gomez

Keine wirklichen Überraschungen dabei. Götze beim BVB, Müller bei den Bayern auf der Bank.

19.29

Nach ein paar Problemen mit meinem Sat-Receiver kann es hier losgehen. Ein Live-Blog aus dem Norden zu einem Spiel im Osten zwischen einer Mannschaft aus dem Westen und einer Mannschaft aus dem Süden.

19.26

Moin aus Bremen!

Um 20 Uhr trifft der Deutsche Meister Borussia Dortmund im Pokalfinale in Berlin auf den Champions League Finalisten Bayern München. Ab 19 Uhr gibt es an dieser Stelle ein Live-Blog zum Spiel.

Pokalfinale: Nadelstiche und das offene Messer

Werder Bremen – Bayern München 0:4

Es war vor dem Spiel klar, dass die Bayern momentan in ihrer eigenen Liga spielen. Doch es war Pokal und man durfte zumindest darauf hoffen, dass Werder einen richtig guten Tag erwischt und bei den Münchnern zwischen Meisterschaft und Champions League so ein bisschen die Luft raus ist. Beides war nicht der Fall.

Während Louis van Gaal seine Stammformation aufs Feld schickte, passte Thomas Schaaf zum zweiten Mal in den letzen Wochen sein Team dem Gegner an. Es kommt selten vor, dass Werder dem Gegner das Spiel einfach so überlässt, doch es müssen die Lehren aus der Niederlage im Januar und dem Spiel gegen Schalke gewesen sein, die ihn zu diesem Schritt bewegten. Für den Fan, dessen Team seit 2004 in 95 % der Fälle das Spiel gemacht hat, eine gewöhnungsbedürftige Angelegenheit. Und so dürften sich viele so wie ich verwundert die Augen gerieben haben, als sie Werders Aufstellung sahen: Ein flaches 4-4-2 mit einer defensiv ausgerichteten Viererkette im Mittelfeld, Boenisch für den verletzten Pasanen als Linksverteidiger, Hunt als rechten Mittelfeldspieler und davor Pizarro und Özil als Angreifer. Eine ängstliche Aufstellung, die nur so lange gut gehen konnte, wie die Bayern nicht in Führung gingen.

Die ersten Minuten des Spiels waren erschreckend. Werder zog sich weit zurück, versuchte nicht in die Nähe des Balles zu kommen und ließ die Bayern mal machen. Nachdem der Ball einige Male durch die bayerische Abwehrreihe zirkuliert war und man sich an die defensive Ausrichtung gewöhnt hatte, kam zum ersten Mal die Frage auf: Hat das etwa System? Den starken Flügeln der Bayern wurden zwei Dreierblöcke entgegengesetzt. Fritz, Hunt und Bargfrede auf der rechten sowie Boenisch, Borowski und Frings auf der linken Seite. Ab der Grenze zum Angriffsdrittel der Bayern spielte Werder dann Pressing. Robben wurde von Boenisch über weite Strecken in Manndeckung genommen und bis an die Mittellinie verfolgt. So konnte man dem Angriffsspiel der Bayern zwar nicht ganz den Zahn ziehen, aber es fürs erste unter Kontrolle halten. Die eigene Offensive beschränkte sich auf Nadelstiche. Den ersten setzte Claudio Pizarro schon nach 8 Minuten und es war der Beste, den Werder an diesem Abend ausführte. Eine klasse Einzelaktion von Pizza, der geschickt verzögert und dann frei vor Butt nicht den besten Schuss erwischt.

In den ersten 20 Minuten ging Werders Taktik auf, dann kamen die ersten Wackler und die Bayern kamen immer wieder gefährlich vors Tor. Die Geduld der Bayern ist beängstigend. Das Spiel wird von einer Seite auf die andere verschoben, im festen Vertrauen darauf, dass sich die benötigte Lücke früher oder später bietet. Werders Spieler müssen sich vorgekommen sein wie auf einer Schiffschaukel, immer hin und her. Wurde dann plötzlich das Tempo verändert, der Ball schnell auf die andere Seite verlagert, wurde es gefährlich. Arjen Robben drehte langsam den Motor auf und es schien nur eine Frage der Zeit, bis das Führungstor fallen würde. Es fiel dann auf äußerst unglückliche Weise für Werder. Mertesacker bekam den Ball aus kurzer Distanz an den Arm – Elfmeter. Jeder Feldspieler, der aus dieser Distanz den Ball absichtlich mit der Hand spielt, gehört eigentlich ins Tor. Dennoch eine vertretbare Entscheidung. Der Schiedsrichter hat nur Indizien für die Absicht des Spielers und die unnatürliche Armhaltung verbunden mit der Ruderbewegung gegen den Ball dürfte den Ausschlag gegeben haben. Wiese war wie immer in der richtigen Ecke, doch Robbens Elfmeter war zu hart und präzise.

Werder musste sich nun etwas einfallen lassen und reagierte zunächst mit einer Veränderung im Mittelfeld: Hunt und Borowski tauschten die Seiten. Sonst änderte sich wenig und so ging es in den verbleibenden Minuten bis zur Pause nur um Schadensbegrenzung. Die große Verwandlung sollte in der Pause erfolgen. Hugo Almeida kam für Hunt in die Partie und Werder stellte auf Raute um. Es kam eine offensive Werdermannschaft aus der Kabine, die Bayern sofort in die eigene Hälfte drängte und durch Almeida die große Chance zum Ausgleich hatte. Hinten spielte man nun ein riskantes 1-gegen-1, das sich schnell rächen sollte. Robben dribbelte Boenisch dermaßen Knoten in die Beine, dass dieser Schwierigkeiten gehabt haben dürfte, alleine zurück in die Kabine zu kommen. Es war dann aber ein dummes Zufallstor, das Bayern endgültig auf die Siegerstraße brachte. Eine Ecke konnte Mertesacker per Kopf nur an den Rücken von van Buyten abwehren. Von dort fiel der Ball vor Olics Füße, der aus kurzer Distanz abstaubte. Nun brauchte es schon ein kleines Offensivfeuerwerk, um zurück ins Spiel zu kommen. Werder hat es in dieser Saison oft genug geschafft, nach Rückständen (auch nach 0:2) die Partie noch einmal spannend zu machen oder sogar zu drehen. Schaaf brachte Marin für Bargfrede – beim Poker hätte man gesagt “all in”.

Leider hatte van Gaal das deutlich bessere Blatt. Werder tat sich nun schwer, vor das Tor des Gegners zu kommen. Özil hatte schon früh den Glauben verloren und Frings und Borowski hatten Probleme mit dem Spielaufbau. Und so rannte Werder in  den zweiten 45 Minuten voll ins offene Messer. Ein sauberer Konter über Ribery genügte, um das Spiel zu entscheiden. Das Tor von Schweinsteiger kurz vor Schluss tat schon nicht mehr weh. Sehr gerne verzichtet hätte ich dafür auf das hässliche Foul von Frings. Gelb-Rot war eigentlich ein Witz, vielleicht eine politische Entscheidung des Schiedsrichters, der dem schon entschiedenen Spiel den Zündstoff nehmen wollte. Überhaupt eine richtig gute Leistung von Kinhöfer.

Am Ende war das Ergebnis auch in der Höhe verdient, wenngleich das Spiel bis zum 0:3 nicht so einseitig war, wie es der Kommentator glauben machen wollte. Von Marcel Reif ist zwar bekannt, dass er sich früh auf die Seite der vermeintlich siegreichen Mannschaft schlägt und dann sogar deren Fehlpässe weltklasse findet, aber was er da gestern an orgiastischem Gestöhne fabrizierte, lässt selbst Fritz von Turn und Taxis vor Neid erblassen. Eigentlich kann man sich Kommentatorenschelte auch schenken, doch wenn ein Marcel Reif die Schlussphase des Spiels zu einem “Charaktertest für Werder” hochstilisiert, für eine Mannschaft, die in der abgelaufenen Bundesligasaison 6 (SECHS!) Mal von einem 2-Tore-Rückstand zurück kam und noch mindestens einen Punkt holte, dann bleibt mir wirklich die Spucke weg!

Das ändert aber alles nichts am völlig verdienten Pokalsieg der Bayern und einer insgesamt tollen Saison des SV Werder. Der krönende Abschluss blieb versagt, doch der eigentliche Schlusspunkt kommt erst noch. Mit einem Sieg in der Champions League Qualifikation kann sich die Mannschaft im August selbst belohnen und sich zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins in Lostopf 1 bei der Auslung schießen.

Mit welcher Taktik gegen die Bayern?

Louis Van Gaals Positionsspiel ist in der Rückrunde dieser Saison mit viel Lob bedacht worden. Thomas Schaaf erwies sich beim 2:0 Auswärtssieg auf Schalke als begabter Taktiker. Mit den Van Gaals Bayern wird ihm nun die auch aus taktischer Sicht größte Hürde dieser Saison vorgesetzt. Im Januar holte man sich bereits eine derbe Abreibung und der Gegner ist seit dem noch besser geworden. Werder zum Glück auch. Was kann man tun, damit es am Samstag besser aussieht? Ist der Meister überhaupt schlagbar? Ich wage mal eine Vorausschau auf Thomas Schaafs Optionen. Zunächst aber ein Blick auf den Gegner.

Die Formation der Bayern (4-4-1-1 / 4-2-4):

Bayern spielt unter Van Gaal meistens in einer 4-4-1-1 Grundformation. Den beiden defensiven Mittelfeldspielern kommt dabei die größte Bedeutung zu: Van Bommel und Schweinsteiger sollen einerseits ihre nicht immer sichere Hintermannschaft vor zu viel Druck des Gegners bewahren und andererseits bei Ballbesitz in der Mitte immer anspielbar sein, um die Bälle auf die Flügel zu verteilen. Auf den Außenpositionen ist für Van Gaal neben den Fähigkeiten der Spieler auch deren starker Fuß relevant für die Aufstellung: Im Mittelfeld spielen die Außen auf ihrer „falschen“ Seite (Ribery ist beidfüßig), damit sie nach innen ziehen und den Torabschluss suchen können. Die Außenverteidiger stehen dagegen auf ihrer „richtigen“ Seite (deshalb hat Rechtsfuß Lahm die Seite gewechselt), damit sie von ihrer Seite aus Flanken schlagen und bei Bedarf den Mittelfeldspieler hinterlaufen und zur Grundlinie durchgehen können. Letzteres passiert jedoch selten, bzw. nur dann, wenn der Gegner deutlich schwächer ist und man sich wenig Sorgen um die Defensive machen muss.

Die Angriffe werden größtenteils über die Außen eingeleitet, durch die Mitte entwickelt Bayern wenig Torgefahr. Das Zentrum dient als Verteilerzentrale. Dort werden die Bälle hingespielt, wenn es auf einer Seite zu eng wird, um dann wieder Robben und Ribery ins Spiel zu bringen. Die Beiden agieren dabei fast wie klassische Außenstürmer, arbeiten nur wenig nach hinten und können sich ganz auf ihre Angriffe konzentrieren. Sie stehen im Vergleich zu Außenstürmern in einem 4-3-3 jedoch etwas tiefer, bekommen den Ball am liebsten an der Mittellinie, um dann mit Tempo auf die Außenverteidiger zugehen zu können. Neben den starken zentralen Mittelfeldspielern ist Thomas Müller der Garant dafür, dass diese Taktik nicht nach hinten losgeht. Er spielt eine Art hängende Spitze und geht bei Ballverlusten aggressiv auf die defensiven Mittelfeldspieler drauf, um deren Aufbauspiel zu unterbinden. Olic geht in der Spitze weite und manchmal ungewöhnliche Wege, wird für sein Spekulieren aber auch häufig belohnt (etwa im Hinspiel gegen Manchester). Bei Ballbesitz wird aus dem 4-4-1-1 quasi ein 4-2-4, das den Gegner schnell überrollen kann, wenn er nicht aufpasst.

Die Schwächen der Bayern sehe ich zum einen in der insgesamt wenig meisterlichen Abwehr. Diese Schwäche tritt nur selten zum Vorschein, weil Schweinsteiger und Van Bommel eine überragende Saison spielen. Durch die Mitte ist es daher schwierig, den Bayern beizukommen. Schafft es ein Gegner jedoch, den Platz hinter Robben und Ribery auszunutzen und von dort ausgehend Druck auf die Viererkette auszuüben, sind die Bayern zu knacken. Demichelis ist immer mal wieder für einen Fehler gut und Van Buyten etwas hüftsteif. Dazu kommt eine suboptimale Besetzung der linken Abwehrseite. Badstuber spielt dort sehr solide, es ist aber nicht seine Idealposition. Contento und Alaba sind beide talentiert, doch noch etwas grün hinter den Ohren.

Zum anderen ist man in der Offensive noch sehr auf Geniestreiche einzelner Spieler angewiesen. Gegen tief stehende Gegner fehlt es häufig noch an den Mitteln, diese durch Kombinationsspiel zu knacken. Allerdings zeigen sich die Bayern in dieser Hinsicht in der Rückrunde verbessert und können sich – zu unserem Leidwesen – darauf verlassen, dass ihre Starspieler regelmäßig durch geniale Einzelaktionen Spiele entscheiden.

Nun werfen wir einen Blick auf die drei taktischen Formationen, die Schaaf in dieser Saison hat spielen lassen:

Die Standardvariante (4-2-3-1):

Werder - Bayern (4-2-3-1)

Werder - Bayern (4-2-3-1)

So hat Werder den Großteil dieser Saison gespielt. Vor der Viererkette bilden Frings und Bargfrede das defensive Mittelfeld. Marin, Özil und Hunt kümmern sich in erster Linie um das Herausspielen von Chancen, tauschen immer wieder die Positionen und versuchen sich an direkte Kombinationen. Nach hinten arbeiten die drei wenig, stehen zudem durch ihr Durchrotieren bei Ballverlusten häufig unsortiert. An guten Tagen kann Werder so jeden Gegner vor Probleme stellen, an schlechten gelingt ihnen wenig und die defensive Fragilität schlägt voll durch.

Gegen die Bayern müssen Frings und Bargfrede in dieser Formation schnell und zielgerichtet verschieben, um den Außenverteidigern gegen Ribery und Robben zu helfen. Hunt und Marin haben (im Wechsel mit Özil) die Aufgabe, über die Flügel anzugreifen und die Außenverteidiger unter Druck zu setzen.

Vorteile:

  • Offensivpower: Insgesamt vier Spieler, die Chancen herausspielen und auch selbst vollstrecken können.
  • Spielerische Stärke: Haben Marin, Özil und Hunt einen guten Tag, wird es auch für die Bayern schwer, sie zu stoppen.

Nachteile:

  • Hohes Risiko: Drei Spieler vernachlässigen die Defensivarbeit und halten zudem nicht ihre Position.
  • Unterzahlspiel: Özil bindet einen defensiven Mittelfeldspieler, der andere kann sich in die Offensive einschalten. Frings und Bargfrede müssen zwischen drei Gegenspielern verschieben, was zwangsläufig zu Lücken führt.
  • Isolation: Marin, Hunt und Özil neigen dazu, sich in Einzelaktionen zu verstricken, wenn ihnen die Räume für ihr Kombinationsspiel fehlen.

Fazit: So hat Werder im Januar von den Bayern eine Lektion erteilt bekommen. Ohne Bargfrede und Pizarro sowie mit dem überforderten Neuling Abdennour rannte man ins offene Messer. Die Bayern konterten nach Belieben. Das 2:3 war aus Werdersicht äußerst glücklich. Das Risiko bestünde auch im Pokalfinale, trotz besserer Besetzung. Schaaf gilt nun wirklich nicht als risikoscheu, aber ich glaube nicht, dass er von Beginn an mit Özil, Hunt und Marin spielen lässt.

Die Alternative (4-4-1-1):

Werder - Bayern (4-4-1-1)

Werder - Bayern (4-4-1-1)

So spielt Werder meistens nicht von Beginn an, sondern stellt im Laufe des Spiels um. Fast immer ist Hugo Almeidas Einwechslung damit verbunden. Er gibt dann die Sturmspitze, während Pizarro sich fallenlässt und noch mehr am Spielaufbau teilnimmt. Einen zentralen offensiven Mittelfeldspieler gibt es nicht. Auf dem Papier ist diese Formation so wie die der Bayern. Der Unterschied besteht jedoch zum einen in der unterschiedlichen Spielweise von Pizarro und Müller (Ballverteiler vs. Balleroberer) und zum anderen werden bei Werder die Außenpositionen im Mittelfeld weit weniger konsequent gehalten.

Für die Position der hängenden Spitze braucht es einen technisch guten und intelligenten Spieler. Pizarro ist beides und dazu noch gut genug, auch von dieser Position Torgefahr auszustrahlen. Almeida wird je nach Spielsituation hoch angespielt, um die Bälle per Kopf zurückzulegen, oder lang geschickt, um den direkten Torabschluss zu suchen. Schaaf hat diese Formation sowohl bei Rückständen als auch bei knappen Führungen spielen lassen (z.B. im Pokal gegen Hoffenheim). Auffällig ist dabei, dass sie häufig während Mesut Özils Formschwäche gewählt wurde und er der Spieler war, der gegen Almeida getauscht wurde.

Vorteile:

  • Zweiter Stürmer: Auch wenn sich Pizarro fallen lässt, bindet Almeida immer mindestens einen Innenverteidiger.
  • Druck auf Bayerns Abwehr: Zwei große und Kopfballstarke Spieler in der Mitte und dazu zwei technisch gute Spieler auf den Flügeln.

Nachteile:

  • Risiko auf den Außen: Frings und Bargfrede müssen auch hier zum Doppeln auf die Außenbahnen verschieben.
  • Offener Schlagabtausch: Werders offensive Mittelfeldspieler müssen die gleiche Torgefahr über die Außen entwickeln, wie auf der anderen Seite Ribery und Robben, um das Risiko auszugleichen.
  • Kein Platz für Özil: Er müsste hier auf dem linken oder rechten Flügel spielen. Kann er zwar, aber seine beste Position ist und bleibt zentral hinter den Spitzen (hab ich vor der Saison noch völlig anders gesehen).

Fazit: Es gibt eigentlich keine Veranlassung, diese Formation zu spielen. Bayern ist über die Außen deutlich stärker als Werder und auf Özils Stärke in der Mitte sollte man nicht freiwillig verzichten. Trotz eines überragenden Van Bommels und eines überragenden Schweinsteigers auf der Gegenseite. Im Mittelfeld hat man keine echten Flügelspieler, die auch Defensivqualitäten haben (es sei denn, man versucht etwas völlig unorthodoxes mit Boenisch und Fritz im Mittelfeld).

Back to the roots (4-3-1-2):

Werder - Bayern (4-3-1-2)

Werder - Bayern (4-3-1-2)

Im wichtigen Auswärtsspiel gegen Schalke kehrte Werder überraschend zu Raute im Mittelfeld zurück. Viele Jahre lang hatte Werder zuvor mit dieser Formation erfolgreich gespielt. Die taktische Ausrichtung und die Interpretation der einzelnen Positionen war gegen Schalke allerdings deutlich anders. Mit Schaafs flüssigem System der ständigen Positionswechsel im Mittelfeld hatte es nur wenig zu tun. Drei defensiv ausgerichtete Mittelfeldspieler spielten fast auf einer Höhe, während Özil als offensiver Mittelfeldspieler nicht den klassischen Spielmacher gab, sondern sich weit nach vorne orientierte. Werder setzte nicht wie gewohnt auf schnelles Kombinationsspiel, sondern auf den Aufbau über den 6er und lange Bälle in die Spitze. In der Defensive hat Werder so fast immer sieben Spieler hinter dem Ball und verzichtet dafür darauf, das Spielfeld für den Gegner durch weites Aufrücken klein zu machen.

Gegen Schalke hat diese Taktik gut funktioniert, weil so die Gefahr über die Flügel eingedämmt werden konnte und Schalke nicht sonderlich gut durch die Mitte kombinieren kann. Gegen den HSV sah es eine Woche später schon nicht mehr so gut aus. Almeida hatte ein schwaches Spiel und trotz Bargfredes starker Leistung baute man aus dem Mittelfeld zu wenig Druck auf. Ein Pokalfinale gegen die Bayern ist aber etwas anderes als ein Heimspiel in der Liga. Dort muss Werder das Spiel nicht machen, ähnich wie auf Schalke.

Das Schalker Spiel war sehr rechtslastig, das ist bei den Bayern trotz Robben nicht unbedingt so. Dennoch wird es Werders schwierigste Aufgabe sein, ihn zu stoppen. Er könnte Petri Pasanen bei aller Qualität mehr liegen, als Schalkes Farfan. Als Rechtsfuß kann er den Zug zum Tor des Linksfußes Robbens besser stoppen, als die Flankenläufe von Rechtsfuß Farfan. Die Unterstützung eines defensiven Mittelfeldspielers wird er aber dennoch benötigen, genau wie Fritz auf der anderen Seite gegen Ribery. Von daher scheint mir die Formation mit drei eher defensiven Mittelfeldspielern gegen die Bayern am vielversprechendsten, zumal so auch Vorstöße durch Schweinsteiger Werder nicht in Unterzahl im defensiven Mittelfeld bringen. So ungern ich vorne auch auf die Kreativität von Marin und Hunt verzichte – können wir uns wirklich zwei oder drei defensivschwache Spieler gegen die Bayern leisten?

Vorteile:

  • Wenig Platz für den Gegner: Bayern wird es schwer haben, eine Lücke zu finden und ist mehr auf Einzelaktionen angewiesen.
  • Druck auf die Außen: Gegen Schalke hat das super geklappt. Auch die Bayern müssen in erster Linie auf den Außen gestoppt werden.
  • Zweiter Stürmer: Bindet die Innenverteidiger und kann lange, hohe Bälle von Frings verwerten.

Nachteile:

  • Wenig Kreativität: Özil wird wieder lange in der Luft hängen und auf seine Chancen warten müssen. Nicht so schön anzusehen.
  • Platz für den Gegner im Mittelfeld: Da auf hohes Pressing verzichtet wird, steht man zwar 25-30 Meter vor dem Tor sehr kompakt, doch dafür gibt man den Bayern Platz im Mittelfeld.
  • Probleme bei Rückstand: Bei einem Rückstand wäre die Taktik zwar nicht über den Haufen geworfen, doch es dürfte schwierig werden, so eine Vielzahl an Torchancen herauszuspielen. Marin lässt sich kaum in die Raute einbinden.

Fazit: Der Überraschungseffekt ist weg, doch trotzdem kann mit dieser Formation das Spiel der Bayern am besten negiert werden. Ein offener Schlagabtausch sollte in Bayerns momentaner Verfassung besser vermieden werden. Durch die Mitte sind die Bayern nicht so gefährlich, dass man dort aggressives Pressing spielen muss. Zur Not kann man später immer noch umstellen und einen ausgeruhten Marin oder einen genialen Passgeber Jensen für die Schlussphase bringen.

Ich bin mir recht sicher, dass Schaaf bei seiner Erfolgsformation der letzten beiden Spiele bleibt. Gibt es noch weitere Alternativen, die hier vernachlässigt wurden? Ein 4-3-3? Die Rückkehr des Liberos? Ein Riegel nach Mourinhos Vorbild? Am Samstag sind wir schlauer.

Pokalfinale – Ein modernes Märchen

The Wizard of Öz

von L. Frank Baumann

Es war einmal ein Fußballmanager namens Klaus Dorothy Allofs, der lebte im beschaulichen Bremen. Eines Tages wurde er gemeinsam mit seinem treuen Schaaf Toto von einem Tornado ins ferne Berlin geschleudert. Sie landeten auf einer grünen Wiese, mit Werbebanden und Tribünen ringsum. Klaus schaute sein Schaaf ängstlich an und sagte: “Toto, ich habe das seltsame Gefühl, dass wir nicht mehr im Weserstadion sind.”

Nachdem sie sich eine Weile in der unbekannten Umgebung umgeschaut hatten, bemerkten die beiden, dass sie bei ihrer Landung den bösen Franck getroffen und unter sich begraben hatten, der gerade dabei gewesen war, seine neuen gesponserten Schuhe einzulaufen. “Das sind ein paar schöne Schuhe”, sagte Klaus mit Blick auf die roten Adidas-Treter. “Ich werde sie mitnehmen, vielleicht können sie uns noch nützlich sein.” In tausenden Kilometern Entfernung explodierte zur selben Zeit ein Nike-Manager. “Klaus, wie kommen wir nun wieder nach Hause?” fragte Toto besorgt.

“Das ist ganz einfach!” ertönte eine Stimme aus dem Hintergrund. Toto und Klaus drehten sich um. Hinter ihnen stand eine Gruppe kleiner Männchen mit lustigen Frisuren. “Ihr müsst nur den guten Zauberer Van Gaal finden. Der wird euch den Weg weisen.” – “Wer seid ihr?” fragte Klaus. Solch seltsame Kreaturen hatte er noch nie gesehen. “Wir sind die Bayern Munchkins”, sagte eines der Männchen. “Na, das ist ja ‘n dolles Ding. Aber wie sollen wir den Zauberer finden?” fragte Toto. “Folgt einfach der weißen Mittellinie hier. Sie führt euch direkt zu seiner Kabine.” – “So ein Quatsch”, sagte ein anderes der Männchen, das lustige Bommel am Kopf hängen hatte. “Der Spielertunnel ist in Berlin doch hinter dem Tor!” – “Ach ja, ganz vergessen.” – “Aber passt auf, dort begegnet ihr Uli, der bösen Hexe des Südens.”

“Komisches Völkchen”, sagte Klaus beim Weitergehen. “Das muss ja ein schäbiger Zauberer sein, der in einer Kabine haust. Doch wie sollen wir nun zu ihm gelangen, ohne dass uns die böse Hexe sieht?” Schaaf Toto hatte eine Idee: “Wir können ja robben!” – “Blödsinn, dann sind wir doch viel zu lahm!” Während die beiden diskutierten begegneten sie plötzlich einer weiteren Gruppe Männchen. Auch sie sahen merkwürdig aus, wenn auch ganz anders als die Bayern Munchkins. “Und wer seid ihr nun wieder?” fragte Klaus genervt. “Ich bin der ängstliche Mesut”, sagte der erste. “Ich brauche ganz dringend mehr Mut!” Der zweite sprach: “Ich bin der hölzerne Hugo. Ich brauche ganz dringend mehr Verstand!” Und der dritte sprach: “Ich bin der Zauberzwerg Marko. Ich brauche ganz dringend ein Herz.” Klaus überlegte kurz. “Na, dann kommt mal mit”, sagte er schließlich und ließ sie Verträge mit drei Jahren Laufzeit und einer Option auf ein weiteres Jahr bei vernünftigem Grundgehalt und ganz passablen Erfolgsprämien unterzeichnen.

Gemeinsam erreichten sie nach kurzer Zeit den Spielertunnel. Dort wartete auch schon Ulis Leibwächter, der geflügelte Affe Kalle, auf sie und griff sie unter abscheulichem Krächzen an. “Ach deshalb sagt man auch ‘Abteilung Attacke'”, dachte Klaus und schaltete ihn mit einem gezielten Kinnhaken aus. Da kam Uli, die böse Hexe des Südens aus ihrem Versteck. Sie lachte schauerlich und sprach: “Ach, ihr kleinen Bremer. Was wollt denn ihr gegen mein Weißwurstimperium ausrichten? Wie wär’s, wenn ich euch den ängstlichen Mesut wegnehme?” Klaus und Toto platzten fast vor Wut, griffen zu Weißbiergläsern, die ihnen von dämlich grinsenden Hostessen in schlecht sitzenden Dirndln gereicht wurden, und kippten sie der Hexe über den Kopf. Uli schrie auf, zappelte, kreischte und zerschmolz schließlich zu einer kleinen Pfütze, die sofort von aufmerksamen Stadionmitarbeitern aufgewischt wurde.

Da trat der Zauberer Van Gaal aus dem Schatten. Er war riesig und sprach mit donnernder Stimme: “Danke, dass Sie mich von der bösen Hexe befreit haben. Zum Dank erkläre ich Toto nun mein Erfolgsgeheimnis.” Er winkte das Schaaf zu sich rüber, verschwand mit ihm in der Umkleidekabine und mehrere Stunden vergingen. Schließlich kam Toto zurück zur Gruppe. “Pah!” sagte er. “Der kocht auch nur mit Wasser. Alles ganz simpel, kleines Fußball-Einmaleins. Von wegen Zauberer. Hinter dem Vorhang ist der sooo klein mit Hut.” Die anderen guckten ungläubig, doch Toto sprach weiter: “Ich weiß jetzt auch, wie ihr eure Probleme lösen könnt. Mesut, du trägst den Mut in dir. Entferne einfach das ‘es’ aus deinem Namen! Hugo, du hast eine linke Klebe wie ein Pferd, aber du musst auch mal schauen, wo der Torwart steht und dann einfach dran vorbei schieben. Du trägst den Verstand in dir, du musst ihn nur nutzen. Und Marko, was soll das Gefasel von wegen Herz? Du hast genug Herz für eine ganze Fußballmannschaft. Geh einfach weiter so ins Eins gegen Eins und lass dich nicht so schnell fallen. Und jetzt geht’s raus und spuilt’s!”

Alle guckten verblüfft. Toto hatte recht. Warum waren sie da nicht selbst drauf gekommen? “Bravo”, sprach der Zauberer, der die ganze Zeit zugesehen hatte und klatschte begeisterten Applaus. “Gut gemacht, Toto. Als Belohnung für eure Heldentaten gebe ich euch dieses wertlose Trinkgefäß. Es steht bei uns nur rum und verstaubt. Wir müssen bis nächste Woche Platz schaffen für ein noch größeres. Und nun zeige ich euch, wie ihr nach Hause kommt: Immer die A2 runter bis kurz vor Hannover. Dann auf die A7 und am Dreieck Walsrode schließlich auf die A27. Könnt ihr gar nicht viel falsch machen.” Der Zauberer und die Bayern Munchkins winkten zum Abschied. “Das muss auch einfacher gehen”, dachte Allofs und kramte die roten Schuhe hervor. “In Bremen, in Bremen, da lässt sich’s gut leben. There’s no place like home”, sagte er und plötzlich, ganz unvermittelt, standen die Gefährten auf dem Bremer Rathausbalkon, vor dem schon eine in Grün-Weiß gekleidete Menschenmenge wartete, um die Helden aus dem fernen Berlin Willkommen zu heißen. Stolz präsentierten Toto und seine Jungs den prächtigen Pokal. Klaus hingegen lächelte verschmitzt und dachte: “Das war ja einfacher als erwartet.”

DFB-Pokal Finale: Live-Blog

Bayer Levekusen – Werder Bremen

Das Live-Blog beginnt ca. eine Stunde vor Spielbeginn, also gegen 19 Uhr. Ein wenig Lesestoff zur Vorbereitung gibt es hier und hier.

28. Spieltag: Berlin, Testreise

Hertha BSC – Werder Bremen 2:1

Wer einsnull führt, der stets verliert. Seit dem Spiel gestern geistert dieser nicht zutreffende und absolut dämliche Spruch durch meine Gehirnwindungen. Gegen Hertha verspielte Werder eine glückliche, wenn auch nicht unverdiente Führung in der zweiten Halbzeit und kassierte eine unglückliche, aber ebenfalls nicht ganz unverdiente Niederlage. So nimmt man aus Berlin nichts mit, außer dem Willen, die Saison bitteschön auch dort zu beenden.

Ohne Diego und Mesut Özil im Gepäck war man zum Auswärtsspiel gereist. Da mit dem langzeitverletzten Daniel Jensen und in der zweiten Hälfte Aaron Hunt auch alle anderen Spieler ausfielen, deren Namen irgendwie mit Kreativität im Mittelfeld in Verbindung gebracht werden, stand in der zweiten Halbzeit wohl das defensivste Mittelfeld der Ära Schaaf auf dem Platz: Baumann, Frings, Niemeyer, Tziolis. Passt zu Werders Bundesligasaison: Solides Mittelmaß. Trotzdem kam Werder nach einer schwächeren Anfangsphase zu guten Tormöglichkeiten, die eben jene Baumann, Tziolis und Niemeyer ungenutzt ließen.

Das 1:0 aus Werdersicht erzielte dann einer der drei gelernten Innenverteidiger auf dem Platz, nämlich Per Mertesacker, nachdem ihm der Ball nach einer Ecke erst an die Hand und von dort über mehrere Umwege ins Tor sprang. Danach schaffte es Werder gut, dem Gegner im Mittelfeld den Wind aus den Segeln zu nehmen, ohne spielerisch mehr Esprit zu versprühen, als es nominell zu erwarten war. Doch plötzlich kam Hertha dank eines starken, aber nicht unhaltbaren Kopfballs von Simunic zum Ausgleich und tat danach viel für den Sieg, während Werder nur das Unentschieden über die Zeit retten wollte. Das Siegtor fiel dann jedoch durch einen unglücklichen Zufall: Naldo vertändelt den Ball, Chermiti mit einem ganz schwachen Pass auf Raffael und dieser dann per abgefälschtem Fernschuss (wer hier ein Wortspiel finde, darf es behalten) über Wiese ins Tor.

Vor den mit Spannung erwarteten Duellen mit dem HSV ist die Niederlage zumindest vom Gefühl her bedeutungslos. Ich habe selten ein Gegentor in der Schlussphase so gefasst zur Kenntnis genommen. Dabei ist seit gestern eines klar: Werder kann nun auch theoretisch nicht mehr Deutscher Meister werden. Es wird Zeit fürs erste Nordderby!

28. Spieltag: Spielbericht

Hertha BSC – Werder Bremen

(Spielbericht erstellt aus meinem Liveblog bei Twitter.)


Vor dem Spiel:

So, bisschen spät dran heute. In 10 Minuten geht's los mit Hertha – Werder. Für Hertha geht's
um die letzte Meisterschaftschance, für Werder um… nichts. Gar
nichts. Bloß nicht verletzen vor den Nordderbys.
Wird interessant,
ob Werder ohne Diego und Özil mit Raute spielt oder nicht. Ich tippe
auf "flache Vier" um Druck von Hunt zu nehmen.

Aufstellungen:

Hertha BSC: Drobny – Stein, Von Bergen, Simunic, Cufre – Dardai, Kacar, Nicu, Cicero – Pantelic, Raffael

Werder Bremen: Wiese – Prödl, Merte, Naldo, Fritz – Baumann, Frings, Tziolis – Hunt – Pizarro, Rosenberg

Das Spiel:

1' Das Spiel läuft.

2' Fritz heute als Linksverteidiger, Prödl auf rechts. Hunt auf der linken Außenbahn.

3' Pantelic tanzt Fritz aus, passt zurück auf Kacar, doch der schlägt aus viel versprechender Position ein Luftloch!

10' Werder hat
sichtlich Schwierigkeiten, mit den vielen Veränderungen ein
vernünftiges Spiel aufzuziehen. War zu erwarten/befürchten.

11' Allerdings ist ein deutliches Bemühen erkennbar. Hier wirkt niemand so, als wolle er sich für Mittwoch schonen.

15' Tolles Tackling von Mertesacker gegen Pantelic als letzter Mann im Strafraum. Mit sehr viel Übersicht und gutem Timing.

17' Ecke Frings landet auf Naldos Kopf, schafft es aber nicht bis zum Tor.

18' Prödl mit einem blitzsauberen Tackling gegen Cicero, das von Rafati als Foul ausgelegt wird. Lächerlich.

21' Kacar mit
weiterer großer Chance, zögert aber zu lange mit dem Abschluss und wird
dann geblockt. Wiese mit Flugeinlage hinterm Tor.

25' Werder weiter
mit Problemen im Passspiel in der gegnerischen Hälfte, obwohl Hunt sehr
aktiv ist und viel die Seiten wechselt.

26' Großes Glück
für Werder: Kopfball von Cicero geht an den Pfosten, springt von dort an
Wieses Hand, aber dann zum Glück zur Seite weg.

29' Endlich mal ein Steilpass der ankommt. Pizarro schickt Rosenberg auf links, aber der stolpert über den Ball.

30' Beste Chance
für Werder durch Baumann. Fritz flankt mit rechts von links, Hunt legt
per Kopf am langen Pfosten zurück. Baumann trifft den Ball nicht richtig und sein Schuss geht deutlich übers Tor.

36' Tzilois kommt
5 m vor dem Tor mit dem Kopf an den Ball, trifft ihn aber nicht
wirklich und der Ball geht vorbei. Werder jetzt stärker.

40' Mertesacker versucht nach einer Ecke eine Schlenzer (!) aufs lange Eck. Knapper drüber als man denken würde

41' Nächste Chance durch Prödl, der nach Vorlage von Pizarro vom rechten Strafraumeck draufknallt, aber Drobny wehrt ab.

42' Hertha – Werder 0:1, Mertesacker. TOOOOOOOOOOOORRRRRR!!!!!!! Unglaubliches Gestocher im Strafraum nach Ecke Frings. Merte wohl als letzter am Ball

45' Tor ist verdient. Werder in den letzten 10 Minuten mit 4-5 guten Chancen. Hab Prödl noch nie so offensiv gesehen.

Halbzeit: Hertha
– Werder 0:1.
Nach einer unterhaltsamen, aber spielerisch nicht
hochklassigen Halbzeit führt Werder verdient mit 1:0.
30 Minuten lang
tat sich sehr wenig, Hertha wirkte gefährlicher. Dann erspielte sich
Werder Chancen und kam mit einer Ecke zum Führungstor.
Interessantes
System bei Werder heute. Hunt vogelfrei, hinter ihm drei defensive
Mittelfeldspieler und offensive Außenverteidiger.

46' Wechsel bei Werder. Niemeyer kommt für Hunt, der wohl angeschlagen ist. Hmja… Spiel läuft wieder.

47' Bei Hunt wurde eine Bänderdehnung festgestellt. Mal sehen wie sich das Mittelfeld in der Zusammensetzung schlägt.

55' Ruhige zweite
Halbzeit bislang. Werder sehr kompakt im Mittelfeld, versucht Herthas
Spiel schon im Ansatz zur ersticken. Bislang klappt's.

57' Jetzt erster Wechsel Hertha: Piszeck (wird der so geschrieben?) für Nicu.

59' Werder mit
Konter 3 gegen 3. Tziolis spielt auf Rosenberg, aber der schließt
schwach ab. Deutlich links daneben. Vorher Verdacht auf Foul.

60' Frings setzt
sich über links durch und flankt aufs lange Eck. Pizarro legt auf
Niemeyer zurück und der köpft aus zentraler Position drüber.

61' Das hätte es sein können für Werder! Bei Hertha kommt ein weiterer Spieler mit vielen Konsonanten im Namen (für Pantelic).

64' Hertha jetzt
mal wieder mit einer Ecke. Cicero köpft aufs Tor und Wiese hält. Erste
Chance für Hertha seit einer halben Stunde.

65' Erst fällt
Fritz im Strafraum, Rafati lässt weiterspielen. Dann Niemeyer gegen
Cicero im anderen Strafraum. Zweimal kein Elfmeter.

67' Zweiter Wechsel bei Werder. Almeida kommt für den unglücklichen Rosenberg. Bei Hertha letzter Wechsel Chermiti für Stein.

68' Auch wenn
Werder hier kreativ keine Bäume ausreißt, ist das eine wirklich
anständige Leistung gegen eine insgesamt schwache Hertha.

71' Hertha – Werder 1:1, Simunic. Und kaum sag ich das, macht Hertha den Ausgleich! Ausgehend von einem Freistoß köpft Simunic eine Flanke von Dardai über Wiese ins lange Eck. Der Pass von Cicero auf Dardai war so offensichtlich, da hätte man in der Zwischenzeit noch ein Spiegelei braten können.

76' Erstaunlich, was ein Tor bewirken kann. Hertha wirkt jetzt viel wacher und aktiver.

77' Rafati ist eine so unglaubliche Pfeife, der sollte nie wieder Bundesliga pfeifen! Kacar nagelt
Mertesacker von der Seite um, Ball ist seit Sekunden weg. Gibt aber
nicht Gelb-Rot, sondern nur eine Ermahnung. Unglaublich!

81' Werder verwaltet weiterhin nur. Hertha versucht, auf das Siegtor zu drängen, erspielt sich aber keine Chancen.

83' Was ist hier
los? Chermiti köpft an den Pfosten, Wiese wie versteinert. Beim
Nachschuss blocken sich die Berliner gegenseitig. Kurios!

88' Hertha –
Werder 2:1, Raffael.
Leck mich doch.
Hertha macht beim Konter alles falsch und dann haut Raffael aus der
Distanz einfach drauf, abgefälscht über Wiese ins Tor.
Naldo hatte sich da den Ball im Aufbau von Chermiti
vom Fuß nehmen lassen. Darf nicht passieren!

90' Eine Minute Nachspielzeit. Die Stimmungsmache des Berliner Stadionsprechers ist ein wenig peinlich.

Endstand: Hertha – Werder 2:1. Dumm, unglücklich, unverdient. Werder vergibt die eigenen Chancen und verspielt dann die Führung. Die Gegentore in der Entstehung eine Mischung aus unglücklichen Zufällen und eigener Unkonzentriertheit. Die Leistung sehr solide, aber in den letzten 25 Minuten zu sehr auf die Defensivstärke und Herthas Schwäche verlassen. Dazu ein
Schiedsrichter Rafati, der wieder einmal seine Bundesligauntauglichkeit
unter Beweis stellte. Aber keine Ausrede für Werder!