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Unsere 23 Spieler für Südafrika

Morgen gibt Jogi Löw das vorläufige Aufgebot der Nationalmannschaft für die WM bekannt. So lange kann ich nicht warten. Ich habe deshalb einen kurzen, aber konzentrierten Blick in die Kristallkugel gewagt und die Kaderzusammenstellung für Südafrika herausgefunden. An dieser Stelle ein Spoiler Alert: Wer sich überraschen lassen möchte, sollte hier aufhören zu lesen. Angaben ohne Gewähr, doch die Kristallkugel lügt nicht. Beschwerden bitte direkt an den DFB richten.

Und hier ist nun unser Kader für Südafrika:

Tor

Gesetzt: Neuer, Wiese

+ 1 aus: Butt, Weidenfeller, Lehmann

Durch Adlers Ausfall kommt noch mal Pfeffer rein. Löw regelt es ganz unaufgeregt, nominiert Hans-Jörg Butt als dritten Torwart und schickt schöne Grüße nach Dortmund und Roman Weidenfeller in den Urlaub. Jens Lehmann war gar nicht erst Thema.

Abwehr

Gesetzt: Mertesacker, Westermann, Friedrich, Lahm

+ 4 aus: Boateng, Tasci, Höwedes, Hummels, Badstuber, Huth, Beck, Hinkel, Castro, Aogo, Schäfer

Hamburgs Jerome Boateng hatte zwar ein paar Wackler in der Rückrunde, aber ist natürlich trotzdem dabei. Bei Serdar Tasci war das Formtief dann schon etwas länger. Es spricht zwar noch einiges dafür, dass er trotzdem mitfährt, doch hier glaube ich an eine Überraschung: Ohne Tasci fahr’n wir zur WM. Von den jungen Benedikt Höwedes und Mats Hummels wird es nur einer in den Kader schaffen und dann gibt es ja auch noch den Badstuber Holger. Letzterer hat in seiner noch kurzen Karriere schon mehr Erfahrung in der Champions League gesammelt, als die meisten seiner Konkurrenten. Badstuber hat Außenseiterchancen, aber die Kristallkugel sagt: Höwedes fährt mit – sein päpstlicher Vorname gibt den Ausschlag. Mit Westermann, Friedrich und Boateng hat man einige Allrounder im Team, aber keinen waschechten Rechtsverteidiger, denn Löw wird Lahm weiterhin links einsetzen. Falls Löw keinen Hinkel aus dem Huth zaubert, wird Andreas Beck deshalb als Quoten-Hoffenheimer im Kader stehen. Gonzalo Castro wird im Zuge der Leverkusener Absagewelle wegrationalisiert. Während Dennis Aogo zum Nationalspieler noch etwas fehlt (z.B. 2-3 Konsonanten im Nachnamen), profitiert Marcel Schäfer vom Glück des Tüchtigen und von der dünnen Konkurrenz und komplettiert das Aufgebot in der Abwehr.

Mittelfeld

Gesetzt: Ballack, Schweinsteiger, Özil, Podolski

+ 4 aus: Khedira, Hitzlsperger, Gentner, Marin, Kroos, Hunt, Trochowski, Müller

Nach Schweinsteigers Umschulung zum Defensivstrategen ist der Partner für Agressiv Leader (die schönste Deutsch-Englische Wortkombination seit Europa League) Ballack schon gefunden. Die perfekte Symbiose der beiden macht weitere defensive Mittelfeldspieler quasi überflüssig. Löw weint deshalb Frings, Jones und dem verletzten Rolfes keine Träne hinterher, nominiert für den Notfall Sami Khedira und lässt Thomas Hitzlsperger im italienischen Exil. Solide Arbeiter wie Bargfrede, Träsch oder Reinartz werden nicht benötigt und mit Namen wie “Bender” machen sich bloß die Engländer wieder über uns lustig. Ach, das tun die sowieso? Das Lachen wird ihnen schnell vergehen, wenn ihnen Toni Kroos und Marko Marin Knoten in die Beine kombinieren! Aaron Hunt ist dann leider doch noch nicht so weit und freut sich lieber über seine erste Saison ohne gröbere Verletzungen. Besser die Knochen schonen und dann 2014 voll durchstarten. Für Piotr Trochowski hat der Bundestrainer eine Schwäche, der kommt auf jeden Fall mit. Und was ist eigentlich mit dem bayerischen Überflieger? Thomas Müller ist selbstverständlich dabei – aber nicht im Mittelfeld.

Wie? Ich habe Christian Gentner vergessen? Nicht so schlimm, das hat Löw auch!

Angriff

Gesetzt: Klose, Gomez

+ 2 aus: Kießling, Cacau, Helmes, Müller

Was haben wir am Montag mit Kevin Kuranyi gelitten, dem Sturmführer der Herzen. Doch alles Hoffen und Bangen half nicht, der Bundestrainer blieb hart, denn er hat andere Pläne. In deren Mittelpunkt stehen Bayerns Bankdrücker Miro Klose und Mario Gomez. Die sind ausgeruht und freuen sich so dermaßen darüber, dass sie mal wieder mitspielen dürfen – da kann gar nichts schiefgehen. Leider bleiben aber noch zwei Plätze im Kader frei und falls Stefan Kießling seine Trefferquote nicht zum Verhängnis wird, dürfte er einen davon bekommen. Mannschaftskamerad Patrick Helmes steht eigentlich nur auf der Kandidatenliste, damit sie nicht so leer aussieht. Platz 4 im Sturm schien deshalb schon an Cacau vergeben, doch Löw überrascht uns alle, verzichtet auf einen weiteren Mittelstürmer und nominiert Thomas Müller für den Angriff.

Der deutsche Kader für Südafrika sieht also folgendermaßen aus:

Neuer, Wiese, Butt, Mertesacker, Westermann, Friedrich, Lahm, Boateng, Höwedes, Beck, Schäfer, Ballack, Schweinsteiger, Özil, Podolski, Khedira, Kroose, Marin, Trochowski, Klose, Gomez, Kießling, Müller.

Deutschland, eine Herbstdepression

Am Mittwoch lieferte die deutsche Nationalmannschaft ein schlechtes Spiel gegen Finnland ab. Das Ergebnis spielte keine Rolle mehr, da man sich bereits am Samstag für die WM in Südafrika qualifiziert hatte. Man hätte nun also drauf Wetten können, dass a) Deutschland nicht wirklich gut spielen und b) die Leistung von den Deutschen als “Blamage” und “Demütigung” aufgefasst werden würde. Man könnte nun fragen, welche arrogante und völlig illusorische Grundhaltung diesem Anspruchsdenken zugrunde liegt, das ein – zweifellos glückliches – Unentschieden gegen einen gut spielenden Gegner wenige Tage nach der erfolgreichen Quali als Schmach empfunden wird. Immer noch die Nachwirkungen des “auf Jahre unschlagbaren” Kaisers? Man könnte auch über die fehlende Wertschätzung des Gegners sprechen. Die Finnen haben eine sehr gute und eine gute Halbzeit abgeliefert. Doch daran kann es nicht gelegen haben, auch nicht an der ungewohnten Aufstellung, sondern es müssen die Spieler aus der zweiten Reihe gewesen sein, die Torchowskis, Cacaus, Hitzlspergers. Als ob die individuelle Leistung eines Spielers nicht von der Leistung der Nebenleute und der Abstimmung untereinander abhinge. Alles keine Entschuldigung (und die braucht man als deutscher Nationalspieler) für ein 1:1 gegen Finnland. Die muss man einfach schlagen.

Muss man? Wenn man zweimal gegen Russland gewinnt, dann muss man die Finnen nicht schlagen. Doch während in anderen Ländern noch die Qualifikation fürs große Turnier gefeiert wird, grämen wir uns lieber unserer Unvollkommenheit. Das kann man schade finden, aber wir sind nunmal so. Spätestens ab dem Viertelfinale der WM werden dann auch wir entspannter. Entweder, weil unser Team bereits nach Hause geflogen ist und uns die schier unterträgliche Peinlichkeit eines solch frühen Ausscheidens so überfordert, dass wir sie vorübergehend ausblenden, um den Schmerz etwas zu lindern, oder weil wir unter den Top 8 der Welt sind; noch nicht das Gelbe vom Ei, aber immerhin kann das Turnier nun kein völliger Misserfolg mehr werden. Es sei denn man verlöre im Viertelfinale gegen Finnland.

Dieser Ehrgeiz ist ja gar nicht mal schlecht. Im Leistungssport ist er in der Regel von Vorteil. Leider ist es nunmal so, dass wir gerne die besten wären – es aber nur selten sind. Und selbst wenn wir die besten sind, sind wir eigentlich nicht die besten, sondern nur die Spielverderber, die den großen Mannschaften (Ungarn ‘54, Niederlande ‘74) die Tour vermasseln. Dafür sind wir sehr beständig, wahrscheinlich sogar die beständigsten, aber darüber können wir uns nicht freuen. Wie soll man sich auch über etwas freuen, das man als gegeben ansieht? Eine WM oder EM ohne deutsche Beteiligung hat es zu meiner Lebzeit nie gegeben. Sich über eine erneute Qualifikation zu freuen wäre ja irgendwie dämlich, fast so, als würde man sich über die Sonne freuen oder das Leben an sich. Das tun nur Südländer und oberflächliche Amerikaner.

Die Situation scheint aussichtslos: Wir sehnen uns nach dem absoluten Gipfel, ohne die Täler durchschreiten zu wollen. Wir beneiden die Spanier ob ihrer Eleganz und spielerischen Klasse, wären aber nie bereit, dafür zuerst einige Jahrzehnte der Erfolglosigkeit in Kauf zu nehmen. Den Italienern sprechen wir die Klasse lieber ganz ab und wundern uns über die Ungerechtigkeit, die sie trotzdem erfolgreich sein lässt. Man wird noch immer schief angeschaut, wenn man einfach zugibt, das Italien vor drei Jahren in Dortmund sowohl die offensivere als auch die bessere Mannschaft war. Genau hier liegt der wunde Punkt: Die Italiener und die Brasilianer sind die einzigen erfolgreicheren Fußballländer auf Nationalmannschaftsebene. Deutschland hat noch keinen von beiden bei einer WM geschlagen. Auch wenn man es nicht so sehen will, die großen Niederlagen der letzten Jahre hat man nicht gegen kleine Gegner wie Rumänien oder Ungarn kassiert, sondern gegen Brasilien (2002), Italien (2006) und Spanien (2008) – und das jeweils zu Recht.

Wie können wir Abhilfe schaffen? Wir könnten uns bewusst machen, dass es kein anderes Land außer Deutschland sowohl bei der letzten WM als auch bei der letzten kontinentalen Meisterschaft ins Halbfinale geschafft hat. Dass man mit etwas gutem Willen daraus schließen könnte, dass Deutschland in den letzten 4 Jahren im Schnitt die beste Mannschaft der Welt war. Doch spätestens seit Klaus Augenthaler wissen wir, dass im Schnitt auch jeder vierte Mensch ein Chinese ist. Und wenn der Chinese erstmal den Fußball beherrscht, dann ist sowieso alles vorbei. Wir tun also weiterhin das, was wir am besten können: Jammern auf hohem Niveau. Und irgendwann kommt dann wieder ein Odonkor, der auf einen Neuville flankt und uns kurzzeitig aus unserer Depression befreit.

Europameister

Für Werder stehen die beiden Finals noch bevor, doch die deutsche U17-Nationalmannschaft hat heute Vormittag schon mal gezeigt, wie es geht. Durch einen 2:1-Sieg nach Verlängerung im Finale gegen die Niederlande ist die Mannschaft nun Europameister. Aus Werdersicht ganz besonders erfreulich: Die Tore für Deutschland schossen die Bremer Talente Lennart Thy und Florian Trinks. Besonders Trinks' Siegtor kurz vor Ende der Verländerung ist äußerst sehenswert. Ein perfekt getretener Freistoß aus ca. 30 Metern genau in den Torwinkel. Die ARD kündigte bereits an, das Tor in die Auswahl zum Tor des Monats aufzunehmen.