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24. Spieltag: Pragmatismus

Mainz 05 – Werder Bremen 1:2

Viel Aufregung über ein wenig aufregendes Spiel. Die Mainzer sprachen nach dem Spiel vor allem über Schiedsrichter Rafati und dessen rote Karte gegen Heller. Man kann sicherlich darüber streiten, ob die Aktion gegen Aaron Hunt zwingend eine Tätlichkeit ist, dumm war sie in jedem Fall. Mit Anlauf auf einen am Boden liegenden Spieler zuzulaufen und eine Ausholbewegung mit dem Fuß zu machen, gibt dem Schiedsrichter kaum eine andere Wahl, auch wenn Heller den Tritt nicht richtig durchführt und Hunt nur leicht touchiert. Ganz unschuldig war Rafati an der Szene jedoch nicht, da er zuvor einem Mainzer für ein ziemlich hartes Foul an Hunt keine gelbe Karte gegeben hatte und dieser nun durch ein eigenes Foul um Revanche bemüht war. Ich halte nicht viel davon, die ersten paar gelbwürdigen Fouls in einem Spiel nicht zu bestrafen, nur um eine drohende Kartenflut zu vermeiden. Die Intention dahinter mag richtig sein, doch letztlich sollte es vom Verhalten der Spieler abhängen, wie oft ein Schiri zur Karte greifen muss. Leider sehen viele Schiedsrichter das anders.

Wie dem auch sei, die frühe rote Karte hatte zweifellos Einfluss auf das Spiel der Mainzer, die einen richtig guten Start erwischt hatten. Werder mit Problemen, auch in Überzahl, sich gegen die früh angreifenden Mainzer zu behaupten. Erst die Auswechslung des wieder übermotiviert wirkenden und an der Schwelle zum Platzverweis stehenden Abdennour brachte etwas Ruhe in das Bremer Spiel. Borowskis Freistoßtor tat dann das übrige. Werder schien über 90 Minuten in erster Linie um Spielkontrolle bemüht zu sein und nicht so sehr um Kreativität. Dazu trug auch die Aufstellung bei. Schaaf musste den gesperrten Frings ersetzen und brachte neben Niemeyer den wiedergenesenen Phillip Bargfrede von Anfang an. In der Offensive hatte ich mich noch gefragt, ob Marin oder Almeida neben Pizarro auflaufen würde. Stattdessen blieben beide auf der Bank und Tim Borowski rotierte in die Startaufstellung. Die Mainzer Heimbilanz und die kurze Erholungspause nach dem Spiel gegen Enschede zwangen den Idealisten Schaaf zu Pragmatismus. In der jetztigen Phase zählen nur noch Punkte.

Von diesem Standpunkt kann man sagen: Alles richtig gemacht! Werder brachte Mainz mit einem hanebüchenen Patzer von Vander zwar zwischenzeitlich zurück ins Spiel, ging durch einen Sonntagsschuss von Sebastian Prödl aber schon kurz nach Wiederanpfiff erneut in Führung. Aus einer halben Torchance zwei Tore gemacht, wie es Tuchel nach Abpfiff schön zusammenfasste. Mehr Chancen konnte sich allerdings auch Tuchels Team nicht herausspielen, was einerseits an der für Werder nicht selbstverständlichen Disziplin der Mannschaft lag, andererseits wohl auch an den ausgehenden Kräften der in Unterzahl kämpfenden Mainzer. Für Werder ist es daher ein Arbeitssieg, für die Mainzer eine ziemlich unglückliche erste Heimniederlage der Saison.

Das Spiel dürfte für “neutrale” Beobachter ziemlich langweilig gewesen sein. Als Werderfan möchte ich nicht viel meckern, wenn man solche Spiele gewinnt, erst recht weniger als 48 Stunden nach einem Galaauftritt in der Europa League. Vor wenigen Wochen wollte ich schon nicht mehr daran glauben, dass Werder überhaupt noch eine Chance auf Platz 5 hat und nun ist man den Dortmundern und Hamburgern schon wieder ziemlich dicht auf die Pelle gerückt. So macht die Bundesliga langsam wieder Spaß!

Was mich am Wochenende sehr mitgenommen hat, war die schlimme Verletzung des Arsenalprofis Aaron Ramsey, der sich nach einem Foul einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch zuzog. Mitgenommen hat es mich nicht nur, weil es einen der talentiertesten britischen Jungprofis erwischt hat, sondern weil ich nicht mehr glaube, dass es sich dabei um einen Zufall handelt. Es ist die dritte schwere Verletzung eines Arsenalspielers durch ein brutales Foul seit 2006. Sicherlich kann so etwas im Fußball passieren und Absicht unterstelle ich besonders Shawcross bei dessen (mit rot bestraftem) Foul an Ramsey nicht. Die Spielweise, die viele schwächere Mannschaften gegen Arsenal wählen, ist jedoch darauf ausgelegt, den Gunners mal so richtig einen draufzuhauen. Es gilt als legitime Strategie, eine technische und taktische Unterlegenheit durch übertriebene Härte wettzumachen, weil (Überraschung!) Arsenal das nicht mag. Mal ganz davon abgesehen, dass ich keine Mannschaft kenne, die es mag, wenn der Gegner überhart spielt, finde ich es erstaunlich, dass auch die englischen Medien immer wieder in diese Kerbe stoßen, als sei Unfairness im Fußball erwünscht. Ich habe natürlich nichts gegen Härte im Fußball, sie macht einen Teil dieses Sports aus. Wenn eine Mannschaft jedoch nur darauf bedacht ist, den Gegner durch unfaire und gefährliche Aktionen zu stoppen, sollte man es als das bezeichnen, was es ist: unsportlich!

Das Leben der Anderen (4): CL Viertelfinale

Bayern München – FC Barcelona 1:1 / 0:4

Wie Barca im Hinspiel gegen chancenlose Bayern aufspielte, war nicht nur demütigend für den deutschen Rekordmeister, sondern auch eine Offenbarung für jeden Fußballfan. Kann Fußball wirklich so schön und erfolgreich sein? So ganz traue ich dem Braten noch nicht, wenngleich Barcelona in dieser Saison einfach phänomenal gut spielt. Bevor sie jedoch gegen eine der englischen Top 4 gespielt haben, lässt sich ihre Leistung nicht endgültig einordnen. Doch egal, wie der Rest der Saison verläuft, über Spieler wie Xavi, Iniesta und Messi wird man in 50 Jahren Gedichte schreiben.

FC Chelsea – FC Liverpool 4:4 / 3:1

7:5 nach zwei Spielen. Ich bin bestimmt nicht der Einzige, der sich darüber freut, dass Spiele zwischen den beiden Teams nicht mehr durch das erste Tor entschieden werden. Was war das für eine Schlacht am Dienstagabend in London? Nach Chelseas 3:1 Auswärtssieg konnte man nicht mehr unbedingt damit rechnen, ein spannendes Fußballspiel zu Gesicht zu bekommen. Und dann das. Chelsea mit einer ersten Halbzeit wie eine verunsicherte Schülermannschaft. Torwartfehler auf beiden Seiten. Plötzlich dreht Chelsea die Partie und Liverpool zeigt, warum man in den letzten Jahren die erfolgreichste Mannschaft in der Champions League war. Mit so viel Herz spielt kein anderes Team. Beim Stand von 2:2 habe ich aus Scherz zu einem Freund gesagt: Chelsea macht das 3:2 und am Ende gewinnt Liverpool 5:3. Keine 10 Minuten später stand es 3:4. Lampards Tor brachte dann die Entscheidung. Die Blues schmeißen zum zweiten Mal in Folge die Reds aus der Champions League und zeigen sich zum Ende der Saison wieder in ganz starker Form.

FC Arsenal – FC Villareal 3:0 / 1:1

Von den englischen Mannschafte in der Champions League machte Arsenal in dieser Saison den verletzlichsten Eindruck. Dabei ist man nun seit fast einem halben Jahr ungeschlagen. Sehr erfreulich, wie junge Leute wie Gibbs, Walcott und Fabianski gestern Abend aufspielten. Fabregas nähert sich seiner Bestform und auch ohne Gallas, Clichy, Sagna und Almunia steht die Null hinten. Von den verbleibenden Mannschaften ist Arsenal sicher Außenseiter, doch das scheint ihnen in der Champions League besser zu liegen als zu hohe Erwartungen (siehe 2006). Wenn diese lange enttäuschende Saison für Arsenal ein Happy End finden sollte, bauen sie Wenger endgültig ein Denkmal in Nord-London. Villareal musste indes feststellen, dass man ohne Senna nur die Hälfte wert ist.

FC Porto – Manchester United 0:1 / 2:2

Vor einigen Wochen galt Manchester noch als die derzeit wohl stärkste Mannschaft Europas. Der Titelverteidiger drehte in der Liga einsam seine Runden und ist auch in der Champions League seit knapp 2 Jahren ohne Niederlage. Dann folgte eine Schwächephase, die in einer 1:4 Heimklatsche gegen Liverpool kulminierte. Zuletzt fand man in die Erfolgsspur zurück, doch die Souveränität, die die Mannschaft ausstrahlte, ist verloren gegangen. Das 2:2 aus dem Hinspiel war eine schwere Bürde für United und Porto erwies sich als starker Gegner. Am Ende setzten sich individuelle Klasse und Erfahrung durch. Cristiano Ronaldos Tor aus 35 Metern war ein Hingucker. Ein Schuss wie von einem Präzisionsgewehr. Ob es zur Titelverteidigung reicht? Ich glaube eher nicht.

Vorschau auf den UEFA-Cup

Heute dürfen die letzten im Europapokal vertretenen deutschen Mannschaften ran. Sowohl Werder Bremen als auch der HSV müssen auswärts ein 3:1 verteidigen. Bei Werder fällt möglicherweise Diego aus, was die Chancen auf ein Weiterkommen senken würde. Das Gegentor aus dem Hinspiel war sehr ärgerlich. Dennoch sollte man in der Lage sein, auch in Udine zu bestehen. Der zweite Halbfinaleinzug innerhalb von 3 Jahren wäre einer der größten internationalen Erfolge der Vereinsgeschichte, auch wenn es sich noch nicht so anfühlt. Die Hamburger bekommen es in Manchester mit einer harten Nuss zu tun. Zuhause ist ManCity ein ganz anderer Gegner als auswärts. Der HSV wird eine ähnlich gute Leistung wie im Hinspiel benötigen, um sich dort durchzusetzen. 

In den letzten Jahren stand immer eine deutsche Mannschaft im UEFA-Cup Halbfinale (Schalke 2006, Werder 2007, Bayern 2008), um dann sang- und klanglos auszuscheiden. Sollten Werder und Hamburg weiterkommen, wäre auf jeden Fall eine deutsche Mannschaft im Finale. Zum ersten Mal seit 2002. Allein das müsste schon als Erfolg verbucht werden, wie ich überhaupt finde, dass sich der deutsche Fußball wieder im Aufwärtstrend befindet. Nicht im absoluten Spitzenniveau, doch in der Breite scheint es mehr international wettbewerbsfähige Teams zu geben.