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Unsere Problemfälle

Eigentlich könnte man derzeit fast den gesamten Kader als Problemfall bezeichnen. Ich habe mir einfach mal ganz willkürlich vier Spieler herausgegriffen und versucht, ihre derzeitige Situation zu beleuchten.

Sandro Wagner

Man kann schon ein wenig Mitleid mit ihm haben. Zwei Tore im Finale der U21-EM, ansprechende Leistungen in der zweiten Liga, dann ein Kreuzbandriss, der Wechsel zu Werder, langsames Herantasten an den Profikader und dann ein ums andere Mal seine Chance nicht genutzt. Zuletzt wurde er nicht einmal in den Spieltagskader berufen, sondern musste mit der U23 in der dritten Liga ran. Kurzum: Es ist eine Saison zum vergessen für Sandro Wagner. Dass Wagners Situation jedoch nicht nur mit einer Mischung aus Pech und schlechtem Timing zu erklären ist, machte Klaus Allofs nun gerade wieder klar. Seine Aussage: Wagner ist selbst Schuld, hat genügend Chancen bekommen.

Die Bilanz des Stürmers ist ernüchternd: Kein Tor, keine Vorlage, kein überzeugendes Spiel gelang ihm bei seinen gar nicht so wenigen Einsätzen. Es wurde mehr als deutlich, dass Wagner Werder momentan nicht helfen kann. Der Glaube daran, dass er es jemals können wird, ist bei den meisten Fans längst verschwunden und auch bei der sportlichen Führung scheint sich diese Haltung nun zu verfestigen. Wenn sich bis Saisonende keine deutliche Verbesserung eingestellt hat, wird es an der Weser wohl keine Zukunft für Wagner geben. Fraglich jedoch, wie Werder den Spieler aus seinem Vertrag bis 2014 herauskomplimentiert. In der ersten Liga dürften sich kaum Vereine finden, die Ablöse und Gehalt für ihn zahlen möchten und zu großen Gehaltseinbußen wird der Spieler wohl auch nicht bereit sein. Es könnte also mal wieder auf ein Leihgeschäft hinauslaufen.

Wagners Verpflichtung war von Anfang an riskant. Trotz der Verletzung kaufte Werder ihn aus seinem Vertrag, der ein halbes Jahr später ausgelaufen wäre, damit er sich schon in Bremen eingewöhnen kann. Zu Saisonbeginn war Wagner fit, konnte jedoch nie überzeugen und musste trotzdem immer wieder als Notnagel im verletzungsgebeutelten Werderangriff ran. Wagner war zur falschen Zeit am falschen Ort und scheint mit der Situation völlig überfordert zu sein. Dass zuletzt auch seine Trainingsleistungen nachließen, ist ein deutliches Zeichen dafür. Die Situation scheint aussichtslos und keine zehn Tage nach Schließung des Transferfensters müssen sich Werders Verantwortliche nun die Frage stellen lassen, warum sie trotz Hugo Almeidas Abgang mit Denny Avdic nur einen Stürmer verpflichtet haben, bei dem ebenfalls noch nicht ersichtlich ist, ob er Werder in dieser Rückrunde weiterhelfen kann.

Marko Marin

Was genau bei Marko Marin falsch gelaufen ist, wird wohl nicht mal er selbst wissen. Vor Saisonbeginn von einigen Werderfans noch als der bessere Özil gefeiert, konnte er den großen Erwartungen an ihn nie gerecht werden. Im Sommer hatte er zunächst mit seiner enttäuschenden WM zu kämpfen und fand sich in den ersten Spielen auf der Bank wieder. Innerhalb weniger Wochen schien er jedoch auf dem Weg zu seiner Normalform, auch wenn er einige Male auf der für ihn nicht prädestinierten 10er-Position ranmusste. Irgendwann im September ging es dann jedoch abwärts mit den Leistungen. Marin fiel in ein Loch, aus dem er sich bis heute nicht befreien konnte.

Es wirkt fast so, als wäre der Spieler in einer Endlosschleife gefangen. Er versucht es immer wieder mit den gleichen Tricks, mit den gleichen Dribblings, doch sie wollen ihm einfach nicht mehr gelingen. Dazu kommt, dass sich sein ohnehin ausbaufähiges Spiel ohne Ball in dieser Saison noch verschlechtert hat. Marin nimmt nur am Spiel teil, wenn er die Kugel am Fuß hat. Anders als etwa Aaron Hunt, der häufig im Ansatz des Richtige tut, es dann aber schlampig ausführt, liegen bei Marin schon die Grundlagen brach. Sein Positionsspiel gleicht einem Jugendspieler und ein Defensivverhalten ist abgesehen von vereinzelten kurzen Sprints nicht existent. Die Laufwege in Werders Angriff sind dieser Tage wenig koordiniert und Marin scheint einen großen Anteil daran zu haben.

Man fragt sich schon so ein bisschen, was Marin die letzten sechs Monate im Training geübt hat. Es muss doch eigentlich möglich sein, einem so talentierten Spieler die Grundlagen des Fußballs beizubringen, so dass er auch bei einer Formkrise zumindest die Basics auf seiner Position abrufen kann. Bislang hat das – aus welchen Gründen auch immer – nicht funktioniert und deshalb ist Marin, wenn ihm seine Dribblings nicht gelingen, für Werder eine Belastung. Für den Spieler selbst ist die Situation ebenfalls eine große Belastung, was man an den krampfhaften Bemühungen erkennen kann, sein Spiel mit aller Macht wieder durchzusetzen. Leider gibt es bei Werder kaum personelle Alternativen und so lässt sich nur hoffen, dass sich bald eine Verbesserung einstellt. Marin muss an den Grundlagen seines Spiels arbeiten, wenn er ein großer Fußballer werden will. Momentan ist er davon meilenweit entfernt.

Torsten Frings

Die letzten Wochen könnten zu den schlimmsten in Torsten Frings Profikarriere gehört haben. Für einen so ehrgeizigen und kämpferischen Spieler ist es schwer zu verdauen, wenn man nach und nach immer mehr an Standing verliert. Im Fußball kann es ganz schnell gehen. Vor einem Jahr gelang ihm noch einmal eine beeindruckende Formsteigerung, mit der er Werder noch zum Sprung auf einen Champions League Platz verhalf. Nun scheint der Akku jedoch endgültig leer zu sein. Frings läuft und kämpft und grätscht und rackert und am Ende sieht trotzdem jeder, dass es einfach nicht mehr reicht. Das Thema Vertragsverlängerung dürfte intern längst vom Tisch sein, doch in der Außendarstellung wird man Frings sicher die Gelegenheit zu einem freiwilligen Rückzug geben.

Als Spieler ist Frings (ähnlich wie bei den Bayern van Bommel) immer sehr abhängig von seiner körperlichen Fitness gewesen. Sein Stellungsspiel war nie ganz optimal, aber das konnte er mit Zweikampfstärke und Einsatzbereitschaft lange Zeit ausgleichen. Dazu war er zu seinen besten Zeiten wie kaum ein anderer Sechser in der Lage, das Offensivspiel seiner Mannschaft anzukurbeln. Heute gibt es Spieler, die all diese Fähigkeiten vereinen und Frings inzwischen auch die körperliche Fitness voraus haben. Man muss Frings daraus keinen Vorwurf machen, diese Entwicklung ist normal und ließ sich seit etwa zwei Jahren bei ihm beobachten. Die Bayern hatten den Mut ihren Kapitän in der Winterpause gehen zu lassen, weil er nicht mehr den Anforderungen des Trainers genügte, doch die Bayern haben auch das Personal, ihn zu ersetzen (auch wenn hier einige Bayernfans bestimmt anderer Meinung sind). Bei Werder gibt es kaum eine Alternative zu Frings, solange Wesley verletzt ist.

Eigentlich müsste Schaaf nun die Reißleine ziehen und Frings auf die Bank setzen, doch zum einen wird er auf seinen verlängerten Arm auf den Platz nur dann verzichten wollen, wenn es (Achtung: Unwort!) alternativlos ist, und zum anderen bliebe ihm dann nur die Option, Clemens Fritz ins Mittelfeld zu stellen und auf Petri Pasanen (siehe unten) oder den in Ungnade gefallenen Dominik Schmidt als Rechtsverteidiger zu setzen. Felix Kroos würde die letzte freie Position in der Raute übernehmen und Werder hätte keine Alternativen mehr auf der Bank, solange Borowski, Jensen und Wesley nicht dabei sind. Bleibt also zu hoffen, dass Frings Energie zumindest noch reicht, um mit Werder am Saisonende nicht abzusteigen und er sich dann von selbst in eine Position im Werdermanagement verabschiedet. Der Abschied darf dann auch gerne so ausfallen, wie es sich bei einem Spieler mit seinen Verdiensten für den Verein gehört!

Petri Pasanen

Auch Petri Pasanen gehört zu der Kategorie “verdienter Spieler”, wenn er auch nie so richtig im Rampenlicht stand. Er war lange Zeit ein wertvoller Backup-Spieler, ein Defensivallrounder, auf den man sich verlassen konnte. Seine Aufgaben erfüllte er solide und wenn er denn mal auf seiner eigentlichen Lieblingsposition in der Innenverteidigung ran durfte, konnte man sehen, dass er dort eigentlich auch das Zeug zum Stammspieler hatte. So vergingen die Jahre, Pasanen kam regelmäßig auf über 20 Einsätze pro Saison und beide Seiten waren miteinander ganz zufrieden. Nun läuft der Vertrag aus und wird aller Voraussicht nach nicht verlängert. Im Sommer ist Pasanen sieben Jahre lang in Bremen, gemeinsam mit Daniel Jensen ist er der dienstälteste Spieler in Werders Reihen.

Zu häufig wurden Pasanen auf den Außenpositionen der Viererkette nun die Grenzen aufgezeigt, als dass sich noch jemand darüber freuen könnte, dass er dank seiner Vielseitigkeit überhaupt die Löcher im Kader einigermaßen stopfen kann. In der Innenverteidigung besteht trotz Naldos Verletzung kaum Bedarf, weil Schaaf lieber auf den jüngeren Prödl setzt. So sind es immer wieder die Positionen links oder rechts der Innenverteidiger, auf denen Pasanen spielen muss. Inzwischen haben immer mehr Mannschaften ihre kreativsten und individuell stärksten Spieler auf den Flügeln aufgestellt und spielen Systeme, bei denen von diesen Spielern mit die meiste Torgefahr ausgeht. Die Robbens und Riberys und Bales dieser Fußballwelt sind mit der Zeit einfach zu viel für ihn geworden. Am Samstag wurde er von der linken Mainzer Angriffsseite vorgeführt und musste zur Halbzeit raus.

Die Ansprüche an einen Notnagel sind nicht die höchsten, doch verlässlich muss er sein. Dem wird Pasanen nicht mehr vollständig gerecht. Ein Problemfall, der in den vergangenen Jahren wohl völlig untergegangen wäre. In dieser Saison kann Werder einen Leistungsabbau bei einem Ergänzungsspieler leider nicht kompensieren.