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Bayern München vs. Real Madrid – Champions League Halbfinale

Live-Blog

23.02

“Wenn ich das so sehe ist das Gelb-Rot, aber der Schiedsrichter hat sich mit Gelb begnügt.” – Regelgott Jupp Heynckes zu Marcelos Foul an Müller.

22.45

Zwei Anmerkungen zum Schluss:

1. Auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist, muss es gesagt werden: Die Bildregie ist eine Katastrophe! Eine Großaufnahme jagt die nächste, der Spielverlauf lässt sich so nicht vernünftig mitverfolgen, wenn man quasi nie eine Totalansicht des Spielfelds hat, wenn der Ball in Richtung der Strafräume läuft.

2. Die “Elfmeterszene” von Gomez kurz vor Schluss zeigte mal wieder den Unsinn der Elfmeter-Regel. Auf der linken Seite spielt der Verteidiger klar den Ball. Auf der rechten Seite trifft der andere Verteidiger nur den Spieler. An jeder anderen Position des Spielfelds wäre das ein Freistoß und das Argument, dass der Ball schon weg gewesen sei, würde niemand ernst nehmen (siehe Marcelo-Foul am Ende). Beim Elfmeter stellt die Bestrafung (80%ige Torchance) eine unverhältnismäßige Strafe dar, weshalb kaum ein Schiedsrichter diesen Elfmeter gibt. Das schwammige “Fingerspitzengefühl” soll also eine unsinnige Regel ausgleichen. Kein Wunder, dass es hier so viel Diskussionsstoff gibt.

22.37

Endstand: Bayern München – Real Madrid 2:1.

Den “hochverdienten Sieg”, den Marcel Reif den Bayern attestiert, habe ich nicht gesehen. Es war ein enges Spiel, das die Bayern nach Anfangsnervosität mit offenem Visier angegangen sind und sich schon allein deshalb den Sieg verdient. Andererseits war Bayern selten so zwingend, dass das Ergebnis unabänderlich gewesen wäre.

Eine realistische Chance hat Bayern mit dem Ergebnis in Madrid definitiv. Real wird sich deutlich steigern müssen, was im eigenen Stadion auch mehr als wahrscheinlich ist.

22.37

90+3′ Marcelo mit klar rotwürdigem Foul, sieht aber nur Gelb. Webb, wie er leibt und lebt. Madrid, wie es leibt und lebt.

22.36

90+2′ Noch einmal ein Freitstoß für Madrid, den Neuer locker abfängt. Die Führung hat sich Bayern erkämpft. Sie ist verdient, auch wenn Bayern trotz Feldüberlegenheit wenig richtig gute Chancen hatte.

Gelb gegen Higuain.

22.32

90′ Bayern München – Real Madrid 2:1, Gomez.

Lahm setzt sich stark gegen Coentrao durch und flankt von der Grundlinie flach vors Tor, vor drei Verteidiger und ein Torwart verdutzt zuschauen, wie Gomez den Ball ins Tor spitzelt.

22.29

86′ Erneut eine Kopfballchance für Gomez, dessen Kopfball aber leichte Beute für Casillas ist. Torchancen bekommen die Bayern, doch richtig zwingend werden sie kaum.

22.27

83′ Ribery mit einem Kunststück am Ball, das zwei Gegner aus dem Spiel nimmt. Seine Hereingabe verpasst Robben in der Mitte knapp und Real kann mit etwas Gewürge klären. Ribery fordert anschließend lautstark einen Handelfmeter, aber Pepe bekam den Ball deutlich sichtbar an die Brust.

84′ Letzter Wechsel Madrid: Higuain für Benzema.

22.24

81′ Auch wenn die Bayern tonangebend bleiben, hat Madrid das Zentrum ganz gut zu bekommen. Nach vorne riskiert man kaum noch etwas, warum auch. Bayern auf der Suche nach der entscheidenden Lücke. Richtig gute Torchancen sind Mangelware.

22.21

78′ Nächster Wechsel bei Madrid: Granero kommt für di Maria ins Spiel.

22.19

75′ Nun hat auch Ramos Gelb gesehen, für ein typisches Ramos-Foul: Zu spät, mit Anlauf und voll durchgezogen.

22.15

72′ Nach dem Wechsel sieht es bei Real folgendermaßen aus: Marcelo als offensiver linker Flügelspieler und Ronaldo wechselt auf die rechte Seite.

Gute Chance für Gomez nach Flanke von Lahm, doch sein Kopfball geht übers Tor.

22.13

69′ Bayern hat gut reagiert und übt viel Druck auf Madrid aus, will ein Übergewicht erspielen und Real hinten rein drücken. Madrid hält jedoch früh dagegen und sucht die Zweikämpfe. Es geht viel über Kampf derzeit, den die Bayern annehmen und so in Tornähe kommen.

Mourinho reagiert: Marcelo kommt für Özil.

22.08

64′ Gelb gegen Lahm. Das Spiel ist nicht übermäßig hart und Webb pfeift erwartungsgemäß nicht kleinlich, aber es gibt viele kleinere Fouls und auch einige klar gelbwürdige Vergehen.

22.06

63′ Webb will dann mal seinen Ruf retten und lässt zwei harte Tacklings von Luiz Gustavo weiterlaufen (gab bislang keine Zeitlupe, kann die Szenen nicht richtig beurteilen) und winkt dann auch Pepes Rempler gegen Gomez im Strafraum durch.

22.04

61′ Wechsel FC Bayern: Thomas Müller kommt für Schweinsteiger, der ungläubig guckte, als die Tafel mit seinem Namen hochging. Kroos dürfte nun den zweiten Sechser geben und alles eine Spur riskanter werden.

22.03

58′ Was ich vorhin schreiben wollte, kurz bevor das Tor fiel: Offensiv waren die ersten Minuten der 2. Halbzeit enttäuschend von Madrid. Ein wichtiger Faktor dabei: Xabi Alonso ist völlig aus dem Spiel. Muss sich immer wieder sehr weit nach hinten fallenlassen und es sieht bei weitem nicht immer freiwillig aus. Die Spieleröffnung durch die Innenverteidiger ist schwach, was nichts neues ist, doch normalerweise kann man es über Alonso ausgleichen. Heute gelingt dies weit weniger.

60′ Gelb gegen di Maria wegen Ballwegschlagens

21.56

53′ Bayern München – Real Madrid 1:1, Özil.

Gerade wollte ich Madrids Schwächen in der Offensive beschreiben, da kontert Madrid mit erschreckender Überzahl die Bayern aus. Ronaldo schiebt völlig frei vor dem Tor Neuer den Ball in die Beine, doch Madrid setzt nach und Benzemas Hereingabe wird von Ronaldo hart und flach vors Tor geschossen, wo Özil den Fuß rein hält.

56′ Gelb gegen Coentrao und Xabi Alonso innerhalb weniger Sekunden.

21.48

46′ Es geht weiter. Beide Mannschaften bleiben aufstellungstechnisch unverändert.

21.32

Halbzeit: Bayern München – Real Madrid 1:0

Pausenüberschrift: Zahn gezogen. Die Führung der Bayern ist nicht unverdient, auch wenn die guten Phasen im wesentlich nach dem – irrgulären – Tor kamen, das den Spielverlauf zu dem Zeitpunkt auf den Kopf stellte. Mit der Führung im Rücken spielte Bayern auf und kam zu weiteren Torszenen, während Madrid in vielen Bereichen des Spiels Probleme bekam. Im Zentrum hat Bayern ein Übergewicht, das sich so in den ersten 20 Minuten nicht abzeichnete.

Pausenfrage: Wie viele Zähne hat Madrid noch und wann beißen sie zu?

Ein 0:1 ist ein schlechtes Auswärtsergebnis und Madrid wird im Laufe der Partie sicher den Druck erhöhen wollen. Versucht man bereits in der Anfangsphase der 2. Halbzeit das Pressing zu verstärken oder beschränkt man sich zunächst darauf, die Ordnung, die längst nicht immer stimmte, wieder herzustellen und auf Fehler der Bayern zu warten? Solange für Real die Null steht wird irgendwann der Punkt kommen müssen, an dem man mehr Risiko geht und dann bin ich sehr gespannt auf Bayerns Reaktion.

21.31

45′ Jetzt noch mal eine gute Freistoßchance für Bayern kurz vor der Strafraumgrenze. Kroos tritt ihn, in die Mauer. Eine Minute Nachspielzeit angezeigt, die schon fast wieder rum ist.

21.29

43′ Nach einigen Minuten, als di Maria auf die Zehnerposition rückte und Özil auf den linken Flügel ging, hatten die Bayern große Probleme sich darauf einzustellen. Nach und nach wurde Özil allerdings etwas zur Randfigur. Inzwischen orientiert sich Özil wieder etwas mehr in die Mitte, der linke Flügel bleibt offensiv des öfteren unbesetzt oder wird von Benzema eingenommen.

21.26

40′ Zunächst eine Chance für Benzema, den Alaba nicht am Schuss hindern kann und im Gegenzug spielt Kroos Gomez wunderschön frei und Casillas muss eine starke Parade auspacken, um den Ball übers Tor zu lenken.

21.23

36′ Langsam aber sicher findet Real zurück in die Partie, holt zumindest Standards aus guten Positionen heraus. Alonso bringt ihn von links rein. Gefährliche Flugbahn aber gut geklärt von den Bayern

Kurz darauf übles Foul von Robben an Coentrao, für das er zurecht Gelb sieht. Voll drüber gehalten.

21.17

31′ Gelb gegen Badstuber nach Foul an di Maria, der unglaublich viel Platz im Zentrum hatte. Wieder eine Ronaldo-Position, etwas weiter weg diesmal, gut 30 Meter.

Der Ball wird abgefälscht und ist leichte Beute für Neuer.

21.15

27′ Zweite Torchance für den FCB durch einen Schweinsteiger-Fernschusss, geht knapp am rechten Pfosten vorbei.

Von einer Dominanz würde ich noch nicht sprechen, aber die Bayern haben das Momentum deutlich auf ihre Seite gezogen.

29′ Auf der Gegenseite ein etwas verunglückter Schuss von Ronaldo übers Tor.

21.12

26′ Es ist nicht so, dass Real übermäßig beeindruckt wirkt, aber die Bayern scheinen mit dem Führungstor gemerkt zu haben, dass sie hier tatsächlich eine Chance haben, nachdem sie dem Gegner 10 Minuten mehr oder weniger bewundernd zugeschaut hatten. Deutlich mehr Tempo im Spiel der Hausherren, vor allem durch Ribery, aber auch den erwachten Robben.

21.07

22′ Jetzt eine gute Freistoßchance für Madrid nach überflüssigem Foul von Lahm. Ronaldo aus 22 Metern übers Tor. Mal sehen, wie lange das Tor für die Bayern als Aufputschmittel wirkt.

21.02

17′ Bayern – Madrid 1:0, Ribery.

Ecke von der linken Seite. Der Ball trudelt durch den Strafraum und Ribery schießt ihn aus 10 Metern rein. Gleich in zweierlei Hinsicht eine knifflige Szene: Badstuber springt der Ball an den Arm. Schwer, ihm da Absicht zu unterstellen, da der Arm quasi keine Bewegung macht. Luiz Gustavo stand dagegen im Abseits und nahm Casillas deutlich die Sicht. Aber das Tor zählt und kommt für Bayern zu einem sehr glücklichen Zeitpunkt.

21.01

14′ Seit ich geschrieben habe, das Bayern am Drücker bleibt, spielt hier nur noch Madrid. Robben und Ribery werden auf den Außen zugestellt, bevor sie überhaupt einen Ball bekommen (Robben: 0 Ballkontakte). Das ist kein wirklich aggressives Pressing, aber höchst effektiv. Bayern zeigt sich beeindruckt.

15′ Bayern fordert Elfmeter, aber Webb winkt direkt ab. Schwalbe von Ribery.

20.56

11′ Di Maria ist für mich der Mann der ersten 10 Minuten. Hinten sehr aufmerksam, sehr beweglich und mit großem Aktionsradius. Wenn er in die Mitte zieht und Özil für ihn auf den Flügel rückt, ist Real am gefährlichsten.

20.53

7′ Riesenchance für Madrid. Klasse Steilpass von Özil auf Benzema in die Spitze und Neuer wehrt den harten aber mittigen Schuss des Franzosen ab. Sobald Madrid den Ball ins Angriffsdrittel bekommt, machen sie Bayern Probleme.

20.51

5′ Erste gute Freistoßsituation für die Bayern. Marcel Reif ätzt gegen Howard Webb, den er seit dem WM-Finale 2010 nicht mehr leiden kann. Die Hereingabe wird per Kopf geklärt, doch Bayern bleibt gleich am Drücker. Madrid steht nicht tief, agiert aber (noch) eher abwartend.

20.47

@Estadox: Ich drücke niemandem so richtig die Daumen. Außer Özil :-)

20.45

1′ Und los geht’s. Anpfiff in der Allianz Arena.

20.44

Die Mannschaften kommen raus. Ich bin sehr gespannt, wie Madrid dieses Spiel angehen wird. Bei den Bayern kann ich mir kaum vorstellen, dass sie ihre Spielausrichtung groß ändern, zumal sie weniger Handlungsspielraum haben als Madrid. Sie müssen heute vorlegen. Real könnte sich auch auf eine Defensivtaktik verlegen, doch dazu passen weder Aufstellung noch Selbstverständnis (solange es nicht gegen Barcelona geht). Ich denke nach wie vor, dass Mourinho Bayerns Probleme bei gegnerischem Pressing ausnutzen will.

20.39

Keine Überraschungen bei den Aufstellungen. Die Bayern wie erwartet mit Müller auf der Bank und Schweinsteiger in der Startelf. Bei Madrid spielen Özil und di Maria in einer Dreierreihe mit Ronaldo sowie Coentrao als Linksverteidiger. Marcelo, die offensivere Variante hinten links, sitzt auf der Bank, genau wie Kaka und Higuain.

20.36

Ich experimentiere heute mal mit einem neuen Liveblogging-Plugin, deshalb kann man hier heute nicht kommentieren (außer natürlich unten drunter im “normalen” Kommentarfeld). Mal sehen, wie gut es funktioniert.

20.34

Die Aufstellungen:

FC Bayern: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribery – Gomez

Real Madrid: Casillas – Arbeloa, Pepe, Sergio Ramos, Coentrao – Khedira, Xabi Alonso – di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo – Benzema

20.30

Moin, äh, Grüß Gott aus Bremen!

Vorbericht

Die Mannschaften haben vor dem Halbfinale sehr unterschiedliche Ausgangssituationen: Bayern hat die Meisterschaft spätestens am Samstag verloren, kann aber über die Champions League noch vieles retten. Das Finale in München wäre ein Traum für den Verein. Real Madrid war vor ein paar Wochen schon fast sicher Meister und muss nun doch noch einmal zittern, falls man Samstag in Barcelona verliert. Diese Saison könnte zur Wachablösung in Spanien werden, doch dazu müsste man neben der Meisterschaft Barca auch die Champions League entreißen.

Real Madrid vor dem Spiel

Madrid hat sich offensiv weiterentwickelt und verfügt personell über sehr viele nahezu gleichwertige Optionen. Neben Ronaldo spielen drei Offensivakteure aus dem Sextett Benzema, Higuain, Özil, Kaka, di Maria und Callejon in einer flexiblen 3-1 Anordnung, die je nach Gegner angepasst werden kann. Im zentralen Mittelfeld hat man ebenfalls viele Optionen von energetisch (Lass, Khedira) bis spielerisch hochwertig (Xabi Alonso, Sahin). In der Abwehr werden keine gefangenen gemacht. Rustikaler als das Innenverteidiger-Duo Pepe und Sergio Ramos geht es nicht, ohne sich strafbar zu machen. In Marcelo und Coentrao hat man Außenverteidiger, die viel Dampf nach vorne machen können, aber auch für die vorsichtiger Variante stehen mit Arbeloa Optionen zur Verfügung. Kadermäßig kann José Mourinho aus dem vollen schöpfen.

Die schiere Offensivpower Madrids ist furchteinflößend. Im Sturmzentrum besitzt man mit Benzema und Higuain zwei Spieler, die zwar unterschiedliche Stärken, aber gleichwertige Torgefährlichkeit aufweisen. Cristiano Ronaldo hat seine überragende Torquote der letzten Saison sogar noch gesteigert. Wirklich begeistert bin ich jedoch vom Zusammenspiel von Özil, di Maria und Kaka. Egal welche zwei Mourinho spielen lässt, sie lassen sich kaum aus dem Spiel nehmen und bereiten Ronaldo und den Stoßstürmern mit genialen Pässen und Läufen den Weg. Dazu wirkt auch das defensive Mittelfeld dominanter als noch vor einem Jahr, so dass die Bayern nicht davon ausgehen sollten, mehr Ballbesitz zu haben. Oder plant Mourinho in München einen Defensivcoup? Angesichts der bayerischen Probleme mit aggressivem gegnerischen Pressing kaum vorstellbar.

Bayern München vor dem Spiel

Der FC Bayern spielt eine insgesamt gute Saison, hat allerdings seit dem goldenen Herbst mit einigen Problemen zu kämpfen, die verhindern, dass aus der guten eine überragende Saison wurde und die Jupp Heynckes bislang nicht in den Griff bekam. Bayern kann immer noch Mannschaften fast jeglichen Kalibers an die Wand spielen, gerät jedoch immer dann in Bedrängnis, wenn ein Gegner aggressives Pressing spielt. Den dafür nötigen Organisationsgrad und das Selbstvertrauen haben zum Glück für die Bayern nicht allzu viele Mannschaften. Dank der individuellen Klasse der Offensivspieler und der unter Heynckes zurückgekehrten defensiven Stabilität zählt man weiterhin zu den Topteams in Europa. Einen spielerischen Fortschritt kann man abgesehen vom zwischenzeitlichen Höhenflug im Herbst jedoch nicht erkennen. So ist Bayern ein Riese, der nur innerhalb der eigenen Komfortzone zu erschrecken weiß.

Schweinsteiger ist sicher nicht die Lösung aller Probleme bei den Bayern, verleiht dem Team aber im Zentrum eine Extraportion spielerischer Klasse und ist für das Aufbauspiel enorm wichtig. Die offensive Abhängigkeit von der mitunter launischen Flügelzange „Robbery“ bleibt aber auch in seiner Anwesenheit bestehen. Die größere Gefahr geht derzeit von der linken Seite aus, wo Ribery vom bärenstarken Alaba unterstützt wird. Das Duo Robben/Lahm ist hingegen noch nicht zu alter Gefährlichkeit zurückgekehrt. Topscorer Gomez ist für mich mehr Resultat als Ausgangspunkt der bayerischen Torgefährlichkeit. Wird er mit Hereingaben gefüttert, ist er kaum zu stoppen. Schneidet man ihm hingegen den Zufluss an Bällen in die Spitze ab, nimmt man ihn damit weitgehend aus dem Spiel und er nimmt als interessierter Beobachter am Spiel teil. Ein mitspielender Stürmer oder gar eine falsche Neun ist er nicht, weshalb Olics Rückkehr zur Topform in den Spielen gegen Madrid sehr wichtig werden kann.

Prognose

Entscheidend für den Ausgang dieses Duells wird vor allem die Frage sein, ob Madrid den starken linken Flügel der Bayern stoppen kann. Zumindest im Hinspiel dürfte Mourinho die vorsichtige Variante Arbeloa als Rechtsverteidiger gegen Ribery wählen. Damit spekuliert er weniger auf den freien Raum, der sich hinter dem etwas defensivfaulen Franzosen ergibt, als es beispielsweise Piszeck beim BVB tat. Ansonsten sehe ich einen klaren Vorteil für Real Madrid, gerade auch wegen des stark verbesserten Pressings, mit dem man schon Barcelona vor große Probleme stellte. Es wird sich zeigen, ob die für Bayern sprechende Historie in dem Spiel eine Rolle spielt, doch eigentlich kann ich es mir bei Mourinhos psychologischen Fähigkeiten nicht vorstellen, dass sich seine Spieler davon beeindrucken lassen – ganz anders als bei den omnipräsenten Classicos.

Die Aufgaben für den FCB erscheinen angesichts der momentanen Probleme zu groß. Kann das Mittelfeld mit Schweinsteiger sowohl den Spielaufbau verbessern, als auch Özils Kreise eindämmen? Kann Robben den durch Marcelos oder Coentraos Vorstöße entstehenden Platz ausnutzen und gleichzeitig seine Defensivaufgaben erfüllen? Und warum gelingt es eigentlich schon seit Monaten nicht mehr so richtig, Thomas Müllers Läufe in den Raum mit den nötigen Bällen zu füttern? Erwischt Bayern einen richtig guten Tag, ist heute Abend etwas drin. Ansonsten könnte schon vor dem Rückspiel alles vorbei sein, weil die dicke Lady Cristiano Ronaldo gesungen hat.

Der fünffache Clásico

Nachdem es im Herbst noch so aussah, als wäre Real Madrid dem Erzrivalen auch in dieser Saison hoffnungslos unterlegen, waren die Clásicos in dieser Rückrunde ziemlich offene Angelegenheiten. Die Spiele der beiden spanischen Fußballmächte gehörten zu den spannendsten Spielen der Saison und halten (Achtung, Phrase!) ganz Europa in Atem.

Tiqui-Taca vs. Pragmatismus

Barcelonas Spielweise und Spielsystem lassen sich mit recht einfach beschreiben. Gespielt wird ein 4-3-3 mit zwei offensiven Mittelfeldspielern (4-1-2-3) und offensiven Außenverteidigern. Bei Ballbesitz spielt Barca häufig ein 3-4-3, wobei Messi als Mittelstürmer teils eine “falsche Neun”, teils einen echten 10er gibt. Barcelona setzt auf totale Dominanz des Balles, hält den Ball mit technisch perfektem Kurzpassspiel in den eigenen Reihen und sorgt durch aggressives Pressing tief in der gegnerischen Hälfte nach Ballverlusten für eine schnelle Rückeroberung des Ballbesitzes. Nicht selten führt dies zu Ballbesitzquoten von mehr als 70% über die gesamte Spieldauer. Die letzte Mannschaft, die in der Champions League mehr als 50% Ballbesitz gegen Barcelona hatte, war Werder Bremen im Dezember 2006. Auch wenn Barcelona selten das System ändert, reagiert Guardiola doch häufig auf den Gegner durch kleine Änderungen, etwa die Positionierung von Messi oder Dani Alves.

Real Madrid hatte über weite Strecken der Saison ebenfalls ein festes System (4-2-3-1) und eine Stammelf, die in den wichtigen Spielen weitgehend unverändert blieb. In der offensiven Dreierreihe gibt Ronaldo den torgefährlichen Flügelspieler, Özil lauert zwischen den Reihen und Di Maria orientiert sich auf Rechts mehr in Richtung Mittelfeld. Auf der Doppelsechs übernimmt Xabi Alonso die Rolle des Ballverteilers, während Khedira mit viel Energie immer wieder in die Spitze vorstößt. In der Liga ist es Madrid gewohnt, das Spiel machen zu müssen. Gegen tief stehende Gegner tut man sich dabei relativ schwer, was unter anderem für den Rückstand auf Barcelona verantwortlich ist. Unter Mourinho hat sich das Team in dieser Hinsicht jedoch weiterentwickelt, wobei Real in erster Linie eine Kontermannschaft ist, die mit viel Tempo die Lücken einer unsortierten Defensive ausnutzen kann.

Clásico #1: Offener Schlagabtausch

Im Herbst 2010 kam es zum ersten Aufeinandertreffen der Saison. Real Madrid bekam im Camp Nou eine Lehrstunde erteilt und war gegen den Meister aus Barcelona chancenlos. Für José Mourinho war das 0:5 die höchste Niederlage seiner Trainerlaufbahn. Zum damaligen Zeitpunkt war das Spiel der eindeutige Beweis, wer die beste Mannschaft Spaniens ist. Aus heutiger Sicht ist das Spiel aber auch ein wichtiger Wegweiser für Real Madrid, das damals in Bestbesetzung und mit offensiver Ausrichtung ins Spiel ging. Die Erkenntnis, dass man spielerisch klar unterlegen ist, mag im ersten Moment wehgetan haben. Sie führte jedoch auch dazu, dass Mourinho in den wichtigen Spielen im letzten Saisondrittel dieses Experiment nicht mehr durchführen musste. Die Taktik kann klar darauf ausgelegt werden, einen vermeintlich übermächtigen Gegner am Toreschießen zu hindern, statt auf das eigene Offensivspiel zu setzen.

Barcelona fühlte sich durch den fünften Sieg in Folge über die verhassten Hauptstädter vor dem Clasicó-Marathon im Frühling vielleicht ein wenig zu sicher. Das Vertrauen in die eigene Stärke ist gerechtfertigt, doch war der Fokus – vor allem im Liga-Rückspiel – vielleicht zu sehr darauf gerichtet, den Erzrivalen noch einmal in Grund und Boden zu spielen.

Clásico #2: Abwehrschlacht

Mit dem Unentschieden konnte Barcelona dank des 8-Punkte-Vorsprungs sehr gut leben – Madrid überraschenderweise auch. Selbst bei einem deutlichen Sieg wäre die Chance auf die Meisterschaft nur minimal gewesen. Real begnügte sich daher damit, Barcelona so gut es ging aus dem Angriffsdrittel fernzuhalten. Barcelona hatte Probleme gegen die gut organisierten Gastgeber und zum ersten Mal zeigte Mourinhos Magie seine Wirkung. Das Spiel war nicht schön anzusehen, doch am Ende verdiente man sich einen Punkt, weil man in der Lage war, nach dem Rückstand und Özils Einwechslung selbst Druck aufzubauen. In Spanien wurde das Spiel als Punktsieg für Barcelona gewertet, was für sich genommen auch richtig war. Dennoch lieferte auch dieses Spiel wichtige Erkenntnisse für Mourinho und sein Team.

Es war das von seiner Bedeutung her unwichtigste der vier Spiele, da der Meisterkampf bereits entschieden war. In Bezug auf die weiteren Spiele könnte das Ergebnis jedoch Madrid mehr geholfen haben, als Barcelona. Der Punktgewinn sorgte für mehr Selbstvertrauen und nährte die Hoffnung, dass Barcelona doch schlagbar sein könnte. Beim FCB könnten sich erste Zweifel an der eigenen Stärke eingeschlichen haben.

Clásico #3: Pressing

Das Finale der Copa del Rey war aus Mourinhos Sicht eine weitere Testphase, wie er Barcelonas Überlegenheit am besten durchbrechen kann. Diesmal versuchte er es mit einer aggressiveren Taktik: Pepe und Khedira spielten im zentralen Mittelfeld Pressing und ließen Barcas Mittelfeldmotoren Xavi und Iniesta keine Zeit am Ball. In der ersten Halbzeit tat sich Barcelona sehr schwer ins Spiel zu kommen und verlor trotz weiterhin hoher Ballbesitzquote ein wenig die eigene Linie. Madrid konzentrierte sich auf schnelle Konterangriffe über das Dreigespann Ronaldo-Di Maria-Özil und hatte in den ersten 45 Minuten die besseren Torchancen. Nach dem Seitenwechsel wurde Barcelona stärker und kombinierte sich immer sicherer durch Reals Hälfte. Madrids Pressing ließ nach und Barcelonas zentrales Mittelfeld dominierte fortan das Spiel. Dennoch taten sich die Katalanen schwer, den letzten Abwehrriegel vor dem Strafraum zu durchbrechen und Bälle in die Schnittstellen zu spielen. Pedro und vor allem David Villa spielten schwach und Messi ließ sich zu häufig ins Mittelfeld fallen, um vor dem Tor Gefahr auszustrahlen. In der Verlängerung war es dann ein offenes Spiel, indem Ronaldos Kopfball die Entscheidung brachte.

Mourinhos wichtigste Erkenntnis dürfte gewesen sein, dass sein Team Barcas Mittelfeld durch aggressives Pressing stoppen kann und sich durch die offensive Ausrichtung von Barcelonas Außenverteidiger immer wieder Konterchancen über die Flügel ergeben. Warum das Pressing in der zweiten Halbzeit nachließ war für mich nicht ersichtlich. Vielleicht reichte die Kraft nicht aus, doch es schien mir eine bewusste Entscheidung in der Halbzeitpause gewesen zu sein. Aus Barcelonas Sicht zeigte das Spiel, dass man ohne Breite im Spiel Real nicht schlagen kann. Mit Messi opfert man gelegentlich den Mittelstürmer, um Überzahl im Mittelfeld zu haben. Villa und Pedro reagieren darauf, indem sie weiter ins Zentrum rücken und die Breite weitgehend von den aufrückenden Außenverteidigern abhängt, was zu Lücken in der Defensivabteilung führt, die Madrid ausnutzen konnte. In der zweiten Halbzeit blieben Villa und Pedro weiter außen und Barcelonas Spiel wurde flüssiger.

Clásico #4: Dirty Bit

Trotz der Wichtigkeit des Pokalfinales schienen die beiden Spiele zuvor nur die Vorbereitung auf das Duell in der Champions League zu sein. Wer sich hier durchsetzt, würde mindestens als moralischer Sieger aus dem Clásico-Marathon hervorgehen. Die Wichtigkeit des Spiels war im Hinspiel im Bernabéu in jeder Sekunde zu spüren. Beide Mannschaften agierten sehr vorsichtig und waren darauf bedacht, die Stärken des jeweils anderen nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Nach etwa fünf Minuten wurde eine Linie deutlich, die beide Teams bis zur Halbzeit durchhielten. Real stand tief und wartete kurz hinter der Mittellinie mit drei Sechsern und zwei defensiven Außenstürmern auf Barcelonas Angriffe. Die ließen jedoch auf sich warten, weil Barcelona den Ball lieber in aller Ruhe durch die eigene Abwehrreihe laufen ließ, statt mutig nach vorne zu spielen. Die Außenverteidiger spielten erstaunlich defensiv, während Villa und Pedro an der Außenlinie klebten und das Sturmzentrum über weite Strecken verwaist blieb. Beide Teams schienen mit diesem spannungsarmen Spiel leben zu können, wenn Barcelona auch etwas mehr tat, um sich Torchancen zu erspielen.

Über mangelnde Unterhaltung konnte man sich trotzdem nicht beschweren. Schon in den vorhergehenden Spielen war die physische Seite des Spiels in den Mittelpunkt gerückt, doch diesmal trieben es die Mannschaften auf die Spitze. Die Aggression ging sicher von Real Madrid aus, doch die Spieler des FC Barcelona trugen ihren Teil dazu bei, dass es nach dem Halbzeitpfiff zu Tumulten vor dem Spielertunnel kam. Ersatzkeeper Pinto sah die erste rote Karte des Spiels. Es verging kaum eine Minute, in der es kein hartes Einsteigen, zynisches Foul, theatralisches Herniedersinken und/oder kollektives Beschweren beim Schiedsrichter gab. Sergio Busquets gab sich alle Mühe, seine schauspielerische Leistung aus dem Vorjahr noch zu toppen, während auf der Gegenseite Pepe und Sergio Ramos stets an der Grenze zur Körperverletzung agierten. Die rote Karte gegen Pepe in der zweiten Halbzeit kam nicht überraschend und auch wenn Mourinho (genauso wenig überraschend) eine Verschwörung gegen seine Mannschaft witterte, war es genau die Art Foul, die immer mit Rot bestraft gehört: Mit den Stollen voraus auf Kniehöhe in den Gegner. Dani Alves hatte Glück, dass er den Schwerverletzten nur spielen musste. Glück hatte auch Adebayor, dass er für seine Aktion gegen Mascherano nur Gelb sah.

Für das Spiel selbst war es ein Glücksfall, dass es nach einer Stunde den Platzverweis gab, denn dadurch erhielt es eine andere Färbung. Barcelona nutzte den nun vorhandenen Platz im Mittelfeld aus, um das Spiel weiter in Madrids Hälfte zu tragen. Eine Reaktion von Reals Bank blieb aus, fast so als würde Mourinho nach seiner Verbannung auf die Tribüne aus Trotz nicht wechseln wollen. Nach dem Führungstreffer durch Messi (wen sonst?) war die Partie entschieden. Madrid fand nicht zurück ins Spiel und hatte auch nicht mehr die Kraft, Barcelonas Ballstafetten im Mittelfeld zu unterbinden. Messis zweites Tor war ein Leckerbissen für alle Fans des schwindelerregenden Dribblings. Gegen einen hervorragend organisierten Gegner wäre dieses Tor wohl kaum gefallen, aber das war Real Madrid zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Clásico #5: ?

Messis Tore haben das Duell vermutlich schon vor Beginn des Rückspiels entschieden. Es wird trotzdem interessant zu sehen, wie Mourinho dieses Spiel angeht. Eigentlich bleibt ihm nur die Option der totalen Offensive, doch kann das in Barcelona gutgehen? Es könnte in einer weiteren epischen Niederlage enden, wenn Barcelona so viel Platz bekommt wie beim 5:0 im Herbst. Ohne Pepe und Khedira im Mittelfeld dürfte es schwer werden, aggressives Pressing wie im Pokalfinale zu spielen. Nur auf Schadenbegrenzung kann sich Mourinho jedoch auch nicht beschränken, will er es sich mit dem verwöhnten Madrider Publikum und der Hauptstadtpresse nicht völlig verderben.

Es wird ein Spiel mit umgekehrten Vorzeichen wie im Vorjahr: Mourinho braucht im Rückspiel einen Sieg, während Guardiola einen Vorsprung über die Zeit retten muss. Wie die beiden Trainer mit diesen Voraussetzungen umgehen macht dieses Rückspiel – dessen sportlicher Wert fraglich ist – zu einer spannenden Angelegenheit. Vielleicht bekommen wir ja auch endlich den fußballerischen Leckerbissen, auf den wir alle gehofft haben.