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12. Spieltag: Pause

Werder Bremen – Borussia Dortmund 1:1

Länderspielpausen nerven. Besonders, wenn es für das eigene Team gerade gut läuft und die Nationalmannschaft eh nur Testspiele bestreitet. Für Werder lief es in den letzten Wochen gut, doch die Leistungskurve zeigt klar nach unten. Wer die letzten 30 Minuten gegen den BVB gesehen hat, der muss froh sein, dass die Mannschaft nun etwas Zeit zum regenerieren hat. Werder ging auf dem Zahnfleisch und rettete ein am Ende fast schon schmeichelhaftes 1:1 über die Zeit. Dabei hatte bis 10 Minuten nach Wiederanpfiff noch gut ausgesehen.

Eine grandiose Aktion von Hunt und Özil hatte Werder in der ersten Halbzeit in Führung gebracht und nach der Pause kam Werder mit viel Schwung aus der Kabine. Leider reichte dieser Schwung nur wenige Minuten. Dann traf Dortmund binnen 60 Sekunden zweimal das Tor, wobei nur der zweite Treffer zählte. Den ersten hatte Schiedsrichter Gräfe zu Unrecht wegen angeblicher Abseitsposition nicht gegeben. Zu diesem Zeitpunkt war der Ausgleich für Dortmund glücklich, doch in der Folge kippte das Spiel. Werder konnte nichts mehr entgegen setzen und ließ sich von nun energisch nach vorne drängenden Dortmundern den Schneid abkaufen. Die vielen englischen Wochen haben ihre Spuren hinterlassen. Im Gegensatz zu den letzten Spielen, als Werder gegen Ende immer noch zulegen konnte, war man froh, dass in der Schlussphase nicht mehr viel passierte.

Das lag auch am frühen Schlusspfiff, nur wenige Sekunden nach Ende der regulären Spielzeit. Ich weiß gar nicht mehr, was ich zum Thema Nachspielzeit in der Bundesliga noch schreiben soll. Erst werden bei Hannover – HSV in einem Spiel mit vielen Unterbrechungen lächerliche zwei Minuten angezeigt*, dann gibt es bei Werder – Dortmund drei Auswechslungen in den letzten 180 Sekunden und trotzdem keine Minute Nachspielzeit. Man könnte sich einfach darauf einigen, die Spiele nach exakt 90 Minuten abzupfeifen. Diese Regelung wäre fairer als die aktuelle, wo es keinerlei transparente Kriterien für die Bemessung der Nachspielzeit gibt; d.h. es gibt sie natürlich schon, sie werden nur von jedem Schiedsrichter unterschiedlich “ausgelegt” bzw. ignoriert. Gestern konnte man als Werderfan allerdings froh sein über den frühen Abpfiff, denn von einer Nachspielzeit hätte wohl eher noch die Borussia profitiert.

Nun also zwei Wochen Pause. Sich erholen, Kraft tanken und dann das schwere Restprogramm in der Liga gut absolvieren. Was zählt ist nicht die Serie, sondern die Punkte, die Werder bis zur Winterpause noch holt. Die direkten Duelle gegen Schalke, Wolfsburg und den HSV werden richtungsweisend sein. Davor darf sich der halbe Kader noch in den Nationalmannschaften dieser Welt versuchen, fünf Spieler allein in der deutschen. Ich freue mich auf Wieses Debüt in der Startelf und einen Einsatz von Aaron Hunt. Mesut Özil würde ich hingegen lieber in Watte packen und bis zum Ende der Pause im IKEA-Spielparadies zwischenlagern.

* Edit: In der 1. Halbzeit (die ich nicht gesehen habe) gab es überhaupt keine Nachspielzeit, obwohl drei Tore gefallen sind. Darüber ärgert man sich auch an der Elbe.

5. Spieltag: Wir lassen den Dom in Köln und die Kirche im Dorf

Werder Bremen – Hannover 96 0:0

Am Wochenende stand für mich ein Ausflug nach Köln auf dem Programm. Dank mehrerer Staus auf der Hinfahrt und Razorlight-Konzert am Abend blieb leider nicht viel Zeit für einen Stadtbummel. Nicht einmal der Kölner Dom, der in unmittelbarer Nähe des Hotels steht, konnte besichtigt werden. Was das nun mit Werder zu tun hat? Nun, da das kleine Nordderby gegen Hannover 96 dank neuer Anstoßzeiten schon um 15:30 angepfiffen wurde, blieb der Dom auch am Sonntag unbesichtigt. Stattdessen ging es nach dem Abgrasen des üppigen Frühstücksbuffets schnell wieder auf die Autobahn, um pünktlich zum Anpfiff zurück zu sein. Leider klappte das nicht ganz und ich konnte erst zur 10. Minute einschalten. Viel verpasst habe ich dabei nicht. Hätte ich vermutlich auch nicht, wenn ich dem Dom doch den Vorzug gegeben hätte.

Nachdem man am letzten Spieltag mit einem gewaltigen Satz auf Platz 3 gesprungen war, waren die Stimmen schon wieder lauter geworden, die Werder zum sicheren Kandidaten für die Champions League Plätze herreden wollten (wovon ich mich selbst nicht vollständig frei sprechen kann/will). Wie so häufig wurde man nach einer längeren (in diesem Fall: Länderspiel-)Pause wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Ein 0:0 gegen Hannover im eigenen Stadion ist eine Enttäuschung, wie man es auch dreht und wendet. Man sollte sich davor hüten, dieses Resultat nur auf das fehlende Glück im Torabschluss oder die gute Leistung von Gästekeeper Fromlowitz zu schieben. Mit der Effizienz, die man beispielsweise gegen Hertha BSC an den Tag legte, hätte man das Spiel zwar höchstwahrscheinlich gewonnen. Die Anzahl der wirklich guten Torchancen hielt sich aber in Grenzen und Werder schaffte es nicht, den Druck gegen Ende des Spiels, als die Zeit knapp wurde, noch zu erhöhen. Man braucht sich keine Illusionen zu machen. Momentan ist Weder ein gutes Stück davon entfernt, eine der dominierenden Kräfte in der Bundesliga zu sein.

Das soll nun aber nicht heißen, dass plötzlich wieder alles schlecht ist. Denn schlecht hat Werder – mit Ausnahme der Schlussphase der ersten Halbzeit – nun wirklich nicht gespielt. Man war Feldüberlegen, hatte gegen defensiv recht stabile Hannoveraner fast immer die Spielkontrolle und ließ hinten nicht viel zu. Positiv herauszuheben ist die positive Entwicklung bei Philipp Bargfrede, der immer mehr zur festen Größe im Bremer Kader heranwächst und gegenüber Tim Borowski gestern den deutlich engagierteren Eindruck machte. Ebenfall gefreut hat mich die Tatsache, dass sich der von mir zuletzt kritisierte Torsten Frings wieder schneller vom Ball getrennt hat und unnötige Dribblings vermied. Lassen wir also die Kirche im Dorf. Von fünf Heimspielen mit einer Leistung wie gegen Hannover gewinnt man vielleicht drei. Damit wird man wahrscheinlich nicht Deutscher Meister, kann sich aber Hoffnungen auf das internationale Geschäft machen. Das kommende Auswärtsspiel gegen Leverkusen wird mehr Aufschluss über die wirkliche Leistungsfähigkeit der Mannschaft geben.

Die Kirche nicht im Dorf ließ wie gewohnt Uli Hoeneß, der vor dem Spiel seiner Bayern in Dortmund gegen die hohe Anzahl an Länderspielen wetterte, von welchen die Spieler dann auch noch verletzt zurückkämen:

“Wir müssen uns alle miteinander dagegen wehren, dass die Bundesliga jetzt zum 98. Mal unterbrochen wird wegen dieser Länderspiele. Da muss sich etwas ändern, sonst geht die Bundesliga kaputt.”

Man sollte sich nicht vom typisch Hoeneß’schen Fatalismus blenden lassen. Die Grundaussage dieses Satzes könnte auch Klaus Allofs über die Lippen kommen. Mal ganz davon abgesehen, dass Verletzungen von Spielern in der Nationalmannschaft für die betroffenen Vereine ärgerlich sind, zweifle ich doch sehr stark an dem Schaden, der ihnen durch die Länderspiele entsteht. Es ist für einen Verein ein Aushängeschild, viele Nationalspieler in den eigenen Reihen zu haben. Sie sorgen im In- und Ausland für zusätzliche Aufmerksamkeit für einen Verein, aus der dieser wiederum neue Vermarktungsmöglichkeiten erschließen kann. Gerade Uli Hoeneß sollte sich dem bewusst sein. Könnte sich jemand einen FC Bayern ohne Nationalspieler vorstellen?

Die Auffassung, dass die insgesamt hohe Anzahl an Spielen schlecht für den Fußball sei, setzt sich anscheinend immer mehr durch. Das Hauptargument dafür ist eine angebliche Überlastung der Spieler. Es leuchtet mir nicht ein, dass zwei Spiele pro Woche über 90 Minuten aus physischer Sicht ein Problem darstellen sollen. Problematisch wird es erst dann, wenn Spieler trotz körperlicher Blessuren unter Anwendung von Schmerzmitteln Woche für Woche auf dem Feld stehen. Es ist kein Geheimnis, dass dies die Merhzahl der Spieler im Profibereich betrifft. Allerdings wird häufig übersehen, dass eine hohe Anzahl an Spielen auch hohe Einnahmen mit sich bringt, die wiederum in neue Spieler investiert werden können. Ein großer, qualitativ ausgeglichener Kader bietet vor allem den Spitzenvereinen die Möglichkeit, ihre Stars in unwichtigen Spielen häufiger zu schonen, wie es z.B. in Spanien und England nicht unüblich ist und bei den Bayern unter Hitzfeld auch praktiziert wurde. Hier zeigen sich dann auch Hoeneß’ wahre Beweggründe: Statt Länderspielpause könnte man die Zeit besser mit lukrativen Freundschaftsspielen der eigenen Mannschaft auffüllen. Die bergen zwar ebenfalls ein Verletzungsrisiko für die Spieler – sorgen aber für volle Vereinskassen.

Osterpause

Wenn man sich die Fußballnachrichten der letzten zwei Wochen so anschaut, könnte man denken wir hätten Sommerpause. Nicht, dass es nichts Sinnvolles oder Interessantes zu schreiben gäbe, doch die Weinreich-vs-DFB-Angelegenheit oder die Hartplatzhelden-vs-WFV-Angelegenheit machen für den gemeinen Fußballfan einfach zu wenig her.

So diskutieren wir nun über die Torflaute des Mario Gomez, die doch eigentlich gar keine ist/war. Eigentlich schon komisch, dass ein Spieler, der mit seiner Torquote in dieser Saison eigentlich jenseits aller Kritik stehen sollte, so scharf attackiert wird. Dass die Leipziger Zuschauer ihn selbst nach guten Aktionen auspfiffen – wer will es ihnen vorwerfen? Wie soll man im fußballerischen Ödland, wo alle Jubeljahre mal ein Spiel auf Profiniveau stattfindet, eine solche Situation auch adäquat beurteilen können? Insofern genau der richtige Ort für ein Länderspiel gegen Liechtenstein.

NTV 
Bildquelle: n-tv.de

Dann gab es natürlich die Diskussion, ob ein 4:0 gegen solch einen Gegner denn nicht eigentlich viel zu wenig sei. Als ob dieses Spiel, abgesehen von den drei Punkten und den 4 Toren, irgendeinen Schluss auf das Leistungsniveau zuließe. Polen zählt wegen des 10:0 gegen San Marino auch nicht plötzlich zum Favoritenkreis der WM 2010. Am Mittwoch gewann die deutsche Mannschaft dann auch in Wales und steht damit, trotz einer wirklich ausbaufähigen Leistung, in der Qualifikation sehr gut da.

Im Blickpunkt stand nach dem 2:0 in Cardiff allerdings nicht das Spiel, sondern Lukas Podolskis Ohrfeige gegen Michael Ballack. Auffällig, wie sehr die Beteiligten versuchen, den Zwischenfall herunter zu spielen. Ich weiß nicht, ob dies auch so wäre, wenn Podolski den Regeln entsprechend eine rote Karte gesehen und sich damit eine Sperre eingehandelt hätte. Außerhalb des direkten Umfelds der Nationalmannschaft wird nun jedoch wieder fleißig diskutiert und spekuliert, wie es um die Stimmung in der Mannschaft und das Ansehen des Kapitäns denn nun bestellt ist.

Am Ende dieser zwei Wochen Länderspielpause bin ich einfach nur froh, dass es vorbei ist. Als Werderfan fiebert man zwar eher den kommenden Begegnungen in Pokal und UEFA-Cup entgegen als der Liga, doch wer sieht die Bayern nicht gerne 1:5 verlieren? Außer Bayernfans natürlich.