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22. Spieltag: Totaaldefensievevoetbal

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 0:0

In Unterzahl ermauert Werder ein 0:0 bei Eintracht Frankfurt. Dabei profitierte man von der Ideenlosigkeit und Abschlussschwäche der Gastgeber sowie einem guten Defensivspiel in Unterzahl. Werder bleibt damit vor dem Nordderby in akuter Abstiegsgefahr.

Frankfurter Dominanz, Bremer Ungeschick

Frankfurt spielte mit einer Raute, in der Schwegler den Sechser und Flum den Zehner gaben. Meier spielte neben Joselu in der Doppelspitze. Dutt setzte auf das 4-4-2 aus dem Spiel gegen Gladbach und brachte wie erwartet Kroos für Lukimya in der Innenverteidigung. Garcia blieb zunächst auf der Bank. Obraniak gab in Abwesenheit des verletzten Hunt den verkappten Spielmacher auf dem linken Flügel. Über seine Seite liefen zunächst auch die meisten der Bremer Angriffe. Dies sollte wohl auch ein Mittel gegen die Frankfurter Überzahl in der Mitte sein. Petersen und Di Santo pressten nur gelegentlich gegen die Innenverteidiger, sondern versuchten etwas tiefer den Spielaufbau durchs Zentrum zu verhindern. Dennoch gelang es Frankfurt in der Anfangsphase einige Mal mit recht einfachen Mitteln durchs Zentrum zu spielen. Werders Mittelfeld stabilisierte sich dann jedoch etwas, verengte die Mitte und lenkte Frankfurts Spiel auf die Außen, von wo in der ersten Halbzeit keine Gefahr drohte.

Die besten Frankfurter Chancen entstanden durch hohe Bälle in die Spitze. Bei der besten Frankfurter Chance der ersten 45 Minuten verlor Bargfrede ein Kopfballduell gegen Meier, während Kroos aus der Viererkette ins Niemandsland vorrückte. In seinem Rücken kam Joselu an den Ball, doch Wolf bestätigte seine zuletzt guten Leistungen und lenkte den Schuss um den Pfosten. Mit einer schlecht gestellten Mauer hätte er dies fast wieder zunichte gemacht, doch Meiers Freistoß landete am Außenpfosten. Ansonsten gab es wenig Torchancen in einem insgesamt schwachen Spiel. Werder setzte sich in der Offensive kaum einmal durch, hatte durch Makiadi und Junuzovic nur im weiteren Sinne überhaupt Torchancen. Obraniak wurde häufig isoliert und in (erfolglose) Zweikämpfe verwickelt und die hohen Bälle führten trotz Doppelspitze nur selten zu Ballgewinnen. Nils Petersen ist leider 20 Jahre zu spät dran, sonst hätte er ein guter Strafraumstürmer werden können. Mit dem Rücken zum Tor ist er nicht bundesligatauglich.

Zentrum vs. Flügel

Der Platzverweis gegen Kroos änderte wenig an der Dynamik des Spiels, verstärkte eher noch Werders Bemühungen, mit zwei engen und tiefen Viererketten das Zentrum vor der Abwehr dicht zu machen. Veh reagierte in der Pause mit der Einwechslung von Aigner für Madlung. Das Spiel wurde daraufhin sehr berechenbar: Werder kontrollierte ohne Ball das Zentrum, Frankfurt griff mit Ball über die Flügel an, vornehmlich über die linke Seite. Dabei kamen die Gastgeber nur selten zur Grundlinie durch und versuchten es meist mit Flanken aus tieferen Positionen. Insgesamt 23 Flanken segelten in Werders Strafraum und brachten Werder Innenverteidigung nur selten in ernsthafte Bedrängnis.

Erst mit der Einwechslung von Inui erhöhte Frankfurt den Druck noch einmal und hätte das Spiel mit besserer Chancenverwertung eigentlich gewinnen müssen. Dennoch holte Frankfurt aus der langen Überzahl wenig heraus und schaffte es fast nie Werders Defensive zu überraschen. Während man Werder in der zweiten Halbzeit defensiv wenig vorwerfen kann, fand die Offensive schlicht nicht statt. Nach Ballgewinn versuchte Werder gar nicht erst, konstruktiv nach vorne zu spielen, sondern blieb in der 4-4-1 Ordnung. Dies wurde in der Schlussphase noch verstärkt, als Selassie für Obraniak ins Spiel kam. Das Spiel hatte eine gewisse Ähnlichkeit zu Werders Partie gegen Augsburg, mit dem wichtigen Unterschied, dass es hier noch remis stand.

Mit bedingungsloser Defensive zum Klassenerhalt?

Mit der unattraktiven Spielweise hat Werder einen Punkt gewonnen – mehr war nicht drin. Der Zweck heiligte also wieder einmal die Mittel. Bei allem Verständnis für den ultradefensiven Ansatz bei Unterzahl bleibt es erschreckend, wie schlecht Werders Passspiel ist und wie wenig man in der Lage ist, den Ball vorübergehend in den eigenen Reihen zu halten. Dies war wohlgemerkt schon vor dem Platzverweis der Fall. Gegen Top-Mannschaften mag die Taktik der kompletten Risikominimierung derzeit die einzig mögliche Herangehensweise sein, dafür spricht zumindest der Sieg gegen Leverkusen (der einzige Sieg gegen eine Top-4 Mannschaft der letzten 2 1/2 Jahre). Gegen Mannschaften, mit denen man auf Augenhöhe sein sollte, wenn man den Klassenerhalt anstrebt, ist sie hingegen schon sehr ernüchternd, zumal Werder nicht in der Lage ist, aus dieser Grundhaltung heraus für Torgefahr oder auch nur Entlastungsangriffe zu sorgen. Gewinnen kann man so nur in Ausnahmefällen.

Was kann man aus dem Spiel für die restliche Saison mitnehmen? Das von Dutt nach dem Augsburgsspiel propagierte Einstellungsproblem ist offensichtlich behoben. In der Defensivorganisation sind Fortschritte zu erkennen. Die Hoffnung auf ein deutlich verbessertes Umschalt- und Konterspiel habe ich für diese Saison jedoch aufgegeben. Bleibt nur die Hoffnung, dass mit Hunts Rückkehr und einer voranschreitenden Integration Obraniaks das Kombinationsspiel so aufgewertet wird, dass Werder mit den restlichen Teams im unteren Drittel spielerisch wieder mithalten kann. Viel Zeit dafür hat man nicht, wenn man nach den direkten Duellen der nächsten Wochen nicht tief im Tabellenkeller stehen will. Vielleicht ist es gut, dass am Samstag der HSV nach Bremen kommt. Im Nordderby ticken die Uhren bekanntlich anders.

5. Spieltag: Square One

Werder Bremen – Eintracht Frankfurt 0:3 (0:2)

In einem in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Spiel verliert Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt deutlich mit 0:3. Vor allem in der ersten halben Stunde enttäuschte Werder in allen Belangen. Die Eintracht war hingegen spielerisch deutlich verbessert im Vergleich zum Saisonauftakt.

Frankfurt dominiert das Mittelfeld

Werder begann taktisch ähnlich, wie in den letzten Spielen und stand defensiv in einem 4-4-2 System, mit Hunt und Neuzugang Di Santo an vorderster Front sowie Ekici im linken Mittelfeld. Mit einem Wechsel aus Angriffspressing und tiefem Verteidigen wollte man den Gästen den Zahn ziehen. Frankfurt zeigte sich im 4-3-3/4-1-4-1 hingegen relativ pressingresistent und nutzte die 3-gegen-2 Überzahl im Mittelfeld geschickt aus. Vor allem Russ hatte als zentraler Sechser viel Zeit am Ball und konnte das Frankfurter Aufbauspiel leiten. Mit starkem Kombinationsspiel und überraschend vielen Automatismen in der Offensive nahmen die Gäste von der ersten Minute an das Spiel in die eigene Hand und kamen dabei zu guten Torchancen.

Werder hatte sichtlich Probleme und es sah so aus, als könne sich die Mannschaft nicht so recht entscheiden, ob sie lieber spielerisch dagegen halten oder die gegnerische Überlegenheit anerkennen und alle Kraft in die Defensive stecken sollte. So nahm Frankfurt ihr die Entscheidung durch ein frühes Führungstor ab, das in seiner Entstehung zu den schönsten zählt, die ich in dieser Saison bislang gesehen habe, weil es fast alle Elemente schnellen Angriffsfußballs enthielt: One-Touch-Kombinationen, Ablage mit dem Rücken zum Tor, flache Spielverlagerung, Kreuzen, Hinterlaufen und eine harte, flache Hereingabe von der Grundlinie – alles perfekt aufeinander abgestimmt. Zu diesem Zeitpunkt war die Führung bereits absolut verdient.

Neue Waffe? Gefahr durch Standards

Aus dem Spiel heraus blieb Werders Offensivspiel in der Folge harmlos. Lauf- und Passwege sind noch nicht aufeinander abgestimmt, das Spiel ist wenig strukturiert und so war es für die Frankfurter Defensive keine schwere Aufgabe, den Gegner vom eigenen Strafraum fern zu halten. Dennoch kam Werder schon in der ersten Halbzeit zu einigen Torchancen, die dem Spiel eine Wende hätten geben können. Die Bremer Ecken und Freistöße sorgten nämlich für kaum mehr gekannte Torgefahr: Zunächst segelte eine Hereingabe von Ekici knapp am Tor vorbei, dann köpfte Di Santo nach einer Ecke an den Innenpfosten und schließlich rutschte Elia alleine im Fünfmeterraum so in eine Freistoßflanke herein, dass der Ball in Richtung Eckfahne geklärt wurde. Zusammen mit der ersten aus dem Spiel heraus entstandenen Torchance durch Hunt kurz vor der Pause waren dies genügend Gelegenheiten für Werder, die Unterlegenheit im Spiel auszugleichen.

Es kam anders, Di Santo fing sich eine rote Karte und Frankfurt nutzte die Überzahl schnell zum zweiten Tor aus. Auch dieses Tor war clever herausgespielt: Linke Seite überladen und den Gegner auf diese Seite ziehen, schnelle Verlagerung auf den aufgerückten Rechtsverteidiger, dieser nutzt die Zeit, in der Werder verschieben muss und keinen Druck auf den Ball bekommt für eine überlegte Flanke zwischen die Innenverteidiger, die sich nicht einig sind, wer von ihnen in den Zweikampf mit Kadlec gehen soll. In Unterzahl musste Werder den Frankfurtern das Zentrum noch mehr überlassen, wurde jedoch langsam kämpferischer.

Nach der Pause wechselte Dutt Ignjovski und Gebre Selassie für Kroos und Ekici ein; Elia wechselte auf die linke Seite. Das Signal war deutlich: Strukturiertes Aufbauspiel ist nicht mehr das Mittel der Wahl, jetzt geht es um Kampf- und Laufstärke. Tatsächlich kam Werder in der zweiten Hälfte etwas besser ins Spiel und hielt so leidenschaftlich dagegen, wie man es sich von Anfang an gewünscht hätte. Um dem Spiel noch eine Wende zu geben, hätte es aber eine perfekte Chancenverwertung gebraucht. Werder vergab jedoch auch die größte Chance des Spiels, als Trapp einen schwach geschossenen Elfmeter von Hunt hielt. Das Eigentor von Prödl zum 0:3 machte das in jeglicher Hinsicht misslungene Spiel schließlich perfekt.

Noch keine Fortschritte sichtbar

Frankfurt war die in allen Belangen bessere Mannschaft und hat deshalb auch in der Höhe verdient gewonnen. Dennoch war der Sieg nicht so deutlich, wie es das Ergebnis ausdrückt, denn Werder kam trotz spielerischer und bald auch numerischer Unterlegenheit zu sechs guten Torchancen, die mit etwas mehr Glück durchaus zu einem Punkt hätten reichen können. Alle spielentscheidenden Situationen verliefen jedoch zugunsten der Frankfurter.

Werder zeigte wie schon nach dem Rückstand gegen Gladbach, dass es gegen gut organisierte Gegner noch nicht reicht, um selbst das Spiel zu machen ohne dabei die Defensive zu entblößen. In der Offensive sind noch keine Automatismen zu erkennen, Torgefahr entsteht fast ausschließlich durch Einzelaktionen und Standards. Letztere waren gegen Frankfurt deutlich verbessert, was vielleicht die einzige positive Erkenntnis aus dem Spiel ist.

In Hamburg muss sich Werder auf die defensive Ausrichtung der ersten dreieinhalb Spieltage besinnen. Elf Gegentore in den letzten drei Spielen (inkl. Testspiel gegen St. Pauli) sprechen eine deutliche Sprache. Der HSV steht selbst mit dem Rücken zur Wand und wird vor eigenem Publikum mehr unter Zugzwang stehen, als Werder. Diesen Umstand sollte man ausnutzen und nicht – wie so oft in der Vergangenheit – dem Gegner mit einfachen Gegentoren beim Wiederaufbau helfen. Noch ist in dieser Bundesligasaison nichts wirklich schlimmes passiert, doch vielleicht war es genau dieses Bewusstsein, das nach den ersten vier Spieltagen dazu geführt hat, dass man gegen die Eintracht gewisse Dinge wieder schleifen ließ. Es sollte nun jedem Beteiligten klar sein, dass in dieser Phase der Saison jeder Punkt für Werder ein sehr hartes Stück Arbeit ist.

Eine Tracht Prügel in Frankfurt

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 4:1

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Spielen kommt Werder mit 1:4 unter die Räder. Die Niederlage ist ärgerlich und unnötig, weil Werder in einem schwachen Spiel lange Zeit die etwas bessere Mannschaft war.

Schwache erste Halbzeit, Werder näher an der Führung

Zlatko Junuzovic kehrte nach seiner Sperre zurück ins Team, aber ansonsten blieb alles beim alten bei Werders Aufstellung. Ignjovski musste trotz starken Spiels zurück auf die Bank, während Kapitän Fritz wieder als Hunt-Vertreter ran durfte. Das Spiel war von Anfang an geprägt von großer Vorsicht und eher risikoscheuen Angriffen. Beide Teams sind defensiv nicht sattelfest und wussten von der Offensivstärke des jeweils anderen, so dass sich niemand die Blöße geben wollte, dem Gegner Raum für Konter zu geben. Es entwickelte sich ein eher langsames Spiel mit vielen Fouls, die den zähen Spielfluss noch weiter zerstückelten.

Eintracht Frankfurt investierte als Heimmannschaft etwas mehr in das Spiel und versuchte eine Art kontrollierte Offensive, die jedoch nur selten gefährlich vors Bremer Tor kam. Werder beschränkte sich zunächst aufs Kontern und machte dabei viel richtig. Fritz agierte wie gegen Hoffenheim ein Stück defensiver als De Bruyne und ließ sich häufig neben Junuzovic fallen, was es Frankfurt erschwerte, durch die Mitte zu kombinieren. Auch Inuis Läufe vom linken Flügel ins Zentrum konnten so leichter unterbunden werden. Das schnelle Umschalten nach Ballgewinn funktionierte gut, der letzte Pass kam jedoch häufig nicht an. Dennoch war Werder der Führung etwas näher als die Eintracht und erspielte sich die besseren Chancen.

Zweite Halbzeit: Werder spielt Nikolaus

Das änderte sich nach der Pause, als Frankfurt das vielleicht simpelste Kopfballtor dieser Saison erzielte. Prödl verschätzte sich bei einer Flanke von Oczipka völlig und so konnte Meier zwischen den Bremer Innenverteidigern ohne jede Bedrängnis aus fünf Metern einköpfen. Werder konterte auf ähnliche Art und Weise, mit einem Kopfballtor von Petersen, der sich ebenfalls gegen zwei Verteidiger durchsetzte und die Flanke von Arnautovic verwertete. Hier kann man zur Entschuldigung der Abwehrspieler wenigstens noch sagen, dass sie sich in der Rückwärtsbewegung befanden und die Flanke nicht so leicht zu antizipieren war, wie die Flanke von Oczipka.

In der Folge blieb Werder die eigentlich gefährlichere Mannschaft, hatte aber in der Offensive zunehmend damit zu kämpfen, dass die Angriffe nicht optimal zu Ende gespielt wurden. De Bruyne und Arnautovic übersahen bspw. beide den jeweils besser postierten Mitspieler und schlossen selbst ab. In der Defensive stellte man sich abermals selbst ein Bein und ermöglichte Frankfurt so den letztlich entscheidende Doppelschlag. Schweglers Tor war ein Sonntagsschuss, den Mielitz spät sieht und der für ihn kaum erreichbar ist. Allerdings lässt Werder ihm beim Torschuss viel Platz, ob so ein Tor unter Druck möglich gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln. Das 1:3 war ein Bewerbungsvideo für Pleiten, Pech und Pannen. Junuzovic verliert den Ball im eigenen Spieldrittel im 1 gegen 1, Prödl geht eher alibimäßig in den Zweikampf an der Außenbahn und in der Mitte rutscht Schmitz weg, so dass Aigner locker einschieben kann.

Am Ende zu harmlos

Danach war das Spiel gelaufen. Werder war nicht in der Lage, das Offensivspiel so umzustellen, um gegen eine nun etwas defensivere Eintracht klare Torchancen herauszuspielen. Es fehlte eine klare Linie im Spiel, die Passstafetten vor dem gegnerischen Strafraum wirkten beliebig, so als wartete man darauf, das irgendjemand anders eine geniale Idee hat. Schaaf brachte seine üblichen Wechsel, packte am Ende mit Akpala für Fritz noch die Brechstange aus. Wie so oft in dieser Saison blieb dies jedoch wirkungslos.

Dennoch war es nicht so, dass Frankfurt keine Chancen mehr zugelassen hätte. Es war jedoch wenig Zwingendes dabei und auch Kevin Trapp schenkte im Gegensatz zu den Bremer Nikoläusen nichts her. Am Ende setzte die Eintracht dann noch einen Konter, den Inui abschloss, doch da war das Spiel schon längst entschieden. Das Ergebnis fiel sicher zu hoch aus, doch schon allein wegen den Fehlern beim 0:1 und beim 1:3 kann sich Werder nicht über die Niederlage beklagen. Frankfurt spielte in der zweiten Hälfte konzentrierter und nutzte die Bremer Fehler gut aus. Nach dem Doppelschlag zum 3:1 konnte man das Spiel gegen einen immer kopfloser wirkenden Gegner kontrollieren.

Wie schon in vielen Auswärtsspielen dieser Saison funktionierte Werders Taktik solange gut, wie der Gegner nicht führte und das Spiel machen musste. Es fehlt jedoch der Plan B, mit dem man nach Rückständen auch dann zurückkommen kann, wenn der Gegner das Spiel nicht mehr selbst macht. Leider schafft es Werder auch mit einer Kontertaktik und ansonsten eher defensiven Spielweise kaum einmal die Null zu halten. Somit geht das Jahr 2012 zu Ende, ohne dass Werder zwei Spiele am Stück gewonnen hat.

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen (live)

18. Spieltag: Und jährlich grüßt das Murmeltier

Frankfurt – Werder 1:0

Und jährlich grüßt das Murmeltier. Ein großes, schläfriges Murmeltier namens Werder Bremen. Zum dritten Mal in Folge vergeigt es den Rückrundenauftakt mit einer katastrophal schlechten Vorstellung gegen einen bestenfalls mittelmäßigen Gegner.

Gegen Frankfurt kann man mal verlieren. Man sollte nicht – gegen eine Mannschaft, in der Maik Franz spielt, sollte man nie verlieren – aber man kann. Aber doch bitte nicht zweimal in einer Saison! Zweimal auf diese Weise! Werder zeigte kaum Gegenwehr, kaum ein Aufbäumen, kaum Laufbereitschaft. Das Spiel war wahrlich nicht schnell und das lag in erster Linie daran, dass Werder es nicht schnell machte. Den Frankfurtern spielte das natürlich in die Hände, die konnten hinten relativ leicht die Räume eng machen und in der Mitte waren sie bis zu Pizarros Einwechslung keinerlei Gefahr ausgesetzt. Ein Sturmduo Marin/Rosenberg kann Erfolg haben, wenn man gegen einen offensiven Gegner spielt, aber nicht gegen einen Gegner, der bestens damit leben kann, Werder den Ball zu überlassen und dann mit Kontern den Garaus zu machen. Rosenberg spielt nun seit einem guten Jahr völlig unter Form und darf trotzdem von Anfang an ran? Der Handlungsbedarf im Angriff hätte nicht deutlicher gemacht werden können. Es hatte fast etwas anklagendes, so als wollte Thomas Schaaf sagen: Schau her, Klaus, das ist das beste, was ich aufbieten kann.

Ist gestern jemandem aufgefallen, wie sich Werders Spielweise geändert hat, als Pizarro ins Spiel kam? Auf einmal wagte man direkte und hohe Anspiele an den Strafraum, aus dem ersten wäre beinahe das 1:1 gefallen. Diese Abhängigkeit von einem einzigen Spieler ist gefährlich, Pizarro nicht mehr der jüngste. Verletzungspausen muss man also einkalkulieren und dann zeigt sich, dass Klasse wichtiger ist als Masse. Es bleibt zu hoffen, dass zumindest Moreno und Vranjes noch abgegeben werden können und das Geld in einen Mittelstürmer investiert wird. Die Verpflichtung Abdennours halte ich aus heutiger Sicht für richtig. Es bestand definitiv Bedarf auf der linken Seite und gute Ansätze waren trotz einer durchwachsenen Leistung erkennbar.

Es wäre jedoch falsch, die Bremer Niederlage nur an einem nicht vorhandenen Stürmer festzumachen. Die Leistung der Mannschaft war insgesamt völlig inakzeptabel. Allen voran wirkte Mesut Özil, als wäre er mit dem Kopf überall, nur nicht auf dem Platz. In dieser Form wäre er nicht mal für Arminia Bielefeld interessant. Solche Spieler sind besonders wertvoll für ein Team: Unter der Woche groß von den eigenen Ansprüchen auf die Champions League sprechen und dann so eine Leistung? Große Klasse, Mesut. Wenn es unter deinem Niveau ist, den Verein, der dich zum Nationalspieler gemacht hat, in die Champions League zu schießen, dann halt bitte einfach die Klappe und geh im Sommer wohin du auch immer möchtest!

Was bleibt zu hoffen? Bitte kein Wort mehr von Meisterschaft und Champions League! Eine Woche lang konzentrieren und dann mit vollem Einsatz gegen die Bayern. In der Hinrunde hat man nach der Niederlage gegen Frankfurt die Kurve gekriegt. In dieser Rückrunde mag ich daran nicht glauben, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

1. Spieltag: Alles blöd

Werder Bremen – Eintracht Frankfurt 2:3

Alles blöd! Werder blöd, Abwehr blöd, Frankfurt blöd, Bundesliga blöd, Fußball blöd, Schiri blöd, Stadionruine blöd, VIP-Loge blöd, alle Spieler bis auf Özil blöd, Wochenende blöd, Blogeintrag schreiben blöd.

Genau einen Spieltag lang hat es gedauert, mir die Freude über den Beginn der neuen Saison zu verderben. Die Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt riss in 90 Minuten alte Wunden wieder auf, von denen ich nicht mal mehr wusste, dass sie existierten. Diese Abwehrleistung, die meine wildesten Befürchtungen übertroffen hat, muss einem große Sorgen machen. Trotz Ausfall von Naldo und Boenisch darf sich eine Bundesligamannschaft defensiv einfach nicht so verhalten. Keine durchschnittliche Zweitligamannschaft lässt sich hinten mit so einfachen Mitteln aushebeln, wie Werder gestern Nachmittag.

Es verbietet sich fast schon, die restliche Leistung zu bewerten. Offensiv war das nämlich gar nicht mal so verkehrt, was Werder phasenweise auf den Rasen legte. Es fehlte noch etwas Genauigkeit und das Tempo darf gerne etwas höher gehalten werden, aber insgesamt war das für einen 1. Spieltag ganz ordentlich. Doch was nützt es, wenn man sich hinten so amateurhaft anstellt? Sebastian Prödl hat (hoffentlich!) das schlechteste Spiel seiner Fußballerkarriere gemacht. Petri Pasanen weigerte sich hartnäckig, die Mittellinie zu überschreiten und hatte auf seiner linken Seite trotzdem arge Probleme. Per Mertesacker ragte aus dem Abwehrtohuwabohu mit einigen tollen Rettungsaktionen noch als einziger hinaus.

Selbst wenn man alle widrigen Umstände, die starken Frankfurter Konter und die Zufallsfaktoren des Fußballs berücksichtigt, war das einfach eine ganz traurige Darbietung. Traurig vor allem, weil es keine naheliegende Erklärung dafür gibt. Warum schaffen es diese eigentlich doch ganz fähigen Spieler nicht, eine Abwehrformation einzuhalten, die bei eigenem Überzahlspiel (!!!) nicht durch einen hohen Diagonalpass aus den Angeln gehoben wird? Warum lässt sich keiner der offensiven Mittelfeldspieler zurückfallen, wenn Frings und Borowski gleichzeitig ihre Positionen verlassen? Diese Löcher vor der Viererkette sollten bei einem System mit Doppelsechs nicht vorkommen. Beim Verschieben darf eben nicht nur offensiv gedacht werden.

Es wäre wirklich schön, wenn sich der eine oder andere Werderspieler, nachdem er von der nächtlichen Sauftour zwischen Bolero und Modernes erwacht ist, mal Gedanken über die eigene Einstellung zu seinem Beruf machen würde. Es ist mir egal, was für ein unsympathischer Sauhaufen sich da abseits vom Spielfeld präsentiert, so lange sich auf dem Spielfeld jeder einzelne für 90 Minuten auf seine taktischen, läuferischen und spielerischen Aufgaben konzentriert.

Wenigstens über einen Spieler kann ich mich aber wirklich freuen: Mesut Özil. Das war eine richtig starke Leistung, die Lust auf mehr macht. Wenn mir der Rest diese Lust nicht schon verdorben hätte.

32. Spieltag: Wechselspiele

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 0:5

50 Minuten lang wirkte Eintracht Frankfurt wie eine Mannschaft, die gerne in der 1. Bundesliga bleiben würde. In einem Spiel, das für Werder nicht den allergrößten Stellenwert hatte, war die Eintracht die aktivere Mannschaft, drückte nach der Pause wehement auf den Führungstreffer. Dann war Özil plötzlich frei durch, Ochs foulte ihn, sah die rote Karte und Frings verwandelte den fälligen Elfmeter. Fortan war es ein völlig anderes Spiel. Werder entschied die Begegnung auf eine Weise, wie es eigentlich nur Werder kann. Der Gegner wurde innerhalb kürzester Zeit überrollt, wobei Frankfurt freundlicherweise kaum noch Gegenwehr leistete.

Am Ende steht der erst zweite Auswärtssieg dieser Bundesligasaison. Eigentlich erstaunlich, dass eine Mannschaft, die in München und in Wolfsburg 5:2 gewonnen hat, die AC Milan auswärts nach 0:2 Rückstand ausgeschaltet hat, die 5:1 gegen die gnadenlos effiziente Hertha gewann und die den HSV aus allen Wettbewerben warf, eine solch schlechte Auswärtsbilanz aufweist und nur auf Platz 10 der Tabelle steht. Allerdings kann man diesen Zusammenhang auch umdrehen – er wird dadurch nicht weniger merkwürdig.

Gegen Frankfurt konnte es sich Thomas Schaaf erlauben, trotz dünner Personaldecke einigen Spielern früh eine Verschnaufpause zu geben. So kam Niklas Andersen zu seinem ersten Bundesligaspiel und Juri Maximov Vranjes zur Kapitänsbinde. Wie schon in der letzten Saison kommt Werder zum Ende noch einmal mächtig ins Rollen. Hieße der Trainer Felix Magath, würde man dies sicher dem harten Konditionstraining zuschreiben. Bleibt zu hoffen, dass der Akku bei den Spielern noch ein paar Wochen hält. Das Ende ist in Sicht und weitere Ausfälle wären insbesondere im Hinblick auf das UEFA-Cup Finale bitter. Es freut mich, dass Spieler wie Boenisch oder Prödl, die bislang eher als Teil des Problems als der Lösung galten, nun ansprechende Leistungen zeigen. Über Özils Entwicklung braucht man sicher keine Worte mehr verlieren. Und Wiese muss sich nur vor sich selbst in Acht nehmen – remember Juve & Glasgow!

Seit gestern ist nun bekannt, was seit Wochen die Spatzen von den Dächern twittern pfeifen: Diego wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu Juventus Turin wechseln. Der Kicker hatte bereits am Dienstag Spielerberater Giacomo Petralito zitiert, der behauptete, es liege längst eine Einigung zwischen allen Beteiligten vor. Für Aufregung sorgte dann jedoch die Zeitung mit den großen Buchstaben, die kurze Zeit später exklusiv von einem bevorstehenden Wechsel des Brasilianers nach München berichtete. Selbst gestern, als die Kreiszeitung Diego mit den Worten "ich bin mit Juventus Turin klar" zitierte, konterte Bild-Schreiberling Christoph Sonnenberg mit einem erneuten Artikel, in dem Diegos Wechsel zu den Bayern als bereits feststehende Tatsache dargestellt wurde. Derselbe Christoph Sonnenberg übrigens, der bereits letzten Sommer mit Insiderwissen über Werders Transferaktivitäten glänzte.

Der Rest ist typisch Bild und typisch Internet/Blogosphäre: Der Artikel wird kommentarlos gelöscht und durch einen anderen ersetzt, der die Bayern, vor allem aber die Bild-Zeitung selbst als Opfer der skrupellosen Cunha-Familie darstellt. Zum Glück blieben diese Machenschaften nicht unbemerkt und wurden vom sportmedienblog und vom Worum-Blog dokumentiert. Falsch informiert zu sein ist eine Sache, diese kontroversen Informationen als handfeste Tatsachen zu verkaufen eine andere. Zumindest sollte man den Mut haben zu solchen Fehlern zu stehen. Doch dazu bräuchte es das, was Oliver Kahn schon vor Jahren sehr bildlich beschrieb und hieran fehlt es der Bild-Redaktion offensichtlich.

Letztlich war es allen Werderfans schon lange klar, dass Diego über die Saison hinaus kaum zu halten sein wird. Die Trauer über seinen Abgang hält sich daher in Grenzen. Ich bin allerdings sehr froh und erleichtert, dass er nicht bei den Bayern landen wird. Erstens würde es mir wehtun, diesen Spieler demnächst bei einem unserer größten Rivalen spielen zu sehen. Und zweitens hätte der Wechsel nach dem "Fall Klose" einen bitteren Beigeschmack. Auf einen weiteren Werderspieler, dem die Welt offen steht und der es dann nicht einmal über die Alpen schafft, kann ich gut verzichten. Also dann eben Turin. Dabei ist mir Juve beileibe nicht sympathischer als die Bayern, ganz im Gegenteil.

Dank Diegos schnellem Heilungsprozess könnte es am Samstag wenigstens noch ein "Abschiedsspiel" im Weserstadion geben. Etwas, das Johan Micoud (Poulsen sei Dank) verwehrt blieb. Doch der hatte seine großen Erfolge im Werdertrikot zu dem Zeitpunkt bereits hinter sich. Diegos folgen hoffentlich noch in den nächsten Wochen.

32. Spieltag: Live-Blog

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen