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Rückrundenzeugnisse 2013

Die Sommerpause ist – vor allem aus Bremer Sicht – nun schon ein paar Tage alt und es hat sich längst ein vorsichtiger Optimismus, vielleicht sogar eine Aufbruchstimmung, in jedem Fall aber eine gewisse Vorfreude auf die neue Saison breit gemacht. Bevor es hier jedoch um Dutt, Neueinkäufe und Ausblicke geht, soll die abgelaufene Saison noch entsprechend gewürdigt werden. Beginnen wir mit der Einzelkritik, wie schon in der Hinrunde ohne (ohnehin völlig sinnlose) Noten:

1 – Sebastian Mielitz

In der Rückrunde schwächer als in der Hinrunde. Hatte in Werders größter Schwächephase selbst eine Krise. Zum Ende der Saison wieder stabilisiert. Insgesamt war seine erste Saison als Stammtorwart schwächer als erwartet. In der nächsten Saison hoffe ich auf eine Steigerung, weil er in vielen Belangen eine Bereicherung für Werders Spiel ist. Hat durch seine Abwürfe sicher 8-10 Torchancen direkt eingeleitet.

4 – Mateo Pavlovic

Hat gute Anlagen und könnte sich nächste Saison zum Stammspieler entwickeln. In der Spieleröffnung klar Werders bester Innenverteidiger (was Affolter vor einem Jahr allerdings auch nicht geholfen hat). Hatte ein halbes Jahr Zeit, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen und das hat er auch gebraucht. Von ihm erwarte ich mir viel in der kommenden Saison.

5 – Assani Lukimya

In Erinnerung bleiben vor allem seine drei katastophalen Fehler in Folge. Hat sich dadurch leider schnell wieder aus der Mannschaft gespielt. Im Winter musste man sich noch fragen, warum er trotz Prödls Fehlerquote so wenige Einsätze bekommen hat. In der Rückrunde war er selbst ein Unsicherheitsfaktor. Dennoch glaube ich, dass er zumindest eine gute Nummer 3 in der Innenverteidigung ist.

6 – Kevin de Bruyne

Tolle Rückrunde. Hatte großen Anteil daran, dass Werder letztlich den Klassenerhalt geschafft hat. Sprühte nur so vor Spielfreude und riss das Spiel immer mehr an sich. Im Winter hatte ich noch ein paar Zweifel, aber jetzt halte ich ihn definitiv für bereit, den nächsten Schritt zu einem europäischen Top-Team zu machen. Wenn Chelsea ihn nicht will, wird sich jemand anders finden.

7 – Marko Arnautovic

Auf die starke Hinrunde folgte eine enttäuschende Rückrunde. War zu Jahresbeginn außer Form und verfiel dann wieder zu oft in seine alten Muster (erst übermotiviert, dann entnervt). Verhielt sich im Abstiegskampf unprofessionell, wurde zurecht suspendiert. Mal sehen, ob Werder ihm noch eine Chance gibt und wie er mit Dutt klar kommt. Ich tippe eher auf einen Wechsel. Schade um sein Talent wäre es allemal.

8 – Clemens Fritz

Brauchte lange, bis er in der Rückrunde seine Form fand. Gegen Saisonende gefiel er mir wieder ganz gut. Seine Formschwäche hatte sicher auch mit seinen Verletzungsproblemen zu tun. Ich habe meine Zweifel, ob er in der neuen Saison noch als Führungsspieler vorangehen kann. Andererseits hat er eigentlich die fußballerischen Fähigkeiten dazu. Wenn er fit bleibt, who knows?

10 – Mehmet Ekici

Auch in der Rückrunde ein Rätsel. Zunächst sah es so aus, als habe er endlich seine Rolle unter Schaaf gefunden. Landete dennoch schnell wieder auf der Bank und findet noch immer keine schnellen Lösungen in seinem Spiel. Deshalb passte Werders wohl bester Passer paradoxerweise nicht in Werders kurzpasslastiges Spiel. Ein weiterer Spieler, dessen Zukunft bei Werder unklar ist.

11 – Eljero Elia

In der Hinrunde mehr solider Arbeiter als Kämpfer, in der Rückrunde oft völlig verunsichert. Pendelte zwischen Bank und Startelf und hatte dabei nur wenige Lichtblicke. Ansonsten: Siehe Arnautovic.

13 – Lukas Schmitz

Spielte eine durchwachsene Rückrunde. Der Spielaufbau lief unverständlicherweise häufig über ihn, auch Mielitz’ Abwürfe landeten vorzugsweise bei ihm. Ansonsten bleibe ich bei meiner Einschätzung: Brauchbare Aktionen nach vorne, hinten teilweise mit Stellungsfehlern und durch seine Einfüßigkeit limitiert im Spielaufbau. Müsste irgendwann von einem der Talente aus den eigenen Reihen (Hartherz, Röcker) überholt werden.

14 – Aaron Hunt

Das Niveau aus der Hinrunde konnte er nicht ganz halten. Seine Rückrunde war aber dennoch sehr anständig. Hält den Ball teilweise zu lange, ist aber ansonsten in puncto Spielintelligenz gewachsen. Ein Abgang wäre sehr bitter für Werder, denn eigentlich käme ihm in der nächsten Saison ohne De Bruyne eine noch wichtigere Rolle im Mittelfeld zu.

15 – Sebastian Prödl

Insgesamt eine Saison zum Vergessen. Spielte sich immer wieder aus der Mannschaft, kam aber durch Lukimyas Platzverweise und Fehler und Pavlovics Eingewöhnungszeit immer wieder zurück ins Team. Wenn man Prödls Entwicklung in seinen fünf Jahren bei Werder anschaut, fällt es schwer, sich große Hoffnungen auf eine Verbesserung zu machen. Er sollte in Bremen zum Abwehrchef reifen, macht aber immer noch die gleichen Fehler, wie zu seiner Anfangszeit. Funktionierte zum Saisonende hin etwas besser, als zwei defensive Mittelfeldspieler vor ihm standen.

16 – Zlatko Junuzovic

War der große Leidtragende des Systems der Hinrunde. Werders Probleme im defensiven Mittelfeld wurden von vielen an ihm festgemacht, dabei hat er trotz ungewohnter Position durchgehend auf hohem Niveau gespielt. Als alleiniger Sechser war er dennoch überfordert (die Gründe dafür würden hier den Rahmen sprengen). In der Rückrunde auf offensiveren Positionen überzeugend. Seine Vielseitigkeit in der Offensive wird auch in der kommenden Saison gefragt sein.

17 – Aleksandar Ignjovski

In der Rückrunde kam er durch seine Vielseitigkeit wieder häufiger zum Einsatz und zeigte meistens brauchbare Leistungen. Ich habe bei ihm immer noch das Gefühl, dass er eigentlich noch eine Klasse besser spielen könnte, wenn er mehr Ruhe in seine Aktionen bekommt.

18 – Felix Kroos

Im Sommer zum Innenverteidiger umgeschult kam er über ein paar Nominierungen für den 18er-Kader nicht hinaus. In der zweiten Hälfte der Rückrunde spielte er plötzlich als Teil einer Doppelsechs sehr solide vor der Abwehr. Ich hatte ihn bei Werder schon abgeschrieben, aber jetzt hat er zurecht einen neuen Vertrag bekommen und wird hoffentlich zu einer echten Alternative im Mittelfeld.

19 – Joseph Akpala

Alle Hoffnungen auf Besserung wurden durch seine schwache Vorbereitung in der Winterpause zerstört. Verletzte sich dann und ist eigentlich kaum zu bewerten. Seine Stärken kamen bislang jedenfalls nicht groß zum Vorschein.

22 – Sokratis Papastathopoulos

Gute Rückrunde, gewohnt kämpferisch, aber auch an ihm ging die Rückrundenkrise nicht spurlos vorüber. Durfte neben seiner Stammposition auch als Rechtsverteidiger, Linksverteidiger und Sechser aushelfen, was das Team nicht unbedingt stabilisierte. Die Organisation einer Viererkette gehört nicht zu seinen Stärken. Rieb sich häufig in verbissenen Zweikämpfen auf und hatte mit den häufigen Fehlern seiner Nebenleute zu kämpfen. Dürfte in Dortmund den Sprung machen, den er diese Saison bei Werder nicht machen konnte.

23 – Theodor Gebre Selassie

Durfte in genau einem Saisonspiel den offensiven Außenverteidiger geben, der wohl am ehesten seinen Qualitäten entspricht – am 34. Spieltag, nach Schaafs Abgang. Ansonsten war er insgesamt solide, wenn auch defensiv noch der ein oder andere Wackler zu viel dabei ist.

24 – Nils Petersen

Von seinen Qualitäten blieb über weite Strecken der Rückrunde nur noch sein Spiel gegen den Ball übrig. Spielerisch ist und bleibt er limitiert, verarbeitet Zuspiele in die Spitze zu schlecht und ist erstaunlicherweise auch bei langen, hohen Bällen eher schwach. In der Hinrunde konnte er das durch seine Trefferquote kompensieren, in der Rückrunde nicht. Allerdings ist es nicht seine Schuld, dass Werder keine Alternative im Angriff hatte und vom Einsatz her kann man ihm keinen Vorwurf machen, ganz im Gegenteil. Neben dem Platz ein absoluter Sympathieträger. Seine feste Verpflichtung freut mich und ich hoffe, dass er in der nächsten Saison zurück zur Treffsicherheit findet und an seiner Ballverwertung arbeitet.

25 – Tom Trybull

Vor der Saison Hoffnungsträger, dann aufgrund von körperlichen Problemen kein Thema mehr für den Profikader. Mitte der Rückrunde kam er zurück ins Team und zeigte gleich wieder, dass er ein ganz wichtiger Spieler für Werder werden kann. Leider verletzte er sich dann direkt wieder. Insgesamt daher leider ein verschenktes Jahr.

27 – Johannes Wurtz

Kam nur zu einigen Kurzeinsätzen, zeigte da aber, dass er grundsätzlich in der Bundesliga mithalten kann. War aber viel zu inkonstant und konnte sich in der Regionalliga auch nur selten empfehlen. Von ihm hatte ich mir mehr erhofft.

32 – Özkan Yildirim

Einer der Lichtblicke der Rückrunde. Gerade erst von einer 18-monatigen Verletzung erholt, schaffte er direkt den Anschluss an den Profikader und kam immerhin auf acht Einsätze. Seine Vertragsverlängerung ist ein wichtiges Zeichen, dass man in Zukunft stärker auf den eigenen Nachwuchs setzen will und Yildirim ist einer der talentiertesten Offensivspieler, die Werder in den letzten Jahren hervorgebracht hat.

34 – Aleksandar Stevanovic

Zwei Kurzeinsätze in der Rückrunde, nachdem die Leihe nach Zwolle im Winter nicht geklappt hat. Ich verstehe noch immer nicht, was Werder mit ihm (und seinem Bruder) vorhat. Talent ist zweifellos vorhanden, aber er wirkt noch immer wie ein Schüler, der sich zu den Profis verlaufen hat. Körperlich scheint es einfach nicht zu reichen.

41 – Niclas Füllkrug

Die gesamte Rückrunde über verletzt. Hoffentlich bekommt er in der kommenden Saison endlich eine Chance in der Spitze. Halte ihn für talentierter und spielstärker als Petersen. Könnte in den nächsten 1-2 Jahren ein moderner Mittelstürmer auf hohem Bundesliganiveau werden.

44 – Philipp Bargfrede

Eine Saison voller Verletzungssorgen. Half nach seiner Rückkehr in der zweiten Hälfte der Rückrunde dabei, Stabilität vor die Abwehr zu bekommen. Ich hoffe er erholt sich nächste Saison von seiner Stagnation in den letzten 18 Monaten, denn eigentlich halte ich ihn noch immer für einen potentiell ziemlich guten Sechser.

Thomas Schaaf

Seine große Aufgabe in der Rückrunde hieß: Defensive Stabilisierung. Sie gelang erst zum Ende der Saison. Auf dem Weg dorthin gingen Werder viele der positiven Entwicklungen der Hinrunde verloren. Letztlich hat Schaaf vermutlich sogar mehr richtig gemacht, als in den beiden Jahren davor, doch immer wieder stellte sich Werder mit einfachen Fehlern selbst ein Bein. Unterm Strich musste Schaaf 2012/13 Werders zweitschlechteste Bundesligasaison, die schlechteste Rückrunde und die meisten Gegentore seit 1980 verantworten.

Thomas Eichin

Kam man bislang kaum beurteilen. Wirkt sehr souverän im Umgang mit den Medien, bei den anstehenden Vertragsverlängerungen und auch bei der Trainersuche. Sein Job beginnt aber erst.

Unbefriedigend – Die Abschlusszeugnisse

Bevor es im EM-Trubel dann völlig untergeht, veröffentliche ich noch schnell meine Bewertungen der Werderspieler für die abgelaufene Saison. Auch mit etwas zeitlichem Abstand ging es nicht, ohne dabei wieder den Frust der vergangenen Rückrunde zu spüren. Here we go:

Tim Wiese – 6/10

Es war nicht Tim Wieses beste Saison, um es vorsichtig auszudrücken. Sicher ist Wiese an guten Tagen einer der besten Keeper in der Liga. Seine Durchschnittsleistung bestätigt das jedoch nicht. Wo spektakuläre Paraden und atemberaubende Reflexe das Licht bedeuten, ist mit den bekannten Mängeln bei Strafraumbeherrschung und Spieleröffnung auch viel Schatten vorhanden, der in den letzten beiden Jahren immer offensichtlicher wurde. Gegen die neue Torhütergeneration sieht Wiese alt aus, muss praktisch immer überragend auf der Linie halten, um den Rest zu kompensieren. Konsequent, ihm keinen neuen, hoch dotierten Vertrag anzubieten. Der Wechsel nach Hoffenheim zeigt, dass Wieses Stellenwert keineswegs mehr so hoch ist, wie man ihn bei einem Nationaltorwart erwarten könnte.

Sebastian Mielitz – 7/10

Schwierig, ihn zu bewerten. Durfte Wiese in sieben Spielen vertreten und machte seine Sache gut. Herausragende Leistungen wie letzte Saison waren nicht dabei, doch er zeigt viele Anlagen, die eine Nummer Eins braucht. In der kommenden Saison wird man sehen, ob er seine Chance nutzen kann.

Per Mertesacker – nzb

Spielte zu Saisonbeginn vor seinem Wechsel zu Arsenal so stark, wie schon lange nicht mehr. Dank Sokratis und Naldo konnte sein Verlust aufgefangen werden.

Sebastian Prödl – 6/10

Vielleicht bewerte ich ihn angesichts seiner Verletzungen in dieser Saison zu hart. Bezeichnend fand ich in der Hinrunde, dass er sich gegen Wolf nicht durchsetzen konnte. Hatte einige richtig starke Spiele, zeigte aber auch seine gew0hnten Schwächen. Lässt sich noch immer zu leicht aus der Viererkette ziehen. Muss nach der Vertragsverlängerung nächste Saison endgültig aus dem Schatten der Konkurrenz treten und beweisen, dass er mehr ist, als ein talentierter Ergänzungsspieler.

Andreas Wolf – 6/10

Seine Verpflichtung war überraschend, aber zum damaligen Zeitpunkt verständlich. Zeigte trotz bekannter Defizite anständige Leistungen und erfüllte seine Rolle als Notnagel. Sein Abgang kam noch überraschender und war ebenfalls verständlich, auch wenn die Verletzungen von Naldo und Prödl fast einen Strich durch Allofs Rechnung gemacht hätten.

Naldo – 8/10

Seine Rückkehr war ungemein wichtig für Werder. Gerade als sich Mertesackers Fehlen in der Spieleröffnung richtig anfing bemerkbar zu machen, brachte Naldo mit seiner individuellen Klasse Belebung in Werders Spiel. Nach einer bärenstarken Hinrunde verletzte er sich leider wieder. Zusammen mit den öffentlichen Abwanderungsgedanken und der unklaren Kommunikation der Schwere seiner Verletzung ergab sich ein sehr fader Beigeschmack. Seine Leistungen nach der Verletzung waren jedoch wieder über jeden Zweifel erhaben – abgesehen von den Experimenten auf der Sechserposition.

Sokratis – 9/10

Spieler der Saison, daran kann es keine Zweifel geben. Kam, sah und verbreitete Angst und Schrecken unter den Stürmern der Liga. Beeindruckend, wie er sich ohne jegliche öffentliche Klage in der Hinrunde auf der für ihn ungewohnten Rechtsverteidigerposition zurecht fand. Als Innenverteidiger in der Rückrunde fast in jedem Spiel der auffälligste Akteur. Muss noch ein bisschen an der richtigen Mischung zwischen Härte und Cleverness arbeiten. Hat außerdem nicht die beste Spieleröffnung. Ansonsten aber eine große Verstärkung. Spielte leider nur selten mit Naldo zusammen in der Innenverteidigung.

Francois Affolter – 6/10

Als Leihspieler gekommen und gezeigt, dass er großes Potenzial besitzt. Seine Übersicht ist eine Augenweide. Um seine großen Stärken in der Spieleröffnung richtig zur Geltung zu bringen, muss er jedoch beständiger werden und ganz dringend an seinem Positionsspiel und der Zweikampfstärke (Luft und Boden) arbeiten. Wirkte in einigen Situationen noch etwas zu “leicht” für die Bundesliga. Wenn er sich in der nächsten Halbserie steigert, sollte Werder die Kaufoption ziehen.

Mikael Silvestre – nzb

Nur ein Einsatz in einer Saison, die durch seine Verletzung für ihn nie richtig begann. Saß in der Rückrunde immer wieder auf der Bank und es wurde schnell klar, dass seine Zeit vorüber ist. Ansonsten ein vorbildlicher Profi und ich bin trotz anfänglich großer Skepsis froh, dass er bei Werder gespielt hat.

Lukas Schmitz – 6/10

Im ersten Viertel der Saison wirkte er wie die langersehnte langfristige Lösung für die Problemzone Linksverteidiger und war mit seinen starken Flanken sogar torgefährlich. Danach wurden bei ihm die Defizite offensichtlich, die ihm schon bei Schalke nachgesagt wurden. Scheint nicht immer genau zu wissen, wo er stehen muss, vor allem wenn der Ball auf der anderen Angriffsseite des Gegners ist. Durch seine ausgeprägte Einfüßigkeit zudem offensiv leicht auszurechnen. Dennoch allemal ein guter Backup für den jungen Hartherz.

Florian Hartherz – 7/10

Spielt mit sehr viel Herz und manchmal etwas zuviel Drive nach vorne. Erinnert darin ein wenig an den jungen Boenisch. Ist jedoch technisch beschlagener und hat ein gutes Passspiel. Man hat ihm vielleicht etwas viel zugemutet, das Spiel quasi exklusiv über seine Seite aufzubauen, wenn er gespielt hat. Wenn er defensiv noch etwas hinzulernt, sollte er sich in der kommenden Saison gegen Schmitz durchsetzen.

Sebastian Boenisch – nzb

Nach den schier endlosen, ernährungsbedingten Verletzungsquerelen ist man schon froh, dass er noch mal in der Bundesliga auflaufen konnte. Machte seine Sache nach dem Comeback ganz ordentlich. Eigentlich noch in einem Alter, in dem man ihm eine Chance als Rechtsverteidiger (zumindest als Backup) geben sollte. Allerdings sehr verletzungsanfällig und offenbar mit anderen finanziellen Vorstellungen als Werder. Von daher ist die Trennung konsequent.

Clemens Fritz – 7/10

Wird von vielen sehr kritisch gesehen und man hat ihm in der Rückrunde angemerkt, dass er als Rechtsverteidiger nicht mehr auf wirklich hohem Niveau spielt. Im Mittelfeld in der Hinrunde hat er mir dagegen wirklich gut gefallen, daher die relativ gute Note. Die Vertragsverlängerung kann eigentlich nur bedeuten, dass man ihn zukünftig wieder im Mittelfeld einsetzen will. Als Kapitän im Umbruch wichtig, aber Werder muss aufpassen, dass man sich nicht wieder in eine Situation manövriert, in der ein schwächelnder Führungsspieler trotz besserer Alternativen gesetzt bleibt.

Aleksandar Ignjovski – 6/10

Als Publikumsliebling verpflichtet, nach den ersten Spielen mit großem Lob überschüttet. Danach kam aber viel Mittelmaß, trotz einer kämpferischen Einstellung. Man muss ihm seine Jugend und Vielseitigkeit zugute halten. So richtig kann ich ihn mir jedoch auf keiner Position als unumstrittenen Stammspieler vorstellen. Vielleicht wird er nächste Saison eine wertvolle Nummer 12.

Philipp Bargfrede – 7/10

Steht eigentlich immer in der Kritik und viel mehr als eine durchwachsene Saison kann ich ihm auch nicht attestieren. Allerdings sehe ich in ihm immer noch mehr, als die meisten anderen Fans. Bargfrede ist ein enorm vielseitiger Spieler, der sich selbst das Leben etwas zu schwer macht. Ist lauf- und zweikampfstark und eigentlich auch passsicher, hat aber trotz guter Passquote den Ruf, zu viele Fehlpässe zu spielen. Muss häufiger den einfachen Weg suchen. Für einen Rautensechser fehlt ihm strategisches Geschick. Für mich mehr Opfer als Grund der Probleme in Werders defensivem Mittelfeld, die ich in der taktischen Ausrichtung der Mannschaft sehe.

Tom Trybull – 7/10

Spielte eine starke Rückrunde, nachdem er in der Hinrunde noch keine Rolle im Profikader spielte. Im Rückblick die nach Sokratis zweitbeste Verpflichtung des Sommers. Hat riesiges Potenzial, aber ein bisschen muss man sich auch um ihn Sorgen machen, dass er von Werders System verschlungen wird (man erinnere sich an den Stellenwert von Bargfrede vor zwei Jahren). Im zweiten Jahr werden ihm Fehler nicht mehr so schnell verziehen und er spielt bei allen tollen Fähigkeiten, die er jetzt schon hat (Technik, Übersicht, Ballverarbeitung) nicht fehlerfrei auf der Position, die in Werders System durch die großen Abstände zur Viererkette die wenigsten Fehler verzeiht.

Aleksandar Stevanovic – nzb

Seuchensaison für den Neuzugang vom FC Schalke. Verletzte sich nach seinem ersten Bundesligaeinsatz schwer und konnte erst zum Saisonende wieder ins Geschehen eingreifen. Überraschte als Rechtsverteidiger gegen die Bayern, wo er eine vielversprechende Leistung zeigte. Ich bin gespannt, was Werder mit ihm vor hat.

Aaron Hunt – 8/10

Vor einem Jahr völlig von der Rolle und unten durch bei den Fans. Zeigte von Saisonbeginn an, dass er sich beweisen will. Spielte eine starke Hinrunde, die nur von der roten Karte im Spiel gegen die Bayern getrübt wurde. Danach verletzte er sich und Werder konnte seinen Ausfall bis zum Saisonende nicht kompensieren. Ist noch immer nicht unumstritten. Wird die Leistung in der kommenden Saison bestätigen und noch mehr Verantwortung übernehmen müssen, um den Ruf des ewigen Talents loszuwerden.

Marko Marin – 6/10

Starker Saisonbeginn, doch dann tauchte Marin im Laufe der Hinrunde völlig ab. Seine Leistungsschwankungen hatten wohl auch viel mit fehlender körperlicher Fitness zu tun. Ich traue ihm nächste Saison bei Chelsea dennoch viel zu, wenn er in Form gebracht und seinen Stärken entsprechend eingesetzt wird. Als 10er nicht untauglich, aber einiger seiner Stärken beraubt. Seine Unberechenbarkeit war leider mehr Problem für Werder als für den Gegner.

Mehmet Ekici – 5/10

Enttäuschende Saison des Neuzugangs vom FC Bayern. Konnte seine in Nürnberg gezeigten Stärken nur äußerst selten einbringen. Seine Passsicherheit und Übersicht sind beeindruckend. Seine Unfähigkeit, sich ein schnelleres Spiel anzugewöhnen leider auch. So ist er als 10er nicht zu gebrauchen. Müsste weiter hinten spielen, wo er mehr Zeit am Ball bekommt, was sich aber nicht gut mit Werders System verträgt. Entweder hat sich Werder bei ihm gründlich “ver-scoutet” oder man hat (wieder mal) die eigenen Fähigkeiten überschätzt, einen Spieler ins 10er-Korsett der Raute zu zwingen. Als Teil einer Doppelsechs könnte er nächste Saison aufblühen, wenn er fit ist. Seine körperlichen Probleme werden ihren Teil zu seiner schwachen Saison beigetragen haben.

Zlatko Junuzovic – 6/10

Seine Leistung wird überwiegend positiv bewertet. Hatte nicht viel Eingewöhnungszeit und sollte in einem neu zusammengesetzten Mittefeld Aaron Hunt ersetzen. Letzteres ist ihm unterm Strich nicht gelungen. Vielleicht ist meine Bewertung etwas zu hart, aber man darf auch nicht vergessen, dass Junuzovic nur ein Jahr jünger ist als Hunt, also nicht mehr so richtig zu den jungen Wilden zu zählen ist. Zeigt großen Willen und Einsatz, in dieser Hinsicht ist ihm nichts vorzuwerfen. Ist defensiv auf der Halbposition der Raute jedoch zu unbedarft und muss auch in puncto Torgefahr bzw. finaler Pass noch zulegen.

Florian Trinks – 5/10

Nach der Rückrunde der letzten Saison hätte ich Trinks eine wichtige Rolle in Werders Mittelfeld zugetraut, zumindest als Einwechselspieler. Dass er aber trotz Werders anhaltender Probleme auf der 10er-Position kaum Einsätze bekam, ist ein sehr schlechtes Zeichen. Entweder wird er von Schaaf massiv unterschätzt oder er stagniert massiv in seiner Entwicklung. So oder so kein gutes Zeichen und man muss sich Gedanken machen, ob man ihn nicht besser abgibt oder zumindest verleiht.

Felix Kroos – nzb

Ist und bleibt nur Notnagel für den Profikader. Keine Fortschritte, keine Entwicklung zu erkennen. Gibt man ihm noch ein Jahr in der U23 ?

Tim Borowski – nzb

Leider die gesamte Saison verletzt. Schön, dass er sein Abschiedsspiel bekam. Ein weiterer Spieler, der Werder in den letzten Jahren aus Verletzungsgründen kaum helfen konnten, obwohl er dazu in der Lage gewesen wäre. Danke, Tim!

Claudio Pizarro – 8/10

In der Rückrunde immer stärker in der Kritik, weil er die überragende Form der Hinrunde nicht halten konnte. Ich glaube nicht, dass das Pokerspiel um einen neuen Vertrag eine große Rolle spielte. Wirkte körperlich seit Rückrundenbeginn nicht voll auf der Höhe. Man hat sich offenbar daran gewöhnt, dass Pizarro sowohl das offensive Mittelfeld antreibt, als auch vorne die Tore macht. Dieser Rolle konnte er in der Rückrunde nicht mehr gerecht werden. Ihn deshalb in Zweifel zu ziehen wäre aber falsch. 18 Tore und zehn Vorlagen sprechen für sich (28 Scorerpunkte sind Pizarros Bestwert in der Bundesliga). Bin gespannt, wie viele Einsätze er nächste Saison bei den Bayern bekommt.

Markus Rosenberg – 7/10

10 Tore und 5 Vorlagen, aber Werder verlängert nicht mit dem Schweden. Aus finanzieller Sicht nachvollziehbar, leistungsmäßig eher nicht. Rosenberg hat Werders System absolut verinnerlicht (Laufwege, Positionierung) und musste sich auch deshalb keine Sorgen um einen Stammplatz machen. Vielleicht ist sein Abgang ein Zeichen, dass man nächste Saison von der Raute weg will? Gewisse Schwächen bei der Ballverarbeitung hatte er schon immer, aber mit besseren Zuspielen aus dem Mittelfeld hätte er auch 5-8 Tore mehr machen können in dieser Saison.

Marko Arnautovic – 6/10

Keine Skandale mehr, ruhigere Töne und ein kämpferisches Auftreten. Arnautovic hat Wort gehalten, aber seine Leistungen sind noch immer zu unbeständig und unterm Strich nicht mehr als solider Bundesligadurchschnitt. Er wurde als Riesentalent mit Einstellungsproblemen verpflichtet. Die Einstellungsprobleme scheinen behoben, aber sein Talent schöpft er dennoch nicht ansatzweise aus. Scheint unter seinem eigenen hohen Erwartungsdruck zu leiden. Braucht nächste Saison nun aber umso mehr einen Leistungsschub, um nicht doch als Fehleinkauf abgestempelt zu werden.

Niklas Füllkrug – 6/10

Hat eine gute Entwicklung genommen, die mehr verdient, als nur sechs Punkte. Wenn man seine Leistung aber an Bundesligamaßstäben misst, muss man ein wenig auf die Euphoriebremse treten. Füllkrug zeigt gute Anlagen und ist in der Lage, in der Bundesliga mitzuhalten. Er macht jedoch auch noch vieles falsch und genießt (zurecht) ein bisschen Welpenschutz.

Lennart Thy – 4/10

Starke Vorbereitung und zu Saisonbeginn zurecht in der Startelf, doch nach seinem unfassbaren Fehlschuss gegen Leverkusen war der Wurm drin. Er bekam keine weiteren Chancen bei den Profis und ließ in der U23 die Leistungsbereitschaft vermissen, die man von einem Spieler erwarten würde, der auf dem Sprung zum Bundesligaprofi steht. Die Trennung zum Saisonende ist konsequent, wenn auch aufgrund Thys Anlagen mehr als schade.

Ohne Einsatz: Denni Avdic, Predrag Stevanovic, Özkan Yildirim, Leon Balogun, Clemens Schoppenhauer, Onur Ayik, Christian Vander

Denni Avdic ist der prominenteste Name auf dieser Liste. Lange verletzt und auch danach fand er nicht den Anschluss an den Kader. Für einen Bankfüller ist er zu teuer. Gibt man ihm noch eine Chance in der nächsten Saison? Stevanovic, Ayik und Yildirim waren verletzungsbedingt außen vor (ebenso wie Nachwuchshoffnung Aycicek). Vander darf als Nummer 3 bleiben. Balogun ist kein Spieler für Werders Profikader und nächste Saison zu alt für die U23, deshalb lässt man ihn gehen.

Thomas Schaaf – 5/10

Diese Bewertung tut mir weh. Zu Saisonbeginn konnte ich viele Entscheidungen nachvollziehen. Der Mannschaft nach dem Chaosjahr wieder ein festes taktisches Gerüst zu geben war richtig. Die Raute funktionierte in der Hinrunde gut, auch wenn gegen Ende immer mehr Schwächen erkennbar wurden und die Leistung von Einzelspielern (Naldo, Hunt, Pizarro) dies nur teilweise überdecken konnte. Im Winter fand ich es angesichts der deftigen Klatschen gegen Gladbach, Schalke und Bayern wiederum nachvollziehbar, künftig vorsichtiger und abwartender zu agieren. Was man Schaaf aber ankreiden muss: Er hat es in der Rückrunde nicht geschafft, eine Antwort auf Werder nachlassende Leistungen zu finden. Die Defensivtaktik wurde durch Schwächen bei gegnerischen und eigenen Standards torpediert. (Wie oft hat Werder unter Schaaf Gegentore nach eigenen Ecken und Freistößen kassiert?) Offensiv verlor man hingegen jegliche Gefährlichkeit. Die Spielweise wurde nicht geändert, nur dass die Strecke für die Kurzpassstaffetten bis zum gegnerischen Tor durch die tieferstehende Mannschaft noch erhöht wurde. Werder hält an Schaaf fest, deshalb werde ich an dieser Stelle nicht den Kopf des Trainers fordern. Im Sommer ist Schaaf allerdings in der Bringschuld. Noch ein Krisenjahr wäre endgültig eines zu viel, selbst für Werder Bremen.

Klaus Allofs – 7/10

Allofs hat seine Sache alles in allem gut gemacht. Die Transfers waren nicht so schlecht, wie man sie nun vielfach macht. Sokratis war ein Top-Transfer. Hartherz und vor allem Trybull waren ebenfalls sehr gute Verpflichtungen. Wolf war durch die Transfermodalitäten quasi ein Nullsummenspiel. Der einzige Fehleinkauf war (Stand heute) Mehmet Ekici. Ich hätte mir von Allofs weniger Sprüche gewünscht. Mit einige Aussagen lag er nicht wirklich glücklich. Hoffentlich hat er dazugelernt und kommuniziert nächste Saison vorsichtiger. Ist beim Umbruch der Mannschaft diesen Sommer gefordert, zumal der Geduldsfaden vieler Fans angesichts der vielen Ab- und bislang wenigen Zugängen relativ kurz ist.