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Meine EM: Ronaldo erlegt kollabierende Tschechen

Tschechien – Portugal 0:1

Eine Halbzeit lang hatte Portugal nicht viel zu bieten, was eine Qualifikation fürs Halbfinale rechtfertigen würde. In der zweiten Halbzeit zeigte das Team jedoch eine Leistungssteigerung, die zu einem klaren, wenn auch hart erarbeiteten Sieg reichte. Tschechien enttäuschte hingegen offensiv und hatte außer der Aussicht auf ein Elfmeterschießen nicht viel zu bieten.

Tschechische Manndeckung, rochierende Portugiesen

Tschechiens Ansatz war eine Art Zwitter aus Mann- und Raumdeckung in der Defensive, mit der Portugal lange Probleme hatte. Die Außenverteidiger verfolgten Ronaldo und Nani fast über den ganzen Platz. Dadurch kam der schwache Spielaufbau der Portugiesen über die Holzfüße Pepe und Bruno Alves noch mehr zum Vorschein. Nach und nach bekam man aber einen Dreh in das Spiel. Moutinho überzeugte als Ballverteiler in der Zentrale und Ronaldo versetzte die tschechische Abwehr mit ständigen Positionswechseln in Panik. Nani hielt dagegen die Außenbahn und sorgte für Breite im Spiel, wechselte dabei aber gelegentlich auf den linken Flügel, was Gebre Selassie vor Probleme stellte.

Nach vorne ging bei Tschechien wenig bis gar nichts. Torchancen waren Mangelware und es war überhaupt nur selten ein Ansatz zu erkennen, wie man es bis vors portugiesische Tor schaffen könnte. Rosickys Fehlen machte sich an allen Ecken und Enden bemerkbar. Sein Stellvertreter Darida blieb offensiv völlig wirkungslos und die einsame Spitze Baros durfte gelegentlich mal einem langen Ball hinterher jagen oder ein hohes Anspiel zurücklegen – mehr nicht. Auf der linken Seite sorgte Pilar sporadisch für Gefahr, doch auch er war meistens zu sehr in defensive Aufgaben eingebunden, um wirklich zum Problem für Portugal zu werden.

Portugal erhöht den Druck, Ronaldo gewinnt das Duell mit dem Pfosten

Konnte man bis zur Pause immerhin von einer starken Defensivleistung der Tschechen sprechen, die Portugal weitgehend neutralisierte, verlor man in der zweiten Halbzeit sukzessive den Zugriff auf die portugiesischen Stürmer. Nach der Einwechslung von Hugo Almeida hatte man im Zentrum einen Spieler für hohe Anspiele, was sich nicht gut mit der tschechischen Taktik vertrug, das Spiel der Portugiesen auf die Flügel zu lenken. So hielt man Portugal zwar von Schnittstellenpässen in den Strafraum ab, sah sich aber einer zunehmenden Gefahr nach Flanken ausgesetzt. Als Ronaldo zwölf Minuten vor dem Ende zum 1:0 traf, war der Treffer längst überfällig.

Bei allem Lob, das man für die portugiesische Leistungssteigerung aussprechen muss, fällt es schwer, die Mängel im Spielaufbau wegzureden. Die Defensivabteilung wurde gegen Tschechien zudem kaum gefordert, aber ich sehe Portugal nicht unbedingt als unüberwindbares Abwehrbollwerk. Gegen Spanien (oder Frankreich?) kommt nun der echte Einstufungstest. Werden sie dort so diszipliniert und abwartend spielen, wie über weite Strecken gegen Deutschland? Dort ging es auf Kosten der Offensivkraft. Das Mittelfeld der Portugiesen gefällt mir hingegen immer besser, neben dem starken Veloso vor allem auch Moutinho, der sich von Spiel zu Spiel steigerte. Zwar fehlt ohne Danny im offensiven Mittelfeld noch immer ein Spieler für die Zwischenräume, aber immerhin klappt nun die Ballverteilung aus dem zentralen Mittelfeld. Dadurch ist man nicht mehr so abhängig von den Flügeln und Ronaldos individueller Klasse – auch wenn diese hier spielentscheidend war.

Tschechien war mit dem Gruppensieg schon mehr als gut bedient und scheidet zu Recht aus dem Turnier aus.