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Endlich Klassenerhalt

Werder Bremen – Borussia Dortmund 2:0

Der Klassenerhalt ist perfekt. Wie erwartet hätte dazu auch ein Punkt gegen den Deutschen Meister gereicht, doch Werder machte durch die Tore von Silvestre und Pizarro alles klar und kann nun endlich die Vorbereitungen für die neue Saison konkretisieren.

Bremer Entschlossenheit gegen Dortmunder Sektlaune

Es wäre unfair den Borussen eine unprofessionelle Einstellung vorzuwerfen, doch es war der Mannschaft von Jürgen Klopp anzumerken, dass es für sie nicht mehr um viel ging. Der Dortmunder Tempofußball lässt sich ohne absolute Konzentration und Laufbereitschaft nicht spielen. Nach Silvestres frühem Führungstreffer hatte man nur selten das Gefühl, dass die Dortmunder mit aller Macht auf den Ausgleich drängten.

An dieser Stelle möchte ich dem BVB zur Meisterschaft gratulieren. Über die gesamte Saison hinweg hat Dortmund den besten Fußball gespielt und wird deshalb völlig zurecht am kommenden Samstag die Meisterschale erhalten. Der BVB hat in den letzten Jahren sehr viel richtig gemacht, ein glückliches Händchen auf dem Transfermarkt gehabt und mit Jürgen Klopp auf einen Trainer gesetzt, der nun allen Zweiflern bewiesen hat, dass er seine Vorstellungen vom modernen Fußball auch auf höchstem Niveau umsetzen kann. Dortmund spielt schnellen, schnörkellosen Fußball, der auch ästhetisch anspruchsvoll ist. Die Ballsicherheit der jungen Mannschaft ist sicher ein entscheidender Faktor für den großen Erfolg.

Ein anderer ist die Zusammenstellung der Mannschaft: Sahin, der Ballverteiler (für mich Spieler der Saison). Bender, das Powerhouse im Mittelfeld. Hummels mit seinen Qualitäten im Spielaufbau. Kagawa und Götze mit ihrem intelligenten Spiel zwischen den Linien. Torjäger Barrios. Dazu die vor Energie strotzenden Großkreutz, Kuba, Piszceck und Schmelzer auf den Außenbahnen (die ungemein von Sahin, Kagawa und Götze profitiert haben). Einziger Schwachpunkt ist für mich Torhüter Weidenfeller, der zwar eine gute Saison gespielt hat, aber (ähnlich wie Wiese) Probleme beim Mitspielen hat. In der neuen Saison wartet die nächste große Herausforderung auf den BVB: Die Etablierung in der Spitze. Wie kommt die junge Mannschaft mit Abgängen (Sahin), Meisterschaftskater und der Doppelbelastung durch die Champions League zurecht? Ich bin sehr gespannt.

Abstiegskrimi verkommt zum lauen Sommerkick

Damit aber genug der Lobhudelei und zurück zum Spiel. Werder machte in der Anfangsphase viel Druck und spielte sich über Marin, der im Rücken des BVB-Mittelfelds zunächst viel Platz fand, einige Male vielversprechend vors Dortmunder Tor. Die Führung kam durch eine Standardsituation unter Mithilfe von Weidenfeller zustande, der Silvestres Ecke schwach klärte und beim Schuss des Franzosen durch viele Beine dann kaum noch eine Chance hatte. Werder drängte zunächst auf das zweite Tor, unterstützt durch einige Unsicherheiten in der Dortmunder Abwehr, und hatte durch Marin und Fritz gute Chancen. Nach einer Viertelstunde stellten die Bremer die Offensivbemühungen jedoch weitgehend ein und ließen Dortmund mehr Zeit am Ball. Hier mag eine Portion Kalkül mit dabei gewesen sein, dass es die Dortmunder nicht allzu ernst mit einer Aufholjagd meinen würden, aber Werders Umschalten nach Ballgewinn wies in dieser Phase gravierende Mängel auf. Das Mittelfeld wurde häufig überbrückt, doch die langen Bälle auf Wagner und Pizarro fanden nur selten das Ziel und der BVB konnte sich die Bälle problemlos zurückholen.

Defensiv standen die Bremer weitgehend sicher und Dortmund kombinierte sich nur selten durchs Mittelfeld vors Bremer Tor. Zwei starke vertikale Pässe durch die Schnittstellen der Bremer Innenverteidigung führten zu den beiden gefährlichsten Szenen der Borussia vor der Pause. Dazwischen gab es viel Leerlauf, mit dem Werder dank der Führung gut leben konnte. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig an diesem Bild. Die Großchance für Barrios kam eher zufällig zustande und auf der anderen Seite war es Pizarros individuelle Klasse, die das Spiel für Werder entschied. Aus Werdersicht mag man sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr über spielerische oder taktische Defizite der eigenen Mannschaft ärgern. Wichtig ist der nun endgültig feststehende Klassenerhalt durch diesen Sieg gegen am Ende zu passive Dortmunder, die gegen einen tief stehenden Gegner zu wenig taten, um noch einmal ins Spiel zurück zu kommen. In der Nachspielzeit bekam der BVB noch einen glasklaren Elfmeter verweigert, doch das interessierte schon fünf Minuten später niemanden mehr.

Schwache Gesten statt harter Entscheidungen?

Vor dem Spiel wurden mit Petri Pasanen und Daniel Jensen zwei Spieler geehrt, die jeweils sieben Jahre lang bei Werder gespielt haben und im Sommer den Verein verlassen werden. Torsten Frings war nicht unter den Geehrten. Es ist zu befürchten, dass er seinen Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Ich schreibe bewusst „befürchten“, auch wenn es mir wehtut. Ich habe großen Respekt vor dem Fußballer Torsten Frings und bin ihm sehr dankbar für alles, was er für Werder geleistet hat. Ich bin allerdings nicht der Ansicht, dass man mit (und schon gar nicht um) Frings noch einmal eine große Mannschaft aufbauen kann. Dazu ist er nicht mehr gut genug, dazu ist sein Status im Team zu verfestigt, dazu ist er zu wenig Lenker aus dem Hintergrund. Er hat in der Schlussphase der Saison noch einmal seinen Beitrag zum Klassenerhalt geleistet, aber seine Schwächen waren auch in den letzten Wochen nicht mehr zu übersehen. Es wäre ein guter Zeitpunkt aufzuhören. Mir scheint es jedoch, dass man bei Werder die großen Einschnitte weiterhin scheut, wenn sie nicht durch externe Gegebenheiten (Verletzungen, hohe Transfererlöse) unvermeidbar werden. Die wäre kein gutes Zeichen für die neue Saison.

Als schlechtes Zeichen habe ich auch die Nichtberücksichtigung Daniel Jensens in den Kader empfunden. Es wäre ein Platz auf der Bank freigewesen und auch wenn Jensen nach Schaafs Dafürhalten nicht richtig fit ist, hätte man ihn zum Abschied wenigstens eine Berufung in den Kader schenken können. Gegen eine Einwechslung in der 90. Minute hätte bei entsprechendem Spielstand auch nichts gesprochen. Petri Pasanen durfte dagegen 90 Minuten durchspielen und zeigte eine gute Leistung in der Innenverteidigung. Ihm hätte ich in der letzten Minute ebenfalls den Applaus einer Auswechslung gegönnt. Diese Gesten mögen nicht wichtig sein für den Verein, aber sie wären ein schönes Signal an die Spieler und an die Fans gewesen. Vielleicht darf Jensen wenigstens am letzten Spieltag in Kaiserslautern noch einmal für Werder auflaufen. Zu gönnen wäre es ihm in jedem Fall.

Unsere Problemfälle

Eigentlich könnte man derzeit fast den gesamten Kader als Problemfall bezeichnen. Ich habe mir einfach mal ganz willkürlich vier Spieler herausgegriffen und versucht, ihre derzeitige Situation zu beleuchten.

Sandro Wagner

Man kann schon ein wenig Mitleid mit ihm haben. Zwei Tore im Finale der U21-EM, ansprechende Leistungen in der zweiten Liga, dann ein Kreuzbandriss, der Wechsel zu Werder, langsames Herantasten an den Profikader und dann ein ums andere Mal seine Chance nicht genutzt. Zuletzt wurde er nicht einmal in den Spieltagskader berufen, sondern musste mit der U23 in der dritten Liga ran. Kurzum: Es ist eine Saison zum vergessen für Sandro Wagner. Dass Wagners Situation jedoch nicht nur mit einer Mischung aus Pech und schlechtem Timing zu erklären ist, machte Klaus Allofs nun gerade wieder klar. Seine Aussage: Wagner ist selbst Schuld, hat genügend Chancen bekommen.

Die Bilanz des Stürmers ist ernüchternd: Kein Tor, keine Vorlage, kein überzeugendes Spiel gelang ihm bei seinen gar nicht so wenigen Einsätzen. Es wurde mehr als deutlich, dass Wagner Werder momentan nicht helfen kann. Der Glaube daran, dass er es jemals können wird, ist bei den meisten Fans längst verschwunden und auch bei der sportlichen Führung scheint sich diese Haltung nun zu verfestigen. Wenn sich bis Saisonende keine deutliche Verbesserung eingestellt hat, wird es an der Weser wohl keine Zukunft für Wagner geben. Fraglich jedoch, wie Werder den Spieler aus seinem Vertrag bis 2014 herauskomplimentiert. In der ersten Liga dürften sich kaum Vereine finden, die Ablöse und Gehalt für ihn zahlen möchten und zu großen Gehaltseinbußen wird der Spieler wohl auch nicht bereit sein. Es könnte also mal wieder auf ein Leihgeschäft hinauslaufen.

Wagners Verpflichtung war von Anfang an riskant. Trotz der Verletzung kaufte Werder ihn aus seinem Vertrag, der ein halbes Jahr später ausgelaufen wäre, damit er sich schon in Bremen eingewöhnen kann. Zu Saisonbeginn war Wagner fit, konnte jedoch nie überzeugen und musste trotzdem immer wieder als Notnagel im verletzungsgebeutelten Werderangriff ran. Wagner war zur falschen Zeit am falschen Ort und scheint mit der Situation völlig überfordert zu sein. Dass zuletzt auch seine Trainingsleistungen nachließen, ist ein deutliches Zeichen dafür. Die Situation scheint aussichtslos und keine zehn Tage nach Schließung des Transferfensters müssen sich Werders Verantwortliche nun die Frage stellen lassen, warum sie trotz Hugo Almeidas Abgang mit Denny Avdic nur einen Stürmer verpflichtet haben, bei dem ebenfalls noch nicht ersichtlich ist, ob er Werder in dieser Rückrunde weiterhelfen kann.

Marko Marin

Was genau bei Marko Marin falsch gelaufen ist, wird wohl nicht mal er selbst wissen. Vor Saisonbeginn von einigen Werderfans noch als der bessere Özil gefeiert, konnte er den großen Erwartungen an ihn nie gerecht werden. Im Sommer hatte er zunächst mit seiner enttäuschenden WM zu kämpfen und fand sich in den ersten Spielen auf der Bank wieder. Innerhalb weniger Wochen schien er jedoch auf dem Weg zu seiner Normalform, auch wenn er einige Male auf der für ihn nicht prädestinierten 10er-Position ranmusste. Irgendwann im September ging es dann jedoch abwärts mit den Leistungen. Marin fiel in ein Loch, aus dem er sich bis heute nicht befreien konnte.

Es wirkt fast so, als wäre der Spieler in einer Endlosschleife gefangen. Er versucht es immer wieder mit den gleichen Tricks, mit den gleichen Dribblings, doch sie wollen ihm einfach nicht mehr gelingen. Dazu kommt, dass sich sein ohnehin ausbaufähiges Spiel ohne Ball in dieser Saison noch verschlechtert hat. Marin nimmt nur am Spiel teil, wenn er die Kugel am Fuß hat. Anders als etwa Aaron Hunt, der häufig im Ansatz des Richtige tut, es dann aber schlampig ausführt, liegen bei Marin schon die Grundlagen brach. Sein Positionsspiel gleicht einem Jugendspieler und ein Defensivverhalten ist abgesehen von vereinzelten kurzen Sprints nicht existent. Die Laufwege in Werders Angriff sind dieser Tage wenig koordiniert und Marin scheint einen großen Anteil daran zu haben.

Man fragt sich schon so ein bisschen, was Marin die letzten sechs Monate im Training geübt hat. Es muss doch eigentlich möglich sein, einem so talentierten Spieler die Grundlagen des Fußballs beizubringen, so dass er auch bei einer Formkrise zumindest die Basics auf seiner Position abrufen kann. Bislang hat das – aus welchen Gründen auch immer – nicht funktioniert und deshalb ist Marin, wenn ihm seine Dribblings nicht gelingen, für Werder eine Belastung. Für den Spieler selbst ist die Situation ebenfalls eine große Belastung, was man an den krampfhaften Bemühungen erkennen kann, sein Spiel mit aller Macht wieder durchzusetzen. Leider gibt es bei Werder kaum personelle Alternativen und so lässt sich nur hoffen, dass sich bald eine Verbesserung einstellt. Marin muss an den Grundlagen seines Spiels arbeiten, wenn er ein großer Fußballer werden will. Momentan ist er davon meilenweit entfernt.

Torsten Frings

Die letzten Wochen könnten zu den schlimmsten in Torsten Frings Profikarriere gehört haben. Für einen so ehrgeizigen und kämpferischen Spieler ist es schwer zu verdauen, wenn man nach und nach immer mehr an Standing verliert. Im Fußball kann es ganz schnell gehen. Vor einem Jahr gelang ihm noch einmal eine beeindruckende Formsteigerung, mit der er Werder noch zum Sprung auf einen Champions League Platz verhalf. Nun scheint der Akku jedoch endgültig leer zu sein. Frings läuft und kämpft und grätscht und rackert und am Ende sieht trotzdem jeder, dass es einfach nicht mehr reicht. Das Thema Vertragsverlängerung dürfte intern längst vom Tisch sein, doch in der Außendarstellung wird man Frings sicher die Gelegenheit zu einem freiwilligen Rückzug geben.

Als Spieler ist Frings (ähnlich wie bei den Bayern van Bommel) immer sehr abhängig von seiner körperlichen Fitness gewesen. Sein Stellungsspiel war nie ganz optimal, aber das konnte er mit Zweikampfstärke und Einsatzbereitschaft lange Zeit ausgleichen. Dazu war er zu seinen besten Zeiten wie kaum ein anderer Sechser in der Lage, das Offensivspiel seiner Mannschaft anzukurbeln. Heute gibt es Spieler, die all diese Fähigkeiten vereinen und Frings inzwischen auch die körperliche Fitness voraus haben. Man muss Frings daraus keinen Vorwurf machen, diese Entwicklung ist normal und ließ sich seit etwa zwei Jahren bei ihm beobachten. Die Bayern hatten den Mut ihren Kapitän in der Winterpause gehen zu lassen, weil er nicht mehr den Anforderungen des Trainers genügte, doch die Bayern haben auch das Personal, ihn zu ersetzen (auch wenn hier einige Bayernfans bestimmt anderer Meinung sind). Bei Werder gibt es kaum eine Alternative zu Frings, solange Wesley verletzt ist.

Eigentlich müsste Schaaf nun die Reißleine ziehen und Frings auf die Bank setzen, doch zum einen wird er auf seinen verlängerten Arm auf den Platz nur dann verzichten wollen, wenn es (Achtung: Unwort!) alternativlos ist, und zum anderen bliebe ihm dann nur die Option, Clemens Fritz ins Mittelfeld zu stellen und auf Petri Pasanen (siehe unten) oder den in Ungnade gefallenen Dominik Schmidt als Rechtsverteidiger zu setzen. Felix Kroos würde die letzte freie Position in der Raute übernehmen und Werder hätte keine Alternativen mehr auf der Bank, solange Borowski, Jensen und Wesley nicht dabei sind. Bleibt also zu hoffen, dass Frings Energie zumindest noch reicht, um mit Werder am Saisonende nicht abzusteigen und er sich dann von selbst in eine Position im Werdermanagement verabschiedet. Der Abschied darf dann auch gerne so ausfallen, wie es sich bei einem Spieler mit seinen Verdiensten für den Verein gehört!

Petri Pasanen

Auch Petri Pasanen gehört zu der Kategorie “verdienter Spieler”, wenn er auch nie so richtig im Rampenlicht stand. Er war lange Zeit ein wertvoller Backup-Spieler, ein Defensivallrounder, auf den man sich verlassen konnte. Seine Aufgaben erfüllte er solide und wenn er denn mal auf seiner eigentlichen Lieblingsposition in der Innenverteidigung ran durfte, konnte man sehen, dass er dort eigentlich auch das Zeug zum Stammspieler hatte. So vergingen die Jahre, Pasanen kam regelmäßig auf über 20 Einsätze pro Saison und beide Seiten waren miteinander ganz zufrieden. Nun läuft der Vertrag aus und wird aller Voraussicht nach nicht verlängert. Im Sommer ist Pasanen sieben Jahre lang in Bremen, gemeinsam mit Daniel Jensen ist er der dienstälteste Spieler in Werders Reihen.

Zu häufig wurden Pasanen auf den Außenpositionen der Viererkette nun die Grenzen aufgezeigt, als dass sich noch jemand darüber freuen könnte, dass er dank seiner Vielseitigkeit überhaupt die Löcher im Kader einigermaßen stopfen kann. In der Innenverteidigung besteht trotz Naldos Verletzung kaum Bedarf, weil Schaaf lieber auf den jüngeren Prödl setzt. So sind es immer wieder die Positionen links oder rechts der Innenverteidiger, auf denen Pasanen spielen muss. Inzwischen haben immer mehr Mannschaften ihre kreativsten und individuell stärksten Spieler auf den Flügeln aufgestellt und spielen Systeme, bei denen von diesen Spielern mit die meiste Torgefahr ausgeht. Die Robbens und Riberys und Bales dieser Fußballwelt sind mit der Zeit einfach zu viel für ihn geworden. Am Samstag wurde er von der linken Mainzer Angriffsseite vorgeführt und musste zur Halbzeit raus.

Die Ansprüche an einen Notnagel sind nicht die höchsten, doch verlässlich muss er sein. Dem wird Pasanen nicht mehr vollständig gerecht. Ein Problemfall, der in den vergangenen Jahren wohl völlig untergegangen wäre. In dieser Saison kann Werder einen Leistungsabbau bei einem Ergänzungsspieler leider nicht kompensieren.

Sommerpause (Teil 3a): Personalplanung 2011 – Tor und Abwehr

Heute gibt’s den letzten Teil meiner Sommerpausen-Trilogie. Zur besseren Übersichtlichkeit habe ich zwei Posts daraus gemacht.

Tor:

Tim Wiese: Er ist die unangefochtene Nummer 1 bei Werder. Seine Leistungen sind beständig auf hohem bis sehr hohem Niveau. In den letzten beiden Jahren hat er sich vom „Reflexgott“ zu einem mitspielenden Torwart entwickelt und konsequent an seinen Schwächen gearbeitet. Gilt trotzdem als Torwart alter Schule und hat fußballerische Defizite sowie Probleme bei der Strafraumbeherrschung.

Christian Vander: Eine solide Nummer 2 – nicht mehr, nicht weniger. Hat die Wackler aus der Anfangszeit bei Werder weitgehend abgestellt. Übt jedoch keinen Druck auf Wiese als Nummer 1 aus. Momentan ist dies kein Problem, mittelfristig sollte Werder die Position überdenken.

Nachwuchs: Sebastian Miellitz (21) und Felix Wiedwald (20) stehen hinter den beiden etablierten Torhütern im zweiten Glied. Beide sammelten in der letzten Saison durch Verletzungen der Konkurrenten schon Erfahrungen im Spieltagskader der Profis. Miellitz kommt bereits auf drei Einsätze bei den Profis, doch in Wiedwald sehe ich (von den wenigen Eindrücken, die ich von beiden habe) das größere Potenzial. Langfristig wird sich höchstens einer von beiden bei Werder etablieren können. Ihr Ziel muss es zunächst sein, sich durch starke Leistungen in der U23 für die Profis zu empfehlen und die Position von Christian Vander anzugreifen. Fraglich, ob einer von beiden irgendwann Tim Wiese ersetzen kann.

Transfers: Im Tor sind keine Transfers geplant. Die vorhandenen Torhüter werden nicht abgegeben. Als einzigen möglichen Grund für eine Neuverpflichtung in letzter Minute könnte ich mir eine langfristige Verletzung von Tim Wiese vorstellen.

Abwehr:

Per Mertesacker: Gesetzt in der Innenverteidigung. Hat eine durchwachsene WM gespielt und auch seine letzte Saison war nicht die beste. Bei Fans und Trainer trotzdem unumstritten. Beeindruckt nach wie vor mit seiner Ruhe und Übersicht. Entgegen vieler Kritiken mit guter Spieleröffnung. Größte Schwäche ist seine fehlende Schnelligkeit, die er gerade bei der WM zu selten durch gutes Stellungsspiel wettmachen konnte. Stagniert etwas, allerdings auf hohem Niveau. Verbesserungspotenzial vor allem beim Antizipieren von Spielsituationen. Spekulationen um einen Wechsel zu Arsenal erteilte Klaus Allofs eine Absage.

Naldo: Hat zurück zu seiner Form gefunden. In der vergangenen Saison insgesamt der bessere der beiden Innenverteidiger. Trotz seiner Größe schneller als Mertesacker und technisch sehr beschlagen. Sein Offensivdrang ist Segen und Fluch zugleich, da Werder ohnehin sehr risikoreich spielt. Erzielte allerdings letzte Saison für einen Abwehrspieler sensationelle 13 Saisontore. Vom Gesamtpaket her einer der besten Innenverteidiger der Liga, mit leichtem Hang zu Unkonzentriertheiten. Leider seit Beginn der Sommerpause angeschlagen und mit großem Fragezeichen versehen, was seine Genesung angeht. Ein längerer Ausfall wäre für Werder ein herber Verlust.

Sebastian Prödl: Hat sich bei Werder bislang unter Wert verkauft. Ist nach wie vor ein großes Talent, musste jedoch immer wieder auf der rechten Außenbahn aushelfen, wo er Probleme hatte. In der Innenverteidigung kam er nur bei Ausfällen zum Einsatz und konnte dabei nicht immer überzeugen. Ähnlich kopfballstark wie Mertesacker und Naldo, dazu mit viel Dynamik und guter Antizipation. Für einen Stammplatz jedoch noch nicht beständig genug und unter normalen Bedingungen mit wenig Aussicht auf mehr Spielpraxis. Spielte eine gute Vorbereitung. Naldos Verletzung könnte seine Chance sein.

Petri Pasanen: Routinier und Defensivallrounder. In der letzten Rückrunde mal wieder solider Rückhalt auf der linken Abwehrseite. Seine Wunschposition ist jedoch die Innenverteidigung, wo er wegen der großen Konkurrenz aber nur selten eingesetzt wird. Hat sich mit seiner Rolle als Aushilfskraft arrangiert und kommt dank seiner Vielseitigkeit trotzdem regelmäßig zum Einsatz. Defensiv sehr solide und taktisch gut geschult. Auf der Außenbahn nach vorne eher zaghaft, wenn auch längst nicht so harmlos wie oft dargestellt. Hat zu Saisonbeginn einen kleinen Vorsprung vor Boenisch.

Clemens Fritz: Hat in der letzten Saison nach langer Schwächephase zurück in die Spur gefunden und zeigte als rechter Verteidiger überwiegend gute Leistungen. Vor allem defensiv verbessert. Offensiv noch mit Luft nach oben, gerade im Vergleich zu seiner ersten Saison bei Werder. Hat im aktuellen Kader keinen ernsthaften Konkurrenten um einen Stammplatz. Ist dazu mit den Innenverteidigern gut eingespielt. In der Vorbereitung sehr beständig.

Sebastian Boenisch: Nach einer ansprechenden Hinrunde in der letzten Saison nach seiner Verletzung nicht mehr richtig in Schwung gekommen. Noch immer sehr abhängig von seiner physischen Verfassung. Lauf-, Kopfball- und Zweikampfstark. Im Stellungsspiel verbessert, aber noch mit Defiziten. Wirkt gegen hochklassige Gegenspieler schnell überfordert. Muss in dieser Saison den Sprung vom soliden Linksverteidiger ins obere Bundesligadrittel schaffen, um seinen Stammplatz zu festigen. Bekommt womöglich neben Aushilfskraft Pasanen noch einen weiteren Konkurrenten vorgesetzt. Zudem in der Vorbereitung mit kleineren Verletzungsproblemen.

Nachwuchs: Niklas Andersen (21) kam bislang nicht über gelegentliche Kadernominierungen hinaus. In zwei Jahren kommt er auf nur einen Bundesligaeinsatz. In der U23 zeigt er ganz gute Leistungen, doch wenn nicht bald noch eine Leistungssteigerung kommt, dürfte der Zug zum Profikader abgefahren sein. Ähnliches gilt in noch stärkerem Maße für Dominik Schmidt (23). Er wird im Profikader geführt, hat aber kaum noch Chancen sich dort festzusetzen. Besser sieht es da schon für Timo Perthel (21) aus, der sich in der vergangenen Saison zum Linksverteidiger umschulen ließ und dort überzeugen konnte. Falls niemand mehr für die Position verpflichtet wird, könnte er hinter Boenisch zum festen Bestandteil des Profikaders werden.

Transfers: Bislang wurde kein Abwehrspieler verpflichtet. Der Kader ist auf den Außenbahnen jedoch etwas dünn besetzt. Testspieler Aldo Corzo aus Peru wurde nicht verpflichten, wohl auch, weil er für die U23 nicht spielberechtigt ist, was es erschwert hätte, ihm Spielpraxis zu geben. Gesucht wird vor allem ein Linksverteidiger, sei es für die Startelf oder um Boenisch Druck zu machen. Definitiv nicht verpflichtet wird Aymen Abdennour, der laut Allofs in der letzten Saison “verbrannt” wurde. Häufig genannte Namen waren Reto Ziegler, Pablo Armero und Nadir Belhadj, die jedoch allesamt aus dem Rennen sind. Der Brasilianer Rycharlyson (Sao Paolo) ist laut Allofs kein Thema, doch es gibt Gerüchte wonach er Werders Plan B ist. Bleibt die Frage: Wer ist Plan A?

Bereits erschienen:

Sommerpause (Teil 1): Der ganz normale Wahnsinn

Sommerpause (Teil 2): Die Systemfrage reloaded

Es folgt:

Sommerpause (Teil 3b): Personalplanung 2011 – Mittelfeld und Angriff

Finalfieber: Die Schlüsselduelle

Nachdem der Fokus gestern auf den möglichen taktischen Formationen lag, schauen wir uns heute die direkten Duelle der Partie an. Es gibt für mich drei Schlüsselduelle, die im wesentlichen den Ausgang dieses Spiels beeinflussen werden:

Petri Pasanen vs. Arjen Robben

Die rechte Seite mit Lahm und Robben ist das Prunkstück der Bayern. Robben ist seit seiner Ankunft zu Saisonbeginn der Star bei den Bayern. Nach ein paar gesundheitlichen Problemen ist er der Mann für die entscheidenden Spielsituationen und hat mit einem grandiosen Solo für den Finaleinzug gegen Schalke gesorgt. Mit 16 Saisontoren war er als nominell rechter Mittelfeldspieler genau so erfolgreich, wie Werders Claudio Pizarro. Robbens Torgefahr geht von seinem starken linken Fuß aus. Er zieht von der Außenbahn nach innen, verwendet dabei fast immer den gleichen Trick, der erstaunlicherweise jedes Mal wieder funktioniert. Beim Torabschluss hat er aus dieser Position alle Möglichkeiten und die nötige Schusstechnik, diese auch auszuschöpfen.

Petri Pasanen ist ein erfahrener, routinierter und abgeklärter Spieler. Er hat es in seinen fünf Jahren bei Werder nicht längerfristig zum Stammspieler geschafft, kommt aufgrund seiner vielseitigen Einsetzbarkeit und Verlässlichkeit jedoch regelmäßig zu seinen Einsätzen. In der Rückrunde kam er nach Boenischs Verletzung und Abdennours Wacklern in die Startformation und spielt seit dem einen soliden Part auf der linken Seite der Viererkette. Pasanen ist kein gelernter linker Verteidiger, ist im Spiel nach vorne limitiert und hat als Rechtsfuß auch wenige Optionen beim flanken. Er ist nicht der schnellste, geht auch deshalb wenige Risiken nach vorne ein und verfügt über ein starkes Stellungsspiel.

Auf dem Papier ist Arjen Robben durch seine Technik und Schnelligkeit in diesem Duell klar überlegen. Pasanen hat jedoch einen wichtigen Vorteil: Als Rechtsfuß fällt es ihm leichter, Robben an seinen Sololäufen in die Mitte zu hindern. Er lässt sich nicht auf Spielereien ein und beschränkt sich auf das Wesentliche. Sicherlich wird Pasanen die von Robben ausgehende Gefahr nicht komplett neutralisieren können, doch wenn er einen guten Tag hat, kann er sie vielleicht so weit eindämmen, dass Robben wesentlich weniger Chancen bekommt, als im letzten Aufeinandertreffen der Mannschaften, wo Robben dem überforderten Abdennour Knoten in die Beine dribbelte.

Torsten Frings vs. Thomas Müller

Thomas Müller ist der Shooting-Star der Saison beim Rekordmeister. Er zeigt für einen so jungen Spieler eine ungewöhnliche Abgeklärtheit und nutzt den Platz zwischen Viererkette und Mittelfeld des Gegners clever aus. Er ist weder ein richtiger Stürmer, noch ein Mittelfeldspieler und so für seine Gegenspieler schwer auszurechnen. Im Gegensatz zu Werders jungen Offensivspielern bewegt sich Müller auch bei Ballbesitz des Gegners sehr gut, stellt Passwege zu und setzt die defensiven Mittelfeldspieler unter Druck. Dazu ist er ein guter Vollstrecker, der vor dem Tor die Übersicht behält. Diese außergewöhnliche Kombination hat ihn nicht nur bei den Bayern trotz starker Konkurrenz zum unumstrittenen Stammspieler gemacht, sondern auch zu einem Platz im WM-Kader von Joachim Löw verholfen.

Torsten Frings wurde von vielen schon zum alten Eisen gezählt. Nach einer insgesamt schwachen Vorsaison bekam der Bremer Kapitän seine neue Rolle als Baumann-Nachfolger immer besser in den Griff. Im Winter sortierte ihn Löw endgültig aus dem Kreis der Nationalmannschaft aus und Frings reagierte endlich mit der lange erhofften Leistungssteigerung. In der Schlussphase der Saison erreichte Frings seine Topform und zählt so wieder zu den besten defensiven Mittelfeldspielern der Liga. Mit dem starken Newcomer Bargfrede an seiner Seite prägt er den Spielaufbau seiner Mannschaft und hat auch zum sicheren und überlegten Passspiel zurückgefunden. Daneben machen ihn seine Zweikampfstärke und sein nie enden wollender Kampfgeist für das Team äußerst wertvoll.

In der Grundformation treffen Frings und Müller nicht unmittelbar aufeinander. Zwar wird Frings sicher den einen oder anderen Zweikampf mit Müller suchen, wenn dieser sich zurückfallen lässt, doch in erster Linie werden sie es wohl bei Ballbesitz des Bremer Kapitäns miteinander zu tun bekommen. Frings größte Schwäche ist das schnelle Kombinationsspiel. Er nimmt die Bälle, die von den Innenverteidigern zu ihm geleitet werden, in der Regel erst an, schaut sich um und leitet sie erst dann weiter. Wird er sofort unter Druck gesetzt, geht er schon mal ins Dribbling oder versucht, einen Freistoß herauszuholen. Darunter leidet dann Werders Aufbauspiel. Thomas Müller hat genau hier seine Stärke. Frings ist daher auf seinen Nebenmann Phillipp Bargfrede angewiesen, der ihn entlasten und so die Gefahr durch Müllers frühes Stören abmildern kann.

Mesut Özil vs. Mark Van Bommel

Mark Van Bommel gilt bei den gegnerischen Fans vor allem als unfairer Spieler, der gerne mal über die Strenge schlägt. Es lässt sich schwer abstreiten, dass seine Spielweise hart ist und die Grenzen des Fair Plays mitunter überschreitet. Dazu ist er auch sehr geschickt darin, gegnerischen Spielern zu Karten zu “verhelfen”. Es wäre jedoch sehr kurz gedacht, ihn auf diese Eigenschaften zu beschränken. Ähnlich wie Frings bei Werder ist Van Bommel ein unermüdlicher Antreiber, der nie aufgibt und seiner Mannschaft als gutes Vorbild voran geht. Mit Schweinsteiger hat er nun wieder einen spielstarken Nebenmann, der seine Mankos in der Offensive überdeckt. In Van Gaals System muss er das Spiel nicht gestalten, sondern die Bälle in erster Linie auf die Außenpositionen verteilen. In der Defensive kommen seine Stärken dagegen voll zum Vorschein. Als Ausputzer vor der Viererkette spielt er seine vielleicht beste Saison bei den Bayern und macht seinen Gegenspielern das Leben schwer.

Mesut Özil trat in der Hinrunde endgültig aus Diegos Schatten. Gemeinsam mit Marin und Hunt machte er den brasilianischen Spielmacher vergessen. Seine brillante Technik und die Fähigkeit, den entscheidenden Pass in die Spitze zu spielen, machten ihn auch zum Hoffnungsträger der Nationalmannschaft. Dazu zeigte er sich auch im Torabschluss verbessert und traf regelmäßig selbst. Im Winter folgte dann jedoch ein Leistungseinbruch, der wahlweise auf sein Privatleben, die andauernden Vertragsverhandlungen oder seine körperliche Fitness geschoben wurde. Thomas Schaaf hielt jedoch an seinem Spiegestalter fest, gönnte ihm einige frühe Auswechslungen und hat so großen Anteil daran, dass Özil nun schon seit einigen Monaten aufsteigende Form zeigt. Zum Saisonende wirkt er wieder so dominant, wie über weite Strecken der Hinrunde und könnte im Pokalfinale wieder zum entscheidenden Mann werden.

Özil lässt sich noch zu leicht die Spielfreude nehmen, wenn seine Gegenspieler ihm wenig Freiräume lassen und er kaum Ballbesitz hat. Gegen Schalke zeigte er jedoch, dass er dazugelernt hat und auch auf seine Chance warten kann, ohne das nötige Selbstvertrauen zu verlieren. Die hängenden Schultern, die seine Resignation signalisieren, sind seltener geworden. Gegen die Bayern könnte er den nächsten Schritt in diese Richtung machen. Der Defensivverbund aus Van Bommel und Schweinsteiger ist der beste der Liga und wird ihm alles abverlangen. Besonders der Niederländer wird ihn mit allen legalen und halblegalen Mitteln bearbeiten, um ihm die Lust am Fußballspielen zu nehmen. Kann Özil diesem Druck standhalten?

Selbstverständlich gibt es daneben noch weitere Duelle, die das Spiel entscheiden könnten, vor allem, wenn die oben genannten keine klaren Sieger aufweisen. Olic bereitet Mertesacker schon seit Jahren Kopfschmerzen, Pizarro und Almeida sind im Verbund nur schwer zu stoppen und dann gibt es ja auch noch Ribery, der in seinem einzigen Finale sicher groß aufspielen will. Und nicht zuletzt hätten wir dann noch das Torhüterduell: Auf der einen Seite Jogi Löws neue Nummer 3 – und auf der anderen Seite Jörg Butt…

DFB-Pokal Viertelfinale: Wer braucht Petric, wenn er Petri hat?

Wolfsburg – Werder 2:5.

Was für ein Auftakt, was für ein Ende. Werder hat mit 5:2 bei der bislang besten Rückrundenmannschaft der Bundesliga gewonnen und sich für das Pokalhalbfinale qualifiziert. In einem sehr offensiv geführten Spiel nutzte Werder seine Chancen wesentlich besser als zuletzt und ließ sich wie schon gegen Milan und Bayern von Negativerlebnissen nicht zurückwerfen. Vor ein paar Wochen sah das noch ganz anders aus, was ich als Zeichen mangelnder Führung auf dem Platz auslegte. Die Leistungen der letzten drei Spiele (und des Hinspiels gegen Milan) kamen natürlich vor allem durch ein mannschaftlich geschlossenes Auftreten zustande. Doch ein Spieler stach dabei besonders heraus, in dem er Verantwortung übernahm und die Einstellung vorlebte, die letztendlich entscheidend für die guten Ergebnisse war: Diego.

Wie oft war er in der Winterpause kritisiert worden (da will ich mich gar nicht ausnehmen). Die Zahl der Fans, die ihn im Januar für einen Sack voller Geld dankend abgegeben hätten, war nicht klein. Er wurde abfällig als Diva und Popstar bezeichnet, der Werder nicht mehr weiterhelfen könne und durch sein Verhalten neben dem Platz sowieso nur seinen Abgang provozieren wolle. Diese Kritik scheint sich Diego zu Herzen genommen zu haben. Neben dem auch durch sein Fehlen begünstigten, verpatzten Rückrundenstart war das wohl der Auslöser für seinen erkennbaren Motivationsschub. Seit seiner Rückkehr kämpft er wieder um jeden Ball, zaubert vorne, schlägt tolle Pässe, hilft auch defensiv aus. So kann man die eine oder andere Pirouette zuviel leicht verschmerzen (vor allem, wenn er im Anschluss so ein großartiges Tor schießt, wie gegen Wolfsburg).

Es gibt noch einen weiteren Spieler, der in den genannten Spielen einen großen Unterschied gemacht hat. Einen Spieler, der nach einer guten Saison 07/08 schon wieder in der Versenkung verschwunden war. Der es trotz Formschwäche bei Clemens Fritz und den anhaltenden Problemen auf der linken Abwehrseite nur noch selten in die Mannschaft schaffte. Die Rede ist natürlich von Petri Pasanen. In der letzten Saison war er die Bestbesetzung für die schwache linke Abwehrseite. Als gelernter Innenverteidiger sorgte er dort für Stabilität. Seine beschränkten Fähigkeiten im Offensivspiel konnte man verschmerzen, galt er doch als Übergangslösung, bis die eigentlichen Linksverteidiger Wome, Tosic und Boenisch wieder fit sind bzw. ihre Form wiederfinden (oder zumindest ihr Förmchen).

Warum es in dieser Saison, in der die Abwehr keineswegs stabiler ist, nicht so recht laufen wollte, lässt sich schwer sagen. Zu Beginn der Saison, als Schaaf auf die vielen Gegentore reagierte, indem er vier gelernte Innenverteidiger in die Abwehrkette stellte, zeigte Pasanen ungewohnte Schwächen. Er verlor mehr Zweikämpfe, als man es von ihm gewohnt war. Plötzlich war er nicht mehr der Notnagel, der im Problemfall auf jeder Position der Viererkette aushelfen konnte und sich deshalb wenig Sorgen um seine Einsatzzeiten machen musste. Erst 11 Spiele hat Pasenen in dieser Bundesligasaison für Werder bestritten. Nach den letzten Auftritten dürften jedoch noch einige hinzu kommen.

Während Naldo und inzwischen leider auch Per Mertesacker gelegentlich wackeln, hat Pasanen zu seinen alten Stärken zurückgefunden: Durch gutes Stellungsspiel, Zweikampfstärke und eine gehörige Portion Coolness verstärkt er die Werderabwehr und ist wieder da, wenn er gebraucht wird. Als Naldo sich gestern in der zweiten Halbzeit bei einem hohen Ball verschätzte und Pasanen mit einer kompromisslosen Grätsche reparierte, konnte man sehen, was diesen Spieler wertvoll macht. Wie auch gegen die Bayern, wo er nach Naldos roter Karte in die Innenverteidigung rückte und ein tolles Spiel ablieferte.

Im nächsten Spiel gegen Hoffenheim wird Clemens Fritz ausfallen, so dass Petri seinen Platz in der Startelf sicher haben dürfte. Doch auch wenn alle Spieler an Bord sind, ist er endlich wieder eine gute Alternative, wenn nicht sogar erste Wahl.