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Ein Punkt für den Klassenerhalt

FSV Mainz 05 – Werder Bremen 1:1

Werder holt einen verdienten Punkt in Mainz. Nach dem schlechtestmöglichen Start und einer zähen ersten Halbzeit waren Keeper Mielitz und ein kluger Wechsel von Schaaf die Hauptgründe dafür, dass Werder noch zum Unentschieden kam.

Spiel mit Handicap

Ein Spiel, das quasi beim Stand von 0:1 beginnt, muss anders bewertet werden, als ein normales Fußballspiel. Unter üblichen Gesichtspunkten hätte Werder mit der ersten Halbzeit durchaus zufrieden sein können: Als Schießbude der Liga auswärts beim Tabellensechsten gut gestanden und kaum Torchancen zugelassen. Wäre man mit einem 0:0 in die Pause gegangen, hätte man eine gute Basis gelegt und den Gegner unter Zugzwang gesetzt. Durch den schlimmen Fehler von Lukimya direkt nach dem Anstoß war es aber eigentlich Werder, das eine Reaktion zeigen und das Heft in die Hand nehmen musste. Daher kann man die restliche erste Halbzeit bestenfalls als solide bezeichnen und sich darüber freuen, dass Werder nach dem Rückstand nicht auseinander brach.

Beide Teams neutralisierten sich auf taktisch gutem, spielerisch eher mäßigem Niveau. Werders Doppelsechs, in der Bargfrede sein Comeback gab, spielte relativ diszipliniert vor der Viererkette und ließ nur selten das altbekannte “Bremer Loch” entstehen. Davor spielte eine Dreierreihe aus Hunt, Ekici und De Bruyne, die eher schmal agierte und weit zur ballnahen Seite einschob – ein deutlicher Unterschied zum System der Hinrunde mit den breiten Flügelstürmern. Werder wollte offensichtlich Präsenz im Zentrum zeigen und sich nicht gänzlich auf die Außenbahnen pressen lassen, wie im Hinspiel. Mainz begnügte sich nach der frühen Führung damit, Werder vom eigenen Tor fernzuhalten und spielte kaum hohes Pressing. Der Spielentwurf der beiden Mannschaften war dennoch sehr unterschiedlich. Während Werder sich mit Kurzpässen durchs Mittelfeld kombinieren wollte, spielte Mainz viele lange Bälle, die nur selten zu gefährlichen Situationen führten. Immerhin nahm man Werder so die Chance auf hohe Ballgewinne. Tuchel schien durchaus Respekt vor dem Bremer Pressing zu haben.

Bis zur Pause gab es aus dem Spiel heraus keine echten Torchancen. Die gefährlichste Aktion hatte Ekici mit einem etwas überraschenden Freistoß. Ansonsten waren auch Werders Standards nicht sonderlich gefährlich. Acht Freistöße in der eigenen Hälfte ließen die Mainzer in der ersten Halbzeit zu, doch die Bremer Ausbeute war spärlich. Gerade in einem so chancenarmen Spiel wäre es wichtig gewesen, die Standardsituationen etwas effektiver zu nutzen. So ging es mit einem 0:1 in die Pause, von dem man nicht sagen konnte, dass es unverdient war. Werder hatte Mainz die Führung auf dem Silbertablett serviert und danach zu wenig getan, um sich den Ausgleich zu verdienen.

A Game of Two Halves

Nach der Pause änderte sich das Spiel komplett. Wo kurz zuvor noch die Vorsicht regiert hatte, gingen nun beiden Teams ein höheres Risiko. Pressing und Gegenpressing wurden intensiviert und es waren die Gastgeber, die zunächst einen Vorteil daraus erlangen. Sebastian Mielitz musste einige Male in höchster Not retten, blieb im Eins-gegen-Eins jedoch stets der Sieger. Mit seiner stärksten Rückrundenleistung war er einer der Garanten für den Punktgewinn auf Bremer Seite. Nach seinen zuletzt immer schwächeren Auftritten wird ihm das Spiel hoffentlich Auftrieb geben für die restliche Saison. Im Trainerduell war es Schaaf, der die erste (und seine einzige) Umstellung vornahm. Er brachte Arnautovic für Bargfrede und ließ Hunt als offensivorientierten Sechser neben Trybull spielen. Über den rechten Flügel kam bis dahin kaum Gefahr, weil Hunt sich offensiv eher in Richtung Mitte orientierte und bei Flügelläufen versuchte, den Ball auf seinen starken linken Fuß zu legen, was ihn für den Gegner leicht ausrechenbar machte. Bis zu Arnautovics Einwechslung gab es keine einzige Bremer Flanke von der rechten Seite.

Thomas Tuchel reagierte sofort, brachte mit Kirchhoff für Zimling einen weiteren Sechser und stellte auf eine Raute um. Es war dennoch Schaafs Team, das zunächst von dieser Umstellung profitierte. Nach einer starken Einzelaktion von Sokratis (diesen unbedingten Willen würde ich gerne bei mehr Spielern sehen) und einer Spielverlagerung auf den rechten Flügel waren es die angesprochenen Arnautovic und Hunt, die für den Ausgleich sorgten. Eine flache Hereingabe des Außenstürmers und ein Abschluss des vorrückenden Sechsers, der Petersen im Strafraum unterstützt – ziemlich genau so dürfte sich das der Trainer bei seiner Umstellung vorgestellt haben.

Fehlendes Vertrauen in die Bank

In der Folge war das Spiel offen, doch je näher der Schlusspfiff rückte, desto vorsichtiger wurden die Mannschaften. Thomas Tuchel wechselte mit Yunus Malli und Shawn Parker noch zwei Offensivleute ein, was dem Spiel jedoch keine Wendung mehr gab. Thomas Schaaf beließ es bei dem einem Wechsel. So durfte auch Mehmet Ekici durchspielen, der zuletzt nach seinem Zwischenhoch wieder auf die Bank verbannt wurde und in seinem Spiel noch immer die gleichen Schwächen durchblicken ließ, die ihm seit seiner Ankunft in Bremen vor knapp zwei Jahren das Leben schwermachen.

Schaafs Wechselpolitik ist in den letzten Wochen nicht einfach zu durchschauen. Einerseits wirkt es oft so, als fehle ihm das Vertrauen in seine Bank. Spieler wie Elia, Ekici, Yildirim und Selassie wandeln zwischen Startelf und kompletter Nichtberücksichtigung, während Ignjovski von einer Position auf die andere geschoben wird. Mag sein, dass dies direkte Reaktionen auf die Trainingsleistungen unter der Woche sind. Andererseits weiß Schaaf seine Wechseloptionen durchaus gut zu nutzen, wie er mit der Einwechslung von Arnautovic für Bargfrede unter Beweis stellte.

Da die Konkurrenz aus Augsburg, Düsseldorf und Stuttgart verlor, war es für Werder ein gewonnener Punkt. Auch wenn man nun seit fünf Spielen ohne Sieg ist, scheint die Mannschaft das tiefste Tal langsam durchschritten zu haben. Zwar ist man weiterhin für den einen oder anderen Totalaussetzer gut, doch moralisch wirkt das Team etwas gefestigter als noch vor ein paar Wochen, holte im dritten Spiel in Folge einen Rückstand auf. Thomas Schaaf darf sich dank seines Wechsels im Trainerduell als knapper Sieger fühlen, auch wenn Werder den Eindruck nicht korrigieren konnte, dass man die richtige Mischung aus Offensive und Defensive noch nicht gefunden hat.

Mutig nach Mainz?

Gegen Mainz sah Werder in den letzten Jahren selten gut aus. Tuchels Truppe schaffte es ein ums andere Mal, sich gut auf Werders Spiel einzustellen und unsere taktischen Schwachstellen aufzudecken. Das verwundert kaum, denn Mainz gehört seit dem Wiederaufstieg zu den flexibelsten Teams der Liga. Trainer Tuchel kann seine Mannschaft unglaublich gut an gegnerische Taktiken anpassen. In der Hinrunde gab es einen schmeichelhaften 2:1-Sieg für Werder, der vor allem auf Aaron Hunts Klasse zurückzuführen war (man erinnere sich an das wunderschöne Freistoßtor zum 2:1). Mainz hatte jedoch einen klar ersichtlichen Matchplan, der über weite Strecken aufging: Mit einer Raute positionierte man sich sehr zentral, stellte die Passwinkel auf Werders Dreiermittelfeld zu und lenkte das Spiel der Hausherren gezielt auf die Außenbahnen. Da Werder ohnehin meist über die Außenverteidiger eröffnet, gab es viele vertikale Pässe die Seitenlinie herunter. Auch Werders Außenstürmer wurden so gepresst, dass sie möglichst wenig Pässe ins Mittelfeld spielen sollten. Als Resultat spielte sich Werder häufig am Flügel entlang und versuchte es dann mit Flanken auf Petersen, die Mainz insgesamt recht wenig Probleme bereiteten. Wenn man von der Anzahl qualitativ hochwertiger Chancen ausgeht, hätte Mainz das Spiel gewinnen, zumindest aber einen Punkt holen müssen.

Duell der Ex-Rauten

Siebzehn Spieltage später hat sich Werders Ausrichtung leicht geändert. Man spielt insgesamt vorsichtiger, hält vorne weniger schematisch die Positionen an der Außenlinie. Was in der Hinrunde in Stein gemeißelt schien, wird nun von Woche zu Woche durcheinander geworfen: Elia, Arnautovic, Petersen, Yildirim, Ekici, De Bruyne, Junuzovic, Ignjovski – die Liste der Spieler, die sich in der Rückrunde schon als Außenstürmer versuchen durften, ist lang. Zuletzt setzte Schaaf in seiner Startaufstellung zwei mal auf eine defensive Variante mit Junuzovic und Ignjovski, die neben einer Doppelsechs zum Einsatz kamen. Hunt, Ekici, Elia und Arnautovic fanden sich auf der Bank wieder. Das Ergebnis war eine verbesserte defensive Stabilität, die auf Kosten der offensiven Durchschlagskraft ging. Was auswärts gegen Gladbach gut funktionierte, war zuhause gegen ein reaktives Greuther Fürth weitaus weniger brauchbar. In der Halbzeit stellte Schaaf daraufhin um, setzte auf mehr Offensive und direkt waren wieder die alten Defensivprobleme erkennbar. Einen gesunden Mittelweg, die viel besungene “richtige Balance”, sucht Werder weiterhin vergeblich. Das 2:2 war am Ende eher für Werder glücklich, als für die Gäste.

Mainz ist in letzter Zeit wieder von der Mittelfeldraute als Default-Formation abgewichen und agiert häufig in einem 4-2-3-1 oder flachen 4-4-2. Trotzdem ist zu erwarten, dass Mainz wieder versuchen wird, Werders Spiel früh auf die Außenbahnen zu lenken, wie sie es in dieser Saison auch wiederholt gegen andere Teams praktiziert haben. Die äußeren Mittelfeldspieler Müller und vor allem der von Werder umworbene Ivanschitz orientieren sich ohnehin eher in Richtung Zentrum und stehen gegen den Ball recht eng. Im Spielaufbau setzt Mainz auf Andreas Baumgartlinger als einrückenden Sechser und schiebt die Außenverteidiger vor, wenn auch nicht so aggressiv, wie beispielsweise Freiburg und Leverkusen. Interessant wird die Frage, ob Mainz es gegen Werders anfällige Viererkette mit einer Doppelspitze aus Parker und Szalai versuchen wird oder hinter Szalai auf einen eher gestaltenden Mittelfeldspieler (Zimling?) setzt. Gegen Werders Dreiermittelfeld würde sich eher letzteres anbieten, aber Tuchel ist für mutige Entscheidungen bekannt.

Schwierige Entscheidungen

Für Werder geht es in erster Linie darum, den richtigen Mittelweg aus den taktischen Ausrichtungen der vergangenen Wochen zu finden. In Mainz könnte man zur Not mit einem Punkt leben, kann dementsprechend zunächst auf eine Kontertaktik setzen. Zu tief sollte man sich gegen Mainz jedoch nicht hinten reinstellen. Zum einen steht bei Mainz mit Adam Szalai ein Mittelstürmer auf dem Platz, den Werder im Strafraum kaum über 90 Minuten in den Griff bekommen dürfte. Zum anderen würde man so die Möglichkeit auf hohe Ballgewinne herschenken, denn Mainz verfügt noch immer nicht über den besten Spielaufbau aus der Innenverteidigung. Ein situatives Angriffspressing sollte Werder daher im Gepäck haben. Der gegenwärtige (mentale) Zustand der Mannschaft legt einen vorsichtigen Beginn nahe, um zunächst etwas Selbstvertrauen zu sammeln und ein frühes Gegentor zu vermeiden.

Die Personalentscheidungen werden für Schaaf nicht leicht zu treffen sein. Geht er den Weg der letzten beiden Spiele weiter und setzt seine Stars weiterhin auf die Bank? Wie reagiert er auf die Ausfälle im Mittelfeld? Sokratis hat sich als Sechser gegen Fürth nicht bewährt, da ihm die Qualitäten als Ballverteiler sowie die Positionstreue im Mittelfeld abgehen. In einem Auswärtsspiel, in dem Werder nicht das Spiel machen muss, könnte dies jedoch anders aussehen. Als Kettenhund neben Trybull könnte er sich um die Läufe von Ivanschitz ins Zentrum kümmern. Durch die Verletzungen von Junuzovic, Fritz und Ignjovski sowie den langen Ausfall von Bargfrede gibt es dazu nicht viele Alternativen. Der Schlüssel zur Torgefahr dürfte dagegen mal wieder Kevin De Bruyne sein, der in den letzten Spielen als alleinige (Um-)Schaltzentrale agierte und dabei an fast allen gefährlichen Aktionen beteiligt war. Ihm kommt die verbesserte Absicherung durch die beiden Sechser zwar entgegen, doch fehlt ihm mit einer sehr defensiv-orientierten Aufstellung oft die Unterstützung bei Kontern. Auch hier wird die richtige Mischung noch gesucht.

Wegweiser für den Saisonendspurt

Nachdem man den Befreiungsschlag gegen Fürth verpasst hat, gilt es gegen Mainz und im darauffolgenden Heimspiel gegen die wiedererstarkten Schalker, nicht noch weiter in Richtung Relegationsplatz abzurutschen, bevor die Spiele gegen Düsseldorf, Wolfsburg und Hoffenheim wohl über den Bremer Saisonausgang entscheiden. Auf einen nachhaltigen Umschwung mag ich in dieser Saison nicht mehr hoffen. Es geht nur noch darum, über kleine Erfolgserlebnisse genug Selbstvertrauen zu sammeln, um nicht in eine noch tiefere, akute Krise gestürzt zu werden. Die tiefer gehende, strukturelle Krise droht sich jedoch auch über die Saison hinweg fortzusetzen.

I got 99 problems, but Werder ain’t one

Nachdem es hier in den letzten Wochen viel zu ruhig war, gibt es heute Abend mal wieder ein Live-Blog zum Auswärtsspiel in Mainz. Meine bisherige Bilanz in dieser Saison: 2 Spiele, 2 Niederlagen. Höchste Zeit, das zu ändern.

Was das Spiel angeht, bin ich einigermaßen optimistisch, dass Werder die Negativserie der letzten Wochen durchbrechen wird. Mainz ist in meinen Augen nicht annähernd so stark, wie in der letzten Saison. Vieles wird davon abhängen, wie verunsichert Werder nach den letzten Spielen ist. Was Laufbereitschaft und Einstellung angeht, ist diese Mannschaft über jeden Zweifel erhaben. Spielerisch sind viele Ansätze vorhanden, die in der letzten Saison verloren gegangen waren. Punktuelle Änderungen könnten hier schon ausreichen.

Das sieht anscheinend auch Thomas Schaaf so. Nachdem er den indisponierten Bargfrede in Augsburg auf der Bank ließ und dafür Ignjovski eine Chance gab, sieht es nun so aus, als würde Schaaf auch Marin und Wolf eine Pause geben. Beide haben in den vergangenen Wochen merklich abgebaut und sind zur Belastung für Werders Spiel geworden. Wolf mag mit seiner Erfahrung und seinen Führungsqualitäten wichtig fürs Team sein, doch scheint nun der Zeitpunkt zu sein, an dem er damit seine Fehler nicht mehr wettmachen kann. Bei Marko Marin scheint es eher mental nicht zu stimmen. Er erinnert mich immer mehr an den Marin aus der letzten Hinrunde, der wunderbaren Fußball spielen kann, es aber fast nie tut. Es ist mir unbegreiflich, wie ein als “Straßenfußballer” geltender Spieler immer instinktiv die falsche Entscheidung trifft. Wenn Ekici seine Leistung weiter steigern kann, wonach es derzeit aussieht, dürfte es für Marin sehr schwierig werden, wieder zurück in die erste Elf zu kommen.

In Mainz muss keine Steigerung her im Vergleich zu den letzten Spielen. Es reicht, wenn man die Chancenverwertung verbessert und keine katastrophalen Abwehrfehler macht. Von den bisherigen Punktverlusten war nur das Unentschieden in Augsburg wirklich bitter, zumindest wenn man diese Saison ein bisschen in Relation zur letzten und zur Stimmung vor dem ersten Bundesligaspieltag setzt. Noch gibt es keinen Grund, den eingeschlagenen Kurs in Frage zu stellen.

Wenigstens Pizarro

FSV Mainz 05 – Werder Bremen 1:1

Ok, fassen wir die positiven Dinge mal zusammen: Werder hat bei einer Spitzenmannschaft einen Auswärtspunkt geholt. Werder hat nach einer halben Ewigkeit mal wieder ein Auswärtstor geschossen. Durch den späten Zeitpunkt ist das 1:1 in Mainz ein gefühlter Sieg, der dem Team moralischen Auftrieb geben kann.

Glücklicher Punkt, überlegener Gegner

Da hört es bei mir aber schon auf. Hatten wir das nicht erst gerade? Gegen Hoffenheim? Ein Last-Minute-Tor der Hoffnung? Es folgte die Nicht-Leistung gegen Köln. Nehmen wir trotzdem mal an, dass Werder ein wenig optimistischer und selbstbewusster an die nächsten Spiele (allesamt gegen Kandidaten fürs internationale Geschäft… oh, und gegen den HSV) herangeht. Was kann das Team aus dem Spiel überhaupt mitnehmen? Dass man über 75 Minuten keinen Weg gefunden hat, sich eine Torchance zu erspielen? Dass der eigene Gameplan nach 15 Minuten nicht mehr funktionierte und man nicht in der Lage war zu reagieren? Dass die Standards wieder so aussahen, als ob sie seit 1987 nicht mehr geübt wurden?

Auch zwei Tage nach dem Spiel fällt es mir schwer, dem Spiel in Mainz etwas Positives abzugewinnen. Direkt nach dem Abpfiff habe ich mich noch über den unverdienten Punkt gefreut, doch dieses Gefühl ließ schnell nach. Seien wir ehrlich, in neun von zehn Fällen verliert Werder dieses Spiel. Den Kampfgeist, den das Team in der Schlussphase gezeigt hat, sehe ich durchaus positiv. Was mich viel mehr beunruhigt ist die Tatsache, dass Werder es trotzdem nicht geschafft hat, auch nur einen nennenswerten Angriff aufzuziehen. Das Tor haben wir einer guten Portion Glück und schließlich einer genialen Aktion von Claudio Pizarro zu verdanken.

Spielerisches Armutszeugnis

Auswärts ist Werder dieses Jahr nicht in der Lage, das Spiel selbst in die Hand zu nehmen. Wie das Kaninchen vor der Schlange wartet man in der eigenen Hälfte und hofft, den Raum dort für den Gegner einigermaßen eng zu machen und Fehler zu vermeiden, was selten genug gelingt. Auf Pressing wird außerhalb des Weserstadions inzwischen ganz verzichtet. Einerseits habe ich Verständnis für diese Herangehensweise, doch andererseits muss man dann anders mit Ballgewinnen umgehen. Hier kann man sich gerne mal bei unserem nächsten Gegner Hannover 96 ein bisschen was abschauen. Werder hatte gegen Mainz eine Strategie, die 15 Minuten lang ganz gut aufging: Den Ball nach dessen Eroberung schnell auf Hunt und von dort in die Spitze spielen. Was erfolgsversprechend aussah, erkannten die Mainzer recht schnell und stellten sich nach einer Viertelstunde darauf ein und die Passwege auf Hunt zu.

Darauf fiel den Bremern keine Antwort ein. Sie hielten das Mittelfeld schmal und so neutralisierten sich beide Rauten im Zentrum über weite Strecken, was den Mainzern sehr recht war, weil sie a) wesentlich ballsicherer waren und b) von den Bremer Außenverteidigern Pasanen und Silvestre wenig Gefahr über die Flügel ausging. Fritz und Bargfrede auf den Halbpositionen, die mir gegen die Bayern beide gut gefallen haben, empfand ich gegen Mainz als viel zu passiv. Schnelles Spiel in die Spitze fand nicht mehr statt, weil Werder genügend Probleme hatte, den Ball überhaupt mal kontrolliert in den eigenen Reihen zu halten. Der Spielaufbau krankt inzwischen ganz gewaltig.

Sinnvolle Umstellungen, wenig Veränderung

Thomas Schaaf reagierte in der Pause, brachte mit Arnautovic für Pasanen einen weiteren Stürmer, zog Fritz auf die Rechtsverteidigerposition und Hunt ins linke Mittelfeld. Marin übernahm dafür die Position hinter den Spitzen. Auch wenn ich Marin nicht für einen Spielmacher halte, fand ich alle Umstellungen nachvollziehbar, nur: sie blieben wirkungslos. Werder spielte ähnlich pomadig weiter und kam nur durch die erste gelungene Einzelaktion von Marin seit (gefühlt) Monaten zu einem Torabschluss. Ich empfand es als positiv, dass Schaaf nicht die erwarteten Wechsel (mit Avdic und Wagner das Sturmzentrum voll packen) vollzogen hat, sondern der Jugend eine Chance gab und Frings aus dem Spiel nahm. Den erhofften spielerischen Aufschwung brachten zwar auch dieser Doppelwechsel nicht, doch immerhin schien es mir ein richtiges Zeichen zu sein.

Zeichen setzte auch wieder Sebastian Mielitz, der eine insgesamt gute Leistung ablieferte. Zwei Punkte gab es auch in diesem Spiel, die mich in meiner Meinung bestätigten, dass er unsere Nummer 1 sein sollte: Bei einem Mainzer Angriff in der 2. Halbzeit verschätzte er sich beim Herauslaufen und kam nicht vor dem Stürmer an den Ball. Im letzten Moment zog er jedoch zurück und vermied den Kontakt. Zwar war diese Aktion nicht ohne Risiko, doch der Mainzer (Allagui?) hatte einen spitzen Winkel und in der Mitte konnte ein Verteidiger retten. Wer wettet dagegen, dass Wiese in dieser Situation entweder voll durchgezogen hätte (=Elfmeter) oder gleich auf der Linie geblieben wäre und dann eine Superreflex benötigt hätte, um den Schuss des freien Spielers zu halten? Der zweite Punkt war das Ausgleichstor, das Mielitz mit einem langen Ball einleitete. Ok, den langen Hafer beherrscht Wiese auch, aber ein fußballerisch weniger limitierter Torhüter erhöht doch die Wahrscheinlichkeit, dass solche Bälle auch tatsächlich bei einem Mitspieler landen und nicht (wie so häufig bei Wiese) in der Pampa. Zwei kleine Punkte, zugegeben, aber sie schärfen das Bild.

Was mich etwas irritierte war das Verhalten unserer Innenverteidiger, die sehr häufig ihre Position verließen und mit ihren Gegenspielern mitliefen. Auffällig war besonders, dass Mertesacker auch immer wieder den Mainzer Spielmacher Holtby bei der Ballannahme unter Druck setzte und dafür 10-15 Meter nach vorne sprintete. War das die Folge einer mangelnden Absicherung durch Frings (der Holtbys direkter Gegenspieler war) oder eine angeordnete taktische Variation? Hochriskant in jedem Fall, wie man unter anderem beim Gegentor bewundern konnte. Da Pasanen erst nicht auf Abseits spielte und dann einfach stehen blieb, konnten die Mainzer das Loch in der Bremer Innenverteidigung zum 1:0 ausnutzen.

Fazit

Das Spiel verdeutlichte die neuen Kräfteverhältnisse in der Bundesliga und es dürfte nicht das letzte Spiel gegen eine Mannschaft gewesen sein, deren Höhenflug wir noch im Herbst etwas belächelten, die sich jedoch über die gesamte Saison als spielerisch überlegen erwiesen hat. Im Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag kann sich der von Werder gezeigte Kampfgeist noch als nützlich erweisen. Mit etwas mehr spielerischer Klasse könnte man ihn jedoch gleich ganz vermeiden.

Schuld sind Borowski und die WM

Bundesliga, 4. Spieltag: Werder Bremen – Mainz 05 0:2

Wo fangen wir an? Wo hören wir auf? Wenn man so will hat Werder alle im Spiel gegen Tottenham aufgezeigten Probleme mit in dieses Spiel genommen und dem noch eine gehörige Portion Lethargie und doppelte Linksfüßigkeit hinzugefügt. Es ist für einen Trainer nicht leicht, wenn seine Spieler sich als lernresistent erweisen. Leider erweist sich jedoch auch der Trainer als lernresistent und destabilisiert ohne Not die eigene Mannschaft.

One of these days…

War es einfach nur einer dieser Tage, an denen nichts läuft, egal was man auch versucht? Anzeichen dafür gab es einige. Auf dem nassen und vom Dienstag noch stark beschädigten Rasen ist das Kombinationsspiel schon schwierig genug. Wenn dann noch vornehmlich lange Bälle in den Lauf gespielt werden, wird die Erfolgsaussicht noch geringer. Trotzdem erklärt das nicht dieses grauenhafte Fehlpassfestival, das Werder über die gesamte Spieldauer ablieferte. Entweder der gewählte Pass war falsch oder der Pass wurde ungenau gespielt oder der Empfänger bewegte sich in eine andere Richtung oder er rutschte weg oder der Ball sprang ihm fünf Meter vom Fuß oder bei der Ballmitnahme ging etwas schief. Man kann schon fast froh sein, dass sich kein Spieler dabei ernsthaft verletzte.

In dieser Hinsicht war gestern jeder einzelne Werderspieler schlecht. Wenn man sich aber die spieltaktischen Aspekte der Partie anschaut, dann kann einem Angst und Bange werden. Das hat nichts mehr mit Tagesform oder haste Scheiße am Fuß… zu tun, das sind ganz grundlegende Defizite. Spielaufbau durch die Mitte, eigentlich eine der Bremer Stärken, fand kaum statt. Fast immer wurde der Ball über die Außenverteidiger und dann die Linie entlang in den Lauf gespielt. Die Erfolgsquote dabei war erschreckend gering. Bereits Mitte der ersten Halbzeit stellte Werder von 4-2-3-1 auf Raute um und holte sich dadurch die Probleme der ersten 30 Minuten gegen Tottenham selbst zurück ins Haus. Marko Marin wird in diesem Leben kein Spielmacher mehr und auf der Halbposition der Raute, die er im Wechsel mit Hunt gelegentlich einnahm, ist er erst Recht auf verlorenem Posten. So verkam Werders Raumaufteilung wieder einmal zu einem unfreiwilligen 4-3-3, in dem das Zentrum verwaiste und den Mainzern viel Platz für Spielaufbau und das Einleiten schneller Angriffe überließ.

Drei Angriffe entscheiden das Spiel

Fußball ist und bleibt ein eigenartiger Sport. Zehn Minuten nach dem Seitenwechsel hatte Werder in Gestalt von Tim Borowski die große Chance zur – völlig unverdienten – Führung, die jedoch relativ kläglich vergeben wurde. Das gellende Pfeifkonzert gegen Borowski bei seiner Auswechslung war dennoch unangebracht und wirkte angesichts der Leistungen der Teamkollegen ziemlich beliebig. Das Bremer Publikum sucht sich nun mal gerne einen Sündenbock aus der eigenen Mannschaft. Würden Marin oder Almeida jemals so ausgepfiffen, egal wie sie gespielt haben?

Im direkten Gegenzug nach der Großchance machten die Mainzer es besser und trafen zum 0:1. Ein wenig Aufbäumen war in der Folge schon zu spüren, doch um den vielgerühmten Schalter umlegen zu können, braucht es wenigstens kleine Erfolgserlebnisse. Die gab es auf Bremer Seite nicht. Stattdessen konterten die Mainzer und erhöhten durch den eingewechselten Schürrle auf 0:2. Das Tor kann sich Thomas Tuchel ans Revers heften, der den Spieler kurz nach der Führung für Szalai ins Spiel gebracht hatte. Am Ende der Fehlerkette standen Pasanen, der sich weit aus der Viererkette gelöst hatte, Silvestre, der auf Abseits spekulierte sowie Prödl und Fritz, die Abseits reklamierten und Schürrle nicht mehr beim Torschuss behindern konnten.

Spielerisch und taktisch zweitklassig

Schaaf reagierte mit einem etwas verzweifelt wirkenden Dreifachwechsel, brachte Wagner für den indisponierten Arnautovic, Wesley für Borowski und Bargfrede für Pasanen. Torsten Frings rückte in die Innenverteidigung. Am Spiel änderte dies wenig, denn die Mainzer blieben weiterhin die spielbestimmende Mannschaft. Lediglich ein Freistoß führte noch zu einem Lattentreffer von Wagner, doch insgesamt kam von Werder viel zu wenig, um noch ernsthaft an eine Aufholjagd glauben zu können. Mainz siegte verdient und Werder muss sich fragen, ob man den eigenen Ansprüchen derzeit gerecht werden kann. Spielerisch war das nicht bundesligatauglich und wann musste man dies dem Team von Thomas Schaaf schon einmal attestieren? Die Tabelle ist nach vier Spieltagen noch nicht wirklich aussagekräftig, aber vielleicht sollte man sich langsam damit auseinandersetzen, dass Werder ohne Özil, ohne Pizarro, ohne Naldo und ohne Mertesacker möglicherweise nur Bundesligadurchschnitt ist.

Solange Werder sich mannschaftlich so unausgegoren präsentiert, wird sich daran auch nichts ändern. Gestern spielte man weitgehend aneinander vorbei: Hunt und Borowski versuchten das Spiel mir Direktpässen schnell zu machen, Marin probierte es lieber mit Dribblings und hielt den Ball lange und Almeida legte hohe Bälle auf nicht vorhandene nachrückende Spieler ab. Anstatt die Stärken der Nebenleute auszunutzen summierten sich die Schwächen. Es ist bezeichnend, dass in Silvestre ausgerechnet der Spieler mit der höchsten Fehlpassquote (ganze 31 seiner 82 Pässe gingen ins Leere) die meisten Ballkontakte hatte.

Am Dienstag geht es bereits weiter und die Mannschaft kann beweisen, dass es sich doch um einen Ausrutscher handelte. Ausreden gibt es dann keine mehr, obwohl… machen wir es wie die Bayern: Schuld ist die WM! Bei der kurzen Vorbereitung kann man ja noch keiner Wunderdinge erwarten. Und wenn Pizarro erst wieder fit ist, kann uns sowieso niemand mehr aufhalten!

Optimist müsste man sein.

3 Fragen zu Werder Bremen

Vor jedem Bundesligaspiel gibt es in dieser Saison eigentlich ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners. Dieses Mal stelle ich die drei Fragen jedoch nicht zum FSV Mainz 05 sondern zu unserem eigenen Verein – ein Interview mit mir selbst. Zwei Gründe: 1.) Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der größte Gegner unserer Mannschaft sie selbst ist und 2.) mir ist ad hoc kein Mainz-Blog eingefallen und ich hatte zu wenig Zeit zu recherchieren und rechtzeitig Kontakt aufzunehmen (kennt jemand von euch ein Mainz05-Blog? Es gibt ja auch noch ein Rückspiel…). Die folgenden drei Fragen kann ich nur unvollständig beantworten. Ich habe es trotzdem versucht. Vielleicht fallen euch ja bessere Antworten oder Ergänzungen ein? Ich bin auf eure Meinung in den Kommentaren gespannt!

Werder gerät seit nun fast einem Jahr sehr häufig früh im Spiel in einen Rückstand, der dann mühsam aufgeholt werden muss. Dabei entsteht häufig der Eindruck, dass dies zu großen Teilen an fehlender Konzentration der Mannschaft liegt. Wie kommt es dazu und woran kann man ansetzen um dies zu ändern?

Wenn ich die Antwort auf die Frage hätte könnte ich irgendwann Thomas Schaaf beerben… Werders Spielweise, das Ideal unseres Trainers, ist ziemlich anspruchsvoll und basiert darauf, dass die gesamte Mannschaft voll konzentriert bei der Sache ist. Die offensive Spielweise, die hoch stehende Viererkette, die vielen Positionswechsel im Mittelfeld – das sind alles Risikofaktoren, die bei falscher Umsetzung katastrophale Folgen haben können. Je weniger eine Mannschaft absichert, desto schlimmer wirken sich individuelle Fehler aus. Es sind jedoch bei weitem nicht nur diese Fehler, die Werder anfällig machen. Defensiv arbeitet das Team häufig nicht geschlossen und diszipliniert genug nach hinten. Die Mannschaft lässt sich daher viel zu häufig mit einfachsten Mitteln auseinandernehmen. In dieser Saison kommen noch häufige (teils freiwillige, teils unfreiwillige) Wechsel am Personal hinzu. Das Team, das in den letzten beiden Spielen auf dem Platz stand, kann noch gar nicht richtig eingespielt sein.

Ansatzpunkte um etwas an den Probleme zu ändern gibt es einige: Tiefer stehende Viererkette, allgemein abwartendere Spielweise, weniger Positionswechsel, mehr taktische Disziplin. Wie man sieht gehen diese Ansatzpunkte alle auf Kosten der Offensivstärke und sind selbstverständlich keine Garantie für einen Erfolg. Außerdem gibt es ja durchaus Mannschaften, die sehr offensiv ausgerichtet sind und trotzdem wesentlich weniger Gegentore kassieren als Werder. Die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive ist irgendwann ums Jahr 2007 abhanden gekommen und wird seitdem händeringend gesucht. Vor einem Jahr sah es ganz gut aus, da war man schon mal weiter. Nun beginnt man die Suche wieder von vorne.

Andererseits ist Werder inzwischen auch sehr gut darin im Spiel die Leistung zu steigern, Rückstände aufzuholen und Spiele zu drehen. Woher nimmt das Team die mentale Kraft, sich immer wieder aus scheinbar aussichtslosen Situationen zurück zu kämpfen? Warum können diese Leistungen nicht von Anfang an gezeigt werden?

Woher die Mannschaft die Kraft nimmt weiß ich nicht, ich kann nur vermuten. Vielleicht liegt es an der unglaublichen Saison 08/09. Wer in Mailand ein 0:2 aufholt, wer in Unterzahl ein entfesselt aufspielendes Hoffenheim besiegt, wer sich innerhalb weniger Wochen in drei Wettbewerben gegen den Erzrivalen durchsetzt, der kann eben auch in Nürnberg oder zuhause gegen Stuttgart Rückstände aufholen. Jeder weitere Erfolg stärkt das Selbstvertrauen, bekräftigt den Glauben an die eigene Stärke. Inzwischen ist selbst ein 0:2 gegen Tottenham oder ein 0:3 gegen Sampdoria schon kein Grund mehr, die Hoffnung aufzugeben. Das Risiko besteht natürlich darin, dass die Mannschaft irgendwann so sehr von ihren Qualitäten überzeugt ist, dass die Konzentration verloren geht, nach dem Motto “0:1 ist ja nicht so schlimm”. Vielleicht ist das ein Grund für die teils unterirdischen Leistungen zu Beginn eines Spiels. Man fragt sich schon, wozu diese Mannschaft fähig sein könnte, wenn sie diese schlampigen Phasen nicht hätte. Ob sie dann trotzdem solch einen Kraftakt wie beispielsweise in Genua schaffen würde? Es wäre dann ja gar nicht mehr unbedingt notwendig.

Nicht nur einzelne Spiele gleichen bei Werder häufig einer Achterbahnfahrt, sondern meistens auch der Saisonverlauf. Auf tolle Siegesserien folgen wochenlange Krisen. Werder scheint immer unberechenbarer zu werden. Im Ergebnis war Werder in den letzten Jahren trotzdem konstant wie kaum eine andere Mannschaft (in sechs der letzten sieben Jahre in den Top 3). Woher kommen die großen Leistungsschwankungen und wo ist Werder leistungsmäßig wirklich anzusiedeln?

Die Platzierungen am Ende der Saison sind der beste Indikator für die tatsächliche Leistungsstärke: Werder ist fast immer eine der besten Mannschaften der Bundesliga, aber selten die allerbeste. Die Leistungsschwankungen, also die Abweichungen vom Durchschnitt, sind zumindest dem Empfinden vieler Fans nach größer als bei anderen Mannschaften. Statistisch kann man sagen: Die Standardabweichung ist höher. Meiner Meinung nach gibt es dafür zwei Gründe: Zum einen birgt Werders Spielweise größere Risiken als die vieler anderer Mannschaften, kann daher bei Nicht-Gelingen zu größeren Misserfolgen führen, auf der anderen Seite aber auch eine Leistung ermöglichen, die andere (im Schnitt gleichstarke) Mannschaften nicht erreichen. Zum anderen wirkt die offensive, spektakuläre Spielweise “besser” als eine nüchterne, ergebnisorientierte Spielweise. Man nimmt eine Leistung deshalb häufig stärker war, als sie eigentlich ist. Dadurch erhöht sich die Fallhöhe und Misserfolge werden als noch größere Enttäuschung wahrgenommen.

Dein Tipp?

Ich wünsche mir ein souveränes und etwas langweiliges 2:0, aber ich rechne mit einem hart umkämpften 3:2.

7. Spieltag: Drei… zwei… eins… Mainz

Werder Bremen – Mainz 05 3:0

Drei Tore geschossen. Zweiten Heimsieg der Saison eingefahren. Ein Spieler sorgte wieder mal für die Entscheidung. Mainz geht leer aus.

Man kann es ja zunächst mal positiv sehen: Werder hat am Ende relativ locker mit 3:0 gewonnen, hat nicht viele Chancen zugelassen und erneut zu Null gespielt, war effektiv im Abschluss. Dazu die nicht als Flankengötter verschrieenen Pasanen und Boenisch je mit einer starken Torvorlage. Mesut Özil ist wieder zurück. Marko Marin machte ein starkes Spiel, ebenso Torsten Frings. Aaron Hunt nicht so gut wie gegen St. Pauli, aber erneut Torschütze. Doch es blieb wieder einmal Claudio Pizarro vorbehalten, das Spiel zu entscheiden. Seine Kopfbälle machten in der zweiten Halbzeit den Sack zu. Im Hinblick auf das Spiel gegen Bilbao am Donnerstag ist es sicherlich vorteilhaft, dass Werder nicht über 90 Minuten ans Limit gehen musste.

Das alles kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es über weite Strecken kein gutes Spiel war, das Werder ablieferte. Es reihte sich Fehlpass an Fehlpass. So machte man es Mainz zu einfach, den Ball vom eigenen Tor fernzuhalten. Nach der Bremer Führung wurde das Spiel für einige Minuten ganz gut, doch in der zweiten Halbzeit zunächst das alte Bild. Marko Marin riss in der Folge das Spiel immer mehr an sich und holte einige gefährliche Freistoßchancen heraus. Erst nach dem 2:0 durch Pizarro konnte man einigermaßen sicher sein, dass nichts mehr anbrennen würde.

Übertriebener Pessimismus ist nach diesem Ergebnis fehl am Platz. Deshalb sollte man das Spiel einfach als Arbeitssieg abhaken und sich über die nun 10 Spiele währende Serie ohne Pflichtspielniederlage freuen.