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Meine EM: 3. Spieltag: Showdown ums Viertelfinale

Gruppe A

Polen – Tschechien 0:1

Die beiden Außenseiter sind weitergekommen und ich muss zugeben, dass ich nur die beiden unterlegenen Favoriten vor dem Turnier richtig eingeschätzt habe. Polen ist letztlich vor allem an seinem zu schwachen Kader gescheitert. Über Rechts war man gefährlich und mit viel Einsatz und Motivation spielte man phasenweise gut auf. Viel mehr hatte das Team aber nicht zu bieten. Je länger die Spiele dauerten, desto einfallsloser wirkte das, was Smudas Spieler ablieferten. Dazu kam der größer werdende Druck und wohl auch die Versagensangst. Zwei Punkte sind für einen Gastgeber ein Armutszeugnis und so kann sich niemand über das Ausscheiden beschweren. Tschechien war sicher kein übermächtiger Gegner, hat aber eine technisch starke Mannschaft und konnte sich trotz taktischem Blackout gegen Russland am Ende sogar als Gruppensieger durchsetzen. Ich sehe das eher als Schwäche der Gegner, denn als Zeichen, dass Tschechien auf dem Weg zurück in die europäische Spitze ist. Im Prinzip reichte ihnen eine gute halbe Stunde gegen Griechenland und ein konzentriertes, solides Spiel gegen Polen zum Weiterkommen. Dennoch hätte ich nicht damit gerechnet, dass sie es packen.

Griechenland – Russland 1:0

Russland ist im Nachhinein dann doch eine große Enttäuschung, auch wenn sie im Prinzip nur das wahr gemacht haben, was ich vor dem Turnier vermutet habe: Als Kontermannschaft sind sie mitunter weltklasse, aber gegen einen defensiven Gegner und mit viel Zeit am Ball gehen ihnen die Ideen aus. Die offensiven Spielzüge gegen Tschechien waren großartig und sicher ein Highlight der Vorrunde. Gebracht hat es ihnen nichts außer Vorschusslorbeeren. Gegen Polen spielten sie lange auf Sparflamme und versäumten es, den Vorrundensack zuzumachen. Gegen die defensiven Griechen gerieten sie dann in Panik und fanden keine geeigneten Mittel. Da kann die Torschussstatistik noch so gut aussehen, viele echte Torchancen waren nicht dabei. Deshalb ist der Sieg der Griechen zwar etwas glücklich, beschweren können sich die Russen hingegen nicht. Damit wären wir auch schon bei der Freak-Mannschaft des Turniers. Schlechter als Griechenland kann man nicht in ein Turnier starten: Vom Gegner überrannt, 0:1 hinten, unberechtigter Platzverweis für den einen, Kreuzbandriss für den anderen Innenverteidiger. Im zweiten Spiel sah es noch schlimmer aus. Von Tschechien ließ man sich in den ersten fünf Minuten gleich zwei Dinger einschenken und kam trotz deutlichen Einbruch beim Gegner kaum zu eigenen Torchancen. Und dennoch steht Griechenland im Viertelfinale, weil man eine unglaubliche Zähigkeit an den Tag legt und im letzten Spiel gegen Russland sehr stark verteidigt hat. Ich hätte Griechenland spielerisch etwas stärker erwartet, aber Deutschland wird an der griechischen Defensive zu knabbern haben.

Gruppe B

Deutschland – Dänemark 2:1

Am Ende musste Deutschland noch mal zittern. Portugal führte gegen Holland, Deutschland brauchte einen Punkt und beim Stande von 1:1 unterzog man Bendtners Trikot im deutschen Strafraum einem gründlichen Reißtest. Über einen Elfmeter hätte man sich nicht beschweren können, aber zum Glück blieb die Pfeife stumm und wenig später entledigte Lars Bender das Team von allen unmittelbaren Sorgen. Am Ende stehen neun Punkte auf Deutschlands Konto und das in der schwersten Gruppe des Turniers. Ohne Kritikpunkte kommt man auch im dritten Spiel nicht aus, doch das sollte eher Hoffnung machen als Angst. Eine bessere Mannschaft habe ich im Turnier bislang nicht gesehen und wenn dann sogar noch Steigerungspotenzial und eine starke Bank vorhanden sind, ist das eine glänzende Ausgangslage. Aber Turniere laufen in der K.O.-Runde ja bekanntlich nur selten so ab, wie man nach der Vorrunde denkt. Um Dänemark tut es mir etwas leid, denn sie haben ein tolles Turnier gespielt und sich gut verkauft in der Gruppe. Man merkt dem Team an, dass es Olsens System verinnerlicht hat. So konnte man auch in der “Todesgruppe” mithalten. Lediglich Christian Eriksen hat mich etwas enttäuscht.

Niederlande – Portugal 1:2

Portugal ist gegen Dänemark mit einem blauen Auge davon gekommen, hat sich im letzten Spiel gegen die Niederlande jedoch rehabilitiert. Vor allem Ronaldo zeigte, dass er Portugal mit seiner individuellen Klasse auf ein anderes Niveau heben kann. Aber genau deshalb sehe ich immer noch nicht, wie sie sich mit dieser starken Abhängigkeit von den Flügeln und Ronaldos Geniestreichen sowie dessen weitgehendem Verzicht auf Defensivarbeit auf höchstem Niveau durchsetzen wollen. Gegen Tschechien sollte es aber noch reichen. Für die Niederlande fallen mir hingegen kaum noch Worte ein. Da lief von A bis Z so ziemlich alles falsch, was falsch laufen kann in solch einem Turnier. Zusätzlich zu den bereits bekannten Problemen (schwacher Spielaufbau, kein Ineinandergreifen von Offensive und Defensive, Egoismen einzelner Spieler) ließen die Holländer immer mehr auch jeglichen Mannschaftsgeist vermissen und scheiden so völlig zurecht als Gruppenletzter aus. Zweifellos die Enttäuschung des Turniers.

Gruppe C

Italien – Irland 2:0

Vom Spiel habe ich nur die Tore gesehen. Das 2:0 von Balotelli war überaus sehenswert und verdeutlicht den Zwiespalt, in dem Prandelli steht. Das schlampige Genie spielen lassen oder nicht? Man will auf seine Klasse nicht verzichten, aber das Risiko eines Blackouts ist immer mit im Spiel. Ansonsten bleibt nur festzuhalten, dass Italien die Pflichtaufgabe gelöst hat und diesmal nicht Opfer eines 2:2 im Parallelspiel wurde.

Spanien – Kroatien 1:0

Der Tenor war eindeutig: Langweiliges Spiel der Spanier. Überhaupt scheinen viele vom endlosen Tiki Taka inzwischen eher genervt zu sein. Aber man kann es auch umdrehen: Vielleicht ist Spanien einfach vom Rest der Fußballwelt genervt – oder schlimmer noch: gelangweilt. Als Welt- und Europameister müssen sie nichts mehr beweisen. Da kann so eine Gruppenphase gegen Gegner, die die letzten Monate damit verbracht haben, sich die perfekte Taktik gegen die Spanier zu überlegen, schon ziemlich ermüdend sein. Bei allen Zweifeln, die man ob der vermeintlichen Ineffektivität und der fehlenden Breite im Spiel haben kann und bei allem Lob, das sich Kroatien und vor allem Italien verdient haben: Geschlagen haben sie die Spanier nicht. Spanien ist das “Team to beat”, sie sind der Titelverteidiger, sie sind der Maßstab. Die Herausforderer müssen sich an ihnen abarbeiten und da ist es schon beachtlich, dass mit einiger Luft nach oben “mal eben” sieben Punkte eingefahren wurden. Spanien hat ein wenig gewankt, mehr als Deutschland sogar, aber mehr war es letztlich nicht. Ein klarer Elfmeter wurde den Kroaten verweigert, aber später hätte auch Spanien einen bekommen müssen und am Siegtor gab es regeltechnisch auch nichts auszusetzen. Kroatien fehlte am Ende ein Tor, sonst hätten sie Italien noch verdrängt. Für mich waren sie eine der positiven Überraschungen des Turniers und es ist schade, dass sie in dieser starken Gruppe nicht weitergekommen sind.

Gruppe D

Ukraine – England 0:1

Was für ein schräges Fußballspiel. Das mäßige Niveau in Gruppe A hat wohl niemanden überrascht, aber Gruppe D war keinen Deut besser. Die Ukraine wirkte wie ein ziellos zusammengeschusterter Haufen, der irgendwie den Ball zum nächsten Mann schob und hoffte, dass dabei so etwas wie ein Spielaufbau herauskommt. Jenseits der Mittellinie wurde dann der Turbo gezündet und es ging in hohem Tempo nach vorne. Die Engländer brauchten eine Weile, bis sie sich darauf eingestellt hatten. So kam die Ukraine zu einigen guten Torgelegenheiten. Mit der Zeit biss man sich am englischen Abwehrbollwerk jedoch die Zähne aus. Die Engländer erfüllten zumindest die Erwartungen, die man vor dem Turnier an sie hatten. Das sieht nicht schön aus, ist spielerisch meilenweit von Spanien oder Deutschland entfernt, aber es ist effizient und holt derzeit das beste aus den Spielern heraus. Ich bin gespannt, wie weit sie mit diesem geradlinigen und britischen Fußball kommen können. Der zweite Gastgeber ist hingegen ausgeschieden und auch hier kann man (Torrichter hin oder her) wenig Argumente finden, warum es anders sein sollte.

Frankreich – Schweden 0:2

Verkam anscheinend zu einer Art Freundschaftskick. Schweden stand schon vorher als Gruppenletzter fest und spielte befreit auf. Eigentlich habe ich zu ihnen im letzten Beitrag alles geschrieben und an meiner Meinung ändert auch der Sieg gegen Frankreich nichts. Die Franzosen verstehe ich nicht so recht, sie machen immer das Gegenteil von dem, was ich erwarte. Ihren Ansatz in der Offensive finde ich interessant, aber es scheint eine recht breite Streuung zu geben, was die möglichen Ergebnisse angeht. An einem guten Tag Spanien schlagen? Vielleicht. Aber warum dann nicht an einem mittelmäßigen Tag Schweden besiegen und Gruppensieger werden? Ob das wirklich nur das Gefühl der Sicherheit war, dass beim anderen Spiel eh nichts mehr anbrennt? Oder das Fehlen von Cabaye? Ich weiß nicht.

Meine EM: 2. Spieltag, Gruppe D

Frankreich lässt die Ukraine nach der Regenunterbrechung ziemlich hilflos aussehen. England liefert sich mit Schweden ein spannendes und offenes Spiel.

Ukraine – Frankreich 0:2

Dem Gewitter sei dank, bekam ich doch noch etwas mit von diesem Spiel, wenn auch nur die letzten 40 Minuten. Zwei Erkenntnisse gab es dabei für mich: Frankreich gehört doch zu den Mitfavoriten des Turniers, auch wenn sie die englische Mauer in der Schlussphase des Eröffnungsspiels nicht knacken konnten. Das fluide Spiel im Angriff gefällt mir gut und erinnert mich ein wenig an Werder 09/10 mit vier ständig rochierenden Offensivkräften. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich damit gegen die Topmannschaften schlagen werden.

Die Ukraine wirkte nach dem gedrehten Spiel gegen Schweden und dem Doppelpack von Shevchenko so, als hätte sie ihr Ziel im Turnier schon erreicht. Vielleicht ist mein Eindruck etwas verzerrt, weil ich die erste Halbzeit nicht gesehen habe, aber in der zweiten waren sie völlig chancenlos und hatten auch kein erkennbares Konzept, wie sie Frankreich in ernsthafte Probleme bringen könnten. Jetzt gibt es ein Endspiel gegen England, das die Ukraine in jedem Fall gewinnen muss. Für mich sind sie dabei klarer Außenseiter und viel zu abhängig von ihren alten Stars. Aber vielleicht beschert uns das Turnier ja noch einen zweiten Abend wie beim Spiel gegen die Schweden.

England – Schweden 3:2

Nicht jedes Spiel mit vielen Toren ist unterhaltsam. Das muntere Hin und Her zwischen England und Schweden würde ich aber schon dazuzählen, auch wenn es fußballerisch eher mittelmäßig war. Die Tore waren weniger Produkte durchdachter Angriffszüge, als das Resultat aus Einzelaktionen. Die schiere Gewalt bei Carrolls Kopfballtor war beeindruckend und ein Beweis, dass eine Halbfeldflanke effektiv sein kann, wenn die gegnerische Abwehr nicht fünf Sekunden Zeit hat, sich darauf einzustellen. Danach war es vor allem der Spielverlauf, der dieses Spiel so packend machte. Erst drehte Schweden das Spiel, dann die Engländer. Dazwischen gab es viele Ungenauigkeiten, aber auch durchaus hohes Tempo.

Schwedens Abhängigkeit von Ibrahimovic ist ein hausgemachtes Problem. Die Mitspieler verlassen sich zu sehr auf ihn, bürden ihm zu viel Verantwortung auf. Ibrahimovics arrogante Körpersprache deutet darauf hin, dass er seine Mitspieler als minderwertig betrachtet. So hat man bei jedem Pass zu ihm den Eindruck, dass die Botschaft mitschwingt: Du kannst doch alles besser, also mach mal. Es ist wohl kein Zufall, dass sich die Teams, die um einen Superstar gebaut sind, bei dieser EM so schwer tun (Schweden, Portugal, teilweise auch die Ukraine). Um bei der im Fußball so beliebten Militärsprache zu bleiben: Ibrahimovic ist eine Waffe, kein General. Ähnlich ist es mit Theo Walcott bei den Engländern. Der kam in der Schlussphase und brachte mit seiner Schnelligkeit den Odonkor-Effekt ins Spiel, der England zum Sieg führte.

Schweden ist damit raus und England hat gute Chancen, mit einem Unentschieden gegen den Co-Gastgeber ins Viertelfinale einzuziehen.

Meine EM: 1. Spieltag, Gruppe D

Frankreich und England neutralisierten sich mit ihren gegensätzlichen Spielanlagen. Der Ukraine gelang gegen Schweden ein beeindruckendes Comeback.

Frankreich – England 1:1

Das erste Spiel bei dieser EM, das ich nicht live gesehen habe. Was ich hinterher in Zusammenfassungen gesehen und in Spielberichten gelesen habe, war nicht sehr erbaulich. Beide Teams in ihrer Ausrichtung in etwa so wie erwartet. Das Ergebnis ist auch wenig überraschend, wobei ich den Franzosen nach den letzten Testspielen doch etwas mehr offensive Durchschlagskraft zugetraut hätte. Am Ende rannte man vergeblich an gegen eine englische Mannschaft, die von Hodgson in der kurzen Vorbereitungszeit offenbar gut eingestellt wurde. Mal sehen ob man sich gegen die anderen beiden Gegner auch in einer Außenseiterrolle gefällt oder dort offensiver zu Werke geht.

Ukraine – Schweden 2:1

Es ist ein schmaler Grat zwischen abwartendem und passivem Fußball. Für letzteren bestand in diesem Spiel eigentlich kein Anlass, denn keine der Mannschaften ist der anderen so überlegen, dass man sich verstecken müsste. Es war verständlich, dass Schweden den vor dem Turnier strauchelnden Ukrainern in Kiew die Initiative überlassen würden. Statt ihnen dabei nach und nach den Schneid abzukaufen und so noch nervöser zu machen, ließ man sie zu lange auf mittelmäßigem Niveau gewähren, bis sie immer besser zu ihrem Spiel fanden.

Bei Schweden gefiel mir die Raum- oder vielmehr Aufgabenaufteilung in der Offensive nicht. Rosenberg machte das, was er auch bei Werder machte: Diagonale Läufe hinter die Viererkette. Die hierfür benötigten Vertikalpässe durch die Schnittstellen blieben jedoch aus. Ibrahimovic spielte wie erwartet deutlich hinter ihm, ließ sich dabei aber so tief fallen, dass große Lücken im Zentrum entstanden. Über die Flügel kamen zu wenig Vorstöße und das Spiel wirkte insgesamt wenig ausgewogen. Die einzige Spielidee der Sechser bestand offensichtlich darin, den Ball zu Ibrahimovic zu spielen. Dennoch ging Schweden etwas glücklich in Führung.

Die Ukraine überzeugte nicht nur durch ihren Kampfgeist, mit dem sie das Spiel nach dem Rückgang drehten. Auch spielerisch war die Leistung besser als erwartet. Mit Shevchenko und Voronin setzte Trainer Blochin vorne auf die alte Brigade, was man ihm bei einer Niederlage sicher vorgeworfen hätte. Doch gerade die beiden rissen nach dem Rückstand das Spiel an sich. Ein Doppelpack von Sheva zum Auftakt der Heim-EM war nach den Verletzungsproblemen und nachlassenden Leistungen der jüngeren Vergangenheit fast zu schön um wahr zu sein. Die Ukraine feierte also einen Auftakt nach Maß und drehte das Spiel gegen eine schwedische Mannschaft, die sich den Vorwurf gefallen lassen muss, über weite Strecken des Spiels gegen einen schlagbaren Gegner zu passiv gewesen zu sein. Die Ukraine hat nun eine realistische Chance aufs Weiterkommen, während sich Schweden keine großen Hoffnungen machen sollte, den Patzer noch auszubügeln.

Meine EM: Schweden wie immer, aber anders

Wann immer ein großes Turnier ansteht und man sich die schwedische Mannschaft anschaut könnte man zu dem Schluss kommen, dass man es mit dem Otto Normalverbaucher unter den Fußballmannschaften zu tun hat. Das Wort “Durchschnitt” ist im Fußball negativ behaftet, aber auf die Schweden trifft es dennoch zu. Wo Schweden ist, ist die Mitte.

Offensiver als früher

Das soll nicht heißen, dass Schweden langweiligen Fußall spielte oder eine langweilige Mannschaft hätte. Dafür sorgt schon allein Zlatan Ibrahimovic mit seinem großen Ego und seiner ebenso großen individuellen Klasse. In der Nationalmannschaft spielt er eine tiefere Rolle, als im Verein. Er agiert mehr als falsche Neun, teils sogar als echter Zehner. Vor ihm kommt mit Elmander bzw. Toivonen ein weiterer Mittelstürmer zum Einsatz. Markus Rosenberg hat nur Außenseiterchancen. Das Spiel der Schweden wird durch die starke Zentrierung auf Ibrahimovic leicht ausrechenbar, profitiert aber auch von seiner stärkeren Einbindung ins Spiel. Interessanterweise ist Schwedens Bilanz ohne Ibrahimovic besser als mit ihm. Dennoch hebt er die offensive Klasse durch seine Anwesenheit um ein paar Prozentpunkte.

Ein anderer Aspekt, der Schweden 2012 interessant macht ist der neue Trainer. Lars Lagerbäck betreute Schweden 18 Jahre lang, feierte mit dem dritten Platz bei der WM 1994 einen der größten Erfolge der nationalen Fußballgeschichte, verpasste aber die WM 2010. Mit Erik Hamrem übernahm ein Trainer das Kommando, der Schweden einen moderneren und offensiveren Fußball spielen lässt – bislang mit Erfolg. Das Mittelfeld ist offensiv ausgerichtet. Die Flügelspieler pressen nach vorne und auch Kim Kallström als nomineller Teil einer Doppelsechs rückt häufig mit nach vorne. Der eher statische Fußball unter Lagerbäck gehört der Vergangenheit an.

Probleme in der Defensive und im Spielaufbau

Das Problem der Schweden ist jedoch ihre Defensive. Hier hat man in Olof Mellberg immer noch den besten Verteidiger im Kader. Mit seinen 34 Jahren ist er nicht mehr auf dem absoluten Topniveau. Neben ihm fehlt es den Schweden an großer Klasse in der Abwehrreihe. Durch den stärkeren Fokus auf die Offensive und das Nachrücken des Mittelfeldes sowie der Außenverteidiger sind die Schweden hinten anfälliger geworden, als man es von ihnen gewohnt ist. Gegen Frankreich, aber auch gegen England dürfte man Probleme bekommen, wenn der Ball schnell in die Lücken hinter den Außenverteidigern gespielt werden. Die Niederlande haben dies in der Qualifikation gut offengelegt.

Auch die Spieleröffnung der Schweden ist nicht auf höchstem Niveau bei diesem Turnier. Mellbergs Stärke ist nicht der öffnende Pass und auch sonst überlässt man den Spielaufbau lieber dem Mittelfeld. Von dort aus richtet sich das Spiel sehr stark auf Ibrahimovic aus, der den Ball hält, während das Mittelfeld nachrückt. So bleibt Schweden letztlich eine Kontermannschaft, die defensiv dafür eigentlich nicht sattelfest genug ist. Der Spielplan der Gruppe D dürfte ihnen jedoch entgegen kommen. Mit einem Auftaktsieg gegen die schwachen Ukrainer hätte man für ein dann vielleicht schon entscheidendes Spiel gegen England eine gute Ausgangsposition.

Meine Prognose: Schweden ist defensiv zu anfällig und offensiv zu abhängig von Ibrahimovic, um bei diesem Turnier zu überraschen. Sie sind zwar nicht chancenlos, aber ich rechne mit einem Vorrundenaus.

Schwedens Vorrundengegner

Ukraine
Frankreich
England

Werder in Südafrika

Nachdem sich Deutschland souverän für die WM 2010 qualifiziert hat und in Werders momentaner Startelf neun Deutsche stehen, lohnt ein Blick auf die Chancen der Spieler, in Südafrika dabei zu sein.

Die Arrivierten

Mit Tim Wiese, Per Mertesacker, Mesut Özil und Marko Marin verfügt Werder über vier aktuelle deutsche Nationalspieler. Während sich Mertesacker und Özil wohl keine Sorgen über ihren Platz im 23-köpfigen Kader machen müssen und Marin nur bei einem Leistungseinbruch aussortiert werde dürfte, ist die Situation bei Wiese nicht ganz leicht auszumachen. Die letzten Nominierungen lassen darauf schließen, dass der Bundestrainer ihn derzeit nur als vierten Torwart betrachtet. Da mit großer Sicherheit nur drei Torhüter berufen werden, könnte es für ihn eng werden. Eine wirkliche Bewährungsprobe hat Wiese bislang nicht bekommen. Für das Freundschaftsspiel gegen Chile hat Löw ihm einen Einsatz versprochen, doch um mehr als den dritten Platz im Kader dürfte es nicht gehen. Aus dem propagierten Vierkampf um die Nummer Eins ist ein Zweikampf zwischen Adler und Enke geworden, in dem der Leverkusener nach seiner starken Leistung gegen Russland die Nase vorn hat (auch wenn ich die Euphorie für etwas übertrieben halte).

Mertesacker ist in der Innenverteidigung seit der WM 2006 gesetzt. Die Frage ist wohl eher, wer in Südafrika neben ihm auf dem Platz stehen wird: Westermann, Tasci, Höwedes, Boateng oder doch wieder Metzelder? Ähnlich komfortabel ist die Situation von Özil. Er ist innerhalb kurzer Zeit zum Hoffnungsträger geworden. Christian Kamp schreibt heute in der FAZ: “Schneller als Özil hat sich lange kein Neuling in den Vordergrund gespielt.” Der einzige andere Spieler, der für die Position des Spielmachers ernsthaft in Frage kommt ist sein Vereinskamerad Marin (Ballack ist bei all seinen Qualitäten kein kreativer Spielgestalter), der trotz zuletzt guter Form in der Nationalelf noch etwas hinten an steht. Zudem spielt er im Verein auf der Position des zweiten Stürmers, die es so in Löws Formation nicht gibt. Es ist unwahrscheinlich, dass er Özil verdrängt, sowohl bei Werder als auch in der Nationalmannschaft, doch wenn beide im Verein gut harmonieren ist es für Löw sicher auch eine Option, beide spielen zu lassen.

Die Ehemaligen

Zu den aktuellen Nationalspielern kommen die drei ehemaligen Torsten Frings, Tim Borowski und Clemens Fritz. Frings wird von Löw seit Anfang des Jahres nicht mehr berücksichtigt und hat seinen Stand durch provokative Aussagen in den vergangenen 12 Monaten nicht verbessert. Aus Frings Sicht ist der Ärger verständlich, denn nicht bei jedem Spieler werden die selben Maßstäne angesetzt wie bei ihm. In der Nationalelf hat sich Frings nichts zu schulden kommen lassen. Die EM 2o08 war eine Enttäuschung, doch nach einer Saison, in der er 3/4 der Spiele wegen Verletzungen verpasst hatte, konnte man nicht erwarten, dass er ein überragendes Turnier spielt wie 2006. Die Formkrise im letzten Jahr schien Löw zu bestätigen. Zuletzt war Frings jedoch wieder in starker Form und könnte sich für den WM-Kader aufdrängen, insbesondere wenn Hitzlsperger nicht bald zurück in die Spur findet.

Borowski galt 2006 noch als Versprechen für die Zukunft, als neuer Ballack, doch ein paar Verletzungen und ein erfolgloses Intermezzo bei FC Bayern später steht er mit leeren Händen da. Bei Werder präsentierte er sich bislang ordentlich (ich fand ihn keineswegs so schlecht, wie er von einigen gemacht wird), doch für eine WM-Nominierung wird er sich gewaltig strecken müssen. Gleiches gilt für Fritz, dem ich kaum Chancen einräume. Mit Boateng, Beck und Friedrich gibt es gleich drei Spieler, die auf der Rechtsverteidigerposition vor ihm stehen. Sollte es auf links eine starke Alternative geben (Schäfer? Jansen?) könnte auch Lahm auf die rechte Seite wechseln. Fritz hat sein Seuchenjahr zwar hinter sich gelassen und ist zumindest wieder ein grundsolider Verteidiger geworden, doch der Elan, der ihn 2006 ins Team brachte, geht ihm noch etwas ab. War er im 4-4-2 auch eine Alternative fürs rechte Mittelfeld, dürfte er im aktuellen 4-2-3-1-System als Rechtsaußen kaum in Frage kommen.

Die Newcomer

Drei deutsche Spieler bleiben noch übrig, die bislang nicht für die A-Nationalmannschaft ran durften: Aaron Hunt, Sebastian Boenisch und Philipp Bargfrede. Hunt galt lange Zeit als eines der größten deutschen Talente. Bereits im Frühjahr 2005, im Alter von gerade mal 18 Jahren, spielte sich Hunt zum ersten Mal in den Mittelpunkt. Nach 1 1/2 Jahren als Joker schaffte er es im Herbst 2006 endlich in Werders Startelf, damals noch als Stürmer. Im Champions League Spiel gegen den FC Barcelona überraschte Schaaf mit seiner Aufstellung (auch damals standen neun Deutsche auf dem Platz). Hunt und Werder spielten stark und der Stammplatz war zunächst sicher. Etliche Verletzungen versperrten seitdem den Weg zum Leistungsträger. Im Winter 2007, nach neunmonatiger Pause und befürchteter Sportinvalidität kam Hunt zurück, wieder in der Champions League, wieder gegen einen starken Gegner. Gegen Real Madrid brachte Schaaf ihn als Spielmacher, die von Verletzungen geplagte Rumpfelf (Sanogo, Vranjes, Pasanen, Tosic, Vander) spielte überragend, siegte 3:2 und Hunt erzielte ein Tor. Danach wurde es jedoch schon wieder ruhiger um seine Person. Er hatte Probleme den Anschluss zu finden, brauchte bis zum Sommer 2008 um sich erneut einen Stammplatz zu erkämpfen, traf im Jahrhundertspiel gegen Hoffenheim per Fernschuss in den Knick, nur um sich dann wieder mit Verletzungen rumzuplagen.

In dieser Saison ein neuer Versuch. Hunt ist seit einiger Zeit verletzungsfrei, der Trainer baut auf ihn und muss sich Kritik dafür gefallen lassen. Dem als “ewiges Talent” (die schlimmste Beleidigung in der deutschen Fußballsprache) verschrienen Hunt trauen viele Fans den Durchbruch nicht mehr zu. In nur vier Wochen brachte Hunt sie zum Schweigen. Gute Leistungen und Tore gegen St. Pauli, Mainz, Bilbao und Stuttgart machten ihn endlich zu einem Leistungsträger. Nun muss er beweisen, dass er diese Form halten kann. Sollte er das schaffen, ist eine Nominierung für die Nationalmannschaft nur eine Frage der Zeit. Allerdings könnte ihm der Körper wieder einen Strich durch die Rechnung machen.

Spieler wie Sebastian Boenisch haben bei den Zuschauern generell einen schweren Stand. Wer mit dem Wort “Talent” nur technische Fähigkeiten meint, der wird es Boenisch wohl absprechen. Seine großen Stärken hat er im läuferischen Bereich und im Zweikampf (zuletzt Quoten um die 75% gegen Mainz und Leverkusen). Boenisch kann das Spiel auf seiner Seite antreiben, ein Flankengott ist er jedoch nicht. In der Defensive hapert es noch am Stellungsspiel, das er in den letzten 12 Monaten jedoch schon merklich verbessert hat. Von einer WM-Nominierung ist Boenisch noch ein ganzes Stück entfernt, doch seine Laufbahn in der U21, mir der er im Sommer Europameister wurde, deutet darauf hin, dass er es auch in die A-Nationalmannschaft schaffen kann – allerdings wohl kaum bis zum nächsten Sommer.

Bargfrede ist bislang die große Überraschung der Saison. Gleich in seinem ersten Profijahr ist er zum Stammspieler geworden und überzeugt durch beständige, spielerisch und kämpferisch starke Leistungen. Wäre er Stuttgarter Wäre die WM nicht im nächsten Jahr hätte Löw ihn vielleicht schon eingeladen. Für die WM hat er allenfalls Außenseiterchancen, selbst wenn er seine tolle Entwicklung so fortsetzen sollte.

Die Ausländer

Es soll nicht der Eindruck entstehen, es gäbe nur deutsche Werderspieler, die eine WM-Chance haben. Hugo Almeida, Daniel Jensen, Petri Pasanen, Sebastian Prödl, Markus Rosenberg, Naldo und Marcelo Moreno sind aktuelle Nationalspieler ihrer jeweiligen Heimatländer. Während Pasanen (Finnland), Prödl (Österreich) und Moreno (Bolivien) keine Chance mehr auf eine WM-Teilnahme haben, sind die Verbände von Jensen (Dänemark) und Naldo (Brasilien) schon sicher qualifiziert. Jensens Platz im Nationalteam ist trotz langer Verletzungspause gesichert. Naldo wurde nach langer Zeit wieder für die Selecao nominiert und hat noch einen weiten Weg vor sich, um 2010 dabei zu sein. Hugo Almeida (Portugal) und Markus Rosenberg (Schweden) sind nicht nur Konkurrenten um einen Platz in Werders Sturm, sondern auch um die WM-Qualifikation. Portugal braucht heute Abend unbedingt einen Sieg gegen Malta, um noch in einen Relegationsplatz zu erreichen. Almeida kann dabei wegen seiner Verletzung nur zuschauen. Sollten die Portugiesen patzen kann Schweden mit einem Sieg gegen Albanien noch vorbei ziehen und seinerseits auf den Relegationsplatz hoffen.