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Die Champions League Halbfinalisten vor den Rückspielen

Heute und morgen entscheidet sich, wer im Champions League Finale in der Allianz Arena aufeinander trifft. Eine Einschätzung der vier Teams vor den Rückspielen.

Barca braucht einen Kraftakt…

Der FC Barcelona steht (für seine Verhältnisse) mit dem Rücken zur Wand. Nachdem man in der letzten Woche so viele Niederlagen kassierte, wie in der gesamten Saison zuvor, könnte man neben der Meisterschaft auch die Champions League verspielen. Der Substanzverlust macht sich bemerkbar und pünktlich zur crunch time ist die Topform nicht mehr da. Im Hinspiel gegen Chelsea waren zwar einige der von mir unterstellten Probleme zu sehen, doch letztlich hatte man auch einfach ein wenig Pech. Mit besserer Chancenverwertung (die ich abseits von Messi als Schwachpunkt Barcas sehe) hätte man Chelsea schon im Hinspiel jegliche Chancen auf ein Weiterkommen nehmen können.

Gegen Madrid wurde dann aber deutlich, was Barcelona derzeit fehlt: Knackt man den Gegner nicht im Zentrum, schafft man es nicht, alternativ über die Außen so gefährlich zu werden, wie zu besten Zeiten. Es fehlt nicht unbedingt die Breite im Spiel, sondern die Qualität der dafür zuständigen Flügelspieler. Die Stammkräfte sind entweder verletzt (Villa), angeschlagen (Alexis, Affelay) oder außer Form (Pedro). Die Nachwuchsspieler können das noch nicht kompensieren:  Tello hat gegen Madrid die dicksten Chancen vergeben, auch von Cuenca geht keine große Torgefahr aus. So bleibt zu viel Verantwortung bei Dani Alves und Andres Iniesta. Derzeit reicht es, die Räume zwischen den Linien für Messi zu schließen und ihn damit komplett ins Mittelfeld zu ziehen, um eine ernsthafte Chance gegen Barcelona zu haben.

…sonst reicht Chelsea Solidität

Beim FC Chelsea konnte man am Samstag den Eindruck gewonnen, sie hätten gerade einen großen Schritt Richtung Champions League-Qualifikation gemacht. Dabei ist jene nach dem 0:0 bei Arsenal und einem weiteren Sieg von Newcastle in weitere Ferne gerückt – auch wenn man nächste Woche noch das Nachholspiel gegen die Magpies in der Hinterhand hat. Nach dem Unentschieden gegen die Gunners fühlte man sich jedenfalls als moralischer Sieger und wähnt sich weiterhin im Aufschwung, der dem Trainerwechsel folgte. Das Erreichen des Champions League Finales würde diese Narrative weiter untermauern.

Dabei habe ich Chelseas Leistung gegen Barcelona nicht so stark gesehen, wie sie im Nachhinein gemacht wurde. Chelsea spielte defensiv zwar richtig gut und war vorne immerhin effizient, doch wenn man sich Barcelonas Großchancen anschaut, dann wirkt das Loblied auf das blaue “Bollwerk” doch etwas übertrieben. Das Spiel hätte bei identischem Verlauf und etwas besserer Chancenverwertung auch 1:3 ausgehen können. Doch es ist nicht Chelseas Verdienst, dass Barcelona bei eben jener gerade Probleme hat. Ich würde die Leistung jedenfalls nicht über der von Milan im Viertelfinale (und nicht mal sehr weit über der von Bayer Leverkusen beim 1:7, aber das ist ein anderes Thema) sehen. Das Spiel gab mehr Aufschluss über Barcelonas derzeitige Verfassung, als über Chelsea.

Was mir sehr gut gefallen hat, war das Zusammenspiel der drei Sechser, die den Raum vor den Innenverteidiger mit sehr cleverem Verschieben extrem verknappten. Die Rückkehr zum 4-3-3 (das eigentlich maximal ein 4-5-1, in der zweiten Halbzeit eher aber ein 4-5-1-0 war) in diesem Spiel hat sich schon deshalb gelohnt. In Barcelona wird Chelsea vermutlich Ähnliches versuchen, um Messi aus dem Spiel zu nehmen. Nach vorne ist gegen ein mit zunehmender Dauer wohl immer energischer anlaufendes Barca auch mit wenig Risiko etwas möglich.

Obwohl Barcelona auch in derzeitiger Verfassung die bei weitem bessere Fußballmannschaft als Chelsea ist, habe ich große Zweifel, dass man nach dem intensiven Clasico am Wochenende den Kraftakt gegen Chelsea schafft. Man muss unbedingt die Null hinten halten. Sollte Chelsea treffen, wird das Weiterkommen zur Herkulesaufgabe, die ich dem Team derzeit nicht zutraue.

Hat Mourinho zu hoch gepokert?

Real Madrid hat am Wochenende mit einem eindrucksvollen 2:1-Sieg im Camp Nou die Meisterschaft für sich entschieden. Etwas überraschend spielte Mourinho dort mit der selben Startelf wie unter der Woche gegen die Bayern. Ich hatte Madrid im Hinspiel deutlich druckvoller erwartet. In den ersten 15 Minuten war es sehr eindrucksvoll, wie sie die Außenbahnen so hoch zustellten, dass Ribery und vor allem Robben keinen Stich sahen. Im Laufe des Spiels ließ man dann aber nach und war für eine Mannschaft, die von Mourinho trainiert wird, erstaunlich häufig unsortiert. Das lag nur zum Teil an der Leistung der Bayern. Auch hier bin ich der Ansicht, dass die Partie mehr über die Gäste aus Spanien aussagte, als über die Gastgeber.

Hätte Real das Spiel gewinnen müssen, wäre es möglicherweise auch nach hinten losgegangen, doch man hätte die letzte halbe Stunde sicherlich nicht so abgeschenkt. Das war pures Ergebnis halten und es hätte auch beinahe geklappt. Vielleicht wähnte man sich nach dem 1:1 zu sicher und wollte Kraft sparen für den Clasico. Vielleicht wusste Mourinho da schon, dass er vier Tage später mit identischer Aufstellung ins Spiel gehen wollte. Wenn man am Ende ins Finale einzieht, kann man sagen: Alles richtig gemacht, Herr Mourinho. Wenn es schief geht, wird man noch oft an die zweite Halbzeit in der Allianz Arena denken.

Wie gut ist Jupp Heynckes?

Für Bayern München ist die Situation genau andersherum. In der Liga musste man dem BVB erneut den Vortritt lassen, aber in der Champions League hat man mit einer überzeugenden Leistung eine gute Ausgangsbasis für das Rückspiel in Madrid geschaffen – womit längst nicht jeder gerechnet hat. Der Traum vom Finale im eigenen Wohnzimmer lebt weiter und man ist nur ein Unentschieden in Madrid davon entfern, ihn wahr werden zu lassen. Kräftemäßig dürfte man im Vorteil sein. Während sich der Gegner im entscheidenden Spiel um die Meisterschaft voll verausgaben musste, konnten die Bayern in Bremen munter durchrotieren und viele Spieler schonen. Dieser Aspekt dürfte vor allem dann ins Gewicht fallen, wenn es bis zur Schlussphase noch ein offenes Spiel ist.

Ich bin sehr auf Bayerns Ausrichtung gespannt. Versucht man auf Konter zu spielen und den Gegner kommen zu lassen? Dafür ist man hinten eigentlich nicht stabil genug. Andererseits kommt man auch nur höchst selten in die Verlegenheit, so spielen zu müssen. Es wäre eine kleine Meisterleistung von Jupp Heynckes, wenn er seinem Team für dieses Spiel eine ähnlich diszilpinierte Spielweise ohne Ball einimpfen könnte, wie es Chelsea oder Madrid gegen Barcelona gezeigt haben. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass Bayern sich komplett zurückzieht. Man wird Madrid sicher mehr Ballbesitz gewähren, aber nicht am eigenen Strafraum auf sie warten. Das richtige Maß des Pressings zu finden, ist eine Kunst, die nicht nur einen guten Trainer sondern auch intelligente Spieler erfordert, die den richtigen Moment zum Draufgehen erkennen.

Aufgrund des Auswärtstores ist die Situation für Bayern nicht so komfortabel, wie man es gerne hätte. Solange es 0:0 steht, reicht ein Fehler zum Ausscheiden. Die Gegenstöße über die Außen werden wichtig sein, um neben Entlastung auch eine Chance auf das so wichtige Auswärtstor zu haben. Auch wenn Arjen Robben derzeit viel kritisiert wird, könnte er gegen seinen Ex-Verein zum entscheidenden Mann werden, weil er gegen ein offensives Real mehr Raum für seine Vorstöße bekommen wird.

Insgesamt sehe ich einen leichten Vorteil für Madrid, das neben einer breiten Brust auch über das Spielermaterial in der Offensive verfügt, um gegen Bayern erfolgreich zu sein. Das Rochieren zwischen Özil und Di Maria hat schon in München ganz gut funktioniert, man wird sich jedoch nicht damit begnügen können, das Spiel komplett auf Rechts zu ziehen, um Platz für den in die Mitte ziehenden Ronaldo zu schaffen. Man wird auch einen Xabi Alonso in Topform brauchen (die er gegen Barcelona hatte, im Hinspiel jedoch nicht), um den Spielaufbau flexibel zu halten und für Überraschungsmomente zu sorgen.

Meine Tipps:

FC Barcelona – Chelsea FC 2:1

Real Madrid – Bayern München 3:1 n.V.

Bayern München vs. Real Madrid – Champions League Halbfinale

Live-Blog

23.02

“Wenn ich das so sehe ist das Gelb-Rot, aber der Schiedsrichter hat sich mit Gelb begnügt.” – Regelgott Jupp Heynckes zu Marcelos Foul an Müller.

22.45

Zwei Anmerkungen zum Schluss:

1. Auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist, muss es gesagt werden: Die Bildregie ist eine Katastrophe! Eine Großaufnahme jagt die nächste, der Spielverlauf lässt sich so nicht vernünftig mitverfolgen, wenn man quasi nie eine Totalansicht des Spielfelds hat, wenn der Ball in Richtung der Strafräume läuft.

2. Die “Elfmeterszene” von Gomez kurz vor Schluss zeigte mal wieder den Unsinn der Elfmeter-Regel. Auf der linken Seite spielt der Verteidiger klar den Ball. Auf der rechten Seite trifft der andere Verteidiger nur den Spieler. An jeder anderen Position des Spielfelds wäre das ein Freistoß und das Argument, dass der Ball schon weg gewesen sei, würde niemand ernst nehmen (siehe Marcelo-Foul am Ende). Beim Elfmeter stellt die Bestrafung (80%ige Torchance) eine unverhältnismäßige Strafe dar, weshalb kaum ein Schiedsrichter diesen Elfmeter gibt. Das schwammige “Fingerspitzengefühl” soll also eine unsinnige Regel ausgleichen. Kein Wunder, dass es hier so viel Diskussionsstoff gibt.

22.37

Endstand: Bayern München – Real Madrid 2:1.

Den “hochverdienten Sieg”, den Marcel Reif den Bayern attestiert, habe ich nicht gesehen. Es war ein enges Spiel, das die Bayern nach Anfangsnervosität mit offenem Visier angegangen sind und sich schon allein deshalb den Sieg verdient. Andererseits war Bayern selten so zwingend, dass das Ergebnis unabänderlich gewesen wäre.

Eine realistische Chance hat Bayern mit dem Ergebnis in Madrid definitiv. Real wird sich deutlich steigern müssen, was im eigenen Stadion auch mehr als wahrscheinlich ist.

22.37

90+3′ Marcelo mit klar rotwürdigem Foul, sieht aber nur Gelb. Webb, wie er leibt und lebt. Madrid, wie es leibt und lebt.

22.36

90+2′ Noch einmal ein Freitstoß für Madrid, den Neuer locker abfängt. Die Führung hat sich Bayern erkämpft. Sie ist verdient, auch wenn Bayern trotz Feldüberlegenheit wenig richtig gute Chancen hatte.

Gelb gegen Higuain.

22.32

90′ Bayern München – Real Madrid 2:1, Gomez.

Lahm setzt sich stark gegen Coentrao durch und flankt von der Grundlinie flach vors Tor, vor drei Verteidiger und ein Torwart verdutzt zuschauen, wie Gomez den Ball ins Tor spitzelt.

22.29

86′ Erneut eine Kopfballchance für Gomez, dessen Kopfball aber leichte Beute für Casillas ist. Torchancen bekommen die Bayern, doch richtig zwingend werden sie kaum.

22.27

83′ Ribery mit einem Kunststück am Ball, das zwei Gegner aus dem Spiel nimmt. Seine Hereingabe verpasst Robben in der Mitte knapp und Real kann mit etwas Gewürge klären. Ribery fordert anschließend lautstark einen Handelfmeter, aber Pepe bekam den Ball deutlich sichtbar an die Brust.

84′ Letzter Wechsel Madrid: Higuain für Benzema.

22.24

81′ Auch wenn die Bayern tonangebend bleiben, hat Madrid das Zentrum ganz gut zu bekommen. Nach vorne riskiert man kaum noch etwas, warum auch. Bayern auf der Suche nach der entscheidenden Lücke. Richtig gute Torchancen sind Mangelware.

22.21

78′ Nächster Wechsel bei Madrid: Granero kommt für di Maria ins Spiel.

22.19

75′ Nun hat auch Ramos Gelb gesehen, für ein typisches Ramos-Foul: Zu spät, mit Anlauf und voll durchgezogen.

22.15

72′ Nach dem Wechsel sieht es bei Real folgendermaßen aus: Marcelo als offensiver linker Flügelspieler und Ronaldo wechselt auf die rechte Seite.

Gute Chance für Gomez nach Flanke von Lahm, doch sein Kopfball geht übers Tor.

22.13

69′ Bayern hat gut reagiert und übt viel Druck auf Madrid aus, will ein Übergewicht erspielen und Real hinten rein drücken. Madrid hält jedoch früh dagegen und sucht die Zweikämpfe. Es geht viel über Kampf derzeit, den die Bayern annehmen und so in Tornähe kommen.

Mourinho reagiert: Marcelo kommt für Özil.

22.08

64′ Gelb gegen Lahm. Das Spiel ist nicht übermäßig hart und Webb pfeift erwartungsgemäß nicht kleinlich, aber es gibt viele kleinere Fouls und auch einige klar gelbwürdige Vergehen.

22.06

63′ Webb will dann mal seinen Ruf retten und lässt zwei harte Tacklings von Luiz Gustavo weiterlaufen (gab bislang keine Zeitlupe, kann die Szenen nicht richtig beurteilen) und winkt dann auch Pepes Rempler gegen Gomez im Strafraum durch.

22.04

61′ Wechsel FC Bayern: Thomas Müller kommt für Schweinsteiger, der ungläubig guckte, als die Tafel mit seinem Namen hochging. Kroos dürfte nun den zweiten Sechser geben und alles eine Spur riskanter werden.

22.03

58′ Was ich vorhin schreiben wollte, kurz bevor das Tor fiel: Offensiv waren die ersten Minuten der 2. Halbzeit enttäuschend von Madrid. Ein wichtiger Faktor dabei: Xabi Alonso ist völlig aus dem Spiel. Muss sich immer wieder sehr weit nach hinten fallenlassen und es sieht bei weitem nicht immer freiwillig aus. Die Spieleröffnung durch die Innenverteidiger ist schwach, was nichts neues ist, doch normalerweise kann man es über Alonso ausgleichen. Heute gelingt dies weit weniger.

60′ Gelb gegen di Maria wegen Ballwegschlagens

21.56

53′ Bayern München – Real Madrid 1:1, Özil.

Gerade wollte ich Madrids Schwächen in der Offensive beschreiben, da kontert Madrid mit erschreckender Überzahl die Bayern aus. Ronaldo schiebt völlig frei vor dem Tor Neuer den Ball in die Beine, doch Madrid setzt nach und Benzemas Hereingabe wird von Ronaldo hart und flach vors Tor geschossen, wo Özil den Fuß rein hält.

56′ Gelb gegen Coentrao und Xabi Alonso innerhalb weniger Sekunden.

21.48

46′ Es geht weiter. Beide Mannschaften bleiben aufstellungstechnisch unverändert.

21.32

Halbzeit: Bayern München – Real Madrid 1:0

Pausenüberschrift: Zahn gezogen. Die Führung der Bayern ist nicht unverdient, auch wenn die guten Phasen im wesentlich nach dem – irrgulären – Tor kamen, das den Spielverlauf zu dem Zeitpunkt auf den Kopf stellte. Mit der Führung im Rücken spielte Bayern auf und kam zu weiteren Torszenen, während Madrid in vielen Bereichen des Spiels Probleme bekam. Im Zentrum hat Bayern ein Übergewicht, das sich so in den ersten 20 Minuten nicht abzeichnete.

Pausenfrage: Wie viele Zähne hat Madrid noch und wann beißen sie zu?

Ein 0:1 ist ein schlechtes Auswärtsergebnis und Madrid wird im Laufe der Partie sicher den Druck erhöhen wollen. Versucht man bereits in der Anfangsphase der 2. Halbzeit das Pressing zu verstärken oder beschränkt man sich zunächst darauf, die Ordnung, die längst nicht immer stimmte, wieder herzustellen und auf Fehler der Bayern zu warten? Solange für Real die Null steht wird irgendwann der Punkt kommen müssen, an dem man mehr Risiko geht und dann bin ich sehr gespannt auf Bayerns Reaktion.

21.31

45′ Jetzt noch mal eine gute Freistoßchance für Bayern kurz vor der Strafraumgrenze. Kroos tritt ihn, in die Mauer. Eine Minute Nachspielzeit angezeigt, die schon fast wieder rum ist.

21.29

43′ Nach einigen Minuten, als di Maria auf die Zehnerposition rückte und Özil auf den linken Flügel ging, hatten die Bayern große Probleme sich darauf einzustellen. Nach und nach wurde Özil allerdings etwas zur Randfigur. Inzwischen orientiert sich Özil wieder etwas mehr in die Mitte, der linke Flügel bleibt offensiv des öfteren unbesetzt oder wird von Benzema eingenommen.

21.26

40′ Zunächst eine Chance für Benzema, den Alaba nicht am Schuss hindern kann und im Gegenzug spielt Kroos Gomez wunderschön frei und Casillas muss eine starke Parade auspacken, um den Ball übers Tor zu lenken.

21.23

36′ Langsam aber sicher findet Real zurück in die Partie, holt zumindest Standards aus guten Positionen heraus. Alonso bringt ihn von links rein. Gefährliche Flugbahn aber gut geklärt von den Bayern

Kurz darauf übles Foul von Robben an Coentrao, für das er zurecht Gelb sieht. Voll drüber gehalten.

21.17

31′ Gelb gegen Badstuber nach Foul an di Maria, der unglaublich viel Platz im Zentrum hatte. Wieder eine Ronaldo-Position, etwas weiter weg diesmal, gut 30 Meter.

Der Ball wird abgefälscht und ist leichte Beute für Neuer.

21.15

27′ Zweite Torchance für den FCB durch einen Schweinsteiger-Fernschusss, geht knapp am rechten Pfosten vorbei.

Von einer Dominanz würde ich noch nicht sprechen, aber die Bayern haben das Momentum deutlich auf ihre Seite gezogen.

29′ Auf der Gegenseite ein etwas verunglückter Schuss von Ronaldo übers Tor.

21.12

26′ Es ist nicht so, dass Real übermäßig beeindruckt wirkt, aber die Bayern scheinen mit dem Führungstor gemerkt zu haben, dass sie hier tatsächlich eine Chance haben, nachdem sie dem Gegner 10 Minuten mehr oder weniger bewundernd zugeschaut hatten. Deutlich mehr Tempo im Spiel der Hausherren, vor allem durch Ribery, aber auch den erwachten Robben.

21.07

22′ Jetzt eine gute Freistoßchance für Madrid nach überflüssigem Foul von Lahm. Ronaldo aus 22 Metern übers Tor. Mal sehen, wie lange das Tor für die Bayern als Aufputschmittel wirkt.

21.02

17′ Bayern – Madrid 1:0, Ribery.

Ecke von der linken Seite. Der Ball trudelt durch den Strafraum und Ribery schießt ihn aus 10 Metern rein. Gleich in zweierlei Hinsicht eine knifflige Szene: Badstuber springt der Ball an den Arm. Schwer, ihm da Absicht zu unterstellen, da der Arm quasi keine Bewegung macht. Luiz Gustavo stand dagegen im Abseits und nahm Casillas deutlich die Sicht. Aber das Tor zählt und kommt für Bayern zu einem sehr glücklichen Zeitpunkt.

21.01

14′ Seit ich geschrieben habe, das Bayern am Drücker bleibt, spielt hier nur noch Madrid. Robben und Ribery werden auf den Außen zugestellt, bevor sie überhaupt einen Ball bekommen (Robben: 0 Ballkontakte). Das ist kein wirklich aggressives Pressing, aber höchst effektiv. Bayern zeigt sich beeindruckt.

15′ Bayern fordert Elfmeter, aber Webb winkt direkt ab. Schwalbe von Ribery.

20.56

11′ Di Maria ist für mich der Mann der ersten 10 Minuten. Hinten sehr aufmerksam, sehr beweglich und mit großem Aktionsradius. Wenn er in die Mitte zieht und Özil für ihn auf den Flügel rückt, ist Real am gefährlichsten.

20.53

7′ Riesenchance für Madrid. Klasse Steilpass von Özil auf Benzema in die Spitze und Neuer wehrt den harten aber mittigen Schuss des Franzosen ab. Sobald Madrid den Ball ins Angriffsdrittel bekommt, machen sie Bayern Probleme.

20.51

5′ Erste gute Freistoßsituation für die Bayern. Marcel Reif ätzt gegen Howard Webb, den er seit dem WM-Finale 2010 nicht mehr leiden kann. Die Hereingabe wird per Kopf geklärt, doch Bayern bleibt gleich am Drücker. Madrid steht nicht tief, agiert aber (noch) eher abwartend.

20.47

@Estadox: Ich drücke niemandem so richtig die Daumen. Außer Özil :-)

20.45

1′ Und los geht’s. Anpfiff in der Allianz Arena.

20.44

Die Mannschaften kommen raus. Ich bin sehr gespannt, wie Madrid dieses Spiel angehen wird. Bei den Bayern kann ich mir kaum vorstellen, dass sie ihre Spielausrichtung groß ändern, zumal sie weniger Handlungsspielraum haben als Madrid. Sie müssen heute vorlegen. Real könnte sich auch auf eine Defensivtaktik verlegen, doch dazu passen weder Aufstellung noch Selbstverständnis (solange es nicht gegen Barcelona geht). Ich denke nach wie vor, dass Mourinho Bayerns Probleme bei gegnerischem Pressing ausnutzen will.

20.39

Keine Überraschungen bei den Aufstellungen. Die Bayern wie erwartet mit Müller auf der Bank und Schweinsteiger in der Startelf. Bei Madrid spielen Özil und di Maria in einer Dreierreihe mit Ronaldo sowie Coentrao als Linksverteidiger. Marcelo, die offensivere Variante hinten links, sitzt auf der Bank, genau wie Kaka und Higuain.

20.36

Ich experimentiere heute mal mit einem neuen Liveblogging-Plugin, deshalb kann man hier heute nicht kommentieren (außer natürlich unten drunter im “normalen” Kommentarfeld). Mal sehen, wie gut es funktioniert.

20.34

Die Aufstellungen:

FC Bayern: Neuer – Lahm, Boateng, Badstuber, Alaba – Luiz Gustavo, Schweinsteiger – Robben, Kroos, Ribery – Gomez

Real Madrid: Casillas – Arbeloa, Pepe, Sergio Ramos, Coentrao – Khedira, Xabi Alonso – di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo – Benzema

20.30

Moin, äh, Grüß Gott aus Bremen!

Vorbericht

Die Mannschaften haben vor dem Halbfinale sehr unterschiedliche Ausgangssituationen: Bayern hat die Meisterschaft spätestens am Samstag verloren, kann aber über die Champions League noch vieles retten. Das Finale in München wäre ein Traum für den Verein. Real Madrid war vor ein paar Wochen schon fast sicher Meister und muss nun doch noch einmal zittern, falls man Samstag in Barcelona verliert. Diese Saison könnte zur Wachablösung in Spanien werden, doch dazu müsste man neben der Meisterschaft Barca auch die Champions League entreißen.

Real Madrid vor dem Spiel

Madrid hat sich offensiv weiterentwickelt und verfügt personell über sehr viele nahezu gleichwertige Optionen. Neben Ronaldo spielen drei Offensivakteure aus dem Sextett Benzema, Higuain, Özil, Kaka, di Maria und Callejon in einer flexiblen 3-1 Anordnung, die je nach Gegner angepasst werden kann. Im zentralen Mittelfeld hat man ebenfalls viele Optionen von energetisch (Lass, Khedira) bis spielerisch hochwertig (Xabi Alonso, Sahin). In der Abwehr werden keine gefangenen gemacht. Rustikaler als das Innenverteidiger-Duo Pepe und Sergio Ramos geht es nicht, ohne sich strafbar zu machen. In Marcelo und Coentrao hat man Außenverteidiger, die viel Dampf nach vorne machen können, aber auch für die vorsichtiger Variante stehen mit Arbeloa Optionen zur Verfügung. Kadermäßig kann José Mourinho aus dem vollen schöpfen.

Die schiere Offensivpower Madrids ist furchteinflößend. Im Sturmzentrum besitzt man mit Benzema und Higuain zwei Spieler, die zwar unterschiedliche Stärken, aber gleichwertige Torgefährlichkeit aufweisen. Cristiano Ronaldo hat seine überragende Torquote der letzten Saison sogar noch gesteigert. Wirklich begeistert bin ich jedoch vom Zusammenspiel von Özil, di Maria und Kaka. Egal welche zwei Mourinho spielen lässt, sie lassen sich kaum aus dem Spiel nehmen und bereiten Ronaldo und den Stoßstürmern mit genialen Pässen und Läufen den Weg. Dazu wirkt auch das defensive Mittelfeld dominanter als noch vor einem Jahr, so dass die Bayern nicht davon ausgehen sollten, mehr Ballbesitz zu haben. Oder plant Mourinho in München einen Defensivcoup? Angesichts der bayerischen Probleme mit aggressivem gegnerischen Pressing kaum vorstellbar.

Bayern München vor dem Spiel

Der FC Bayern spielt eine insgesamt gute Saison, hat allerdings seit dem goldenen Herbst mit einigen Problemen zu kämpfen, die verhindern, dass aus der guten eine überragende Saison wurde und die Jupp Heynckes bislang nicht in den Griff bekam. Bayern kann immer noch Mannschaften fast jeglichen Kalibers an die Wand spielen, gerät jedoch immer dann in Bedrängnis, wenn ein Gegner aggressives Pressing spielt. Den dafür nötigen Organisationsgrad und das Selbstvertrauen haben zum Glück für die Bayern nicht allzu viele Mannschaften. Dank der individuellen Klasse der Offensivspieler und der unter Heynckes zurückgekehrten defensiven Stabilität zählt man weiterhin zu den Topteams in Europa. Einen spielerischen Fortschritt kann man abgesehen vom zwischenzeitlichen Höhenflug im Herbst jedoch nicht erkennen. So ist Bayern ein Riese, der nur innerhalb der eigenen Komfortzone zu erschrecken weiß.

Schweinsteiger ist sicher nicht die Lösung aller Probleme bei den Bayern, verleiht dem Team aber im Zentrum eine Extraportion spielerischer Klasse und ist für das Aufbauspiel enorm wichtig. Die offensive Abhängigkeit von der mitunter launischen Flügelzange „Robbery“ bleibt aber auch in seiner Anwesenheit bestehen. Die größere Gefahr geht derzeit von der linken Seite aus, wo Ribery vom bärenstarken Alaba unterstützt wird. Das Duo Robben/Lahm ist hingegen noch nicht zu alter Gefährlichkeit zurückgekehrt. Topscorer Gomez ist für mich mehr Resultat als Ausgangspunkt der bayerischen Torgefährlichkeit. Wird er mit Hereingaben gefüttert, ist er kaum zu stoppen. Schneidet man ihm hingegen den Zufluss an Bällen in die Spitze ab, nimmt man ihn damit weitgehend aus dem Spiel und er nimmt als interessierter Beobachter am Spiel teil. Ein mitspielender Stürmer oder gar eine falsche Neun ist er nicht, weshalb Olics Rückkehr zur Topform in den Spielen gegen Madrid sehr wichtig werden kann.

Prognose

Entscheidend für den Ausgang dieses Duells wird vor allem die Frage sein, ob Madrid den starken linken Flügel der Bayern stoppen kann. Zumindest im Hinspiel dürfte Mourinho die vorsichtige Variante Arbeloa als Rechtsverteidiger gegen Ribery wählen. Damit spekuliert er weniger auf den freien Raum, der sich hinter dem etwas defensivfaulen Franzosen ergibt, als es beispielsweise Piszeck beim BVB tat. Ansonsten sehe ich einen klaren Vorteil für Real Madrid, gerade auch wegen des stark verbesserten Pressings, mit dem man schon Barcelona vor große Probleme stellte. Es wird sich zeigen, ob die für Bayern sprechende Historie in dem Spiel eine Rolle spielt, doch eigentlich kann ich es mir bei Mourinhos psychologischen Fähigkeiten nicht vorstellen, dass sich seine Spieler davon beeindrucken lassen – ganz anders als bei den omnipräsenten Classicos.

Die Aufgaben für den FCB erscheinen angesichts der momentanen Probleme zu groß. Kann das Mittelfeld mit Schweinsteiger sowohl den Spielaufbau verbessern, als auch Özils Kreise eindämmen? Kann Robben den durch Marcelos oder Coentraos Vorstöße entstehenden Platz ausnutzen und gleichzeitig seine Defensivaufgaben erfüllen? Und warum gelingt es eigentlich schon seit Monaten nicht mehr so richtig, Thomas Müllers Läufe in den Raum mit den nötigen Bällen zu füttern? Erwischt Bayern einen richtig guten Tag, ist heute Abend etwas drin. Ansonsten könnte schon vor dem Rückspiel alles vorbei sein, weil die dicke Lady Cristiano Ronaldo gesungen hat.

Der fünffache Clásico

Nachdem es im Herbst noch so aussah, als wäre Real Madrid dem Erzrivalen auch in dieser Saison hoffnungslos unterlegen, waren die Clásicos in dieser Rückrunde ziemlich offene Angelegenheiten. Die Spiele der beiden spanischen Fußballmächte gehörten zu den spannendsten Spielen der Saison und halten (Achtung, Phrase!) ganz Europa in Atem.

Tiqui-Taca vs. Pragmatismus

Barcelonas Spielweise und Spielsystem lassen sich mit recht einfach beschreiben. Gespielt wird ein 4-3-3 mit zwei offensiven Mittelfeldspielern (4-1-2-3) und offensiven Außenverteidigern. Bei Ballbesitz spielt Barca häufig ein 3-4-3, wobei Messi als Mittelstürmer teils eine “falsche Neun”, teils einen echten 10er gibt. Barcelona setzt auf totale Dominanz des Balles, hält den Ball mit technisch perfektem Kurzpassspiel in den eigenen Reihen und sorgt durch aggressives Pressing tief in der gegnerischen Hälfte nach Ballverlusten für eine schnelle Rückeroberung des Ballbesitzes. Nicht selten führt dies zu Ballbesitzquoten von mehr als 70% über die gesamte Spieldauer. Die letzte Mannschaft, die in der Champions League mehr als 50% Ballbesitz gegen Barcelona hatte, war Werder Bremen im Dezember 2006. Auch wenn Barcelona selten das System ändert, reagiert Guardiola doch häufig auf den Gegner durch kleine Änderungen, etwa die Positionierung von Messi oder Dani Alves.

Real Madrid hatte über weite Strecken der Saison ebenfalls ein festes System (4-2-3-1) und eine Stammelf, die in den wichtigen Spielen weitgehend unverändert blieb. In der offensiven Dreierreihe gibt Ronaldo den torgefährlichen Flügelspieler, Özil lauert zwischen den Reihen und Di Maria orientiert sich auf Rechts mehr in Richtung Mittelfeld. Auf der Doppelsechs übernimmt Xabi Alonso die Rolle des Ballverteilers, während Khedira mit viel Energie immer wieder in die Spitze vorstößt. In der Liga ist es Madrid gewohnt, das Spiel machen zu müssen. Gegen tief stehende Gegner tut man sich dabei relativ schwer, was unter anderem für den Rückstand auf Barcelona verantwortlich ist. Unter Mourinho hat sich das Team in dieser Hinsicht jedoch weiterentwickelt, wobei Real in erster Linie eine Kontermannschaft ist, die mit viel Tempo die Lücken einer unsortierten Defensive ausnutzen kann.

Clásico #1: Offener Schlagabtausch

Im Herbst 2010 kam es zum ersten Aufeinandertreffen der Saison. Real Madrid bekam im Camp Nou eine Lehrstunde erteilt und war gegen den Meister aus Barcelona chancenlos. Für José Mourinho war das 0:5 die höchste Niederlage seiner Trainerlaufbahn. Zum damaligen Zeitpunkt war das Spiel der eindeutige Beweis, wer die beste Mannschaft Spaniens ist. Aus heutiger Sicht ist das Spiel aber auch ein wichtiger Wegweiser für Real Madrid, das damals in Bestbesetzung und mit offensiver Ausrichtung ins Spiel ging. Die Erkenntnis, dass man spielerisch klar unterlegen ist, mag im ersten Moment wehgetan haben. Sie führte jedoch auch dazu, dass Mourinho in den wichtigen Spielen im letzten Saisondrittel dieses Experiment nicht mehr durchführen musste. Die Taktik kann klar darauf ausgelegt werden, einen vermeintlich übermächtigen Gegner am Toreschießen zu hindern, statt auf das eigene Offensivspiel zu setzen.

Barcelona fühlte sich durch den fünften Sieg in Folge über die verhassten Hauptstädter vor dem Clasicó-Marathon im Frühling vielleicht ein wenig zu sicher. Das Vertrauen in die eigene Stärke ist gerechtfertigt, doch war der Fokus – vor allem im Liga-Rückspiel – vielleicht zu sehr darauf gerichtet, den Erzrivalen noch einmal in Grund und Boden zu spielen.

Clásico #2: Abwehrschlacht

Mit dem Unentschieden konnte Barcelona dank des 8-Punkte-Vorsprungs sehr gut leben – Madrid überraschenderweise auch. Selbst bei einem deutlichen Sieg wäre die Chance auf die Meisterschaft nur minimal gewesen. Real begnügte sich daher damit, Barcelona so gut es ging aus dem Angriffsdrittel fernzuhalten. Barcelona hatte Probleme gegen die gut organisierten Gastgeber und zum ersten Mal zeigte Mourinhos Magie seine Wirkung. Das Spiel war nicht schön anzusehen, doch am Ende verdiente man sich einen Punkt, weil man in der Lage war, nach dem Rückstand und Özils Einwechslung selbst Druck aufzubauen. In Spanien wurde das Spiel als Punktsieg für Barcelona gewertet, was für sich genommen auch richtig war. Dennoch lieferte auch dieses Spiel wichtige Erkenntnisse für Mourinho und sein Team.

Es war das von seiner Bedeutung her unwichtigste der vier Spiele, da der Meisterkampf bereits entschieden war. In Bezug auf die weiteren Spiele könnte das Ergebnis jedoch Madrid mehr geholfen haben, als Barcelona. Der Punktgewinn sorgte für mehr Selbstvertrauen und nährte die Hoffnung, dass Barcelona doch schlagbar sein könnte. Beim FCB könnten sich erste Zweifel an der eigenen Stärke eingeschlichen haben.

Clásico #3: Pressing

Das Finale der Copa del Rey war aus Mourinhos Sicht eine weitere Testphase, wie er Barcelonas Überlegenheit am besten durchbrechen kann. Diesmal versuchte er es mit einer aggressiveren Taktik: Pepe und Khedira spielten im zentralen Mittelfeld Pressing und ließen Barcas Mittelfeldmotoren Xavi und Iniesta keine Zeit am Ball. In der ersten Halbzeit tat sich Barcelona sehr schwer ins Spiel zu kommen und verlor trotz weiterhin hoher Ballbesitzquote ein wenig die eigene Linie. Madrid konzentrierte sich auf schnelle Konterangriffe über das Dreigespann Ronaldo-Di Maria-Özil und hatte in den ersten 45 Minuten die besseren Torchancen. Nach dem Seitenwechsel wurde Barcelona stärker und kombinierte sich immer sicherer durch Reals Hälfte. Madrids Pressing ließ nach und Barcelonas zentrales Mittelfeld dominierte fortan das Spiel. Dennoch taten sich die Katalanen schwer, den letzten Abwehrriegel vor dem Strafraum zu durchbrechen und Bälle in die Schnittstellen zu spielen. Pedro und vor allem David Villa spielten schwach und Messi ließ sich zu häufig ins Mittelfeld fallen, um vor dem Tor Gefahr auszustrahlen. In der Verlängerung war es dann ein offenes Spiel, indem Ronaldos Kopfball die Entscheidung brachte.

Mourinhos wichtigste Erkenntnis dürfte gewesen sein, dass sein Team Barcas Mittelfeld durch aggressives Pressing stoppen kann und sich durch die offensive Ausrichtung von Barcelonas Außenverteidiger immer wieder Konterchancen über die Flügel ergeben. Warum das Pressing in der zweiten Halbzeit nachließ war für mich nicht ersichtlich. Vielleicht reichte die Kraft nicht aus, doch es schien mir eine bewusste Entscheidung in der Halbzeitpause gewesen zu sein. Aus Barcelonas Sicht zeigte das Spiel, dass man ohne Breite im Spiel Real nicht schlagen kann. Mit Messi opfert man gelegentlich den Mittelstürmer, um Überzahl im Mittelfeld zu haben. Villa und Pedro reagieren darauf, indem sie weiter ins Zentrum rücken und die Breite weitgehend von den aufrückenden Außenverteidigern abhängt, was zu Lücken in der Defensivabteilung führt, die Madrid ausnutzen konnte. In der zweiten Halbzeit blieben Villa und Pedro weiter außen und Barcelonas Spiel wurde flüssiger.

Clásico #4: Dirty Bit

Trotz der Wichtigkeit des Pokalfinales schienen die beiden Spiele zuvor nur die Vorbereitung auf das Duell in der Champions League zu sein. Wer sich hier durchsetzt, würde mindestens als moralischer Sieger aus dem Clásico-Marathon hervorgehen. Die Wichtigkeit des Spiels war im Hinspiel im Bernabéu in jeder Sekunde zu spüren. Beide Mannschaften agierten sehr vorsichtig und waren darauf bedacht, die Stärken des jeweils anderen nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Nach etwa fünf Minuten wurde eine Linie deutlich, die beide Teams bis zur Halbzeit durchhielten. Real stand tief und wartete kurz hinter der Mittellinie mit drei Sechsern und zwei defensiven Außenstürmern auf Barcelonas Angriffe. Die ließen jedoch auf sich warten, weil Barcelona den Ball lieber in aller Ruhe durch die eigene Abwehrreihe laufen ließ, statt mutig nach vorne zu spielen. Die Außenverteidiger spielten erstaunlich defensiv, während Villa und Pedro an der Außenlinie klebten und das Sturmzentrum über weite Strecken verwaist blieb. Beide Teams schienen mit diesem spannungsarmen Spiel leben zu können, wenn Barcelona auch etwas mehr tat, um sich Torchancen zu erspielen.

Über mangelnde Unterhaltung konnte man sich trotzdem nicht beschweren. Schon in den vorhergehenden Spielen war die physische Seite des Spiels in den Mittelpunkt gerückt, doch diesmal trieben es die Mannschaften auf die Spitze. Die Aggression ging sicher von Real Madrid aus, doch die Spieler des FC Barcelona trugen ihren Teil dazu bei, dass es nach dem Halbzeitpfiff zu Tumulten vor dem Spielertunnel kam. Ersatzkeeper Pinto sah die erste rote Karte des Spiels. Es verging kaum eine Minute, in der es kein hartes Einsteigen, zynisches Foul, theatralisches Herniedersinken und/oder kollektives Beschweren beim Schiedsrichter gab. Sergio Busquets gab sich alle Mühe, seine schauspielerische Leistung aus dem Vorjahr noch zu toppen, während auf der Gegenseite Pepe und Sergio Ramos stets an der Grenze zur Körperverletzung agierten. Die rote Karte gegen Pepe in der zweiten Halbzeit kam nicht überraschend und auch wenn Mourinho (genauso wenig überraschend) eine Verschwörung gegen seine Mannschaft witterte, war es genau die Art Foul, die immer mit Rot bestraft gehört: Mit den Stollen voraus auf Kniehöhe in den Gegner. Dani Alves hatte Glück, dass er den Schwerverletzten nur spielen musste. Glück hatte auch Adebayor, dass er für seine Aktion gegen Mascherano nur Gelb sah.

Für das Spiel selbst war es ein Glücksfall, dass es nach einer Stunde den Platzverweis gab, denn dadurch erhielt es eine andere Färbung. Barcelona nutzte den nun vorhandenen Platz im Mittelfeld aus, um das Spiel weiter in Madrids Hälfte zu tragen. Eine Reaktion von Reals Bank blieb aus, fast so als würde Mourinho nach seiner Verbannung auf die Tribüne aus Trotz nicht wechseln wollen. Nach dem Führungstreffer durch Messi (wen sonst?) war die Partie entschieden. Madrid fand nicht zurück ins Spiel und hatte auch nicht mehr die Kraft, Barcelonas Ballstafetten im Mittelfeld zu unterbinden. Messis zweites Tor war ein Leckerbissen für alle Fans des schwindelerregenden Dribblings. Gegen einen hervorragend organisierten Gegner wäre dieses Tor wohl kaum gefallen, aber das war Real Madrid zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

Clásico #5: ?

Messis Tore haben das Duell vermutlich schon vor Beginn des Rückspiels entschieden. Es wird trotzdem interessant zu sehen, wie Mourinho dieses Spiel angeht. Eigentlich bleibt ihm nur die Option der totalen Offensive, doch kann das in Barcelona gutgehen? Es könnte in einer weiteren epischen Niederlage enden, wenn Barcelona so viel Platz bekommt wie beim 5:0 im Herbst. Ohne Pepe und Khedira im Mittelfeld dürfte es schwer werden, aggressives Pressing wie im Pokalfinale zu spielen. Nur auf Schadenbegrenzung kann sich Mourinho jedoch auch nicht beschränken, will er es sich mit dem verwöhnten Madrider Publikum und der Hauptstadtpresse nicht völlig verderben.

Es wird ein Spiel mit umgekehrten Vorzeichen wie im Vorjahr: Mourinho braucht im Rückspiel einen Sieg, während Guardiola einen Vorsprung über die Zeit retten muss. Wie die beiden Trainer mit diesen Voraussetzungen umgehen macht dieses Rückspiel – dessen sportlicher Wert fraglich ist – zu einer spannenden Angelegenheit. Vielleicht bekommen wir ja auch endlich den fußballerischen Leckerbissen, auf den wir alle gehofft haben.

Danke, Mesut!

Mesut Özil wechselt nun also doch mit sofortiger Wirkung zu Real Madrid und verlässt nach 2 1/2 Jahren unseren SVW.

Finanziell ist es eine Verbesserung, das steht außer Frage. Auch sportlich ist Real Madrid eine Verbesserung, trotz aller Probleme, der Verein in den letzten Jahren hatte. Im letzten Jahr holte Real Madrid mehr Punkte pro Spiel als jedes andere Team in einer großen europäischen Liga – bis auf den FC Barcelona. Dieses ewige Duell um die Vorherrschaft im spanischen Fußball wird Mesut nun miterleben, vielleicht sogar mit prägen. Er spielt im Verein von di Stefano und Puskas, von Zidane und Raul. Ein Verein, dem Robben und Snejder vor einem Jahr zu schlecht waren. Er spielt zusammen mit Cristiano Ronaldo, Kaka, Xabi Alonso und Cassilas. Er spielt unter José Mourinho, den schillerndsten Trainer unserer Zeit. Welcher Fußballer – der nicht gerade im Barca-Trikot auf die Welt gekommen ist – würde dort nicht gerne spielen wollen?

Viele Werderfans sind nun erleichtert, weil die Spekulationen endlich vorbei sind. Im Hinblick auf das wichtige Spiel heute ist es sicher wichtig, dass diese Unklarheit aus dem Weg geräumt ist. Man kann Mesut aber eigentlich nicht viel vorwerfen, er hat sich zumindest nach Außen hin korrekt verhalten (im Gegensatz zu manchem anderen Spieler, der seinen Wechsel durchboxen wollte). Mesut wollte das Angebot annehmen, Werder wollte ihn verkaufen, um nicht in einem Jahr ohne Transfererlös dazustehen. Alles nachvollziehbar und ok. Kein böses Blut und kein Grund, ihm nicht alles Gute bei seinem neuen Verein zu wünschen.

Nun bleiben wir zurück, während Mesut beim größten Fußballverein der Welt spielen wird. Es ist nicht das erste Mal, dass wir einem Spieler als Sprungbrett für die weitere Karriere dienen. Wir sind es nicht anders gewohnt. Wir fühlen uns trotzdem benutzt und schmutzig. Wir sind nur so lange gut genug, bis jemand Besseres daherkommt. Wir lassen uns dafür bezahlen, dass wir bei dem Spielchen mitmachen und wir sollen uns auch noch gut dabei fühlen. Und trotzdem wissen wir schon jetzt, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird. Der Fluch des Ausbildungsvereins.

Nun werden wir sehen wie gut Mesuts Ausbildung war, die er ja eigentlich schon auf Schalke bekommen hat. Hier war es der Feinschliff. Das Juwel ist zwar noch nicht in optimalem Zustand, aber längst kein Rohdiamant mehr. Die Aufgabe unseres Vereins ist es, weitere davon zu finden. Mit Marin hat man schon einen. Arnautovic ist wohl auch einer. Vielleicht Wesley oder Ben Arfa. Wir sollten stolz darauf sein, dass solche Spieler bei uns so aufblühen können, wie bei kaum einem anderen Verein in Europa.

Ob der Sprung für Mesut zu früh kam wird sich zeigen. Mourinho scheint von ihm überzeugt zu sein und ich kann mir nicht vorstellen, dass er ihn verheizen wird. Vielleicht ist er in ein paar Jahren ein Superstar, vielleicht ein gescheitertes Supertalent, aber er hat den Sprung gewagt. Guten Flug und gute Landung, Mesut!

Einen Nachruf auf den Werderspieler Mesut Özil findet ihr hier >> klick <<

Jahre voller Lust (Teil 3)

Das Jahr 2010 ist da – die Nuller Jahre sind vorbei. Ein Jahrzehnt, das aus der grauen Fußballmaus Werder Bremen einen regelmäßigen Champions League-Teilnehmer machte. Ich habe mir aus jedem Jahr ein besonderes Spiel herausgepickt und paar Zeilen dazu geschrieben. So ist ein sehr persönlicher Rückblick auf die Dekade entstanden, den ich nun in drei Teilen hier im Blog veröffentlichen werde. Heute gibt es den dritten und letzten Teil.

28.11.2007: Werder Bremen – Real Madrid 3:2

Der Sprung von Spiel gegen Juventus zum Spiel gegen Real Madrid ist groß. 21 Monate liegen zwischen den beiden Partien, in denen es für Werder viele aufregende, aber auch manche ärgerliche Ereignisse gibt. Der Herbstmeisterschaft 2006 folgen zunächste herbe Enttäuschungen: Wie schon in der Hinrunde verliert man gegen Schalke und den späteren Meister VfB Stuttgart. Als dann auch noch das Heimspiel gegen den HSV verloren geht, scheint der Meisterschaftszug abgefahren, doch weil den Schalkern zum Ende hin die Puste ausgeht, kann sich Werder mit einer Siegesserie wieder herankämpfen. Auch international sieht es gut aus: Nach der verpassten Qualifikation der KO-Runde der Champions League erreicht man im UEFA-Cup das Halbfinale. Gegen Espanyol Barcelona setzt es im Hinspiel jedoch eine bittere 0:3 Niederlage. Für Aufregung sorgt kurz vor dem Spiel ein nicht mit dem Verein abgestimmtes Treffen zwischen Miroslav Klose und Vertretern von Bayern München. Der ehemalige Publikumsliebling, der zudem seit geraumer Zeit das Tor nicht mehr trifft, wird fortan bei den Fans zum Buhmann. Im Rückspiel sieht er bereits in der Anfangsphase gelb-rot und steigert seine Beliebtheit dadurch nicht gerade. Werder scheidet aus und auch die letzten Chancen auf die Meisterschaft können nicht genutzt werden. Die Niederlagen gegen Bielefeld und Frankfurt werden zum Sinnbild einer Saison, die zwar insgesamt erfolgreich war, doch den hohen Erwartungen aus dem Winter nicht gerecht werden konnte. Dabei hat Werder diese Meisterschaft nicht etwa gegen die kleinen Gegner verloren, sondern in den direkten Duellen gegen Schalke und Stuttgart. Ein Sieg aus den beiden Spielen gegen Stuttgart hätte letztendlich ausgereicht, um die Schale erneut an die Weser zu holen. Um die Auswirkung dieser direkten Duelle zu verdeutlichen: Hätte Werder diese vier Spiele alle gewonnen, statt sie alle zu verlieren, wäre man mit sage und schreibe 14 Punkten Vorsprung Meister geworden, anstatt mit 4 Punkten Rückstand Dritter.

In der Sommerpause wechselt Klose nach langem Hick-Hack schließlich doch zu den Bayern und ist in Bremen endgültig unten durch. Sein Nachfolger Boubacar Sanogo kommt ohne große Vorschusslorbeeren nach Bremen, doch kann innerhalb kurzer Zeit die Kritiker – vorerst – zum Schweigen bringen. Nach einer bitteren 0:4-Heimniederlage gegen Bayern München am 2. Spieltag spielt Werder eine großartige Hinrunde, an deren Ende wieder 36 Punkte auf dem Konto stehen. Nur die schlechtere Tordifferenz gegenüber den Bayern verhindert die erneute Herbstmeisterschaft. Sanogo avanciert in dieser Hinrunde zu Werders Lebensversicherung, erzielt viele wichtige Tore. Es bleibt leider die einzige Phase seiner Werderkarriere, in der er überzeugen kann (vom Intermezzo im vergangenen Sommer abgesehen). Der Star der Mannschaft ist nach Kloses Abgang endgültig der Brasilianer Diego, der sich immer mehr auch in das Blickfeld der europäischen Spitzenclubs spielt. Neben ihm kann Daniel Jensen endlich konstant starke Leistungen abliefern und wird in Abwesenheit der Platzhirsche Frings und Borowski zum Schlüsselspieler im Mittelfeld. Kein Spiel zeigt dies deutlicher, als das Champions League-Match gegen Real Madrid. Ein Blick auf die Aufstellung verdeutlicht die Verletzungsmisere, die sich wie ein roter Faden durch die Hinrunde zieht. Neben dem gesperrten Diego muss Werder gegen Real auf Wiese, Owomoyela, Frings, Borowski, Almeida, Klasnic und nach sechs Minuten auch auf Fritz verzichten. Mit Vander, Vranjes, Tosic und dem nach neunmonatiger Verletzungspause erstmals wieder auflaufenden Hunt gegen das große Real – kann das gutgehen?

Es kann! Werder liefert, auch gerade angesichts der Personalsituation, eines seiner besten Spiele der Ära Schaaf ab und bezwingt Madrid mit 3:2. Das 2:1 durch Sanogo ist in seiner Entstehung und Vollendung vielleicht das schönste, das Werder in der Champions League je erzielt hat. Die Zuschauer im Stadion sind 90 Minuten lang wie elektrisiert, die Stimmung ist für Bremer Verhältnisse gigantisch. Am Ende steht grenzenloser Jubel und die Hoffnung auf neue europäische Lorbeeren. Doch es kommt anders: Werder versagt in Piräus und muss in der Rückrunde erneut mit dem UEFA-Cup vorlieb nehmen. Neben dem Wirbel um den exzentrischen Neuzugang Carlos Alberto ist dies die größte Enttäuschung dieser Hinrunde. Die Tore des nach zwei Nierentransplantationen wiedergenesenen Ivan Klasnic gegen Bayer Leverkusen sorgen zu Weihnachten jedoch wieder für gute Laune.

27.9.2008: Werder Bremen – 1899 Hoffenheim 5:4

Das Jahr 2008 beginnt für Werder, wie so viele der vergangenen Jahre: Mit einer Krise. Man scheidet im Pokal gegen Dortmund aus und verpatzt auch den Auftakt in der Liga gegen Bochum. Binnen kurzer Zeit verspielt Werder alle Meisterschaftschancen. Dazu kommt das unglückliche und vor allem unnötige Ausscheiden aus dem UEFA-Cup gegen die Glasgow Rangers, wo Tim Wiese sein Juve-Flashback erlebt. Im Frühling 2008 scheint sich Werder aus der Spitzengruppe der Liga verabschiedet zu haben und nur ein großer Kraftakt zum Ende der Saison bringt Werder wieder in die Nähe der Champions League Ränge. Dann zeigt die Mannschaft jedoch, dass sie auch die entscheidenden Spiele gewinnen kann. Diese Eigenschaft hat man ihr aufgrund der Ergebnisse in den letzten beiden Jahren schon abgesprochen. Mit Siegen in Hamburg und Leverkusen sichert sich Werder die Vizemeisterschaft und ist somit erneut für die Champions League qualifiziert.

Die folgende Hinrunde bestätigt jedoch die Eindrücke der ersten Jahreshälfte: Werder fehlt die Balance zwischen Offensive und Defensive. Die Ergebnisse sind folglich sehr schwankend und reichen nicht mehr, um in der Liga oben dran zu bleiben. Werder kassiert viele Gegentore, die eine Bundesligamannschaft eigentlich nicht kassieren darf, weil die Defensive immer wieder weit aufrückt und die Rückwärtsbewegung des gesamten Teams so wirkt, als spiele hier eine Schülermannschaft. Man macht sich das Leben so viel zu schwer und steuert zeitweise einen neuen Vereinsrekord in Sachen Gegentoren an. Zum Glück ist Werders Offensive dank Diego und Rückkehrer Claudio Pizarro stark genug, um einen totalen Absturz zu verhindert. Neben den beiden entwickelt sich der von Schalke verpflichtete Mesut Özil vom Perspektiv- zum Stammspieler. Eine kurze Zeit lang sieht es sogar so aus, als reiche die Offensivpower aus, um wieder ein Wörtchen um die Meisterschaft mitzureden. In München verdirbt Werder den Hausherren kräftig den Oktoberfestauftakt, führt 25 Minuten vor Ende mit 5:0 in der Allianz-Arena. Die Anschlusstreffer des Ex-Bremers Borowski machen dieses Spiel aus Fansicht eher zu einem 7:0, als zum 5:2, das am Ende auf dem Spielberichtsbogen steht.

Das folgende Spiel gegen den späteren Herbstmeister Hoffenheim beginnt ähnlich furios, zeigt dann jedoch das ganze Spektrum des Bremer Spiels 2008. Die fehlende Balance kulminiert in diesem Spiel und sorgt wie das gesamte Jahr für ein Wechselbad der Gefühle auf den Rängen. Nach einer halben Stunde führt Werder mit 4:1 in einem für Bundesligaverhältnisse extrem schnellen Spielen. Die Abwehrreihen beider Mannschaften haben große Probleme und die Schussgenauigkeit beider Mannschaften ist fast schon beängstigend (Hunt! Salihovic!!!). Hoffenheim kann Werder in der zweiten Hälfte immer mehr hinten rein drücken und nach Mertesackers roter Karte und dem Ausgleichstreffer der Badener droht das Spiel vollends zu kippen. Özil entscheidet das Spiel schließlich mit einem Konter gegen den Aufsteiger, der nicht nur wegen seiner tollen Moral von einer unglücklichen Niederlage sprechen darf. Das Spiel ist ein Fest des Angriffsfußballs, bei dem Werder zeigen kann, dass man in dieser Disziplin noch immer nationale Spitze ist.

7.5.2009: Hamburger SV – Werder Bremen 2:3

Die erste Hälfte des Jahres 2009 steht für Werder im Zeichen der Pokalwettbewerbe. Im Ligaalltag rennt Werder dem Geschehen weiterhin nur hinterher. Während man im Pokal einen hart erkämpften Auswärtssieg in Dortmund feiern kann, steht man in der Bundesliga nach zwei Niederlagen gegen Bielefeld und Schalke zum Rückrundenauftakt im Niemandsland der Tabelle. In der Folge spult Werder mehr oder weniger ein Pflichtprogramm herunter und konzentriert sich auf die Highlights in den KO-Spielen. Ein erster Höhepunkt des Jahres ist die Partie in Mailand. Werder muss einem äußerst unglücklichen 0:2-Rückstand hinterherlaufen. Dank einer insgesamt sehr starken Leistung schafft man die Überraschung und wirft Milan aus dem Wettbewerb. Im Pokal gelingt ein 5:2-Kantersieg beim heimstarken VfL Wolfsburg. Werder fügt dem späteren Deutschen Meister dabei die einzige Heimniederlage der Saison zu. Es wird immer deutlicher, dass sich Werders Qualitäten in den letzten eineinhalb Jahren verändert haben. Während man früher konstant gut spielte und dann in den entscheidenden Spielen scheiterte, wirkt die Mannschaft nun reifer und erfolgshungriger in den großen Spielen, doch dafür hat man Probleme, konstant gute Leistungen abzuliefern.

Am Ende steht Werder auf einem sehr enttäuschenden zehnten Platz. Es ist erst das zweite Mal seit dem Wiederaufstieg 1981, dass Werder nach dem letzten Spieltag auf einem zweistelligen Tabellenplatz steht. Und wie schon 1999 ist dieser Umstand durch den Gewinn des DFB-Pokals nicht ganz so schwer zu verschmerzen. Der 1:0-Finalsieg gegen Leverkusen ist der krönende Abschluss einer über weite Strecken ärgerlichen Saison. Nach dem verlorenen UEFA-Cup-Finale gegen Donezk ist es eine große Genugtuung, doch noch einen Titelgewinn feiern zu können. Beachtlich an Werders Erfolgen in den Pokalwettbewerben sind auch die Umstände, unter denen sie zustande kommen. Es hat wohl nie widrigere Bedingungen gegeben, unter denen eine Mannschaft sich für zwei Finals qualifiziert hat: Im DFB-Pokal ist Werder die erste Mannschaft, die ohne ein einziges Heimspiel den Titel gewinnt. Im UEFA-Cup muss man die Rückspiele allesamt auswärts austragen, was gemeinhin als Nachteil gilt, und geht trotzdem jeweils als Sieger vom Platz.

Komplettiert wurde das Auf und Ab durch Pokal und Liga durch die vier Spiele gegen den HSV. Wenn es jemals einen klaren Sieger im Duell der beiden Vereine gab, dann dort. Innerhalb von zweieinhalb Wochen trifft Werder in Pokal, UEFA-Cup und Liga auf den Nordrivalen und kann sich in diesen Duellen eindrucksvoll durchsetzen. Man spielt die Hamburger nicht etwa an die Wand, doch legt einen Siegeswillen an den Tag, der kaum zu bändigen ist. Im Pokal wird Tim Wiese zum Helden, indem er drei Elfmeter hält und Werder damit das Ticket nach Berlin sichert. Im UEFA-Cup macht Werder eine 0:1-Heimniederlage und einen 0:1-Rückstand im Rückspiel wett und erkämpft sich auch hier die Finalteilnahme. In der Liga düpiert man den HSV schließlich vollends und zerstört dessen letzte Hoffnungen auf die Meisterschaft. Es ist eine Seelenmassage in vierfacher Ausfertigung, die für vieles, aber nicht alles entschädigt. Im Dezember spielt man erneut in Hamburg und verliert mit 1:2. Von „Revanche“ sprechen indes nicht einmal die Hamburger. Wir haben die bizarre Situation, dass Werder in den letzten 14 Monaten von 6 Spielen gegen den HSV nur zwei gewonnen und drei verloren hat und doch immer noch als Gewinner dasteht. Schöner, verrückter Fußball.

Im Sommer verlässt Diego Bremen in Richtung Turin. Ohne ihn ist Werder nur die Hälfte wert, da sind sich die Beobachter einig. Nicht nur die Niederlage in Istanbul hat gezeigt, dass Werder ohne seinen kreativen Kopf keine Spitzenmannschaft ist. Dazu beendet der langjährige Kapitän Frank Baumann seine Karriere. Im Sommer 2009 scheint trotz prominenter Neuzugänge wie Marko Marin, Tim Borowski und Marcelo Moreno unklar, ob Werder an die Erfolge anknüpfen kann. Es folgt erneut eine turbulente Hinrunde, in der Werder von 28 Spielen nur drei verliert, zwischenzeitlich Lobeshymnen einheimst und am Ende trotzdem nicht ganz zufrieden sein kann.

Wie geht es nun weiter? Wird ein Rückblick in 10 Jahren wieder so erfreulich sein? Ich bin gespannt und freue mich auf eine spannende und hoffentlich auch erfreuliche Rückrunde.

Lebenslang Grün-weiß!

Den ersten Teil der Serie (2000 – 2002) findet ihr hier. Den zweiten Teil (2003 – 2006) findet ihr hier.