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Meine EM: 2. Spieltag, Gruppe A

Griechenland lässt bei der Niederlage gegen Tschechien spielerische Qualität vermissen. Russland holt in einem packenden Spiel einen etwas glücklichen Punkt gegen Polen, die das letzte Spiel unbedingt gewinnen müssen.

Griechenland – Tschechien 1:2

Schon im ersten Spiel hatten die Griechen Probleme ins Spiel zu finden und brauchten recht lange, bis sie Polens rechte Seite in den Griff bekamen. Auch gegen Tschechien waren sie gegen die schnellen Angriffe zu Beginn des Spiels vor allem über ihre linke Abwehrseite wehrlos. Diesmal gerieten sich mächtig unter die Räder und lagen nach sechs Minuten schon 0:2 zurück. Ohne die beiden etatmäßigen Innenverteidiger musste Santos umstellen und Katsouranis in die Viererkette stellen (wie schon nach dem Platzverweis im Spiel gegen Polen). Das griechische Mittelfeld ist ohnehin dünn besetzt und mit einem unfitten Karagounis liegt zu viel Verantwortung bei Maniatis. Die Angriffsreihe war besetzt wie in der Schlussphase gegen Polen, mit Salpingidis und Fortunis auf Außen und Samaras in der Mitte. Die drei blieben jedoch lange voneinander und vom Rest des Teams isoliert.

Es dauerte erneut rund eine halbe Stunde, bis Griechenland sich einigermaßen fing. Tschechien spielte nach der Führung die technische Überlegenheit im Mittelfeld gut aus und kam sporadisch gefährlich vors Tor, ohne großes Risiko gehen zu müssen. Griechenland kam erneut über den Kampf zurück ins Spiel, hatte aber große Probleme, das eigene Angriffsspiel aufzuziehen. Die Rolle von Fotakis war mir nicht ganz klar, denn er spielte als Zehner weder einen Ballverteiler noch stieß er in die Lücken zwischen Abwehr und Mittelfeld. Nach dem Seitenwechsel wurde es besser, wenn auch auf überschaubarem Niveau. Santos behob mit seinen beiden Wechseln die gröbsten Problemstellen, mehr nicht. Tschechien begnügte sich damit, das Spiel aus dem eigenen Drittel fern zu halten und Griechenland baute trotz zunehmender Dominanz im Mittelfeld keine echte Torgefahr auf. Ein Fehler von Cech brachte sie dann noch einmal heran, doch insgesamt war die Leistung zu dürftig, um sich einen Punkt zu verdienen. Tschechien zeigte sich nach dem Schock gegen Russland verbessert. Man hielt gegen Griechenland die Räume zwischen den Linien enger und spielte besser über die Flügel, doch wegen der frühen 2:0 Führung sind die Spiele schwer miteinander vergleichbar. Die Lethargie in der zweiten Halbzeit hätten sie sich gegen einen stärkeren Gegner nicht erlauben können.

Polen – Russland 1:1

Mehr als ein Fußballspiel, dabei hätte das Geschehen auf dem Platz für meinen Geschmack voll und ganz ausgereicht. Es war eins der besseren Spiele dieser EM, obwohl mich die Russen über weite Strecken etwas enttäuschten (bzw. das bestätigten, was ich vor dem Turnier erwartet habe). Polen ging die Partie etwas gemächlicher an als das Auftaktspiel, wollte nicht überdrehen. Dennoch erspielten sie sich in der ersten Halbzeit ein leichtes Übergewicht. Russland zeigte nur selten die einstudiert wirkenden Spielzüge, mit denen man gegen Tschechien begeistert hatte. Torchancen entstanden hier eher zufällig. Ein Standard brachte dann die etwas glückliche russische Führung.

Polens Rechtslastigkeit macht die Mannschaft leicht ausrechenbar und ist dennoch schwer zu verteidigen. Auch Shirkov hatte arge Probleme mit Kuba und Piszcek. Ansonsten wartete Smuda erstaunlich lange, bis er seiner Mannschaft etwas mehr Offensivpower verlieh und ließ sein Team bis in die Schlussphase recht vorsichtig agieren. Die Angst vor dem Nackenschlag durch einen russischen Konter war deutlich spürbar. Dann kam Kuba und erzielte ein Traumtor. Der Antritt, der Pass in die Schnittstelle, die Mitnahme bei höchstem Tempo und der Abschluss waren großartig und machen den Treffer in ihrer Kombination zu einem der schönsten bei diesem Turnier. Nach dem Ausgleich zeigte Polen dann, dass man sich offensiv vorher etwas unter Wert verkauft hat. Der Sieg wäre am Ende nicht unverdient gewesen.

Mit dem Ergebnis können beide Mannschaften leben. Dank der besonderen Konstellation können alle vier Teams der Gruppe noch aus eigener Kraft ins Viertelfinale kommen – auch Griechenland. Mit einem Sieg gegen Russland wäre man sicher weiter (auch im Fall, dass Tschechien unentschieden spielt und drei Teams je vier Punkte haben, da Tschechien aus dem direkten Vergleich dann mit 3 Punkten und -2 Toren hinter Griechenland mit 3 Punkten und minimal +-0 Toren liegen würde).

Meine EM: Polens Chancen bei der Heim-EM

Polen ist eines der wenigen Teams mit einem (bald Ex-)Werderspieler im Kader. Derzeit sieht es so aus als würde Sebastian Boenisch zu einer festen Größe in Franciszek Smudas Team. Den Zweikampf mit Wawrzyniak um den Stammplatz als Linksverteidiger hat er wohl für sich entschieden, stand in allen drei Testspielen in der Startelf. Auf der rechten Seite hätte er gegen den immer stärker werdenden Piszczek hingegen keine Chance. Der Dortmunder bildet zusammen mit seinem Teamkollegen Jakub Blaszczykowski eine der besten rechten Außenbahnen des Turniers. Leider ist der polnische Kader insgesamt doch recht durchwachsen. Neben Mittelstürmer Lewandowski und seinen Dortmunder Teamkollegen sind nur wenige Spieler mit internationaler Klasse dabei.

Personell unausgewogen

Torwart Szczesny hat bei Arsenal gute Leistungen gezeigt und ist auch im Tor der Polen unumstritten. Vor ihm mangelt es in der Innenverteidigung jedoch schon an individueller Qualität. Weder Perquis noch Wasilewski fand ich bislang so richtig überzeugend. Ähnlich sieht es im Mittelfeld aus. Eugen Polanski vom FSV Mainz ist ein grundsolider Spieler, jedoch niemand, der auf der offensiveren Position der Doppelsechs auf höchstem Niveau sonderlich viel Esprit ausstrahlt. Alternativmann Adam Matuschyk (ebenfalls aus der Bundesliga bekannt) ist jedoch auch niemand, der eine klare Verbesserung dazu darstellen würde. Ähnliche Probleme haben die Polen auf vielen Positionen.

Das polnische Spiel wirkt daher häufig unrund. Man agiert zwar aus einem gefestigten 4-4-2 oder 4-4-1-1 heraus, wirkt dabei jedoch meistens wie ein Underdog, der hauptsächlich über den Kampf ins Spiel kommt. Dadurch spielen die Polen zwar mit viel Tempo nach vorne, jedoch fehlt den Aktionen häufig die Genauigkeit. Bei der EM im eigenen Land, mit den euphorisierten Fans im Rücken, wird diese Tendenz möglicherweise sogar noch verschärft. Das macht sie zwar zu unangenehmen Gegnern, lässt mich aber daran zweifeln, dass sie als Gastgeber weit kommen werden im Turnier. Gut möglich, dass auch die schwächeren Spieler über sich hinauswachsen und man einen Achtungserfolg erzielt. Ich halte allerdings ein Ausscheiden in der Vorrunde ebenfalls nicht für unwahrscheinlich. Spätestens dann im Viertelfinale dürfte Schluss sein.

Meine Prognose: Polen schafft die Qualifikation für die K.O.-Runde, scheidet dann aber im Viertelfinale aus.

Polens Gruppengegner:

Griechenland
Russland
Tschechien