Schlagwort-Archiv: Gruppe C

Meine EM: 3. Spieltag: Showdown ums Viertelfinale

Gruppe A

Polen – Tschechien 0:1

Die beiden Außenseiter sind weitergekommen und ich muss zugeben, dass ich nur die beiden unterlegenen Favoriten vor dem Turnier richtig eingeschätzt habe. Polen ist letztlich vor allem an seinem zu schwachen Kader gescheitert. Über Rechts war man gefährlich und mit viel Einsatz und Motivation spielte man phasenweise gut auf. Viel mehr hatte das Team aber nicht zu bieten. Je länger die Spiele dauerten, desto einfallsloser wirkte das, was Smudas Spieler ablieferten. Dazu kam der größer werdende Druck und wohl auch die Versagensangst. Zwei Punkte sind für einen Gastgeber ein Armutszeugnis und so kann sich niemand über das Ausscheiden beschweren. Tschechien war sicher kein übermächtiger Gegner, hat aber eine technisch starke Mannschaft und konnte sich trotz taktischem Blackout gegen Russland am Ende sogar als Gruppensieger durchsetzen. Ich sehe das eher als Schwäche der Gegner, denn als Zeichen, dass Tschechien auf dem Weg zurück in die europäische Spitze ist. Im Prinzip reichte ihnen eine gute halbe Stunde gegen Griechenland und ein konzentriertes, solides Spiel gegen Polen zum Weiterkommen. Dennoch hätte ich nicht damit gerechnet, dass sie es packen.

Griechenland – Russland 1:0

Russland ist im Nachhinein dann doch eine große Enttäuschung, auch wenn sie im Prinzip nur das wahr gemacht haben, was ich vor dem Turnier vermutet habe: Als Kontermannschaft sind sie mitunter weltklasse, aber gegen einen defensiven Gegner und mit viel Zeit am Ball gehen ihnen die Ideen aus. Die offensiven Spielzüge gegen Tschechien waren großartig und sicher ein Highlight der Vorrunde. Gebracht hat es ihnen nichts außer Vorschusslorbeeren. Gegen Polen spielten sie lange auf Sparflamme und versäumten es, den Vorrundensack zuzumachen. Gegen die defensiven Griechen gerieten sie dann in Panik und fanden keine geeigneten Mittel. Da kann die Torschussstatistik noch so gut aussehen, viele echte Torchancen waren nicht dabei. Deshalb ist der Sieg der Griechen zwar etwas glücklich, beschweren können sich die Russen hingegen nicht. Damit wären wir auch schon bei der Freak-Mannschaft des Turniers. Schlechter als Griechenland kann man nicht in ein Turnier starten: Vom Gegner überrannt, 0:1 hinten, unberechtigter Platzverweis für den einen, Kreuzbandriss für den anderen Innenverteidiger. Im zweiten Spiel sah es noch schlimmer aus. Von Tschechien ließ man sich in den ersten fünf Minuten gleich zwei Dinger einschenken und kam trotz deutlichen Einbruch beim Gegner kaum zu eigenen Torchancen. Und dennoch steht Griechenland im Viertelfinale, weil man eine unglaubliche Zähigkeit an den Tag legt und im letzten Spiel gegen Russland sehr stark verteidigt hat. Ich hätte Griechenland spielerisch etwas stärker erwartet, aber Deutschland wird an der griechischen Defensive zu knabbern haben.

Gruppe B

Deutschland – Dänemark 2:1

Am Ende musste Deutschland noch mal zittern. Portugal führte gegen Holland, Deutschland brauchte einen Punkt und beim Stande von 1:1 unterzog man Bendtners Trikot im deutschen Strafraum einem gründlichen Reißtest. Über einen Elfmeter hätte man sich nicht beschweren können, aber zum Glück blieb die Pfeife stumm und wenig später entledigte Lars Bender das Team von allen unmittelbaren Sorgen. Am Ende stehen neun Punkte auf Deutschlands Konto und das in der schwersten Gruppe des Turniers. Ohne Kritikpunkte kommt man auch im dritten Spiel nicht aus, doch das sollte eher Hoffnung machen als Angst. Eine bessere Mannschaft habe ich im Turnier bislang nicht gesehen und wenn dann sogar noch Steigerungspotenzial und eine starke Bank vorhanden sind, ist das eine glänzende Ausgangslage. Aber Turniere laufen in der K.O.-Runde ja bekanntlich nur selten so ab, wie man nach der Vorrunde denkt. Um Dänemark tut es mir etwas leid, denn sie haben ein tolles Turnier gespielt und sich gut verkauft in der Gruppe. Man merkt dem Team an, dass es Olsens System verinnerlicht hat. So konnte man auch in der “Todesgruppe” mithalten. Lediglich Christian Eriksen hat mich etwas enttäuscht.

Niederlande – Portugal 1:2

Portugal ist gegen Dänemark mit einem blauen Auge davon gekommen, hat sich im letzten Spiel gegen die Niederlande jedoch rehabilitiert. Vor allem Ronaldo zeigte, dass er Portugal mit seiner individuellen Klasse auf ein anderes Niveau heben kann. Aber genau deshalb sehe ich immer noch nicht, wie sie sich mit dieser starken Abhängigkeit von den Flügeln und Ronaldos Geniestreichen sowie dessen weitgehendem Verzicht auf Defensivarbeit auf höchstem Niveau durchsetzen wollen. Gegen Tschechien sollte es aber noch reichen. Für die Niederlande fallen mir hingegen kaum noch Worte ein. Da lief von A bis Z so ziemlich alles falsch, was falsch laufen kann in solch einem Turnier. Zusätzlich zu den bereits bekannten Problemen (schwacher Spielaufbau, kein Ineinandergreifen von Offensive und Defensive, Egoismen einzelner Spieler) ließen die Holländer immer mehr auch jeglichen Mannschaftsgeist vermissen und scheiden so völlig zurecht als Gruppenletzter aus. Zweifellos die Enttäuschung des Turniers.

Gruppe C

Italien – Irland 2:0

Vom Spiel habe ich nur die Tore gesehen. Das 2:0 von Balotelli war überaus sehenswert und verdeutlicht den Zwiespalt, in dem Prandelli steht. Das schlampige Genie spielen lassen oder nicht? Man will auf seine Klasse nicht verzichten, aber das Risiko eines Blackouts ist immer mit im Spiel. Ansonsten bleibt nur festzuhalten, dass Italien die Pflichtaufgabe gelöst hat und diesmal nicht Opfer eines 2:2 im Parallelspiel wurde.

Spanien – Kroatien 1:0

Der Tenor war eindeutig: Langweiliges Spiel der Spanier. Überhaupt scheinen viele vom endlosen Tiki Taka inzwischen eher genervt zu sein. Aber man kann es auch umdrehen: Vielleicht ist Spanien einfach vom Rest der Fußballwelt genervt – oder schlimmer noch: gelangweilt. Als Welt- und Europameister müssen sie nichts mehr beweisen. Da kann so eine Gruppenphase gegen Gegner, die die letzten Monate damit verbracht haben, sich die perfekte Taktik gegen die Spanier zu überlegen, schon ziemlich ermüdend sein. Bei allen Zweifeln, die man ob der vermeintlichen Ineffektivität und der fehlenden Breite im Spiel haben kann und bei allem Lob, das sich Kroatien und vor allem Italien verdient haben: Geschlagen haben sie die Spanier nicht. Spanien ist das “Team to beat”, sie sind der Titelverteidiger, sie sind der Maßstab. Die Herausforderer müssen sich an ihnen abarbeiten und da ist es schon beachtlich, dass mit einiger Luft nach oben “mal eben” sieben Punkte eingefahren wurden. Spanien hat ein wenig gewankt, mehr als Deutschland sogar, aber mehr war es letztlich nicht. Ein klarer Elfmeter wurde den Kroaten verweigert, aber später hätte auch Spanien einen bekommen müssen und am Siegtor gab es regeltechnisch auch nichts auszusetzen. Kroatien fehlte am Ende ein Tor, sonst hätten sie Italien noch verdrängt. Für mich waren sie eine der positiven Überraschungen des Turniers und es ist schade, dass sie in dieser starken Gruppe nicht weitergekommen sind.

Gruppe D

Ukraine – England 0:1

Was für ein schräges Fußballspiel. Das mäßige Niveau in Gruppe A hat wohl niemanden überrascht, aber Gruppe D war keinen Deut besser. Die Ukraine wirkte wie ein ziellos zusammengeschusterter Haufen, der irgendwie den Ball zum nächsten Mann schob und hoffte, dass dabei so etwas wie ein Spielaufbau herauskommt. Jenseits der Mittellinie wurde dann der Turbo gezündet und es ging in hohem Tempo nach vorne. Die Engländer brauchten eine Weile, bis sie sich darauf eingestellt hatten. So kam die Ukraine zu einigen guten Torgelegenheiten. Mit der Zeit biss man sich am englischen Abwehrbollwerk jedoch die Zähne aus. Die Engländer erfüllten zumindest die Erwartungen, die man vor dem Turnier an sie hatten. Das sieht nicht schön aus, ist spielerisch meilenweit von Spanien oder Deutschland entfernt, aber es ist effizient und holt derzeit das beste aus den Spielern heraus. Ich bin gespannt, wie weit sie mit diesem geradlinigen und britischen Fußball kommen können. Der zweite Gastgeber ist hingegen ausgeschieden und auch hier kann man (Torrichter hin oder her) wenig Argumente finden, warum es anders sein sollte.

Frankreich – Schweden 0:2

Verkam anscheinend zu einer Art Freundschaftskick. Schweden stand schon vorher als Gruppenletzter fest und spielte befreit auf. Eigentlich habe ich zu ihnen im letzten Beitrag alles geschrieben und an meiner Meinung ändert auch der Sieg gegen Frankreich nichts. Die Franzosen verstehe ich nicht so recht, sie machen immer das Gegenteil von dem, was ich erwarte. Ihren Ansatz in der Offensive finde ich interessant, aber es scheint eine recht breite Streuung zu geben, was die möglichen Ergebnisse angeht. An einem guten Tag Spanien schlagen? Vielleicht. Aber warum dann nicht an einem mittelmäßigen Tag Schweden besiegen und Gruppensieger werden? Ob das wirklich nur das Gefühl der Sicherheit war, dass beim anderen Spiel eh nichts mehr anbrennt? Oder das Fehlen von Cabaye? Ich weiß nicht.

Meine EM: 2. Spieltag, Gruppe C

Italien – Kroatien 1:1

Vor einigen Tagen war Italien noch die Überraschungsmannschaft des Turniers und 45 Minuten lang knüpfte man auch gegen Kroatien an die Leistung aus dem Spanien-Spiel an. Die Kroaten hatten große Probleme gegen die beweglichen Cassano und Balotelli im Sturmzentrum. Vor allem Balotelli zeigte sich nach dem schwachen Auftaktspiel deutlich verbessert. Insgesamt dominierten die Italiener das Zentrum mit ihrem 3-5-2: In der Abwehr hatten sie gegen die beiden kroatischen Spitzen genauso eine 3 vs 2 Überzahl, wie im zentralen Mittelfeld. Diese spielten sie gut aus, während Kroatien die 2 vs 1 Überzahl auf den Flügeln nicht gut nutzen konnte. Das 1:0 erzielte Pirlo zwar durch einen Freistoß, aber es entsprach auch dem Spielverlauf.

Dann geschah jedoch etwas unerwartetes: Kroatien stellte zur Pause um auf ein 4-2-3-1, zog Mandzukic auf den Flügel und Rakitic ins Zentrum. Dadurch bekamen sie die Dominanz der Italiener besser in den Griff, ohne ihre Überzahl auf dem Flügel aufzugeben. Mit zunehmender Spieldauer gelang es immer besser, die italienischen Wingbacks unter Druck zu setzen und letztlich fiel dadurch auch der Ausgleich, wenn auch mit freundlicher Unterstützung von Chiellini, der sich bei einer Flanke gewaltig verschätzte (bei aller taktischen Klasse sind die italienischen Verteidiger immer mal für einen individuellen Patzer gut).

Ich muss sagen, dass ich positiv überrascht bin von Bilic. Während der ansonsten taktisch so flexible Prandelli das Spiel aussaß und nur personell reagierte, am 3-5-2 aber festhielt, stellte Bilic taktisch um und brachte Kroatien damit zurück ins Spiel. Am Ende war sein Team sogar näher am Sieg als die Italiener. Auch wenn Kroatien noch längst nicht im Viertelfinale steht, muss ich zugeben, dass ich sie unterschätzt habe. Ich hätte eher den komplett reaktiven und körperlich starken Iren in dieser Gruppe etwas zugetraut, als den doch recht ausrechenbaren Kroaten. Wie es scheint, habe nicht nur ich mich verrechnet.

Spanien – Irland 4:0

Wieder ein frühes Gegentor für die Iren, das Trapattonis Matchplan nach 4 Minuten über den Haufen warf. Eigentlich könnte ich jetzt auf das erste Spiel der Iren verweisen und es dabei belassen. Spanien spielte seinen Stiefel runter und ließ Irland nicht den Hauch einer Chance. Viele Erkenntnisse konnte man aus dem Spiel nicht ziehen. Irland stand nicht so tief, wie es von vielen hinterher behauptet wurde. Sie versuchten durchaus frühes Pressing zu spielen und sich nicht zu weit zurückdrängen zu lassen, doch gegen Spaniens Ballsicherheit fanden sie keine Mittel. Somit mussten sie zwangsläufig immer weiter zurückweichen und die Mitte dicht machen. Das gelang in der ersten Halbzeit gut, in der zweiten weniger.

Dennoch fanden die Spanier ihre Lücken. Es machte sich bezahlt, mit Torres wieder einen richtigen Stürmer auf dem Platz zu haben, der auf Höhe der Abseitslinie agiert und auf den Pass in die Lücke wartet. Diesmal verwertete er auch seine Chancen besser als gegen Italien. Irlands Spiel mit Ball ist nicht wettbewerbsfähig. Nach Ballgewinn geriet man ob des spanischen Pressings in Panik. Flach und kurz ging es nur nach hinten: Vom Sechser zum Innenverteidiger zum Torwart (der die meisten Ballkontakte des Teams hatte). Nach spätestens drei Pässen war der Ball entweder weg oder wurde lang und hoch nach vorne gedroschen. Um mit dieser Art Fußball zu bestehen, muss man unbedingt lange die Null halten. Irland gelang dies in beiden Spielen insgesamt sieben Minuten lang und fährt deshalb zurecht nach Hause.

Meine EM: 1. Spieltag, Gruppe C

Das bislang beste Spiel bei dieser EM fand am Sonntag zwischen Spanien und Italien statt. Zwei Teams mit interessanten taktischen Ansätzen lieferten sich über 90 Minuten ein packendes und fußballerisch hochwertiges Duell. Das konnte man von Kroatien gegen Irland nicht gerade behaupten. Hier brachten sich die Iren durch kuriose Gegentore schnell um jegliche Siegchance.

Spanien – Italien 1:1

Wer einen Durchmarsch der Spanier in diesem Turnier erwartete, sah sich ebenso getäuscht, wie diejenigen, die vom italienischen Fußball nur die Klischees kennen. Spanien spielte im gewohnten 4-3-3, doch mit einer unerwarteten Taktik. Ähnlich wie Barcelona verzichtete man auf einen Stoßstürmer und ließ mit Iniesta, Silva und Fabregas drei Mittelfeldspieler in der vorderen Dreierreihe auflaufen. Italien konterte diese Taktik mit einem 3-5-2/5-3-2, über das schon länger spekuliert worden war. Die italienische Taktik war klar: Das enge Spiel der Spanier durch sechs Spieler in der Mitte numerisch kontern und mit variablen Wingbacks den Platz auf den Außen nutzen.

Die spanischen Außenverteidiger kamen nicht gut damit zurecht, dass sie keine direkten Gegenspieler hatten und wussten häufig nicht, ob sie aggressiv gegen die Wingbacks pressen oder sich lieber zurückhalten sollte. Die italienischen Stürmer, vor allem Cassano, lauerten auf die Räume, die sich dadurch ergaben. Spanien riskierte jedoch in der 1. Halbzeit nicht allzu viel. Dadurch fehlte dem Spiel die Breite und konzentrierte sich stattdessen aufs Zentrum 20 – 35 Meter vor dem italienischen Tor. Bei den italienischen Gegenangriffen zeigte sich dann, dass die Mannschaft keineswegs nur mauerte. Die Wingbacks schoben häufig weit mit nach vorne um den Platz auf den Flügeln zu nutzen und Andrea Pirlo spielte stark als tiefliegender Spielmacher. Seine Vorarbeit vor dem 1:0 war große Klasse, ebenso wie di Natales Abschluss. Damit dürfte sich Letzterer zurück ins Team gespielt haben, während Balotelli eine lustlose Vorstellung ablieferte.

Spanien kam dann jedoch gut zurück ins Spiel. Als man sich fragte, was (bzw. wer) wohl der Plan B der Spanier ist, funktionierte der Plan A dann doch noch, dank eines genialen Moments von Silva, der auf Fabregas durchsteckte. Diese Lücken in der Fünferkette hatten sie vorher vergeblich gesucht. In der Schlussphase zeigte dann Fernando Torres, dass seine Schnelligkeit noch wichtig werden könnte im Turnier, auch wenn er zwei Großchancen vergab. Ganz ohne Stoßstürmer und Flügelstürmer wird auch Spanien nicht auskommen. Hat Italien mit der Dreierkette einen Masterplan gegen die Spanier gefunden? Ich glaube nicht, dass viele andere Teams dieses System gegen sie übernehmen werden. Erstens fehlt es dazu an der nötigen Eingespieltheit (die Italiener sind das System gewohnt) und zweitens hat Italien keine starken Flügelspieler, die man für die Formation opfern müsste.

Kroatien – Irland 3:1

Direkt im Anschluss gab es dann wieder fußballerische Magerkost. Irland hat bei dieser EM nur dann eine Chance, wenn es gelingt lange die Null zu halten und dann einen Konter zu setzen oder die Stärke bei den Standards zu nutzen. Wenn man sich direkt in der Anfangsphase ein kurioses Gegentor fängt wie gegen Kroatien, hat man eigentlich keine Optionen mehr. Zwar kam Irland dank eines Kopfballtors von St. Ledger noch einmal zum Ausgleich, doch die Gegentore kurz vor und nach der Halbzeit machen dann endgültig eine Strich durch Trapattonis Matchplan.

Irland war durch die gute Organisation trotz mangelnder individueller Qualität zu einer Art Geheimfavorit in der Gruppe C erklärt worden (auch von mir). Doch fußballerisch sind sie eindeutig das schwächste Team im Turnier. Das wurde nach dem Rückstand mehr als deutlich. Es gab praktisch keinen Plan B, der über lange hohe Bälle und Standards hinausgeht. Die Spieleröffnung wirkt fast schon anachronistisch. Man mag die Kampfbereitschaft der Iren bewundern, aber wenn sie den Gegner nicht durch langes Halten eines 0:0 zermürben, sind sie leider nicht konkurrenzfähig. In den kommenden beiden Spielen sind sie noch mehr Außenseiter und erhalten weitere Chancen, mit ihrem disziplinierten Defensivspiel zu beeindrucken. Gegen Kroatien ist ihnen dies nicht im Ansatz gelungen.

Kroatien ist nach diesem Spiel schwer einzuschätzen. Sie waren klar die bessere Mannschaft in einem eher niveauarmen Spiel. Der Spielverlauf kam ihnen jedoch entgegen und sie mussten keine langen Phasen des Anlaufens aufs Tor bewältigen. Sie haben individuell gute Spieler und sind technisch auf hohem Niveau, so viel war vorher schon klar. Wie gut sie wirklich sind, wird man wohl erst gegen Italien sehen. Irland stellte leider keinen ernsthaften Test für sie dar.

Meine EM: Kroatien auf dem absteigenden Ast

Es ist noch nicht lange her, da schien Kroatien der Schritt vom Fußballschwellenland zur großen Fußballnation gelungen zu sein. Bei der letzten Europameisterschaft sah die kroatische Zukunft mehr als rosig aus. Erst warf man England mit einem überzeugenden Sieg schon in der Qualifikation aus dem Wettbewerb. Dann fügte man Deutschland in der Gruppenphase eine empfindliche Niederlage zu. Im Viertelfinale stand man nach einem Last Minute Tor in der Verlängerung ganz kurz vor dem größten Erfolg seit 1998, doch dann kam alles anders. Das Gegentor in der 121. Minute, das Aus im Elfmeterschießen und irgendwie scheint es, als hätte sich der kroatische Fußball davon noch nicht wieder erholt.

Die fetten Jahre sind vorbei

Vier Jahre später zählt kaum jemand Kroatien noch zu den (Geheim-)Favoriten. Zu schwach waren die Leistungen in den letzten Jahren, zu wenig Optimismus versprüht der Kader. Nachdem man zunächst die Rache der Engländer in Form einer 1:4 Heim- und einer 1:5 Auswärtsniederlage zu spüren bekam und die Qualifikation zur WM 2010 verpasste, hatte man auch auf dem Weg zu dieser Europameisterschaft so seine Probleme. Griechenland erwies sich in der Gruppe als zu stark und erst im Play-Off gegen die Türkei konnte Kroatien zu alter Stärke zurückfinden. Die Testspiele waren dann eher durchwachsen. Die schwachen Esten waren kein ernsthafter Gegner und gegen Norwegen glänzte man mit einem schmucklosen Remis.

Personell ist es um die Kroaten nicht zum Besten bestellt, was sich vor allem in der Offensivabteilung zeigt. Die Altstars Klasnic und Petric wurden nicht mehr berücksichtigt, während Ivica Olic mit einer Verletzung ausfällt. Eduardo da Silva ist nach seiner schweren Verletzung nie so ganz zu alter Stärke zurückgekehrt. So ruht viel Hoffnung und Verantwortung auf dem Wolfsburger Mario Mandzukic. Das Herzstück des kroatischen Spiels ist jedoch Luka Modric, der im zentralen defensiven Mittelfeld die Fäden zieht und eine beachtliche Entwicklung genommen hat. Ansonsten besteht der kroatische Kader aus vielen Spielern, die über genügend technische und taktische Klasse verfügen, aber nicht wirklich herausragend sind. Zudem ist die Altersstruktur etwas fragwürdig. Waren die Kroaten früher eine Mischung aus alten Haudegen und jungen Talenten, besteht heute fast der komplette Kader aus Spielern im mittleren Fußballeralter. Im kroatischen Team findet sich kein einziger Spieler unter 23. Einen neuen Modric oder Eduardo sucht man daher vergeblich.

Maximal Außenseiterchancen

Dennoch ist der kroatische Kader zweifellos stark genug, um eine schlagkräftige Mannschaft aus ihr zu formen. Um aus spielern wie Ivan Rakitic oder Ivan Perisic das Optimum herauszuholen braucht es jedoch eine stimmige Taktik. Das negieren der gegnerischen Stärken und das Ausnutzen der daraus resultierenden Fehler gehörte unter Slaven Bilic lange zu den Hauptqualitäten. Inzwischen ist Kroatien die dafür notwendige, einhundertprozentige Konzentration etwas abhanden gekommen. Dazu ist die Mannschaft defensiv nicht mehr so hochkarätig besetzt, wie noch vor einigen Jahren. Josip Simunic ist noch immer unumstrittener Abwehrchef und man sucht vergeblich nach jüngeren Spielern seines Kalibers. Auch die Außenverteidiger genügen nicht mehr höheren Ansprüchen.

So ist Kroatien ein eher mittelmäßiges Team bei dieser Europameisterschaft. Zu gut, um sang- und klanglos unterzugehen. Nicht gut genug, dass man ihnen gegen Spanien und Italien das Weiterkommen zutrauen würde. Vielleicht kommt es Bilic und seiner Mannschaft entgegen, dass sie nicht mehr die Bürde des Geheimfavoriten zu tragen haben. Es würde mich jedoch wundern, wenn sie bei dieser Europameisterschaft ein Comeback in der internationalen Spitze feierten. Gegen Irland könnte es bei einer entsprechend vorsichtigen Herangehensweise noch reichen. Danach werden sie ihre Grenzen aufgezeigt bekommen.

Meine Prognose: Kroatien punktet nur gegen Irland und fährt nach der Gruppenphase nach Hause.

Kroatiens Gruppengegner:

Spanien
Italien
Irland

Meine EM: Irland kann die Großen ärgern

Ein kleines Fußballland mit einem in der Vergangenheit überaus erfolgreichen, aber auch ziemlich alten Trainer. Was kann dabei schon rauskommen? Diese Frage beantwortete Griechenland vor acht Jahren eindrucksvoll. Giovanni Trapattonis Iren könnten durchaus in diese Fußstapfen treten, zeigen sie doch deutliche Parallelen zum vorletzten Europameister.

Kompakt, defensiv, konterstark

Auf den ersten Blick sieht der irische Kader alles andere als furchteinflößend aus. Das Team besteht aus überwiegend erfahrenen, soliden Spielern, wobei niemand mit besonderer Klasse herausragt. Die bekannteren Namen (Keane, Duff, O’Shea, Given) haben ihre besten Jahre eher schon hinter sich. Trainer Trapattoni gilt mit seinen 72 Jahren als Relikt einer vergangenen Fußballära. Dennoch sollte man nicht den Fehler machen, Irland bei dieser Europameisterschaft zu unterschätzen. Trapattoni mag keine innovativen Konzepte vorzuweisen haben, aber sein altes Handwerk beherrscht er nach wie vor. Seiner Mannschaft trichterte er ein sehr defensiv ausgerichtetes 4-4-2 ein, bei dem sich – wie heute im Weltfußball üblich – einer der Stürmer häufig ins Mittelfeld fallen lässt.

Insgesamt steht Irland sehr kompakt, die Abstände und Abläufe zwischen den einzelnen Positionen sind sehr gut abgestimmt. Hier macht es sich bezahlt, dass Trapattoni auf einen festen Stamm an Spielern gebaut hat. So muss Irland gar nicht so tief verteidigen, wie andere Teams ähnlicher Leistungsstärke. Durch die aufgerückten Viererketten macht man das Spiel im Mittelfeld unglaublich eng für den Gegner. Es dürfte spannend sein, wie die Teams aus Gruppe C damit zurechtkommen, allen voran die ballbesitzorientierten Spanier. Neben der Raumverknappung hat das System einen weiteren Vorteil: Die Bälle werden oft schon relativ hoch gewonnen. Durch schnelles Umschalten lassen sich so gute Kontersituationen erzwingen, die das Team dann im Rahmen der eigenen Möglichkeiten effizient ausnutzt.

Stolperstein ohne Plan B

Schwieriger dürfte es hingegen werden, wenn der Gegner nicht gezwungen ist, nach vorne zu spielen. Nicht umsonst blickt man den Spielen gegen Spanien und Italien optimistischer entgegen als der ersten Partie gegen Kroatien. Die Kroaten werden die Iren beobachtet haben und eher abwartend ins Spiel gehen. Ab dem 2. Gruppenspiel wird Irland jedoch voll auf den Außenseiterstatus hoffen. Wenn Spanien und Italien einen Weg durch das irische Abwehrdickicht finden und in Führung gehen, wird sich die Beschränktheit des Systems offenbaren. Konstruktives Spiel nach vorne ist nicht Sache der Iren. Gut möglich jedoch, dass man sich von den übermächtigen Gegnern zwar hinten rein drücken lässt, die Torchancen jedoch minimiert. Die Spiele von Chelsea in der Champions League sind noch in den Köpfen präsent und Irland traue ich am ehesten eine ähnliche Spielweise zu.

Attraktiven Fußball werden wir von Irland kaum sehen. Die letzten Testspiele (1:0 gegen Bosnien-Herzigowina, 0:0 gegen Ungarn) deuten nicht auf prickelnde Spiele hin. Faszinierend könnten die Spiele dennoch werden und es wäre keine Sensation, wenn man am zweiten Spieltag zum Stolperstein für Spanien werden würde. Ob es jedoch für einen Coup im Stile der Griechen 2004 reichen könnte ist höchst fragwürdig. Andererseits wäre es auch kein wirklicher Coup, wenn man schon vorher damit rechnete.

Prognose: Irland ist durchaus eine Überraschung zuzutrauen. Ich glaube dennoch, dass Spanien und Italien Mittel gegen sie finden werden, weshalb sie knapp ausscheiden.

Irlands Gruppengegner

Spanien
Italien
Kroatien

Meine EM: Italien gegen den Rest der Welt

Es gibt wohl keine andere Fußballnation, gegen die in Deutschland so viele Vorurteile verbreitet sind, wie gegen Italien. Diese Vorurteile mögen alle ihren wahren Kern haben, doch die meisten von ihnen werden hierzulande gerne deutlich überzogen. Zwei dieser Vorurteile betreffen direkt die italienische Mannschaft bei dieser EM – und beide werden großen Einfluss auf das Abschneiden des Teams von Cesare Prandelli haben.

Offensive italienische Raute

Eines der größten Vorurteile, die es gegen die Italiener gibt, ist, dass sie nur defensiven Fußball spielen können. Der Catenaccio ist noch immer das erste Spielsystem, das vielen einfällt, wenn sie an den italienischen Fußball denken. Bezeichnender Weise hat Italien keinen seiner vier WM-Titel mit Catenaccio gewonnen. Dass Italien im Halbfinale der WM 2006 gegen Deutschland die offensivere Mannschaft war, wird hier ebenso gerne verdrängt, wie die Art und Weise, wie Deutschland über Jahrzehnte hinweg zu seinen Erfolgen gekommen ist. Da hilft es auch nicht, dass der AC Milan Ende der 80er Jahre mit offensivem Spiel den Fußball revolutionierte und die Serie A heute vor allem von Teams geprägt wird, die eher offensiv ausgerichtet sind.

Auch die Italienische Nationalmannschaft pflegt dieser Tage einen offensiven Stil. Den Italienern bleibt auch kaum eine andere Wahl, denn ihre Defensivabteilung hat in den vergangenen Jahren deutlich an Qualität eingebüßt. Die rekordverdächtigen zwei Gegentore, die man in zehn Qualifikationsspielen kassierte, sollten nicht darüber hinweg täuschen. Beim jüngsten 0:3 gegen Russland wurde wieder einmal deutlich, dass die Viererkette alles andere als sattelfest und immer mal für einen individuellen Fehler gut ist. Dennoch (oder vielleicht gerade deshalb) ist Italien eine der interessantesten Mannschaften in diesem Turnier. Das liegt auch daran, dass Prandelli ein typisch italienisches System spielen lässt, nämlich ein 4-3-1-2 (in Bremen in leichter Variation auch als Rautensystem bekannt).

Vor der Abwehr lenkt der großartige Andrea Pirlo, der bei Juve in dieser Saison seinen dritten Frühling erlebte, das Spiel der Italiener. Links und rechts wird er von lauf- und spielstarken Allroundern unterstützt. De Rossi, Marchisio, Motta und Nocerino stehen dafür zur Auswahl – allesamt keine vorwiegend destruktive Spieler, so dass die Dreifachsechs nur auf dem Papier für eine defensive Spielweise steht. Davor kommt mit Montolivo voraussichtlich ein eher klassischer Zehner zum Einsatz (ich werde hier jetzt nicht erklären, was ein Trequartista ist und was ihn vom Spielmacher wie wir ihn kennen unterscheidet). Im Angriff steht mit di Natale ein sehr erfahrener Spieler zur Verfügung, der seinen Zenit schon ein Stück weit überschritten hat. Deshalb ist es wahrscheinlicher, dass die beiden Stürmer zum Einsatz kommen, die sich darum streiten, wer das größere enfante terrible ist: Antonio Cassano und Mario Balotelli. Neben ihrem großen Ego eint beide jedoch auch herausragendes fußballerisches Können und es wird interessant zu sehen, wie die beiden als Doppelspitze harmonieren.

Ein Hauch von 2006

Das zweite Vorurteil, mit dem der Calcio zu kämpfen hat, ist die Korruption der seiner Protagonisten. Diesem wird durch immer neue Skandale weiterer Nährboden gegeben. Seit dem Calciopoli-Skandal vor sechs Jahren ist der italienische Fußball nachhaltig ins Wanken geraten. Die Serie A hat sich noch immer nicht davon erholt und gilt längst nicht mehr als das Maß aller Dinge. Das Aufbrechen der Dominanz von Juventus und Milan hat aber auch dazu geführt, dass andere Mannschaften mit interessanten Ansätzen und Systemen Erfolge feiern konnten (man denke etwa an Palermo, Neapel oder Udine). Die unmittelbare italienische Reaktion auf den Skandal sah aber so aus: Weltmeistertitel für die Squadra Azzurra und ein Jahr später der Champions League Sieg für den AC Milan.

Skandale schweißen die italienische Nationalmannschaft traditionsgemäß besonders eng zusammen. Aus dem gemeinsamen Gefühl des an den Pranger gestellt Werdens entsteht eine besondere Siegermentalität, die sie außerhalb Italiens nicht eben beliebt macht. Italien ist immer dann besonders stark, wenn der Rest der Welt sich gegen sie verschworen zu haben scheint. Schon 1982 wurde man nach einem Skandal Europameister. Nicht wenige Italiener sehen den neuerlichen Wettskandal im Vorfeld der EM daher als gutes Omen für das Turnier.

Dies ist jedoch nicht nur moralisch fragwürdig, sondern hat Prandellis Team auch personell geschwächt: Mit Domenico Criscito muss er wegen des Skandals auf seinen besten Linksverteidiger verzichten. Mit Balzaretti und Maggio (oder aber dessen Ersatzmann Abate) setzt der Trainer vorzugsweise auf offensivstarke Außenverteidiger. Angesichts der Probleme in der Innenverteidigung, wo nun auch noch Barzagli und Chiellini verletzt sind, hätte der defensivstärkere Criscito dem Team sicherlich gut getan.

So ist Italien zwar ein ernstzunehmender Kontrahent mit einer sehr talentierten Offensivabteilung, aber insgesamt wohl nicht stark genug, um gegen die Top-Favoriten zu bestehen. Auch die italienische Version des miasanmia wird vermutlich nicht ausreichen, um die Defizite zu überdecken. Italien geht mit einer deutlich verjüngten Mannschaft in das Turnier, nachdem die Altersstruktur in der Vergangenheit kritisiert worden war. Passender Weise geht es direkt zum Auftakt gegen den Gegner, der die alter Weltmeistermannschaft vor vier Jahren aus der Erfolgsspur kickte: Spanien. Auch wenn Italien nach dem Umbruch noch nicht wieder bei alter Stärke angelangt ist, befindet sich das Team auf einem guten Weg. In Zukunft wird mit Italien wieder zu rechnen sein.

Meine Prognose: Für den großen Coup ist die Abwehr nicht gut genug. Ich denke aber, dass sich die Italiener zusammenreißen und zumindest ins Viertelfinale kommen.

Italiens Gruppengegner

Spanien
Irland
Kroatien

Meine EM: Spanien ist noch nicht satt

Ein Mannschaft, die in den letzten vier Jahren alles gewonnen hat, was man als Nationalmannschaft gewinnen kann, noch dazu gespickt mit Spielern, die im selben Zeitraum auch auf Vereinsebene alle bedeutende Titel abräumten – was soll die noch zu Höchstleistungen motivieren? Erfolg ist eine Droge, das wissen wir nicht erst seit Oliver Kahn. Wer glaubt, dass Spanien nicht mit höchster Motivation in dieses Turnier gehen wird, dürfte ein böses Erwachen erleben. Zudem hat Spanien immer noch die Spieler, einem solchen Turnier seinen Stempel aufzudrücken. Die Mannschaft ist daher zu den Top-Favoriten auf den Turniersieg zu zählen, auch wenn sie einige Problemzonen hat.

Die Aura der Unbesiegbarkeit ist weg

Seit dem WM-Triumph verlor man ganze fünf Spiele, allesamt gegen starke Gegner in Freundschaftsspielen. Rückschlüsse auf ein Turnier sind daher schwer zu ziehen. Dennoch ist der psychologische Effekt auf die Gegner nicht zu unterschätzen. Man weiß nun: auch gegen die Spanier geht etwas. So verkündete der irische Co-Trainer vor wenigen Tagen, dass seine Mannschaft Spanien schlagen werde. Auch Gruppengegner Italien wird sich im ersten Spiel Chancen ausrechnen, zumal man letztes Jahr schon einen Sieg gegen Spanien feierte.

Auch personell ist bei den Spaniern nicht alles optimal vor der Europameisterschaft. Mit Carles Puyol und David Villa fallen zwei wichtige Spieler aus. Während es im Zentrum fast schon zu viele Weltklasseoptionen gibt, sieht es auf der Außenbahn nicht so rosig aus. Sollte Sergio Ramos aufgrund der Verletzung von Puyol in der Innenverteidigung spielen, hätte man in Arbeloa einen sehr vorsichtig agierenden und nach vorne beschränkten Rechtsverteidiger. Auf der linken Seite verkörpert Jordi Alba hingegen den modernen Außenverteidigertypus, den Spanien für die eher eng angelegte Spielweise benötigt.

Wer soll für die Breite sorgen?

Eine Reihe weiter vorne gibt es zwar nominell genügend Alternativen für die Flügel, doch eine Idealbesetzung lässt sich hier schwer identifizieren. David Silva, Juan Mata und Andres Iniesta haben ihre Stärken eher in der Mitte und halten nicht unbedingt die Position an der Seitenlinie. Wegen ihrer überragenden Qualitäten werden aber vermutlich zumindest zwei von ihnen in der Startformation stehen. Ähnlich wie beim FC Barcelona ergibt sich dadurch eine sehr enge Spielweise der vordersten Reihe im 4-3-3. Da man jedoch keinen Dani Alves in den Reihen hat, sollte zumindest auf der rechten Seite ein offensiver Spieler auch für Breite sorgen. Ideal geeignet wäre dafür Barcelonas Pedro Rodriguez, der jedoch keine gute Saison gespielt hat und nicht unbedingt in der Startformation zu erwarten ist. Jesus Navas und vor allem Santi Cazorla haben dadurch gute Chancen, in die Startformation zu rücken. Letzterer hat eine überragende Saison in Malaga gespielt und stand bislang in jedem Testspiel in der Anfangself.

Technisch ist Spanien noch immer das Maß aller Dinge und es ist davon auszugehen, dass der Weg zum Titel nur über die Iberer führen kann. Personell hat Vincente del Bosque trotz der Ausfälle und etwa der Formschwäche von Piqué noch immer genügend Optionen um den Titel zu verteidigen und so als erster amtierender Weltmeister die Europameisterschaft zu gewinnen. Man wird sich allerdings gehörig strecken müssen, da mittlerweile auch der letzte Trainer gelernt haben sollte, wie man den Spaniern Probleme bereiten kann. Auch wenn die Streitereien zwischen den Spielern von Barcelona und Real Madrid inzwischen zumindest offiziell beendet sind, bin ich mir aber nicht sicher, ob Spanien mental stark genug ist.

Es wird in diesem Turnier Phasen geben, in denen Spanien ins Wanken gerät und Puyols Führungs- sowie Villas Durchschlagskraft vermissen wird. Das muss nicht das Aus für Spaniens Titelchancen bedeuten, doch es macht ein Stolpern wahrscheinlicher. Wenn der Auftakt gegen Italien misslingt, steht man im zweiten Spiel gegen die extrem defensiven Iren schon gewaltig unter Druck. Selbst die Gruppenphase könnte so alles andere als ein Selbstläufer werden.

Meine Prognose: Auch wenn das Turnier für Spanien zu keinem guten Zeitpunkt kommt, ist mit del Bosques Team zu rechnen. Ich wünsche mir ein Finale gegen Deutschland, könnte mir aber auch vorstellen, dass schon im Halbfinale Schluss ist, falls man dort auf Deutschland oder die Niederlande trifft.

Spaniens Gruppengegner

Italien
Irland
Kroatien