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Kleines Loblied auf die Europa League

Es wäre angesichts des Urteils gegen Uli Hoeneß fast etwas untergegangen, aber gestern wurde auch Fußball gespielt. In der viel gescholtenen Europa League und ohne Beteiligung deutscher Vereine wurden die Hinspiele im Achtelfinale ausgetragen.

Ich persönlich mag die Europa League. Vor allem in Zeiten, in denen die Champions League bis zum Viertelfinale sehr vorhersehbar ist und nur wenige Überraschungen bereit hält, ist die Europa League eine willkommene Abwechslung. Sie hat sich trotz Umbenennung und kontraproduktiver Gruppenphase ein Stück des alten Europacup-Charmes behalten. In der Europa League werden nicht die großen Schlagzeilen des europäischen Fußballs geschrieben und der Wettbewerb leidet unter seiner Funktion als Sammelbecken der Champions League Verlierer ebenso wie unter seinem vergleichsweise geringen Stellenwert. So kommt es vor, dass Vereine mit Champions League Ambitionen ihrer Spiele in der K.O.-Runde abschenken, um in der Schlussphase der Saison mehr Kraft für die Liga zu haben. Über das Niveau einzelner Spiele lässt sich daher trefflich streiten, doch einem gewöhnlichen Bundesligaspieltag steht so ein Achtelfinal-Spieltag der Europa League in nichts nach.

Ich kann einem taktisch hochwertigen 0:0 zwischen dem FC Basel und RB Salzburg genauso etwas abgewinnen, wie einem Stadtderby zwischen FC Sevilla und Real Betis oder der erneuten Lehrstunde für den englischen Fußball beim Tottenhams Heimniederlage gegen Benfica. Gut, bei Letzterem mag auch meine Antipathie gegen die Nord-Londoner eine Rolle gespielt haben. Mein Geheimfavorit Ludogorets Razgrad steht nach einer 0:3 Heimniederlage gegen Valencia hingegen leider vor dem Aus. Da spielt die No-Name-Truppe aus Bulgarien so eine tolle Saison, setzt sich gegen Teams wie PSV Eindhoven, Dinamo Zagreb und Lazio Rom durch und erwischt dann einen rabenschwarzen Tag, an dem man trotz langer Überzahl den frühen Rückstand nicht aufholen kann, einen Elfmeter verschießt und dann ins offene Messer läuft (well, sort of…). Aber so etwas kenne ich ja von anderen von mir favorisierten Mannschaften.

Persönliches Highlight war das Spiel zwischen Juventus und Fiorentina. Es ist zwar ein Klischee, aber Spiele zwischen italienischen Spitzenmannschaften sind taktisch noch immer höchst interessant. Juves System mit rustikaler Dreierabwehrkette und den Energiebündeln Vidal und Marchisio, die auf den Halbpositionen das ewige Genie Andrea Pirlo flankieren, hat es mir besonders angetan. International ist Juve damit nicht mehr allererste Güte, aber es reicht immer noch, um die Serie A klar zu dominieren. Dass es nun auf europäischer Bühne zu einer Wiederholung des Spiels vom Wochende kam, machte die Begegnung nicht uninteressanter. Und anders als am Sonntag hatte Fiorentina der Führung der Gastgeber in Gestalt des eingewechselten Torschützen Mario Gomez etwas entgegenzusetzen. Zumindest in Deutschland reicht dies dann doch zu einer größeren Schlagzeile.

Der ganz normale Wahnsinn

Valencia C.F. – Werder Bremen 1:1

1899 Hoffenheim – Werder Bremen 0:1

Werder Bremen – Valencia C.F. 4:4

Werder Bremen – VfL Bochum 3:2

Was haben sich die feinen Herren eigentlich dabei gedacht, als sie am 4. Februar 1899 diesen Wahnsinnsverein gründeten? Schlaflose Nächte, graue Haare, Bluthochdruck, Herzrasen, unkontrolliertes Muskelzucken, Heiserkeit – ich hätte mich wirklich vorher über die Nebenwirkungen informieren sollen, bevor ich Werderfan wurde. Was ich in den letzten Tagen durchgemacht habe, lässt sich nur noch mit football in a nutshell beschreieben. Die Nussschale ist dabei das Weserstadion, das mal wieder Zeuge eines Fußballspiels wurde, das nur am entfernt mit diesem Sport verwandt zu sein schien.

Los ging es eine Woche vorher in Valencia. Ein Wahnsinnsspiel. Werder bekommt einen Elfmeter geschenkt und steuert auf ein gutes Auswärtsergebnis zu. Valencia fährt wütende Angriffe, Werder kontert mitunter gefährlich. Dann gibt es eine rote Karte für eine Tätlichkeit abseits der Kameras. In der Folge spielt Werder in Überzahl und Valencia mit der Leidenschaft eines verliebten Teenagers und der Vehemenz eines angriffslustigen Stiers. Die Bremer verlieren die Bälle nach spätestens drei Stationen wieder, bekommen den Ball nur durch hohe Bälle aus der eigenen Hälfte. Die Kontergelegenheiten werden so hilflos hergeschenkt, als wüsste man nicht über die eigenen Defensivschwächen. In dieser Phase servierte man Valencia das Weiterkommen auf dem Silbertablett, doch die Spanier griffen nicht zu. Am Ende kam Werder ohne blaues Auge davon, hatte ein sehr akzeptables 1:1 im Gepäck, das man zuhause verteidigen durfte. “Verteidigen” – man hätte es da schon wissen müssen.

Am Wochenende zwischen Valencia spielte Werder gegen die ebenfalls 1899 gegründete, aber erst ein Jahrhundert später entdeckte TSG Hoffenheim. Eigentlich konnte man es sich nicht leisten, hier Kräfte zu schonen und Punkte herzuschenken. Ersteres tat man trotzdem, während man letzteres vermeiden konnte. Ein biederes, von Taktik geprägtes Spiel. Völlig untypisch für Werder. Es erinnerte ein wenig an die letzte Rückrunde, als man diese Spiele ähnlich anging, dann aber meistens nichts entgegenzusetzen hatte, wenn der Gegner ernst machte. Zum Glück machte Hoffenheim nicht ernst, spielte nur eine Handvoll Chancen heraus, die allesamt das Ziel verfehlten. So musste Tim Wiese keinen einzigen Schuss abwehren und durfte beobachten, wie Werder es in der Schlussphase besser machte. Claudio Pizarro. Wer sonst?

1:0 gewonnen, beste Auswärtsmannschaft der Liga, nun also volle Konzentration auf Valencia. Musste ja kein Spektakel werden. Auf ein 0:0 durfte man kaum hoffen (“auf ein 0:0 hoffen” ist ein Gedankengang, der den meisten Nicht-Werderfans wohl ohnehin völlig fremd sein dürfte), aber vielleicht ein schönes 2:1. Bloß nicht zu viel riskieren am Anfang. Lieber nur mit einem Stürmer auflaufen, Almeida dann als Joker rein und hoffen, dass Frings und Borowski mal ein gutes Spiel zusammen vor der Abwehr abliefern. Und bevor der Gedankengang zu Ende geführt wurde, stand es auch schon 0:1. In den folgenden 20 Minuten suchte ich unser zentrales Mittelfeld vergeblich. Der Raum vor der Abwehr war völlig verwaist, 6 Spieler ständig in des Gegners Hälfte, die anderen 4 formierten sich bei Bedarf zur Viererkette, über deren Wirkungslosigkeit man die Spieler ruhig mal aufklären dürfte, wenn eben jenes besagte defensive Mittelfeld fehlt. Hunt, Marin und Özil sind tolle Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, allerdings auch mit außergewöhnlichen Schwächen. Sobald der Ball nicht mehr in den eigenen Reihen ist, stellen sie den Spielbetrieb komplett ein, folgen Laufwegen, die so beliebig wirken, dass man Angst haben muss, sie könnten sich auf dem Spielfeld verlaufen und den Weg zurück in die Kabine nicht finden. Wie sollen die defensiven Mittelfeldspieler ihren Aufgaben im Spielaufbau nachkommen, wenn sich keiner der genannten genötigt sieht, mal ein paar Sekunden für sie abzusichern? Werder überspielte diese Fehler eine Zeit lang mit guten, aber erfolglosen Angriffen. Sah doch eigentlich ganz gut aus und noch war auch nichts verloren. Und schon stand es 0:2.

Es dauerte nur 20 Minuten bis Schaaf einsehen musste, dass mit dieser Formation heute kein Blumentopf zu gewinnen war. Doch was tun? Bargfrede gesperrt, Niemeyer verletzt und eigentlich auch schon viel zu spät, um defensiv noch etwas zu retten. Nein, der Trainer ging lieber zum totalen Angriff über. Wenn schon untergehen, dann richtig! Lieber 3:6 als 0:3! Almeida kam für den bedienten Borowski, der somit gleich zweimal in diesem Spiel zum Opfer der Bremer Taktik wurde. Es dauerte keine 5 Minuten bis sich der Wechsel im Ergebnis bemerkbar machte und Almeida auf 1:2 verkürzte. Den Chancen nach war dieses Ergebnis schon zu diesem Zeitpunkt ein Hohn, doch das interessierte den Ball nicht, der bekanntermaßen nur dann ins Tor fliegt, wenn von einem der Sportskameraden dorthin befördert wird. Ein wahrer Experte in dieser Disziplin ist David Villa, der von Werder kurz vor dem Pausenbier erneut eingeladen wurde, seine Künste zu präsentieren. Den besten Platz hatte sich Mesut Özil gesichert, der aus nächster Nähe gebannt zuschaute, wie Villa Silvas Hereingabe verwertete. Überhaupt David Silva. Hatte den Bremern niemand erzählt, dass dieser kleine Mann gut mit dem Ball umgehen kann und ihn auch gerne mal seinen Mitspielern in den Lauf passt? Im Nachhinein betrachtet war es keine tolle Idee, ihn da in der Zone zwischen Mittellinie und Strafraum einfach mal machen zu lassen was er wollte. So bändigt man keinen spanischen Nationalspieler.

Der Bremer Weg schien direkt in den Untergang zu führen. Nach der Pause zeigte Werder jedoch, dass man dorthin wenigstens mit fliegenden Fahnen reiten laufen wollte. Das Bremer Stehaufmännchen kennen wir aus den entscheidenden Spielen dieser und der letzten Saison zur Genüge. Meistens wurde es belohnt. Viel fehlte dazu auch gegen Valencia nicht. Die zweite Hälfte war eine Orgie des bedingungslosen Angriffsfußballs – also eine nahtlose Fortsetzung der ersten Hälfte. Auf die 60 Meter in der Mitte des Spielfelds hätte man bei der Verlegung des neuen Rasens vor diesem Spiel getrost verzichten dürfen. Das Resultat waren wieder Torchancen im Minutentakt, doch nun fast nur noch für Werder. Im Gegensatz zur ersten Hälfte belohnte sich Werder dafür. 2:3 durch einen von Frings verwandelten Elfmeter. 3:3 durch eine Bauernfinte von Özil und Marin. Wieder einmal einen doppelten Rückstand aufgeholt, wie schon in der Liga gegen Nürnberg, Wolfsburg, Leverkusen und Stuttgart. Doch erstens reichte das an diesem Tag nicht und zweitens wartete man diesmal nicht bis in die Schlussminuten, sodass Villa aus Abseitsposition einen aus einer Bremer Ecke resultierenden Konter zum 3:4 vollenden durfte. Das durfte doch nicht wahr sein! Da hatten sich Valencias Spieler ab der 46. Minute darauf beschränkt, den Ball möglichst lange aus dem Spiel zu halten und nun das. Das war so ungerecht, so… typisch Werder!

Wer zuhause vier Tore kassiert, kann einfach nicht weiterkommen. Das geht eben nicht! Doch Werder weigerte sich beharrlich, diese bittere Wahrheit einzusehen. Die Einstellung dieser Mannschaft ist schon Wahnsinn. Was man in der Rückwärtsbewegung nicht an Metern zu laufen bereit ist, macht man in der Vorwärtsbewegung um das Dreifache wieder gut. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Sollen doch die anderen den starren Regeln der Fußballlehre folgen, wir machen lieber Spektakel. Allen voran Marko Marin, der in dieser Rückrunde der bessere Özil ist und immer effektiver wird. Unglaublich, was der Junge am Ball alles kann! Unermüdlich kurbelte er Werders Angriffe an, verlor kaum Bälle, obwohl er volles Risiko ging. Es zahlt sich nun aus, dass Schaaf ihn in der Hinrunde behutsam aufbaute und ihn selten länger als 70 Minuten spielen ließ. Bei Mesut Özil ist das Gegenteil der Fall. Ihm muss man einfach zugestehen, dass er seit 1 1/2 Jahren quasi ohne Pause in drei Wettbewerben plus A- und U21-Nationalmannschaft spielt und momentan kräftemäßig nicht mehr drin ist. Sonst wäre er womöglich der Spieler gewesen, der nach Pizarros erneutem Ausgleich den Unterschied ausgemacht hätte. Verzwiefelt rannte Werder an, den unerschütterlichen Glauben an das Fußballwunder im Gepäck. Das erlösende 5:4 wollte gegen die spanischen Bodenturner aber einfach nicht gelingen. So schied diese Mannschaft, die sich bis in die 5. Minute der Nachspielzeit nicht mit ihrem Schicksal abfinden wollte, aus dem Wettbewerb aus und ließ trotzdem ein Stadion voller stolzer und glücklicher Menschen zurück.

Dieses Spiel will erstmal verdaut werden. Offensiv ist das europäische Spitzenklasse, defensiv Amateurklasse, doch diese beiden Tatsachen lassen sich nicht trennen, sie bedingen einander. Und auf Dauer gesehen verzichtet man als Fan (als Spieler sowieso) lieber auf einen Teil des Spektakels, wenn man dafür nicht immer wieder aussichtslosen Rückständen hinterher laufen muss. Die Mannschaft hat sich Respekt verdient, die Fans in Ekstase versetzt und  für einen weiteren besonderen Abend im Weserstadion gesorgt. Doch obwohl ich wirklich stolz auf diese Mannschaft bin, die mit besserer Chancenverwertung auch 5-8 Tore hätte schießen können, würde ich doch gegen ein langweiliges 0:0 und das damit verbundene Weiterkommen tauschen. Zwei Herzen schlagen uswusf.

Es dauerte nur zwei Tage, bis Werder demonstrierte, dass man wenig bis gar nichts aus dem Spiel gegen Valencia gelernt hatte und ich einsehen musste, dass mir das eigentlich ganz recht ist. Mit einer stark veränderten Mannschaft spielte Werder 45 Minuten lang Fußball zum Abgewöhnen. Der VfL Bochum war zu Gast und war nicht gewillt, den Bremern Spalier zu stehen. Prokoph nutzte eine der vielen Unachtsamkeiten in der Defensive zu einem perfekt getimeten Pass auf Werderschreck Sestak, der Wiese keine Chance ließ und das 0:1 erzielte. Eingeladen hatten zu diesem Pass Naldo und Prödl, die so schlecht sortiert standen, dass Prokoph den sich bietenden Raum einfach nutzen musste. Hinten also alles wie gewohnt. Nach vorne ging ohne Özil, Hunt und Pizarro wenig bis gar nichts. Rosenberg ist momentan einer der schlechtesten Stürmer der Bundesliga und tat auch gestern wieder einiges dafür, diesen Ruf zu untermauern. Es tut mir wirklich Leid für ihn, denn eigentlich kann er es ja viel besser, aber bei Werder hat er nun genügend Chancen verstreichen lassen und sollte zum Saisonende woanders sein Glück suchen. Auch sonst lief wenig zusammen und so gab es zur Halbzeit Pfiffe, wo die Fans zwei Tage zuvor noch elektrisiert waren.

Es war die zweite Halbzeit in der Werder dann endlich sein ganzes Repertoire zeigte. Naldo mit hohem Ball in den Strafraum, den Pizarro volley so sicher vollstreckte, wie er es bei hundertprozentigen Einschussmöglichkeiten nur selten vermag. Dann das obligatorische Einreißen des Erreichten mit dem Hintern, als man einen Konter der Bochumer in drei Zweikämpfen nicht entscheidend behindern konnte und Dedic frei vor Wiese die erneute Führung erzielte. Wir kennen das: 0:1 und 1:2 gegen Wolfsburg und Leverkusen hinten, 0:2 gegen Nürnberg und Stuttgart hinten und jedesmal am Ende noch 2:2 gespielt. Diesmal dauerte es nur zwei Minuten, bis Werder den Fehler ausbügelte. Marin mit einer großartigen Einzelaktion. Perfektes Timing, technisch eine Augenweide und endlich auch mit dem unbedingten Zug zum Tor. Wieder mal 2:2. Und diesmal sollte es endlich auch gelingen, mehr als einen Punkt aus so einem Spiel mitzunehmen. “Joker” Torsten Frings, der für den stark blutendenen Tim Borowski spät ins Spiel gekommen war, fasste sich ein Herz, knallte den Ball aus 30 Metern volley aufs Tor und profitierte von einem Bochumer Abwehrspieler, der den Schuss unhaltbar ins eigene Tor abfälschte. Richtigerweise spielte Werder die Führung dann nicht souverän über die Zeit, sondern gab Tim Wiese noch zwei Gelegenheiten, sich in höchster Not auszuzeichnen. Am Ende war es Rückkehrer Sebastian Boenisch, der den letzten Bochumer Angriff auf der Torlinie abblockte und Werder den Sieg rettete.

So schön diese unwahrscheinlichen Comebacks auch sind, so sehr sie einen an diesen Verein fesseln und so wenig ich mit dem erfolgreichen 1:0-Fußball der Schalker tauschen möchte – würde man einfach auf die katastrophalen Aussetzer verzichten, stünde Werder nun im Viertelfinale der Europa League und wäre auch in der Bundesliga noch im Kampf um die Meisterschaft vertreten. Aber man kann eben nicht alles haben. Und so bleibt das bekannte Gefühl, dieses Mittelding aus Ärger und Freude über unseren so außergewöhnlichen Verein, der mit unseren Gefühlen in einem Spiel mehr Karussel fährt, als andere Vereine mit denen ihrer Fans in einer ganzen Saison. Und mit etwas Distanz betrachtet könnte genau dies der Grund dafür sein, dass es so unglaublich geil ist, ein Werderfan zu sein.

Damals, im Herbst 2004

Normalerweise stelle ich an dieser Stelle immer unsere Gegner in den europäischen Wettbewerben vor – wenn es die Zeit zulässt. Werders Gegner am Donnerstag in der Europa League hat jedoch einen sehr bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, als er in der Champions League zweimal gegen uns antreten musste. Deshalb statt einer Vorstellrunde ein Blick zurück:

Im Herbst 2004 ist Werder Deutscher Meister und darf zum ersten Mal seit 1993/94 wieder in der Champions League antreten. Nach einer ärgerlichen Niederlage bei Inter Mailand holt Werder aus den verbleibenden fünf Gruppenspielen 13 Punkte und zieht ins Achtelfinale ein. Gegen Valencia, den Spanischen Meister und UEFA-Cup-Sieger, gelingen unseren Grün-Weißen zwei Siege, die letztendlich entscheidend für das Weiterkommen waren. Vor dem Rückspiel im Mestalla benötigt Werder lediglich ein Unentschieden. Nach einer tollen und konzentrierten Leistung hält Werder bis in die Schlussphase ein 0:0. Nelson Valdez erlöst die Fans schließlich mit zwei späten Toren. Werder feiert den Triumph ausgelassen, die Spanier schleichen mit hängenden Köpfen vom Platz. So hätte es jedenfalls laufen können.

Es kommt jedoch anders. Valencias Spieler haben sich nicht unter Kontrolle, fühlen sich von Werders Torjubel nach dem 0:1 provoziert und versuchen nicht etwa, das Spiel noch zu drehen, sondern suchen nach Vergeltung auf dem Platz. In jedem Zweikampf muss man Angst um die Gesundheit unserer Spieler haben, da es Valencia weniger um das Erobern des Balls geht als darum, den Gegner möglichst hart zu treffen. Angulo schafft es schließlich, Valdez mit voller Wucht umzutreten, ohne die geringste Chance, an den Ball zu kommen. Eines der häßlichsten Fouls, die ich je im Fußball gesehen habe. Nach der fälligen roten Karte spuckt er beim Rausgehen noch Tim Borowski an. Valdez reagiert auf die beste Weise, die es im Fußball gibt: Er schießt den Ball nach dem Freistoß zum entscheidenden 0:2 ins Tor. Danach brechen dann alle Dämme. Tim Borowski wird von einem Mob Valencianischer Spieler verfolgt, von den Rängen regnet es seit Minuten alle erdenklichen Gegenstände auf das Spielfeld. Mehrere Werderspieler kassieren Schläge und Tritte. Bei aller Freude über das Weiterkommen bin ich nach dem Spiel doch sehr entsetzt über das, was sich dort auf dem Platz abgespielt hat.

Das finanzielle Gebahren des Vereins macht ihn nicht sympathischer: Eine halbe Milliarde Euro Schulden. Trotzdem lässt man ein neues Stadion für 250 Millionen Euro bauen. Solchen Scheißvereinen gönne ich nicht das Schwarze unter den Fingernägeln! Es geht mir gegen den FC Valencia daher nicht nur um das Weiterkommen, sondern um Revanche. Ich möchte diese Mannschaft nach den Spielen gegen uns am Boden liegen sehen.* Sicherlich ist das heute eine andere Mannschaft, die über tolle Spieler verfügt, wie etwa David Villa, David Silva oder Joaquin. Auch bei uns hat sich einiges getan, nur Tim Borowksi, Petri Pasanen (der damals eine Ohrfeige kassierte) und Daniel Jensen stehen aus der damaligen Mannschaft noch im Kader. Ihnen wird es (hoffentlich) nicht in erster Linie um Revanche gehen. Sie sind Profis, müssen mit solchen Situationen anders umgehen, einen kühlen Kopf bewahren und sich nicht zu Dummheiten hinreißen lassen. Ich als Fan brauche mir darüber keine Gedanken zu machen. Ich kann mich über jeden Valencianischen Fehlpass freuen, bei jedem Foul aufspringen und eine Unsportlichkeit wittern. Wenn ich Spieler wie Vincente, Marchena oder Baraja sehe, kann ich an damals zurückdenken, mir die Szenen vor Augen führen und mich dann umso mehr über jede gelungene Aktion unseres Team freuen.

Also bitte, Özil, Marin, Pizarro und Co., zeigt diesem Möchtegern-Weltklasseverein wozu ihr fähig seid! Spielt eure Klasse aus und werft sie – wie damals – aus dem Wettbewerb!

* Wir reden hier trotzdem von Sport. Ich möchte Valencia durch fußballerische Mittel gedemütigt sehen, nicht durch Unfairness oder Gewalt!