Schlagwort-Archiv: Hinrunde

Mit neuem System zu neuen Höhen?

Bevor Sebastian hier ab morgen wieder exklusiv aus dem Trainingslager in Belek berichtet, bringe ich schnell noch meine Hinrundenanalyse. Nachdem der erste Teil rein auf Zahlen basiert war, habe ich im zweiten Teil versucht, Werders neues Spielsystem ein wenig auseinander zu nehmen. Fangen wir ganz hinten an.

Torwartspiel

Der Unterschied zwischen Sebastian Mielitz und Tim Wiese ist offensichtlich. Man hatte sich schon so sehr an die “alte” Torwartschule gewöhnt, dass es nun fast wie eine Revolution wirkt. Dabei spielt Mielitz gar nicht so “modern” wie manch anderer Keeper der Liga. Ein mitspielender Torwart ist er aber in jedem Fall. Er antizipiert gut und versucht häufig, Chancen durch frühes Rauslaufen direkt zu unterbinden. Das wirkt manchmal noch etwas ungestüm, doch ist insgesamt schon ziemlich gut.

Ein weiterer großer Unterscheidungspunkt zur Vorsaison sind die Abwürfe. Mielitz schlägt nur selten lang ab, sondern baut das Spiel meistens durch einen kurzen Abwurf auf. Dieser geht häufig auf einen der Außenverteidiger, insbesondere auf die linke Seite. Allerdings versucht Mielitz häufig, das Spiel durch einen schnellen, langen Abwurf zu beschleunigen. Das Umschalten der Mitspieler klappt jedoch noch zu selten, so dass meistens der Gegner schon alle gefährlichen Räume zugestellt hat, bis ein Mitspieler anspielbar ist.

Aufbauspiel

In der Spieleröffnung ist kaum eine Weiterentwicklung zu erkennen. Werders erfolgreiche Aufbauvariante früherer Jahre, der Vertikalpass vom Innenverteidiger ins (defensive) Mittelfeld, ist im heutigen Fußball kaum noch möglich. Wie schon in der Vorsaison baut Werder das Spiel daher meistens über die Außenverteidiger auf. Das überrascht, denn bei vielen Konkurrenten ist es inzwischen Standard, dass ein “abkippender Sechser” aus dem Mittelfeld die Schaltzentrale im Aufbauspiel übernimmt. Dabei nutzen sie den Außenverteidigerraum, die Außenverteidiger selbst schieben hingegen ins Mittelfeld vor. Bei Werder tun sie dies erst im laufe eines Angriffs, nicht aber in der ersten Aufbauphase.

Der Außenverteidiger wird also vom Torwart oder vom Innenverteidiger angespielt. Letzte Saison hatte dieser nun die Option, das Spiel durch einen Diagonalpass auf einen der Achter zu eröffnen oder selbst den Freiraum zu nutzen, den eine 4-4-2 Defensivformation dem Außenverteidiger gewährt, und den Ball am Fuß nach vorne zu tragen. Im Gegensatz zur Vorsaison hat er nun noch eine Option mehr: Vor ihm steht ein Flügelstürmer, der den direkten Pass nach vorne ermöglicht. Letzte Saison stand ihm diese Möglichkeit erst zur Verfügung, wenn einer der beiden Spitzen den Weg an die Außenbahn gefunden hatte.

Da viele Teams vor allem darauf bedacht sind, das Zentrum dicht zu halten, ist der Vertikalpass auf den Außenstürmer häufig einfacher, als der Pass auf den Achter. Manche Gegner (Mainz, Leverkusen) versuchen durch ihre Spielweise, diese Pässe geradezu zu provozieren, um dann gezielt auf den Außenstürmer pressen zu können. Wenn möglich versucht Werder daher trotzdem, das Spiel nicht einseitig entlang einer Linie aufzubauen, sondern die beiden Achter Hunt und de Bruyne ins Spiel zu bringen. Somit wird das Spiel über den Umweg der Außenverteidiger ins zentrale Mittelfeld getragen.

Von dort sollen nun die Angriffe eingeleitet werden. Hierbei kommt wiederum den Flügeln große Bedeutung zu. Neben dem gewohnten Kurzpassspiel sind lange Diagonalpässe auf die Flügel ein wichtiges Element in Werders Spiel geworden. Die Flügel sind offensiv immer besetzt, da Elia und Arnautovic häufig an der Außenbahn kleben. Den Achtern kommt damit nicht nur die Rolle des Ballverteilens zu. Sie müssen auch die Außenstürmer auf den Flügeln unterstützen, damit diese dort nicht isoliert werden. Der einziger Sechser Junuzovic hat daher auch die Aufgabe, den Achtern zumindest einen Teil dieser Arbeit abzunehmen und schiebt in Ballbesitz mit nach vorne. Wenn nun noch der jeweilige Außenverteidiger nachrückt, kann die Seite “überladen” werden, d.h. Werder hat Überzahl in Ballnähe.

Ich sehe derzeit zwei Grundprobleme in Werders Spielaufbau: Zum einen ist der Aufbau über die Außenverteidiger zu ineffizient. Werders Aufbau ist relativ “linkslastig”, vor allem Mielitz wirft den Ball viel häufiger auf Schmitz als auf Selassie. Es erschließt sich mir nicht, warum der “einfüßigste” Spieler im Team mit der Spieleröffnung betraut werden sollte, wenn man drei kreative Mittelfeldspieler auf dem Platz hat. Zudem ist es für den Gegner relativ einfach, den Weg zurück in die Mitte dicht zu machen, da Werders Spieler statisch ihre Positionen halten und selbst Gegner mit hoher Mannorientierung kaum in ihrer Formation durcheinander gebracht werden. Wie man mit aggressivem Pressing auf die Außenverteidiger jegliche Luft aus Werders Aufbauspiel nehmen kann, hat Freiburg bei Werders doch sehr schmeichelhaften Auswärtssieg dort gezeigt.

Der zweite Schwachpunkt ergibt sich ein Stück weit aus dem ersten: Die Außenstürmer kleben fast immer am Flügel. Dadurch wird das Spiel breit gemacht und theoretisch sollte sich durch die Streckung der gegnerischen Viererkette häufiger Lücken in der Mitte finden lassen. Wenn der Gegner kompakt verteidigt, “verhungert” der Außenstürmer auf der gegenüberliegenden Seite jedoch häufig. Er ist für seine Mitspieler nur mit langen, horizontalen oder diagonalen Bällen erreichbar und muss dann in Ballbesitz erst warten, bis ein Teamkollege auf die Seite gerückt ist, um eine Anspielstation zu haben. Hierdurch vergeht zu viel Zeit, die der Gegner nutzen kann, um kompakt auf seine Seite zu verschieben. Paradoxerweise hatte Werder in der Hinrunde zu viel Breite, während man in der Vorsaison häufig zu wenig Breite im Spiel hatte.

In der Rückrunde sollte man meiner Meinung nach versuchen, den Spielaufbau mehr über Junuzovic oder de Bruyne laufen zu lassen, die Außenverteidiger im Aufbau ein Stück weiter nach vorne schicken und die Flügelstürmer von ihren Fesseln an der Außenlinie befreien. Vor allem Elia dürfte davon profitieren. Allerdings würde diese eigentlich kleine Änderung Auswirkungen auf quasi jeden Mannschaftsteil haben, bräuchte also erneut eine gewisse Zeit, bis alle Abläufe sitzen. Für realistisch halte ich es bei Schaaf aber sowieso nicht.

Flügelspiel

Durch die doppelte Besetzung der Außen hat das Flügelspiel bei Werder deutlich an Bedeutung gewonnen. Dennoch kann man bei Werder nicht wirklich von einer Flügelzange sprechen. Wie eben erwähnt machen Elia und Arnautovic das Spiel meistens sehr breit, wodurch sie immer auch der Gefahr ausgesetzt sind, auf ihren jeweiligen Flügeln isoliert zu werden. Der Vorteil, beide Flügel jederzeit anspielbar zu haben, verringert sich immens, wenn der Ball tatsächlich auf einer der Außenbahnen ist: Der andere Flügel ist dann weit weg und in der Zeit, der der Ball für einen Seitenwechsel braucht, könnte auch der Außenverteidiger nachrücken und die Position einnehmen. Es wäre also vermutlich effektiver, wenn die Außenstürmer zumindest dann wesentlich zentraler agieren würden, wenn der Ball auf dem gegenüberliegenden Flügel ist.

Das Flügelspiel selbst ist vor allem auf Hereingaben von Höhe des Sechzehners ausgerichtet. Sololäufe parallel zur Strafraumlinie mit Torabschluss sieht man eher selten bei Werder. Stattdessen findet sich häufig ein Dreieck aus Flügelstürmer, Außenverteidiger und Achter, das Versucht, sich in Richtung Grundlinie zu kombinieren und von dort aus Petersen per Flanke ins Spiel zu bringen. Eher selten gelingt es dabei (wie bei Elias Torvorlage von der Torauslinie) hinter die Abwehr zu kommen.

Insgesamt verströmen Werders Flügels trotz Arnautovics passabler Torquote zu wenig Torgefahr. Im ersten Halbjahr des Bremer Flügelrevivals hat man noch nicht den Bogen raus, wie man über die Außenstürmer echte Torgefahr erzielt. Auch hier denke ich, dass es förderlich wäre, wenn Elia und Arnautovic nicht so sehr an den Außenbahnen kleben würden und den Ball häufiger in tornaher Position erhalten.

Abschluss

Nils Petersen ist insgesamt ein guter Strafraumstürmer und enorm kopfballstark, aber technisch vor allem im Vergleich zu einem Claudio Pizarro doch limitiert. Auch wenn Werders “schlechte Chancenverwertung” (wie im letzten Post gezeigt) vor allem in den Köpfen von uns Fans existiert, hätte vor allem Petersen mit einer besseren Grundtechnik sicher 2-3 Tore mehr erzielt.

Ansonsten fehlt es Werder teils an Präsenz im Strafraum. Der Weg für die Außenverteidiger ist weit, so dass Petersen teilweise auf sich allein gestellt ist, wenn keiner der Achter schnell mit vorstößt. Hier ist vor allem bei Aaron Hunt auffällig, dass er den Weg in den Strafraum scheut, sei es auf Anweisung oder aus eigenem Antrieb. Er bleibt fast immer an der Strafraumgrenze stehen, auch wenn die Spielsituation etwas anderes erfordern würde. Somit ist Werder noch zu sehr von Petersen oder individuellen Geniestreichen von Hunt oder de Bruyne abhängig.

Pressing

Einer der größten Unterschieden zur Vorsaison ist das deutlich verbesserte Pressing. Letzte Saison zählte Werder zu den pressingschwächsten Teams der Liga. Man verzichtete (besonders in der Rückrunde) fast völlig auf Angriffspressing und auch das Gegenpressing war nicht gut. In der Hinrunde 11/12 kassierte man in Kombination mit einer hoch stehenden Viererkette so viele Kontertore. In der Rückrunde verteidigte Werder tiefer, doch trotzdem blieb man anfällig für Gegentore.

In dieser Saison wollte man das Spiel wieder mehr in die gegnerische Hälfte verlagern. Das gesamte Team beteiligt sich am Pressing. Petersen ist hierbei eine große Bereicherung, weil sein Spiel ohne Ball auf gutem Niveau ist und er viele Wege gegen die gegnerischen Innenverteidiger macht. Meistens presst Werder in einem 4-1-4-1, wobei die beiden Außenstürmer sehr mannorientiert verteidigen. Je höher die gegnerischen Außenverteidiger angreifen, desto tiefer stehen Elia und Arnautovic. Mitunter ergibt sich so (wie z.B. gegen Leverkusen) eine Art 6-1-2-1 Defensivformation. Ein 4-3-3 sieht man im Pressing dagegen eher selten. Es sind meist die Achter, nicht die Außenstürmer, die Petersen an vorderster Front unterstützen. Gelegentlich presst Werder auch in einem 4-4-2, am deutlichsten wohl gegen Hoffenheim, wo Ignjovski und Fritz meist eine Doppelsechs gaben.

Mit dem Pressing hat sich auch das Umschaltspiel nach Ballgewinn verbessert. Gerade wegen den oben besprochenen Problemen im Aufbauspiel haben die Konter einen höheren Stellenwert in Werders Spiel bekommen. Besonders auswärts spielt Werder in dieser Saison häufig mit einer Kontertaktik. Die nötigen Umschaltspieler dafür hat man in den Reihen. Besonders Junuzovic ist hier hervorzuheben, der das Spiel nach Ballgewinn oft schnell macht. Allerdings spielt Werder viele gute Kontergelegenheiten unsauber zu Ende. Auf mich wirkt es nicht selten so, dass die Spieler nicht genau wissen, welchen Laufweg sie wählen sollen, was es dem ballführenden Spieler erschwert, den Angriff schnell zum Abschluss zu führen.

Das Umschaltspiel nach Ballverlust ist noch immer ausbaufähig. Insbesondere die beiden Achter schalten hier gerne mal ab und brauchen zu lange, um nach verloren gegangenen Bällen den Defensivmodus zu finden. Gerade wenn man sieht, wie hart und unermüdlich bei vielen Top-Teams gegen den Ball gearbeitet wird, sollten Spieler in unmittelbarer Ballnähe sofort ins Gegenpressing übergehen, bzw. den Weg zurück in die Defensivordnung finden. Abwinken und unbeteiligtes nebenher Traben möchte ich in der Rückrunde nicht mehr sehen.

Defensives Mittelfeld

Die meisten Trainer hätten auf Werders langjährige Probleme im defensiven Mittelfeld wohl reagiert, indem sie zunächst eine solide Doppelsechs mit wenig Offensivdrang installieren. Schaaf bleibt auch im neuen System bei einer Lösung mit nur einem nominellen Sechser. Dass dieser im Normalfall Zlatko Junuzovic heißt und eigentlich bislang im offensiven Mittelfeld anzutreffen war, macht die Sache nicht uninteressanter. Junuzovic spielt eine starke Saison, ist sehr fleißig und laufstark. Als Staubsauger und Lückenfüller hat er einen großen Aktionsradius.

Durch das weite Aufrücken der beiden Achter im Pressing bleibt für Junuzovic aber häufig extrem viel Raum zum Abdecken. Eigentlich müsste er ein Stück nachrücken, um den Abstand zu Hunt und de Bruyne gering zu halten. Das dabei entstehende und an dieser Stelle häufig diskutierte Loch vor der Viererkette kann von clever agierenden Gegnern ausgenutzt werden. Werders Antwort darauf besteht darin, dass die Innenverteidiger häufig antizipativ aus der Kette herausrücken, was jedoch in ihrem Rücken eine neue Lücke entstehen lässt.

Auch offensiv kommt Junuzovic eine tragende Rolle zu. Im Spielaufbau rückt er häufig weit auf und überlässt de Bruyne den defensivsten Part im Mittelfeld. Im Laufe des Angriffs nimmt er dann jedoch meistens wieder die tiefste Mittelfeldposition ein.

Insgesamt ist Werders Problem vor der Abwehr alles andere als gelöst. Dank Junuzovics individueller Stärke funktioniert das System einigermaßen, aber insgesamt wirkt Werders Mittelfeld zu unausgeglichen und zu offensivorientiert. Hier holen andere Mannschaften mit individuell schwächeren Spielern mehr heraus.

Abwehrkette

Früher galten die Außenbahnen als Werders große Schwäche, weil hinter den aufgerückten Außenverteidigern und der generell sehr hoch verteidigenden Viererkette Raum für Konter bestand. Heute verteidigt Werder generell tiefer und im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften rücken die Außenverteidiger erst spät mit auf. Zudem werden sie defensiv seit dieser Saison von den Außenstürmern gut unterstützt. Eigentlich sollte diese Schwachstelle nun also behoben sein. Dennoch kassiert Werder häufig Gegentore über die Außen. Es sind allerdings weniger die Konter, die Werder das Leben schwer machen, sondern mehr die Flanken. Etliche Male musste man Gegentore nach Flanken hinnehmen, obwohl man im Strafraum in Überzahl war. Das Zentrum wird hierbei nicht gut verteidigt. Es fehlt an Ballorientierung, vor allem wenn die Flanken in die Schnittstellen zwischen Innen- und Außenverteidiger kommen.

Fazit

Werder hat sich in einigen Belangen deutlich verbessert. Hierzu zählen Flügelspiel, Pressing und teilweise auch das Umschaltspiel. In anderen Bereichen ist hingegen kaum ein Fortschritt zu erkennen. Das Loch im Zentrum besteht noch immer und kann nur durch die Aufmerksamkeit von Junuzovic und den Innenverteidigern partiell geschlossen werden. Das Aufbauspiel ist relativ leicht zu unterbinden und es fehlt an Alternativen. Das defensive Umschalten ist ebenfalls noch nicht so gut, wie es sein sollte.

Dazu haben sich ein paar neue Probleme aufgetan. Statt zu wenig hat man nun eher zu viel Breite im Spiel, dafür fehlt in der Mitte die Präsenz im Strafraum, für die zu oft allein Petersen zuständig ist. Es gibt jedoch auch neue Chancen, die der Umbruch mit sich bringt. Werder hat ein junges und lernfähiges Team. Die meisten Spieler sind taktisch gut ausgebildet und es gibt nur wenige Stars, bzw. solche, die sich dafür halten.

Wie in den letzten beiden Halbserien zeigte sich auch diesmal, dass vor allem in der Vorbereitung gut gearbeitet wurde. Der Umbruch ist auch im Spielsystem gelungen und die ersten Fortschritte waren (trotz meiner Skepsis) zu Saisonbeginn erkennbar. Leider war es dann wie auch schon in der letzten Saison: Im Laufe der Hinrunde gab es viel Stagnation. Der Spielaufbau wurde kaum verfeinert, die Effizienz der Konter nicht gesteigert und auch defensiv ist man weiterhin so anfällig, wie in den letzten beiden Jahren. Es wirkt auf mich so, als warte man einfach darauf, dass sich das Team besser einspielt und dann schon alles besser klappt.

Vor der Rückrunde stellt sich nun die Frage, wie Thomas Schaaf diese Defizite beheben will. Es muss vor allem defensiv eine deutliche Steigerung her, wenn man den vielen Worten Taten folgen lassen und ins internationale Geschäft einziehen will. Mit ein paar guten Ansätzen wird sich am Saisonende niemand zufrieden geben wollen, erst recht nicht, wenn dies die gleichen Ansätze sind, die so schon im September zu sehen waren und seitdem nicht weiterentwickelt wurden.

Die Hinrundenbilanz:

Teil 1: Werders Hinrunde in Zahlen
Teil 2: Mit neuem System zu neuen Höhen?
Teil 3: Zeugnisausgabe – Die Einzelkritik

Werders Hinrunde in Zahlen

Das Fußballjahr 2012 war Werders schlechtestes unter Thomas Schaaf. Diese Erkenntnis kommt nicht sehr überraschend, hätte man nach der schlechten Rückrunde 2011/12 in der ersten Saisonhälfte 2012/13 doch 30 Punkte benötigt, um das bisher punktemäßig schlechteste Jahr 2000 wenigstens zu egalisieren. Schon allein deshalb sollte man die zurückliegende Hinrunde isoliert von der ersten Jahreshälfte betrachten, zumal im Sommer ein großer Umbruch stattgefunden hat. Dennoch zeigt die Jahresübersicht gut Werders Aufstieg zum Spitzenteam Mitte des letzten Jahrzehnts (2001, 2006 und 2007 war man jeweils “Jahresmeister”) sowie den Niedergang der letzten Jahre. Letzterer ist kein kurzfristiger “Knick”: Die Jahre 2009 – 2012 waren allesamt schlechter als die Jahre 2001 bis 2008.

Punkte pro Kalenderjahr

Doch nun zur Betrachtung der Hinrunde. Werder holte 22 Punkte, was diese Hinrunde zur drittschlechtesten seit Schaafs Amtsantritt macht. Interessant ist hier, dass Werder in den sieben Jahren zwischen 2001 und 2007 sechs mal mindestens 33 Punkte holte. In den Jahren danach ist diese beeindruckende Konstanz verloren gegangen. Die 30-Punkte-Marke wurde seit 2007 nicht mehr überschritten.

Punkte Werder Bremen Hinrunde

Auf die traditionell starken Hinrunden folgte auch in den besten Jahren zumeist ein Einbruch nach der Winterpause. In diesem Winter sollte dies jedoch nicht passieren, wenn man ohne Abstiegsgefahr durch die Saison kommen will. Die Hoffnung auf eine Steigerung in der Rückrunde ist allerdings beim jüngsten Kader der Bundesliga nicht gänzlich unbegründet. Der Schlüssel dazu liegt in der Heimstärke.

Auswärts hingegen hat Werder seit längerer Zeit schon Probleme. Zwei Auswärtssiege holte man immerhin in Freiburg und Hoffenheim und liegt mit 8 Auswärtspunkten (0,89 pro Spiel) in etwa auf dem gleichen Kurs wie in den beiden Vorjahren. Nicht nur in der Doublesaison 2003/04 zeichnete sich Werder durch eine beeindruckende Auswärtsstärke aus. Auch in den Jahren danach holte man jeweils die Mehrzahl der möglichen Auswärtspunkte (über 1,5 pro Spiel). Die Saison 2008/09 sah hier zunächst wie ein Ausreißer aus: Zu den beiden einzigen Auswärtssiegen zählte das 5:2 in München, zudem wurde das Pokalfinale damals ausschließlich mit Auswärtssiegen erreicht. Im Nachhinein wirkt nun jedoch eher die Saison 2009/10, in der Werder noch einmal beste Auswärtsmannschaft der Liga war, wie ein Ausreißer. Von der einstiegen Auswärtsstärke ist Werder jedenfalls weiterhin deutlich entfernt.

Auswärtspunkte Werder

Dabei hat sich Werder gerade auswärts durchaus verbessert gezeigt und häufig lange Zeit dem Gegner Paroli geboten. Anders als in früheren Jahren tritt Werder auswärts nicht mehr mit der gleichen Angriffslust an, wie im Weserstadion. Mit guter Organisation und schnellem Konterspiel will man (gerade den stärkeren) Gegnern nun beikommen. Dennoch konnte die Zahl der Gegentore nicht merklich gesenkt werden. Im Schnitt klingelte es 1,71 mal pro Spiel im Bremer Tor, was genau dem Wert der Vorsaison entspricht und nur unwesentlich unter jenem der Saison 2010/11 liegt. Häufig wird argumentiert, dass Werder auch in besten Zeiten unter Schaaf viele Gegentore kassiert habe und das Problem eher darin liegt, dass nicht mehr so viele Tore geschossen werden. Die Zahlen belegen indes, dass es seit dem Jahr 2006 einen beinahe kontinuierlichen Anstieg der Gegentore zu beobachten gab und dass Werder heute im Schnitt 0,6 Gegentore mehr pro Spiel (etwa 20 mehr pro Saison) kassiert, als zwischen 2003 und 2006. Auch in Schaafs Anfangsjahren war die Gegentorquote nie so schlecht, wie in den letzten drei Spielzeiten.

Tore und Gegentore Werder

Immerhin bei den geschossenen Toren ist wieder ein leichter Anstieg erkennbar. Trotzdem bleibt das Torverhältnis zum dritten Mal in Folge negativ, wohingegen es in den ersten elf Jahren unter Schaaf immer positiv war. Dennoch: Wenn sich in den Zahlen der abgelaufenen Hinrunde ein Fortschritt erkennen lässt, dann am ehesten hier.

Man kann nun einwenden, dass ein Vergleich der Zahlen mit den Champions League Jahren nicht unbedingt zielführend ist, um die jüngsten Veränderungen sinnvoll zu bewerten. Betrachten wir also zusätzlich die Entwicklung einiger anderer Kennzahlen im Vergleich zur Vorsaison.

Für den auffälligsten Unterschied zur Vorsaison, das verbesserte Pressing, fehlen mir die nötigen Daten (bzw. ich müsste sie mir selbst zusammen sammeln und dafür fehlen mir Zeit und Lust). Es lässt sich jedoch erkennen, dass trotz der oben erwähnten, häufiger eingesetzten Kontertaktik der Ballbesitz leicht gesteigert wurde. Letzte Saison hatte Werder 50,75% Ballbesitz, in dieser Saison waren es durchschnittlich 52,12%. Bei der Passquote ist hingegen kein Unterschied zu erkennen, sie liegt weiterhin bei 81,7%, womit Werder (wie auch beim Ballbesitz) in der Bundesligaspitze anzusiedeln ist. Die Bedeutung dieser Zahlen darf man allerdings durchaus anzweifeln.

Häufig wird behauptet, Werder sei nur wegen der schlechten Chancenverwertung nicht auf den internationalen Plätzen zu finden. Für einzelne Spiele mag diese Behauptung zutreffen, über die gesamte Hinrunde gesehen jedoch – rein quantitativ – nicht. Werders Chancenverwertung liegt mit 11,48% im Mittelfeld der Liga. Mit den Effizienzkönigen aus Hannover (15,69%) kann Werder zwar nicht mithalten, doch neun Teams weisen eine noch schlechtere Quote auf. Im Vergleich zum Vorjahr (9,59%) ist sogar eine Verbesserung zu erkennen. Im Gedächtnis bleiben jedoch die zehn Aluminiumtreffer, die einen Ligahöchstwert bedeuten und somit eine gewisse Tragik in diese Statistik bringen: Werders Chancenverwertung ist nicht schlecht, sie könnte aber noch ein ganzes Stück besser sein.

Ein interessanter Aspekt ist auch die Chancenverwertung von Werders Gegnern. Nur zwei Teams haben mehr Gegentore kassiert als Werder, doch nur vier Mannschaften ließen weniger gegnerische Chancen zu. Hieraus kann man entweder schließen, dass die Gegner in den Spielen gegen Werder vor dem Tor besonders viel Glück hatten, oder dass Werder verhältnismäßig viele qualitativ hochwertige Chancen zulässt.

Letztlich waren die “weichen” Faktoren für Schaaf und Werder in dieser Hinrunde vermutlich wichtiger, als die doch eher ernüchternden Zahlen. Die junge Mannschaft hat es zu Saisonbeginn geschafft, die allgemein schlechte Stimmung in Zuversicht zu verwandeln und der Systemwechsel nahm ein Stück weit den Druck von Thomas Schaaf. Neben dem verbesserten Pressing war das Flügelspiel ein belebendes Element in Werders Spiel. Warum dies (noch?) nicht zu einem besseren Ergebnis geführt hat, werde ich versuchen in den nächsten beiden Beiträgen zu ergründen.

Die Hinrundenbilanz:

Teil 1: Werders Hinrunde in Zahlen
Teil 2: Mit neuem System zu neuen Höhen?
Teil 3: Zeugnisausgabe – Die Einzelkritik

Diamonds are forever, Teil 1 – Die Hinrunde in 3 Akten

1. Akt: Im Zeichen der Raute

Werder hat im Sommer gut gearbeitet. Man hat aus der verkorksten letzten Saison die richtigen Schlüsse gezogen und einen Umbruch eingeleitet. Der alte Platzhirsch Torsten Frings wurde aussortiert und im Spätsommer ließ man auch seinen Stellvertreter Per Mertesacker ziehen. Die Einkäufe waren – durch Sparzwänge begünstigt – wieder kreativer als in den letzten Jahren. Statt (vorerst) gescheiterter Riesentalente verpflichtete man diesmal junge Spieler, deren Einsatzwillen unumstrittener war, als ihr fußballerisches Können. Lukas Schmitz kam ohne große Vorschusslorbeeren von Schalke und stabilisierte die linke Abwehrseite. Mit Aleksandar Ignjovski und Sokratis wurden zwei weitere Kämpfertypen für die Defensive geholt. Mit Andreas Wolf kam ein nicht unumstrittener Haudegen für die Innenverteidigung. Lediglich der Ekici-Transfer erinnerte an die ambitionierten Einkäufe der letzten Jahre.

Nach den Experimenten der Hinrunde der Vorsaison legte sich Thomas Schaaf diesmal früh auf ein System fest. Er setzte wie zu großen Teilen seiner Zeit bei Werder auf ein 4-4-2 mit Raute. Der Mannschaft gab dies in dieser Frühphase der Saison die Orientierung, die im vorigen Herbst gefehlt hatte. Der wichtigste Schachzug in dieser Phase war jedoch eine personelle Umstellung: Nach der Verletzung Tim Borowskis holte Schaaf den neuen Kapitän Clemens Fritz ins halbrechte Mittelfeld und stellte den gelernten Innenverteidiger Sokratis als Rechtsverteidiger auf. Dies stabilisierte sowohl das Mittelfeld als auch die Viererkette, zumal mit Prödl und Mertesacker zu Beginn der Bundesligasaison auch zwei Innenverteidiger zurückkehrten, die in der Vorbereitung gefehlt hatten.

Die peinliche Niederlage im Pokal gegen Heidenheim steckte die Mannschaft überraschend gut weg. Nachdem schon vor dem 1. Bundesligaspieltag die Krise greifbar war, wirkte Werder in den ersten Spielen der Saison überraschend gut eingespielt. Während andere hochgelobte Mannschaften (Leverkusen, Schalke, BVB) noch ihre Probleme hatten, holte Werder 12 Punkte aus den ersten 5 Spielen und stand plötzlich oben in der Tabelle. Rückkehrer Markus Rosenberg konnte sich in dieser Phase als Goalgetter auszeichnen und die starke Bank mit Ekici, Wesley, Arnautovic, Ignjovski und dem wiedergenesenen Naldo machte häufig den Unterschied aus.

2. Akt: Rückstände und Kampfeslust

Trotz aller guten Ansätze und erkennbarer Automatismen im Offensivspiel erreichte man nicht die spielerische Dominanz früherer Jahre. Das wäre angesichts der Vorsaison wohl auch zuviel erwartet. Die ersten Topspiele gegen Hannover und Dortmund gaben den Kritikern, die Thomas Schaafs System für nicht mehr zeitgemäß halten, allerdings neue Bestätigung. Werder geriet in dieser Phase der Saison immer wieder in Rückstand, häufig schon zu einem frühen Zeitpunkt im Spiel. Die Defensive zeigte sich wieder so anfällig, wie man es von Werder gewohnt ist. Zu viele individuelle Fehler (Wolf gegen Dortmund und Augsburg, Prödl gegen Köln), aber auch die altbekannte und systembedingte Konteranfälligkeit machten es den Gegnern zu einfach.

Überspielt wurden die Probleme in dieser Phase von einem geradezu unbändigen Siegeswillen und großer Laufbereitschaft. Die Mittelfeld-Achse Fritz – Bargfrede – Hunt gehörte in der Hinrunde zum Lauf- und Zweikampfstärksten, was die Bundesliga zu bieten hatte. Bei den häufig mitreißenden Aufholjagden war Werder jedoch zu abhängig von Claudio Pizarro, der sich immer wieder als Werders Lebensversicherung erwies. Von Automatismen im Spiel nach vorne war nur noch wenig zu sehen. Auf der 10er Position verlor Marin seine gute Form aus den ersten Spielen und auch Ekici fand nicht in die Rolle hinter den Spitzen hinein. Dazu machten es die Gegner dem Bremer Aufbauspiel immer schwerer. Der vertikale Ball ins Mittelfeld wurde durch konsequentes Zustellen der Rautenspieler meist verhindert und Schaafs Mannschaft fiel dagegen nicht viel ein.

3. Akt: Watschn

Trotz aller Probleme blieb Werder immer in der Nähe der Champions League Plätze. An 16 von 17 Spieltagen stand man auf einem Europacup-Platz. Im Weserstadion holte man 21 von 24 möglichen Punkten und war damit die beste Heimmannschaft der Liga. Auswärts bekam man allerdings zum Ende der Hinrunde enorme Probleme. Gegen die Schwergewichte der Liga geriet man ordentlich unter die Räder und kassiert gegen Gladbach, Bayern und Schalke 14 Gegentore. Die schallende Ohrfeige in Gladbach kam wenig überraschend, nachdem man gegen schwächere Gegner vorher einige Male den Kopf gerade noch aus der Schlinge ziehen konnte. Gegen Favres Team lief Werder mutig und zielgenau ins offene Messer.

Die letzten beiden Heimspiele boten aber auch Grund zur Hoffnung. Die Abhängigkeit von Pizarro scheint wieder geringer, die Automatismen im Spiel kamen wieder besser zur Geltung. Zuhause und gegen weniger starke Gegner kommt man mit dem gewählten System gut zurecht und kann auch spielerisch einigermaßen überzeugen. Auswärts und gegen personell wie taktisch starke Mannschaften läuft man immer wieder Gefahr, mit fliegenden Fahnen unterzugehen. Lediglich in München war eine deutliche Abkehr von der gewohnten Ausrichtung erkennbar. Hier ließ Schaaf sehr kompakt und tief agieren, ohne seine Grundformation der Raute aufzugeben. Gegen andere Gegner scheint er nicht bereit zu sein, von seiner Prämisse des aktiven Spiels, des “etwas Anbietens” abzuweichen. Auf Schalke war die Konsequenz erkennbar. Nicht die Raute war das Problem (auch Schalke spielte mit Raute), sondern der Anspruch, dem Gegner auch auf fremdem Platz spielerisch Paroli zu bieten.

Fazit: Best of the rest

Ein Fazit fällt in dieser Winterpause schwer. Einerseits sind deutliche Verbesserungen erkennbar, auf denen sich für die Rückrunde aufbauen lässt. Man hielt sich schadlos gegen die kleinen Vereine, was man in der Vergangenheit nicht immer behaupten konnte. Andererseits reichte es gegen die großen Gegner nicht. Die sechs Niederlagen kamen gegen die sechs besten Mannschaften der Liga. Die Rückrunde wird zeigen, wie stur Thomas Schaaf wirklich ist. Bleibt er bei seinem Anspruch, Werder wieder zu alter spielerischer Klasse zu führen? Und wenn ja: Schafft er es mit den gewählten Mitteln trotz aller Zweifler? Oder geht er den pragmatischeren Weg und trichtert dem Team in der Winterpause ein Alternativsystem ein (was nicht automatisch eine Abkehr von der Raute bedeuten muss), das zumindest gegen die übermächtigen und gleichwertigen Gegner zum Einsatz kommt?

Die Vertragsverlängerung der beiden sportlichen Leiter setzt besonders Schaaf unter Zugzwang. Als Krisenmanager und Bauherr hat er sich 2011 bewährt. Nun muss er zeigen, dass er auch den nächsten Schritt gehen kann.

Die Halbjahreszeugnisse

Von Schulnoten halte ich eigentlich nicht viel, doch auch wenn unsere Abwehrspieler häufig so aussehen, als würden sie im eigenen Strafraum ihren Namen tanzen, haben sie sich eine handfeste Bewertung ihrer Leistungen verdient. Deshalb verteile ich heute die Halbjahreszeugnisse, die sich die Spieler nach dem Unterricht bitte in alphabetischer Reihenfolge am Lehrerpult abholen kommen.

Tim Wiese – Zu Beginn des Schuljahrs musste man sich um Timmy ein paar Sorgen machen, doch seitdem er nach seiner Verletzung den Atem des Konkurrenten im Nacken spürt, zeigt er starke Leistungen und hält sogar wieder Elfmeter. Ein herausragender mitspielender Torwart wird er nicht mehr werden. Nicht seine beste Hinrunde, aber eine Gute. Note: 2

Sebastian Mielitz – Basti, was für ein herausragender Auftritt Ende Oktober! Innerhalb von nur viereinhalb Spielen solchen Eindruck hinterlassen, dass man kaum Argumente dafür finden konnte, ihn wieder aus dem Tor zu nehmen. Könnte ein Großer werden, wenn er so weitermacht. Note: 1,5

Christian Vander – Von Christian bleibt leider nur ein AC/DC-Song im Gedächtnis. Plagte sich die gesamte Hinrunde über mit Verletzungen und konnte nicht am Unterricht teilnehmen. Ist dadurch wohl auf Platz 3 in der Hierarchie abgerutscht. Note: -

Per Mertesacker – Das war nichts, Per! Die Hinrunde einfach mal abhaken und in der Rückrunde zurück zu alter Stärke finden. Würde am liebsten ein paar Klassen überspringen und zu einer Eliteschule wechseln, doch momentan muss er eher zusehen, dass er seine Versetzung nicht gefährdet. Gerade noch ausreichend. Note: 4,5

Naldo – Na, Na, Na… es blieb stumm in dieser Saison. Vor einem Jahr hatte er um diese Zeit schon eine zweistellige Torausbeute und zeigte starke Leistungen in der Abwehr. Seit dem Sommer musste er verletzungsbedingt dem Unterricht fernbleiben und fehlt seiner Klasse immens. Note: -

Petri Pasanen – Petri, der Musterschüler. Fällt nie unangenehm auf, stört nicht den Unterricht und macht fleißig seine Hausaufgaben. Seine mündliche Beteiligung könnte mehr sein, aber wenn er was sagt, dann ist es häufig richtig. Doch dann versagt er bei den großen Klassenarbeiten in “Außenverteidigung” und es fällt mir schwer, mehr als ein mangelhaft zu vergeben. Note: 5

Sebastian Prödl – Basti Nummer 2 musste sich erst an Sprache und Kultur in unserem Land gewöhnen, doch inzwischen hat er sich zu einem passablen Innenverteidiger entwickelt. Zu Saisonbeginn war er das Licht im Bremer Abwehrdunkel, doch konnte er dies nicht konstant bestätigen. Insgesamt war es ausreichend. Note: 4

Clemens Fritz - Hat mitten im Schuljahr sein Leistungsfach gewechselt und überraschte seine Mitschüler im defensiven Mittelfeld. Nicht nur deshalb bekommt er von mir als einer der wenigen Spieler aus den hinteren Reihen ein Befriedigend. Muss im zweiten Halbjahr aber so weitermachen, um die Note zu halten. Note: 3

Mikael Silvestre – Mikael fiel in der Hinrunde durch zwei Dinge auf: 1. Sein Name wurde ständig falsch geschrieben oder ausgesprochen (I’m looking at you, Marcel “Erik Silvester” Reif!). 2. Er fabrizierte eine Unmenge an Fehlern. Man wünschte ihm mehr Unterstützung von den Mitschülern, doch leider ließ man ihn zu häufig allein im Regen stehen. Mit gutem Willen und als Anerkennung seines Bemühens bekommt er noch ein Mangelhaft. Note: 5

Sebastian Boenisch - Basti Nummer 3 sollte diese Hinrunde am besten ganz schnell vergessen. Erst den Kampf um den Stammplatz gegen Pasanen verloren, dann gegen Neuzugang Silvestre und dann eine langwierige Verletzung eingefangen. Zu benoten bleibt da nichts. Note: -

Dominik Schmidt – Wer? Dominik fiel bislang so wenig auf im Unterricht, das selbst der Lehrer vergessen hatte, dass es ihn überhaupt gibt. Dann plötzlich war er da und überzeugte so sehr, dass man ihn nicht mehr missen möchte. Machte trotz allgemeiner Verunsicherung einen guten Job und bekommt von mir dafür ein Befriedigend mit Tendenz nach oben. Note: 2,5

Leon Balogun – Als die Personalnot auf dem Höhepunkt war, durfte er kurz aushelfen. Machte seine Sache dabei nicht schlechter als seine Nebenleute. Note: -

Torsten Frings – Was machen wir mit Torsten? Als Klassensprecher saß er immer in der ersten Reihe, war zuverlässig und überspielte seine Schwächen mit überbordendem Eifer. Nun denkt er darüber nach, die Schule abzubrechen und man kann es ihm nicht verübeln. Versetzung stark gefährdet, das muss man sich in seinem Alter nicht mehr antun. Könnte bald schon selbst zum Aushilfslehrer werden. Note: 4,5

Phillipp Bargfrede – Phillipps Leistungen waren zuletzt nicht mehr so, wie man es von ihm kennt. Im letzten Schuljahr noch einer der Klassenbesten und Vorbild für viele Mitschüler, ließen seine Arbeiten im Laufe dieses Schuljahrs spürbar nach. An Fleiß mangelt es nicht, doch irgendwie kommt er mit dem aktuellen Unterrichtsstoff nicht so gut zurecht. Leider nicht mehr als ausreichend. Note: 4

Wesley – So wünscht man sich neue Mitschüler! Wesley ist fleißig, lernt schnell, hilft seinen Mitschülern gewissenhaft. Wenn er mal einen Fehler macht, putzt er freiwillig hinterher die Tafel und all dies mit einem Lächeln auf den Lippen. Das ist jetzt schon gut und könnte in Zukunft noch besser werden. Note: 2

Daniel Jensen – Daniel könnte so ein guter Schüler sein, doch trägt zu selten etwas zum Unterricht bei. Eigentlich hinterließ er einen zumindest befriedigenden Eindruck, aber irgendwas stimmt da nicht. Ignoriert ihn der Lehrer oder meldet er sich nicht häufig genug? Note: 4

Tim Borowski – Ehemaliger Einserschüler, der seit Jahren nichts mehr dazulernt. Er weiß ja auch eigentlich genug. Leider hat es unser Timbo nach ambitioniertem Start ins Schuljahr wieder schleifen lassen und konnte nun schon seit Monaten nicht mehr am Unterricht teilnehmen. Hat dadurch immerhin seine Rolle als Sündenbock abgegeben… Note: 4

Aaron Hunt – … die Aaron dafür dankbar aufgenommen hat. Er weiß eigentlich auf so viele Fragen eine Antwort, aber man muss sie ihm aus der Nase ziehen. Versteht sich nicht so richtig mit seinen Mitschülern und lässt nur ab und an Geistesblitze erkennen, die ihn so gerade noch vor dem Mangelhaft retten. Note: 4,5

Marko Marin – Bei Marko ist eher andersherum. Er versucht mit ausgefallenen Dingen zu punkten, vernachlässigt aber den Stoff aus dem Lehrplan. Versucht sich ständig an komplizierten Dreisätzen, obwohl er die Grundrechenarten noch nicht vollständig beherrscht. Spiel ohne Ball ist miserabel. Für mich die größte Enttäuschung bisher. Er muss sich zusammenreißen, wenn er das Schuljahr auf einem grünen Zweig beenden will. Note: 4,5

Said Husejinovic – Außerhalb seiner Klasse ist kaum jemandem aufgefallen, dass Said überhaupt auf diese Schule geht. Ist stets bemüht, wirkt jedoch überfordert. Wäre an einer anderen Schule sicher besser aufgehoben, wo ihm die Lehrer mehr Zeit und Geduld widmen können. Note: -

Felix Kroos – Felix durfte mal kurz rein schnuppern, als in der Klasse zu viele Stühle leer blieben. Ein weiteres halbes Jahr in der Klasse drunter dürfte ihm gut tun. Note: -

Marko Arnautovic – Für Marko wurde die Note im Betragen wieder eingeführt. Und sie ist ungenügend. Hier sind erzieherische Maßnahmen notwendig, damit er sein Talent nicht verschwendet. Wenn er bei der Sache ist, zeigt sich seine Genialität. Mit der allein wird es jedoch nicht schaffen. Mit Geduld und Arbeit wird er irgendwann mindestens auf ein Gut kommen. Momentan reicht es noch nicht ganz für ein Befriedigend. Note: 3,5

Claudio Pizarro – Claudio ist ein Garant für starke Leistungen. Wenn er fit ist, macht er eigentlich alles, was man von ihm erwartet und verdient sich gute bis sehr gute Noten. In dieser Hinrunde hatte er nur leider wenig Gelegenheit dazu, weil die Gesundheit nicht mitspielte und er auf dem Feld nicht immer vollständig fit wirkte. Note: 3

Hugo Almeida – Hugo ist und bleibt leider ein Sorgenkind. Er macht seine Sache häufig gut, doch dann vermasselt er sich selbst das Ergebnis. Liebäugelt mit einem Schulwechsel im Winter, weil er auch nach 4 1/2 Jahren seinen Lehrer noch nicht vollends von sich überzeugen konnte. Insgesamt trotzdem bester Offensivakteur der Klasse. Note: 2,5

Sandro Wagner – Sandro kann einem fast ein bisschen leidtun, darf er doch eigentlich nur dann ran, wenn die meisten seine Mitschüler fehlen, was in dieser Hinrunde häufig der Fall war. Bemüht sich redlich, doch mehr als ein Mangelhaft kann man dafür nicht vergeben, wenn die Ergebnisse so schwach bleiben. Note: 5

Lennart Thy – Man konnte vorher nicht unbedingt davon ausgehen, dass Lennart schon in diesem Schuljahr bei den großen Jungs mitmachen darf. Seit ein paar Wochen ist er nun dabei und fällt nicht unangenehm auf. Allerdings noch zu wenig, um ihn dafür schon zu benoten. Note: -

Zum Abschluss möchte ich noch hinzufügen: Ich bin echt enttäuscht von euch! Ein Notenschnitt von 3,63 zeigt, dass ich noch recht moderat benotet habe. In der Rückrunde erwarte ich wesentlich mehr von euch, sonst wird es die Fünfen nur so hageln!