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Meine EM: Spanien ist noch nicht satt

Ein Mannschaft, die in den letzten vier Jahren alles gewonnen hat, was man als Nationalmannschaft gewinnen kann, noch dazu gespickt mit Spielern, die im selben Zeitraum auch auf Vereinsebene alle bedeutende Titel abräumten – was soll die noch zu Höchstleistungen motivieren? Erfolg ist eine Droge, das wissen wir nicht erst seit Oliver Kahn. Wer glaubt, dass Spanien nicht mit höchster Motivation in dieses Turnier gehen wird, dürfte ein böses Erwachen erleben. Zudem hat Spanien immer noch die Spieler, einem solchen Turnier seinen Stempel aufzudrücken. Die Mannschaft ist daher zu den Top-Favoriten auf den Turniersieg zu zählen, auch wenn sie einige Problemzonen hat.

Die Aura der Unbesiegbarkeit ist weg

Seit dem WM-Triumph verlor man ganze fünf Spiele, allesamt gegen starke Gegner in Freundschaftsspielen. Rückschlüsse auf ein Turnier sind daher schwer zu ziehen. Dennoch ist der psychologische Effekt auf die Gegner nicht zu unterschätzen. Man weiß nun: auch gegen die Spanier geht etwas. So verkündete der irische Co-Trainer vor wenigen Tagen, dass seine Mannschaft Spanien schlagen werde. Auch Gruppengegner Italien wird sich im ersten Spiel Chancen ausrechnen, zumal man letztes Jahr schon einen Sieg gegen Spanien feierte.

Auch personell ist bei den Spaniern nicht alles optimal vor der Europameisterschaft. Mit Carles Puyol und David Villa fallen zwei wichtige Spieler aus. Während es im Zentrum fast schon zu viele Weltklasseoptionen gibt, sieht es auf der Außenbahn nicht so rosig aus. Sollte Sergio Ramos aufgrund der Verletzung von Puyol in der Innenverteidigung spielen, hätte man in Arbeloa einen sehr vorsichtig agierenden und nach vorne beschränkten Rechtsverteidiger. Auf der linken Seite verkörpert Jordi Alba hingegen den modernen Außenverteidigertypus, den Spanien für die eher eng angelegte Spielweise benötigt.

Wer soll für die Breite sorgen?

Eine Reihe weiter vorne gibt es zwar nominell genügend Alternativen für die Flügel, doch eine Idealbesetzung lässt sich hier schwer identifizieren. David Silva, Juan Mata und Andres Iniesta haben ihre Stärken eher in der Mitte und halten nicht unbedingt die Position an der Seitenlinie. Wegen ihrer überragenden Qualitäten werden aber vermutlich zumindest zwei von ihnen in der Startformation stehen. Ähnlich wie beim FC Barcelona ergibt sich dadurch eine sehr enge Spielweise der vordersten Reihe im 4-3-3. Da man jedoch keinen Dani Alves in den Reihen hat, sollte zumindest auf der rechten Seite ein offensiver Spieler auch für Breite sorgen. Ideal geeignet wäre dafür Barcelonas Pedro Rodriguez, der jedoch keine gute Saison gespielt hat und nicht unbedingt in der Startformation zu erwarten ist. Jesus Navas und vor allem Santi Cazorla haben dadurch gute Chancen, in die Startformation zu rücken. Letzterer hat eine überragende Saison in Malaga gespielt und stand bislang in jedem Testspiel in der Anfangself.

Technisch ist Spanien noch immer das Maß aller Dinge und es ist davon auszugehen, dass der Weg zum Titel nur über die Iberer führen kann. Personell hat Vincente del Bosque trotz der Ausfälle und etwa der Formschwäche von Piqué noch immer genügend Optionen um den Titel zu verteidigen und so als erster amtierender Weltmeister die Europameisterschaft zu gewinnen. Man wird sich allerdings gehörig strecken müssen, da mittlerweile auch der letzte Trainer gelernt haben sollte, wie man den Spaniern Probleme bereiten kann. Auch wenn die Streitereien zwischen den Spielern von Barcelona und Real Madrid inzwischen zumindest offiziell beendet sind, bin ich mir aber nicht sicher, ob Spanien mental stark genug ist.

Es wird in diesem Turnier Phasen geben, in denen Spanien ins Wanken gerät und Puyols Führungs- sowie Villas Durchschlagskraft vermissen wird. Das muss nicht das Aus für Spaniens Titelchancen bedeuten, doch es macht ein Stolpern wahrscheinlicher. Wenn der Auftakt gegen Italien misslingt, steht man im zweiten Spiel gegen die extrem defensiven Iren schon gewaltig unter Druck. Selbst die Gruppenphase könnte so alles andere als ein Selbstläufer werden.

Meine Prognose: Auch wenn das Turnier für Spanien zu keinem guten Zeitpunkt kommt, ist mit del Bosques Team zu rechnen. Ich wünsche mir ein Finale gegen Deutschland, könnte mir aber auch vorstellen, dass schon im Halbfinale Schluss ist, falls man dort auf Deutschland oder die Niederlande trifft.

Spaniens Gruppengegner

Italien
Irland
Kroatien