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3 Fragen zum FC Bayern

Wie angekündigt möchte ich in der Rückrunde wieder vor jedem Bundesligaspiel ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners führen. Vor dem Spiel gegen die Bayern hat mir probek drei Fragen zu seinem Lieblingsverein beantwortet:

Transfers in der Winterpause sind nichts besonderes. Den Kapitän zwischen dem 19. und dem 20. Spieltag zum AC Milan zu verkaufen ist dagegen sehr außergewöhnlich. Wie stehst du zu van Bommels Wechsel und welche Auswirkungen hat er deiner Meinung nach auf das Mannschaftsgefüge?

Wie ich dazu stehe? Ich hätte Mark einen besseren Abschied gewünscht, der in einer perfekteren Welt erst zum Ende der Saison (oder gar noch später) gekommen wäre. Aber: so läuft’s Business, wenn dein Vertrag ausläuft, die komplette Vereinsführung seit längerem die Zukunft offensichtlich ohne dich plant und dir mit den Transfers von Tymoschtschuk und später Gustavo auch sehr deutlich zu verstehen gibt, dass sie nach Alternativen bzw. Nachfolgern sucht. Dann gehste halt mal ein halbes Jahr eher, zu einem auch nicht so schlechten Verein. Dass jetzt allein van Gaal derjenige gewesen sein soll, der ihn in die Flucht getrieben hat, halte ich insofern auch für wenig glaubwürdig. Hätte der Trainer ihm einen neuen Vertrag anbieten sollen? Oder auch nur dürfen?

Trotzdem bedaure ich seinen Abschied, ist doch klar. Ich habe ihn für einen vorbildlichen Kapitän gehalten, für einen auch von manchen Bayernfans (zu) wenig besungenen, wichtigen Faktor in engen Spielen gegen Gegner hoher und höchster Klasse. Es ist aber auch eine hohe Kunst, sich als Verein und als Fußballprofi zum genau richtigen Zeitpunkt und in beiderseitigem Einvernehmen zu trennen, das klappt beileibe nicht immer problemlos (an dieser Stelle mal unvermittelte und rein zufällige Grüße an tätowierte Bremer Mittelfeldspieler). Und ginge es nach mir, hätte Bayern eh noch Luca Toni, Lucio, Hummels, Zé Roberto, Roy Makaay und Giovane Elber im Kader. Zwar reizvoll, aber vielleicht keine allzu realistische Alternative.

Das Mannschaftsgefüge? Da entsteht sicher eine Lücke, die schwer zu füllen sein wird. Ist mir aber ziemlich egal, wichtiger wäre mir, dass die Truppe mal konstanter spielt. Nur: wem sage ich das (sorry; vielleicht sollte ich dann doch mal versuchen, nicht von unseren eigenen Problemen abzulenken).

Bei den Bayern läuft es derzeit wieder rund, während Werder um den Klassenerhalt kämpft. Eigentlich spricht alles für einen klaren Auswärtssieg. Wann vervollständigt Mario Gomez gegen Werder seinen Hattrick – over/under 30. Minute? Etwas ernsthafter: Wirkliche Sorgen müsst ihr euch vor dem Spiel nicht machen, oder?

Bei uns läuft’s rund? Da sagst du was, vor allem: sag das mal weiter. Denn die Bayern wären nicht die Bayern, wenn nicht jeder Furz, den irgendeiner (sei es ein Ex-, ein anderer Ex- oder ein Ex-Ex; konkreter will ich gar nicht werden) zu irgendwas ablässt mit unglaublich viel Aufmerksamkeit registriert würde und Unruhe verbreitet. Oder als Indiz für den unmittelbar bevorstehenden Abschied von van Gaal und die Inthronisierung von Matthias Sammer als Nachfolger dienen könnte. Nein, wirkliche Sorgen müssen wir uns — vor allem im Vergleich zu euch (sorry!) — nicht machen, aber: wir machen sie uns trotzdem immer und immer wieder gerne mal selbst.

Mario Gomez’ Hattricks sind mir ansonsten und unter uns, ziemlich wumpe. Wichtige Spiele gewinnen ist mir ungleich wichtiger — wer die Dinger dann macht, ist sekundär.

Auch wenn das Thema Meisterschaft abgehakt sein dürfte, gibt es in dieser Rückrunde für die Bayern noch einiges zu gewinnen. Auch letzte Saison seid ihr spät auf Touren gekommen, dafür dann aber richtig. Traust du van Gaal und dem Team dieses Jahr eine ähnlich furiose Rückrunde zu?

Ja.

Dein Tipp?

Hm, schwierig. Wie bei diesem Gastspiel wird’s wohl nicht laufen, fürchte ich. Was tippen … ach, ich sage mal: 3:0 für Bayern. Durch drei Gomez-Tore (7., 41. und 76. Minute). Sorry!!!

Vor dem Hinspiel: Drei Fragen zum FC Bayern

3 Fragen zum FC Bayern

Vor jedem Bundesligaspiel gibt es in dieser Saison ein Kurzinterview mit einem Fan/Blogger unseres Gegners. Vor dem 3. Spieltag hat mir Bayernfan probek drei Fragen zu seinem Verein beantwortet:

Im Pokalfinale haben die Bayern Werder eine Lehrstunde erteilt. Knapp vier Monate später scheint man wieder etwas mehr auf Augenhöhe zu sein. Wo ordnest du Bayern leistungsmäßig momentan ein? Bei wie viel Prozent seid ihr im Vergleich zur letzten Rückrunde?

Ich find’s ein bisschen arg früh für genaue Prozentangaben, aber wenn du schon fragst: bei 71,26 Prozent. Anders gesagt: Nach bisher sechs Pflichtspiel-Halbzeiten wünschte ich mir, dass es so weiter ginge, wie in der ersten Halbzeit gegen Wolfsburg. Da waren wir bei 100 Prozent, das war sehr, sehr überzeugend gespielt. Dass es nach der Weltmeisterschaft und der sehr kurzen Vorbereitung noch nicht konstant so weiter geht und gehen kann, fand ich aber erwartbar. Ich vergleiche lieber mit der letzten Saison, da war der Saisonstart deutlich holpriger. Und lasse generell noch ein wenig diese phänomenale letzte Saison auf mich nachwirken. Insofern verzeihe ich viel, wenn es jetzt noch nicht so richtig laufen sollte.

Mit dem “scheint” deutest du aber auch selbst an, dass man noch nicht so richtig weiß, woran man ist. Frag mich also lieber noch mal nach den Spielen gegen Werder und Roma. Nach hochwertigen Gegnern weiß man halt eher, wo man steht.

Mit Arjen Robben fällt euer vermeintlich wichtigster Spieler aus. Was ist der Systemfußball von van Gaal ohne ihn wert? Seid ihr mannschaftlich gar nicht so gut, wie wir im Sommer befürchtet haben?

Klar sind wir so gut, wie ihr befürchtet habt. Wenn nicht noch furchtbarer!

Tja, mal ab vom gesunden Selbstbewusstsein: wie gut kann eine Mannschaft sein, wenn einer der stärksten Spieler ausfällt? Ziemlich gut, weil es mit Franck Ribéry einen gibt, der auf ähnlich hohem Niveau spielen kann. Ziemlich gut, weil man unberechenbarer wird. Ziemlich gut, wenn man die erste Halbzeit gegen Wolfsburg als Maßstab nimmt. Aber auch ganz sicher nicht so gut, wie mit einem gesunden Arjen Robben. Dennoch ist das Spielsystem von van Gaal nicht auf individuelle, sondern auf kollektive Brillianz angelegt, auf Passspiel. Und wir haben mit Schweinsteiger, Müller und Co. auch noch ein paar andere, die zuletzt sehr ordentlich spielten.

Defensiv war das bei beiden Teams noch nicht das Gelbe vom Ei. Als Bremer ist man das ja schon gewohnt bei euch nach den Jahren unter Hitzfeld und Magath eher nicht…

Wohl wahr. Darf ich hier auch zurückfragen? Wie ist denn das so: braucht man da irgendwann einen Herzschrittmacher? Oder gewöhnt man sich daran, dass das Spielprinzip Hoffnung “immer ein Tor mehr als der Gegner schießen” lautet und mit der Zeit reagiert man lässiger auf die vielen, vielen Gegentore? Frage für einen womöglich selbst Betroffenen.

Ein Stück weit gewöhnt man sich dran, aber nie so ganz. Den Herzschrittmacher lasse ich mir vom Verein bezahlen, falls er denn mal fällig wird. Einerseits nerven die vielen Gegentore schon sehr, andererseits stehen sie ja häufig in Verbindung mit noch mehr eigenen Toren. Von daher erträgt man es ganz gut. Es ist ja auch Jammern auf hohem Niveau, denn ca. 5-12 Mannschaften kassieren jedes Jahr noch mehr Gegentore als wir und schießen dazu auch deutlich weniger. Ich könnte mit mehr langweiligen 1:0-Siegen aber auch leben. Ein bisschen ambivalent das Ganze.

Zurück zu meiner Frage: Bei Werder fallen die beiden Stamm-Innenverteidiger aus. Wie schätzt du das ein? Macht das bei Werders Spielweise überhaupt noch einen Unterschied? Und wie schätzt du Bayerns Abwehr in dieser Saison im Vergleich dazu ein?

Naldo kann Klose nicht kaputt treten*, hat doch auch was für sich. Und Mertesacker soll ja diese Saison noch nicht soo überzeugt haben. Ob das alles jetzt einen Unterschied ausmacht? Frag mich was leichteres. Ich glaube, Werder gewinnt Spiele mit der Offensive, nicht mit der im Zweifel besseren Defensive. Insofern: nein. Und die Abwehr der Bayern ist in dieser, aber auch schon in der letzten Saison nicht mehr die große Stärke, dafür fehlt dann doch ein Lucio und ein Demichelis (in der Form von 2007). Solange das alles aber gut ausgeht, soll’s mir Recht sein.

Dein Tipp?

3:2 für Bayern. (Aber: Hauptsache, es geht hoch her)

* Aber Prödl kann. Und Silvestre auch! (Anm. d. Verf.)

9. Spieltag: Momentaufnahme

Werder Bremen – 1899 Hoffenheim 2:0

Mit etwas Verspätung noch ein paar Sätze zu Werders aktueller Situation. Das Spiel gegen Hoffenheim wurde ja anderorts schon aufgearbeitet, z.B. hier. Mir sind einige Parallelen zur Doublesaison 2003/04 aufgefallen: Damals wie heute stand Werder nach 9 Spielen auf Platz 4, hatte 3 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer und ein Torverhältnis von +10. Wird die Auftaktniederlage gegen Frankfurt also als das neue “Pasching” in die Geschichte eingehen? So weit ist es noch lange nicht, doch die nun 13 Spiele währende Serie ohne Nierlage ist sehr respektabel. Genau wie Tim Wieses gegentorlose Zeit – mittlerweile 619 Minuten. Man sollte solche Serien nicht zu hoch bewerten, viel entscheidender ist die insgesamt deutlich verbesserte Defensivbilanz. Daran hat Wiese mit Leistungen wie gegen Hoffenheim freilich einen großen Anteil. Auch wenn es nur eine Momentaufnahme ist, mit einem Abwehrbollwerk von der Weser kann ich mich ganz gut anfreunden.

Ein wenig ausführlicher ist der Podcast, den probek gestern mit mir zusammen aufgenommen hat. Eine knappe Stunde lang haben wir uns über Werders neue Abwehrstärke, den aktuellen Kader und Thomas Schaaf unterhalten. Wer also Lust hat, mir beim Fabulieren über den SVW zuzuhören (oder einfach nur Langeweile), der klicke auf Play:

Ballpod München, Ausgabe 6 (20. Oktober 2009)