Schlagwort-Archiv: Champions League

Die Champions League Halbfinalisten vor den Rückspielen

Heute und morgen entscheidet sich, wer im Champions League Finale in der Allianz Arena aufeinander trifft. Eine Einschätzung der vier Teams vor den Rückspielen.

Barca braucht einen Kraftakt…

Der FC Barcelona steht (für seine Verhältnisse) mit dem Rücken zur Wand. Nachdem man in der letzten Woche so viele Niederlagen kassierte, wie in der gesamten Saison zuvor, könnte man neben der Meisterschaft auch die Champions League verspielen. Der Substanzverlust macht sich bemerkbar und pünktlich zur crunch time ist die Topform nicht mehr da. Im Hinspiel gegen Chelsea waren zwar einige der von mir unterstellten Probleme zu sehen, doch letztlich hatte man auch einfach ein wenig Pech. Mit besserer Chancenverwertung (die ich abseits von Messi als Schwachpunkt Barcas sehe) hätte man Chelsea schon im Hinspiel jegliche Chancen auf ein Weiterkommen nehmen können.

Gegen Madrid wurde dann aber deutlich, was Barcelona derzeit fehlt: Knackt man den Gegner nicht im Zentrum, schafft man es nicht, alternativ über die Außen so gefährlich zu werden, wie zu besten Zeiten. Es fehlt nicht unbedingt die Breite im Spiel, sondern die Qualität der dafür zuständigen Flügelspieler. Die Stammkräfte sind entweder verletzt (Villa), angeschlagen (Alexis, Affelay) oder außer Form (Pedro). Die Nachwuchsspieler können das noch nicht kompensieren:  Tello hat gegen Madrid die dicksten Chancen vergeben, auch von Cuenca geht keine große Torgefahr aus. So bleibt zu viel Verantwortung bei Dani Alves und Andres Iniesta. Derzeit reicht es, die Räume zwischen den Linien für Messi zu schließen und ihn damit komplett ins Mittelfeld zu ziehen, um eine ernsthafte Chance gegen Barcelona zu haben.

…sonst reicht Chelsea Solidität

Beim FC Chelsea konnte man am Samstag den Eindruck gewonnen, sie hätten gerade einen großen Schritt Richtung Champions League-Qualifikation gemacht. Dabei ist jene nach dem 0:0 bei Arsenal und einem weiteren Sieg von Newcastle in weitere Ferne gerückt – auch wenn man nächste Woche noch das Nachholspiel gegen die Magpies in der Hinterhand hat. Nach dem Unentschieden gegen die Gunners fühlte man sich jedenfalls als moralischer Sieger und wähnt sich weiterhin im Aufschwung, der dem Trainerwechsel folgte. Das Erreichen des Champions League Finales würde diese Narrative weiter untermauern.

Dabei habe ich Chelseas Leistung gegen Barcelona nicht so stark gesehen, wie sie im Nachhinein gemacht wurde. Chelsea spielte defensiv zwar richtig gut und war vorne immerhin effizient, doch wenn man sich Barcelonas Großchancen anschaut, dann wirkt das Loblied auf das blaue “Bollwerk” doch etwas übertrieben. Das Spiel hätte bei identischem Verlauf und etwas besserer Chancenverwertung auch 1:3 ausgehen können. Doch es ist nicht Chelseas Verdienst, dass Barcelona bei eben jener gerade Probleme hat. Ich würde die Leistung jedenfalls nicht über der von Milan im Viertelfinale (und nicht mal sehr weit über der von Bayer Leverkusen beim 1:7, aber das ist ein anderes Thema) sehen. Das Spiel gab mehr Aufschluss über Barcelonas derzeitige Verfassung, als über Chelsea.

Was mir sehr gut gefallen hat, war das Zusammenspiel der drei Sechser, die den Raum vor den Innenverteidiger mit sehr cleverem Verschieben extrem verknappten. Die Rückkehr zum 4-3-3 (das eigentlich maximal ein 4-5-1, in der zweiten Halbzeit eher aber ein 4-5-1-0 war) in diesem Spiel hat sich schon deshalb gelohnt. In Barcelona wird Chelsea vermutlich Ähnliches versuchen, um Messi aus dem Spiel zu nehmen. Nach vorne ist gegen ein mit zunehmender Dauer wohl immer energischer anlaufendes Barca auch mit wenig Risiko etwas möglich.

Obwohl Barcelona auch in derzeitiger Verfassung die bei weitem bessere Fußballmannschaft als Chelsea ist, habe ich große Zweifel, dass man nach dem intensiven Clasico am Wochenende den Kraftakt gegen Chelsea schafft. Man muss unbedingt die Null hinten halten. Sollte Chelsea treffen, wird das Weiterkommen zur Herkulesaufgabe, die ich dem Team derzeit nicht zutraue.

Hat Mourinho zu hoch gepokert?

Real Madrid hat am Wochenende mit einem eindrucksvollen 2:1-Sieg im Camp Nou die Meisterschaft für sich entschieden. Etwas überraschend spielte Mourinho dort mit der selben Startelf wie unter der Woche gegen die Bayern. Ich hatte Madrid im Hinspiel deutlich druckvoller erwartet. In den ersten 15 Minuten war es sehr eindrucksvoll, wie sie die Außenbahnen so hoch zustellten, dass Ribery und vor allem Robben keinen Stich sahen. Im Laufe des Spiels ließ man dann aber nach und war für eine Mannschaft, die von Mourinho trainiert wird, erstaunlich häufig unsortiert. Das lag nur zum Teil an der Leistung der Bayern. Auch hier bin ich der Ansicht, dass die Partie mehr über die Gäste aus Spanien aussagte, als über die Gastgeber.

Hätte Real das Spiel gewinnen müssen, wäre es möglicherweise auch nach hinten losgegangen, doch man hätte die letzte halbe Stunde sicherlich nicht so abgeschenkt. Das war pures Ergebnis halten und es hätte auch beinahe geklappt. Vielleicht wähnte man sich nach dem 1:1 zu sicher und wollte Kraft sparen für den Clasico. Vielleicht wusste Mourinho da schon, dass er vier Tage später mit identischer Aufstellung ins Spiel gehen wollte. Wenn man am Ende ins Finale einzieht, kann man sagen: Alles richtig gemacht, Herr Mourinho. Wenn es schief geht, wird man noch oft an die zweite Halbzeit in der Allianz Arena denken.

Wie gut ist Jupp Heynckes?

Für Bayern München ist die Situation genau andersherum. In der Liga musste man dem BVB erneut den Vortritt lassen, aber in der Champions League hat man mit einer überzeugenden Leistung eine gute Ausgangsbasis für das Rückspiel in Madrid geschaffen – womit längst nicht jeder gerechnet hat. Der Traum vom Finale im eigenen Wohnzimmer lebt weiter und man ist nur ein Unentschieden in Madrid davon entfern, ihn wahr werden zu lassen. Kräftemäßig dürfte man im Vorteil sein. Während sich der Gegner im entscheidenden Spiel um die Meisterschaft voll verausgaben musste, konnten die Bayern in Bremen munter durchrotieren und viele Spieler schonen. Dieser Aspekt dürfte vor allem dann ins Gewicht fallen, wenn es bis zur Schlussphase noch ein offenes Spiel ist.

Ich bin sehr auf Bayerns Ausrichtung gespannt. Versucht man auf Konter zu spielen und den Gegner kommen zu lassen? Dafür ist man hinten eigentlich nicht stabil genug. Andererseits kommt man auch nur höchst selten in die Verlegenheit, so spielen zu müssen. Es wäre eine kleine Meisterleistung von Jupp Heynckes, wenn er seinem Team für dieses Spiel eine ähnlich diszilpinierte Spielweise ohne Ball einimpfen könnte, wie es Chelsea oder Madrid gegen Barcelona gezeigt haben. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass Bayern sich komplett zurückzieht. Man wird Madrid sicher mehr Ballbesitz gewähren, aber nicht am eigenen Strafraum auf sie warten. Das richtige Maß des Pressings zu finden, ist eine Kunst, die nicht nur einen guten Trainer sondern auch intelligente Spieler erfordert, die den richtigen Moment zum Draufgehen erkennen.

Aufgrund des Auswärtstores ist die Situation für Bayern nicht so komfortabel, wie man es gerne hätte. Solange es 0:0 steht, reicht ein Fehler zum Ausscheiden. Die Gegenstöße über die Außen werden wichtig sein, um neben Entlastung auch eine Chance auf das so wichtige Auswärtstor zu haben. Auch wenn Arjen Robben derzeit viel kritisiert wird, könnte er gegen seinen Ex-Verein zum entscheidenden Mann werden, weil er gegen ein offensives Real mehr Raum für seine Vorstöße bekommen wird.

Insgesamt sehe ich einen leichten Vorteil für Madrid, das neben einer breiten Brust auch über das Spielermaterial in der Offensive verfügt, um gegen Bayern erfolgreich zu sein. Das Rochieren zwischen Özil und Di Maria hat schon in München ganz gut funktioniert, man wird sich jedoch nicht damit begnügen können, das Spiel komplett auf Rechts zu ziehen, um Platz für den in die Mitte ziehenden Ronaldo zu schaffen. Man wird auch einen Xabi Alonso in Topform brauchen (die er gegen Barcelona hatte, im Hinspiel jedoch nicht), um den Spielaufbau flexibel zu halten und für Überraschungsmomente zu sorgen.

Meine Tipps:

FC Barcelona – Chelsea FC 2:1

Real Madrid – Bayern München 3:1 n.V.

Chelsea FC vs. FC Barcelona – Champions League Halbfinale

Wer denkt bei Chelsea gegen Barcelona nicht sofort an Övrebö und das Skandalspiel an der Stamford Bridge?

Seitdem hat sich Barcelona seinen Status als Europas Übermannschaft zementiert, während Chelsea zwar noch einmal Meister wurde, seitdem aber mit mittelgroßen Problemen zu kämpfen hat. Nicht nur, dass man den Anschluss an die beiden Teams aus Manchester verloren hat, nein, man ist derzeit auch in London nur die dritte Kraft hinter Arsenal und Tottenham.

Chelsea FC vor dem Spiel

Jetzt, wo die Saison in ihre entscheidende Phase tritt, steht Chelsea plötzlich gar nicht mehr so schlecht da. Man steht nach einem 5:1 Kantersieg gegen die Spurs im Finale des FA Cups und ist auch in Europa die einzige Mannschaft von der Insel, die den eigenen Ansprüchen nicht hinterherläuft. Selbst in der Liga ist wieder einiges möglich, da Arsenal es am Montag verpasste, auf 10 Punkte davonzuziehen und Chelsea mit einem Sieg im direkten Duell am Wochenende bis auf vier Punkte an Platz 3 herankommen kann – mit noch einem Spiel in der Hinterhand.

Um auf allen drei Hochzeiten erfolgreich zu tanzen braucht man jedoch eine richtige Serie. In der Liga darf man sich keine Ausrutscher mehr erlauben, sonst ist die Champions League Qualifikation futsch. Im Pokal ist die Aufgabe gegen den taumelnden FC Liverpool vom Papier her etwas einfacher, doch die Reds haben auch im Liga-Pokal schon überrascht. Der dickste Brocken steht jedoch mit dem FC Barcelona in der Champions League vor der Nase. Der Respekt dürfte auf Seiten der Katalanen jedoch ebenfalls groß sein, hat man sich doch in den letzten Jahren häufiger hitzige und äußerst Knappe Duelle geliefert. Vom Papier her ist Chelsea klarer Außenseiter, doch die Trendwende, die nach dem Abschied von André Villas-Boas vollzogen wurde, ist bemerkenswert. Während der Portugiese Chelsea in eine leichtfüßigere Zukunft führen wollte und mit seinem Ansatz arrivierte Spieler verprellte, ist sein Nachfolger Roberto Di Matteo erst einmal zum Erfolgsmodell vergangener Jahre zurückgekehrt. Der physische Fußball mit schnellem, direkten Passspiel in die Spitze, der Chelsea lange auszeichnete, kommt den alten Hasen Lampard, Drogba und Terry entgegen. Ob es langfristig eine kluge Entscheidung war, den Spielern klein beizugeben, statt den Trainer zu stärken, wird sich zeigen. Momentan wirkt Chelsea jedoch wie von einer Last befreit.

Das liegt auch an der Systemumstellung, die Di Matteo vorgenommen hat. Das 4-2-3-1 wirkt derzeit stabiler, als es Villas-Boas 4-3-3 jemals tat (obwohl Chelsea das 4-3-3 seit Mourinhos Zeit gewohnt war). Die Doppelsechs vor der Abwehr trägt viel zur Stabilität bei, doch auch allgemein verteidigt man enger, schiebt die zweite Viererkette dicht zusammen und verdichtet so das Zentrum, ein Aspekt, der gegen Barcelonas überladenes Mittelfeld nicht unerheblich ist. Nach vorne spielt man mit Tempo, langen Bällen und der Hoffnung, die physische Überlegenheit irgendwie in Tore ummünzen zu können, um das noch immer an den beteiligten Spielern nagende Ausscheiden vor drei Jahren vergessen zu machen.

FC Barcelona vor dem Spiel

Beim Wettrennen um die spanische Meisterschaft entscheiden kleine Details. Ein Unentschieden hier, eine Niederlage dort und schon ist man hoffnungslos abgeschlagen. Den zwischenzeitlichen 10-Punkte Rückstand auf Madrid einer angeblichen Sättigung an Titeln zuzuschreiben, halte ich für falsch, denn es übersieht, wie stark der Kontrahent seit drei Jahren spielt. Ohne die direkten Duelle wäre Barcelona seit 2009 nicht mehr Meister geworden. Eine Meisterschaft für Madrid wäre angesichts der Dominanz in der Liga einfach fällig. Dabei sind Barcelonas Statistiken auch in dieser Saison wieder beeindruckend. Nur zwei Niederlagen kassierte man in 52 Pflichtspielen. Von den letzten 15 Partien wurden 14 gewonnen, bei einem Unentschieden – dem 0:0 in Mailand.

Noch beeindruckender sind die Zahlen von Lionel Messi. Dachte man schon letzte Saison, dass nach oben hin eigentlich nichts mehr möglich ist, hat er diese Saison noch einmal alles getoppt, was im modernen Fußball auf individueller Ebene bislang erreicht wurde. 41 Tore in 32 Ligaspielen, 14 Tore in 9 Champions League-Spielen, dazu noch zwei Tore im Pokal, zwei bei der Club-WM, eins im UEFA-Supercup und drei im spanischen Supercup. Unterm Strich stehen 63 Tore in 52 Pflichtspielen und ich frage mich langsam, wo das noch hinführt in den nächsten Jahren. Trotz der großen mannschaftlichen Stärke und der Torgefährlichkeit des Mittelfelds (wo Xavi häufiger traf, als je zuvor) scheint man abhängiger von Messi geworden zu sein, was die Tore angeht. Die Chancenverwertung lässt mitunter zu wünschen übrig, was angesichts Messis Omnipotenz selten ins Gewicht fällt. Wenn jedoch eine Mannschaft die übliche Chancenflut unterbindet (wie Milan im Viertelfinale), ist Barcelona an einem weniger überragenden Tag des Argentiniers defensiv beizukommen.

Nicht zuletzt die zahlreichen Verletzungen tragen hierzu bei. Eigentlich ist es für den FC Barcelona eine Seuchensaison: Die Offensivspieler, die letzte Saison neben Messi agierten, plagen sich allesamt mit Verletzungen herum. David Villa ist seit Dezember raus und kämpf um seine EM-Chancen, Pedro hatte immer wieder körperliche Probleme und steckt auch deshalb in einem Formtief und Ibrahim Afellay kehrt gerade von einem Kreuzbandriss zurück, der ihn seit September lahmgelegt hatte. Auch in der Verteidigung traf es Barca schon häufiger, angefangen bei Carles Puyol, der die Saisonvorbereitung verpasste, über Gerard Piqué, dessen Serie an Muskelfaserrissen gut zu Werder Bremen passen würde, bis hin zu Eric Abidal, der sich kürzlich einer Lebertransplantation unterziehen musste. Auf dem Papier ist Barcelona durch die Verpflichtungen von Cesc Fabregas und Alexis Sanchez zwar noch stärker geworden, doch die paar Promille, die über den Ausgang der Meisterschaft entscheiden, könnten vor allem aufgrund der Verletzungen am Ende fehlen.

Prognose

Es fällt schwer sich ein Weiterkommen Chelseas vorzustellen – oder vielmehr ein Ausscheiden Barcelonas. Dennoch würde ich Chelsea nicht als chancenlos ansehen. Zum einen tat sich Barcelona gegen den physischen Spielstil der Blues in den letzten Jahren meist schwer. Zum anderen wirkt Barcelona nicht mehr so unantastbar, wie im Kalenderjahr 2011. Man merkt dem Team an, dass es auf dem Zahnfleisch geht. Die zahlreichen Ausfälle und der Endspurt um die schon verloren geglaubte Meisterschaft haben ihre Spuren hinterlassen. Gegen Milan kam Barcelona zwar verdient weiter, hatte jedoch in beiden Spielen Probleme, sich Torchancen zu erspielen. Zwar muss Chelsea in beiden Spielen alles abrufen, was möglich ist, um überhaupt ein ernsthafter Gegner zu sein. Wenn das gelingt und man (ähnlich wie Milan) das Zentrum verbarrikadiert, haben sie eine realistische Chance. Aber auch dann wird man darauf angewiesen sein, dass Barca nicht den besten Tag erwischt.

Eine der großen Stärken der Katalanen ist allerdings die taktische Flexibilität ihres Trainers. Pep Guardiola ist ein großartiger Analytiker, der die Stärken seiner Mannschaft genau einzuschätzen und anzuwenden weiß. Sollte Chelseas Defensive im Hinspiel zur unüberwindlichen Hürde werden, wird er im Rückspiel entsprechende Anpassungen vornehmen, siehe im Rückspiel gegen Milan, wo er mit der Aufstellung von Cuenca überraschte, der wenig am Spiel teilnahm, aber für die Breite im Spiel sorgte, die im Hinspiel gefehlt hatte. Die Optionen, die Guardiola in der Hinterhand hat, sind trotz der Ausfälle beneidenswert, zumal jeder dieser Squad Player eine neue Facette mit ins Spiel bringt, sei es Keita, Tello, Adriano, Cuenca oder Thiago Alcantara.

Ich erwarte in London ein enges Spiel, mit einem eher zurückhaltend agierenden Titelverteidiger und einem sehr kämpferischen FC Chelsea. Solange Barcelona ein Auswärtstor macht, wäre man auch bei einer knappen Niederlage weiterhin Favorit. Vorlegen muss Chelsea, wenn man ernsthafte Chancen im Rückspiel haben will. Eine interessante Konstellation, die vermutlich nicht zu einem Fußballfest, aber zu einem spannenden taktischen Duell führen dürfte.

Bayern München vs. Real Madrid – Champions League Halbfinale

Live-Blog

23.02

“Wenn ich das so sehe ist das Gelb-Rot, aber der Schiedsrichter hat sich mit Gelb begnügt.” – Regelgott Jupp Heynckes zu Marcelos Foul an Müller.

22.45

Zwei Anmerkungen zum Schluss:

1. Auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist, muss es gesagt werden: Die Bildregie ist eine Katastrophe! Eine Großaufnahme jagt die nächste, der Spielverlauf lässt sich so nicht vernünftig mitverfolgen, wenn man quasi nie eine Totalansicht des Spielfelds hat, wenn der Ball in Richtung der Strafräume läuft.

2. Die “Elfmeterszene” von Gomez kurz vor Schluss zeigte mal wieder den Unsinn der Elfmeter-Regel. Auf der linken Seite spielt der Verteidiger klar den Ball. Auf der rechten Seite trifft der andere Verteidiger nur den Spieler. An jeder anderen Position des Spielfelds wäre das ein Freistoß und das Argument, dass der Ball schon weg gewesen sei, würde niemand ernst nehmen (siehe Marcelo-Foul am Ende). Beim Elfmeter stellt die Bestrafung (80%ige Torchance) eine unverhältnismäßige Strafe dar, weshalb kaum ein Schiedsrichter diesen Elfmeter gibt. Das schwammige “Fingerspitzengefühl” soll also eine unsinnige Regel ausgleichen. Kein Wunder, dass es hier so viel Diskussionsstoff gibt.

22.37

Endstand: Bayern München – Real Madrid 2:1.

Den “hochverdienten Sieg”, den Marcel Reif den Bayern attestiert, habe ich nicht gesehen. Es war ein enges Spiel, das die Bayern nach Anfangsnervosität mit offenem Visier angegangen sind und sich schon allein deshalb den Sieg verdient. Andererseits war Bayern selten so zwingend, dass das Ergebnis unabänderlich gewesen wäre.

Eine realistische Chance hat Bayern mit dem Ergebnis in Madrid definitiv. Real wird sich deutlich steigern müssen, was im eigenen Stadion auch mehr als wahrscheinlich ist.

22.37

90+3′ Marcelo mit klar rotwürdigem Foul, sieht aber nur Gelb. Webb, wie er leibt und lebt. Madrid, wie es leibt und lebt.

22.36

90+2′ Noch einmal ein Freitstoß für Madrid, den Neuer locker abfängt. Die Führung hat sich Bayern erkämpft. Sie ist verdient, auch wenn Bayern trotz Feldüberlegenheit wenig richtig gute Chancen hatte.

Gelb gegen Higuain.

22.32

90′ Bayern München – Real Madrid 2:1, Gomez.

Lahm setzt sich stark gegen Coentrao durch und flankt von der Grundlinie flach vors Tor, vor drei Verteidiger und ein Torwart verdutzt zuschauen, wie Gomez den Ball ins Tor spitzelt.

22.29

86′ Erneut eine Kopfballchance für Gomez, dessen Kopfball aber leichte Beute für Casillas ist. Torchancen bekommen die Bayern, doch richtig zwingend werden sie kaum.

22.27

83′ Ribery mit einem Kunststück am Ball, das zwei Gegner aus dem Spiel nimmt. Seine Hereingabe verpasst Robben in der Mitte knapp und Real kann mit etwas Gewürge klären. Ribery fordert anschließend lautstark einen Handelfmeter, aber Pepe bekam den Ball deutlich sichtbar an die Brust.

84′ Letzter Wechsel Madrid: Higuain für Benzema.

22.24

81′ Auch wenn die Bayern tonangebend bleiben, hat Madrid das Zentrum ganz gut zu bekommen. Nach vorne riskiert man kaum noch etwas, warum auch. Bayern auf der Suche nach der entscheidenden Lücke. Richtig gute Torchancen sind Mangelware.

22.21

78′ Nächster Wechsel bei Madrid: Granero kommt für di Maria ins Spiel.

22.19

75′ Nun hat auch Ramos Gelb gesehen, für ein typisches Ramos-Foul: Zu spät, mit Anlauf und voll durchgezogen.

22.15

72′ Nach dem Wechsel sieht es bei Real folgendermaßen aus: Marcelo als offensiver linker Flügelspieler und Ronaldo wechselt auf die rechte Seite.

Gute Chance für Gomez nach Flanke von Lahm, doch sein Kopfball geht übers Tor.

22.13

69′ Bayern hat gut reagiert und übt viel Druck auf Madrid aus, will ein Übergewicht erspielen und Real hinten rein drücken. Madrid hält jedoch früh dagegen und sucht die Zweikämpfe. Es geht viel über Kampf derzeit, den die Bayern annehmen und so in Tornähe kommen.

Mourinho reagiert: Marcelo kommt für Özil.

22.08

64′ Gelb gegen Lahm. Das Spiel ist nicht übermäßig hart und Webb pfeift erwartungsgemäß nicht kleinlich, aber es gibt viele kleinere Fouls und auch einige klar gelbwürdige Vergehen.

22.06

63′ Webb will dann mal seinen Ruf retten und lässt zwei harte Tacklings von Luiz Gustavo weiterlaufen (gab bislang keine Zeitlupe, kann die Szenen nicht richtig beurteilen) und winkt dann auch Pepes Rempler gegen Gomez im Strafraum durch.

22.04

61′ Wechsel FC Bayern: Thomas Müller kommt für Schweinsteiger, der ungläubig guckte, als die Tafel mit seinem Namen hochging. Kroos dürfte nun den zweiten Sechser geben und alles eine Spur riskanter werden.

22.03

58′ Was ich vorhin schreiben wollte, kurz bevor das Tor fiel: Offensiv waren die ersten Minuten der 2. Halbzeit enttäuschend von Madrid. Ein wichtiger Faktor dabei: Xabi Alonso ist völlig aus dem Spiel. Muss sich immer wieder sehr weit nach hinten fallenlassen und es sieht bei weitem nicht immer freiwillig aus. Die Spieleröffnung durch die Innenverteidiger ist schwach, was nichts neues ist, doch normalerweise kann man es über Alonso ausgleichen. Heute gelingt dies weit weniger.

60′ Gelb gegen di Maria wegen Ballwegschlagens

21.56

53′ Bayern München – Real Madrid 1:1, Özil.

Gerade wollte ich Madrids Schwächen in der Offensive beschreiben, da kontert Madrid mit erschreckender Überzahl die Bayern aus. Ronaldo schiebt völlig frei vor dem Tor Neuer den Ball in die Beine, doch Madrid setzt nach und Benzemas Hereingabe wird von Ronaldo hart und flach vors Tor geschossen, wo Özil den Fuß rein hält.

56′ Gelb gegen Coentrao und Xabi Alonso innerhalb weniger Sekunden.

21.48

46′ Es geht weiter. Beide Mannschaften bleiben aufstellungstechnisch unverändert.

21.32

Halbzeit: Bayern München – Real Madrid 1:0

Pausenüberschrift: Zahn gezogen. Die Führung der Bayern ist nicht unverdient, auch wenn die guten Phasen im wesentlich nach dem – irrgulären – Tor kamen, das den Spielverlauf zu dem Zeitpunkt auf den Kopf stellte. Mit der Führung im Rücken spielte Bayern auf und kam zu weiteren Torszenen, während Madrid in vielen Bereichen des Spiels Probleme bekam. Im Zentrum hat Bayern ein Übergewicht, das sich so in den ersten 20 Minuten nicht abzeichnete.

Pausenfrage: Wie viele Zähne hat Madrid noch und wann beißen sie zu?

Ein 0:1 ist ein schlechtes Auswärtsergebnis und Madrid wird im Laufe der Partie sicher den Druck erhöhen wollen. Versucht man bereits in der Anfangsphase der 2. Halbzeit das Pressing zu verstärken oder beschränkt man sich zunächst darauf, die Ordnung, die längst nicht immer stimmte, wieder herzustellen und auf Fehler der Bayern zu warten? Solange für Real die Null steht wird irgendwann der Punkt kommen müssen, an dem man mehr Risiko geht und dann bin ich sehr gespannt auf Bayerns Reaktion.

21.31

45′ Jetzt noch mal eine gute Freistoßchance für Bayern kurz vor der Strafraumgrenze. Kroos tritt ihn, in die Mauer. Eine Minute Nachspielzeit angezeigt, die schon fast wieder rum ist.

21.29

43′ Nach einigen Minuten, als di Maria auf die Zehnerposition rückte und Özil auf den linken Flügel ging, hatten die Bayern große Probleme sich darauf einzustellen. Nach und nach wurde Özil allerdings etwas zur Randfigur. Inzwischen orientiert sich Özil wieder etwas mehr in die Mitte, der linke Flügel bleibt offensiv des öfteren unbesetzt oder wird von Benzema eingenommen.

21.26

40′ Zunächst eine Chance für Benzema, den Alaba nicht am Schuss hindern kann und im Gegenzug spielt Kroos Gomez wunderschön frei und Casillas muss eine starke Parade auspacken, um den Ball übers Tor zu lenken.

21.23

36′ Langsam aber sicher findet Real zurück in die Partie, holt zumindest Standards aus guten Positionen heraus. Alonso bringt ihn von links rein. Gefährliche Flugbahn aber gut geklärt von den Bayern

Kurz darauf übles Foul von Robben an Coentrao, für das er zurecht Gelb sieht. Voll drüber gehalten.

21.17

31′ Gelb gegen Badstuber nach Foul an di Maria, der unglaublich viel Platz im Zentrum hatte. Wieder eine Ronaldo-Position, etwas weiter weg diesmal, gut 30 Meter.

Der Ball wird abgefälscht und ist leichte Beute für Neuer.

21.15

27′ Zweite Torchance für den FCB durch einen Schweinsteiger-Fernschusss, geht knapp am rechten Pfosten vorbei.

Von einer Dominanz würde ich noch nicht sprechen, aber die Bayern haben das Momentum deutlich auf ihre Seite gezogen.

29′ Auf der Gegenseite ein etwas verunglückter Schuss von Ronaldo übers Tor.

21.12

26′ Es ist nicht so, dass Real übermäßig beeindruckt wirkt, aber die Bayern scheinen mit dem Führungstor gemerkt zu haben, dass sie hier tatsächlich eine Chance haben, nachdem sie dem Gegner 10 Minuten mehr oder weniger bewundernd zugeschaut hatten. Deutlich mehr Tempo im Spiel der Hausherren, vor allem durch Ribery, aber auch den erwachten Robben.

21.07

22′ Jetzt eine gute Freistoßchance für Madrid nach überflüssigem Foul von Lahm. Ronaldo aus 22 Metern übers Tor. Mal sehen, wie lange das Tor für die Bayern als Aufputschmittel wirkt.

21.02

17′ Bayern – Madrid 1:0, Ribery.

Ecke von der linken Seite. Der Ball trudelt durch den Strafraum und Ribery schießt ihn aus 10 Metern rein. Gleich in zweierlei Hinsicht eine knifflige Szene: Badstuber springt der Ball an den Arm. Schwer, ihm da Absicht zu unterstellen, da der Arm quasi keine Bewegung macht. Luiz Gustavo stand dagegen im Abseits und nahm Casillas deutlich die Sicht. Aber das Tor zählt und kommt für Bayern zu einem sehr glücklichen Zeitpunkt.

21.01

14′ Seit ich geschrieben habe, das Bayern am Drücker bleibt, spielt hier nur noch Madrid. Robben und Ribery werden auf den Außen zugestellt, bevor sie überhaupt einen Ball bekommen (Robben: 0 Ballkontakte). Das ist kein wirklich aggressives Pressing, aber höchst effektiv. Bayern zeigt sich beeindruckt.

15′ Bayern fordert Elfmeter, aber Webb winkt direkt ab. Schwalbe von Ribery.

20.56

11′ Di Maria ist für mich der Mann der ersten 10 Minuten. Hinten sehr aufmerksam, sehr beweglich und mit großem Aktionsradius. Wenn er in die Mitte zieht und Özil für ihn auf den Flügel rückt, ist Real am gefährlichsten.

20.53

7′ Riesenchance für Madrid. Klasse Steilpass von Özil auf Benzema in die Spitze und Neuer wehrt den harten aber mittigen Schuss des Franzosen ab. Sobald Madrid den Ball ins Angriffsdrittel bekommt, machen sie Bayern Probleme.

20.51

5′ Erste gute Freistoßsituation für die Bayern. Marcel Reif ätzt gegen Howard Webb, den er seit dem WM-Finale 2010 nicht mehr leiden kann. Die Hereingabe wird per Kopf geklärt, doch Bayern bleibt gleich am Drücker. Madrid steht nicht tief, agiert aber (noch) eher abwartend.

20.47

@Estadox: Ich drücke niemandem so richtig die Daumen. Außer Özil :-)

20.45

1′ Und los geht’s. Anpfiff in der Allianz Arena.

20.44

Die Mannschaften kommen raus. Ich bin sehr gespannt, wie Madrid dieses Spiel angehen wird. Bei den Bayern kann ich mir kaum vorstellen, dass sie ihre Spielausrichtung groß ändern, zumal sie weniger Handlungsspielraum haben als Madrid. Sie müssen heute vorlegen. Real könnte sich auch auf eine Defensivtaktik verlegen, doch dazu passen weder Aufstellung noch Selbstverständnis (solange es nicht gegen Barcelona geht). Ich denke nach wie vor, dass Mourinho Bayerns Probleme bei gegnerischem Pressing ausnutzen will.

20.39

Keine Überraschungen bei den Aufstellungen. Die Bayern wie erwartet mit Müller auf der Bank und Schweinsteiger in der Startelf. Bei Madrid spielen Özil und di Maria in einer Dreierreihe mit Ronaldo sowie Coentrao als Linksverteidiger. Marcelo, die offensivere Variante hinten links, sitzt auf der Bank, genau wie Kaka und Higuain.

20.36

Ich experimentiere heute mal mit einem neuen Liveblogging-Plugin, deshalb kann man hier heute nicht kommentieren (außer natürlich unten drunter im “normalen” Kommentarfeld). Mal sehen, wie gut es funktioniert.

20.34

Die Aufstellungen:

FC Bayern: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribery – Gomez

Real Madrid: Casillas – Arbeloa, Pepe, Sergio Ramos, Coentrao – Khedira, Xabi Alonso – di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo – Benzema

20.30

Moin, äh, Grüß Gott aus Bremen!

Vorbericht

Die Mannschaften haben vor dem Halbfinale sehr unterschiedliche Ausgangssituationen: Bayern hat die Meisterschaft spätestens am Samstag verloren, kann aber über die Champions League noch vieles retten. Das Finale in München wäre ein Traum für den Verein. Real Madrid war vor ein paar Wochen schon fast sicher Meister und muss nun doch noch einmal zittern, falls man Samstag in Barcelona verliert. Diese Saison könnte zur Wachablösung in Spanien werden, doch dazu müsste man neben der Meisterschaft Barca auch die Champions League entreißen.

Real Madrid vor dem Spiel

Madrid hat sich offensiv weiterentwickelt und verfügt personell über sehr viele nahezu gleichwertige Optionen. Neben Ronaldo spielen drei Offensivakteure aus dem Sextett Benzema, Higuain, Özil, Kaka, di Maria und Callejon in einer flexiblen 3-1 Anordnung, die je nach Gegner angepasst werden kann. Im zentralen Mittelfeld hat man ebenfalls viele Optionen von energetisch (Lass, Khedira) bis spielerisch hochwertig (Xabi Alonso, Sahin). In der Abwehr werden keine gefangenen gemacht. Rustikaler als das Innenverteidiger-Duo Pepe und Sergio Ramos geht es nicht, ohne sich strafbar zu machen. In Marcelo und Coentrao hat man Außenverteidiger, die viel Dampf nach vorne machen können, aber auch für die vorsichtiger Variante stehen mit Arbeloa Optionen zur Verfügung. Kadermäßig kann José Mourinho aus dem vollen schöpfen.

Die schiere Offensivpower Madrids ist furchteinflößend. Im Sturmzentrum besitzt man mit Benzema und Higuain zwei Spieler, die zwar unterschiedliche Stärken, aber gleichwertige Torgefährlichkeit aufweisen. Cristiano Ronaldo hat seine überragende Torquote der letzten Saison sogar noch gesteigert. Wirklich begeistert bin ich jedoch vom Zusammenspiel von Özil, di Maria und Kaka. Egal welche zwei Mourinho spielen lässt, sie lassen sich kaum aus dem Spiel nehmen und bereiten Ronaldo und den Stoßstürmern mit genialen Pässen und Läufen den Weg. Dazu wirkt auch das defensive Mittelfeld dominanter als noch vor einem Jahr, so dass die Bayern nicht davon ausgehen sollten, mehr Ballbesitz zu haben. Oder plant Mourinho in München einen Defensivcoup? Angesichts der bayerischen Probleme mit aggressivem gegnerischen Pressing kaum vorstellbar.

Bayern München vor dem Spiel

Der FC Bayern spielt eine insgesamt gute Saison, hat allerdings seit dem goldenen Herbst mit einigen Problemen zu kämpfen, die verhindern, dass aus der guten eine überragende Saison wurde und die Jupp Heynckes bislang nicht in den Griff bekam. Bayern kann immer noch Mannschaften fast jeglichen Kalibers an die Wand spielen, gerät jedoch immer dann in Bedrängnis, wenn ein Gegner aggressives Pressing spielt. Den dafür nötigen Organisationsgrad und das Selbstvertrauen haben zum Glück für die Bayern nicht allzu viele Mannschaften. Dank der individuellen Klasse der Offensivspieler und der unter Heynckes zurückgekehrten defensiven Stabilität zählt man weiterhin zu den Topteams in Europa. Einen spielerischen Fortschritt kann man abgesehen vom zwischenzeitlichen Höhenflug im Herbst jedoch nicht erkennen. So ist Bayern ein Riese, der nur innerhalb der eigenen Komfortzone zu erschrecken weiß.

Schweinsteiger ist sicher nicht die Lösung aller Probleme bei den Bayern, verleiht dem Team aber im Zentrum eine Extraportion spielerischer Klasse und ist für das Aufbauspiel enorm wichtig. Die offensive Abhängigkeit von der mitunter launischen Flügelzange „Robbery“ bleibt aber auch in seiner Anwesenheit bestehen. Die größere Gefahr geht derzeit von der linken Seite aus, wo Ribery vom bärenstarken Alaba unterstützt wird. Das Duo Robben/Lahm ist hingegen noch nicht zu alter Gefährlichkeit zurückgekehrt. Topscorer Gomez ist für mich mehr Resultat als Ausgangspunkt der bayerischen Torgefährlichkeit. Wird er mit Hereingaben gefüttert, ist er kaum zu stoppen. Schneidet man ihm hingegen den Zufluss an Bällen in die Spitze ab, nimmt man ihn damit weitgehend aus dem Spiel und er nimmt als interessierter Beobachter am Spiel teil. Ein mitspielender Stürmer oder gar eine falsche Neun ist er nicht, weshalb Olics Rückkehr zur Topform in den Spielen gegen Madrid sehr wichtig werden kann.

Prognose

Entscheidend für den Ausgang dieses Duells wird vor allem die Frage sein, ob Madrid den starken linken Flügel der Bayern stoppen kann. Zumindest im Hinspiel dürfte Mourinho die vorsichtige Variante Arbeloa als Rechtsverteidiger gegen Ribery wählen. Damit spekuliert er weniger auf den freien Raum, der sich hinter dem etwas defensivfaulen Franzosen ergibt, als es beispielsweise Piszeck beim BVB tat. Ansonsten sehe ich einen klaren Vorteil für Real Madrid, gerade auch wegen des stark verbesserten Pressings, mit dem man schon Barcelona vor große Probleme stellte. Es wird sich zeigen, ob die für Bayern sprechende Historie in dem Spiel eine Rolle spielt, doch eigentlich kann ich es mir bei Mourinhos psychologischen Fähigkeiten nicht vorstellen, dass sich seine Spieler davon beeindrucken lassen – ganz anders als bei den omnipräsenten Classicos.

Die Aufgaben für den FCB erscheinen angesichts der momentanen Probleme zu groß. Kann das Mittelfeld mit Schweinsteiger sowohl den Spielaufbau verbessern, als auch Özils Kreise eindämmen? Kann Robben den durch Marcelos oder Coentraos Vorstöße entstehenden Platz ausnutzen und gleichzeitig seine Defensivaufgaben erfüllen? Und warum gelingt es eigentlich schon seit Monaten nicht mehr so richtig, Thomas Müllers Läufe in den Raum mit den nötigen Bällen zu füttern? Erwischt Bayern einen richtig guten Tag, ist heute Abend etwas drin. Ansonsten könnte schon vor dem Rückspiel alles vorbei sein, weil die dicke Lady Cristiano Ronaldo gesungen hat.

Sergio Busquets – der moderne Frank Baumann

Wer ist der Spieler dieser Saison?

Es fällt einem natürlich sofort Weltfußballer Lionel Messi ein, der mit seinen 52 Pflichtspieltoren in dieser Spielzeit fast genauso oft getroffen hat, wie die gesamte Startelf von Manchester United heute Abend zusammen. Es fällt einem Cristiano Ronaldo ein, der die Gerd Müller Marke von 40 Ligatoren in 34 Spielen egalisierte. Es fällt einem Xavi Hernandez ein, das Herz des Spiels des FC Barcelonas. Es fällt einem Andres Iniesta ein, seinem kongenialen Partner im zentralen Mittelfeld. Es fallen einem überhaupt viele Barca-Spieler ein, doch mein Spieler der Saison wird kaum genannt werden.

Sergio Busquets steht bei Barcelona im Schatten von Xavi und Iniesta, den Kreativen, den Spiellenkern. Er füllt im Dreiermittelfeld den defensiven Part aus und hat selten spektakuläre Aktionen in der Offensive. In einer Zeit, in der moderne, spielstarke 6er wie Bastian Schweinsteiger, Xabi Alonso oder Nuri Sahin mehr denn je Anerkennung für ihre Spielweise bekommen, ist der 6er der besten Vereinsmannschaft der Welt nur eine Randnotiz. Messi, Villa, Xavi, Iniesta, Dani Alves, Pique – das ist die absolute Weltklasse auf ihren jeweiligen Positionen. Busquets scheint da nur reingerutscht zu sein, weil gerade kein passenderer Spieler zur Hand war.

Dabei liest sich die Erfolgsbilanz des 22-Jährigen beeindruckend: In seiner ersten Saison wurde er Meister, Pokalsieger und Champions League Sieger mit Barcelona und gewann kurz darauf auch die Club-WM. Im folgenden Jahr gewann er seine zweite Meisterschaft und wurde mit Spanien im Sommer Weltmeister. Nun ist er wieder spanischer Meister und steht erneut im Finale der Champions League. Viel mehr kann man in drei Jahren als Fußballprofi nicht erreichen. Noch beeindruckender wird die Bilanz jedoch, wenn man bedenkt, dass Busquets diese Titel nicht als Randfigur gewonnen hat, sondern als Stammspieler. 2008/09 setzte er sich gegen Yaya Touré durch und stand im Finale der Champions League sowie im Pokalfinale in der Startelf. Seitdem ist er unumstrittener Stammspieler bei den Katalanen. Daran änderte auch die Verpflichtung von Javier Mascherano im letzten Sommer nichts. Bei der WM 2010 war er ebenfalls Stammspieler, spielte neben Xabi Alonso in der Doppelsechs.

Selbstverständlich hat Busquets Glück gehabt, bei der besten Vereins- und Nationalmannschaft der Welt spielen zu dürfen. Dennoch ist es alles andere als selbstverständlich, sich auf diesem Niveau als junger Spieler gegen denkbar große Konkurrenz auf Anhieb durchzusetzen. Von seinen Mitspielern wird er über den grünen Klee gelobt. Sein Konkurrent Mascherano, einer der besten 6er der Welt und mit seinen 26 Jahren ein gutes Stück erfahrener, bezeichnete Busquets kürzlich als “perfekten Spieler”. Er selbst schaue ihm zu und versuche von ihm zu lernen. Xavi bescheinigte ihm das beste One-Touch-Passspiel der Welt. Immer wieder wird sein gutes Auge genannt und seine fast fehlerlose Passquote. Doch warum fällt Busquets dann kaum auf?

Zum einen liegt es natürlich daran, dass Xavi und Iniesta vor ihm spielen. Barcelona hat bereits so viel Kreativität im zentralen Mittelfeld, dass von Busquets weit weniger in dieser Hinsicht verlangt wird. Die Genialität in Busquets Spielweise liegt daher in ihrer Einfachheit. Busquets tut alles, was ein moderner 6er in einem 4-3-3 machen muss und lässt es unglaublich simpel erscheinen. Er erobert Bälle durch Zweikampfstärke und vor allem durch überragendes Stellungsspiel. Er hält seine Position äußerst diszipliniert und stärkt dadurch nicht nur Xavi und Iniesta den Rücken, sondern ermöglicht es auch den Außenverteidigern einigermaßen sorgenfrei mit nach vorne zu gehen – einer der wichtigsten Aspekte in Barcelonas Spiel – indem er sich bei Ballbesitz häufig zwischen die Innenverteidiger fallenlässt, damit diese ein Stück weiter nach außen rücken können.

Busquets Passspiel ist fast fehlerlos. Er spielt selten die komplizierten Pässe, sondern bringt zuverlässig die einfachen Bälle zum Nebenmann. Er verdankt es jedoch seiner guten Technik und hervorragenden Ballmitnahme, dass er so häufig diese einfachen Bälle spielen kann. Technisch weniger beschlagene 6er bringen sich in Situationen, in denen nur noch der Rückpass oder der lange Ball als Optionen bleiben – Busquets passiert dies nur selten. Das wichtigste Attribut an Busquets Spiel ist jedoch seine Fähigkeit, die Räume zwischen Abwehr und Mittelfeld dicht zu machen. Für mich ist Busquets die bislang beste Antwort auf die Frage, wie man mit modernen Zehnern oder “falschen Neunen” fertig werden kann.

Mesut Özil war sowohl im Halbfinale der WM als auch in den Clàsicos dieser Saison auf seiner Lieblingsposition im offensiven Mittelfeld weitgehend unsichtbar. Selbiges gilt für Wesley Sneijder im WM-Finale. Ihr Gegenspieler war jeweils Sergio Busquets. Anders als die Spielzerstörer und Manndecker früherer Tage nahm er seine Gegenspieler jedoch nicht durch ständige Bewachung oder Härte aus dem Spiel, sondern durch sein intelligentes Spiel im Raum. Er stößt in die Lücken zwischen den Reihen, die Spieler wie Özil oder Sneijder so lieben. Dadurch bleibt er ebenso unsichtbar wie seine Gegenspieler, was es nicht weiter verwunderlich macht, dass Busquets noch nicht überall als Weltklassespieler gilt. Alex Ferguson dürfte sich über einen Spieler wie ihn in den eigenen Reihen jedoch freuen, denn ich kann mir derzeit keine bessere Waffe gegen Lionel Messi vorstellen, den es heute Abend auszuschalten gilt. Zum Leidwesen der Red Devils spielen die beiden jedoch im selben Team. Es würde mich deshalb nicht wundern, wenn Wayne Rooney heute Abend eher unauffällig bliebe – und noch weniger, wenn der Grund dafür Sergio Busquets heißen würde.

Der fünffache Clásico

Nachdem es im Herbst noch so aussah, als wäre Real Madrid dem Erzrivalen auch in dieser Saison hoffnungslos unterlegen, waren die Clásicos in dieser Rückrunde ziemlich offene Angelegenheiten. Die Spiele der beiden spanischen Fußballmächte gehörten zu den spannendsten Spielen der Saison und halten (Achtung, Phrase!) ganz Europa in Atem.

Tiqui-Taca vs. Pragmatismus

Barcelonas Spielweise und Spielsystem lassen sich mit recht einfach beschreiben. Gespielt wird ein 4-3-3 mit zwei offensiven Mittelfeldspielern (4-1-2-3) und offensiven Außenverteidigern. Bei Ballbesitz spielt Barca häufig ein 3-4-3, wobei Messi als Mittelstürmer teils eine “falsche Neun”, teils einen echten 10er gibt. Barcelona setzt auf totale Dominanz des Balles, hält den Ball mit technisch perfektem Kurzpassspiel in den eigenen Reihen und sorgt durch aggressives Pressing tief in der gegnerischen Hälfte nach Ballverlusten für eine schnelle Rückeroberung des Ballbesitzes. Nicht selten führt dies zu Ballbesitzquoten von mehr als 70% über die gesamte Spieldauer. Die letzte Mannschaft, die in der Champions League mehr als 50% Ballbesitz gegen Barcelona hatte, war Werder Bremen im Dezember 2006. Auch wenn Barcelona selten das System ändert, reagiert Guardiola doch häufig auf den Gegner durch kleine Änderungen, etwa die Positionierung von Messi oder Dani Alves.

Real Madrid hatte über weite Strecken der Saison ebenfalls ein festes System (4-2-3-1) und eine Stammelf, die in den wichtigen Spielen weitgehend unverändert blieb. In der offensiven Dreierreihe gibt Ronaldo den torgefährlichen Flügelspieler, Özil lauert zwischen den Reihen und Di Maria orientiert sich auf Rechts mehr in Richtung Mittelfeld. Auf der Doppelsechs übernimmt Xabi Alonso die Rolle des Ballverteilers, während Khedira mit viel Energie immer wieder in die Spitze vorstößt. In der Liga ist es Madrid gewohnt, das Spiel machen zu müssen. Gegen tief stehende Gegner tut man sich dabei relativ schwer, was unter anderem für den Rückstand auf Barcelona verantwortlich ist. Unter Mourinho hat sich das Team in dieser Hinsicht jedoch weiterentwickelt, wobei Real in erster Linie eine Kontermannschaft ist, die mit viel Tempo die Lücken einer unsortierten Defensive ausnutzen kann.

Clásico #1: Offener Schlagabtausch

Im Herbst 2010 kam es zum ersten Aufeinandertreffen der Saison. Real Madrid bekam im Camp Nou eine Lehrstunde erteilt und war gegen den Meister aus Barcelona chancenlos. Für José Mourinho war das 0:5 die höchste Niederlage seiner Trainerlaufbahn. Zum damaligen Zeitpunkt war das Spiel der eindeutige Beweis, wer die beste Mannschaft Spaniens ist. Aus heutiger Sicht ist das Spiel aber auch ein wichtiger Wegweiser für Real Madrid, das damals in Bestbesetzung und mit offensiver Ausrichtung ins Spiel ging. Die Erkenntnis, dass man spielerisch klar unterlegen ist, mag im ersten Moment wehgetan haben. Sie führte jedoch auch dazu, dass Mourinho in den wichtigen Spielen im letzten Saisondrittel dieses Experiment nicht mehr durchführen musste. Die Taktik kann klar darauf ausgelegt werden, einen vermeintlich übermächtigen Gegner am Toreschießen zu hindern, statt auf das eigene Offensivspiel zu setzen.

Barcelona fühlte sich durch den fünften Sieg in Folge über die verhassten Hauptstädter vor dem Clasicó-Marathon im Frühling vielleicht ein wenig zu sicher. Das Vertrauen in die eigene Stärke ist gerechtfertigt, doch war der Fokus – vor allem im Liga-Rückspiel – vielleicht zu sehr darauf gerichtet, den Erzrivalen noch einmal in Grund und Boden zu spielen.

Clásico #2: Abwehrschlacht

Mit dem Unentschieden konnte Barcelona dank des 8-Punkte-Vorsprungs sehr gut leben – Madrid überraschenderweise auch. Selbst bei einem deutlichen Sieg wäre die Chance auf die Meisterschaft nur minimal gewesen. Real begnügte sich daher damit, Barcelona so gut es ging aus dem Angriffsdrittel fernzuhalten. Barcelona hatte Probleme gegen die gut organisierten Gastgeber und zum ersten Mal zeigte Mourinhos Magie seine Wirkung. Das Spiel war nicht schön anzusehen, doch am Ende verdiente man sich einen Punkt, weil man in der Lage war, nach dem Rückstand und Özils Einwechslung selbst Druck aufzubauen. In Spanien wurde das Spiel als Punktsieg für Barcelona gewertet, was für sich genommen auch richtig war. Dennoch lieferte auch dieses Spiel wichtige Erkenntnisse für Mourinho und sein Team.

Es war das von seiner Bedeutung her unwichtigste der vier Spiele, da der Meisterkampf bereits entschieden war. In Bezug auf die weiteren Spiele könnte das Ergebnis jedoch Madrid mehr geholfen haben, als Barcelona. Der Punktgewinn sorgte für mehr Selbstvertrauen und nährte die Hoffnung, dass Barcelona doch schlagbar sein könnte. Beim FCB könnten sich erste Zweifel an der eigenen Stärke eingeschlichen haben.

Clásico #3: Pressing

Das Finale der Copa del Rey war aus Mourinhos Sicht eine weitere Testphase, wie er Barcelonas Überlegenheit am besten durchbrechen kann. Diesmal versuchte er es mit einer aggressiveren Taktik: Pepe und Khedira spielten im zentralen Mittelfeld Pressing und ließen Barcas Mittelfeldmotoren Xavi und Iniesta keine Zeit am Ball. In der ersten Halbzeit tat sich Barcelona sehr schwer ins Spiel zu kommen und verlor trotz weiterhin hoher Ballbesitzquote ein wenig die eigene Linie. Madrid konzentrierte sich auf schnelle Konterangriffe über das Dreigespann Ronaldo-Di Maria-Özil und hatte in den ersten 45 Minuten die besseren Torchancen. Nach dem Seitenwechsel wurde Barcelona stärker und kombinierte sich immer sicherer durch Reals Hälfte. Madrids Pressing ließ nach und Barcelonas zentrales Mittelfeld dominierte fortan das Spiel. Dennoch taten sich die Katalanen schwer, den letzten Abwehrriegel vor dem Strafraum zu durchbrechen und Bälle in die Schnittstellen zu spielen. Pedro und vor allem David Villa spielten schwach und Messi ließ sich zu häufig ins Mittelfeld fallen, um vor dem Tor Gefahr auszustrahlen. In der Verlängerung war es dann ein offenes Spiel, indem Ronaldos Kopfball die Entscheidung brachte.

Mourinhos wichtigste Erkenntnis dürfte gewesen sein, dass sein Team Barcas Mittelfeld durch aggressives Pressing stoppen kann und sich durch die offensive Ausrichtung von Barcelonas Außenverteidiger immer wieder Konterchancen über die Flügel ergeben. Warum das Pressing in der zweiten Halbzeit nachließ war für mich nicht ersichtlich. Vielleicht reichte die Kraft nicht aus, doch es schien mir eine bewusste Entscheidung in der Halbzeitpause gewesen zu sein. Aus Barcelonas Sicht zeigte das Spiel, dass man ohne Breite im Spiel Real nicht schlagen kann. Mit Messi opfert man gelegentlich den Mittelstürmer, um Überzahl im Mittelfeld zu haben. Villa und Pedro reagieren darauf, indem sie weiter ins Zentrum rücken und die Breite weitgehend von den aufrückenden Außenverteidigern abhängt, was zu Lücken in der Defensivabteilung führt, die Madrid ausnutzen konnte. In der zweiten Halbzeit blieben Villa und Pedro weiter außen und Barcelonas Spiel wurde flüssiger.

Clásico #4: Dirty Bit

Trotz der Wichtigkeit des Pokalfinales schienen die beiden Spiele zuvor nur die Vorbereitung auf das Duell in der Champions League zu sein. Wer sich hier durchsetzt, würde mindestens als moralischer Sieger aus dem Clásico-Marathon hervorgehen. Die Wichtigkeit des Spiels war im Hinspiel im Bernabéu in jeder Sekunde zu spüren. Beide Mannschaften agierten sehr vorsichtig und waren darauf bedacht, die Stärken des jeweils anderen nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Nach etwa fünf Minuten wurde eine Linie deutlich, die beide Teams bis zur Halbzeit durchhielten. Real stand tief und wartete kurz hinter der Mittellinie mit drei Sechsern und zwei defensiven Außenstürmern auf Barcelonas Angriffe. Die ließen jedoch auf sich warten, weil Barcelona den Ball lieber in aller Ruhe durch die eigene Abwehrreihe laufen ließ, statt mutig nach vorne zu spielen. Die Außenverteidiger spielten erstaunlich defensiv, während Villa und Pedro an der Außenlinie klebten und das Sturmzentrum über weite Strecken verwaist blieb. Beide Teams schienen mit diesem spannungsarmen Spiel leben zu können, wenn Barcelona auch etwas mehr tat, um sich Torchancen zu erspielen.

Über mangelnde Unterhaltung konnte man sich trotzdem nicht beschweren. Schon in den vorhergehenden Spielen war die physische Seite des Spiels in den Mittelpunkt gerückt, doch diesmal trieben es die Mannschaften auf die Spitze. Die Aggression ging sicher von Real Madrid aus, doch die Spieler des FC Barcelona trugen ihren Teil dazu bei, dass es nach dem Halbzeitpfiff zu Tumulten vor dem Spielertunnel kam. Ersatzkeeper Pinto sah die erste rote Karte des Spiels. Es verging kaum eine Minute, in der es kein hartes Einsteigen, zynisches Foul, theatralisches Herniedersinken und/oder kollektives Beschweren beim Schiedsrichter gab. Sergio Busquets gab sich alle Mühe, seine schauspielerische Leistung aus dem Vorjahr noch zu toppen, während auf der Gegenseite Pepe und Sergio Ramos stets an der Grenze zur Körperverletzung agierten. Die rote Karte gegen Pepe in der zweiten Halbzeit kam nicht überraschend und auch wenn Mourinho (genauso wenig überraschend) eine Verschwörung gegen seine Mannschaft witterte, war es genau die Art Foul, die immer mit Rot bestraft gehört: Mit den Stollen voraus auf Kniehöhe in den Gegner. Dani Alves hatte Glück, dass er den Schwerverletzten nur spielen musste. Glück hatte auch Adebayor, dass er für seine Aktion gegen Mascherano nur Gelb sah.

Für das Spiel selbst war es ein Glücksfall, dass es nach einer Stunde den Platzverweis gab, denn dadurch erhielt es eine andere Färbung. Barcelona nutzte den nun vorhandenen Platz im Mittelfeld aus, um das Spiel weiter in Madrids Hälfte zu tragen. Eine Reaktion von Reals Bank blieb aus, fast so als würde Mourinho nach seiner Verbannung auf die Tribüne aus Trotz nicht wechseln wollen. Nach dem Führungstreffer durch Messi (wen sonst?) war die Partie entschieden. Madrid fand nicht zurück ins Spiel und hatte auch nicht mehr die Kraft, Barcelonas Ballstafetten im Mittelfeld zu unterbinden. Messis zweites Tor war ein Leckerbissen für alle Fans des schwindelerregenden Dribblings. Gegen einen hervorragend organisierten Gegner wäre dieses Tor wohl kaum gefallen, aber das war Real Madrid zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Clásico #5: ?

Messis Tore haben das Duell vermutlich schon vor Beginn des Rückspiels entschieden. Es wird trotzdem interessant zu sehen, wie Mourinho dieses Spiel angeht. Eigentlich bleibt ihm nur die Option der totalen Offensive, doch kann das in Barcelona gutgehen? Es könnte in einer weiteren epischen Niederlage enden, wenn Barcelona so viel Platz bekommt wie beim 5:0 im Herbst. Ohne Pepe und Khedira im Mittelfeld dürfte es schwer werden, aggressives Pressing wie im Pokalfinale zu spielen. Nur auf Schadenbegrenzung kann sich Mourinho jedoch auch nicht beschränken, will er es sich mit dem verwöhnten Madrider Publikum und der Hauptstadtpresse nicht völlig verderben.

Es wird ein Spiel mit umgekehrten Vorzeichen wie im Vorjahr: Mourinho braucht im Rückspiel einen Sieg, während Guardiola einen Vorsprung über die Zeit retten muss. Wie die beiden Trainer mit diesen Voraussetzungen umgehen macht dieses Rückspiel – dessen sportlicher Wert fraglich ist – zu einer spannenden Angelegenheit. Vielleicht bekommen wir ja auch endlich den fußballerischen Leckerbissen, auf den wir alle gehofft haben.

Arsenal FC – FC Barcelona (Review)

Das Spiel hielt, was es versprochen hatte. Abgesehen von einem kleinen Durchhänger zwischen der 50. und 70. Minute war es ein schnelles, technisch überragendes und darüber hinaus auch spannendes Fußballspiel. Barcelona war wie erwartet die überlegene Mannschaft, beanspruchte Ballbesitz und Raum im Mittelfeld für sich. Arsenal schien gut auf das Spiel der Katalanen vorbereitet, ging in der ersten Halbzeit aber für meinen Geschmack etwas zu viel Risiko ein mit der sehr hoch stehenden Kette. Die Abstimmung zwischen den vier Abwehrspielern stimmte nicht immer und Barcelona hätte dies mehr als einmal ausnutzen können.

Beim Tor durch David Villa steht Clichy ein Stück hinter den beiden Innenverteidigern und hebt so das Abseits auf. Villa kann nach Messis Pass frei auf Szczesny zulaufen und trifft zum 0:1. Barcelonas Vielseitigkeit im Angriff ist durch Villas Verpflichtung noch größer geworden. Messi kann im Zentrum nicht nur eine klassische Sturmspitze oder eine “falsche Neun” geben, sondern sich auch länger ins Mittelfeld zurückfallen lassen und einen Spielmacher geben. So kann Barcelona nach Belieben zwischen 4-3-3 und 4-4-2 mit Raute wechseln und die Kontrolle in der Mitte des Spielfelds behalten. Vor dem Führungstor holte sich Messi den Ball fast auf Höhe der Mittellinie, behauptet ihn gut gegen den gelb verwarnten Song und steckt dann im richtigen Moment durch. Diese Vielseitigkeit macht es fast unmöglich, Messi über ein ganzes Spiel lang auszuschalten.

Gleiches gilt ebenso für seine Mannschaft. Wengers Mut zum Risiko wurde letztlich trotzdem belohnt, weil Barcelona gegen Ende des Spiels müde wirkte und sich damit begnügte, die Führung zu verwalten. Die Wechsel Keita für Villa auf der einen und Arshavin für Song auf der anderen Seite waren sinnbildlich für die Ausrichtung in der Schlussphase des Spiels. Das 1:1 kam durch die Genialität Robin van Persies und einen Stellungsfehler Viktor Valdes zustande. Beim 2:1 zeigte Arsenal dann seine ganze Klasse und gab ein Musterbeispiel dafür ab, wie man Barcelona mit schnellem Passspiel beikommen kann. Für mich einer der schönsten Angriffe der gesamten Saison.

Das 2:1

Normalerweise sind Barcelonas Gegner vom ständigen Hinterherlaufen so kaputt, dass sie nicht schnell und präzise genug umschalten können, wenn sie den Ball endlich mal erobern. Arsenal zeigte beim Siegtor auf, wo die Lücken zu finden sind, die Barcelona durch das aggressive Pressing hinterlässt. Bendtner wird von drei Barca-Spielern attackiert, doch kann den Ball quer zum überragenden Wilshere passen. Der spielt direkt den vertikalen Ball zu Fabregas. Dieser Pass ist entscheidend für den gesamten Angriff, weil Fabregas so hinter Barcelonas Mittelfeld kommt und mit seiner tollen Technik den Ball direkt verarbeiten kann. Sechs gegnerische Spieler befinden sich zu diesem Zeitpunkt vor dem Ball und Fabregas hat freie Bahn für seinen Steilpass auf Nasri. Den wenigsten Mannschaften gelingt es, sich a) aus Barcelonas Pressing so zu befreien und b) den daraus entstehenden Raum so schnell und präzise zu nutzen. Im Strafraum macht Nasri dann alles richtig, sucht nicht den schnellen Abschluss aus schlechter Position sondern wartet auf den Spieler im Rückraum. Van Persie zieht Abidal vom Elfmeterpunkt weg und Arshavin zeigt eine starke Schusstechnik bei seinem direkten Abschluss.

Ich glaube immer noch nicht daran, dass Arsenal im Camp Nou bestehen kann. Barcelona wird durch die Niederlage ähnlich angestachelt sein, wie vor einem Jahr nach dem 2:2 in London. Wengers Team hat jedoch gezeigt, dass es gereift ist, sich vor einem übermächtigen Gegner nicht versteckt und seine Chancen nutzen kann. Für sich genommen ist das Spiel ein großer Erfolg für Arsenal. Ich bin sehr gespannt, ob man das Rückspiel mit ähnlicher Taktik angehen wird oder lieber etwas tiefer steht und auf Konter hofft. Piqué wird Barcelona im Abwehrzentrum fehlen und auch Puyols Rückkehr ist noch nicht sicher. All dies legt nahe, dass Barcelona eine noch bessere Leistung benötigen wird, als beim 4:1 in der Vorsaison. Diese Leistung traue ich ihnen trotz oder auch gerade wegen der Niederlage im Hinspiel zu.

Vollständige Highlights des Spiels

Arsenal FC – FC Barcelona (Preview)

Da Werder sich früh aus dem Wettbewerb verabschiedet hat und ich hier im Blog nicht völlig auf europäischen Fußball verzichten möchte, streue ich von Zeit zu Zeit einen Eintrag zur Champions League oder Europa League ein. Den Anfang macht das Duell zwischen Arsenal und Barcelona.

Personal

Arsenal muss in dieser Saison (wie eigentlich immer) mit einigen langfristigen Ausfällen zurecht kommen. Abwehrchef Vermaelen hat die gesamte bisherige Saison verpasst, wurde zuletzt aber von Djourou hervorragend ersetzt. Diaby wird das Hinspiel verletzt ebenso verpassen, wie der gesperrte Sagna. Ansonsten gibt es viele positive Nachrichten aus London: Nasri ist nach seiner Verletzung rechtzeitig wieder fit geworden und wird wohl spielen, Arshavin findet langsam zurück in die Spur und Spieler wie Walcott, Van Persie, Song und Wilshere spielen seit Wochen in Bestform. Keine Selbstverständlichkeit bei Arsenal.

Bei Barcelona fehlt Kapitän Puyol verletzungsbedingt. Für ihn wird wohl Abidal in die Innenverteidigung rücken und Maxwell die vakante Position links in der Viererkette einnehmen. Ansonsten sind alle Spieler aus Barcas erster Elf an Bord. Umstellungen würden mich sehr überraschen, denn Barcelona wirkt in dieser Saison so sehr aus einem Guss, wie ich es selten bei einer Fußballmannschaft gesehen habe. Die fehlende Kadertiefe lässt es zudem nicht auf vielen Positionen, Spieler eins zu eins zu ersetzen.

Taktik

Beide Teams spielen ähnliche Systeme, wobei Barcelona gegenüber Arsenals 4-2-3-1 ein etwas offensiveres 4-1-2-3 bevorzugt.

Erwartete Aufstellung

Erwartete Aufstellung

Im Mittelfeld ergeben sich dadurch klare Zuteilungen: Arsenals 6er Song und Wilshere bekommen es mit Barcas Spielgestaltern Xavi und Iniesta zu tun und Sergio Busquets kümmert sich um Arsenals 10er Fabregas. Interessant werden vor allem die Duelle auf den Außen. Letztes Jahr hat Walcott Maxwell ziemlich alt aussehen lassen und war entscheidend für das – für Arsenal sehr glückliche – 2:2 im Hinspiel. Auf der anderen Seite hat Dani Alves einen derart großen Offensivdrang, dass sein Gegenspieler viel Defensivarbeit zu verrichten hat. Wenger dürfte froh sein, dass er Nasri wieder dort einsetzen kann und nicht auf den genialen, aber mitunter faulen Arshavin setzen muss. Andererseits könnte dieser vielleicht die Lücken in Barcas Defensive ausnutzen, die Alves Vorstöße hinterlassen.

Barcelonas Außenstürmer zieht es immer wieder in die Mitte. Besonders Villa sorgt so über die linke Seite für große Torgefahr, doch auch Pedro hat inzwischen eine imposante Trefferquote. Die beiden werden versuchen die gegnerische Viererkette weit ins Zentrum zu pressen und so Platz für die eigenen Außenverteidiger zu schaffen. Hierdurch könnte man auch Arsenals Außenverteidigern ein wenig den Offensivdrang nehmen.

Im Sturmzentrum bevorzugen beide Trainer (inzwischen) spielstarke Angreifer. Vor einem Jahr standen dort mit Bendtner und Ibrahimovic zwei Brecher, heute sind es mit Messi und Van Persie zwei Spieler, die die ganze feine Klinge schwingen. Beide spielen häufige eine „falsche Neun“, lassen sich also weit ins Mittelfeld zurückfallen, um die Innenverteidiger aus der Kette zu ziehen und Platz für ihre Mitspieler zu schaffen. Dennoch sind beide extrem torgefährlich: Van Persie kommt in den letzten zwölf Spielen auf zwölf Treffer und Messi spielt in dieser Hinsicht in einer ganz eigenen Liga (58 Tore in den letzten 55 Ligaspielen, 23 Tore in den letzten 29 CL-Spielen).

Aktuelle Form

Seit dem Sieg gegen Chelsea Ende letzten Jahres hat Arsenal eine tolle Siegesserie hingelegt. Nur der Ausrutscher beim epischen 4:4 in Newcastle trübt die Bilanz ein wenig. Dabei hat Arsenal nicht immer herausragend gespielt, aber war in den entscheidenden Momenten da und hat sich auch knappe Siege erarbeitet. Defensiv wirken die Gunners noch immer anfällig, auch wenn sie inzwischen weit weniger Gegentore kassieren.

Barcelona hat mit 16 Siegen in Folge einen neuen Rekord in der spanischen Liga aufgestellt, bevor man am Wochenende nur ein 1:1 bei Sporting Gijón holte. Barca dominiert die Primera Divison nach Belieben. Die Überlegenheit ist so groß, dass sich die Frage stellt, ob Barcelona wirklich so gut ist oder der Rest der Liga so schlecht. Vor dem Unentschieden am Samstag gewann Barca zehn mal in Folge mit drei oder mehr Toren Vorsprung, darunter auch das 5:0 gegen Real Madrid. Stellt das Duell mit einer Spitzenmannschaft der Premier League eine größere Herausforderung dar?

Prognose

Die Champions League ist nicht mit der heimischen Liga zu vergleichen. Die meisten spanischen Mannschaften haben einen deutlich anderen Stil als die englischen. Die Frage ist, wer sich besser auf den Stil des anderen einstellen kann. Im letzten Jahr dominierte Barcelona das Spiel in London 60 Minuten lang nach Belieben, bis ihnen die Puste ausging und Arsenal sich zurück ins Spiel kämpfte. Der Schlüssel zu Barcelonas Erfolg liegt wieder darin, das eigene Spiel ohne Rücksicht durchzusetzen, Arsenal früh zu pressen und das Geschick in die eigenen Hände zu nehmen. Von allen britischen Mannschaften dürfte Arsenal vom Stil her Barca am meisten entgegen kommen.

Für Arsenal muss es darum gehen, das kämpferische Element in ihrem Spiel noch mehr zu betonen, die Angriffe schnell zu Ende zu spielen und effizient zu sein. Einen offenen Schlagabtausch können sie gegen Barcelona nicht gewinnen. Leider ist Arsenal nicht sonderlich gut darin, tief zu stehen und die Angriffe des Gegners auf sich zukommen zu lassen. Die Lösung könnte partielles Pressing heißen, bei dem man etwas tiefer steht als gewöhnlich, aber Xavi und Iniesta im Mittelfeld bei der Ballannahme aggressiv unter Druck setzt. Gibt man den beiden Platz im Zentrum, muss man schon ein extrem feines Abwehrnetz spinnen können, um eine Chance zu haben. Die offensive Klasse Arsenals reicht allemal aus, um Barcas Abwehr in Bedrängnis zu bringen.

Ich glaube, dass das Duell ähnlich klar an Barcelona gehen wird, wie im letzten Jahr. Im Hinspiel vor den eigenen Fans traue ich Arsenal ein Unentschieden, vielleicht sogar einen knappen Sieg zu. Im Camp Nou wird man jedoch die Grenzen aufgezeigt bekommen. Alles andere als ein deutlicher Barca-Sieg würde mich dort sehr überraschen.

Tip:  Arsenal – Barcelona 1:1, Barcelona – Arsenal 3:0

One for the money, two for the show

Champions League, Gruppe A, 6. Spieltag: Werder Bremen – Inter Mailand 3:0

Sacchis Milan hat es nicht geschafft, Capellos Milan hat es nicht geschafft, Ancelottis Milan hat es nicht geschafft, Maradonas Neapel hat es nicht geschafft, Mancinis Inter hat es nicht geschafft, Mourinhos Inter hat es nicht geschafft und nun hat es auch Benitez Inter nicht geschafft. Werder bleibt im Weserstadion gegen italienische Mannschaften ungeschlagen.

Gegen diesen leblosen Gegner wäre eine Niederlage auch schwer zu verdauen gewesen, selbst wenn es in dem Spiel für Werder rein sportlich um nichts mehr ging. Die 800.000 Euro, die als Siegprämie für den Verein im Raum standen, nehmen die Verantwortlichen sicher gerne mit. Die Spieler werden sich mehr über den netten Aufbaugegner freuen, gegen den sie nach einer halben Stunde zähen Bemühens endlich wieder einmal spielerisch überzeugen konnten. Natürlich darf man nicht den Fehler machen, dieses Spiel für voll zu nehmen, aber wie sagte Allofs nach dem Spiel so schön: Wir können nichts für das, was der Gegner macht.

Inter hatte sichtlich wenig Lust, sich am letzten Gruppenspiel zu beteiligen. In der Liga abgeschlagen und die Club-WM vor der Nase war das Spiel im eisigen Bremen nur ein lästiger Zwischenschritt. Trainer Benitez verzichtete auf viele seiner Stammspieler und schickte eine B-Elf auf den Rasen. Ein Schachzug, der ihn teuer zu stehen kommen könnte, denn Inter-Boss Moratti war not amused über die 0:3-Pleite und hat Benitez umgehend öffentlich Druck gemacht. Dabei hätte man von den auf dem Feld befindlichen Spielern (immerhin Eto’o, Pandev, Cambiasso und Zanetti in der Startaufstellung) schon etwas mehr erwarten können. Nach dem ersten Gegentor unternahm Inter jedoch keinerlei ernsthaften Versuch, wieder zurück ins Spiel zu kommen.

Für Werder war es dagegen ein rundum schönes Spiel. Zum einen hat man sich ordentlich aus der Champions League verabschiedet und zum anderen ein wenig Selbstvertrauen getankt. Wehmut sollte nach diesem Spiel nicht aufkommen. Selbst mit Topleistungen wäre es für Werder schwierig geworden, in dieser Gruppe weiterzukommen und davon war man in den meisten Gruppenspielen doch weit entfernt. Die Leistung gegen Inter war vor allem deshalb möglich, weil der Gegner so schwach war. Genau so eine Partie brauchte Werder, um sich auch spielerisch wieder etwas besser zu finden. In der zweiten Halbzeit klappten viele Dinge schon wieder, die in den letzten Wochen in dieser Form nicht zu beobachten waren.

Ich habe mich lange nicht mehr so über Werders Tore gefreut, wie am Dienstag Abend. Alle drei waren klare Statements, auf die wir lange genug gewartet haben. Das 1:0 durch Prödl per Kopf nach einer Ecke. Endlich ein Tor nach einer Ecke! Endlich trifft Prödl! Wie oft sind wir an diesen beiden Dingen in dieser Saison schon verzweifelt? Das 2:0 durch Arnautovic. Endlich ein Tor von Arnautovic, nach gefühlt 100 vergebenen Großchancen zuvor! Das 3:0 durch Pizarro. Endlich ist Pizza wieder da! Und dann trifft er auch gleich wieder. Das Spiel war auch eine Botschaft an die Fans: Ja, wir haben es dieses Jahr verkackt, aber wir wollen uns wenigstens anständig verabschieden.

Ein 3:0 gegen dieses Inter ist kein Grund abzuheben oder auch nur zu meinen, man habe jetzt was erreicht. Ein 3:0 gegen Inter ist aber immer ein Grund, ein wenig Selbstvertrauen daraus zu ziehen und mit erhobenem Haupt in die nächsten Spiele zu gehen. Die Zyniker werden sich über dieses Ergebnis ärgern, macht es doch den für die Winterpause geforderten radikalen Umbruch ein Stück unwahrscheinlicher. Alle anderen hoffen nun darauf, dass man am Samstag in Dortmund zumindest eine vernünftige Leistung abruft und dem Herbstmeister sein ganzes Können abverlangt.

Tottenham Hotspur – Werder Bremen (live)

Tatort: Weserstadion

Champions League, Gruppe A, 4. Spieltag: Werder Bremen – FC Twente 0:2

Zweimal die Griechen, jetzt die Holländer. Bei den letzten drei Teilnahmen hat Werder das Achtelfinale jeweils im eigenen Stadion verpasst. Dem 1:3 gegen Olympiakos (2007) und dem 0:3 gegen Panathinaikos (2008)  folgte nun also ein 0:2 gegen Twente. Eine bittere Niederlage in einem packenden, chancenreichen, aber nicht hochklassigen Spiel, in dem Werder wieder einmal mit Chancenverwertung und Abwehrverhalten hadern muss.

Thomas Schaaf überraschte mit einer sehr ungewöhnlichen Aufstellung in der Defensive. Nachdem Silvestre beim Publikum nicht mehr untragbar wurde, stellte Schaaf die Viererkette komplett um. Allrounder Wesley wechselte von der rechten auf die linke Seite, Innenverteidiger Prödl gab den Rechtsverteidiger und Kapitän Frings rückte in die Innenverteidigung. Daniel Jensen kam dafür neu in die Mannschaft und spielte als einziger Sechser vor der Abwehr. Ansonsten gab es personell nur eine Umstellung im Vergleich zum Nürnberg-Spiel: Hunt spielte für Arnautovic. Was sich ebenfalls änderte, war die taktische Ausrichtung. Thomas Schaaf reaktivierte die Raute, in der Marin hinter den Spitzen spielte und Hunt / Bargfrede die Halbpositionen besetzte. Auch Twente hatte (teils aufgrund von Verletzungen) auf mehreren Positionen umgestellt, am auffälligsten im 3er-Mittelfeld. Neben Landzaat spielte Bengtsson und leicht davor versetzt de Jong.

Werder spielte von Beginn an engagiert nach vorne und versuchte, die Niederländer durch die Überzahl im Mittelfeld unter Druck zu setzen. Wesley und nach einiger Zeit auch Prödl gingen häufig mit nach vorne und sorgten für einige Flanken (Prödl) und Torschüsse (Wesley). Insgesamt stimmte jedoch die Abstimmung in den einzelnen Mannschaftsteilen nicht. Marin hielt seine Position im Zentrum zwar besser als in seinen letzten Spielen auf der Position, konnte aber nur selten gefährliche Situationen einleiten, weil er noch immer den Ball zu lange hält, statt das Spiel schnell zu machen. Hunt zog es häufig in die Mitte, doch die flüssigen Wechselspiele im Mittelfeld waren auch für die eigene Mannschaft ein Risiko. Obwohl Jensen vor der Abwehr ein gutes Spiel machte, kam Twente immer wieder in hohem Tempo auf die Innenverteidiger zu. Mit ein, zwei vertikalen Pässen ließ sich Werder komplett überspielen und bei besserer Chancenverwertung hätte Twente schon zur Halbzeit den einen oder anderen Konter nutzen können. Neben dem eigenen Unvermögen der Stürmer war es auch der (wieder einmal) bärenstarke Mielitz, der für Werder hinten die Null festhielt.

Auf der anderen Seite hatte auch Werder genügend Chancen, um das Spiel in die richtige Richtung zu lenken. Die größte davon vergaben kurz vor der Pause Pizarro, der mit seinem Schuss den Pfosten traf, und Almeida, der den Abpraller aus fünf Metern nicht verwerten konnte, weil er den Ball nicht unter Kontrolle bekam. Zur Pause war das Unentschieden für beide Mannschaften durchaus verdient, wobei das 0:0 als Ergebnis angesichts des Spielverlaufs etwas absurd erschien. Nach dem Wechsel ging es in hohem Tempo weiter und beide Teams taten viel dafür, die Eindrücke aus der ersten Hälfte zu bestätigen. In Person von Hugo Almeida vergab Werder auch die größten Chancen und brachte die Fans zum Verzweifeln. Erst köpfte der Portugiese nach dem einzigen gefährlichen Freistoß des Abends aus fünf Metern in die Arme des Twente-Keepers, dann vergab er eine Eins-gegen-Eins-Situation, in der er versuchte, den Schlussmann zu umspielen und dann den Ball nicht ins Tor schieben konnte. Auf der anderen Seite lenkte Mielitz einen Schuss des frei vor ihm auftauchenden Chadli gerade noch an den Pfosten.

Langsam machte sich Resignation breit bei Werder. Schaaf brachte Arnautovic für Bargfrede und somit noch mehr Offensivpower, doch Werders Aktionen wirkten zunehmend verzweifelt. Eine Viertelstunde vor Schluss kam Twente ein weiteres Mal mit einem Konter vors Bremer Tor und Frings musste sich als letzter Mann mit einem Foul kurz vor dem Strafraum behelfen. Die folgende rote Karte war für Werder zuviel an diesem Abend und Twente setzte in der Schlussphase den Todesstoß. Erst verpasste Wisgerhof auf freundliche Einladung von Jensen beim Freistoß nach Frings Herausstellung völlig frei aus 10 Metern die Führung. Doch dann fiel das Tor, wie es in diesem Spiel wohl nur fallen konnte: Ein Schuss von Chadli wurde von Jensen abgefälscht und trudelte vorbei an Mielitz ins Tor. Werder fand nicht mehr zurück ins Spiel und musste kurze Zeit später durch einen Kopfball von de Jong noch das 0:2 hinnehmen.

Warum hat Werder dieses Spiel verloren?

Grund 1: Chancenverwertung. In einem solch offenen Spiel muss man seine Chancen besser nutzen, als es Werder tat. Schon gegen die Bayern und gegen Nürnberg konnte man selbst beste Torgelegenheiten nicht nutzen. Gegen Twente erfuhr dies noch einmal eine Steigerung. Die beiden Torhüter waren herausragend, Mielitz gehört für mich jetzt schon zu den besten Werderspielern dieser Saison. Schaut man sich die Torschüsse an, sieht man jedoch einen Unterschied zwischen den beiden Mannschaften*:

Torschüsse Werder Bremen

Werder Bremen: 22 Schüsse, 9 davon aufs Tor

Werder bekam kaum Schüsse innerhalb des Strafraums auf Twentes Tor. Die platzierten Schüsse kamen fast alle von außerhalb. Ausnahme: Die Kopfballchance von Almeida in die Arme des Torhüters. Vor dem Tor versagten Werder die Nerven.

Torschüsse FC Twente

FC Twente: 16 Schüsse, 7 davon aufs Tor

Twente war im Strafraum gefährlicher, zwang Mielitz zu mehr Paraden aus kurzer Distanz. Dem Torwart ist es zu verdanken, dass die Führung erst durch einen abgefälschten Schuss aus der Distanz zustande kam.

Grund 2: Starker Gegner. Twente ist international sicher nicht die ganz große Hausnummer, doch es gibt einen Grund dafür, dass das Team erst eine Pflichtspielniederlage in dieser Saison einstecken musste – und Werder derer schon acht. Die Mannschaft versteht sich blendend aufs Kontern. Im Gegensatz zum (enttäuschenden) Hinspiel zeigten sich die Holländer stark verbessert und hätten auch schon vor Frings Platzverweis das eine oder andere Tor machen können, wenn sie ihre Konter konsequenter zu Ende gespielt hätten. Der Unterschied zwischen dem Twente aus dem Hin- und aus dem Rückspiel wird am deutlichsten, wenn man sich die “Player Influence”, also den Einfluss der einzelnen Spieler auf das Spiel, anschaut:

Twente Spielereinfluss Hinspiel

FC Twente: Player Influence, Hinspiel

Im Hinspiel waren Spieler der Viererkette die einflussreichsten Spieler bei Twente (ohne Wisgerhofs Verletzung wäre vermutlich auch der rechte Innenverteidiger darunter). Es wurde auf Höhe der Mittellinie viel quer gespielt und kaum ein vernünftiger Angriff aufgebaut.

Twente Spielereinfluss Rückspiel

FC Twente: Player Influence, Rückspiel

Im Rückspiel war Ruiz die überragende Figur in Twentes Spiel. Nach Ballgewinn wurde schnell und vertikal nach vorne gespielt (daher die “kleinen” Innenverteidiger) und Werders Mittelfeld schnell überbrückt. Damit kam Werder über die vollen 90 Minuten nicht klar.

Grund 3: Torsten Frings. Man kann ihm gar nicht viel vorwerfen, dass er kein guter Innenverteidiger ist. Er begann seine Karriere als Stürmer, spielte dann im rechten Mittelfeld und als Rechtsverteidiger, bevor er zum zentralen Mittelfeldspieler umgeschult wurde. Frings ist nicht mehr der Schnellste, verfügt für einen Sechser auch nicht über ein außergewöhnlich gutes Stellungsspiel und ist dazu auch nicht wirklich groß oder kopfballstark. Als Innenverteidiger war er völlig überfordert, ließ sich häufig schon hoch an der Mittellinie überspielen und bekam Ruiz, der immer wieder von rechts in die Mitte zog, zu keiner Zeit in den Griff. Exemplarisch für seine Probleme hier alle seine Tacklings:

Torsten Frings Tackles

Torsten Frings Tacklings: 1 erfolgreich, 4 unerfolgreich

Am Ende opferte sich Frings mit der roten Karte, nachdem ihn Schaaf schon vor dem Spiel geopfert hatte. Wenn dies die Alternative zu Silvestre ist, sollte man ihn wohl trotz Pfeifkonzert wieder spielen lassen.

Werder ist innerhalb einer Woche aus DFB-Pokal und Europapokal (wenn auch nicht rechnerisch) ausgeschieden und verpasste es, in der Bundesliga in die Spitzengruppe vorzustoßen. Noch dazu in drei Spielen, die man bei besserer Chancenverwertung wohl allesamt gewonnen hätte. Das muss erstmal verdaut werden, von Mannschaft und Fans.

* Alle Grafiken: Total Football