Schlagwort-Archiv: Juventus Turin

Kleines Loblied auf die Europa League

Es wäre angesichts des Urteils gegen Uli Hoeneß fast etwas untergegangen, aber gestern wurde auch Fußball gespielt. In der viel gescholtenen Europa League und ohne Beteiligung deutscher Vereine wurden die Hinspiele im Achtelfinale ausgetragen.

Ich persönlich mag die Europa League. Vor allem in Zeiten, in denen die Champions League bis zum Viertelfinale sehr vorhersehbar ist und nur wenige Überraschungen bereit hält, ist die Europa League eine willkommene Abwechslung. Sie hat sich trotz Umbenennung und kontraproduktiver Gruppenphase ein Stück des alten Europacup-Charmes behalten. In der Europa League werden nicht die großen Schlagzeilen des europäischen Fußballs geschrieben und der Wettbewerb leidet unter seiner Funktion als Sammelbecken der Champions League Verlierer ebenso wie unter seinem vergleichsweise geringen Stellenwert. So kommt es vor, dass Vereine mit Champions League Ambitionen ihrer Spiele in der K.O.-Runde abschenken, um in der Schlussphase der Saison mehr Kraft für die Liga zu haben. Über das Niveau einzelner Spiele lässt sich daher trefflich streiten, doch einem gewöhnlichen Bundesligaspieltag steht so ein Achtelfinal-Spieltag der Europa League in nichts nach.

Ich kann einem taktisch hochwertigen 0:0 zwischen dem FC Basel und RB Salzburg genauso etwas abgewinnen, wie einem Stadtderby zwischen FC Sevilla und Real Betis oder der erneuten Lehrstunde für den englischen Fußball beim Tottenhams Heimniederlage gegen Benfica. Gut, bei Letzterem mag auch meine Antipathie gegen die Nord-Londoner eine Rolle gespielt haben. Mein Geheimfavorit Ludogorets Razgrad steht nach einer 0:3 Heimniederlage gegen Valencia hingegen leider vor dem Aus. Da spielt die No-Name-Truppe aus Bulgarien so eine tolle Saison, setzt sich gegen Teams wie PSV Eindhoven, Dinamo Zagreb und Lazio Rom durch und erwischt dann einen rabenschwarzen Tag, an dem man trotz langer Überzahl den frühen Rückstand nicht aufholen kann, einen Elfmeter verschießt und dann ins offene Messer läuft (well, sort of…). Aber so etwas kenne ich ja von anderen von mir favorisierten Mannschaften.

Persönliches Highlight war das Spiel zwischen Juventus und Fiorentina. Es ist zwar ein Klischee, aber Spiele zwischen italienischen Spitzenmannschaften sind taktisch noch immer höchst interessant. Juves System mit rustikaler Dreierabwehrkette und den Energiebündeln Vidal und Marchisio, die auf den Halbpositionen das ewige Genie Andrea Pirlo flankieren, hat es mir besonders angetan. International ist Juve damit nicht mehr allererste Güte, aber es reicht immer noch, um die Serie A klar zu dominieren. Dass es nun auf europäischer Bühne zu einer Wiederholung des Spiels vom Wochende kam, machte die Begegnung nicht uninteressanter. Und anders als am Sonntag hatte Fiorentina der Führung der Gastgeber in Gestalt des eingewechselten Torschützen Mario Gomez etwas entgegenzusetzen. Zumindest in Deutschland reicht dies dann doch zu einer größeren Schlagzeile.

Jahre voller Lust (Teil 2)

Das Jahr 2010 ist da – die Nuller Jahre sind vorbei. Ein Jahrzehnt, das aus der grauen Fußballmaus Werder Bremen einen regelmäßigen Champions League-Teilnehmer machte. Ich habe mir aus jedem Jahr ein besonderes Spiel herausgepickt und paar Zeilen dazu geschrieben. So ist ein sehr persönlicher Rückblick auf die Dekade entstanden, den ich nun in drei Teilen hier im Blog veröffentlichen werde. Heute gibt es den zweiten Teil.

30.7.2003: Superpfund Pasching – Werder Bremen 4:0

Pasching. Dieses Wort hat jeder Werderfan noch immer im Gedächtnis und wird es wohl auch für immer dort behalten. Es wird zum Synonym für die Initialzündung zu einer Bremer Meisterschaft, die alles bisher da gewesene in den Schatten stellte. Das weiß zu diesem Zeitpunkt freilich noch niemand (auch wenn ich gerne immer wieder betone, dass ich im Herbst 1999 gewettet habe, dass Werder innerhalb der kommenden fünf Jahren Meister werden würde). Das Trauerspiel, das die Mannschaft in Pasching abliefert, sorgt daher in Bremen für große Besorgnis. Von Abstiegskampf ist die Rede und das minütlich wachsende Misstrauen gegenüber der Mannschaft ist während der Partie in Österreich fast schon mit den Händen zu greifen. Ich erinnere vor allem deshalb gerne an diese Situation, weil sie in der öffentlichen Wahrnehmung fast keine Rolle mehr spielt. Wenn Wolfsburgs Meisterschaft im letzten Jahr als „größte Sensation seit Kaiserslautern 1998“ bezeichnet wird, sollte man (von Stuttgarts Meisterschaft 2007 mal ganz abgesehen) bedenken, dass die Wölfe als Kandidat für die CL- oder zumindest UEFA-Cup-Plätze in die Saison gegangen sind, während Werder im Juli 2003 von vielen „Experten“ als Abstiegskandidat gehandelt wird.

In Pasching zeigt Werder alle negativen Eigenschaften, die eine Mannschaft haben kann: Mangelnde Laufbereitschaft, schwaches Zweikampfverhalten, unpräzise Pässe, schlechtes Positionsspiel und dazu haarsträubende individuelle Fehler. Aus heutiger Sicht lässt sich sagen: wohl selten hat eine Mannschaft ihre Lektionen aus einem Spiel so gut gelernt. Vom Saisonauftakt in Berlin bis zum Saisonende wiederum in Berlin legt Werder keine dieser negativen Eigenschaften mehr an den Tag und spielt so die wohl beste Saison der Vereinsgeschichte. Über die „Werder-Dösis“ lacht die Bild-Zeitung im August 2003. Auch ich lache heute gerne darüber, denn Pasching ist untrennbar mit den kommenden Erfolgen verbunden. Eine peinliche 0:4-Klatsche in Österreich nimmt man dafür gerne in Kauf – im Nachhinein zumindest.

8.5.2004: Bayern München – Werder Bremen 1:3

Der 8. Mai 2004 kann ohne Zweifel als größter Tag in der Geschichte unseres Vereins bezeichnet werden. Der Gewinn der Meisterschaft im Stadion des größten Rivalen, auf diese Art und Wiese, das ist schon ein einmaliger Moment im Leben eines Fans. Der Killer, der König und der Kugelblitz setzen die letzten Ausrufezeichen unter die für Werder traumhafte Bundesligasaison. Der vor dem Spiel tönende Uli Hoeneß und der patzende „Torwart-Titan“ Oliver Kahn werden zu den tragischen Figuren im Olympiastadion und in Bremen zum Sinnbild für den Triumph der fußballerischen Klasse über überbordenden Ehrgeiz und Arroganz. Entschieden wird die Saison zwar schon vorher, doch aufgrund der Last-Minute-Meisterschaften der Bayern in den Jahren 2000 und 2001 bleiben auch bei mir leichte Restzweifel. Nach 30 Minuten sind diese weggewischt. Der Bremer Domshof tobt und für Wochen ist unser „Dorf mit Straßenbahn“ in Grün und Weiß geschmückt (inklusive besagter Straßenbahn).

Der Doublegewinn 2004 hat zu jedem Spieler eine Geschichte parat: Ob nun der entfesselt am Zaun rüttelnde Frank Baumann, der Prophet Ümit Davala, der Nobody-Abwehrchef Valerien Ismael oder der per Auto aus Spanien angereiste Andreas Reinke – sie alle sind Teil der Bremer Meistergeschichte. Doch keiner hat eine so rührende Geschichte wie Torschützenkönig Ailton. Toni erzielt in seiner letzten Saison im Werdertrikot ganze 28 Tore und hat so entscheidenden Anteil an den Erfolgen seiner Mannschaft. Seine Torquote ist das Ergebnis eines Offensivspiels, das (fast) ganz Fußballdeutschland begeistert. Zu seinem und Bremens Enttäuschung hat Ailton jedoch schon im September 2003 einen Vertrag beim FC Schalke unterschrieben, was sich im Nachhinein als größerer Verlust für den Brasilianer als für Werder herausstellt. In Miroslav Klose findet Werder einen – zumindest spielerisch – mehr als würdigen Nachfolger (ich weiß, wie sehr es viele Fans immer noch schmerzt, dies einzugestehen). Ailton wird dagegen weder auf Schalke, noch an einer seiner folgenden Stationen wirklich glücklich und kickt seit kurzem in den Niederungen des deutschen Amateurfußballs beim KFC Uerdingen. Der 8. Mai 2004 bleibt auch der größte Tag in der fußballerischen Karriere des Ailton Goncalves da Silva. Schon deshalb wird er immer in den Herzen der Werderfans bleiben.

19.4.2005: Schalke 04 – Werder Bremen 7:6 n.E.

Im Jahr 2005 darf Werder die Erfahrung machen, dass es als amtierender Meister nicht ganz einfach ist, sich in der Spitze der Liga zu halten. Zum Ligaalltag kommt die Champions League hinzu, die Werder eine Menge abverlangt. In der Gruppenphase kann sich Werder mit 13 Punkten fürs Achtelfinale qualifizieren und besiegt dabei zweimal den amtierenden Spanischen Meister und UEFA-Cup-Sieger FC Valencia. Vor allem das Außwärtsspiel hat es in sich, als Werder durch zwei späte Tore von Valdez den Sieg sicherstellt und Valencias Spielern daraufhin die Lampen durchbrennen. Dieser Tage winkt ein Wiedersehen im Achtelfinale der Europa League, sollten beide Teams die nächste Runde überstehen. In der Champions League holt sich Werder gegen Olympique Lyon eine Abreibung, die es in sich hat. Mit insgesamt 2:10 Toren aus den beiden Spielen verabschiedet man sich aus dem Wettbewerb. Während man beim 0:3 zuhause noch eine spielerisch gute, aber zu naive Vorstellung zeigt, geht man im Rückspiel mit fliegenden Fahnen unter. Vor allem Trainer Schaaf ist nach dem Spiel angeschlagen, da seine äußerst offensive und riskante Aufstellung so nach hinten losgegangen ist.

Ein Happy End hat die Saison trotzdem: Am Ende wird Werder in der Bundesliga etwas unerwartet Dritter und kann sich erneut für die Champions League qualifizieren. Das emotionalste Spiel der Saison findet jedoch im DFB-Pokal statt – gegen den neuen Lieblingsfeind Schalke und die alten Bekannten Mladen Krstajic und Ailton. Das Spiel braucht eine Weile, bis es richtig in Fahrt kommt, doch dann bekommen die Fans in der Arena auf Schalke eine wahre Pokalschlacht zu Gesicht. Schalke geht zunächst verdient in Führung, doch Werder schafft es, wie so oft zu dieser Zeit, in der Schlussphase mächtig Druck aufzubauen. Valerien Ismael erzielt fünf Minuten vor dem Ende den Ausgleich und fast wird Werders Schlussoffensive noch belohnt. Ivan Klasnics vermeintlicher Siegtreffer in der 90. Minute wird jedoch zu Unrecht wegen Abseits aberkannt. Im Gegenzug hat Werder Glück, dass Ailton nur den Pfosten trifft und Reinke im Nachschuss gegen Lincoln rettet. In der Verlängerung geht es auf und ab, mit Chancen auf beiden Seiten. Werder geht zunächst durch ein schönes Tor von Borowski in Führung, doch nur zwei Minuten später erzielt (ausgerechnet…) Ailton den erneuten Ausgleich. Das Elfmeterschießen hätte sich auch ein Drehbuchautor aus Hollywood nicht spannender ausdenken können. Nachdem zunächst Stalteri und dann auch Borowski verschießen, hat Schalke zweimal die Chance, den Sack zuzumachen. Ailton donnert den Ball an die Latte – wie wir heute wissen nicht sein letztes Gastgeschenk an seinen ehemaligen Arbeitgeber. Werder ist also wieder im Spiel. Dann tritt Fabian Ernst an den Elfmeterpunkt, der wenige Wochen vorher seinen Wechsel im Sommer zu den Schalkern bekanntgegeben hat. Er rutscht beim Anlauf aus und gibt einem anderen Ex-Bremer, nämlich Torwart Frank Rost, die Gelegenheit, das Spiel durch seinen selbst verwandelten Elfmeter zu entscheiden. Schalke steht im Finale und für Werder bleibt nur die Gewissheit, Teil eines begeisternden Fußballspiels gewesen zu sein.

7.3.2006: Juventus Turin – Werder Bremen 2:1

Zugegeben, es gibt schönere Erinnerungen an das Jahr 2006, als das vermaledeite Ausscheiden aus der Champions League gegen Juventus Turin. Zum Beispiel das Hinspiel im Weserstadion, in dem Werder in den letzten Minuten einen 1:2 Rückstand noch in einen Sieg drehen kann oder das Saisonfinale in Hamburg, als man dem HSV noch die Vizemeisterschaft entreißt und in der Bremer Innenstadt Erinnerungen an die Double-Saison hochkommen. Doch dieses Spiel ist so prägend für die restliche Saison und auch für die Seele der Werderfans, dass es trotzdem mein Highlight aus dem Jahr 2006 ist. An keine Niederlage habe ich in den Jahren danach so häufig zurückgedacht, wie an das Rückspiel im Delle Alpi. Keine beschreibt dieses Gefühl besser, trotz einer tollen Leistung am Ende doch mit leeren Händen dazustehen. Es ist die grausamste aller Niederlagen, herbeigeführt durch eine Slapstickeinlage des damaligen Ersatztorhüters Tim Wiese, die Werder um den verdienten Lohn bringt.

Zuvor hat man das 3:2 aus dem Hinspiel nicht nur verteidigt, sondern durch ein Tor von Micoud sogar noch ausgebaut. Als Juventus zum 1:1 trifft, scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Spiel kippt. Juve ist damals eine der besten Mannschaften Europas, dominiert die italienische Liga nach Belieben – wie wir heute wissen nicht nur aus sportlichen Gründen. Werder ist der Emporkömmling, der der alten Dame kräftig ans Bein pinkelt. Gegen Ende des Spiels werden Turins Angriffe nicht etwa gefährlicher, sondern zunehmend kopflos. Es ist ziemlich genau eine Minute nachdem ich mich zum ersten Mal dabei ertappe, wirklich an das Weiterkommen zu glauben, als Wiese diese Flanke abfängt, eine Rolle vorwärts macht und den Ball vor den Füße des Brasilianers Emerson fallenlässt. Der Rest ist Geschichte. Fassungslosigkeit allerorten: Auf dem Platz macht Werder keine Anstalten, das Spiel noch einmal zu drehen (woher vermutlich die weit verbreitete Ansicht kommt, das Tor sei in der letzten Minute gefallen). Vor dem Fernseher keine Regung. Es scheint fast, als bliebe die Zeit für einen Moment stehen. Dann ertönt der Schlusspfiff und bald darauf weidet sich Fußballdeutschland an den Bildern des Wiese-Patzers. Es ist die tragische Geschichte einer Mannschaft, die auf der Schwelle dazu steht, in die Phalanx der europäischen Spitzenmannschaften einzubrechen und sich dann selbst die Tür vor der Nase zuschlägt. Dieses Gefühl kommt Ende des Jahres noch einmal zurück, als man kurz davor steht, den Titelverteidiger FC Barcelona aus der Champions League zu werfen, dann aber im entscheidenden Spiel im Camp Nou völlig chancenlos ist.

2006 ist vielleicht Werders bestes Jahr unter Thomas Schaaf. Saisonübergreifend holt man 70 Punkte, mehr als jede andere Mannschaft und auch international scheint der Durchbruch trotz großen Lospechs zum Greifen nah. Das überrascht vor allem deshalb, weil Werder im Sommer in Johan Micoud den prägenden Spieler der letzten Jahre verliert. Sein Nachfolger kommt von der Ersatzbank des FC Porto und sorgt in seiner ersten Hinrunde in Bremen gleich für viel Aufsehen. Werder gewinnt den Ligapokal, schlägt die Bayern auch in der Liga überlegen, schießt dreimal auswärts 6 Tore und wird von vielen schon als der kommende Meister angesehen. Doch es gibt auch Nebengeräusche. Kleine Rückschläge, wie das Ausscheiden im DFB-Pokal gegen Pirmasens oder die Niederlagen gegen Schalke und Stuttgart. Trotzdem sieht die Welt zu Weihnachten nicht nur für Tim Wiese wieder rosa aus.

Den ersten Teil der Serie (2000 – 2002) findet ihr hier. In den nächsten Tagen folgt der dritte Teil (2007 – 2009).

Wie Diego einmal nicht zu Manchester City wechselte

19.05.2009, 0:44 Eine Userin mit dem Namen "Sandra" schreibt einen Kommentar unter diesen Artikel im Werderblog. In diesem Kommentar verlinkt sie einen angeblichen Artikel der Kreiszeitung Syke, in dem von einem Angebot Manchester Citys für Diego die Rede ist. Kolportiert wird eine Ablösesumme von 39 Millionen €. Dazu werden unter anderem Klaus Allofs, Diego, Djair da Cunha und Brian Marwood zitiert. Der Artikel ist im Layout der Onlineausgabe der Kreiszeitung verfasst und trägt "kreiszeitung.de" in der URL.

19.05.2009, 11:30
Als ich den Artikel einem Freund zeigen will, kann ich ihn nicht im Sportteil von kreiszeitung.de finden. Ich suche also in besagtem Blogeintrag nach dem Link, doch dieser führt nun auf die Startseite von smartdots.com, einem Anbieter kostenloser Web-Domains.

Auch auf transfermarkt.de ist die Meldung inzwischen angekommen, wo unter Berufung auf die sehr dubiose Quelle fansfc.com schon im April über ein mögliches Interesse ManCitys spekuliert wurde. Hier findet sich auch ein Zitat aus dem angeblichen Artikel der Kreiszeitung:

"Kochte die Gerüchteküche um den Wechsel des Bremer Spielmachers bereits
seit einiger Zeit recht hoch – so kocht sie nun geradezu über. Laut
übereinstimmenden Aussagen von Allofs und dem Diego-Berater Djair
Cunha, ist am Dienstag Morgen mit Manchester City ein weiterer Club im
den Poker um den Brasilianer eingestiegen. Aus vereinsnahen Quellen war
zu hören, dass der Club knapp 39 Millionen Euro Ablöse bietet – und ein
Gehalt, das etwa dem eineinhalbfachen des Juve-Angebots entspricht.
Brian Marwood, Geschäftsführer bei dem englischen Topclub: 'Wert ist er
das sicherlich.'"

In den Kommentaren wird bereits vermutet, dass es sich um einen Fake handelt.

19.05.2009, 13:00
Auch RTL berichtet inzwischen im Videotext und auf seiner Internetseite unter Berufung auf die Kreiszeitung Syke vom neuen Millionenangebot für Diego (siehe Screenshot). Auf Anfrage bestätigt die Kreiszeitung, die bislang von den Vorgängen nichts mitbekommen hatte, dass es besagten Artikel nicht gibt: "Da wird die Kreiszeitung von RTL falsch zitiert." Stattdessen wird auf einen anderen Artikel verwiesen, der den letzten Stand der Dinge darstelle.

Rtl_screenshot 
Quelle: RTL.de

19.05.2009, 17:00 Bei RTL.de ist das Gerücht noch immer online. Es wird weiterhin auf die Kreiszeitung verwiesen. Andere Medien haben die Faschmeldung meines Wissens nicht übernommen. Eigentlich ein gutes Zeichen.

32. Spieltag: Wechselspiele

Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 0:5

50 Minuten lang wirkte Eintracht Frankfurt wie eine Mannschaft, die gerne in der 1. Bundesliga bleiben würde. In einem Spiel, das für Werder nicht den allergrößten Stellenwert hatte, war die Eintracht die aktivere Mannschaft, drückte nach der Pause wehement auf den Führungstreffer. Dann war Özil plötzlich frei durch, Ochs foulte ihn, sah die rote Karte und Frings verwandelte den fälligen Elfmeter. Fortan war es ein völlig anderes Spiel. Werder entschied die Begegnung auf eine Weise, wie es eigentlich nur Werder kann. Der Gegner wurde innerhalb kürzester Zeit überrollt, wobei Frankfurt freundlicherweise kaum noch Gegenwehr leistete.

Am Ende steht der erst zweite Auswärtssieg dieser Bundesligasaison. Eigentlich erstaunlich, dass eine Mannschaft, die in München und in Wolfsburg 5:2 gewonnen hat, die AC Milan auswärts nach 0:2 Rückstand ausgeschaltet hat, die 5:1 gegen die gnadenlos effiziente Hertha gewann und die den HSV aus allen Wettbewerben warf, eine solch schlechte Auswärtsbilanz aufweist und nur auf Platz 10 der Tabelle steht. Allerdings kann man diesen Zusammenhang auch umdrehen – er wird dadurch nicht weniger merkwürdig.

Gegen Frankfurt konnte es sich Thomas Schaaf erlauben, trotz dünner Personaldecke einigen Spielern früh eine Verschnaufpause zu geben. So kam Niklas Andersen zu seinem ersten Bundesligaspiel und Juri Maximov Vranjes zur Kapitänsbinde. Wie schon in der letzten Saison kommt Werder zum Ende noch einmal mächtig ins Rollen. Hieße der Trainer Felix Magath, würde man dies sicher dem harten Konditionstraining zuschreiben. Bleibt zu hoffen, dass der Akku bei den Spielern noch ein paar Wochen hält. Das Ende ist in Sicht und weitere Ausfälle wären insbesondere im Hinblick auf das UEFA-Cup Finale bitter. Es freut mich, dass Spieler wie Boenisch oder Prödl, die bislang eher als Teil des Problems als der Lösung galten, nun ansprechende Leistungen zeigen. Über Özils Entwicklung braucht man sicher keine Worte mehr verlieren. Und Wiese muss sich nur vor sich selbst in Acht nehmen – remember Juve & Glasgow!

Seit gestern ist nun bekannt, was seit Wochen die Spatzen von den Dächern twittern pfeifen: Diego wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu Juventus Turin wechseln. Der Kicker hatte bereits am Dienstag Spielerberater Giacomo Petralito zitiert, der behauptete, es liege längst eine Einigung zwischen allen Beteiligten vor. Für Aufregung sorgte dann jedoch die Zeitung mit den großen Buchstaben, die kurze Zeit später exklusiv von einem bevorstehenden Wechsel des Brasilianers nach München berichtete. Selbst gestern, als die Kreiszeitung Diego mit den Worten "ich bin mit Juventus Turin klar" zitierte, konterte Bild-Schreiberling Christoph Sonnenberg mit einem erneuten Artikel, in dem Diegos Wechsel zu den Bayern als bereits feststehende Tatsache dargestellt wurde. Derselbe Christoph Sonnenberg übrigens, der bereits letzten Sommer mit Insiderwissen über Werders Transferaktivitäten glänzte.

Der Rest ist typisch Bild und typisch Internet/Blogosphäre: Der Artikel wird kommentarlos gelöscht und durch einen anderen ersetzt, der die Bayern, vor allem aber die Bild-Zeitung selbst als Opfer der skrupellosen Cunha-Familie darstellt. Zum Glück blieben diese Machenschaften nicht unbemerkt und wurden vom sportmedienblog und vom Worum-Blog dokumentiert. Falsch informiert zu sein ist eine Sache, diese kontroversen Informationen als handfeste Tatsachen zu verkaufen eine andere. Zumindest sollte man den Mut haben zu solchen Fehlern zu stehen. Doch dazu bräuchte es das, was Oliver Kahn schon vor Jahren sehr bildlich beschrieb und hieran fehlt es der Bild-Redaktion offensichtlich.

Letztlich war es allen Werderfans schon lange klar, dass Diego über die Saison hinaus kaum zu halten sein wird. Die Trauer über seinen Abgang hält sich daher in Grenzen. Ich bin allerdings sehr froh und erleichtert, dass er nicht bei den Bayern landen wird. Erstens würde es mir wehtun, diesen Spieler demnächst bei einem unserer größten Rivalen spielen zu sehen. Und zweitens hätte der Wechsel nach dem "Fall Klose" einen bitteren Beigeschmack. Auf einen weiteren Werderspieler, dem die Welt offen steht und der es dann nicht einmal über die Alpen schafft, kann ich gut verzichten. Also dann eben Turin. Dabei ist mir Juve beileibe nicht sympathischer als die Bayern, ganz im Gegenteil.

Dank Diegos schnellem Heilungsprozess könnte es am Samstag wenigstens noch ein "Abschiedsspiel" im Weserstadion geben. Etwas, das Johan Micoud (Poulsen sei Dank) verwehrt blieb. Doch der hatte seine großen Erfolge im Werdertrikot zu dem Zeitpunkt bereits hinter sich. Diegos folgen hoffentlich noch in den nächsten Wochen.

Was uns in der Rückrunde erwartet

Es ist schon fast ein bisschen spät für eine Rückrundenvorschau. Schließlich haben rund die Hälfte aller Mannschaften der 1. Bundesliga schon ein (Pokal-)Spiel hinter sich und heute Abend geht es dann ja auch endlich wieder mit dem Bundesligaalltag los. Ich habe trotzdem noch einmal schnell meine allwissende Kristallkugel zu den bevorstehenden nationalen und internationalen Entscheidungen befragt.

Heraus kamen verblüffende Ergebnisse:

  • Deutscher Meister wird eine Mannschaft namens "FC Bayern München". Ich dachte kurzzeitig, die Kristallkugel wäre kaputt, doch auch nach mehrmaligem Schütteln, wildem Fluchen und dem Androhen weitreichender Vergeltungsmaßnahmen beharrte sie auf ihrer Vorhersage. Nun ja.
  • In der Champions League verlieren die englischen Mannschaft ein bisschen von ihrer Vorherrschaft. Einzig der FC Liverpool kann dieses Jahr ins Halbfinale einziehen. Dort verlieren die Herren von der Anfield Road jedoch gegen die Überraschungsmannschaft FC Villareal. Champions League Sieger wird jedoch der große Fußballbuhmann Juventus Turin, der nach unverdienten und höchst umstrittenen Siegen gegen die Bayern und Barcelona ins Finale vorstößt. Das Endspiel gewinnt Juve im Elfmeterschießen, wobei Schiedrichter Roberto Hoyzeroni jeden Elfmeter der Turiner so lange wiederholen lässt, bis der Ball im Tor ist. Zum Namen Luciano Moggi fällt der Kristallkugel hingegen gar nichts ein.
  • Den DFB-Pokal holt der Hamburger SV? Die Kugel MUSS kaputt sein!!!
  • Im UEFA-Cup gewinnt mit Aston Villa doch noch eine englische Mannschaft einen Pott. Das Finale gegen Schachtjor Donezk fällt in Punkto Spannung und spielerische Brillianz allerdings knapp hinter das letztjährige Finale zwischen den *Gähn* Glasgow Rangers und Zenit St. *Schnarch*…
  • Für den SV Werder reicht es am Ende mal wieder doch noch für Platz 3. Trotz einer Serie von 8 Spielen ohne Sieg zwischen Februar und Mitte April überholt Werder am letzten Spieltag noch Schalke, Leverkusen und den HSV und spielt so nächstes Jahr in der Champions League Qualifikation.
  • Angeblich bekommt Werder in der Saison 2012/13 wieder mal ein Heimspiel im DFB-Pokal (langsam wird es albern liebe Kristallkugel!). Um den Bremer Gegner Hoffenheim noch authentischer wirken zu lassen, hat Dietmar Hopp durchgesetzt, dass nach jeder gewonnenen Meisterschaft 100 Jahre vom Vereinsnamen abgezogen werden. Da in der Zwischenzeit jedoch die Mehrzahl der Bremer Fans und Spieler zu 1699 Hoffenheim übergewechselt sind, wird Werder bei jedem Ballkontakt gellend ausgepfiffen.

Und nun Manege frei für eine hoffentlich erfreuliche Rückrunde mit viel tollem Fußball und wenig Kristallkugeln.