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Mutlosigkeit statt Gladiolen

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle eine Vorschau aufs Rückspiel zwischen dem FC Bayern und Inter Mailand heute Abend schreiben. Eigentlich. Nun ist die letzte Woche bekanntgewordene Trennung zwischen den Bayern und Louis van Gaal dazwischen gekommen und mir ist die Lust dazu vergangen.

Eigentlich könnte es mir ja völlig egal sein, ob die Bayern van Gaal entlassen, bzw. ich freue mich als Werderfan sogar darüber, denn wenn die Bayern ihren zuletzt beschrittenen Weg aufgeben und zurück zum konzeptlosen Zweijahreskaufrausch mit fünfzigprozentiger Meisterschaftsausbeute kehren, dann kann das für uns nur gut sein. Trotzdem ärgert es mich. Es hat mich schon im November 2009 geärgert und wenn die Mannschaft nicht unerwartet doch noch in der Champions League weitergekommen wären, dann würde heute niemand über die ach so tolle letzte Saison reden. Zur Erinnerung: Bayern hat die Gruppenphase nur deshalb überstanden, weil Juve in Bordeaux verloren hat. Hätten sie gewonnen, wäre es am letzten Spieltag in Turin um nichts mehr gegangen.

Damals hing Louis van Gaals Bayernkarriere am seidenen Faden. Im Sommer darauf war er der neue Fußballmessias. Das Feierbiest. In dieser Saison ist er wieder der alte Sturkopf, der nicht auf die Weisheit der Bayernoberen hört und unbelehrbar ist. Diese Entwicklung sagt viel mehr über den Verein FC Bayern als über den Trainer van Gaal.

Man wusste schon vorher, dass van Gaal kein ganz einfacher Mensch ist, dass er gewisse Vorstellungen vom Fußball hat, die nicht unbedingt mit dem Fußballstammtisch harmonieren. Als van Gaal verpflichtet wurde war ich beeindruckt. Beeindruckt davon, dass die Bayern sich einen solchen Querkopf in Haus holen und ihn seine Ideen umsetzen lassen. Nach dem gescheiterten Experiment Jürgen Klinsmann sollte es ein Fußballlehrer sein, aber eben einer mit neuen Ideen, der den Verein nicht zurück in die Lethargie der zweiten Hälfte der Ära Hitzfeld fliehen ließ. Der Verein schien bereit für Veränderung, für einen großen Plan. Vor allem deshalb wirkt es so bizarr, dass van Gaals Leistung nun vor allem an den Ergebnissen festgemacht werden. Nicht, dass die Ergebnisse bei der Bewertung eines Trainers egal wären, aber was kann man als Trainer in knapp zwei Jahren eigentlich erreichen? Eine Meisterschaft gewinnen? Einen Pokal holen? Die Champions League? Das ganze noch mal? Vielleicht, aber einem Vereine eine Idee vom Fußball einpflanzen? Das ist ein langfristiger Prozess.

Aber war nicht genau das van Gaals Mission? Eine “Fußballphilosophie”, seine Fußballphilosophie bei den Bayern umsetzen? Das hat er getan. Konsequent und ohne Kompromisse. Mit Kompromissen kommt man in einem festgefahrenen System nicht weiter. Kompromisse weichen die Philosophie auf. Es war klar: Der Trainer hat das alleinige Sagen. Es war auch klar: Das wird bei den Bayern bestenfalls geduldet, aber niemals akzeptiert. Im Sommer wurden van Gaals Verdienste noch im Detail aufgelistet: Er hat ein passendes System gefunden, Spieler aus ihrer comfort zone bewegt (Lahm, Schweinsteiger), auf die Jugend gesetzt (Müller, Badstuber) und dazu seine offensive Spielidee umgesetzt.

Es mag im Sommer schon manche gegeben haben, die eine nahtlose Fortsetzung dieser Entwicklung in dieser Saison erwartet oder sogar verlangt haben. Solch eine Annahme ist völlig unrealistisch. Im Fußball läuft nichts linear, nach der überaus erfolgreichen Saison war ein gefühlter Rückschritt fast unvermeidbar. Es ist nicht diese Saison, die enttäuschend ist (auch wenn einige Ergebnisse es unzweifelhaft sind) – es war die letzte Saison, die eigentlich zu gut war. Bayern ist noch nicht die beste Mannschaft Europas. Auch nicht die zweitbeste. Aber Bayern ist auf einem guten Weg dorthin, trotz und auch wegen der Rückschritte.

Mit Glück, Können und einem wahnsinnigen Lauf ging es letzten Frühling bis ins Champions League Finale. Eine Mannschaft entwickelt sich aber in erster Linie indem sie schwierige Phasen übersteht und Hindernisse überwindet. Der Sieg über Juve letzte Saison war ein entscheidender Moment. Die Niederlage gegen Dortmund könnte ein weiterer entscheidender Moment sein. Wie geht die Mannschaft damit um, nicht unmittelbar sondern mittelfristig? Welche Strategien werden entwickelt, um nächste Saison besser zu sein? Dem Fortschritt der letzten Saison folgte die Reaktion der Konkurrenz in dieser Saison. Ist es auch nur ansatzweise überraschend, dass die Gegner in dieser Saison besser mit der Spielweise der Bayern zurechtkommen? Und genau darauf sollte es beim Rekordmeister nun ankommen, nämlich eine passende Antwort zu finden. Rasenschach.

Die Crux bei der Sache ist: Diese Entwicklung ist nur langfristig zu erkennen, bereinigt um “konjunkturelle Effekte” sozusagen. Stattdessen schaukeln sich die Bayern an den letzten drei bis vier Ergebnissen und van Gaals Sturheit hoch. Ich kann gut verstehen, dass einige Bayernfans gerade an ihrer Vereinsführung verzweifeln.

Und wie sieht es mit der Implementierung der Fußballphilosophie aus? Noch bevor sie im Verein in Fleisch und Blut übergegangen ist, wird sie bereits als selbstverständlich hingenommen. Wo genau standen die Bayern noch mal im Sommer 2009? Was hat sich seitdem geändert? Alles vergessen. Xavi Hernandez vom großen Vorbild FC Barcelona hat vor kurzem in einem Interview gesagt, dass nie die Identität geändert werden darf. Personal könne man austauschen, auch Trainer, aber nie die Identität. Das Problem bei den Bayern: Die Identität ist gerade erst in der Entstehungsphase. In Barcelona hatte Johan Cruyff acht Jahre lang Zeit, um seine von Rinus Michels übernommene Idee vom Fußball umzusetzen und zu verfeinern. Van Gaal hat sie fortgesetzt und heute ist es so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass man sich fast automatisch den passenden Trainer und die passenden Spieler dazu auswählt.

Wer formt nach van Gaal die Identität der Bayern weiter? Präsident Hoeneß? Vorstandsvorsitzender Rummenigge? Manager Nerlinger? Heynckes ist ganz sicher kein schlechter Trainer, aber er wird den Umbruch bei den Bayern nicht fortsetzen. Eher scheint er der größte gemeinsame Nenner zu sein, auf den sich die Clubführung einigen kann. Es ist ein: ja, wir wollen schon irgendwie, aber nicht so richtig. Eine solide Lösung, aber keine mutige. Ich hoffe sehr, dass sie dafür nicht belohnt werden.

One for the money, two for the show

Champions League, Gruppe A, 6. Spieltag: Werder Bremen – Inter Mailand 3:0

Sacchis Milan hat es nicht geschafft, Capellos Milan hat es nicht geschafft, Ancelottis Milan hat es nicht geschafft, Maradonas Neapel hat es nicht geschafft, Mancinis Inter hat es nicht geschafft, Mourinhos Inter hat es nicht geschafft und nun hat es auch Benitez Inter nicht geschafft. Werder bleibt im Weserstadion gegen italienische Mannschaften ungeschlagen.

Gegen diesen leblosen Gegner wäre eine Niederlage auch schwer zu verdauen gewesen, selbst wenn es in dem Spiel für Werder rein sportlich um nichts mehr ging. Die 800.000 Euro, die als Siegprämie für den Verein im Raum standen, nehmen die Verantwortlichen sicher gerne mit. Die Spieler werden sich mehr über den netten Aufbaugegner freuen, gegen den sie nach einer halben Stunde zähen Bemühens endlich wieder einmal spielerisch überzeugen konnten. Natürlich darf man nicht den Fehler machen, dieses Spiel für voll zu nehmen, aber wie sagte Allofs nach dem Spiel so schön: Wir können nichts für das, was der Gegner macht.

Inter hatte sichtlich wenig Lust, sich am letzten Gruppenspiel zu beteiligen. In der Liga abgeschlagen und die Club-WM vor der Nase war das Spiel im eisigen Bremen nur ein lästiger Zwischenschritt. Trainer Benitez verzichtete auf viele seiner Stammspieler und schickte eine B-Elf auf den Rasen. Ein Schachzug, der ihn teuer zu stehen kommen könnte, denn Inter-Boss Moratti war not amused über die 0:3-Pleite und hat Benitez umgehend öffentlich Druck gemacht. Dabei hätte man von den auf dem Feld befindlichen Spielern (immerhin Eto’o, Pandev, Cambiasso und Zanetti in der Startaufstellung) schon etwas mehr erwarten können. Nach dem ersten Gegentor unternahm Inter jedoch keinerlei ernsthaften Versuch, wieder zurück ins Spiel zu kommen.

Für Werder war es dagegen ein rundum schönes Spiel. Zum einen hat man sich ordentlich aus der Champions League verabschiedet und zum anderen ein wenig Selbstvertrauen getankt. Wehmut sollte nach diesem Spiel nicht aufkommen. Selbst mit Topleistungen wäre es für Werder schwierig geworden, in dieser Gruppe weiterzukommen und davon war man in den meisten Gruppenspielen doch weit entfernt. Die Leistung gegen Inter war vor allem deshalb möglich, weil der Gegner so schwach war. Genau so eine Partie brauchte Werder, um sich auch spielerisch wieder etwas besser zu finden. In der zweiten Halbzeit klappten viele Dinge schon wieder, die in den letzten Wochen in dieser Form nicht zu beobachten waren.

Ich habe mich lange nicht mehr so über Werders Tore gefreut, wie am Dienstag Abend. Alle drei waren klare Statements, auf die wir lange genug gewartet haben. Das 1:0 durch Prödl per Kopf nach einer Ecke. Endlich ein Tor nach einer Ecke! Endlich trifft Prödl! Wie oft sind wir an diesen beiden Dingen in dieser Saison schon verzweifelt? Das 2:0 durch Arnautovic. Endlich ein Tor von Arnautovic, nach gefühlt 100 vergebenen Großchancen zuvor! Das 3:0 durch Pizarro. Endlich ist Pizza wieder da! Und dann trifft er auch gleich wieder. Das Spiel war auch eine Botschaft an die Fans: Ja, wir haben es dieses Jahr verkackt, aber wir wollen uns wenigstens anständig verabschieden.

Ein 3:0 gegen dieses Inter ist kein Grund abzuheben oder auch nur zu meinen, man habe jetzt was erreicht. Ein 3:0 gegen Inter ist aber immer ein Grund, ein wenig Selbstvertrauen daraus zu ziehen und mit erhobenem Haupt in die nächsten Spiele zu gehen. Die Zyniker werden sich über dieses Ergebnis ärgern, macht es doch den für die Winterpause geforderten radikalen Umbruch ein Stück unwahrscheinlicher. Alle anderen hoffen nun darauf, dass man am Samstag in Dortmund zumindest eine vernünftige Leistung abruft und dem Herbstmeister sein ganzes Können abverlangt.

Ein fragiles Gebilde namens Werder

Champions League, 2. Spieltag: Inter Mailand – Werder Bremen 4:0

Wir haben vier zu null gegen Inter Mailand verloren. Wenn ich die Mechanismen des Fußballs richtig verstanden habe, müssen wir nun den Trainer entlassen, 5-6 Spieler aus dem Kader verbannen (nicht alle, die schlecht spielen, sondern nur die, die bei den Fans unbeliebt sind) und auf “die Jugend” setzen. Spieler nachkaufen geht schließlich momentan nicht, trotz der 20 bis 50 Millionen, die Klaus Allofs in seiner Matratze versteckt hat. Zum Glück “greifen” die Mechanismen des Fußballs in Bremen etwas anders.

Die Niederlage gestern war bitter, ihr Zustandekommen fast noch bitterer. Werder hat 10 Minuten lang richtig gut mitgespielt, hätte sogar in Führung gehen können, aber war in den folgenden 80 Minuten hoffnungslos unterlegen. Angesichts der bisherigen Leistungen in dieser Saison musste man das befürchten. Vor einer Woche hat man 1:4 in Hannover verloren. Dennoch gab es nach dem Erfolg im Nordderby die Hoffnung, dass man sich an einem solchen Spiel hochziehen kann. Dass man eine Leistung abrufen kann, die wieder an das erinnert, was wir von Werder in den letzten Jahren gewohnt sind.

Es kam anders. Werder ließ sich nicht mit Pauken und Trompeten auskontern. Man stand auch nicht wie das Kaninchen vor der Schlange, wie im Pokalfinale gegen die Bayern. Man hatte eigentlich eine gute Taktik, stand nicht zu hoch, spielte schnell nach vorne und kam zu Torchancen ohne dabei die Abwehr zu entblößen. Eigentlich. Denn Inter fand trotzdem die Lücken, die sie brauchten, um immer wieder gefährlich vors Tor zu kommen. Es war ein deutlicher Klassenunterschied, den man nicht nur auf die verletzten Spieler schieben sollte.

Inter in allen Belangen überlegen

Es gab natürlich einen Unterschied in der individuellen Klasse der Spieler. Die Fehler von Jensen vor dem 0:1 und Bargfrede vor dem 0:4 sprechen Bände. Der eine hat jahrelang immer wieder verletzt gefehlt und nur wenige Spiele auf Topniveau absolviert, der andere hat nach einer tollen Premierensaison die erste Krise seiner Profikarriere. Man kann ihnen eigentlich nicht verübeln, dass Sneijder und Eto’o zwei Nummern zu groß für sie waren. Wäre es mit Frings anders gewesen? Hätte er so tief gestanden, dass er Eto’o den Raum genommen hätte? Die Rolle der “falschen Neun”, die Eto’o gestern Abend in Inters Spitze spielte, erinnerte stark an seine Zeit in Barcelona. Werder bekam das gesamte Spiel über keinen Zugriff auf ihn. Hier ist vor allem der Trainer gefragt. Thomas Schaaf sagte nach dem Spiel im Interview, dass man diese Spielweise vor der Partie immer wieder angesprochen habe. Es scheiterte also an der Umsetzung.

So kam es, dass Werder auch strukturell das Nachsehen hatte. Die Raumaufteilung in der Defensive war teilweise hanebüchen. Man konnte den Spieler dabei zusehen, wie sie angesichts der immer größer werdenden Dominanz Inters immer mehr in Panik gerieten. Eigentlich hätte dieser Spielverlauf allen klar sein müssen, denn dass der Titelverteidiger nach Werders exzellenter Anfangsphase die Partie mit der Zeit an sich reißen würde, kam nicht überraschend. Nun hätte man sich hinten einigeln müssen, dem Gegner keine Räume bieten und dann nach der Balleroberung blitzschnell nach vorne spielen. Leider setzte Werder nur den letzten dieser Punkte um. Warum lernt Werder diese Spielweise nicht? Woran hapert es?

Es war klar, dass Inter sich irgendwann auf die schnellen Gegenstöße einstellen würde, nur leider war das Spiel zu diesem Zeitpunkt schon entschieden. In der zweiten Halbzeit mühte man sich zwar gegen ein nun aufs Verwalten bedachtes Inter, doch es fiel der Mannschaft immer schwerer, gefährlich vors Tor zu kommen. Am Ende kam es wie es kommen musste, aber das war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr wirklich wichtig. Das Spiel ging in der ersten Halbzeit verloren, als man gegen Eto’o und Sneijder in der Mitte machtlos war und auf den Außen die schnellen Biabiany und Coutinho nicht in den Griff bekam.

Das Prinzip Hoffnung für die Bundesliga

Das Ergebnis ist letztlich das kleinere Übel. Viel problematischer ist der psychologische Aspekt. Nach dem Hoffnungsschimmer am Samstag wieder so dermaßen auf die Nase zu fallen, wird nicht spurlos an der Mannschaft vorbeigehen. Wie sollte es auch? Jede Niederlage nagt am Selbstbewusstsein, erst recht wenn viele Spieler noch gar nicht richtig in der Saison drin sind. Es wird wieder von Einstellung gesprochen werden, von Laufbereitschaft, doch allein damit gewinnt man im Profibereich keine Spiele. Werder ist gestern mehr gelaufen als Inter, weil Inter den Ball und den Raum kontrollierte und Werder ständig ausbügeln musste. Viel mehr geht es um Raumaufteilung, um kollektives Denken und Handeln der Mannschaft. Dazu braucht es ein geschlossenes Team, das Werder derzeit meistens abgeht. Gegen den HSV gab es in dieser Hinsicht gute Ansätze. Gestern waren diese nach dem Rückstand schnell wieder verschwunden, was zeigt, wie fragil das Gebilde noch ist.

Leider sind zu viele Spieler mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, als dass sie der Mannschaft wirklich helfen können. Arnautovic hat gestern sein vielleicht schlechtestes Spiel für Werder gemacht und war mehr auf persönliche Revanche gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber aus. Marin ist leider immer noch sehr eindimensional und kann wenig zum Spiel beitragen, wenn er mit seinen Dribblings nicht erfolgreich ist. Silvestre hat aus dem Stand innerhalb von 19 Tagen 6 Spiele absolviert und zu große Defizite, um von seiner Routine auf diesem Niveau profitieren zu können. Selbst Prödl, der in den letzten Wochen deutliche Fortschritte gemacht hat, war gestern völlig überfordert. In der Summe mit den Verletzungsproblemen und Formschwankungen einiger Spieler ist es für Werder momentan einfach zu viel, um damit fertig zu werden. Am Sonntag geht es nach Leverkusen, wo man ohnehin nicht unbedingt Favorit ist. In der momentanen Situation ist man sogar deutlicher Außenseiter. Es bleibt das Prinzip Hoffnung. Es gab schon bessere Zeiten in Bremen.

Inter Mailand – Werder Bremen (live)

Darf ich vorstellen: F.C. Internazionale Milano

Werders zweiter Gegner in der Gruppenphase der Champions League ist Inter Mailand. Es ist bereits das dritte Aufeinandertreffen in der Champions League seit 2004. Der Verein dürfte daher den meisten Werderfans ganz gut bekannt sein. Ich habe mich trotzdem an einer Vorstellung versucht:

Der Verein

Der vollständige Name des Vereins ist Football Club Internazionale Milano, doch meistens wird er kurz Inter genannt, wobei in Deutschland der obligatorische Städtename nicht fehlen darf. In diesem Fall ist es sogar richtig. Einigen wir uns also auf Inter Mailand. Gegründet im Jahr 1908 gehört Inter heute zu den erfolgreichsten Fußballvereinen der Welt. Der Spitzname Nerazzurri (die Schwarz-Blauen) ist vermutlich jedem Fußballinteressierten schon einmal unter die Ohren gekommen. Ebenfalls bekannt ist die Rivalität zum Stadtrivalen AC Milan. Weniger bekannt ist hingegen die Entstehung des Vereins, der einer klassischen Abspaltung entstammt (vgl. Judean People’s Front vs. People’s Front of Judea). Unzufriedene Spieler des AC Milan gründeten den Verein Internazionale, weil ihnen die Dominanz italienischer Spieler in ihrem Ex-Verein auf die Nerven ging. Es ist also keineswegs nur dem modernen Fußball zuzuschreiben, dass der Anteil italienischer Spieler bei Inter Mailand gering ist.

Eigentümer des Clubs ist Massimo Moratti. Seit 1995 lenkt der italienische Öl-Tycoon die Geschicke des Vereins und blieb dabei lange hinter den Erwartungen zurück. Trotz irrwitziger Ausgaben für Neuzugänge brauchte es den italienischen Fußballskandal 2006, um Inter zur führenden Kraft des italienischen Fußballs zu machen.

Das 1926 erbaute Stadio Giuseppe Meazza, in dem Inter und Lokalrivale Milan ihre Heimspiele austragen, ist eines der bekanntesten Fußballstadien Europas. Es ist auch unter dem ursprünglichen Namen San Siro bekannt – benannt nach dem Stadtteil in dem es liegt. Für deutsche Mannschaften ist es ein gutes Pflaster: Hier hat Deutschland bei der WM 1990 die Niederlande und die Tschechoslowakei geschlagen und der FC Bayern 2001 die Champions League gewonnen. Auch Werder hatte hier zuletzt Erfolge vorzuweisen: Vor zwei Jahren holte man ein 1:1 Unentschieden gegen Inter und im Februar 2009 setzte sich Werder im UEFA-Cup gegen den AC Milan durch. Das Stadion ist mit einer Kapazität von 80.000 Plätzen das größte Italiens, wird am Mittwoch aber nicht annähernd ausverkauft sein.

Historie

Bereits zwei Jahre nach der Gründung gewann Inter zum ersten Mal den Scudetto. Die große Zeit des Vereins begann jedoch erst Mitte der 50er Jahre. Die Meisterschaften 1953 und 1954 waren der Beginn einer Ära, in der das Team unter dem Namen La Grande Inter bekannt wurde. Unter Trainer Helenio Herrera entwickelte die Mannschaft eine Taktik, die bis heute wie keine andere für den italienischen Fußball steht: Catenaccio. Während der Begriff heute etwas verächtlich für jegliche Defensivtaktik verwendet wird, beschrieb er ursprünglich ein konkretes Spielsystem, das von österreichischen Trainer Karl Rappan erfunden wurde: Eine Formation bestehend aus vier Manndeckern, vor denen ein Dreiermittelfeld für weitere Stabilität sorgte. Herrera erweiterte die Abwehr noch um einen zusätzlichen Spieler: Einen Libero, der hinter den Manndeckern die Löcher stopfte. Kurz gefasst war es eine Variation des damals nicht unüblichen 5-3-2 Systems (auch als Verrou bekannt). Mit dieser defensiven Taktik brachte Inter die Gegner erst in Italien und bald auch in ganz Europa zur Verzweiflung. Die Phase gipfelte in den beiden Siegen im Europapokal der Landesmeister 1964 und 1965.

Die zweite Hochphase des Vereins kam mit deutscher Beteiligung zustande: Mit Spielern wie Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Jürgen Klinsmann sowie Trainer Giovanni Trapattoni gewann Inter 1989 die Meisterschaft und 1991 den UEFA-Cup. Danach folgte eine Phase der relativen Erfolgslosigkeit, die international jedoch durch zwei weitere UEFA-Cup-Siege versüßt wurde. Hierzu ist allerdings anzumerken, dass die italienischen Mannschaften den Wettbewerb in den 90er Jahren absolut dominierten (8 von 11 Titeln gingen zwischen 1989 und 1999 an Teams aus der Serie A). In der heimischen Liga musste sich Inter hingegen hinter Juventus und Milan als dritte Kraft einreihen und gewann erst im Jahre 2006 wieder die Meisterschaft. Dabei profitierte man von der Aufdeckung des Calciopoli-Skandals und dem folgenden Zwangsabstieg von Juventus sowie dem Punktabzug beim AC Milan. Inter hatte das Glück, dass eine Beteiligung am Skandal nicht nachgewiesen werden konnte und bekam nachträglich den Titel zugesprochen, obwohl man eigentlich mit 15 Punkten Rückstand nur Dritter geworden war. Im folgenden Jahr konnte man die Abwesenheit von Juve (Zwangsabstieg in Serie B) und Milan (8 Punkte abgezogen) nutzen, um sich an der Spitze festzusetzen.

Es folgte die national erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte mit inzwischen fünf Scudettos in Folge. Trotz des nationalen Erfolges war man in der Chefetage jedoch nicht ganz zufrieden. Es fehlte der internationale Erfolg. In der Champions League schied das Team in den vergangenen Jahren meistens früh aus. Ein Trainerwechsel sollte Abhilfe schaffen. Erfolgstrainer Roberto Mancini wurde durch den Portugiesen José Mourinho ersetzt, mit dem Auftrag die Königsklasse zu gewinnen. In seiner ersten Saison bei Inter verteidigte Mourinho zwar die italienische Meisterschaft, scheiterte jedoch im Achtelfinale der Champions League. Im zweiten Jahr wurde es dann besser: 2010 holte das Team das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League. Kurz nach dem 2:0-Finalsieg gegen die Bayern gab Mourinho seinen Abschied bekannt. Er wird in dieser Saison ersetzt durch Ex-Liverpool- und Valencia-Coach Rafael Benitez.

Mit 18 Meisterschaften ist Inter hinter Juventus der Vize-Rekordmeister. Hinzu kommen sechs Pokalsiege, 3 UEFA-Cup-Siege und 3 Siege in der Champions League (bzw. des Europapokals der Landesmeister). Zudem ist Inter der einzige Club, der seit bestehen der Serie A ausnahmslos mit dabei ist.

Die Mannschaft

Die größte Veränderung fand zweifellos auf der Trainerbank statt. Mourinho hat sein Team aus hochtalentierten Einzelkönnern zu einer taktisch disziplinierten und schwer zu schlagenden Einheit geformt. Benitez kann auf fast den gesamten Kader der letzten Saison zurückgreifen. Die Problemfälle Balotelli und Arnautovic wurden abgegeben, ebenso Ricardo Quaresma – ansonsten blieb das Team beisammen. Namhafte Neuzugänge sucht man ebenso vergeblich. Inter war für die eigenen Verhältnisse extrem zurückhaltend auf dem Transfermarkt. Der Grund dafür ist jedoch weniger Bescheidenheit als die vielen wichtigen Verpflichtungen der letzten Transferperiode (namentlich Eto’o, Sneijder, Milito, Pandev und Lucio).

Tor

Die Nummer Eins bei Inter ist ein ganz großer des internationalen Fußballs. Julio Cesar ist brasilianischer Nationaltorwart und gilt als einer der besten Torhüter der Welt. Er bildet den sicheren Rückhalt hinter einer ohnehin sehr sicheren Abwehr. Als Ersatzmann wurde Luca Castellazzi, langjährige Nummer Eins bei Werders Quali-Gegner Sampdoria, verpflichtet. Mit 35 Jahren liegt er knapp über Inters gefühltem Durchschnittsalter.

Abwehr

Spätestens nach dem Halbfinal-Rückspiel gegen Barcelona in der Champions League hat Inters Defensive Legendenstatus erreicht. Die Mannschaft arbeitet enorm gut gegen den Ball und kann damit selbst die beste Offensive der Welt zermürben. Kernstück dieser Defensive ist eine Viererkette mit einer Menge Qualität und Erfahrung.

Die A-Besetzung der Innenverteidigung besteht aus den beiden 32-Jährigen Lucio und Walter Samuel. Ersterer ist aus Bundesligazeiten bestens bekannt. Letzterer ist ein Verteidiger alter Schule, der keine Gefangenen macht. Fehlende Größe macht der Argentinier mit extremer Robustheit weg. Die beiden ergänzten sich letzte Saison hervorragend und geben in dieser Form eines der besten Innenverteidigerpärchen im Weltfußball ab. Hinter den Beiden stehen die noch erfahreneren Ivan Cordoba (33) und Marco Materazzi (36) als Ersatzkräfte zur Verfügung. Cordoba ist nur unwesentlich größer als Marko Marin, jedoch eine sprungkräftige Urgewalt und daher fast so kopfballstark wie Sebastian Prödl. Dazu ist er auch vielseitig wie Petri Pasanen und kann im Notfall auf beiden Außenverteidigerpositionen aushelfen. Materazzi ist vor allem durch sein Tête-à-tête mit Zinedine Zidane im WM-Finale 2006 in Erinnerung geblieben. Er ist ein beinharter Spieler, der nicht selten den Bogen überspannt, aber dazu ist er eben auch ein richtig guter Verteidiger, der in den letzten beiden Jahren Platz gemacht hat für den “Nachwuchs”.

Physis ist in Inters Viererkette Trumph, das gilt auch für die Außenverteidiger. Kapitän Javier Zanetti darf man mit Fug und Recht als einen der vielseitigsten Fußballer unserer Zeit bezeichnen (übertroffen nur vom einzigartigen Paul Stalteri). Er kann auf beiden Außenbahnen spielen, ist dabei defensiv wie offensiv zu gebrauchen und gibt darüber hinaus auch einen hervorragenden defensiven Mittelfeldspieler ab (wie die Bayern im Champions League Finale erfahren durften). Sein Alter merkt man dem 37-Jährigen kaum an, dafür kann der argentinische Rekordnationalspieler auf die Erfahrung aus 15 Jahren bei Inter und 137 Länderspielen zurückgreifen. Sein 700. Spiel für die Nerazzurri wurde mit dem Gewinn der Champions League gekrönt. Cristian Chivu ist die zweite Option auf der linken Seite der Viererkette. Letzte Saison wurde er meistens dort eingesetzt. Zuvor spielte er auch häufig in der Innenverteidigung. Der Rumäne geht neben den vielen bekannten Namen fast ein wenig unter, dabei ist er Kapitän der Nationalmannschaft und hat bei Ajax, Roma und nun Inter viele Jahre auf höchstem Niveau gespielt. Auf der rechten Seite ist Inters Viererkette noch besser besetzt: Der Brasilianer Maicon gilt zu recht als bester Rechtsverteidiger der Welt und lässt in seinem Spiel wenig Raum für Verbesserungen. Defensiv zuverlässig, zweikampf- wie laufstark, unbändige Energie, sicheres Kombinationsspiel, gute Flanken, unberechenbare Dribblings und dazu noch Torgefahr (beim letzten Aufeinandertreffen mit Werder schoss er das 1:0 im Hinspiel). Er ist der Prototyp des modernen Außenverteidigers und dazu mit gerade mal 29 Jahren der Jungspund in Inters Abwehr.

Mittelfeld

Der Abräumer vor Inters Abwehr heißt Esteban Cambiasso. Der Argentinier – von Diego Maradona unverständlicherweise nicht für den WM-Kader nominiert – ist ein ungemein intelligenter Spieler, der mit seinem überragenden Stellungsspiel Löcher stopft und für die Balleroberung sorgt. Er ist jedoch nicht auf diese Aufgaben beschränkt sondern hat auch offensiv seine Qualitäten. Sein Passspiel ist selten spektakulär, doch für Inters Spiel äußerst wichtig. Er ist der Taktgeber und Motor des Mittelfelds. Für den Platz neben ihm kommen gleich vier Spieler in Frage. Zum einen der oben genannte Zanetti, wenn dieser nicht hinten links benötigt wird. Die zweite Option ist der Serbe Dejan Stankovic. Dies stellt eine etwas offensivere Variante dar. Der Serbe hat seine Qualitäten eher in der Spielgestaltung, doch er gibt auch einen passablen defensiven Mittelfeldspieler ab. Als dritte Option steht der Brasilianer Thiago Motta zur Verfügung, der vor einem Jahr gemeinsam mit Diego Milito aus Genua (nicht Sampdoria) zu Inter kam. Option Nummer 4 ist Sulley Muntari, ein Lauf und kampfstarker Ghanaer, der auch auf der linken Außenbahn eingesetzt werden kann. Mourinho wechselte die Saison über immer wieder zwischen diesen Varianten, abhängig von Gegner und der jeweiligen Form.

Der wichtigste Neuzugang im Mittelfeld war im Sommer 2009 Wesley Sneijder. Der von Real Madrid ausgemusterte Niederländer schlug in seiner ersten Saison in Mailand gleich voll ein und gab der Mannschaft das gewisse Etwas in der Offensive. Sneijder gibt den offensiven Part vor Cambiasso und seinem Nebenmann. Er ist kein Spielmacher im klassischen Sinne, doch vereint viele Eigenschaften, die ihn für den Gegner gefährlich machen. Neben einer guten Übersicht und starker Technik hat er das Auge für den entscheidenden Pass sowie eine gewisse Torgefährlichkeit (wenngleich er für Inter letzte Saison weit weniger torgefährlich war als für Holland bei der WM). Zu seinen größten Stärken gehört die Fähigkeit, aus dem Nichts spielentscheidende Situationen zu kreieren. Sneijder taucht ab und zu unter, um dann plötzlich und unerwartet zuzuschlagen. Mit Werder hat er Anfang 2007 schon Erfahrungen gemacht, als er Ajax fast zu einer unglaublichen Aufholjagd geführt hätte. Als Werderfan erinnert man sich lieber an das Hinspiel.

Angriff

Es wäre völlig falsch, Inter auf eine gute Defensive zu reduzieren. In der K.O.-Phase der Champions League spielte Inter sehr defensiv und destruktiv, doch konnte bei den wenigen Angriffen immer große Torgefahr versprühen. In der heimischen Liga spielt Inter deutlich offensiver, vor allem gegen die kleineren Teams. Die Mannschaft kann sehr wohl Fußball spielen und ist weit davon entfernt Catenaccio zu fabrizieren. In Diego Milito hat Inter einen echten Goalgetter fürs Sturmzentrum gefunden. Der inzwischen 31-Jährige hat im vergangenen Jahr endlich den Sprung zu einem Topteam gewagt, nachdem er zuvor in Zaragoza und Genua seine Torgefährlichkeit unter Beweis gestellt hatte. Als Spätstarter kämpfte er sich über die Serie B und die Niederungen der Primera Division zu Inter, wo er nicht nur den Weggang von Zlatan Ibrahimovic auffing, sondern auch das Champions League Finale, das Pokalfinale sowie das letztlich entscheidende Ligaspiel mit seinen Toren entschied. Seinen Legendenstatus hat er damit sicher. Bei ihm weiß man oft nicht so genau, warum er so torgefährlich ist, denn er wirkt häufig schlecht ins Spiel eingebunden. Vor dem gegnerischen Kasten ist er jedoch eiskalt und nutzt die sich ihm bietenden Chancen auf beeindruckende Weise. Für das Heimspiel gegen Werder ist sein Einsatz wegen muskulärer Probleme fraglich.

In der Spitze gibt Milito seit der letzten Rückrunde meistens den Alleinunterhalter – obwohl zeitgleich mit Samuel Eto’o einer der besten Mittelstürmer der Welt verpflichtet wurde. Mourinho hatte mit dem Kameruner andere Pläne und schulte ihn im Schnelldurchlauf zu einem defensiv ausgerichteten Rechtsaußen um. Eto’o, der in den vergangenen fünf Jahren dreimal die Champions League gewann und für Barcelona in 145 Spielen 108 Tore schoss, zahlte es seinem Coach mit Topleistungen auf der Außenbahn zurück. Dabei büßte er etwas an Torgefährlichkeit ein. In seinem Fall bedeutet das: 17 Tore in 36 Spielen. Auf der anderen Seite setzte Mourinho ab der Rückrunde auf Goran Pandev, der in der Winterpause von Lazio verpflichtet wurde. Pandevs Rolle in Inters System wird gerne übersehen, da er für einen Stürmer sehr wenige Tore schießt. Doch seine unermüdliche Arbeit auf dem linken Flügel erwies sich defensiv wie offensiv als wertvoll. Unter Benitez haben die beiden bislang die Seiten getauscht und werden wohl auch gegen Werder so auflaufen.

Die Taktik

Inters System ist auch nach Mourinhos Abgang weiterhin geprägt von der Arbeit des Portugiesen. Sein Nachfolger Rafael Benitez hat das Erfolgssystem der Rückrunde erstmal übernommen. Das Offensivquartett aus Sneijder, Eto’o, Pandev und Milito stellt sich dabei fast von selbst auf. In der Regel spielt Inter ein 4-2-3-1 System, das formell wie ein 4-3-3 aussieht. Mit drei echten Stürmen auf dem Platz könnte man eine offensive Ausrichtung erwarten. Die Außenstürmer agieren jedoch wie Mittelfeldspieler, übernehmen viele Defensivaufgaben und sollen vor allem die Vorstöße der gegnerischen Außenverteidiger stoppen. Im Gegensatz dazu genießt der offensive Mittelfeldspieler eine Menge Freiheiten und muss weniger für die Defensive arbeiten. Das Ziel ist es, ihn bei Ballbesitz schnell auf Höhe der Mittellinie anzuspielen und dann den entscheidenden Pass auf Milito oder die nachrückenden Außenstürmer zu suchen. Dies macht Inter zu einer hervorragenden Kontermannschaft.

Vor allem in der Hinrunde (vor der Verpflichtung von Pandev) spielte Inter auch häufig ein 4-3-1-2, in Bremen besser bekannt als 4-4-2 mit Raute. Dabei erhält Milito im Sturmzentrum Unterstützung von Eto’o. In Stankovic, Motta und Muntari hat Inter genügend Spieler im Kader, die gut für die Halbpositionen der Raute geeignet sind. Inter interpretiert die Raute jedoch nicht so beweglich wie Werder, legt den Fokus weiterhin auf Raumkontrolle und die Absicherung vor der Abwehr. Dennoch ist die Ausrichtung mit dieser Formation meist offensiver. Unter Benitez dürfte dieses System allerdings nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen.

Die Ausfälle von Naldo, Fritz, Frings und Pizarro sprechen dafür, Inter im eigenen Stadion zunächst das Spiel machen zu lassen. Das Ziel sollte es sein, Inters Viererkette so weit wie möglich nach vorne zu locken und dann über schnelle Konter und Vertikalpässe zu überwinden. Inter wird kaum mit einem Sturmlauf beginnen, so dass man sie ruhig etwas kommen lassen darf, wenn man die Konzentration aufrecht erhält. Sobald Inter die Sicherheitsstufen erhöht, wird es für Werder sehr schwierig werden sich Torchancen zu erspielen. Deshalb wäre ein frühes Gegentor, für das Werder wie wir alle wissen immer gut ist, in diesem Spiel besonders schlimm. So offensiv aufgestellt wie gegen den HSV sollte man auf keinen Fall beginnen. Bislang hat Schaaf in dieser Saison auswärts auf einen zweiten Stürmer verzichtet und wird dies beim Champions League Sieger sicher nicht ändern. Ich gehe von einem 4-2-3-1 aus, um Inters System möglichst gut zu neutralisieren. Spannender ist da schon die Frage nach dem Personal. Wesley muss nach Fritz Verletzung wohl wieder auf der rechen Seite ran, so dass im Mittelfeld ein Platz vakant ist. Neben Bargfrede könnte daher Borowski zurück in die Startelf rücken, vielleicht auch Daniel Jensen. Vorne rechts hofft Arnautovic auf einen Einsatz gegen sein Ex-Team, doch er scheint bei Schaaf momentan einen schweren Stand zu haben. Viele Alternativen gibt es auf der Position jedoch nicht.

Der Ausblick

Inters stärkste Elf besteht fast ausnahmslos aus Weltklassespielern und verfügt über immense Erfahrung. Hinter der Stammformation sieht man jedoch schon ein gewisses Leistungsgefälle. Bis zur Nummer 15 oder 16 sieht es noch sehr gut aus, doch danach kommen einige Namenlose und alte Recken, die nicht mehr erste Wahl sind (Cordoba, Materazzi). Inter hat es bislang verpasst, talentierte Nachwuchsleute wie Balottelli und Arnautovic ins Team zu integrieren und könnte in absehbarer Zeit ein Problem mit einer überalterten Mannschaft bekommen. Momentan muss man jedoch anerkennen, dass Inter ein hervorragendes Team hat, das mit zum Besten im Vereinsfußball zählt. Der Saisonstart ist geglückt: Inter ist Tabellenführer, auch wenn es am Wochenende die erste Niederlage gab. Beim AS Rom verlor Inter durch ein Last-Minute-Tor mit 0:1, wobei sich beide Teams über 90 Minuten neutralisierten.

Inter hat noch nicht wieder die Form der letzten Rückrunde erreicht und ist aktuell sicher nicht unschlagbar. Dennoch geht Werder als klarer Außenseiter in die Spiele gegen den Champions League Sieger. Besonders im Auswärtsspiel wird es für Werder mit den aktuellen Personalsorgen sehr schwer. Ein Unentschieden in San Siro wäre schon ein Achtungserfolg. Die (erfolgreichen) Spiele gegen Inter vor zwei Jahren sollte man nicht überbewerten, denn seitdem hat Inter die halbe Mannschaft (darunter die komplette Offensivabteilung) ausgetauscht. Am letzten Spieltag der Gruppenphase geht es zuhause gegen Inter hoffentlich noch ums Weiterkommen, deshalb hoffe ich auf ein überragendes Spiel von Werder und einen knappen Heimsieg.

So erwarte ich Inter:

Meine Tipps: Auswärtsspiel 1:1, Heimspiel 1:0.