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Von Äpfeln und Birnen

Schafft der deutsche Vereinsfußball im nächsten Jahr endlich den Sprung aus der Krise? Mit Bayern München und Borussia Dortmund schicken sich zwei Vereine an, die 38-jährige Durststrecke für den deutschen Fußball zu beenden.

Nach zwei Finalpleiten in Folge (2010 gegen Inter, 2012 gegen Chelsea) soll beim FC Bayern 2014 alles besser werden. Doch befindet sich der Verein wirklich auf dem richtigen Weg? Für Stirnrunzeln sorgte die Entscheidung des Vereins, im Sommer trotz überwiegend grandioser Leistungen in der Qualifikation Trainer Jupp Heynckes in Rente zu schicken und den noch titellosen Pep Guardiola als Nachfolger zu verpflichten. Guardiola brachte den FC Barcelona zwischen 2008 und 2012 wieder zurück in die europäische Spitze, scheiterte in den Turnieren 2010 und 2012 jedoch jeweils im Halbfinale an den späteren Siegern und Bayern-Bezwingern. Heynckes gewann immerhin 1998 mit Real Madrid einen Titel.

Die ersten Spiele der Bayern unter Guardiola deuten großes Potential an, was angesichts Heynckes starker Vorarbeit nicht überrascht. Als Top-Favorit wird sein Team im Sommer 2014 jedoch auf eine harte Probe gestellt. Überhaupt scheint sich der Katalane mit Favoritenrollen schwer zu tun. Unter Guardiolas Führung ragte Barcelona jeweils in der Qualifikation heraus, startete auch durchaus ansprechend in die folgenden Turniere, konnte in den entscheidenden Spielen allerdings nie die erhoffte Leistung bringen. So verließ Guardiola Barcelona nach vier Jahren, ohne den Erfolg seines Vorgängers Frank Rijkaard aus dem Jahre 2006 wiederholen zu können. Superstar Lionel Messi haftet seitdem der Beinahme “Der Unvollendete” an.

Gänzlich anders sieht die Lage bei Borussia Dortmund aus. Wie alle anderen deutschen Vereine außer dem FC Bayern noch ohne Titelgewinn, können die Dortmunder befreit aufspielen. Nach längerer Abstinenz qualifizierte man sich mit einer jungen Mannschaft und mitreißendem Fußball für das Turnier 2012. Dort enttäuschte die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp zwar auf voller Linie, konnte jedoch wertvolle Erfahrung sammeln, die sich im kommenden Turnier noch als nützlich erweisen dürfte. Im letzten Jahr zeigte sich der BVB jedenfalls gefestigt und hatte keinerlei Mühe, sich für das kommende Turnier zu qualifizieren. Den Außenseiterstatus haben die Dortmunder dadurch erst einmal verspielt, doch steht man dank der bayerischen Dominanz weiterhin außerhalb des Fokus. Hört man sich im Verein um, scheint dies niemanden zu stören – ganz im Gegenteil. Die Verantwortlichen hoffen darauf, im Schatten der Bayern ohne Druck in das Turnier gehen zu können, um dort dann groß aufzutrumpfen.

Positive Auswirkungen vom sich abzeichnenden Aufschwung des deutschen Fußballs erhofft sich Bundestrainer Joachim Löw. Zwar liegt der letzte Titel der deutschen Nationalmannschaft im Sommer mit 18 Jahren nur vergleichsweise kurz zurück, doch waren die Auswirkungen der deutschen Vereinsfußballkrise lange Zeit auch in der DFB-Auswahl spürbar. In den letzten Jahren hat sich dies jedoch geändert. Der deutsche Fußball produziert wieder hochtalentierte Nachwuchsspieler, die auch der Nationalmannschaft zu Gute kommen. So stehen die Chancen nicht schlecht, dass Deutschland bei der kommenden WM in Brasilien mal wieder einen Titel gewinnt.

Dass die Nationalmannschaft dabei nicht unbedingt auf den Erfolg des deutschen Vereinsfußball angewiesen ist, zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher: Seit dem letzten Vereinstitel 1976 konnte die DFB-Auswahl immerhin drei große Titel gewinnen (1980, 1990 und 1996). Traditionell ist Deutschland eher ein Land des Verbandsfußballs, wo man mit je drei Welt- und Europameistertiteln zu den weltweit erfolgreichsten Fußballnationen zählt. Im Vereinsfußball lautete das Motto abgesehen vom Höhenflug der Bayern 1974 und 1976 eher: Dabei sein ist alles.

Woran es liegt, dass viele deutsche Spieler im Verein oftmals nicht die gleiche Leistung abrufen können, wie in der Nationalmannschaft, konnte trotz intensiver Bemühungen noch nicht herausgefunden werden. Gerade in den wichtigen Spielen scheinen die Spieler auf Vereinsebene dem Druck nicht gewachsen zu sein. Das beste Beispiel hierfür ist das letztjährige Finale der Bayern gegen den FC Chelsea, das trotz deutlicher spielerischer Überlegenheit ins Elfmeterschießen ging und dort mit einem Fehlschuss von Bastian Schweinsteiger entschieden wurde. Auf Verbandsebene gehört das Elfmeterschießen seit jeher zu den großen deutschen Stärken. Die letzte Niederlage in dieser Disziplin gab es genau in dem Jahr, in dem Bayern den letzten Titel holte. Dass damals ein bayerischer Spieler und heutiger Präsident des Vereins den entscheidenden Elfmeter verschoss, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

3. Spieltag: Grundlagenarbeit

Borussia Dortmund – Werder Bremen 1:0 (0:0)

Die erwartete Niederlage in Dortmund brachte sowohl die Schwächen, als auch die unter Dutt erarbeiteten Fortschritte zum Vorschein. Obwohl das Ergebnis für Werder glücklich ist, hielt man lange das 0:0 und hatte kurz vor Schluss sogar noch die Chance zum Ausgleich. Am Ende gab man sich dennoch selbstkritisch.

Dutts Plan: Hummels und Dortmunder Halbräume ausschalten

Es war schnell zu erkennen, dass sich Werders Matchplan an den beiden letzten Spielen der Borussia orientierte. In einem 4-4-1-1 mit Hunt und Arnautovic vor zwei Viererketten wollte Werder die Räume vor dem Strafraum eng machen. Nominell stellte Dutt dabei offensiv auf: Ekici und Yildirim spielten auf den Außenbahnen, Junuzovic und Makiadi in zentralen Mittelfeld. Der Plan war es dabei, Dortmund schon bei der Spieleröffnung zu stören und hoch zu pressen. Arnautovic stellte Hummels zu, nahm ihn fast in eine Art Manndeckung und Hunt eröffnete das Pressing indem er den Ballführenden Spieler anlief. Die Abläufe funktionierten recht gut, so dass bei Dortmund nicht nur Sahin “abkippte” sondern auch Kehl sich immer wieder weit nach hinten fallenlassen musste, um für Überzahl im Spielaufbau zu sorgen.

Dortmunds Passspiel ist allerdings auf sehr hohem Niveau, weshalb es der Borussia immer wieder gelang, das Bremer Pressing zu überwinden und das Spiel in Werders Hälfte zu verlagern. Dort zog sich Werder schnell zurück, stand sehr kompakt und versuchte, die Lücken zwischen den Linien gering zu halten. Die äußeren Mittelfeldspieler rückten dabei weit mit ein, um die gefürchteten Pässe in die Halbräume zu unterbinden, eine der größten Stärken des BVB. Unterstützt wurde die Mittelfeldkette dabei von Hunt, der sich zeitweise mit einreihte und dem Mittelfeld so mehr Breite gab.

Gegenpressing als Erfolgsgarant beim BVB

Trotz dieser guten Ansätze bei Werder konnte Dortmund sich ein deutliches Übergewicht erspielen. In den ersten 30 Minuten hielt Werder dabei den Druck noch weitgehend vom eigenen Tor weg, oftmals durch rustikale Abwehraktionen in höchster Not. Nach Bremer Ballgewinn spielte Dortmund sofort aggressives Gegenpressing und legte damit Werders Probleme im Umschaltspiel und in der Offensivkoordination allgemein offen, was Dutt später im Interview zurecht bemängelte.

Spätestens in der Schlussphase der ersten Halbzeit fand der BVB den Schlüssel zu Werders Strafraum. Wenig überraschend kam die erste richtige Großchance durch einen Konter, nachdem Werder mal etwas mehr Offensive gewagt hatte und das Mittelfeld aufgerückt war. Lukimyas katastrophaler Laufweg in der Rückwärtsbewegung öffnete Kuba den Weg zum Tor und Werder hatte Glück, dass sein Schuss an die Latte ging. Es folgte ein halbes Dutzend weiterer guter Chancen, bis der Halbzeitpfiff Werder erlöste.

Am Ende (fast) chancenlos

Auch nach dem Seitenwechsel fand Werder keinen Weg, die Angriffe des BVB zu stoppen. Die bewegliche Dreierreihe hinter Lewandowski fand auch in der kompakten Defensive immer wieder Lücken und Passwege. Ich bin von Makiadi als defensivstem Sechser noch nicht wirklich überzeugt. Instinktiv verteidigt er meistens nach vorne, antizipiert dabei gut, geht aber auch ins Risiko und nimmt sich damit im Zweifel selbst aus dem Spiel. Auch deshalb ist mir derzeit wohler, wenn Felix Kroos auf dem Platz steht und ihn absichert, auch wenn er nicht über die individuelle Klasse eines Ekici oder Junuzovic verfügt.

Nach dem Gegentor und Dutts Doppelwechsel fing sich Werder allmählich und konnte das Spiel häufiger in Dortmunds Hälfte verlagern. Offensiv war noch viel Stückwerk im Spiel und es waren eher Einzelaktionen, die Werder in Strafraumnähe brachten. Die beste Chance entsprang einer solchen von Neuzugang Franco Di Santo, der nach einer Körpertäuschung den schnellen Abschluss suchte und Weidenfeller zu einer guten Parade zwang. Ein Bremer Ausgleichstreffer hätte vermutlich das unverdienteste Unentschieden seit dem Champions League Finale 2012 bedeutet.

Letztlich war es ein Spiel, dass man in drei etwa halbstündige Phasen einteilen kann. In den ersten 30 Minuten bekam Werder spielerisch kein Bein auf dem Boden und konnte sich nie aus Dortmunds Druck befreien, ließ jedoch kaum ernsthafte Torchancen zu. Zwischen der 30. und 70. Minute durchbrach der BVB immer wieder den Bremer Abwehrriegel und kam zu besten Torchancen. In den letzten 20 Minuten kam Werder nach Dutts Wechseln besser ins Spiel, zeigte einige gute Angriffszüge und hatte durch Di Santo sogar noch die Chance zum Ausgleich.

Unterm Strich steht eine verdiente (und aus Dortmunds Sicht viel zu knappe) Niederlage gegen einen Gegner, der sich momentan außerhalb Werders Reichweite befindet. Die Leidenschaft und die verbesserte Ordnung in der Defensive machen Hoffnung für die nahe Zukunft und die Äußerungen von Dutt und Makiadi nach dem Spiel zeigen, dass man sich der eigenen Schwächen bewusst ist und an ihnen arbeitet, statt sich für eine ordentliche Leistung beim Champions-League-Finalisten übermäßig selbst auf die Schulter zu klopfen.

Grundlagenarbeit ist hart, ermüdend und die Zwischenergebnisse sind nicht schön anzusehen. Der Weg, davon bin ich inzwischen überzeugt, ist aber der Richtige. Wenn es Dutt gelingt, in der Hinrunde ein stabiles, defensives Fundament aufzubauen und in der Rückrunde eine Entwicklung der Offensivabläufe erkennbar wird, kann man die Saison – Klassenerhalt vorausgesetzt – als Erfolg betrachten.

2. Spieltag: Wie viel ist Werders perfekter Start wert?

Werder Bremen – FC Augsburg 1:0 (1:0)

Zwei minimalistische 1:0-Siege zum Auftakt sind mehr als viele Beobachter Werder vor zwei Wochen zugetraut hätten. Da Dutts Team gegen Braunschweig und Augsburg spielerisch vieles schuldig geblieben ist, fragt man sich nun zu recht, was diese beiden Siege und der zwischenzeitliche Status als “beste Defensive der Liga” wert sind. Hat Werder das Fundament für eine erfolgreiche Saison gelegt oder waren die Ergebnisse ein glücklicher Zufall?

Drei Mal ist Bremer Recht

Bei aller berechtigter Kritik an Werders bisherigen Auftritten sind null Gegentore in 180 Minuten eine reife Leistung für ein Team, das zuvor seit über drei Jahren nicht mehr zwei Bundesligaspiele in Folge ohne Gegentor geblieben war. Das Misstrauen gegenüber dieser plötzlichen Defensivstärke ist auch deshalb so groß, weil Werder noch vor zwei Wochen im Pokal all die Schwächen aufzeigte, die das Team in den letzten Jahren zur Schießbude der Liga gemacht hatte. Zu glücklich erscheinen zudem die beiden Siege und zu präsent die Erinnerung daran, was Werder nach dem letzten Doppelerfolg Anfang des Jahres passierte. Auch damals wähnte man sich auf dem Weg der Besserung, nachdem man zum ersten Mal seit knapp 1 1/2 Jahren wieder zwei Spiele am Stück gewann.

Aus zwei Spielen einen Trend abzulesen fällt schwer, daher überrascht es nicht, dass Robin Dutt auch die letzten Testspielergebnisse gegen Erfurt, Fulham und Essen heranzieht und so auf zuletzt fünf von sechs Spielen ohne Gegentor verweist. Das Pokalspiel – so die Schlussfolgerung – war dabei die Ausnahme, in der Werder in alte Verhaltensmuster zurückfiel. Die nächsten Spiele müssten also Aufschluss darüber geben, ob wir tatsächlich den Beginn einer nachhaltigen Veränderung in Werders Defensivverhalten erlebt haben. Eine solide Defensivleistung gegen den BVB wäre zumindest ein weiteres Indiz dafür.

Ein Hauch Mourinho

Doch wie hat Werder gegen Augsburg trotz einer Schussbilanz von 5:20 und deutlicher Unterlegenheit im Mittelfeld eigentlich die Null gehalten? Die Antwort liegt neben dem schwer zu bemessenen Faktor Glück vor allem in der Minimierung der leichten Fehler. Trotz leichter Wackler in der ersten Halbzeit blieben Prödl und Lukimya ohne grobe Schnitzer, die dem Gegner das Tor auf dem Silbertablett präsentierten. Augsburg blieb häufig nur der Schuss aus der Distanz, ohne dass sie dem Tor dabei so nah kamen, wie Braunschweig am ersten Spieltag mit Reichels Lattenkracher. Die wirklich klaren Torchancen blieben Mangelware. Dass Augsburg hierbei auch und vor allem an den eigenen Unzulänglichkeiten im gegnerischen Strafraum scheiterte, ist unbestritten. Werders Anteil bestand jedoch mindestens darin diese Schwäche des Gegners offen zu legen, indem man nicht die Art Gastgeschenke verteilte, die im Weserstadion seit längerer Zeit zur Tagesordnung gehören.

Nachdem wir letzte Woche den Barcelona-Vergleich hatten, bleiben wir gleich bei prominenten Vorbildern: Mourinhos Inter Mailand sicherte sich 2010 das Weiterkommen im Camp Nou mit einer ungewöhnlichen Taktik. Statt sich aus der Defensive locken zu lassen und den Raum um den Strafraum preis zu geben verzichtete Inter auf Ballbesitz und ließ lieber den Gegner gegen eine sortierte Defensive anlaufen. Der Ball wurde absichtlich dem Gegner überlassen. Werder war gegen Augsburg weit davon entfernt, defensiv so gut zu stehen wie Inter und überließ Augsburg auch sicher nicht absichtlich den Ball. Doch ein Hauch dieser Taktik war am Samstag in Bremen zu spüren, zumindest in der zweiten Halbzeit. Nachdem Werder in der ersten Halbzeit das Mittelfeld nicht in den Griff bekommen hatte und nach der Pause eine Zeit lang ordentlich ins Schwimmen gekommen war, fand man sich damit ab, dass Augsburg das Spiel machte und agierte im Pressing wesentlich vorsichtiger. Tiefes Verteidigen gehörte bislang kaum zu Werders Stärken und so mussten Verteidiger wie Mittefeldspieler ein ums andere Mal zu rustikalen Mitteln greifen, um Augsburg am kontrollierten Torabschluss zu hindern. Die Grätsche und der lange Befreiungsschlag gehören nicht mehr zum Standardrepertoire des modernen Fußballs, doch für Werder waren sie gegen Augsburg der Schlüssel zum Erfolg.

Knackt Dutt den Tabellenführer?

Mit seinen Auswechslungen und Umstellungen hatte Dutt ebenfalls Anteil am Erfolg. In der ersten Halbzeit hatte die klare Trennung zwischen Angriff und Mittelfeld noch dazu geführt, dass Werder zu oft in Unterzahl geriet und das Dreiermittelfeld auseinander gezogen werden konnte. In der zweiten Halbzeit agierten Elia und Hunt/Petersen auf den Außenbahnen tiefer und dämmten das Augsburger Flügelspiel etwas ein. Mit der Hereinnahme von Kroos für den Torschützen Ekici wurde zudem die Viererkette besser abgesichert. Yildirim brachte schließlich in der Schlussphase frischen Wind in Werders Konterspiel und sorgte dafür, dass sich Werder in den letzten 10 Minuten etwas häufiger befreien konnte als zuvor.

In Dortmund erwartet Werder ein ähnliches Spiel, wobei hier die Rollen schon vor Spielbeginn viel klarer verteilt sind. Gegen den BVB erwartet von vornherein niemand, dass Werder auf spielerischem Wege den Erfolg sucht. Andererseits darf man Dortmund nicht so nah ans eigene Tor kommen lassen, wie Werder es Augsburg in der zweiten Halbzeit gestattete. Verteidigt Werder hingegen zu hoch, droht das Sprintwunder Aubameyang. Hier gilt es einen schwierigen Mittelweg zu finden aus Kompaktheit, einer nicht zu tiefen Viererkette und einer ähnlich kampforientierten Spielweise, wie gegen Augsburg. Werders bisherige Gegner spielten ebenfalls bereits gegen Dortmund und lieferten dabei jeweils gute Ansatzpunkte, aber auch Warnsignale: Augsburg bereitete dem BVB Probleme im Mittelfeld und hatte das Zentrum weitgehend im Griff, wurde jedoch von der Schnelligkeit Aubameyangs überrumpelt. Braunschweig hielt Dortmund ebenfalls lange vom Tor weg, wurde aber durch einen mustergültigen Spielzug gegen einen tief verteidigenden Gegner schließlich dennoch geknackt. Man darf gespannt sein, was Dutt aus diesen Erkenntnissen macht. Das Spiel wird seine erste große Aufgabe in puncto Matchplan als Werdercoach.

Pep Guardiola und Teddy der Bär

Werder Bremen – Borussia Dortmund 0:5

Ursprünglich stand hier mal so etwas wie eine Analyse zu Werders höchster Heimniederlage seit 1987. Beim Schreiben habe ich aber schnell gemerkt, dass das heute irgendwie nichts wird. So ähnlich müssen sich auch die Spieler gefühlt haben, nachdem sie einigermaßen beflügelt ins Spiel gegen Borussia Dortmund gegangen waren und den Meister 10 Minuten lang gut unter Druck gesetzt hatten, dann jedoch binnen kurzer Zeit hoffnungslos hinten lagen.

Viel zu analysieren gibt es für mich sowieso nicht. Werders System ist aus taktiktheoretischer Sicht sicherlich interessant gewesen, aber dazu habe ich eigentlich schon vor dem Spiel alles geschrieben. Irgendwo habe ich gelesen, dass Werder mit Guardiolas System spielen würde. Ich kann mich nicht erinnern, dass Barcelona unter ihm jemals ein 4-2-4-0 (oder meinetwegen auch 4-6-0) gespielt hätte. Bei diesem System denke ich an den AS Rom oder Manchester United vor ein paar Jahren. Aber heute ist wohl nicht der Tag, um Haare zu spalten. Es war klar, dass diese Taktik gegen Dortmund ein Risiko sein würde. Dass die Hybridrolle von Petersen die rechte Seite anfällig machen würde. Nach einer 0:5-Niederlage ist es leicht zu sagen, dass die Taktik falsch war. Man hat ja keinen Vergleich, wie es mit einem 4-1-4-1 gelaufen wäre.

Dennoch muss man festhalten, dass taktische Experimente unter Schaaf selten von Erfolg gekrönt waren. Auch wenn die Erinnerung daran langsam verblasst, kann man hier das Kamikaze-Spiel in Lyon 2005 nennen, das UEFA-Cup-Finale 2009 oder auch das Pokalfinale 2010. Die größte Krise in Schaafs Amtszeit während der Saison 2010/11 war wohl nicht zufällig von ständigen Systemwechseln zwischen Raute und 4-2-3-1 gekennzeichnet. Deshalb kann ich die Aussagen, dass man Schaaf nichts vorwerfen könne, weil er wenigstens “etwas Neues ausprobiert” habe, auch nicht so richtig nachvollziehen. Sie ergeben wohl nur in Verbindung mit der (falschen) Narrative Sinn, dass Schaaf bis zum letzten Sommer nie von seiner Mittelfeldraute abgewichen sei.

Die spannendste Erkenntnis für mich war, dass Wolfgang “Teddy” de Beer Torwarttrainer bei Borussia Dortmund ist. Das hätte man wissen können, er ist es schließlich schon seit zehn Jahren. Beim Aufwärmen im Stadion wiedererkannt, an den O-Beinen natürlich. Ich war in diesem Moment ein wenig neidisch auf Roman Weidenfeller. Zum einen, weil er sich mit ihm aufwärmen durfte, was auf der Tribüne (trotz Glühwein) etwas schwierig war. Zum anderen, weil ich als Kind immer dachte, der Dortmunder Torwart hieße “Teddy der Bär”, was ich irgendwie schön fand und ihn deshalb in den Kreis meiner Lieblingsspieler aufnahm. Es hätte in den folgenden 90 Minuten etwas tröstliches gehabt, einen Teddy bei sich zu haben.

Dabei war Teddys Präsenz schon ein kleiner Fingerzeig auf das, was kommen sollte. Die höchste Heimniederlage seit 1986/87 nämlich, jener Saison, in der Teddy der Bär zur Borussia nach Dortmund wechselte. Sein Profidebüt gab er übrigens 1982 gegen Werder Bremen und kassierte prompt fünf Gegentore. Roman Weidenfeller hingegen blieb ohne Gegentor und hätte sich über weite Strecken des Spiels wahrscheinlich lieber wieder mit seinem Torwarttrainer aufgewärmt, anstatt beschäftigungslos bei der klirrenden Kälte auf den Abpfiff zu warten.

Letztlich waren wohl alle Beteiligten froh, als das Spiel vorbei war, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Für Thomas Schaaf gibt es unter der Woche vor allem im mentalen Bereich viel Arbeit zu verrichten. Die gute Stimmung aus dem Trainingslager dürfte erst einmal verflogen sein und es wird enorm wichtig sein, die Enttäuschung aus dem Spiel nicht mit ins Nordderby am Sonntag zu nehmen, sondern sie in eine Jetzt-erst-recht-Haltung umzuwandeln. Gepaart mit den Niederlagen gegen Frankfurt und Leverkusen kurz vor Jahresende könnte sonst ein Effekt wie in der letzten Saison entstehen, als man gegen Gladbach, Bayern und Schalke ähnlich spektakulär unterging und danach in der Rückrunde nicht mehr richtig auf die Beine kam.

Gegen Dortmund – Wie ersetzt Werder Arnautovic?

Nachdem Sebastian hier wieder einmal tolle Arbeit abgeliefert und uns aus Werders Trainingslager auf dem Laufenden gehalten hat, geht es nun wieder zurück zum Tagesgeschäft Bundesliga. Zum Auftakt geht es gegen Borussia Dortmund, das die letzten Tage mit der Sahin-Rückholaktion für Schlagzeilen gesorgt hat.

Wie geht Werder mit der Arnautovic-Sperre um?

Werder hat sich wohl selten so akribisch auf das Fehlen eines einzelnen Spielers vorbereitet. Dank der Winterpause hatte man viel Zeit, sich Gedanken zu machen, wie man ohne Arnautovic gegen Dortmund spielen will. Die einfachste Lösung wäre, die Position mit einem anderen Außenstürmer zu besetzen. Mit Niclas Füllkrug ist der erste Kandidat hierfür jedoch nicht gerade in Bestform. Zudem enttäuschte er in der Arnautovic-Rolle gegen Bayer Leverkusen. Dahinter weist Werders Kader nicht gerade ein Überangebot an Flügelstürmern auf. Eine Alternative könnte es daher sein, einen der spielstarken Mittelfeldspieler auf die Außenbahn zu setzen. In der Mitte stünden mit Fritz und Ignjovski zwei Spieler parat, die dafür in die Startelf rücken könnten.

Doch Thomas Schaaf setzt auf dem Flügel in dieser Saison nur selten auf Mittelfeldspieler. Es könnte daher gut sein, dass das in den Testspielen gegen Trabzonspor und Zwolle geübte System ohne echten Mittelstürmer zum Einsatz kommt. Hierbei agierte Nils Petersen auf der Arnautovic-Position und zog im Laufe eines Angriffs in den Strafraum, während Hunt und De Bruyne flexibel das Zentrum beackerten. Schon zu Saisonbeginn spielte Werder in Dortmund ohne echte Spitze, wobei dort Fritz als alleiniger Sechser agierte, wohingegen in Belek eine Doppelsechs zum Einsatz kam.

Das 4-2-4-0-System hätte sicher einige Vorteile, wenngleich Dortmund sich von Petersens Auftauchen im Strafraum vermutlich nicht so einfach überrumpeln lassen würde. Es offenbart jedoch auch eine deutliche Schwachstelle, die nur durch perfekte Feinabstimmung vor Spielern wie Reus geschützt werden kann. Petersen ist ein hervorragender Pressingspieler, aber das Verteidigen auf dem rechten Flügel liegt ihm nicht so richtig. Vor allem aber ist Selassie offensiv mehr gefordert, wenn Petersen in die Mitte zieht, was zwangsläufig Räume hinter ihm offen legt. Hier wäre die Doppelsechs gefordert, diese durch gutes Verschieben zu verkleinern, was allerdings nicht unbedingt als Werders Stärke angesehen werden kann.

Defensivprobleme? Welche Defensivprobleme?

Eigentlich hat man auch ohne taktische Experimente schon genügend Sorgen in der Defensive. Darüber spricht man in Bremen jedoch nicht so gerne. Thomas Schaaf antwortet auf Fragen nach den vielen Gegentoren meist ausweichend und mit allgemeinen Hinweisen darauf, dass in der Defensive alle Spieler gefordert sind. Eine Erklärung dafür, dass man auch im neuen, konterlastigen System die Anzahl an Gegentoren nicht senken konnte, ist dies jedoch nicht. Allerdings hat man im Trainingslager den Berichten zufolge intensiv am Umschaltverhalten von Offensive auf Defensive gearbeitet. Die Hinrunde hat gezeigt, dass es hier noch Verbesserungbedarf gibt. Der Erfolg in der Rückrunde wird maßgeblich davon abhängen, ob sich das Team auch defensiv steigern kann. Mit 60 Gegentoren dürfte der Einzug in die Europa League schwierig werden.

Auch Dortmund kommt mit Defensivsorgen ins Weserstadion. Bei der Borussia liegen diese jedoch vor allem im personellen Bereich. Mit Neven Subotic fällt einer der beiden Stamminnenverteidiger für längere Zeit verletzt aus. Dazu hat sich der einzige gestandene Ersatzmann Felipe Santana das Nasenbein gebrochen, sollte im Spiel gegen Werder aber wieder zur Verfügung stehen. Falls nicht, stünde auch Sven Bender als Alternative für die Innenverteidigung parat, zumal es im defensiven Mittelfeld nach dem Sahin-Transfer genügend Optionen gibt.

Systemwechsel beim BVB wegen Sahin?

Taktisch erwarte ich vom BVB keine großen Experimente. Es wird derzeit viel über eine mögliche Umstellung auf ein 4-3-3 diskutiert, um Sahin einzubinden ohne Gündogan rauszunehmen. So richtig vorstellen kann ich mir das aber nicht, zumindest nicht in dieser Saison. Zum Saisonauftakt dürfte Jürgen Klopp auf Bewährtes setzen und bei seinem erfolgreichen 4-2-3-1 bleiben. Sahin wird noch etwas Zeit brauchen und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man ihn ohne Not direkt ins kalte Wasser wirft. Gegen Werder erwarte ich ihn jedenfalls nicht in der Startelf.

Ansonsten ist Dortmunds Spielweise hinlänglich bekannt. Die Umstellung nach dem Kagawa-Weggang und die Integration von Marco Reus haben sich in der ersten Hälfte der Hinrunde bemerkbar gemacht. Seitdem hat sich die Borussia sehr gut entwickelt und auch in der Champions League gezeigt, dass sie an Reife gewonnen hat. Ich würde keine große Hoffnung darauf setzen, dass Dortmund die Liga wegen des großen Rückstands auf die Bayern schleifen lässt und sich einzig auf die Champions League konzentriert. Gerade zum Beginn der Rückrunde werden sie noch einmal voll angreifen wollen.

Massives Zentrum als (einzige?) Chance

Für Werder wird es wieder einmal darum gehen, den richtigen Grad im Pressing zu finden. Für ein extrem hohes Pressing à la Freiburg ist die Raumaufteilung zu unorthodox. Ein offener Schlagabtausch ist ebenfalls nicht in Werders Sinne. Sich gegen Dortmund hinten zu verbarrikadieren ist jedoch auch keine Lösung, wenn man mehr als nur Schadensbegrenzung betreiben will. Gerade falls Petersen wirklich auf den Flügel rückt und Werder ohne Spitze spielt, ist die Arbeit von Hunt und De Bruyne gegen den Ball enorm wichtig. Mit einem so massiven Mittelfeld würde man das Dortmunder Spiel fast zwangsläufig über die abkippenden Sechser laufen lassen. Gerade Gündogan sollte man dabei alle Passoptionen ins Zentrum zustellen und frühe Pässe auf die Außenbahnen oder lange Bälle erzwingen.

Um Dortmund zu schlagen, müssten schon einige Dinge zusammenkommen. In der Hinrunde war man zumindest dicht an einem Punktgewinn dran und hat Dortmund mit schnellem Umschaltspiel sichtlich überrascht. Inzwischen sind beide Teams besser eingespielt und Werders System ist allen Gegnern hinlänglich bekannt. Schaaf muss sich entscheiden, ob er das Risiko eines 4-2-4-0 zugunsten eines erneuten (wenn auch kleinen) Überraschungseffekts eingehen will oder auch ohne Arnautovic auf sein bekanntes System setzt. Vielleicht überrascht er uns am Ende alle und spielt mit einer Raute…

DFB-Pokal Finale: Borussia Dortmund – Bayern München (live)

21.54

Endstand: Borussia Dortmund – Bayern München 5:2

Verdienter Sieg des BVB, der über das gesamte Spiel mehr Gefährlichkeit im Angriffsdrittel ausstrahlte und letztlich auch entfachte. Man hat gesehen, dass Bayern aus den letzten Spielen gegen Dortmund gelernt hat. Zumindest was die Offensive angeht. Das Angriffsspiel war variabler und man hat sich Chancen erarbeitet. Defensiv wirkte man aber nach jedem Fehlpass völlig neben der Spur, als wäre man überrascht, dass sich der BVB mit mehr als zwei Spielern über die Mittellinie traut.

Jürgen Klopp im Interview sichtlich freudentrunken. “Ich möchte nicht so lange reden, ich muss noch zum ZDF.”

Dortmund feiert, Bayern muss die Wunden lecken und vor dem Champions League Finale gegen Chelsea die richtigen Schlüsse ziehen, wie man die Defensive stabilisiert.

21.53

89′ Die Dortmunder Bank feiert schon. Gleich darf sich der BVB auch Doublesieger nennen.

21.49

84′ Zweiter Wechsel bei Dortmund: Perisic für Kuba.

Die Probleme der Bayern heute lagen nicht in der mangelnden Durchsetzungsfähigkeit vorne. Wer so viel zulässt, muss offensiv allerdings ein Feuerwerk abbrennen. Das tun die Bayern nicht und nach dem erneuten Gegentor erst Recht nicht mehr.

21.46

82′ Borussia Dortmund – Bayern München 5:2, Lewandowski. Neuer lässt einen schon sicher geglaubten Ball aus den Händen gleiten. Flanke Kuba, Kopfball Lewandowski ins leere Tor.

Gelb gegen Hummels nach Foul an Müller.

21.45

80′ Es ist nicht so, dass der FCB sich hier hängen lässt. Dortmund lässt wenig zu und die Bayern beißen sich die Zähne dran aus – gemessen am Spielstand.

Wechsel BVB: Der bärenstarke Kagawa geht, Sven Bender kommt.

21.40

75′ Borussia Dortmund – Bayern München 4:2, Ribery. Starke Einzelaktion. Ribery ist mal nach rechts ausgewichen, zieht in die Mitte und schießt den Ball robbenesk ins lange Eck.

21.34

69′ Mal wieder eine Torchance für die Bayern durch Gomez. Ansonsten sieht das aus Bayern-Sicht ziemlich trostlos aus. Man sollte nicht darauf schieben, dass Bayern sich für Chelsea schont. Aber nach dem Nackenschlag durch Lewandowski scheint dieses Spiel hier durch zu sein.

Contento kommt für Alaba.

21.23

58′ Borussia Dortmund – Bayern München 4:1, Lewandowski. Zweiter gefährlicher Konter innerhalb von zwei Minuten. Drei gegen zwei, Kagawa verzögert geschickt, legt raus zu Großkreuz, der Lewandowski bedient, dessen Schuss Neuer keine Chance lässt. Kann man nicht viel besser zu Ende spielen.

21.15

49′ Langerak verschätzt sich und kommt gut 25 Meter aus dem Tor, bekommt den Ball aber nicht geklärt. Robbens Pass auf Gomez wird von Subotic abgegrätscht, sonst hätte dieser freie Bahn aufs leere Tor gehabt.

21.09

46′ Es geht weiter. Nach einer kleinen Verzögerung wegen Feuerwerkskörpern im Dortmund-Block.

Wechsel bei den Bayern: Thomas Müller für Luiz Gustavo. Naheliegender Wechsel.

20.55

Halbzeit: Borussia Dortmund – Bayern München 3:1.

Klasse Spiel im Olympiastadion. Bayern hat mit viel Druck losgelegt, aber der BVB hat ihnen nach etwa 10 Minuten ganz gut den Zahn gezogen. Ein bisschen Matchglück war auch dabei, als man mit der ersten Chance des Spiels in Führung ging. Danach war es ein ausgeglichenes Spiel, in dem Dortmund zwar weniger Anteile hatte, aber in Tornähe immer ein Stück weit gefährlicher wirkte.

Kagawa in seinem vielleicht letzten Spiel für den BVB bislang der entscheidende Mann.

Was genau kann man Bayern heute eigentlich vorwerfen? Nach vorne gibt es nicht allzu viele Kritikpunkte. Im Aufbauspiel passieren jedoch zu viele Fehler und Dortmund nutzt das klasse aus. Dortmund spielt aber nicht allein reaktiv auf Konter. Wann immer ein Ball im Angriffsdrittel gewonnen wird, rückt das Team nach und sorgt in Ballnähe für Über- mindestens aber für Gleichzahl. Die linke Abwehrseite der Bayern wirkt nicht sattelfest und Luiz Gustavo steht völlig neben sich. Beim BVB gibt es keine wirklichen Schwachstellen. Der FCB muss sich alles selbst erarbeiten.

20.48

45+1′ Borussia Dortmund – Bayern München 3:1, Lewandowski. Dortmund spielt seine (wenigen) Angriffe klasse aus. Lewandowski legt den Ball mit dem Kopf ab, Kagawa mit einer Finte gegen Badstuber und einem genialen Pass in den Lauf von Lewandowski, der eiskalt abschließt, auch wenn Neuer wieder dran war.

Durchs Olympiastadion schallt es Zieht den Bayern die Lederhosen aus.

20.46

45′ Fünf Minuten Nachspielzeit, nach der Verletzung von Weidenfeller verständlich.

20.41

41′ Borussia Dortmund – Bayern München 2:1, Hummels. Neuer ist dran, aber der Ball geht rechts unten ins Tor. Knappes Ding, aber Dortmund führt wieder.

20.40

40′ Elfmeter für Dortmund. Boateng erwischt Kuba. Keine Diskussion.

20.34

34′ Geht nicht weiter bei Weidenfeller. Langerak, der schon seit fünf Minuten bereit steht, kommt für ihn rein.

20.27

27′ Freistoß Dortmund nach Handspiel Alaba an der rechten Strafraumecke. Hübsche Variante, aber geklärt.

20.25

25′ Borussia Dortmund – Bayern München 1:1, Robben. Flach unten rechts.

20.24

23′ Elfmeter für Bayern. Weidenfeller kommt gegen Gomez zu spät und erwischt ihn am Fuß. Starker Pass von Schweinsteiger leitete die Situation ein.

20.22

22′ Kroos gefällt mir sehr gut. Großer Aktionsradius, lässt sich mal tief fallen, mal mit in die Spitze. Unterstützt dazu die Außen gut. Dennoch haben die Bayern Probleme, Lücken in die beiden Viererketten des BVB zu schlagen. Von selbst bietet Dortmund kaum welche an.

20.19

19′ Spiel hat sich etwas beruhigt. Bayern mit mehr Ballbesitz, aber Dortmund stellt jetzt sehr gut zu. Die Bayern müssen immer wieder hintenrum spielen. Versuchen es meistens über die Außen, wo Dortmund sofort attackiert.

Marcel Reif und Luiz Gustavo werden in diesem Leben keine Freunde mehr.

20.12

12′ Geht weiter. Ecke der Bayern bleibt ohne Gefahr. Weidenfeller hustet. Freistoß Bayern am linken Flügel nach Foul an Ribery.

20.11

11′ Sieht nicht gut aus für Weidenfeller. Er zieht die Handschuhe aus, aber steht wieder. Langarak macht sich warm.

20.09

8′ Eigentlich waren die Bayern in den Anfangsminuten aggressiver im Spiel nach vorne. Nach dem Rückstand hat sich daran selbstverständlich wenig geändert. Gomez frei vor dem Tor, doch Weidenfeller kann zur Ecke klären und bleibt angeschlagen im Strafraum liegen, wird behandelt.

20.05

3′ Borussia Dortmund – Bayern München 1:0, Kagawa. Schlimmer Fehlpass von Gustavo landet bei Kuba, der vor Neuer in die Mitte auf Kagawa ablegt. Der schiebt ihn ins leere Tor.

20.03

2′ Starker Bayernangriff über Rechts bringt die erste leichte Torgefahr. Doppelpass zwischen Lahm und Robben, aber die Hereingabe wurde abgeblockt.

3′ Und auf der anderen Seite das Tor von Kagawa!

20.00

1′ Und los geht’s. Anstoß Bayern.

19.55

Gomez hat mich zum Ende dieser Saison noch einmal überrascht. Beim Spiel in Dortmund bekam man noch den Eindruck, dass er bei aller Torgefahr seine Mannschaft spielerisch doch eher schwächt. In Madrid zeigte er dann jedoch, dass er auch weitere Aufgaben auf dem Spielfeld erfüllen kann. Mal sehen, ob er heute mehr mitarbeitet und die langen Bälle von Hummels ein Stück weit unterbindet.

19.52

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19.50

Bayerns Problem war lange Zeit, dass man zu ausrechenbar war. Solange man auf die Läufe von Ribery und Robben auf dem Flügel angewiesen ist, dürfte man wieder Probleme bekommen. Außer Inter Mailand im Champions League Finale 2010 hat es bislang keine Mannschaft so gut verstanden, die bayerischen Flügelspieler in den Griff zu bekommen, wie der BVB. Die Antwort der Bayern könnte Toni Kroos heißen, der zuletzt wieder in der starken Form des Herbstes war.

19.44

Nachdem Dortmund die letzten vier Duelle gegen Bayern gewonnen hat, ist vom Angstgegner die Rede. Beim letzten Spiel der Beiden war jedoch eine gehörige Portion Glück mit dabei am Ende. Man hatte den Eindruck, dass sich die Bayern besser auf Dortmund eingestellt haben. Zudem konnte sich der BVB dort ein Unentschieden erlauben. Das Momentum liegt zumindest nicht mehr so sehr auf der Seite der Dortmunder, wie noch vor ein paar Wochen.

19.40

Talking Points vor dem Spiel:

  • Wie wirkt sich die breite Brust der Bayern nach dem Finaleinzug in der Champions League aus?
  • Kann Dortmund die bayerische Flügelzange wieder kontrollieren und wenn ja, wie reagieren die Bayern darauf?
  • Sehen wir den statischen Gomez aus dem Ligaduell oder den mitspielenden Gomez aus dem Spiel in Madrid?

19.35

Die Aufstellungen:

BVB: Weidenfeller – Piszeck, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Kehl – Kuba, Kagawa, Großkreuz – Lewandowski

Bayern: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribery – Gomez

Keine wirklichen Überraschungen dabei. Götze beim BVB, Müller bei den Bayern auf der Bank.

19.29

Nach ein paar Problemen mit meinem Sat-Receiver kann es hier losgehen. Ein Live-Blog aus dem Norden zu einem Spiel im Osten zwischen einer Mannschaft aus dem Westen und einer Mannschaft aus dem Süden.

19.26

Moin aus Bremen!

Um 20 Uhr trifft der Deutsche Meister Borussia Dortmund im Pokalfinale in Berlin auf den Champions League Finalisten Bayern München. Ab 19 Uhr gibt es an dieser Stelle ein Live-Blog zum Spiel.

(K)eine Standortbestimmung

Werder gegen den BVB, der amtierende Deutsche Meister gegen den Tabellenzweiten.

Auf dem Papier ein absolutes Topspiel mit dem Gast als Favorit: Götze als „Jahrhunderttalent“, Lewandowski als ehemaliger Chancentod, der plötzlich trifft, Hummels und Subotic als vielleicht bestes Innenverteidiger-Duo der letzten Saison und drum herum eine homogene Mannschaft, in der jeder für jeden läuft und kämpft.

Dem gegenüber steht die momentan beste Heimmannschaft der Saison mit dem Weserstadion als Festung und einer Mannschaft, die sich zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht durch überragende spielerische Dominanz und Fußball für die Galerie auszeichnet, sondern durch Leidenschaft, Einsatz und einen unbändigen Siegeswillen.

Wer wird gewinnen, welcher Spieler kann den Unterschied ausmachen und vor allem: Was hat das dann zu bedeuten?

Claudio Miguel Pizarro Bossio

Mittendrin in der vielleicht kämpferischsten Werder Mannschaft der letzten Jahre befindet sich mit Claudio Pizarro ein Spieler, der sich mit 33 nicht auf dem absteigenden Ast, sondern auf dem Zenit seines Könnens befindet und an guten Tagen Weltklasse verkörpert. 6 Tore und 3 Vorlagen in 7 Spielen, sowie die direkte Beteiligung an jedem der letzten 8(!) Treffer Werders sprechen hierbei Bände.

Nun ist es leider so, dass eben dieser so immens wichtige Spieler nach einer langen, kräftezehrenden Länderspielpause mit einem Jetlag und ohne eine einzige Trainingseinheit mit der Mannschaft zu eben dieser stößt und direkt derjenige ist, auf dem in Bremen die meisten Hoffnungen ruhen.

Claudio Miguel Pizarro Bossio. Dieser Name steht für Sympathie, Schlitzohrigkeit, Tore am Fließband und andauernde Gefahr im gegnerischen Strafraum. Was nun, wenn eben dieser Spieler ausfällt oder droht, nicht richtig zu funktionieren?

Wo steht Werder wirklich?

Im Vorfeld wurde viel davon geredet, dass die Partie gegen Dortmund der erste „echte Gradmesser“ der Saison sei. Eine Art „Standortbestimmung“. Klar, Werder hat alle bisherigen vier Heimspiele gewonnen aber wie hießen denn auch die Gegner? Kaiserslautern, Freiburg, Hamburg und Hertha. Allesamt keine „Topteams“, Dortmund aber schon, sagen die Einen. Sieg ist Sieg und leichte Spiele waren auch das nicht, sagen die Anderen.

Auch bei den Spielern war man sich nicht sicher. Clemens Fritz zum Beispiel sprach davon, dass dieses Spiel keine Standortbestimmung sei. Schwere Spiele seien es auch zuvor gewesen. Natürlich ist das eine Art Standortbestimmung, sagte wiederum Lukas Schmitz.

Doch was ist es denn? Kann ein Spiel gegen den amtierenden Deutschen Meister, dessen im Jahr zuvor überragende Mannschaft bis auf „Spielmacher“ Nuri Sahin und den zu Saisonbeginn verletzten Lucas Barrios – welcher mittlerweile genesen ist – zusammenblieb, wirklich der Gradmesser für eine Mannschaft sein, die im Jahr zuvor bis zuletzt gegen den Abstieg kämpfte? Für eine Mannschaft, deren Viererkette im Vergleich zum Vorjahr auf 3 Positionen verändert wurde und die darüber hinaus ihren Abwehrchef Per Mertesacker nach London verlor?

Und zu guter Letzt: Kann dieses Spiel ein Gradmesser sein für eine Mannschaft, die sich nach wie vor im Umbruch befindet und dabei sowohl auf die etatmäßige Nummer 1 im Tor – die Nummer 2 im Tor der Deutschen Nationalmannschaft – als auch auf einen bislang stark aufspielenden Marko Arnautovic im Sturm verzichten muss?

Nein. Unter diesen Voraussetzungen und zum jetzigen Zeitpunkt kann dieses Spiel in meinen Augen kein Gradmesser sein – zumindest nicht für den Verlauf der gesamten Saison.

Die Raute ist ein äußerst komplexes Spielsystem, die Anforderungen an die einzelnen Spieler enorm und das benötigte Maß an Spielintelligenz der jeweiligen Spieler hoch. Eingespieltheit ist hierbei das Stichwort, welches in meinen Augen die jetzige Werder Mannschaft davon trennt, auch spielerisch und nicht nur tabellarisch zur Spitzengruppe zu gehören. Ob man nun gegen Dortmund gewinnt oder nicht spielt für mich keine Rolle.

Vor der Saison war ich davon überzeugt, dass Werder schlecht in die Saison starten würde. Dass man zur Winterpause irgendwo im grauen Tabellenmittelfeld rumkrebsen würde, dass man erst zur Rückrunde – mit einer eingespielten Mannschaft und weiteren, punktuellen Verstärkungen – oben angreifen könne. Bislang habe ich mich geirrt – im positiven Sinne.

Was kann Werder, wenn Pizarro schwächelt?

Eine Standortbestimmung ist es demnach nicht, ein Gradmesser vielleicht. Wohl aber ist es die Möglichkeit, zu sehen, was Werder im Stande ist zu leisten, wenn Pizarro nicht in Topform ist. Egal ob er heute von Beginn an aufläuft oder nicht, er wird nicht bei 100% sein. Nach so einer belastenden Reise kann man ihm nicht die gesamte Last aufbürden. Man kann nicht erwarten, dass er wieder die Kohlen aus dem Feuer holt. Nun sind andere gefragt. Die Mannschaft muss nicht mehr nur laufen und kämpfen, sie muss auch gemeinsam Tore schießen. Womöglich ohne Pizarro.

Gelingt dies, wäre es für mich – unabhängig vom Ausgang des Spiels – die wichtigste Erkenntnis dieser Saison, denn früher oder später wird Pizarro den Verein verlassen und dann sind andere gefragt.

Ein Muntermacher zum Schluss

„Ischa Freimaak!“ Viel mehr muss nicht gesagt werden. Der Freimarkt beginnt, die Stimmung tobt, das Stadion wird im Flutlicht erstrahlen und traditionell gibt es für Dortmund in Bremen wenig zu holen – wenngleich sie zur Freimarktszeit stets deutlich erfolgreicher waren. Man kann sich alles schön reden und so vertraue ich darauf, dass sich zu den positiven Aspekten des Ferien- und Freimarktbeginns heute Abend noch ein weiterer hinzu gesellt: Ein Werder Sieg am Abend.

In dem Sinne, auf geht’s Werder, kämpfen und siegen!

Endlich Klassenerhalt

Werder Bremen – Borussia Dortmund 2:0

Der Klassenerhalt ist perfekt. Wie erwartet hätte dazu auch ein Punkt gegen den Deutschen Meister gereicht, doch Werder machte durch die Tore von Silvestre und Pizarro alles klar und kann nun endlich die Vorbereitungen für die neue Saison konkretisieren.

Bremer Entschlossenheit gegen Dortmunder Sektlaune

Es wäre unfair den Borussen eine unprofessionelle Einstellung vorzuwerfen, doch es war der Mannschaft von Jürgen Klopp anzumerken, dass es für sie nicht mehr um viel ging. Der Dortmunder Tempofußball lässt sich ohne absolute Konzentration und Laufbereitschaft nicht spielen. Nach Silvestres frühem Führungstreffer hatte man nur selten das Gefühl, dass die Dortmunder mit aller Macht auf den Ausgleich drängten.

An dieser Stelle möchte ich dem BVB zur Meisterschaft gratulieren. Über die gesamte Saison hinweg hat Dortmund den besten Fußball gespielt und wird deshalb völlig zurecht am kommenden Samstag die Meisterschale erhalten. Der BVB hat in den letzten Jahren sehr viel richtig gemacht, ein glückliches Händchen auf dem Transfermarkt gehabt und mit Jürgen Klopp auf einen Trainer gesetzt, der nun allen Zweiflern bewiesen hat, dass er seine Vorstellungen vom modernen Fußball auch auf höchstem Niveau umsetzen kann. Dortmund spielt schnellen, schnörkellosen Fußball, der auch ästhetisch anspruchsvoll ist. Die Ballsicherheit der jungen Mannschaft ist sicher ein entscheidender Faktor für den großen Erfolg.

Ein anderer ist die Zusammenstellung der Mannschaft: Sahin, der Ballverteiler (für mich Spieler der Saison). Bender, das Powerhouse im Mittelfeld. Hummels mit seinen Qualitäten im Spielaufbau. Kagawa und Götze mit ihrem intelligenten Spiel zwischen den Linien. Torjäger Barrios. Dazu die vor Energie strotzenden Großkreutz, Kuba, Piszceck und Schmelzer auf den Außenbahnen (die ungemein von Sahin, Kagawa und Götze profitiert haben). Einziger Schwachpunkt ist für mich Torhüter Weidenfeller, der zwar eine gute Saison gespielt hat, aber (ähnlich wie Wiese) Probleme beim Mitspielen hat. In der neuen Saison wartet die nächste große Herausforderung auf den BVB: Die Etablierung in der Spitze. Wie kommt die junge Mannschaft mit Abgängen (Sahin), Meisterschaftskater und der Doppelbelastung durch die Champions League zurecht? Ich bin sehr gespannt.

Abstiegskrimi verkommt zum lauen Sommerkick

Damit aber genug der Lobhudelei und zurück zum Spiel. Werder machte in der Anfangsphase viel Druck und spielte sich über Marin, der im Rücken des BVB-Mittelfelds zunächst viel Platz fand, einige Male vielversprechend vors Dortmunder Tor. Die Führung kam durch eine Standardsituation unter Mithilfe von Weidenfeller zustande, der Silvestres Ecke schwach klärte und beim Schuss des Franzosen durch viele Beine dann kaum noch eine Chance hatte. Werder drängte zunächst auf das zweite Tor, unterstützt durch einige Unsicherheiten in der Dortmunder Abwehr, und hatte durch Marin und Fritz gute Chancen. Nach einer Viertelstunde stellten die Bremer die Offensivbemühungen jedoch weitgehend ein und ließen Dortmund mehr Zeit am Ball. Hier mag eine Portion Kalkül mit dabei gewesen sein, dass es die Dortmunder nicht allzu ernst mit einer Aufholjagd meinen würden, aber Werders Umschalten nach Ballgewinn wies in dieser Phase gravierende Mängel auf. Das Mittelfeld wurde häufig überbrückt, doch die langen Bälle auf Wagner und Pizarro fanden nur selten das Ziel und der BVB konnte sich die Bälle problemlos zurückholen.

Defensiv standen die Bremer weitgehend sicher und Dortmund kombinierte sich nur selten durchs Mittelfeld vors Bremer Tor. Zwei starke vertikale Pässe durch die Schnittstellen der Bremer Innenverteidigung führten zu den beiden gefährlichsten Szenen der Borussia vor der Pause. Dazwischen gab es viel Leerlauf, mit dem Werder dank der Führung gut leben konnte. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig an diesem Bild. Die Großchance für Barrios kam eher zufällig zustande und auf der anderen Seite war es Pizarros individuelle Klasse, die das Spiel für Werder entschied. Aus Werdersicht mag man sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr über spielerische oder taktische Defizite der eigenen Mannschaft ärgern. Wichtig ist der nun endgültig feststehende Klassenerhalt durch diesen Sieg gegen am Ende zu passive Dortmunder, die gegen einen tief stehenden Gegner zu wenig taten, um noch einmal ins Spiel zurück zu kommen. In der Nachspielzeit bekam der BVB noch einen glasklaren Elfmeter verweigert, doch das interessierte schon fünf Minuten später niemanden mehr.

Schwache Gesten statt harter Entscheidungen?

Vor dem Spiel wurden mit Petri Pasanen und Daniel Jensen zwei Spieler geehrt, die jeweils sieben Jahre lang bei Werder gespielt haben und im Sommer den Verein verlassen werden. Torsten Frings war nicht unter den Geehrten. Es ist zu befürchten, dass er seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Ich schreibe bewusst „befürchten“, auch wenn es mir wehtut. Ich habe großen Respekt vor dem Fußballer Torsten Frings und bin ihm sehr dankbar für alles, was er für Werder geleistet hat. Ich bin allerdings nicht der Ansicht, dass man mit (und schon gar nicht um) Frings noch einmal eine große Mannschaft aufbauen kann. Dazu ist er nicht mehr gut genug, dazu ist sein Status im Team zu verfestigt, dazu ist er zu wenig Lenker aus dem Hintergrund. Er hat in der Schlussphase der Saison noch einmal seinen Beitrag zum Klassenerhalt geleistet, aber seine Schwächen waren auch in den letzten Wochen nicht mehr zu übersehen. Es wäre ein guter Zeitpunkt aufzuhören. Mir scheint es jedoch, dass man bei Werder die großen Einschnitte weiterhin scheut, wenn sie nicht durch externe Gegebenheiten (Verletzungen, hohe Transfererlöse) unvermeidbar werden. Die wäre kein gutes Zeichen für die neue Saison.

Als schlechtes Zeichen habe ich auch die Nichtberücksichtigung Daniel Jensens in den Kader empfunden. Es wäre ein Platz auf der Bank freigewesen und auch wenn Jensen nach Schaafs Dafürhalten nicht richtig fit ist, hätte man ihn zum Abschied wenigstens eine Berufung in den Kader schenken können. Gegen eine Einwechslung in der 90. Minute hätte bei entsprechendem Spielstand auch nichts gesprochen. Petri Pasanen durfte dagegen 90 Minuten durchspielen und zeigte eine gute Leistung in der Innenverteidigung. Ihm hätte ich in der letzten Minute ebenfalls den Applaus einer Auswechslung gegönnt. Diese Gesten mögen nicht wichtig sein für den Verein, aber sie wären ein schönes Signal an die Spieler und an die Fans gewesen. Vielleicht darf Jensen wenigstens am letzten Spieltag in Kaiserslautern noch einmal für Werder auflaufen. Zu gönnen wäre es ihm in jedem Fall.

Niederlage, aber kein Rückschritt

Bundesliga, 16. Spieltag: Borussia Dortmund – Werder Bremen 2:0

Nach dem 3:0 in der Champions League gegen Inter Mailand keimte ein wenig Hoffnung auf, dass Werder in Dortmund doch einigermaßen mithalten könnte. Nicht zu Unrecht, wie sich am Samstagabend zeigte. Werder konnte Dortmund nach schwachem Start lange Zeit das Wasser reichen und kassiert am Ende trotzdem eine insgesamt verdiente 0:2 Niederlage.

Dortmunder Blitzstart

In den ersten 20 Minuten passierte genau das, was man angesichts des Saisonverlaufs der beiden Mannschaften befürchten musste. Dortmund überrollte Werder geradezu mit aggressivem Pressing, schnellem Umschalten und gefährlichen Pässen in die Tiefe. Das 1:0 war folgerichtig. Auch wenn es letztlich eine Standardsituation war, kam der Freistoß für den BVB durch Pasanens Probleme auf der linken Abwehrseite zustande. Wer nun wieder auf unserem Linksverteidiger (egal wie er gerade heißt) herumhacken möchte, kann das gerne tun. Allerdings tut man ihm dabei meiner Meinung nach zumindest teilweise Unrecht. Das Spiel war – mehr noch als sonst – dafür konzipiert, auf Werders linker Seite Lücken zu schlagen. Kagawa zieht gerne aus der Mitte auf die linke Seite (wie ein gewisser Mesut Özil) und zog unsere defensiven Mittelfeldspieler dadurch ein Stück auf diese Seite herüber. Wenn man sich die Heatmap von Frings und Fritz anschaut, stellt man fest, dass beide mehr Aktionen rechts vom Zentrum hatten, was ungewöhnlich für eine Doppelsechs ist. Dazu kommt die Tatsache, dass Marko Marin mit seinen ständigen Rochaden als Vordermann deutlich weniger hilfreich ist, als etwa Phillip Bargfrede auf der anderen Seite. Wenn Rechtsverteidiger Piszcek mit aufrückte und seinen Landsmann Kuba unterstützte, wurde es jedes mal brenzlig.

Die Dortmunder setzten Werder auch nach der Führung weiter unter Druck und konnten mit ihrem Pressing den Bremer Spielaufbau weitgehend unterbinden. Pizarro ließ sich immer wieder tief fallen und agierte als “falsche Neun”. Dabei ging es weniger darum, Platz für die Vorstöße von Hunt und Marin zu schaffen als darum, eine weitere zentrale Anspielstation im Mittelfeld zu bieten. Auch in Dortmunds vertikale Pässe schlichen sich nach und nach mehr Ungenauigkeiten ein. Da das zweite Tor nicht fallen wollte, schaltete Dortmund in der Folge einen Gang zurück und verwaltete das Spiel. Dadurch bekam Werder mehr Spielanteile und konnte seine Angriffe überlegter und genauer Aufbauen. Bis zur Halbzeit wirkte Dortmund dabei noch sehr kontrolliert und ließ Werder nur zu einer nennenswerten Torchance – einem Schuss von Aaron Hunt – kommen. In einer solchen Phase reicht es, beim Gegner den Eindruck entstehen zu lassen, man könne jederzeit wieder zuschlagen. Werder agierte vor der Pause betont vorsichtig, um dem BVB nicht die Gelegenheit zum schnellen Gegenstoß zu geben.

Bremer Comeback

Dass es sich dabei um eine Dortmunder Finte gehandelt haben könnte, zeigte sich in der 2. Halbzeit. Werder führte seine Angriffe nun entschlossener zu Ende und setzte die Borussen früher unter Druck. Dadurch entstanden zwar die Räume für Dortmunder Konter, doch der Tabellenführer hatte nun selbst Probleme, sich aus dem Bremer Angriffsdruck zu befreien. In dieser Phase zeigte sich jedoch auch ein Unterschied zwischen den Teams, der letztlich mit spielentscheidend war: Dortmund schaffte es wesentlich besser, die Räume vor dem eigenen Strafraum eng zu machen, als es Werder in Dortmunds Drangperiode gelungen war. Werder musste sich jeden Torschuss hart erarbeiten. Trotz der nun augenscheinlichen Bremer Dominanz musste Dortmund im gesamten Spiel nur wenige wirklich brenzlige Szenen überstehen.

Gegen diese gereifte Dortmunder Mannschaft muss man die wenigen Chancen kaltblütiger nutzen, als es der SVW derzeit tut. Pizarro hatte innerhalb kurzer Zeit gleich zweimal den Ausgleich auf dem Fuß, doch beide Versuche endeten auf frustrierende Weise. Zunächst nahm Pizarro den Ball schlecht mit und Roman Weidenfeller konnte vor ihm klären, was Pizarro eine (in meinen Augen übertriebene) gelbe Karte einbrachte. Im zweiten Versuch war Pizarro erneut frei durch, legte den Ball am Torwart vorbei und wurde dann von diesem von den Beinen geholt. Ich kann zwar Klopp und die Dortmundfans verstehen, dass sie hier Pizarro unterstellen, sich bereitwillig treffen zu lassen, doch Weidenfeller kam schlicht mit zu viel Tempo aus dem Tor und konnte nicht mehr ausweichen. Entscheidend ist hierbei nicht die Intention sondern die Durchführung und Weidenfeller trifft Pizarro klar. Wäre es andersherum, hätte jeder Dortmunder einen Elfmeter gefordert. Schiedsrichter Mayer entschied an dieser Stelle nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal zu Werders Ungunsten und versagte Werder so die große Chance zum Ausgleich. Im Gegenzug traf dann Lewandowski zum entscheidenden 2:0. Es war ein schöner Dortmunder Angriff, den Kagawa mustergültig abschloss, doch Lewandowskis (wenn auch nur leichte) Berührung aus klarer Abseitsposition gibt dem Tor einen faden Beigeschmack.

Fehlende Klasse vs. fehlendes Glück

Nach dem Tor war das Spiel entschieden, weil Schaaf schon kurz vorher Pizarro gegen Wagner austauschen musste und sein Team nicht die Kraft und die Überzeugung aufbringen konnte, um Dortmund noch einmal richtig unter Druck zu setzen. Aufgrund der ersten 20 Minuten und der Dortmunder Defensivstärke geht der Sieg des Herbstmeisters insgesamt in Ordnung. Aus Bremer Sicht ist es jedoch erfreulich, dass man eine Stunde lang mit der bislang überragenden Mannschaft der Saison mithalten konnte und sich trotz des frühen Rückstands nicht wehrlos abschlachten ließ. Zwar entspricht das nicht dem Selbstverständnis unseres Vereins, aber nach den zahlreichen Klatschen in den letzten Monaten ist allein diese Tatsache schon etwas wert.

In Anbetracht der aktuellen Lage kann Werder in Dortmund nur dann Punkten, wenn alles optimal läuft. Die beiden Schiedsrichterentscheidungen waren sicher nicht der alleinige Grund für Werders Niederlage, doch momentan ist das Team einfach nicht in der Lage, solche Dinge gegen einen solchen Gegner zu kompensieren. Die Enttäuschung bei Spielern und Trainer ist verständlich, doch mit dem Abstand von zwei Tagen sollte man nun zu dem Schluss kommen, dass Fehlentscheidungen im Fußball immer wieder passieren und man die Leistung als weiteren kleinen Schritt in die richtige Richtung werten darf. Es ist ein Konsolidierungskurs den Werder derzeit beschreitet. Es ist zwar schmerzhaft, einen vermeintlich schwächeren Verein wie Dortmund so davonziehen zu sehen, doch das ist in dieser Hinrunde einfach nicht unsere Liga. Gegen den Tabellennachbarn aus Kaiserslautern müssen am Samstag hingegen unbedingt drei Punkte her.

Was bleibt?

Fun Fact des Tages: Als die Signal Iduna die Namensrechte für das Westfalenstadion kaufte, reichten zwei Bremer Mitarbeiter ihre Kündigung ein.

Ärgernis des Tages: Kubas ungeahndete Schwalbe. Ich teile ja die Kritik an Marins Fallsucht, aber ich kann das Fingerzeigen der Fans anderer Vereine immer weniger verstehen. Es gibt in fast jedem Team einen Spieler, der bei jeder Gelegenheit den Bodenkontakt sucht und Dortmund war mit Kuba und auch Sahin gut dabei.

Die Fragen, die nicht nur ich mir nach dem Spiel stellte, waren: Wie groß ist der Leistungsunterschied zwischen Werder und Dortmund wirklich? Ist der Dortmunder Kader so viel besser? Welche Rolle spielen dabei Selbstvertrauen, bisheriger Saisonverlauf und Zufall? Wie groß ist der Anteil der Entwicklungen der letzten 1-2 Jahre? Die Antworten darauf stelle ich an dieser Stelle mal zur Diskussion.