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Ganz ohne Wortspiel: Pizarro ist zurück

Claudio Pizarro ist zurück in Bremen. Der Transfer, der wochenlang zu stagnieren schien, wurde nun überraschend schnell abgeschlossen. Noch am Sonntag gab sich Klaus Allofs sehr zurückhaltend, was einen möglichen erneuten Wechsel Pizarros an die Weser betraf. Am Montagabend landete der Peruaner dann schon zu abschließenden Verhandlungen in Bremen. Heute wurde der Wechsel schließlich auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Die Vertragslaufzeit beträgt 3 Jahre plus 1 Jahr Option. Als Ablösesumme werden 5 Millionen Euro kolportiert. Wie ist dieser Transfer nun einzuordnen?

Finanziell musste Werder sicher an seine Grenzen gehen. Der Wiederverkaufswert dürfte gegen Null tendieren, da Pizarro nach Ablauf des Vertrags bereits 33 (bzw. 34) Jahre alt sein wird. Die Ablösesumme sollte dank des vorhandenen Kleingelds nach zwei Finalteilnahmen und Diego-Verkauf zu verschmerzen sein, Pizarros Gehalt dagegen wird dagegen deutlich höher zu Buche schlagen als letzte Saison. Damals zahlte der FC Chelsea noch einen Teil des Festgehalts, was das Ausleihgeschäft für Werder finanzierbar machte. Nun muss noch mindestens ein Spieler gehen, um die Personalkosten auf ein erträgliches Maß zu drücken.

Auch aus sportlicher Sicht ergibt es Sinn, noch einen Angreifer abzugeben. Mit Pizarro, Marcelo Moreno, Hugo Almeida, Boubacar Sanogo und Markus Rosenberg gibt es fünf arrivierte Stürmer im Kader. In Torsten Oehrl und Marko Futacs stehen zwei Nachwuchsspieler bereit, die an die Mannschaft heran geführt werden sollen und bei Verletzungsproblemen den Kader auffüllen können. Dazu verfügt man mit Aaron Hunt und Said Husejinovic noch über zwei Mittelfeldspieler, die bereits im Sturm zum Einsatz kamen. In der Breite wäre man also – im Gegensatz zur letzten Saison – noch mehr als ausreichend besetzt. Doch welchen Stürmer wird es treffen?

Wahrscheinlichster Wechselkandidat ist Boubacar Sanogo. Er befindet sich wieder in guter Form, könnte also eine vernünftige Ablöse einbringen. Zudem liegt vom AS St. Etienne ein konkretes Angebot vor. Vor wenigen Wochen hätte man keine Sekunde überlegen müssen, diesem Transfer sofort zuzustimmen. Nun hat sich Sanogo aber in der noch jungen Saison vom sicheren Verkaufsobjekt zu einer wertvollen Stütze der Werderoffensive gemausert. Der einzige Grund, ihn in der jetzigen Situation zu verkaufen, ist die Befürchtung, dass es sich dabei zum wiederholten Mal nur um ein Strohfeuer handelt. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit legen dies nahe.

Einen Transfer Hugo Almeidas halte ich für unwahrscheinlich, auch wenn er von allen Kandidaten die höchste Transfersumme einbringen würde. Die erhoffte Leistungsexplosion des Portugiesen lässt weiter auf sich warten, doch Schaaf und Allofs glauben offensichtlich weiter daran, dass diese noch kommen wird. Dass beide Almeida für ein Riesentalent halten, haben sie mehrfach deutlich gemacht. Ich bezweifle deshalb, dass man ihn nun ohne Not verkaufen wird.

Markus Rosenberg ist bereits seit einiger Zeit verletzt, was Werders Möglichkeiten ihn zu verkaufen erheblich einschränkt. Nach der enttäuschenden letzten Saison scheint ein Verkauf Rosenbergs die logische Konsequenz. Bei nur 13 verbleibenden Tagen bis zum Ende der Transferperiode ist es aber wohl utopisch, einen willigen Käufer für den Schweden zu finden, zumal nicht klar ist, wann dieser wieder einsatzfähig sein wird. Ob Rosenberg nach Überwindung seiner körperlichen Beschwerden wieder zu alter Stärke zurückfindet ist fraglich. Als Stürmer Nr. 4 wäre er dann aber allemal brauchbar.

Egal, wie sich Werders sportliche Führung entscheiden wird – die Situation in Werders Angriff hat sich heute verbessert. Pizarro besitzt große spielerische Qualitäten und absolvierte im letzten Jahr (im Schatten der Torflut des Duos Grafite/Dzeko) mit 17 Toren in 26 Spielen seine erfolgreichste Saison seit 8 Jahren. Hoffen wir, dass ihm ähnliches auch 2009/2010 gelingt und neben ihm endlich einer (oder besser mehrere) seiner Nebenleute im Sturm aus dem Quark kommt!

DFB-Pokal, 1. Runde: Leichtigkeit

FC Union Berlin – Werder Bremen 0:5

Das nennt man wohl Auftakt nach Maß. Mit einem lockeren und verdienten Sieg zieht Werder in die zweite Runde des DFB-Pokals ein. Nach den letzten Testspielen konnte man nicht unbedingt damit rechnen, dass die Mannschaft gegen Union so ein leichtes Spiel haben würde. Dies lag natürlich nicht nur an Werders starker Leistung, sondern auch an einem enttäuschenden Auftritt des Zweitligaaufsteigers. Trotz eines fanatischen Publikums im Rücken, hatte Union Berlin nicht den Hauch einer Chance.

Daher sind auch die Schlüsse, die man aus dem Spiel ziehen könnte, mit Vorsicht zu genießen. Eines scheint jedoch schon jetzt deutlich: Werder verfügt wieder (bzw. trotz Diegos Abgang immer noch) über große Qualität im Mittelfeld. Dass Tim Borowski nach wenigen Wochen schon so dominant agiert, ist erstaunlich. Defensiv kompromisslos und mit gutem Auge im Spielaufbau war er die zentrale Figur in Werders Mittelfeld. Den Späteinsteigern Mesut Özil und Marko Marin war anzumerken, dass sie körperlich noch nicht auf dem Stand sind, den sie für die lange Saison benötigen. Hier wird es in ein paar Wochen hoffentlich noch eine Steigerung geben. Sehr positiv war allerdings die Raumaufteilung zwischen den beiden, die ständig unterwegs waren, Positionen getauscht haben und sich nur schwer auf eine Formation festnageln ließen. Classic Schaaf.

Im Sturm wusste vor allem Boubacar Sanogo zu gefallen. Er hat eine starke Vorbereitung gespielt und stand zu Recht in der Anfangsformation. Nach dem Spiel gestern dürfte er für den Bundesligaauftakt gesetzt sein. Er spielte wie zu seinen besten Zeiten im Herbst 2007, mit viel Einsatz und einem guten Gespür für die richtigen Laufwege. Hugo Almeida wirkte dagegen etwas blass (und nein, dass ist keine rassistische Bemerkung), hatte aber dennoch einige gute Aktionen. Marcelo Moreno durfte in der Schlussphase ran und zeigte endlich seine Qualitäten als Vollstrecker. Vier Stürmertore gegen einen Zweitligisten sind eine Ansage, sollten aber nicht über den Handlungsbedarf im Angriff hinwegtäuschen.

Die Abwehr stand – bis auf eine zehnminütige Auszeit um die 60. Minute herum – sicher und ließ den zaghaften Berliner Vorstößen kaum Raum zur Entfaltung. Clemens Fritz wirkt auf der rechten Seite um Lichtjahre besser drauf, als zu Beginn der letzten Saison. Pasanen spielte auf der anderen Seite solide, wie man ihn kennt. Er dürfte zunächst nur Platzhalter für Sebastian Boenisch sein, so lange dieser die nötige Fitness für sein kraftaufwändiges Spiel sammelt. Vielleicht wird er in Zukunft aber auch wieder zur ernsthaften Option für die Startelf, sollte Boenisch nicht den erhofften Leistungsschub bekommen.

Insgesamt war es ein Spiel, das Vorfreude auf die kommende Saison machte. Spätestens in zwei Wochen, nach dem Auswärtsspiel bei den Bayern, wird man den Leistungsstand etwas genauer einschätzen können. Bis dahin darf geträumt werden, warum auch nicht? Die letzte Saison, die mit einem klaren Auswärtssieg in Berlin begann, war schließlich 2003/2004.

Quadratur der Raute

VfL Wolfsburg – Werder Bremen 1:2

Der erste ernsthaftere Test der noch jungen Saison ist geglückt: Werder gewinnt mit 2:1 beim Deutschen Meister VfL Wolfsburg den (inoffiziellen) Volkswagen Supercup. Das Spiel hatte nur wenig Aussagekraft, was das Kräfteverhältnis der beiden Mannschaften angeht. Noch stehen die Trainingsarbeit und die Komplettierung des Kaders im Vordergrund. Allerdings war schon zu erkennen, dass beide Trainer den Test durchaus nicht auf die leichte Schulter nahmen.

Ich habe versucht, während des Spiels verstärkt auf Werders neues System zu achten. Das Tempo des Spiels war nicht hoch genug, um dabei stichfeste Erkenntnisse zu gewinnen. Doch trotz des Testspielcharakters gibt es zwei Dinge, die mir aufgefallen sind:

1. Das Mittelfeld. Bei gegnerischem Ballbesitz formierte sich das Bremer Mittelfeld zu einer Viererkette (auch "flache Vier" genannt). Somit stand man in einem klassischen 4-4-2 System, das so von vielen Mannschaften auf der Welt gespielt wird. Bei eigenem Ballbesitz agierte man jedoch wie in der Vergangenheit sehr flexibel, tauschte munter Positionen und versuchte so, Lücken in die Defensive des Gegners zu reißen. Der große Unterschied zu früher ist dabei das Fehlen einer zentralen Anspielposition, wie Diego sie bis vor kurzem ausgefüllt hat. Die beiden offensiven Außen zogen immer wieder in die Mitte, so dass die Bezeichnung "Quadrat" für Werders Mittelfeldsystem nicht ganz abwägig ist. Ich frage mich jedoch, ob Werders Mittelfeld das Umschalten von frei formierter Offensive auf defensive Viererkette auch bei hohem Tempo schafft. Die taktische Disziplin offensiv gepolter Spieler wie Mesut Özil oder Marko Marin wird hier sicher stark gefordert sein.

2. Der Angriff. Gestern standen Marcelo Moreno und Boubacar Sanago in der Starformation. Moreno zeigte einige gute Ansätze. Technisch spielt er auf hohem Niveau, doch seine Abschlüsse waren noch etwas überhastet. Dies trifft bei Sanogo auf dessen gesamtes Spiel zu. Es war deutlich zu merken, dass er hoch motiviert ins Spiel ging und seine Kritiker von sich überzeugen wollte. Leider führte dies nur selten zu durchdachten Aktionen. Dennoch kann sich Sanogo mit dieser Einstellung (sofern er sie denn längere Zeit aufrecht erhalten kann) wieder zu einem Spieler entwickeln, der Werder weiterhelfen kann. Da in der kommenden Saison vermutlich kein Spieler zentral hinter den Spitzen agieren wird, sind die Stürmer noch mehr gefordert, sich häufig ins Mittelfeld zurückfallen zu lassen uns selbst Chancen mit einzuleiten. Sanogo und Hugo Almeida können dabei vor allem hohe Bälle verwerten und für ihre Mitspieler ablegen. Moreno macht auf mich den Eindruck, als könne er hier auch spielerisch Akzente setzen. Leider sehe ich diese Potential (abgesehen von – mit Abstrichen – Almeida) sonst bei keinem anderen der Kandidaten. Aus spielerischer Sicht wäre eine Rückkehr Pizarros deshalb umso wichtiger.

Langsam steigt bei mir endlich die Vorfreude auf die neue Saison.