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Survival of the Fittest

Anders als häufig angenommen, bedeutet der aus der Evolutionstheorie stammende Satz in der Überschrift keinesfalls, dass sich in der natürlichen Selektion der Stärkere durchsetzt. Wäre dies der Fall, würden heute noch Dinosaurier die Erde bevölkern, während der Mensch wohl nie bis zu einer Evolutionsstufe vorgedrungen wäre, ab der er in der Lage war, sich gegen seine natürlichen Feinde mit Waffen zu behaupten. Nein, laut der Evolutionslehre überlebt derjenige, der sich am besten auf seine Umwelt einstellt, sich anpasst.

Im Fußball ist es, von einem einzigen, aus grauen Urzeiten übrig gebliebenen Dino abgesehen, ganz ähnlich. Wäre es anders, würde sich im Pokal nie der Underdog durchsetzen – ein Umstand, der die vielbesungene eigene Gesetzesmäßigkeit des Wettbewerbs aus- und letzteren angeblich so attraktiv macht.

Bremer Anpassungsschwierigkeiten

Pokal-Fight auf dem Bielefelder Acker

Ein Umstand, auf den Werder Bremen sich in Bielefeld nicht einstellen konnte, war die Qualität des Rasens, der schon vor Anpfiff eher einem Acker glich und dessen Zustand sich im Laufe des Spiels noch verschlechterte. Bereits vor dem Spiel war viel über den Platz in der Schüco-Arena gesprochen worden, der bereits seit längerer Zeit erhebliche Mängel aufweist. Folglich waren die Gastgeber besser mit dem Geläuf vertraut und wussten, wie sie darauf zu spielen haben. Werder wusste es hingegen nicht, fand es auch im Laufe des Spiels nicht heraus und schied somit sang- und klanglos und zweifelsohne verdient aus dem Pokal aus.

Nach einer unerwarteten Siegesserie und angesichts einer deutlich verbesserten Spielkultur, fällt es schwer, den Trainer zu kritisieren. Viktor Skripnik und sein Team haben seit ihrem Amtsantritt enorm viel richtig gemacht. Die Einstellung des Teams auf die Pokalpartie am Mittwoch gehört hingegen nicht dazu. Das Coaching während des Spiels ebenso wenig. Werder begann das Spiel zwar durchaus ansprechend, wusste mit den abwartenden Bielefeldern aber nicht viel anzufangen. Man setzte auf eine tiefe Ballzirkulation, die Sicherheit bringen sollte und zu viel Ballbesitz führte – ein Umstand, der in Werders Bundesligaspielen nur selten vorkommt. In der Anfangsphase konnte Werder mit gutem und hohem Pressing noch einige Torchancen herausspielen, doch mit der Zeit kam es immer seltener dazu. Bielefeld verzichtete schon bald auf kontrolliertes Aufbauspiel und verlegte sich seinerseits darauf, gegen Werders weit aufgerückte Abwehr zu kontern.

Kopfschmerzen in der Defensive

Ab Mitte der ersten Halbzeit wurden die daraus resultierenden Angriffe immer gefährlicher. Werder geriet defensiv ins Schwimmen und verlor zu viele Bälle im Aufbauspiel. Vorläufiger Höhepunkt war ein abstruser Fehlpass von Prödl, nachdem ihn ein riskantes Anspiel von Casteels unter Druck gesetzt hatte. Den Bielefelder Angriff nach dem Ballverlust verteidigte Werder dann wie in seligen Zeiten unter Thomas Schaaf: Bevor die Situation abgehakt war, blieben Vestergaard und Garcia stehen, hoben den Arm und kamen dann bei der Hereingabe zu spät. Nach der Führung konnte sich Bielefeld noch mehr auf einen Stil der Risikovermeidung mit vielen langen Bällen verlegen. Werder hingegen versuchte es weiterhin mit Kurzpassspiel im Aufbau, initiiert von Kroos, der häufig zwischen die Innenverteidiger kippte. Personell war Werder mit Bartels auf der 10 sowie Fritz und Junuzovic auf den Halbpositionen jedoch nicht unbedingt auf Ballbesitzfußball ausgerichtet. Der schlechter werdende Platz tat sein Übriges, um Werders Offensivspiel nun lahmzulegen.

Defensiv war erneut zu beobachten, dass Prödl und Vestergaard ein unpassendes Paar in der Innenverteidigung abgeben. Das hat auch, aber nicht nur spielerische Gründe. Prödls Selbstverständnis als Abwehrchef macht es schwierig, ihn in die neue Hierarchie in der Bremer Abwehrkette zu integrieren. Vestergaard versuchte in der Anfangsphase häufiger, die Viererkette zu dirigieren. Im Laufe des Spiels nahm dies meiner Einschätzung nach ab. Wie schon gegen Wolfsburg wurde man das Gefühl nicht los, dass die Abstimmung und somit auch die gegenseitige Absicherung bei den Beiden nicht stimmten. Garcia brachte sich mit einer vermeidbaren, frühen gelben Karte dazu selbst in Bedrängnis und zwang Skripnik zu einer ungeplanten Auswechslung. Insgesamt wird die linke Seite wieder mehr zur Problemzone (die schwache Absicherung durch Junuzovic ist hier auch im Vergleich zu Fritz auf der rechten Seite auffällig). Da nun auch die Innenverteidigung schwächelt, ist Werder defensiv wieder das wackelige Gebilde, das man aus den letzten Jahren noch gewohnt ist. Man fragt sich auch, was es über die Trainingsleistungen von Luca Caldirola aussagt, dass er trotzdem keine Einsätze bekommt.

Ein Hoch auf hohe Bälle?

In der Nachbetrachtung des Spiels fällt die Analyse leicht, doch auch während der Partie stellte sich die Frage, warum Werder sich den Gegebenheiten nicht besser anpassen konnte. Spätestens in der zweiten Hälfte hätte man das Kurzpassspiel aufgeben müssen. Mit Selke und Di Santo hatte man Anspielstationen für hohe Bälle. Bartels und Junuzovic hätten sich auf die Sicherung bzw. Eroberung der zweiten Bälle konzentrieren können. Stattdessen spielte Werder nur 17% lange Bälle (Bielefelds Quote lag bei 33%) und gefühlt kamen die meisten davon von Prödl, der auch bei besseren Platzverhältnissen kaum anders spielt. Nicht ganz zufällig fiel Werders einziges Tor jedoch nach einem von Di Santo festgemachten hohen Ball des Österreichers.

Nun bin ich generell kein Freund des Hoch-und-Weit-Fußballs, den Werder unter Skripniks Vorgänger lange Zeit gespielt hat. In diesem Spiel wäre ein einfacher Stil jedoch angebracht gewesen, um die mit dem schlechten Rasen verbundenen Risiken zu minimieren. Einfaches Spiel heißt bei Werder dieser Tage Konterspiel, und das ließ Bielefeld gerade nach der Führung nicht mehr zu. Erst in der Schlussphase des Spiels spielte Werder vermehrt lange Bälle, ohne jedoch die Rückräume adäquat zu besetzen. Auch abgesehen davon stellte sich Werder taktisch nicht gerade schlau an. Fritz und Junuzovic liefen zwar viel, aber oft auch kopflos. Kroos wurde im Zentrum zu häufig allein gelassen und verfügt bekanntlich nicht über die Zweikampfstärke und die weiträumige Präsenz Bargfredes. Dem Bielefelder Konterspiel kam dies sehr entgegen.

In Freiburg gegen die Serie

Auch im vierten Jahr in Folge ist Werder somit gegen ein unterklassiges Team aus dem Pokal ausgeschieden, wenn auch diesmal erst in der dritten Runde (der letzte Sieg gegen einen Bundesligisten im Pokal war vor über fünf Jahren gegen Hoffenheim). Durfte man nach der Niederlage gegen Wolfsburg noch hoffen, dass das Selbstvertrauen der Mannschaft keinen Knacks bekäme, muss man nach dem Pokalaus in Bielefeld ganz sicher befürchten, dass dieser Spuren hinterlässt. In Freiburg steht für Werder nun plötzlich eine ganze Menge auf dem Spiel. Zwar ist das Punktepolster nach unten groß genug, um nicht so schnell wieder in den Abstiegskampf zu rutschen, doch mental pendelt man derzeit irgendwo zwischen „Mannschaft der Stunde“ und „Pokalversager“. Da nach dem Freiburg-Spiel die Bayern zu Besuch kommen, könnte das Pendel schnell in die falsche Richtung schwingen und Werder im blödesten Fall zu einer seit fünf Spielen sieglosen Mannschaft werden.

Freiburg ist in dieser Rückrunde spielerisch so schwach, wie wohl noch nie unter Streichs Regie. Personell ist Werder in dieser Partie eindeutig im Vorteil (zumal Bargfrede wieder fit ist) und die Ausgangslage kommt Werder wieder weitaus besser entgegen als im Pokal. Freiburg braucht die Punkte rein tabellarisch dringender und versucht sich immer noch an einem sehr gepflegten, wenn auch nicht unbedingt auf Ballbesitz ausgelegten Stil. Werder kann reaktiver spielen als gegen Bielefeld, sich mehr auf Pressing und Umschaltspiel verlassen. Bekommt man die Abstimmungsprobleme zwischen den Innenverteidigern und die eigenen Nerven in den Griff, sollte durchaus ein Sieg drin sein. In jedem Fall ist die Zeit des Träumens in Bremen vorerst vorbei. Nach der unerwarteten Hochphase gilt es nun wieder, die Pflichtaufgaben zu erfüllen. Freiburg ist eine davon.

Mutmacher

Chemnitzer FC – Werder Bremen 0:2 (0:1)

Nach neun Spielen ohne Sieg schlägt Werder den Drittligisten aus Chemnitz und sorgt für ein wenig Erleichterung an der Weser. Viktor Skripniks kleinen, aber effizienten Maßnahmen gaben dem Team genügend Sicherheit für einen am Ende verdienten Auswärtssieg.

Nur zwei Tage hatte Skripnik zur Verfügung, um den am Boden liegenden Tabellenletzten der Bundesliga wieder aufzubauen. Die begrenzte Zeit wurde wohl vor allem dafür genutzt, den Spielern etwas Mut zu machen. Selbstvertrauen, das sagte Skripnik nach dem Spiel richtigerweise, bekommt man im Fußball nur durch Siege. Dem Trainer blieb daher nur die Möglichkeit, seine Spieler zu ermutigen, wirklich Fußball zu spielen und an ihre eigene Stärke zu glauben. Manchmal kann es im Fußball so einfach sein. Es war definitiv eine andere Mannschaft, die am Dienstag auf dem Rasen stand, als noch am Freitag gegen Köln, und das lag nicht (primär) an der Aufstellung.

Personell hielten sich Skripniks Umstellungen in Grenzen. Außer dem erkrankten Marnon Busch wurde nur Cedric Makiadi aus dem 18er-Kader des letzten Spiels gestrichen. Dafür rückten die beiden von Dutt verschmähten Zehner Ludovic Obraniak und Levent Aycicek nach. Wer sich vom neuen Coach Tabula Rasa im Team erwartet hat, sah sich getäuscht. Stattdessen stellte Skripnik punktuell um, zog Galvez auf seine angestammte Position in die Innenverteidigung zurück, ließ stattdessen Kroos als Sechser von Beginn an ran und tauschte etwas überraschend die Positionen von Fritz und Gebre Selassie. Das große Thema war jedoch das Startelfdebüt von Aycicek, der den Vorzug gegenüber Obraniak bekam.

Ich war besonders gespannt darauf, wie das Team das “System Skripnik” ohne echte Vorlaufzeit umsetzen würde. Die Vermutung lag schließlich nahe, dass die Mannschaft spielerisch schlicht nicht in der Lage sein würde, quasi auf Knopfdruck vom System der hohen Bälle auf ein gepflegtes Kurzpassspiel umzuschalten. Wie sich herausstellte gelang ihr das – wohlgemerkt gegen einen Drittligisten – recht passabel. Es wirkte fast so, als hätte man einen großen Ballast von den Schultern der Spieler genommen. Die unter Dutt obligatorischen langen Bälle aus der Abwehr und das Überladen der linke Seite waren nicht mehr zu sehen – jedenfalls nicht als geplantes Stilmittel. Stattdessen bildeten sich einige recht ansehnliche, wenn auch improvisierte Flachpassstaffetten im Mittelfeld heraus. Am auffälligsten war ein Spielzug, bei dem zunächst mit 2-3 Pässen die erste gegnerische Pressinglinie im Mittelfeld überspielt wurde und dann ein vertikaler Pass ins Zentrum direkt auf den Flügel abgelegt wurde, wo der jeweilige Außenverteidiger mit Tempo aufrückte.

Auch wenn über die genaue Bewertung der Leistung Ayciceks keine Einigkeit herrschte, hat sich dessen Aufstellung schon alleine deshalb gelohnt, weil er mit seiner guten Ballverarbeitung und Handlungsschnelligkeit das Tempo des Spiels variieren konnte. Nach langen Jahren, in denen man technisch hoch veranlagten Tempoverschleppern und limitierten Außenbahndribblern zuschauen musste, ist es eine wahre Wohltat, Aycicek endlich bei den Profis zu sehen. Er wird in der Bundesliga seine Eingewöhnungszeit brauchen, aber er bringt alles mit, um dort schnell seine Spuren zu hinterlassen. An der Entstehung der beiden Tore gegen Chemnitz war er jedenfalls schon einmal beteiligt (Bonuspunkte für das bogenförmige Anlaufen des gegnerischen Torwarts, bevor dieser den Fehlpass auf Fritz spielte).

Es soll an dieser Stelle nicht der Eindruck entstehen, Werder hätte in Chemnitz ein tolles Spiel hingelegt. Die Defensive wackelte in der starken Anfangsphase der Gäste einige Male und insgesamt wurden noch zu viele einfache Fehlpässe in gefährlichen Zonen gespielt. Auffällig war jedoch, dass die Mannschaft insgesamt kohärenter wirkte und Gefallen daran zu finden schien, dass die Suche nach einer spielerischen Lösung zumindest gewünscht ist. Ob dies in der Bundesliga auch auf Anhieb so funktioniert, wird sich gegen Mainz zeigen. Letztlich erzielte Werder die Tore in wichtigen Phasen (kurz nach dem Chemnitzer Pfostentreffer und nachdem Werder in Halbzeit zwei nicht so richtig ins Spiel fand) und profitierte dann von den entstehenden Dynamiken.

Was bleibt, ist ein gelungenes Debüt des neuen Trainerteams, ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis für die Mannschaft und das Überwintern im DFB-Pokal. Das ist doch schon mal was. Ob aus dem Beckham der Ukraine zeitnah der Lobanowskyj von der Weser wird, bleibt hingegen abzuwarten.

Ernüchterung trotz Runde 2

FV Illertissen – Werder Bremen 2:3 n.V. (1:1, 1:1)

Werder gewinnt etwas glücklich nach Verlängerung gegen den Regionalligisten FV Illertissen. Dabei enttäuschte das Team eine Woche vor dem Bundesligastart spielerisch auf ganzer Linie. Der erstmalige Einzug in die zweite Pokalrunde seit vier Jahren kann nur ein wenig darüber hinweg trösten.

Robin Dutt wartete mit einer etwas größeren Überraschung auf und ließ Petersen trotz Di Santos Verletzung nur auf der Bank. Werder begann somit ohne klassische Sturmspitze und dafür mit Hajrovic und Elia im Angriff. Das restliche Team begann wie erwartet, wobei Makiadi und Bartels die Halbpositionen im Mittelfeld besetzten und Lukimya für den verletzten Prödl in der Innenverteidigung ran durfte. Illertissen spielte ein 4-5-1, das in der Raumaufteilung zwischen 4-2-3-1 und 4-1-4-1 pendelte.

Problemzone Zehnerraum

Werders Pressing im 4-1-3-2 funktionierte in der Anfangsphase recht gut und man kam zu einigen gefährlichen Aktionen, aus denen auch der Freistoß vor dem Elfmeter zum Führungstor resultierte (Gratulation an dieser Stelle an Hajrovic zu diesem Elfmeter. Von dieser Schusstechnik können sich die meisten seiner Teamkollegen etwas abschauen). Mit zunehmender Spieldauer griff Werders Offensivansatz jedoch immer weniger. Das Gegenpressing ging zu oft ins Leere, insbesondere im Zentrum gelangen kaum einmal Überzahlsituationen durch hohe Ballgewinne. Im Gegenteil waren es oft die Bremer die im Zehnerraum isoliert wurden. Bei vertikalen Anspielen in diesen Bereich fand sich der Passempfänger fast immer gegen 3-4 Gegenspieler wieder, ohne eigene Anspielstation in der Nähe. So hatte Werder keinen Zugriff auf das Zentrum und kam meist nur über hohe Bälle oder Flügelangriffe nach vorne.

Auf der linken Seite lief sich Elia dabei häufig fest und zeigte einmal mehr, dass er kein Freund des Torabschlusses ist. Linksverteidiger Garcia erwischte leider einen seiner schwächeren Tage und konnte trotz einiger guter Flügelläufe wenig in der Offensive bewirken. Rechts zeigte Bartels ein paar gute Ansätze im Dribbling (bei denen er allerdings nicht durchsetzungsstark genug war), war jedoch mit seinen Kernaufgaben auf der Halbposition überfordert. Er stand auch häufig zu hoch, wodurch der defensiv nicht sattelfeste Fritz hinten rechts Probleme bekam. Hajrovic hatte etwas Probleme seine Rolle zu finden und kam selten in Positionen an den Ball, von denen er seine Abschlusstärke einsetzen konnte. Das Aufbauspiel aus der Abwehr war gewohnt langsam und kam im Kombinationsspiel nur selten über die Mittellinie hinaus. Daran konnte auch Gàlvez nichts ändern, der zwar vieles mitbringt, was ein Rauten-Sechser haben sollte, doch letztlich kein ausgemachter Kreativspieler ist. Dass er seine Rolle noch finden muss, zeigte seine durchgängig sehr tiefe Positionierung bei Ballbesitz seine Teams. Die Ballverteilung war ebenfalls verbesserungswürdig. Ihm fehlten allerdings auch Anspielstationen im Zentrum, oft blieb nur der Querpass oder der lange Ball als Option.

Die Standards entscheiden das Spiel

Auch defensiv wirkte Werder nicht wirklich sattelfest. Sinnbildlich war dafür eine Szene kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit, als Wolf und Lukimya sich nach Garcias Querschläger nicht einig waren und Illertissen so eine Großchance ermöglichten. Aus dem Spiel heraus hatte zwar auch Illertissen wenige Torchancen, doch ihre Standardsituationen nutzten die Gastgeber gut und bereiteten Werders Abwehr damit große Schwierigkeiten. Überhaupt waren es die Standards, die in diesem Spiel die größte Offensivgefahr ausmachten. Auch Werder konnte bei eigenen Ecken und Freistößen überzeugen und letztlich machten diese auch den Unterschied aus. Alle drei Bremer Tore fielen nach ruhenden Bällen.

Für meinen Geschmack hielt Dutt etwas zu lange an seiner Linie fest, bevor er die offensichtlichsten Probleme auf dem Feld mit seinen ersten beiden Wechseln anging: Busch kam für Bartels und sorgte für mehr Stabilität auf der rechten Seite, wodurch Clemens Fritz zurück in die Spur fand (abgesehen von seinem schlechten Zweikampfverhalten vor dem 2:3, das leider inzwischen typisch für sein Spiel ist). Im Angriff kam Selke für Makiadi, sodass es im Angriff zumindest einen Zielspieler für hohe Bälle gab. Vorher erinnerte die Offensive an die Versuche mit der Raute im letzten Herbst, als Werder ebenfalls ohne wirkliche Stürmer spielte. In die Loblieder auf Selke kann ich allerdings nicht einstimmen, er hat noch sehr viele wichtige Dinge falsch gemacht. Allerdings hat er unermüdlich versucht etwas zu bewegen, suchte insbesondere auf dem rechten Flügel nach Räumen und wurde mit seinem ersten Treffer für die Profis belohnt. Ob das schon für die Bundesliga reicht, wird man in den nächsten Wochen sehen. Schade fand ich, dass Dutt nicht auf mehr Spielstärke gesetzt hat und Aycicek (trotz Hajrovics Abtauchen auf der Zehnerposition) oder Kobylanski (trotz Elias Harmlosigkeit) keine Chance gegeben hat.

Das Gerede vom Pokalfluch hört nun endlich auf. Zum Feiern war bei Werder jedoch nur wenigen zumute. Letztlich war es nur ein Spiel und es bleibt die Hoffnung, dass Werder in Ulm nur einen schlechten Tag erwischt hat. Jedoch sollte nun klar sein, dass Werder ohne Prödl, Di Santo, Bargfrede und Selassie noch ein gutes Stück entfernt ist von der Form des letzten Frühlings. Nennenswerte Automatismen in der Offensive sind nicht zu erkennen, die Neuzugänge können noch nicht überzeugen und es fehlte gegen Illertissen auch die unbedingte Kampfbereitschaft, mit der Werder einen Großteil der letzten Saison über agiert hat. Die in dieser Saison angestrebte Entwicklung ist nach wie vor möglich, aber Werder wird sie sich hart erarbeiten (und eventuell auch noch mal auf dem Transfermarkt nachlegen) müssen.

DFB-Pokal, 1. Runde: Viel zu tun

1. FC Saarbrücken – Werder Bremen 3:1 n.V.

Wie in den letzten beiden Jahren endet der DFB-Pokal auch in dieser Saison schon, bevor er begonnen hat. In Saarbrücken war Werder über weite Strecken des Spiels die schwächere Mannschaft und offenbarte gegen den Drittligisten große Mängel in der Defensive.

Neues System, schlechte Abstimmung

Alles wie gehabt also? Ja und nein. Werders Spielanlage hat sich deutlich geändert, was man bereits in den ersten Minuten des Spiels erkennen konnte. Vorrückende Außenverteidiger, abkippende Sechser, all das gab es unter Thomas Schaaf nicht (wohl aber am 34. Spieltag der letzten Saison). Der Spielaufbau lief neben den beiden Innenverteidigern wie erwartet über Makiadi, der dabei von Ekici und teilweise Hunt unterstützt wurde. Davor war bei Werder alles im Fluss, die Positionen wurden munter getauscht und durch Hunts freie Rolle war es teilweise schwer, ein konkretes System zu erkennen, das sich in Zahlen beschreiben lässt.

In der Anfangsphase des Spiels, als Saarbrücken sehr abwartend agierte und sich kaum einmal ein Spieler aus der eigenen Hälfte traute, hatte Werder große Probleme, den Ball aus der Zentrale wirklich ins Spiel zu bringen. Es war zwar Bewegung vorhanden, doch selten riss einer der Laufwege der Offensivspieler ein Loch in den engen Abwehrverbund der Gastgeber. Was zunächst nach handelsüblichen Anlaufschwierigkeiten im ersten Pflichtspiel der Saison aussah, entpuppte sich bald als Schwachpunkt, der das gesamte Spiel über nicht beseitigt werden konnte. Wesentlich schwerwiegender und letztlich spielentscheidend waren jedoch die Abstimmungsprobleme in der Bremer Hintermannschaft.

Altbekannte Defensivschwächen

Hatte man sich erhofft, dass hier zum Saisonauftakt bereits Verbesserungen sichtbar werden könnten, wurde man schwer enttäuscht. Allein die Anzahl an Situationen in denen sich Werders Spieler uneins darüber waren, wer einen bereits sicher geglaubten Ball klären soll und somit den Gegner wieder ins Spiel brachten, war erschreckend. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass diese Spieler zum ersten Mal zusammen auf einem Fußballplatz stünden. Dazu gesellten sich individuelle Fehler der Abwehrspieler, wie sie aus der Vorsaison noch bestens vertraut sind. Beides konnte (musste?) man zu Saisonbeginn vielleicht erwarten, doch in der Kombination war es schon erschreckend, wie schlecht Werder defensiv gespielt hat.

Nach etwa 20 Minuten hatte Saarbrückens Offensivabteilung Blut geleckt und griff nun konsequenter an, wenn sich die Situation dazu bot. So erreichte Saarbrücken schnell ein Chancenplus, ohne spielerische Glanzleistungen vollbringen zu müssen. Organisatorisch waren die Gastgeber – im Gegensatz zu Werder – ohnehin voll auf der Höhe. So gerieten sie bis zum Seitenwechsel nur selten in Bedrängnis und gingen kurz vor der Pause verdient in Führung.

Kurzes Zwischenhoch, bitteres Ende

Dutt reagierte in der Pause, brachte Arnautovic für Füllkrug und fortan lief es besser bei den Grünweißen. Die Angriffszüge wirkten konsequenter und führten häufiger zum Abschluss. Auch wenn Werder in keiner Phase des Spiels wirklich dominant war, kam diese Phase des Spiels den Vorstellungen von Trainer, Spielern und Fans wohl am nächsten. Nach dem Ausgleich schien es eines dieser Pokalspiele zu werden, in denen der Favorit lange strauchelt, sich dann aber letztlich doch durchsetzt. Die wacklige Defensive und der zielstrebige Gegner machten jedoch einen Strich durch diese Rechnung. Nachdem Mielitz in der Nachspielzeit mit einem Blitzreflex die Niederlage zunächst noch verhindern konnte, wurde die Verlängerung für Werder zum Debakel.

Dazu kam nun auch noch Pech ins Spiel, als zunächst Arnautovic frei vor dem Tor verzog und kurz darauf ein abgefälschter Schuss den erneuten Rückstand bedeutete. Saarbrücken hatte in der Folge den deutlich längeren Atem, während Werder nicht mehr zusetzen konnte. In der Schlussphase setzte Werder auf frühe Flanken und einen aufrückenden Innenverteidiger Prödl, der für Kopfballstärke im Strafraum sorgen sollte. Saarbrücken hatte mit dieser Taktik keine große Mühe und konterte nach einer geklärten Flanke zum letztlich verdienten 3:1.

Lange Mängelliste

Eine Erstrundenniederlage gegen einen Drittligisten kann mal passieren. Wenn man bereits in den letzten beiden Jahren gegen Drittligisten aus dem Pokal ausgeschieden ist, sollte man jedoch erwarten, dass die Mannschaft alles daran setzt, ein weiteres Ergebnis dieser Art zu verhindern. Was jedoch schlimmer ist, ist die Art und Weise, wie die Niederlage zustande kam. Werder hat nicht verloren, weil man überheblich agierte oder den Gegner unterschätzte. Werder war an diesem Tag gegen einen (selbstverständlich hochmotivierten) Drittligisten die schlechtere Mannschaft. Offensiv fand man gegen einen gut organisierten Gegner trotz hoher Ballbesitzwerte zu wenige Mittel und defensiv leistete man sich ein erschreckendes Maß an individuellen wie kollektiven Aussetzern.

Man sollte nach nur einem Pflichtspiel nicht den Stab über der Mannschaft brechen. In den letzten beiden Jahren folgte dem Pokalaus jeweils ein guter Bundesligastart. Bis dahin ist es es jedoch noch ein weiter Weg und Werder hat heute nichts dafür getan, den Glauben daran zu stärken. Bis zum Spiel in Braunschweig bleibt nur eine Woche Zeit und die Mängelliste ist so lang, dass ich mich kaum noch auf den Bundesligaauftakt freuen mag.

Filetierte Hühnerbrust

Preußen Münster – Werder Bremen 4:2 n.V.

Die runderneuerte Werdermannschaft geht im ersten Pflichtspiel der Saison bei hochsommerlichen Temperaturen baden. Auch, weil Thomas Schaaf die gleichen Fehler macht, wie in der Vergangenheit.

Gute spielerische Ansätze, fehlende Feinabstimmung

Nach Niederlagen gegen unterklassige Gegner im Pokal wird gerne mal die Einstellung der Mannschaft hinterfragt und Dinge wie mangelnde Laufbereitschaft oder fehlender Wille kritisiert. Solche Vorwürfe sind nach dem Spiel in Münster zum einen unberechtigt und greifen zum anderen zu kurz.

Werder trat in der ersten Halbzeit wie ein Bundesligist auf. Das Team spielte nicht besonders gut, aber es wurde deutlich, an welchen Dingen man im Sommer gearbeitet hat. Neben der bekannten Fluidität im zentralen Mittelfeld waren hohe Diagonalpässe auf die Flügel das auffälligste Stilmittel in Werders Spiel. Dabei gingen noch zu viele Pässe ins Leere, doch das sollte zu diesem frühen Zeitpunkt nicht überraschen und war auch nicht der Grund für die Niederlage. Zur Halbzeit war es ein typisches Erstrunden-Pokalspiel. Werder die bessere Mannschaft, ganz gute Spielanlage, mäßige Feinabstimmung, aber überlegene individuelle Klasse, die Münster mit viel Einsatz und direktem Spiel zu kompensieren versuchte.

Schaaf vercoacht sich, Preußen nutzt den Raum

Ich weiß nicht, was Schaaf dazu bewegt hat, nach 65 Minuten beim Stand von 1:1 einen solch offensiven Wechsel (Füllkrug für Fritz) vorzunehmen. Das 2:1 durch die beiden eingewechselten Spieler gab ihm zunächst einmal Recht. Direkt danach den dritten Wechsel zu vollziehen, wäre riskant gewesen. Doch auch mit einem Dreiermittelfeld aus Junuzovic, Hunt und De Bruyne kann man die Löcher vor der Viererkette stopfen. Dazu bräuchte es jedoch klare Positions- und Rollenverteilungen. Diese sind in Werders „fluider Dreifachsechs“ nicht vorgesehen. Dort ergibt sich – wie in Schaafs Raute – die Rollenverteilung situativ und die Positionsverteilung ist mehr nett gemeinter Vorschlag als bindende Anweisung. Defensiv orientierte Spieler wie Bargfrede oder Fritz erkennen situativ häufig die Räume, die sie zustellen müssen (auch wenn das nicht Werders Grundprobleme vor der Abwehr löst). Mit drei offensiv denkenden Mittelfeld-Akteuren ist diese Spielweise allerdings glatter Selbstmord.

Ein Problem, das Werder seit Jahren mit sich herumschleppt, scheint auch diesen Sommer nicht erkannt und gelöst worden zu sein: Die großen Löcher zwischen Abwehr und Mittelfeld. Das 4-3-3, das gegen den Ball zum 4-1-4-1 wird, ist eigentlich eine Formation, die es durch den Spieler zwischen den Linien erleichtern sollte, diesen Raum zu verengen. Bei der EM konnte man bei einigen Spielen sehr gut sehen, wie dies funktionieren kann, und dass man dabei trotzdem das Grundprinzip eines fluiden Dreiermittelfelds nicht aufgeben muss (bestes Beispiel: Chelsea in der Champions League). Bei Werder wurden die Löcher in der Schlussphase der regulären Spielzeit größer statt kleiner, weil die Spieler verständlicherweise müde wurden. Warum gab es hier keine Anweisung ans Mittelfeld, nur mit einem, maximal zwei Spielern vorzurücken? Warum kam es schon vor den offensiven Auswechslungen vor, dass Fritz als tiefster Mittelfeldspieler den Ball 25 Meter vor dem gegnerischen Tor verlor, ohne dass ein anderer Mittelfeldspieler ihn absicherte? Statt sich im 4-1-4-1 tief einzuigeln und die Münsteraner im Zentrum zu entnerven, lief man wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen direkt ins offene Messer. Vielleicht passt der neue Hauptsponsor doch besser als gedacht.

Preußen hat keines der Tore erzwungen und ich wage zu bezweifeln, dass sie in der Schlussphase noch eine Druckphase gehabt hätten. Mit geschicktem Verteidigen hätte Werder das Spiel vermutlich problemlos aussitzen und vielleicht auch noch einen Konter abschließen können. Schaaf entschied sich für das offene Visier, das ist nicht neu, hätte ich nach der letzten Rückrunde und den torreichen Vorbereitungsspielen – naiver Weise – aber nicht erwartet.

Zu späte Korrektur, mittelloses Werder

Ein rabenschwarzer Tag von Sokratis trug zur Niederlage bei und es wäre leicht, ihm die Niederlage in die Schuhe zu schieben. Es wäre jedoch falsch. Die Denkweise, dass einzelne Spieler die Fehler des Kollektivs mit individueller Klasse auszubügeln haben, hat sich bei Werder viel zu lange gehalten. In der Schlussphase einer Partie gegen einen unterklassigen Gegner darf man dessen Mittelstürmer nicht in ein 1-gegen-1 mit dem letzten Abwehrspieler kommen lassen. Tut man es doch, braucht man sich nicht zu wundern, wenn es bestraft wird.

Schaaf korrigierte den Fehler (zumindest personell) in der Verlängerung durch Bargfredes Einwechslung. Da war es jedoch schon zu spät. Neben den Kräften schwanden auch jegliche Ideen aus Werders Spiel. Ich habe in der Verlängerung nicht einen strukturierten Angriffszug von Werder gesehen. In der Schlussphase den (einzigen) Innenverteidiger nach vorne zu schicken und auf einen Hail-Mary-Pass und eine glückliche Kopfballablage zu hoffen, ist ein Armutszeugnis in einem Spiel gegen einen Drittligisten. Genauer gesagt: Das Armutszeugnis ist nicht, dass es gemacht wurde, das Armutszeugnis ist, dass es nötig war, dass es keine Alternative mehr dazu gab, keine spielerischen Mittel.

Ausrutscher oder typisches Werderspiel?

Ich will nach dem ersten Spiel nicht alles schlecht reden, denn es war bei weitem nicht alles schlecht in Werders Spiel. 70-80 Prozent des Gezeigten waren sogar solide bis gut. Es ist eine Freude, Kevin de Bruyne beim Spielen zuzuschauen, auch wenn er sich oft noch zu einfach aushebeln lässt. Die Pässe, die er aus dem Fußgelenk schüttelt, sind bemerkenswert. Werders Kombinationen und die durch das Element der Diagonalpässe auf die Außenstürmer erweiterten Optionen in der Offensive offenbaren viel Potenzial. Auch agiert man wieder mutiger als in der letzten Rückrunde und scheint sich in den Bereichen Flügelspiel, Pressing und Umschaltspiel verbessert zu haben. Doch was hilft es, wenn die übrigen 20-30 Prozent so stümperhaft umgesetzt werden, dass man trotzdem gegen einen Drittligisten verliert?

Man muss der neuformierten, jungen Mannschaft Zeit geben und darf die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Nach dem LigaTotal-Cup haben uns einige Fans wohl schon wieder auf dem Vormarsch in die Bundesligaspitze gesehen. Sorge bereiten aber die Basics, die in den letzten Jahren selten stimmten und auch im ersten Spiel dieser Saison nicht. Vielleicht war es ein Ausrutscher, vielleicht hat man an diesen Dingen gearbeitet, vielleicht werden wir in ein paar Spielen eine Besserung erleben. Letztlich habe ich zu wenige Vorbereitungsspiele gesehen, um dies derzeit bewerten zu können. Wenn jedoch gleich das erste Spiel auf eine Weise verloren wird, auf die Werder seit Jahren immer wieder verliert, und sich der Trainer dabei böse vercoacht, sind das keine guten Anzeichen.

Meine Sorge, dass Thomas Schaaf in dieser Saison versuchen wird, in den neuen Kleidern seine alten Ideen umzusetzen, ist mit dem Spiel in Münster nicht geringer geworden. Oder anders gesagt: Meine Hoffnung, dass Schaaf in seiner vierzehnten Saison als Trainer die Defizite aus Werders Spiel beseitigt, die seine Amtszeit (neben vielen positiven Dingen!) mit prägten, ist relativ gering.

DFB-Pokal Finale: Borussia Dortmund – Bayern München (live)

21.54

Endstand: Borussia Dortmund – Bayern München 5:2

Verdienter Sieg des BVB, der über das gesamte Spiel mehr Gefährlichkeit im Angriffsdrittel ausstrahlte und letztlich auch entfachte. Man hat gesehen, dass Bayern aus den letzten Spielen gegen Dortmund gelernt hat. Zumindest was die Offensive angeht. Das Angriffsspiel war variabler und man hat sich Chancen erarbeitet. Defensiv wirkte man aber nach jedem Fehlpass völlig neben der Spur, als wäre man überrascht, dass sich der BVB mit mehr als zwei Spielern über die Mittellinie traut.

Jürgen Klopp im Interview sichtlich freudentrunken. “Ich möchte nicht so lange reden, ich muss noch zum ZDF.”

Dortmund feiert, Bayern muss die Wunden lecken und vor dem Champions League Finale gegen Chelsea die richtigen Schlüsse ziehen, wie man die Defensive stabilisiert.

21.53

89′ Die Dortmunder Bank feiert schon. Gleich darf sich der BVB auch Doublesieger nennen.

21.49

84′ Zweiter Wechsel bei Dortmund: Perisic für Kuba.

Die Probleme der Bayern heute lagen nicht in der mangelnden Durchsetzungsfähigkeit vorne. Wer so viel zulässt, muss offensiv allerdings ein Feuerwerk abbrennen. Das tun die Bayern nicht und nach dem erneuten Gegentor erst Recht nicht mehr.

21.46

82′ Borussia Dortmund – Bayern München 5:2, Lewandowski. Neuer lässt einen schon sicher geglaubten Ball aus den Händen gleiten. Flanke Kuba, Kopfball Lewandowski ins leere Tor.

Gelb gegen Hummels nach Foul an Müller.

21.45

80′ Es ist nicht so, dass der FCB sich hier hängen lässt. Dortmund lässt wenig zu und die Bayern beißen sich die Zähne dran aus – gemessen am Spielstand.

Wechsel BVB: Der bärenstarke Kagawa geht, Sven Bender kommt.

21.40

75′ Borussia Dortmund – Bayern München 4:2, Ribery. Starke Einzelaktion. Ribery ist mal nach rechts ausgewichen, zieht in die Mitte und schießt den Ball robbenesk ins lange Eck.

21.34

69′ Mal wieder eine Torchance für die Bayern durch Gomez. Ansonsten sieht das aus Bayern-Sicht ziemlich trostlos aus. Man sollte nicht darauf schieben, dass Bayern sich für Chelsea schont. Aber nach dem Nackenschlag durch Lewandowski scheint dieses Spiel hier durch zu sein.

Contento kommt für Alaba.

21.23

58′ Borussia Dortmund – Bayern München 4:1, Lewandowski. Zweiter gefährlicher Konter innerhalb von zwei Minuten. Drei gegen zwei, Kagawa verzögert geschickt, legt raus zu Großkreuz, der Lewandowski bedient, dessen Schuss Neuer keine Chance lässt. Kann man nicht viel besser zu Ende spielen.

21.15

49′ Langerak verschätzt sich und kommt gut 25 Meter aus dem Tor, bekommt den Ball aber nicht geklärt. Robbens Pass auf Gomez wird von Subotic abgegrätscht, sonst hätte dieser freie Bahn aufs leere Tor gehabt.

21.09

46′ Es geht weiter. Nach einer kleinen Verzögerung wegen Feuerwerkskörpern im Dortmund-Block.

Wechsel bei den Bayern: Thomas Müller für Luiz Gustavo. Naheliegender Wechsel.

20.55

Halbzeit: Borussia Dortmund – Bayern München 3:1.

Klasse Spiel im Olympiastadion. Bayern hat mit viel Druck losgelegt, aber der BVB hat ihnen nach etwa 10 Minuten ganz gut den Zahn gezogen. Ein bisschen Matchglück war auch dabei, als man mit der ersten Chance des Spiels in Führung ging. Danach war es ein ausgeglichenes Spiel, in dem Dortmund zwar weniger Anteile hatte, aber in Tornähe immer ein Stück weit gefährlicher wirkte.

Kagawa in seinem vielleicht letzten Spiel für den BVB bislang der entscheidende Mann.

Was genau kann man Bayern heute eigentlich vorwerfen? Nach vorne gibt es nicht allzu viele Kritikpunkte. Im Aufbauspiel passieren jedoch zu viele Fehler und Dortmund nutzt das klasse aus. Dortmund spielt aber nicht allein reaktiv auf Konter. Wann immer ein Ball im Angriffsdrittel gewonnen wird, rückt das Team nach und sorgt in Ballnähe für Über- mindestens aber für Gleichzahl. Die linke Abwehrseite der Bayern wirkt nicht sattelfest und Luiz Gustavo steht völlig neben sich. Beim BVB gibt es keine wirklichen Schwachstellen. Der FCB muss sich alles selbst erarbeiten.

20.48

45+1′ Borussia Dortmund – Bayern München 3:1, Lewandowski. Dortmund spielt seine (wenigen) Angriffe klasse aus. Lewandowski legt den Ball mit dem Kopf ab, Kagawa mit einer Finte gegen Badstuber und einem genialen Pass in den Lauf von Lewandowski, der eiskalt abschließt, auch wenn Neuer wieder dran war.

Durchs Olympiastadion schallt es Zieht den Bayern die Lederhosen aus.

20.46

45′ Fünf Minuten Nachspielzeit, nach der Verletzung von Weidenfeller verständlich.

20.41

41′ Borussia Dortmund – Bayern München 2:1, Hummels. Neuer ist dran, aber der Ball geht rechts unten ins Tor. Knappes Ding, aber Dortmund führt wieder.

20.40

40′ Elfmeter für Dortmund. Boateng erwischt Kuba. Keine Diskussion.

20.34

34′ Geht nicht weiter bei Weidenfeller. Langerak, der schon seit fünf Minuten bereit steht, kommt für ihn rein.

20.27

27′ Freistoß Dortmund nach Handspiel Alaba an der rechten Strafraumecke. Hübsche Variante, aber geklärt.

20.25

25′ Borussia Dortmund – Bayern München 1:1, Robben. Flach unten rechts.

20.24

23′ Elfmeter für Bayern. Weidenfeller kommt gegen Gomez zu spät und erwischt ihn am Fuß. Starker Pass von Schweinsteiger leitete die Situation ein.

20.22

22′ Kroos gefällt mir sehr gut. Großer Aktionsradius, lässt sich mal tief fallen, mal mit in die Spitze. Unterstützt dazu die Außen gut. Dennoch haben die Bayern Probleme, Lücken in die beiden Viererketten des BVB zu schlagen. Von selbst bietet Dortmund kaum welche an.

20.19

19′ Spiel hat sich etwas beruhigt. Bayern mit mehr Ballbesitz, aber Dortmund stellt jetzt sehr gut zu. Die Bayern müssen immer wieder hintenrum spielen. Versuchen es meistens über die Außen, wo Dortmund sofort attackiert.

Marcel Reif und Luiz Gustavo werden in diesem Leben keine Freunde mehr.

20.12

12′ Geht weiter. Ecke der Bayern bleibt ohne Gefahr. Weidenfeller hustet. Freistoß Bayern am linken Flügel nach Foul an Ribery.

20.11

11′ Sieht nicht gut aus für Weidenfeller. Er zieht die Handschuhe aus, aber steht wieder. Langarak macht sich warm.

20.09

8′ Eigentlich waren die Bayern in den Anfangsminuten aggressiver im Spiel nach vorne. Nach dem Rückstand hat sich daran selbstverständlich wenig geändert. Gomez frei vor dem Tor, doch Weidenfeller kann zur Ecke klären und bleibt angeschlagen im Strafraum liegen, wird behandelt.

20.05

3′ Borussia Dortmund – Bayern München 1:0, Kagawa. Schlimmer Fehlpass von Gustavo landet bei Kuba, der vor Neuer in die Mitte auf Kagawa ablegt. Der schiebt ihn ins leere Tor.

20.03

2′ Starker Bayernangriff über Rechts bringt die erste leichte Torgefahr. Doppelpass zwischen Lahm und Robben, aber die Hereingabe wurde abgeblockt.

3′ Und auf der anderen Seite das Tor von Kagawa!

20.00

1′ Und los geht’s. Anstoß Bayern.

19.55

Gomez hat mich zum Ende dieser Saison noch einmal überrascht. Beim Spiel in Dortmund bekam man noch den Eindruck, dass er bei aller Torgefahr seine Mannschaft spielerisch doch eher schwächt. In Madrid zeigte er dann jedoch, dass er auch weitere Aufgaben auf dem Spielfeld erfüllen kann. Mal sehen, ob er heute mehr mitarbeitet und die langen Bälle von Hummels ein Stück weit unterbindet.

19.52

Auch bei allesaussersport gibt es ein Live-Blog

19.50

Bayerns Problem war lange Zeit, dass man zu ausrechenbar war. Solange man auf die Läufe von Ribery und Robben auf dem Flügel angewiesen ist, dürfte man wieder Probleme bekommen. Außer Inter Mailand im Champions League Finale 2010 hat es bislang keine Mannschaft so gut verstanden, die bayerischen Flügelspieler in den Griff zu bekommen, wie der BVB. Die Antwort der Bayern könnte Toni Kroos heißen, der zuletzt wieder in der starken Form des Herbstes war.

19.44

Nachdem Dortmund die letzten vier Duelle gegen Bayern gewonnen hat, ist vom Angstgegner die Rede. Beim letzten Spiel der Beiden war jedoch eine gehörige Portion Glück mit dabei am Ende. Man hatte den Eindruck, dass sich die Bayern besser auf Dortmund eingestellt haben. Zudem konnte sich der BVB dort ein Unentschieden erlauben. Das Momentum liegt zumindest nicht mehr so sehr auf der Seite der Dortmunder, wie noch vor ein paar Wochen.

19.40

Talking Points vor dem Spiel:

  • Wie wirkt sich die breite Brust der Bayern nach dem Finaleinzug in der Champions League aus?
  • Kann Dortmund die bayerische Flügelzange wieder kontrollieren und wenn ja, wie reagieren die Bayern darauf?
  • Sehen wir den statischen Gomez aus dem Ligaduell oder den mitspielenden Gomez aus dem Spiel in Madrid?

19.35

Die Aufstellungen:

BVB: Weidenfeller – Piszeck, Subotic, Hummels, Schmelzer – Gündogan, Kehl – Kuba, Kagawa, Großkreuz – Lewandowski

Bayern: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribery – Gomez

Keine wirklichen Überraschungen dabei. Götze beim BVB, Müller bei den Bayern auf der Bank.

19.29

Nach ein paar Problemen mit meinem Sat-Receiver kann es hier losgehen. Ein Live-Blog aus dem Norden zu einem Spiel im Osten zwischen einer Mannschaft aus dem Westen und einer Mannschaft aus dem Süden.

19.26

Moin aus Bremen!

Um 20 Uhr trifft der Deutsche Meister Borussia Dortmund im Pokalfinale in Berlin auf den Champions League Finalisten Bayern München. Ab 19 Uhr gibt es an dieser Stelle ein Live-Blog zum Spiel.

DFB-Pokal, 1. Runde: Noch viel Arbeit

1. FC Heidenheim – Werder Bremen 2:1

Die Schwarzseher werden sich bestätigt sehen: Werder ist mit einer kleinen Blamage (eine große Blamage ist eine Niederlage gegen einen Drittligisten nicht) in die Saison gestartet. Letztlich ging das Ergebnis so in Ordnung, auch wenn Werder das Spiel zu Beginn der 2. Halbzeit hätte entscheiden können.

Nicht mehr als gute Ansätze

Um mit einem positiven Aspekt zu starten: Ich habe in der ersten Halbzeit viele gute Ansätze in Werders Spiel gesehen. Die Ballsicherheit war da, das Mittelfeld wurde schnell überbrückt und der direkte, vertikale Pass gesucht. Es gelang jedoch zu selten, die Stürmer in Szene zu setzen. Thy und Rosenberg haben sich viel bewegt, aber selten kamen die Bälle durch die Schnittstellen der Heidenheimer Abwehr bei ihnen an. Dies lag vor allem daran, dass Werder das Tempo nicht hoch genug hielt und stattdessen versuchte, das Spiel mit 80% Aufwand über die Zeit zu bringen.

Nach dem Doppelschlag wurde jedoch deutlich, dass Werders Spiel noch nicht so weit ist, wie es zu diesem Zeitpunkt der Saison sein müsste. Spielerisch konnte man Heidenheim immer weniger in Bedrängnis bringen. Gegen einen nun sehr tief stehenden Gegner kam man mit dem Kombinationsfußball der Raute kaum mal vors gegnerische Tor und setzte daher zunehmend auf lange Bälle. Schaaf reagierte, brachte Wagner als dritte Spitze und Ekici als Ballverteiler im Mittelfeld. Letztlich blieben die Bälle in den Strafraum jedoch zu unpräzise, abgesehen von einigen Flanken von Lukas Schmitz. Dazu waren die Standards so schwach wie zu finstersten Zeiten der letzten Saison. Was blieb war die Hoffnung auf einen Lucky Punch, was gegen diesen Gegner ein Armutszeugnis ist.

Papa hui, Wolf pfui

In der Abwehr gefiel mir Neuzugang Sokratis Papastathopoulos sehr gut. Gutes Stellungsspiel, zweikampfstark, gute Spieleröffnung – so will ich einen Innenverteidiger sehen. Leider stand der andere Neuzugang in der Innenverteidigung Andreas Wolf nicht nur neben ihm sondern auch völlig neben sich. Schon in der ersten Halbzeit hatte er Probleme, beim 1:2 ließ er sich komplett düpieren. Von einem so erfahrenen Bundesligaspieler muss man deutlich mehr erwarten, ansonsten hat er in der Startelf nichts verloren. Phillipp Bargfrede hat mich als Sechser überzeugt, war lange Zeit der Motor des Bremer Spiels. Nach den Umstellungen in der 2. Halbzeit übernahm Mehmet Ekici die Ballverteilung im Mittelfeld. Er war sehr aktiv, holte sich die Bälle sehr tief ab und versuchte sich als Spielmacher. Es war jedoch deutlich zu sehen, dass er nach seiner Verletzung und in seinem erst zweiten Spiel für Werder noch nicht die Bindung zu seinen Nebenleuten hat. In zwei bis drei Wochen sollte das schon besser aussehen.

Viel Arbeit, wenig Zeit

Das frühe Pokalaus ist für Werder aus finanzieller Sicht sehr ärgerlich. Sportlich ist es kein Beinbruch, nun muss man sich in der Bundesliga rehabilitieren. Dabei läuft Werder jedoch langsam die Zeit weg. In einer Woche wird es richtig ernst und bei allen guten Ansätzen waren die alten Probleme doch wieder deutlich erkennbar. Wenn selbst Heidenheim diese aufdecken kann, wird es ein gutes Stück Arbeit in den nächsten Wochen so viel Sicherheit ins Spiel zu bekommen, dass man auf Bundesliganiveau wieder den Kombinationsfußball spielen kann, an dem man sich momentan versucht.

Aufwind oder Gladiolen

DFB-Pokal, 2. Runde: Bayern München – Werder Bremen 2:1

Das Wie ist im Pokal nicht entscheidend, schrieb ich gestern noch vor dem Spiel gegen die Bayern. Getreu diesem Motto ist Bayern ins Achtelfinale eingezogen, in einem Spiel, in dem Werder die bessere Mannschaft war, sich jedoch für eine weitgehend überzeugende Leistung nicht belohnte.

Schaaf setzt ein Ausrufezeichen

Beim Start in diese Saison machte Thomas Schaaf nicht immer den glücklichsten Eindruck, sowohl was seine Zufriedenheit mit der Mannschaft, als auch seine taktischen Vorgaben anging. Gestern Abend setzte er in München ein Ausrufezeichen. Auf dem Papier gab es mit der Berufung von Bargfrede für Hunt nur eine Veränderung in der Startformation. Auf dem Platz zeigte sich jedoch etwas anderes: Statt mit einer hängenden Spitze spielte Werder ein echtes 4-2-3-1 mit dem vielseitigen Wesley auf der 10er-Position und Pizarro im Sturmzentrum. Marko Arnautovic rutschte dafür auf die linke Seite und Marin wechselte nach rechts. Noch bevor die Bayern diese Formation richtig erkannt hatten, erzielte Pizarro schon das Bremer Führungstor, weil Arnautovic vom verdutzten Lahm zu viel Zeit und Raum zum Flanken bekam. Ein schönes Tor, das in seiner Entstehung genau Werders Offensivplan entsprach: Nach Ballgewinn schnell umschalten und schnell über die Außen vors Tor kommen. Bei Ballbesitz der Bayern zog man sich zurück, brachte häufig neun Spieler hinter den Ball und rückte nur vereinzelt aus, um die bayerische Hintermannschaft beim Aufbauspiel unter Druck zu setzen.

In den ersten 25 Minuten ging diese Taktik gut auf. Die Bayern hatten zwar mehr Ballbesitz, aber insgesamt wenige gefährliche Aktionen, weil Gomez nicht die Bälle bekam, die er braucht, und Werder die Außenbahnen dicht hielt. Als Schweinsteiger Mitte der ersten Halbzeit den Ausgleich erzielte, war dieser äußerst glücklich für den Rekordmeister. Kurz zuvor verpasste Prödl nach einer Ecke völlig frei aus fünf Metern das Tor. Ein Paradebeispiel für die Anfälligkeit der Münchner Hintermannschaft an diesem Abend. Etwas überraschend trat Silvestre die Ecke und zog sie in schönem Bogen weg vom Tor an den langen Pfosten. Keiner der Bayern hatte damit gerechnet und so hatte Prödl bei seinem Kopfball derart viel Raum, dass man nur wenig Verständnis für die vergebene Chance aufbringen kann. Was dann passierte war ein Vorgeschmack auf das Motto des Abends: Wenn du ihn vorne nicht machst…

Eine halbe Stunde zu mutlos

Wesley hob bei Kroos halbem Luftloch das Abseits auf und der Ball trudelte Schweinsteiger vor die Füße, der aus kurzer Distanz vollstrecken durfte. Auch wenn es bei Sky bis nach Abpfiff Silvestre angekreidet wurde – es war Wesley, der reklamierend den Arm hob, statt zwei Schritte nach vorne zu machen. Leider nicht sein erster Konflikt mit der Abseitsregel. Nach dem Gegentor machte Werder bis zum Halbzeitpfiff zwar nicht viel falsch, aber zu wenig richtig. Man gab die Spielkontrolle nach und nach ab und ließ den Ball zu lange in den Reihen des Gegners zirkulieren. Bei Ballgewinn wurde nicht mehr schnell genug umgeschaltet und die Konter verebbten zu häufig schon kurz nach der Mittellinie. Die Bayern verdienten sich das Unentschieden in dieser Phase, in der sie – zwar umständlich, aber beständig – auf ein weiteres Tor hinarbeiteten.

Auch zu Beginn der zweiten Hälfte wirkten die Bayern zunächst frischer und entfachten mehr Druck auf den Bremer Strafraum, während Werder erstaunlich abwartend agierte. Es schien fast so, als ob man der Fragilität des Gegners nicht ganz trauen wollte und sich deshalb lieber zurückhielt. Dies war jedoch nur die Ruhe vor dem Sturm. Aus dem Nichts erspielte sich Werder plötzlich Chance um Chance und hätte die Bayern innerhalb kurzer Zeit aus dem Wettbewerb schießen können. Vor allem Marko Arnautovic hatte gleich drei große Torgelegenheiten. Sein Freistoßhammer aus 30 Metern landete jedoch an der Latte und allein vor dem Tor verhinderten zunächst Butt und dann fehlende Präzision das Führungstor. Dazu kamen ein gefährlicher, weil abgefälschter Schuss von Wesley und ein schönes Kopfballtor von Prödl, dem Schiedsrichter Weiner die Anerkennung verweigerte.

Lucky Punch durch Schweinsteiger

Als Werder gerade an der eigenen Chancenverwertung zu verzweifeln begann, setzte Schweinsteiger den Todesstoß. Sein Schuss aus 30 Metern war für Mielitz unhaltbar und traf im Gegensatz zu Arnautovics Schuss genau ins Schwarze. Allerdings hatte er ähnlich viel Zeit, sich den Ball vorzulegen und musste keine gegnerische Mauer überwinden. Es mag ein Sonntagsschuss gewesen sein, doch einem Spieler so viel Zeit beim Abschluss zu lassen, ist nicht die beste Idee, zumal Werders Defensive während der Entstehung einigermaßen sortiert stand. Außerdem sollte eigentlich bekannt sein, dass der Schweini gerne mal aus der Distanz gegen uns trifft, wenn auch sonst eher per abgefälschtem Schuss. Das Tor stellte den Spielverlauf der zweiten Hälfte auf den Kopf, und wie es in solchen Situationen so oft ist, kam Werder danach nicht mehr auf die Beine. Schaaf versuchte es mit drei offensiven Wechseln (Almeida für Marin, Hunt für Bargfrede, Wagner für Silvestre), doch die Brechstangentaktik mit drei Kopfballstarken Mittelstürmern ging nicht auf. Van Gaal brachte mit Van Buyten einen Turm ins Abwehrzentrum und damit war die Partie entschieden.

Die besseren Chancen in der Schlussphase hatten sogar die Bayern, die ihre Konter jedoch insgesamt ziemlich kläglich zu Ende spielten und mit einer Aktion von Olic und Timoschtschuk noch für etwas Slapstick sorgten. Am Boden hatten die Münchner Abwehr sich zuvor anfälliger gezeigt. Vielleicht wäre dort auch gegen tief stehende Bayern etwas möglich gewesen. Werders hohe Verzweiflungsbälle von der Mittellinie in den Strafraum blieben jedenfalls ohne Effekt, da man im Rückraum nun in Unterzahl war und die zweiten Bälle somit fast ausschließlich beim Gegner landeten. Es war etwas enttäuschend, dass Werder nach dem 1:2 keine Antwort mehr hatte und deshalb muss man sich am Ende auch mit dieser Niederlage abfinden. Kein übermächtiger Gegner war für das Ausscheiden verantwortlich, sondern die eigene Chancenverwertung.

Gladiolen für die Bayern, Aufwind für Werder

Ein Grund zum Verzweifeln ist dies für Werder jedoch nicht. Die Chancenverwertung eines Spiels hat immer auch mit dem Kopf und nicht zuletzt mit statistischen Zufällen zu tun. Wenn man so will haben wir das Gegenstück zum 5:2 vor zwei Jahren erlebt. Damals gab es ein ähnliches Spiel, in dem Werder vor dem Tor eiskalt war und die Bayern so nach einer Stunde zur Verzweiflung gebracht hatte. Die Chancen wird Werder in der Zukunft wieder nutzen, wenn man weiterhin so zielstrebig auf das gegnerische Tor spielt. Nicht umsonst wird die Metapher vom geplatzten Knoten so gerne verwendet. Marko Arnautovic ist derzeit ein Paradebeispiel dafür.

Man kann sich darüber ärgern, sich selbst nicht belohnt zu haben, gegen diese Bayern nicht gewonnen zu haben. Wenn der erste Ärger verflogen ist, kann man jedoch auf die Entwicklung der letzten Wochen schauen und sieht einen weiteren Schritt nach vorne. Nach dem Trauerspiel gegen Freiburg hat man wieder Struktur ins Spiel gebracht und schafft es dabei nun auch, durch gutes und durchdachtes Offensivspiel Chancen zu kreieren. Ich bin guter Dinge, dass Werder in den nächsten Wochen endlich die Stabilität und mannschaftliche Ausgewogenheit erreicht, die sie zu einer doch noch erfolgreichen Saison braucht.

Ein Wort noch an das Umfeld der Bayern: Hört mit dem Genöle auf! Die Verletztenmisere ist wirklich übel, aber dieses Selbstmitleid wird langsam unerträglich. Es standen gestern sieben (!) deutsche Nationalspieler in eurer Startelf, dazu ein kroatischer, ein ukrainischer und ein türkischer. Lediglich Ottl fällt aus dem Rahmen. Aber wenn Ottl das schwächste Glied eurer B-Elf ist, dann erwartet bitte kein Mitleid von irgendwem. Mit der aktuellen Mannschaft kann man vielleicht nicht die Champions League gewinnen, aber in der Bundesliga oben mitspielen kann man schon. Mit dem Engagement aus dem gestrigen Spiel könnt ihr in der Liga gegen jeden gewinnen. Es sind eben nicht nur die anderen Teams, die nur gegen bestimmte Gegner ihre Topleistungen bringen.

Bayern München – Werder Bremen (live)

A dish served cold

Die Statistik lügt: Werder hat im DFB-Pokal noch nie gegen die Bayern gewonnen. Der goldene Pokal in unserer Vitrine sieht das anders. Der Sieg im Finale 1999 kam jedoch im Elfmeterschießen zustande und wird daher offiziell als Unentschieden geführt.

Nach fünf Monaten die Chance zur Revanche

Mit einem solchen Unentschieden könnte ich heute Abend gut leben. Im Pokal ging es schon immer weniger um das wie, als um das dass. Wie man die Bayern ausschaltet ist nicht entscheidend – wichtig ist nur, dass man sie ausschaltet. Bislang hat es nur Mourinhos Inter geschafft, van Gaals Bayern auszuschalten. Das war im Finale der Champions League vor gut fünf Monaten. Zu jenem Zeitpunkt schienen die Bayern unaufhaltsam und waren im Pokalfinale für Werder mindestens eine Nummer zu groß. Der Stachel dieser Niederlage sitzt immer noch tief. So chancenlos war man in den letzten Jahren selten, wenn es gegen den großen Rivalen aus dem Süden ging.

Seitdem hat sich einiges getan. Beide Teams stolperten in diese Saison und begegneten sich bereits am 3. Spieltag auf Augenhöhe, wo bei zwei potenzielle Spitzenmannschaften eigentlich ein anderer Körperteil sitzen sollte. Das Spiel endete fast zwangsläufig 0:0, was beide Mannschaften aufgrund ihrer Personalsituation als Teilerfolg verbuchen konnten. Inzwischen haben sich beide Mannschaften etwas Luft verschafft: Werder in der Liga und die Bayern in der Champions League. Ein wirkliches Spitzenduell ist es trotzdem noch nicht. Zwei Mannschaften aus dem Mittelfeld der Liga werden versuchen, durch einen großen Sieg (das wäre es momentan für beide) weiteres Selbstvertrauen zurückzugewinnen und den Schwung mit in die Liga zu nehmen.

Keine Erholung für die Bayern

Werders Ausgangsposition ist dabei eindeutig die schlechtere – zumindest, wenn man Philipp Lahms Logik folgen möchte. Der hatte sich nach dem 0:0 in Hamburg darüber beschwert, nach dem CL-Spiel am Dienstag schon am Freitag wieder ran zu müssen. Etwas erstaunlich, da bei den von Lahm behaupteten “drei Spielen pro Woche” eine Pause von zwei Tagen schon das höchste der Gefühle wäre. Werder hatte zwischen dem CL-Spiel in Enschede und dem Spiel in Gladbach ebenfalls nur zwei Tage Pause und muss nun nach weiteren zwei Tagen Pause in München ran. Doppelte Belastung also im Vergleich zu den doch schon so arg belasteten Bayern. Einigen wir uns einfach darauf, dass Lahms Aussagen völliger Unsinn sind und es sich bei zwei Spielen pro Woche mangels zusätzlicher Wochentage gar nicht vermeiden lässt, nach jedem zweiten Spiel nur zwei Tage Pause zu haben. Schwamm drüber, Fußballer sollen schließlich nicht rechnen, sondern Werbung für die BILD machen Fußball spielen.

Auf die leichte Schulter sollte man die Bayern trotz bisher magerer Ergebnisse und Leistungen nicht nehmen. Zum einen, weil sich Werder trotz ansteigender Formkurve auch noch nicht mit Ruhm bekleckert hat. Zum anderen, weil es eine Sache ist, den Bayern in einem Ligaspiel Punkte abzuknöpfen, jedoch eine völlig andere, sie aus einem Wettbewerb zu schmeißen. Es ist ein Hop-oder-Top-Spiel und in jenen sind die Bayern traditionell besonders stark. Eliminiert wurden sie zuletzt nur von Mannschaften, die entweder taktisch (Inter) oder spielerisch (Barcelona) klar besser waren als die Bayern. Den Unterschied zugunsten der Bayern machte in der Vergangenheit häufig genug Arjen Robben, der am Dienstag ebenso fehlen wird, wie eine ganze Reihe weiterer Spieler. Während sich Werders Lazarett langsam leert, muss der Titelverteidiger auf einigen Positionen weiterhin improvisieren. Dabei kam in den letzten Wochen schon erstaunliches zum Vorschein: Anatoli Timoschtschuck ist ein mehr als nur passabler Innenverteidiger und Andreas Ottl kann Bastian Schweinsteiger derzeit das Wasser reichen. Mario Gomez Tore waren bei einem Blick auf seine Statistiken weit weniger überraschend.

Van Gaals Taktikpuzzle

Dennoch ist van Gaals Team noch weit davon entfernt in den einzelnen Mannschaftsteilen perfekt zu harmonieren. Die linke Verteidigerposition ist seit Contentos Verletzung eine Problemzone. Auch auf der rechten Seite ist Lahm in einer kleinen Schaffenskrise, die das Team erstaunlich anfällig über die Außen werden lässt. Das größere Problem liegt jedoch in der Offensive und auch hier spielen die Außenverteidiger eine Rolle. Ohne Robben und Ribery fehlt die Torgefahr über die Flügel, die die Mannschaft letztes Jahr so stark werden ließ. Das Zusammenspiel zwischen Robben und Lahm, der durch sein Hinterlaufen für die nötige Breite im Spiel sorgte, war in der letzten Saison Bayerns größter Trumpf. Diese Spielweise funktioniert jedoch nur mit einem Linksfuß auf Rechtsaußen. Zuletzt ließ van Gaal mit Altintop jedoch einen Rechtsfuß auf der Position ran, mit dem Ziel, den Mittelstürmer Gomez mit Flanken zu füttern. Dadurch fehlt jedoch das Überraschungsmoment im Spiel der Bayern.

Eine weitere Veränderung ist die Besetzung der 10er-Position. In der letzten Saison spielte Thomas Müller als eine Art hängende Spitze hinter Olic. Er ist zwar kein Spielmacher, doch er hat durch sein hervorragendes Spiel ohne Ball und seine Torgefahr viel dazu beigetragen, dass den Bayern die Probleme eines rigiden 4-4-2 Systems erspart blieben. Mit Toni Kroos ist nun ein Typ Spielmacher im Kader, den Louis van Gaal sich für Team gewünscht hat. Mit Kroos spielen die Bayern ein klar definiertes 4-2-3-1 System, während man es mit Müller auch als 4-4-1-1 auslegen konnte. Bisher konnte Kroos seiner Aufgabe als Spielgestalter noch nicht gerecht werden, weshalb das Spiel auch in der Mitte krankt. Die Problem der bayerischen Offensive zeigen sich im Torverhältnis: Erst acht Tore hat man in neun Spielen geschossen.

Schaafs Entscheidung: Vorsicht oder Courage?

Heute Abend wird sich zeigen, wie viel Thomas Schaaf seiner Mannschaft nach den letzten Erfolgen schon wieder zutraut. Wird er sein flaches 4-4-2 mit Pizarro als hängender Spitze beibehalten? Mit dieser Formation konnte Werder im Pokal eine Halbzeit lang das Offensivspiel der Bayern nicht stoppen. Damals war es jedoch weniger das System, als die Besetzung (Borowski auf dem Flügel, Özil in der Spitze) und das zu langsame Umschalten, die für das schwache Spiel verantwortlich waren. In der aktuellen Besetzung sind Ähnlichkeiten zum Münchner Erfolgssystem der letzten Saison nicht zu übersehen: Die Flügelspieler, die ihren starken Fuß innen haben (gibt es eigentlich ein deutsches Wort für “inverted winger”?), der zweite Stürmer, der zum 10er wird (Pizarro) sowie die zunehmende Spielgestaltung durch einen defensiven Mittelfeldspieler (Wesley). Von der Spielweise ist Werder davon jedoch noch ein gutes Stück entfernt.

Es ist unwahrscheinlich, dass Schaaf vor einem solch wichtigen Spiel zur Raute zurückkehrt. Interessant wird schon eher, ob er die offensive Ausrichtung aus dem Gladbach-Spiel oder die abwartende Ausrichtung aus dem Twente-Spiel wählt. Setzt er vielleicht sogar Marin oder Hunt zunächst auf die Bank, bringt mit Bargfrede eine weitere Defensivkraft und zieht Wesley weiter nach vorne? Ansonsten sind die einzigen offenen Fragen im Sturmzentrum (Arnautovic oder Almeida?) und auf der linken Verteidigerposition (Silvestre oder Pasanen?) zu finden. So viel Klarheit herrschte in dieser Saison selten vor einem Spiel der Bremer.

Ich wünsche mir für heute Abend eine nicht zu abwartende Herangehensweise. Zwar sollte man keinesfalls naiv nach vorne laufen oder die gerade gefundene Ordnung im Mittelfeld wieder über den Haufen werfen. Doch Bayern ist momentan nicht voll auf der Höhe und könnte durch Werders Spielweise aus dem Twente-Spiel in Verbindung mit etwas mutiger vorgetragenen Gegenstößen zu knacken sein. Eine große Aufgabe kommt dabei auf Claudio Pizarro zu: Er muss die Münchner Mittelfeldspieler beim Spielaufbau stören, um eine Unterzahl in der Mitte des Spielfelds zu verhindern. Auf einen weiteren schlechten Tag von Schweinsteiger sollte man sich nicht verlassen.

Es wird in jedem Fall ein schwieriges Spiel, das die Messlatte ein gutes Stück höher legt. Wollen wir hoffen, dass wir sie dieses Mal überspringen können.