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Mit welcher Taktik gegen die Bayern?

Louis Van Gaals Positionsspiel ist in der Rückrunde dieser Saison mit viel Lob bedacht worden. Thomas Schaaf erwies sich beim 2:0 Auswärtssieg auf Schalke als begabter Taktiker. Mit den Van Gaals Bayern wird ihm nun die auch aus taktischer Sicht größte Hürde dieser Saison vorgesetzt. Im Januar holte man sich bereits eine derbe Abreibung und der Gegner ist seit dem noch besser geworden. Werder zum Glück auch. Was kann man tun, damit es am Samstag besser aussieht? Ist der Meister überhaupt schlagbar? Ich wage mal eine Vorausschau auf Thomas Schaafs Optionen. Zunächst aber ein Blick auf den Gegner.

Die Formation der Bayern (4-4-1-1 / 4-2-4):

Bayern spielt unter Van Gaal meistens in einer 4-4-1-1 Grundformation. Den beiden defensiven Mittelfeldspielern kommt dabei die größte Bedeutung zu: Van Bommel und Schweinsteiger sollen einerseits ihre nicht immer sichere Hintermannschaft vor zu viel Druck des Gegners bewahren und andererseits bei Ballbesitz in der Mitte immer anspielbar sein, um die Bälle auf die Flügel zu verteilen. Auf den Außenpositionen ist für Van Gaal neben den Fähigkeiten der Spieler auch deren starker Fuß relevant für die Aufstellung: Im Mittelfeld spielen die Außen auf ihrer „falschen“ Seite (Ribery ist beidfüßig), damit sie nach innen ziehen und den Torabschluss suchen können. Die Außenverteidiger stehen dagegen auf ihrer „richtigen“ Seite (deshalb hat Rechtsfuß Lahm die Seite gewechselt), damit sie von ihrer Seite aus Flanken schlagen und bei Bedarf den Mittelfeldspieler hinterlaufen und zur Grundlinie durchgehen können. Letzteres passiert jedoch selten, bzw. nur dann, wenn der Gegner deutlich schwächer ist und man sich wenig Sorgen um die Defensive machen muss.

Die Angriffe werden größtenteils über die Außen eingeleitet, durch die Mitte entwickelt Bayern wenig Torgefahr. Das Zentrum dient als Verteilerzentrale. Dort werden die Bälle hingespielt, wenn es auf einer Seite zu eng wird, um dann wieder Robben und Ribery ins Spiel zu bringen. Die Beiden agieren dabei fast wie klassische Außenstürmer, arbeiten nur wenig nach hinten und können sich ganz auf ihre Angriffe konzentrieren. Sie stehen im Vergleich zu Außenstürmern in einem 4-3-3 jedoch etwas tiefer, bekommen den Ball am liebsten an der Mittellinie, um dann mit Tempo auf die Außenverteidiger zugehen zu können. Neben den starken zentralen Mittelfeldspielern ist Thomas Müller der Garant dafür, dass diese Taktik nicht nach hinten losgeht. Er spielt eine Art hängende Spitze und geht bei Ballverlusten aggressiv auf die defensiven Mittelfeldspieler drauf, um deren Aufbauspiel zu unterbinden. Olic geht in der Spitze weite und manchmal ungewöhnliche Wege, wird für sein Spekulieren aber auch häufig belohnt (etwa im Hinspiel gegen Manchester). Bei Ballbesitz wird aus dem 4-4-1-1 quasi ein 4-2-4, das den Gegner schnell überrollen kann, wenn er nicht aufpasst.

Die Schwächen der Bayern sehe ich zum einen in der insgesamt wenig meisterlichen Abwehr. Diese Schwäche tritt nur selten zum Vorschein, weil Schweinsteiger und Van Bommel eine überragende Saison spielen. Durch die Mitte ist es daher schwierig, den Bayern beizukommen. Schafft es ein Gegner jedoch, den Platz hinter Robben und Ribery auszunutzen und von dort ausgehend Druck auf die Viererkette auszuüben, sind die Bayern zu knacken. Demichelis ist immer mal wieder für einen Fehler gut und Van Buyten etwas hüftsteif. Dazu kommt eine suboptimale Besetzung der linken Abwehrseite. Badstuber spielt dort sehr solide, es ist aber nicht seine Idealposition. Contento und Alaba sind beide talentiert, doch noch etwas grün hinter den Ohren.

Zum anderen ist man in der Offensive noch sehr auf Geniestreiche einzelner Spieler angewiesen. Gegen tief stehende Gegner fehlt es häufig noch an den Mitteln, diese durch Kombinationsspiel zu knacken. Allerdings zeigen sich die Bayern in dieser Hinsicht in der Rückrunde verbessert und können sich – zu unserem Leidwesen – darauf verlassen, dass ihre Starspieler regelmäßig durch geniale Einzelaktionen Spiele entscheiden.

Nun werfen wir einen Blick auf die drei taktischen Formationen, die Schaaf in dieser Saison hat spielen lassen:

Die Standardvariante (4-2-3-1):

Werder - Bayern (4-2-3-1)

Werder - Bayern (4-2-3-1)

So hat Werder den Großteil dieser Saison gespielt. Vor der Viererkette bilden Frings und Bargfrede das defensive Mittelfeld. Marin, Özil und Hunt kümmern sich in erster Linie um das Herausspielen von Chancen, tauschen immer wieder die Positionen und versuchen sich an direkte Kombinationen. Nach hinten arbeiten die drei wenig, stehen zudem durch ihr Durchrotieren bei Ballverlusten häufig unsortiert. An guten Tagen kann Werder so jeden Gegner vor Probleme stellen, an schlechten gelingt ihnen wenig und die defensive Fragilität schlägt voll durch.

Gegen die Bayern müssen Frings und Bargfrede in dieser Formation schnell und zielgerichtet verschieben, um den Außenverteidigern gegen Ribery und Robben zu helfen. Hunt und Marin haben (im Wechsel mit Özil) die Aufgabe, über die Flügel anzugreifen und die Außenverteidiger unter Druck zu setzen.

Vorteile:

  • Offensivpower: Insgesamt vier Spieler, die Chancen herausspielen und auch selbst vollstrecken können.
  • Spielerische Stärke: Haben Marin, Özil und Hunt einen guten Tag, wird es auch für die Bayern schwer, sie zu stoppen.

Nachteile:

  • Hohes Risiko: Drei Spieler vernachlässigen die Defensivarbeit und halten zudem nicht ihre Position.
  • Unterzahlspiel: Özil bindet einen defensiven Mittelfeldspieler, der andere kann sich in die Offensive einschalten. Frings und Bargfrede müssen zwischen drei Gegenspielern verschieben, was zwangsläufig zu Lücken führt.
  • Isolation: Marin, Hunt und Özil neigen dazu, sich in Einzelaktionen zu verstricken, wenn ihnen die Räume für ihr Kombinationsspiel fehlen.

Fazit: So hat Werder im Januar von den Bayern eine Lektion erteilt bekommen. Ohne Bargfrede und Pizarro sowie mit dem überforderten Neuling Abdennour rannte man ins offene Messer. Die Bayern konterten nach Belieben. Das 2:3 war aus Werdersicht äußerst glücklich. Das Risiko bestünde auch im Pokalfinale, trotz besserer Besetzung. Schaaf gilt nun wirklich nicht als risikoscheu, aber ich glaube nicht, dass er von Beginn an mit Özil, Hunt und Marin spielen lässt.

Die Alternative (4-4-1-1):

Werder - Bayern (4-4-1-1)

Werder - Bayern (4-4-1-1)

So spielt Werder meistens nicht von Beginn an, sondern stellt im Laufe des Spiels um. Fast immer ist Hugo Almeidas Einwechslung damit verbunden. Er gibt dann die Sturmspitze, während Pizarro sich fallenlässt und noch mehr am Spielaufbau teilnimmt. Einen zentralen offensiven Mittelfeldspieler gibt es nicht. Auf dem Papier ist diese Formation so wie die der Bayern. Der Unterschied besteht jedoch zum einen in der unterschiedlichen Spielweise von Pizarro und Müller (Ballverteiler vs. Balleroberer) und zum anderen werden bei Werder die Außenpositionen im Mittelfeld weit weniger konsequent gehalten.

Für die Position der hängenden Spitze braucht es einen technisch guten und intelligenten Spieler. Pizarro ist beides und dazu noch gut genug, auch von dieser Position Torgefahr auszustrahlen. Almeida wird je nach Spielsituation hoch angespielt, um die Bälle per Kopf zurückzulegen, oder lang geschickt, um den direkten Torabschluss zu suchen. Schaaf hat diese Formation sowohl bei Rückständen als auch bei knappen Führungen spielen lassen (z.B. im Pokal gegen Hoffenheim). Auffällig ist dabei, dass sie häufig während Mesut Özils Formschwäche gewählt wurde und er der Spieler war, der gegen Almeida getauscht wurde.

Vorteile:

  • Zweiter Stürmer: Auch wenn sich Pizarro fallen lässt, bindet Almeida immer mindestens einen Innenverteidiger.
  • Druck auf Bayerns Abwehr: Zwei große und Kopfballstarke Spieler in der Mitte und dazu zwei technisch gute Spieler auf den Flügeln.

Nachteile:

  • Risiko auf den Außen: Frings und Bargfrede müssen auch hier zum Doppeln auf die Außenbahnen verschieben.
  • Offener Schlagabtausch: Werders offensive Mittelfeldspieler müssen die gleiche Torgefahr über die Außen entwickeln, wie auf der anderen Seite Ribery und Robben, um das Risiko auszugleichen.
  • Kein Platz für Özil: Er müsste hier auf dem linken oder rechten Flügel spielen. Kann er zwar, aber seine beste Position ist und bleibt zentral hinter den Spitzen (hab ich vor der Saison noch völlig anders gesehen).

Fazit: Es gibt eigentlich keine Veranlassung, diese Formation zu spielen. Bayern ist über die Außen deutlich stärker als Werder und auf Özils Stärke in der Mitte sollte man nicht freiwillig verzichten. Trotz eines überragenden Van Bommels und eines überragenden Schweinsteigers auf der Gegenseite. Im Mittelfeld hat man keine echten Flügelspieler, die auch Defensivqualitäten haben (es sei denn, man versucht etwas völlig unorthodoxes mit Boenisch und Fritz im Mittelfeld).

Back to the roots (4-3-1-2):

Werder - Bayern (4-3-1-2)

Werder - Bayern (4-3-1-2)

Im wichtigen Auswärtsspiel gegen Schalke kehrte Werder überraschend zu Raute im Mittelfeld zurück. Viele Jahre lang hatte Werder zuvor mit dieser Formation erfolgreich gespielt. Die taktische Ausrichtung und die Interpretation der einzelnen Positionen war gegen Schalke allerdings deutlich anders. Mit Schaafs flüssigem System der ständigen Positionswechsel im Mittelfeld hatte es nur wenig zu tun. Drei defensiv ausgerichtete Mittelfeldspieler spielten fast auf einer Höhe, während Özil als offensiver Mittelfeldspieler nicht den klassischen Spielmacher gab, sondern sich weit nach vorne orientierte. Werder setzte nicht wie gewohnt auf schnelles Kombinationsspiel, sondern auf den Aufbau über den 6er und lange Bälle in die Spitze. In der Defensive hat Werder so fast immer sieben Spieler hinter dem Ball und verzichtet dafür darauf, das Spielfeld für den Gegner durch weites Aufrücken klein zu machen.

Gegen Schalke hat diese Taktik gut funktioniert, weil so die Gefahr über die Flügel eingedämmt werden konnte und Schalke nicht sonderlich gut durch die Mitte kombinieren kann. Gegen den HSV sah es eine Woche später schon nicht mehr so gut aus. Almeida hatte ein schwaches Spiel und trotz Bargfredes starker Leistung baute man aus dem Mittelfeld zu wenig Druck auf. Ein Pokalfinale gegen die Bayern ist aber etwas anderes als ein Heimspiel in der Liga. Dort muss Werder das Spiel nicht machen, ähnich wie auf Schalke.

Das Schalker Spiel war sehr rechtslastig, das ist bei den Bayern trotz Robben nicht unbedingt so. Dennoch wird es Werders schwierigste Aufgabe sein, ihn zu stoppen. Er könnte Petri Pasanen bei aller Qualität mehr liegen, als Schalkes Farfan. Als Rechtsfuß kann er den Zug zum Tor des Linksfußes Robbens besser stoppen, als die Flankenläufe von Rechtsfuß Farfan. Die Unterstützung eines defensiven Mittelfeldspielers wird er aber dennoch benötigen, genau wie Fritz auf der anderen Seite gegen Ribery. Von daher scheint mir die Formation mit drei eher defensiven Mittelfeldspielern gegen die Bayern am vielversprechendsten, zumal so auch Vorstöße durch Schweinsteiger Werder nicht in Unterzahl im defensiven Mittelfeld bringen. So ungern ich vorne auch auf die Kreativität von Marin und Hunt verzichte – können wir uns wirklich zwei oder drei defensivschwache Spieler gegen die Bayern leisten?

Vorteile:

  • Wenig Platz für den Gegner: Bayern wird es schwer haben, eine Lücke zu finden und ist mehr auf Einzelaktionen angewiesen.
  • Druck auf die Außen: Gegen Schalke hat das super geklappt. Auch die Bayern müssen in erster Linie auf den Außen gestoppt werden.
  • Zweiter Stürmer: Bindet die Innenverteidiger und kann lange, hohe Bälle von Frings verwerten.

Nachteile:

  • Wenig Kreativität: Özil wird wieder lange in der Luft hängen und auf seine Chancen warten müssen. Nicht so schön anzusehen.
  • Platz für den Gegner im Mittelfeld: Da auf hohes Pressing verzichtet wird, steht man zwar 25-30 Meter vor dem Tor sehr kompakt, doch dafür gibt man den Bayern Platz im Mittelfeld.
  • Probleme bei Rückstand: Bei einem Rückstand wäre die Taktik zwar nicht über den Haufen geworfen, doch es dürfte schwierig werden, so eine Vielzahl an Torchancen herauszuspielen. Marin lässt sich kaum in die Raute einbinden.

Fazit: Der Überraschungseffekt ist weg, doch trotzdem kann mit dieser Formation das Spiel der Bayern am besten negiert werden. Ein offener Schlagabtausch sollte in Bayerns momentaner Verfassung besser vermieden werden. Durch die Mitte sind die Bayern nicht so gefährlich, dass man dort aggressives Pressing spielen muss. Zur Not kann man später immer noch umstellen und einen ausgeruhten Marin oder einen genialen Passgeber Jensen für die Schlussphase bringen.

Ich bin mir recht sicher, dass Schaaf bei seiner Erfolgsformation der letzten beiden Spiele bleibt. Gibt es noch weitere Alternativen, die hier vernachlässigt wurden? Ein 4-3-3? Die Rückkehr des Liberos? Ein Riegel nach Mourinhos Vorbild? Am Samstag sind wir schlauer.

Pokalfinale – Ein modernes Märchen

The Wizard of Öz

von L. Frank Baumann

Es war einmal ein Fußballmanager namens Klaus Dorothy Allofs, der lebte im beschaulichen Bremen. Eines Tages wurde er gemeinsam mit seinem treuen Schaaf Toto von einem Tornado ins ferne Berlin geschleudert. Sie landeten auf einer grünen Wiese, mit Werbebanden und Tribünen ringsum. Klaus schaute sein Schaaf ängstlich an und sagte: “Toto, ich habe das seltsame Gefühl, dass wir nicht mehr im Weserstadion sind.”

Nachdem sie sich eine Weile in der unbekannten Umgebung umgeschaut hatten, bemerkten die beiden, dass sie bei ihrer Landung den bösen Franck getroffen und unter sich begraben hatten, der gerade dabei gewesen war, seine neuen gesponserten Schuhe einzulaufen. “Das sind ein paar schöne Schuhe”, sagte Klaus mit Blick auf die roten Adidas-Treter. “Ich werde sie mitnehmen, vielleicht können sie uns noch nützlich sein.” In tausenden Kilometern Entfernung explodierte zur selben Zeit ein Nike-Manager. “Klaus, wie kommen wir nun wieder nach Hause?” fragte Toto besorgt.

“Das ist ganz einfach!” ertönte eine Stimme aus dem Hintergrund. Toto und Klaus drehten sich um. Hinter ihnen stand eine Gruppe kleiner Männchen mit lustigen Frisuren. “Ihr müsst nur den guten Zauberer Van Gaal finden. Der wird euch den Weg weisen.” – “Wer seid ihr?” fragte Klaus. Solch seltsame Kreaturen hatte er noch nie gesehen. “Wir sind die Bayern Munchkins”, sagte eines der Männchen. “Na, das ist ja ‘n dolles Ding. Aber wie sollen wir den Zauberer finden?” fragte Toto. “Folgt einfach der weißen Mittellinie hier. Sie führt euch direkt zu seiner Kabine.” – “So ein Quatsch”, sagte ein anderes der Männchen, das lustige Bommel am Kopf hängen hatte. “Der Spielertunnel ist in Berlin doch hinter dem Tor!” – “Ach ja, ganz vergessen.” – “Aber passt auf, dort begegnet ihr Uli, der bösen Hexe des Südens.”

“Komisches Völkchen”, sagte Klaus beim Weitergehen. “Das muss ja ein schäbiger Zauberer sein, der in einer Kabine haust. Doch wie sollen wir nun zu ihm gelangen, ohne dass uns die böse Hexe sieht?” Schaaf Toto hatte eine Idee: “Wir können ja robben!” – “Blödsinn, dann sind wir doch viel zu lahm!” Während die beiden diskutierten begegneten sie plötzlich einer weiteren Gruppe Männchen. Auch sie sahen merkwürdig aus, wenn auch ganz anders als die Bayern Munchkins. “Und wer seid ihr nun wieder?” fragte Klaus genervt. “Ich bin der ängstliche Mesut”, sagte der erste. “Ich brauche ganz dringend mehr Mut!” Der zweite sprach: “Ich bin der hölzerne Hugo. Ich brauche ganz dringend mehr Verstand!” Und der dritte sprach: “Ich bin der Zauberzwerg Marko. Ich brauche ganz dringend ein Herz.” Klaus überlegte kurz. “Na, dann kommt mal mit”, sagte er schließlich und ließ sie Verträge mit drei Jahren Laufzeit und einer Option auf ein weiteres Jahr bei vernünftigem Grundgehalt und ganz passablen Erfolgsprämien unterzeichnen.

Gemeinsam erreichten sie nach kurzer Zeit den Spielertunnel. Dort wartete auch schon Ulis Leibwächter, der geflügelte Affe Kalle, auf sie und griff sie unter abscheulichem Krächzen an. “Ach deshalb sagt man auch ‘Abteilung Attacke'”, dachte Klaus und schaltete ihn mit einem gezielten Kinnhaken aus. Da kam Uli, die böse Hexe des Südens aus ihrem Versteck. Sie lachte schauerlich und sprach: “Ach, ihr kleinen Bremer. Was wollt denn ihr gegen mein Weißwurstimperium ausrichten? Wie wär’s, wenn ich euch den ängstlichen Mesut wegnehme?” Klaus und Toto platzten fast vor Wut, griffen zu Weißbiergläsern, die ihnen von dämlich grinsenden Hostessen in schlecht sitzenden Dirndln gereicht wurden, und kippten sie der Hexe über den Kopf. Uli schrie auf, zappelte, kreischte und zerschmolz schließlich zu einer kleinen Pfütze, die sofort von aufmerksamen Stadionmitarbeitern aufgewischt wurde.

Da trat der Zauberer Van Gaal aus dem Schatten. Er war riesig und sprach mit donnernder Stimme: “Danke, dass Sie mich von der bösen Hexe befreit haben. Zum Dank erkläre ich Toto nun mein Erfolgsgeheimnis.” Er winkte das Schaaf zu sich rüber, verschwand mit ihm in der Umkleidekabine und mehrere Stunden vergingen. Schließlich kam Toto zurück zur Gruppe. “Pah!” sagte er. “Der kocht auch nur mit Wasser. Alles ganz simpel, kleines Fußball-Einmaleins. Von wegen Zauberer. Hinter dem Vorhang ist der sooo klein mit Hut.” Die anderen guckten ungläubig, doch Toto sprach weiter: “Ich weiß jetzt auch, wie ihr eure Probleme lösen könnt. Mesut, du trägst den Mut in dir. Entferne einfach das ‘es’ aus deinem Namen! Hugo, du hast eine linke Klebe wie ein Pferd, aber du musst auch mal schauen, wo der Torwart steht und dann einfach dran vorbei schieben. Du trägst den Verstand in dir, du musst ihn nur nutzen. Und Marko, was soll das Gefasel von wegen Herz? Du hast genug Herz für eine ganze Fußballmannschaft. Geh einfach weiter so ins Eins gegen Eins und lass dich nicht so schnell fallen. Und jetzt geht’s raus und spuilt’s!”

Alle guckten verblüfft. Toto hatte recht. Warum waren sie da nicht selbst drauf gekommen? “Bravo”, sprach der Zauberer, der die ganze Zeit zugesehen hatte und klatschte begeisterten Applaus. “Gut gemacht, Toto. Als Belohnung für eure Heldentaten gebe ich euch dieses wertlose Trinkgefäß. Es steht bei uns nur rum und verstaubt. Wir müssen bis nächste Woche Platz schaffen für ein noch größeres. Und nun zeige ich euch, wie ihr nach Hause kommt: Immer die A2 runter bis kurz vor Hannover. Dann auf die A7 und am Dreieck Walsrode schließlich auf die A27. Könnt ihr gar nicht viel falsch machen.” Der Zauberer und die Bayern Munchkins winkten zum Abschied. “Das muss auch einfacher gehen”, dachte Allofs und kramte die roten Schuhe hervor. “In Bremen, in Bremen, da lässt sich’s gut leben. There’s no place like home”, sagte er und plötzlich, ganz unvermittelt, standen die Gefährten auf dem Bremer Rathausbalkon, vor dem schon eine in Grün-Weiß gekleidete Menschenmenge wartete, um die Helden aus dem fernen Berlin Willkommen zu heißen. Stolz präsentierten Toto und seine Jungs den prächtigen Pokal. Klaus hingegen lächelte verschmitzt und dachte: “Das war ja einfacher als erwartet.”