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Unsere Kaderstruktur

Ein kleines Experiment. Ich habe für alle Spieler aus Werders aktuellem Kader das Alter und die Anzahl der Bundesligaspiele gegenübergestellt und in einem Streudiagramm abgebildet. Dann habe ich eine Trendlinie eingefügt, um zu sehen wo in etwa der Soll-Wert liegt. Das Ergebnis ist eine schnuckelige, kleine Infografik*:

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Anhand des Ergebnisses habe ich die Spieler in fünf Kategorien eingeteilt:

Nachwuchsspieler (Alter 18-23, unterdurchschnittliche Anzahl an Spielen)

Felix Kroos, Florian Trinks, Lennart Thy, Felix Wiedwald, Pascal Testroet, Onur Ayik, Marko Arnautovic, Sebastian Miellitz, Niklas Andersen, Timo Perthel, Said Husejinovic, Sandro Wagner, José-Alex Ikeng, Dominik Schmidt, Sebastian Prödl, Philipp Bargfrede.

Keine Überraschungen. Bargfrede liegt knapp über dem Strich, hat aber erst eine Saison als Profi absolviert. Wird er in der kommenden Saison weiter regelmäßig eingesetzt, rückt er zu den “Senkrechtstartern” vor. Prödl liegt dagegen knapp unter dem Strich. Die kommende Saison ist bei ihm entscheidend: “Mitläufer” oder “Leistungsträger”? Arnautovic und Wagner zählen als junge Neuzugänge ebenfalls in diese Kategorie.

Senkrechtstarter (Alter 18-23, überdurchschnittliche Anzahl an Spielen)

Marko Marin, Mesut Özil, Sebastian Boenisch, Aaron Hunt.

Der Name Boenisch überrascht vielleicht einige, doch der 23-Jährige spielt regelmäßig und liegt deutlich über den Strich.

Leistungsträger (Alter 24-29, überdurchschnittliche Anzahl an Spielen)

Per Mertesacker, Hugo Almeida, Naldo, Tim Wiese, Clemens Fritz.

Almeida und Fritz liegen nur knapp über bzw. unter dem Strich. Da sie schon lange bei Werder sind und regelmäßig spielen, zähle ich sie noch zu den Leistungsträgern.

Häuptlinge (Alter 30+, überdurchschnittliche Anzahl an Spielen)

Tim Borowski, Claudio Pizarro, Torsten Frings.

Frings hat mit Abstand die meisten Bundesligaspiele absolviert. Borowski muss sich steigern, um nicht bald zum “Mitläufer” zu verkommen.

Mitläufer (Alter 24+, unterdurchschnittliche Anzahl an Spielen)

Peter Niemeyer, Markus Rosenberg, Petri Pasanen, Christian Vander, Daniel Jensen.

Rosenberg kratzt von den genannten am ehesten an der Grenze zum Leistungsträger. Nach den letzten beiden Jahren eigentlich ein Witz. Jensen und Niemeyer auch aufgrund von Verletzungen weit unten.

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* Zur Klarstellung: Die Einteilung der Kategorien ist willkürlich anhand vorher festgelegter Kriterien. Die Daten sind nur auf Werder Bremen bezogen, die Trendlinie gibt also keine Durchschnittswerte der Bundesliga wieder. Die ausschließliche Berücksichtigung von Bundesligaspielen ist ebenfalls willkürlich und benachteiligt Spieler wie Niemeyer, Jensen oder Pasanen, die viele Spiele im Ausland bestritten haben. Andererseits wäre es auch Quatsch, Spiele in bspw. der dänischen Superliga mit Bundesligaspielen gleichzusetzen. Hier wird aber auch kein wissenschaftlicher Anspruch gestellt. In erster Linie geht es um eine Überprüfung subjektiver Einschätzungen zu unseren Spielern. Datenquelle: werder.de

34. Spieltag: Durchschaubar in die Champions League

Werder Bremen – Hamburger SV 1:1

Zur Einführung ein Zitat aus meiner Saisonvorschau im August 2009:

“Es wird mal wieder eine typische Werder-Saison. Gute Hinrunde, Krise zu Beginn der Rückrunde, Aufholjagd im letzten Drittel und am letzten Spieltag werden die Positionen mit dem HSV getauscht. Werder wird Dritter und landet in der Champions League Qualifikation.”

Ok, die Positionen brauchte man mit dem HSV gestern nicht mehr zu tauschen. Geschenkt. Ansonsten eine ziemlich akkurate Beschreibung der gerade abgeschlossenen Bundesligasaison des SVW. In meine seherischen Fähigkeiten habe ich spätestens seit Dezember kein großes Vertrauen mehr, als ich Werder die Meisterschaft voraussagte und damit kräftig auf die Nase fiel. Vor fünf Wochen habe ich dann die Saison abgehakt – äußerst verfrüht, wie sich gezeigt hat. Zu meiner Verteidigung war da eine Portion Aberglaube bei, sodass ich mich bis zum 8.5. um 17:20 nicht traute, meine Aussage zu revidieren. Trotzdem, als Wahrsager bin ich bestenfalls so mittelbegabt. War es denn so vorhersehbar?

Schaut man sich die Tabellen der letzten fünf Jahre an, muss man sagen: Ja! Bayern und Werder waren in den letzten fünf Jahren jeweils viermal unter den Top 3 der Liga. Der FC Schalke dreimal. Ansonsten schafften nur der VfB Stuttgart (2x), der HSV und Wolfsburg (je 1x) den Sprung unter die ersten Drei. Nun sind es also wieder diese drei Mannschaften, die die vorderen Plätze belegen, wie schon 2005 und 2008. In England wurde die Dominanz der Big Four gerade zum ersten Mal seit fünf Jahren durchbrochen. Haben wir in Deutschland nun also unsere Big Three? Das wäre übertrieben, doch Zufall sind diese Resultate wohl kaum. Während die letzte Saison eine kleine Revolution war, zunächst mit dem Überflieger Hoffenheim und dann mit dem Meister Wolfsburg, hieß es in dieser Saison: Das Imperium schlägt zurück.

Es gehört zum Fußball, dass sich bestimmte Dinge immer wiederholen. Auch in den Jahren 2006 und 2008 sowie mit Abstrichen 2007 verlief Werders Saison ähnlich, wie oben beschrieben. Daneben gibt es noch einige andere Tradionen: Die Bayern werden (fast) immer Meister, Schalke nie, Leverkusen bricht in der Rückrunde ein, Stuttgart dreht in der Rückrunde auf, der HSV verpatzt die wichtigen Spiele und Nürnberg und Bochum bleiben Fahrstuhlmannschaften. Während all das nicht zuletzt mit der Qualität der jeweiligen Mannschaften zu tun hat, ist es in nicht unterschätzendem Maße Psychologie. So etwas setzt sich nicht nur in den Köpfen der Fans fest, sondern auch in denen der Spieler. Als Leverkusener muss einem im letzten Saisondrittel Angst und Bange werden, während sich die Bayern darauf freuen können. Immer wieder schön, wenn Mannschaften es schaffen, diesen Kreislauf zu unterbrechen, wie Wolfsburg letzte Saison oder Werder 2004.

Doch entspricht Werders schematischer Saisonverlauf wirklich den Tatsachen oder erstammt er der selektiven Wahrnehmung und Einordnung der Fans? Ich habe mal einen kleinen Vergleich gemacht zwischen den letzten fünf Jahren und dieser Saison. Verglichen habe ich monatsweise, wieviel Punkte Werder jeweils im Schnitt pro Spiel geholt hat. Und siehe da, der Vergleich zeigt: In den letzten fünf Jahren gab es tasächlich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Monaten. Insgesamt holte Werder im Schnitt 1,8 Punkte pro Spiel. Hochgerechnet auf eine Saison sind das 61,2 Punkte pro Saison. Die aus Bremer Sicht erfolgreichsten Monate sind Januar und Dezember, gefolgt von Mai und September. In diesen Monaten hat Werder deutlich überdurchschnittlich viele Punkte geholt. Die schwächsten Monate sind März und Februar. Der von mir erwartete Leistungseinbruch in der ersten Hälfte der Rückrunde ist für Werder demnach nicht untypisch, sondern tritt regelmäßig auf.

Durchschnittliche Punktzahl pro Spiel

Durchschnittliche Punktzahl pro Spiel (monatsweise)

Die nun abgelaufene Saison war in vielen Bereichen durchschnittlich. Insgesamt 61 Punkte (1,79 pro Spiel) entsprechen genau dem Durchschnitt der letzten fünf Spielzeiten. Die ersten vier Monate der Saison sind ebenfalls relativ nah an den Werten der letzten Jahre. Dann zeigen sich aber zwei große Abweichungen: In den traditionell stärksten beiden Monaten stürzte Werder völlig ab und holte nur einen Punkt aus sechs Spielen. Danach spielte Werder von Februar bis Mai eine überdurchschnittliche Rückrunde. Die sonst schwächsten Monate Februar und März wurden in dieser Saison zu den stärksten. Alles wie immer also, nur eben ganz anders.

Und was sagt uns das nun? Werder hat acht Monate lang eine überdurchschnittliche Saison gespielt, durch zwei ganz schwache Monate rund um die verkürzte Winterpause verpasste man es aber, ein noch besseres Ergebnis zu erreichen. Das Stichwort Konstanz, das letzte Saison so häufig gebraucht wurde, darf man daher auch in diesem Sommer wieder auspacken, wenn es um die Fehleranalyse geht. Zu wichtig sollte man solche statistischen Spielerein jedoch nicht nehmen. Das Spiel gegen den HSV hat doch wieder einmal klar gezeigt, dass die nakten Zahlen manchmal eben doch lügen. Oder möchte ernsthaft jemand behaupten, das Duell um die Nummer 1 im Norden wäre unentschieden ausgegangen?