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Dann macht euren Scheiß doch allein!

Dies ist mein vorerst letzter Beitrag in diesem Blog.

Es geht mir schon seit längerer Zeit gründlich gegen den Strich, dass mein Verein beschlossen hat, lieber an der Vergangenheit festzuhalten, als neue Wege zu gehen. Und damit ist hier ganz und gar nicht die sportliche Entwicklung gemeint, sondern einzig und allein die Art und Weise, wie Werder mit Fans und Medien umgeht.

Der Tropfen, der für mich das Fass zum überlaufen gebracht hat:

Die Drohung gegen Shadiego, rechtliche Schritte einzuleiten, falls er weitere Werder-Videos erstellt und veröffentlicht. Unter Werderfans ist der Name wohl bekannt genug, aber für die Nicht-Werderfans unter meinen Lesern sollte ich ihn kurz vorstellen: Shadiego hat mit seinen emotional zusammengeschnittenen Videos einen Kultstatus unter Werderfans erreicht. Er verwendet dabei Spielszenen, jedoch nach eigenem Bekunden kein Material von Werder.TV. Dennoch hält Werder es für nötig, ihn unter Druck zu setzen:

“Vom Mediendirektor wurde ich nichtmal begrüßt sondern gleich mit folgenden Worten überfahren: “So deine Copyrightverletzungen hören dann jetzt auf.” Ich so: “Bitte?” (Werder war sich der Videos immer bewußt und duldete diese). “Machst du noch weitere Videos, darfst du dich mit WERDERS Rechtsanwalt auseinandersetzen”.”

Shadiego bei Facebook

Nun mag man sich fragen, was das bei aller Empörung mit meinem Blog zu tun hat. Auch ich veröffentliche hier Inhalte, bei denen ich mir nicht immer zu 100% sicher sein kann, ob ich nicht irgendwelche Markenrechte oder sonstige Ansprüche von Werder verletze. Das ist weder neu, noch unterscheide ich mich damit von anderen Bloggern. Die Reaktion des Vereins gegenüber Shadiego zeigt aber, dass man durchaus bereit und willens ist, gegen Medienschaffende vorzugehen, die eine kostenlose* Leistung für Fans erbringen. Dabei waren Shadiegos Videos bei Werder durchaus bekannt: Vor nicht allzu langer Zeit absolvierte er noch ein Praktikum bei Werder.TV. Richtig abenteuerlich wird es dann bei der Begründung;

“Es geht viel weniger um mich, sondern um Leute […], die WERDER.TV Beiträge 1 zu 1 kopieren und auf Youtube hochladen. Gegen solche Leute will WERDER vorgehen und bei mir könne man dann keine Ausnahme machen.”

Ähm, wie meinen? Könne man keine Ausnahme machen? Weil man von einem fiesen Abmahnanwalt gezwungen wird, gegen alles vorzugehen, das irgendwie mit Werder und YouTube zu tun hat? Diese Geisteshaltung ist ein Schlag ins Gesicht der Werder-Fanszene. Hauptsache mit aller Gewalt das eigene Recht durchdrücken, egal gegen wen und egal, ob dem Verein ein Schaden entstanden ist. Shadiego in einen Topf mit “Raubkopierern” zu stecken ist dumm, dreist und ein klares Zeichen dafür, dass die Verantwortlichen kein Fingerspitzengefühl haben. Am Samstag werden wir uns alle wieder über den Dorfverein aus Hoffenheim amüsieren. Werder Bremen zeigt gerade sehr deutlich, dass man selbst auch nach vielen Jahren in der Champions League den Status des Provinzclubs noch nicht überwunden hat.

Unter diesen Voraussetzungen kann ich für den Moment nur sagen: Ich habe keine Lust mehr. Ich schreibe hier, weil es mit Spaß macht. Es ist ein Hobby. Aber es ist eben auch Arbeit. Jahrelang Woche für Woche Blogeinträge zu schreiben ist ein Zeitfaktor und nicht unbedingt ein kleiner – wie sicher jeder Blogger unter euch bestätigen kann. Ich möchte  mir bei meinem Hobby keine Gedanken machen müssen, ob ich dafür von meinem Verein, in dem ich Mitglied bin, abgemahnt werde. Dass man als Blogger immer einer latenten Abmahngefahr ausgesetzt ist, ist mir wohl bekannt. Doch es erreicht eine völlig andere Dimension, wenn es sich bei dem potenziellen Kläger um den Verein** meines Herzens handelt.

Wenn nicht mal vor einem ehemaligen Mitarbeiter wie Shadiego halt gemacht wird, warum sollte dann ich mit einer Ausnahmebehandlung seitens Werders rechnen? Solange Leute wie Mediendirektor Tino Polster, der (ausgerechnet!) medial noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist, bei Werder Macht ausüben dürfen, wird sich an dieser Situation wenig ändern.

Wer meine Reaktion für übertrieben hält, der hat jedes Recht dazu. Ich sage nicht, dass hier für immer Schluss ist, aber ich weiß auch nicht, ob und wann es weitergeht. Ich kopple das auch nicht an die Geschichte um Shadiego. Ich habe einfach derzeit keine Lust, einen so großen Teil meiner Freizeit damit zu verbringen. Ich werde beim Grünweiß Werder-Stammtisch weitermachen und dort auch bloggen (und mir ist klar, dass das letztlich inkonsequent ist). Aber das “Tagesgeschäft” hier pausiert erstmal.

* Das Geld, das ich mit diesem Blog verdiene, deckt nicht einmal die Kosten, die ich fürs Hosting usw. habe.
** Mir ist klar, dass es nicht der Verein sondern die KG aA wäre, aber das macht keinen Unterschied.