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Ernüchterung trotz Runde 2

FV Illertissen – Werder Bremen 2:3 n.V. (1:1, 1:1)

Werder gewinnt etwas glücklich nach Verlängerung gegen den Regionalligisten FV Illertissen. Dabei enttäuschte das Team eine Woche vor dem Bundesligastart spielerisch auf ganzer Linie. Der erstmalige Einzug in die zweite Pokalrunde seit vier Jahren kann nur ein wenig darüber hinweg trösten.

Robin Dutt wartete mit einer etwas größeren Überraschung auf und ließ Petersen trotz Di Santos Verletzung nur auf der Bank. Werder begann somit ohne klassische Sturmspitze und dafür mit Hajrovic und Elia im Angriff. Das restliche Team begann wie erwartet, wobei Makiadi und Bartels die Halbpositionen im Mittelfeld besetzten und Lukimya für den verletzten Prödl in der Innenverteidigung ran durfte. Illertissen spielte ein 4-5-1, das in der Raumaufteilung zwischen 4-2-3-1 und 4-1-4-1 pendelte.

Problemzone Zehnerraum

Werders Pressing im 4-1-3-2 funktionierte in der Anfangsphase recht gut und man kam zu einigen gefährlichen Aktionen, aus denen auch der Freistoß vor dem Elfmeter zum Führungstor resultierte (Gratulation an dieser Stelle an Hajrovic zu diesem Elfmeter. Von dieser Schusstechnik können sich die meisten seiner Teamkollegen etwas abschauen). Mit zunehmender Spieldauer griff Werders Offensivansatz jedoch immer weniger. Das Gegenpressing ging zu oft ins Leere, insbesondere im Zentrum gelangen kaum einmal Überzahlsituationen durch hohe Ballgewinne. Im Gegenteil waren es oft die Bremer die im Zehnerraum isoliert wurden. Bei vertikalen Anspielen in diesen Bereich fand sich der Passempfänger fast immer gegen 3-4 Gegenspieler wieder, ohne eigene Anspielstation in der Nähe. So hatte Werder keinen Zugriff auf das Zentrum und kam meist nur über hohe Bälle oder Flügelangriffe nach vorne.

Auf der linken Seite lief sich Elia dabei häufig fest und zeigte einmal mehr, dass er kein Freund des Torabschlusses ist. Linksverteidiger Garcia erwischte leider einen seiner schwächeren Tage und konnte trotz einiger guter Flügelläufe wenig in der Offensive bewirken. Rechts zeigte Bartels ein paar gute Ansätze im Dribbling (bei denen er allerdings nicht durchsetzungsstark genug war), war jedoch mit seinen Kernaufgaben auf der Halbposition überfordert. Er stand auch häufig zu hoch, wodurch der defensiv nicht sattelfeste Fritz hinten rechts Probleme bekam. Hajrovic hatte etwas Probleme seine Rolle zu finden und kam selten in Positionen an den Ball, von denen er seine Abschlusstärke einsetzen konnte. Das Aufbauspiel aus der Abwehr war gewohnt langsam und kam im Kombinationsspiel nur selten über die Mittellinie hinaus. Daran konnte auch Gàlvez nichts ändern, der zwar vieles mitbringt, was ein Rauten-Sechser haben sollte, doch letztlich kein ausgemachter Kreativspieler ist. Dass er seine Rolle noch finden muss, zeigte seine durchgängig sehr tiefe Positionierung bei Ballbesitz seine Teams. Die Ballverteilung war ebenfalls verbesserungswürdig. Ihm fehlten allerdings auch Anspielstationen im Zentrum, oft blieb nur der Querpass oder der lange Ball als Option.

Die Standards entscheiden das Spiel

Auch defensiv wirkte Werder nicht wirklich sattelfest. Sinnbildlich war dafür eine Szene kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit, als Wolf und Lukimya sich nach Garcias Querschläger nicht einig waren und Illertissen so eine Großchance ermöglichten. Aus dem Spiel heraus hatte zwar auch Illertissen wenige Torchancen, doch ihre Standardsituationen nutzten die Gastgeber gut und bereiteten Werders Abwehr damit große Schwierigkeiten. Überhaupt waren es die Standards, die in diesem Spiel die größte Offensivgefahr ausmachten. Auch Werder konnte bei eigenen Ecken und Freistößen überzeugen und letztlich machten diese auch den Unterschied aus. Alle drei Bremer Tore fielen nach ruhenden Bällen.

Für meinen Geschmack hielt Dutt etwas zu lange an seiner Linie fest, bevor er die offensichtlichsten Probleme auf dem Feld mit seinen ersten beiden Wechseln anging: Busch kam für Bartels und sorgte für mehr Stabilität auf der rechten Seite, wodurch Clemens Fritz zurück in die Spur fand (abgesehen von seinem schlechten Zweikampfverhalten vor dem 2:3, das leider inzwischen typisch für sein Spiel ist). Im Angriff kam Selke für Makiadi, sodass es im Angriff zumindest einen Zielspieler für hohe Bälle gab. Vorher erinnerte die Offensive an die Versuche mit der Raute im letzten Herbst, als Werder ebenfalls ohne wirkliche Stürmer spielte. In die Loblieder auf Selke kann ich allerdings nicht einstimmen, er hat noch sehr viele wichtige Dinge falsch gemacht. Allerdings hat er unermüdlich versucht etwas zu bewegen, suchte insbesondere auf dem rechten Flügel nach Räumen und wurde mit seinem ersten Treffer für die Profis belohnt. Ob das schon für die Bundesliga reicht, wird man in den nächsten Wochen sehen. Schade fand ich, dass Dutt nicht auf mehr Spielstärke gesetzt hat und Aycicek (trotz Hajrovics Abtauchen auf der Zehnerposition) oder Kobylanski (trotz Elias Harmlosigkeit) keine Chance gegeben hat.

Das Gerede vom Pokalfluch hört nun endlich auf. Zum Feiern war bei Werder jedoch nur wenigen zumute. Letztlich war es nur ein Spiel und es bleibt die Hoffnung, dass Werder in Ulm nur einen schlechten Tag erwischt hat. Jedoch sollte nun klar sein, dass Werder ohne Prödl, Di Santo, Bargfrede und Selassie noch ein gutes Stück entfernt ist von der Form des letzten Frühlings. Nennenswerte Automatismen in der Offensive sind nicht zu erkennen, die Neuzugänge können noch nicht überzeugen und es fehlte gegen Illertissen auch die unbedingte Kampfbereitschaft, mit der Werder einen Großteil der letzten Saison über agiert hat. Die in dieser Saison angestrebte Entwicklung ist nach wie vor möglich, aber Werder wird sie sich hart erarbeiten (und eventuell auch noch mal auf dem Transfermarkt nachlegen) müssen.