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Pep Guardiola und Teddy der Bär

Werder Bremen – Borussia Dortmund 0:5

Ursprünglich stand hier mal so etwas wie eine Analyse zu Werders höchster Heimniederlage seit 1987. Beim Schreiben habe ich aber schnell gemerkt, dass das heute irgendwie nichts wird. So ähnlich müssen sich auch die Spieler gefühlt haben, nachdem sie einigermaßen beflügelt ins Spiel gegen Borussia Dortmund gegangen waren und den Meister 10 Minuten lang gut unter Druck gesetzt hatten, dann jedoch binnen kurzer Zeit hoffnungslos hinten lagen.

Viel zu analysieren gibt es für mich sowieso nicht. Werders System ist aus taktiktheoretischer Sicht sicherlich interessant gewesen, aber dazu habe ich eigentlich schon vor dem Spiel alles geschrieben. Irgendwo habe ich gelesen, dass Werder mit Guardiolas System spielen würde. Ich kann mich nicht erinnern, dass Barcelona unter ihm jemals ein 4-2-4-0 (oder meinetwegen auch 4-6-0) gespielt hätte. Bei diesem System denke ich an den AS Rom oder Manchester United vor ein paar Jahren. Aber heute ist wohl nicht der Tag, um Haare zu spalten. Es war klar, dass diese Taktik gegen Dortmund ein Risiko sein würde. Dass die Hybridrolle von Petersen die rechte Seite anfällig machen würde. Nach einer 0:5-Niederlage ist es leicht zu sagen, dass die Taktik falsch war. Man hat ja keinen Vergleich, wie es mit einem 4-1-4-1 gelaufen wäre.

Dennoch muss man festhalten, dass taktische Experimente unter Schaaf selten von Erfolg gekrönt waren. Auch wenn die Erinnerung daran langsam verblasst, kann man hier das Kamikaze-Spiel in Lyon 2005 nennen, das UEFA-Cup-Finale 2009 oder auch das Pokalfinale 2010. Die größte Krise in Schaafs Amtszeit während der Saison 2010/11 war wohl nicht zufällig von ständigen Systemwechseln zwischen Raute und 4-2-3-1 gekennzeichnet. Deshalb kann ich die Aussagen, dass man Schaaf nichts vorwerfen könne, weil er wenigstens “etwas Neues ausprobiert” habe, auch nicht so richtig nachvollziehen. Sie ergeben wohl nur in Verbindung mit der (falschen) Narrative Sinn, dass Schaaf bis zum letzten Sommer nie von seiner Mittelfeldraute abgewichen sei.

Die spannendste Erkenntnis für mich war, dass Wolfgang “Teddy” de Beer Torwarttrainer bei Borussia Dortmund ist. Das hätte man wissen können, er ist es schließlich schon seit zehn Jahren. Beim Aufwärmen im Stadion wiedererkannt, an den O-Beinen natürlich. Ich war in diesem Moment ein wenig neidisch auf Roman Weidenfeller. Zum einen, weil er sich mit ihm aufwärmen durfte, was auf der Tribüne (trotz Glühwein) etwas schwierig war. Zum anderen, weil ich als Kind immer dachte, der Dortmunder Torwart hieße “Teddy der Bär”, was ich irgendwie schön fand und ihn deshalb in den Kreis meiner Lieblingsspieler aufnahm. Es hätte in den folgenden 90 Minuten etwas tröstliches gehabt, einen Teddy bei sich zu haben.

Dabei war Teddys Präsenz schon ein kleiner Fingerzeig auf das, was kommen sollte. Die höchste Heimniederlage seit 1986/87 nämlich, jener Saison, in der Teddy der Bär zur Borussia nach Dortmund wechselte. Sein Profidebüt gab er übrigens 1982 gegen Werder Bremen und kassierte prompt fünf Gegentore. Roman Weidenfeller hingegen blieb ohne Gegentor und hätte sich über weite Strecken des Spiels wahrscheinlich lieber wieder mit seinem Torwarttrainer aufgewärmt, anstatt beschäftigungslos bei der klirrenden Kälte auf den Abpfiff zu warten.

Letztlich waren wohl alle Beteiligten froh, als das Spiel vorbei war, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Für Thomas Schaaf gibt es unter der Woche vor allem im mentalen Bereich viel Arbeit zu verrichten. Die gute Stimmung aus dem Trainingslager dürfte erst einmal verflogen sein und es wird enorm wichtig sein, die Enttäuschung aus dem Spiel nicht mit ins Nordderby am Sonntag zu nehmen, sondern sie in eine Jetzt-erst-recht-Haltung umzuwandeln. Gepaart mit den Niederlagen gegen Frankfurt und Leverkusen kurz vor Jahresende könnte sonst ein Effekt wie in der letzten Saison entstehen, als man gegen Gladbach, Bayern und Schalke ähnlich spektakulär unterging und danach in der Rückrunde nicht mehr richtig auf die Beine kam.