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DFB-Pokal, Achtelfinale: Tänzer

Werder Bremen – 1. FC Kaiserslautern 3:0

Genau so schnell, wie Werder gestern den 1. FC Kaiserslautern abfertigte, versuche ich heute die Nachbetrachtung abzuhandeln. Oft wird nach Pokalspielen zwischen Mannschaften aus unterschiedlichen Ligen geschrieben, es wäre kein Klassenunterschied zu sehen gewesen. Beim Spiel gestern war ein deutlicher Klassenunterschied zu sehen zwischen dem Tabellendritten der 1. und dem Tabellenzweiten der 2. Bundesliga. Werder kontrollierte das Spiel in allen Phasen, setzte die Pfälzer von Anfang an unter Druck und wurde mit Toren belohnt. Ich will nicht behaupten, dass Lautern nicht besser spielen kann, als sie es gestern taten, doch gegen eine so lauf- und spielfreudige Werdermannschaft hatten sie keine Chance.

Es ist sehr erfreulich, dass Werder gegen die Kleinen so souverän auftritt. Man muss nicht 5:2 in München gewinnen, wenn man dafür seine Pflichtaufgaben erledigt. Das tut Werder in dieser Saison seit der noch immer sehr ärgerlichen Auftaktniederlage gegen Frankfurt konsequent und so steht unterm Strich nun die tolle Bilanz von 16 ungeschlagenen Spielen in Folge. Im Pokal wartet im nächsten Jahr das Viertelfinale und man ist nur zwei Schritte von einer weiteren Fahrt nach Berlin entfernt. Die vielbeschworene Balance zwischen Defensive und Offensive stimmt bislang einfach, wie sich auch unschwer am Torverhältnis in der Liga ablesen lässt.

Sinnbildlich für den Aufschwung in dieser Saison ist das Zusammenspiel zwischen Özil, Hunt und Marin, das auch gestern wieder hervorragend klappte. Die drei wirbeln nicht nur übers Feld, sie tanzen. Der eleganteste dabei ist sicher Mesut Özil, dessen Ballbehandlung zum mit der Zunge schnalzen ist. Er spielt momentan selten über 90 Minuten mit vollem Einsatz, gönnt sich Auszeiten, schafft es aber trotzdem fast immer dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Der Grund dafür, dass Özils schöpferische Pausen kaum ins Gewicht fallen, heiß Aaron Hunt. Es ist nicht seine starke Form, sondern die Beständigkeit, mit der er sie hält, die überrascht. Schaaf wird nicht müde zu betonen, wie gut Hunts körperliche Verfassung ist und Hunt wird nicht müde – auf dem Platz. Er treibt das Spiel aus dem Mittelfeld an und ist an vielen gefährlichen Situationen beteiligt. Der dritte im Bunde, Marko Marin, blüht langsam richtig auf. Es tut ihm gut, von der Defensivarbeit im Mittelfeld ein Stück weit entbunden zu sein und im Angriff zu spielen. Seine Laufwege sind nicht die eines Mittelstürmers, doch mit seinen Dribblings und seinem Auge für den freien Mann sorgt er trotzdem für Torgefahr.

Das fast schon beängstigende daran: Dies ist nicht das Ende einer Entwicklung, sondern erst der Anfang. Wohin das noch führen soll? In jedem Fall wieder zu einer guten B-Note. Mit etwas Verletzungsglück vielleicht auch zu mehr. Selten war träumen schöner als heute.

7. Spieltag: Drei… zwei… eins… Mainz

Werder Bremen – Mainz 05 3:0

Drei Tore geschossen. Zweiten Heimsieg der Saison eingefahren. Ein Spieler sorgte wieder mal für die Entscheidung. Mainz geht leer aus.

Man kann es ja zunächst mal positiv sehen: Werder hat am Ende relativ locker mit 3:0 gewonnen, hat nicht viele Chancen zugelassen und erneut zu Null gespielt, war effektiv im Abschluss. Dazu die nicht als Flankengötter verschrieenen Pasanen und Boenisch je mit einer starken Torvorlage. Mesut Özil ist wieder zurück. Marko Marin machte ein starkes Spiel, ebenso Torsten Frings. Aaron Hunt nicht so gut wie gegen St. Pauli, aber erneut Torschütze. Doch es blieb wieder einmal Claudio Pizarro vorbehalten, das Spiel zu entscheiden. Seine Kopfbälle machten in der zweiten Halbzeit den Sack zu. Im Hinblick auf das Spiel gegen Bilbao am Donnerstag ist es sicherlich vorteilhaft, dass Werder nicht über 90 Minuten ans Limit gehen musste.

Das alles kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es über weite Strecken kein gutes Spiel war, das Werder ablieferte. Es reihte sich Fehlpass an Fehlpass. So machte man es Mainz zu einfach, den Ball vom eigenen Tor fernzuhalten. Nach der Bremer Führung wurde das Spiel für einige Minuten ganz gut, doch in der zweiten Halbzeit zunächst das alte Bild. Marko Marin riss in der Folge das Spiel immer mehr an sich und holte einige gefährliche Freistoßchancen heraus. Erst nach dem 2:0 durch Pizarro konnte man einigermaßen sicher sein, dass nichts mehr anbrennen würde.

Übertriebener Pessimismus ist nach diesem Ergebnis fehl am Platz. Deshalb sollte man das Spiel einfach als Arbeitssieg abhaken und sich über die nun 10 Spiele währende Serie ohne Pflichtspielniederlage freuen.

DFB-Pokal, 2. Runde: Meine Perle

Werder Bremen – FC St. Pauli 2:1

Werder steht verdient in der zweiten Runde des DFB-Pokals, siegt mit 2:1 gegen St. Pauli. So weit die Fakten. Und sonst? Mich hat dieses Spiel begeistert, teilweise vom Hocker gerissen. Vielleicht lag es noch an den Nachwirkungen des Spiels in Leverkusen, aber das Tempo kam mir ausgesprochen hoch vor. Beide Mannschaften taktierten nicht viel, oder sagen wir besser: suchten bei Ballbesitz sofort den Weg nach vorne. Bei St. Pauli kam dies in der ersten Halbzeit noch eher selten vor. In der zweiten Halbzeit ging man dann mehr Risiko ein und wurde fast dafür belohnt.

Werder wackelte einige Zeit, besonders in den Minuten nach dem 1:1, kam jedoch mit einem blauen Auge davon. Das 2:1 fiel zu einem glücklichen Zeitpunkt, war aber keinesfalls ein Glückstor. Boenisch erobert den Abpraller nach der Ecke, legt gut auf Hunt ab, der nimmt den Ball direkt und flankt ihn auf den langen Pfosten, wo Mertesacker seine Lufthoheit ausnutzt und per Kopf auf Naldo auflegt. Drei Pässe, die exakt dort landen, wo sie hin sollen. Dazu noch Marins und Rosenbergs Schüsse ans Aluminium und einige starke Offensivaktionen von Aaron Hunt. Der Sieg hätte auch deutlicher ausfallen können. Thomas Schaaf deshalb nach dem Spiel etwas angefressen. Stichwort: Klarheit in den Aktionen vor dem Tor.

Rosenbergs Comeback in der Startelf war solide. Wenn er so weitermacht, ist er (endlich!) wieder eine ernsthafte Option. Moreno hat noch Probleme sich gegen seine Gegenspieler durchzusetzen, doch er war sehr aktiv, versuchte viel, traute sich etwas zu. Viel mehr kann man momentan noch nicht erwarten, dafür fehlt dem Bolivianer einfach die Spielpraxis. Genau richtig, sie ihm in einem Pokalspiel gegen einen Zweitligisten zu gewähren.

A propos Zweitligist: St. Pauli wirkte keineswegs wie eine gewöhnliche Zweitligamannschaft. Werder musste bei den Hamburger Angriffen höllisch aufpassen. Offensiv hat St. Pauli mehr Optionen als die meisten Manschaften aus dem unteren Drittel der Bundesliga. Deshalb sollte man nicht den Fehler machen, diesen knappen Sieg als Schönheitsfehler anzusehen. Es ist eine gute Leistung, diese Mannschaft über lange Zeit so vom eigenen Tor wegzuhalten, wie Werder es tat. Hätte St. Pauli mehr aus dem Spiel herausgeholt, wäre dies schon etwas glücklich gewesen. Spielerisch war vor allem das, was aus dem Mittelfeld kam, sehr ansprechend. Hunt rechtfertigt endlich Schaafs Vertrauen und Frings nähert sich wieder seiner Bestform, machte erneut ein ganz starkes Spiel. So darf es gerne weitergehen. Mit Özil, Pizarro und Almeida sollten dann auch wieder mehr Tore herausspringen.